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Psychologisches Training im Leistungssport

Studienarbeit 2003 48 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Hinführung zum Thema

2 Grundsätzliches zur Sportpsychologie
2.1 Definition der Sportpsychologie
2.2 Grenzen der Sportpsychologie
2.3 Psychologie im Anwendungsfeld Leistungssport
2.3.1 Zielsetzung des Leistungssport
2.3.2 Ziel der Sportpsychologie im Leistungssport

3 Grundsätzliches zum Training
3.1 Definition
3.2 Ziele des Trainings

4 Psychologisches Training
4.1 Prinzipien des psychologischen Trainings
4.2 Ziele des Trainings unter psychischer Belastung
4.2.1 Ursachen und Formen psychischer Belastungen
4.2.2 Problematik der Erfassung psychischer Belastungen im Leistungssport
4.3 Der Psychologe im Leistungssport

5 Mentales Fertigkeitstraining
5.1 Selbstgesprächsregulation
5.1.1 Selbstmotivierungstechniken
5.1.2 Rationalisierungstechniken
5.1.3 Aufmerksamkeitsveränderungen
5.1.4 Suche nach Problemlösungsstrategien
5.2 Selbstwirksamkeitsüberzeugung/Kompetenzerwartung
5.2.1 Prognosetraining
5.2.2 Training der Nichtwiederholbarkeit
5.2.3 Prognose und Training der Nichtwiederholbarkeit mit Zeitverzögerung
5.3 Aufmerksamkeitsregulation
5.3.1 Aufmerksamkeitstraining nach Nideffer
5.3.1.1 External-weit
5.3.1.2 External-eng
5.3.1.3 Internal-weit
5.3.1.4 Internal-eng
5.3.2 Konzentration in der Zeit
5.4 Aktivationsregulation
5.4.1 Relaxationstechniken
5.4.1.1 Autogenes Training
5.4.1.2 Progressive Muskelentspannung
5.4.2 Mobilisationstechniken
5.5 Vorstellungsregulation
5.5.1 Mentales Training
5.5.1.1 Verdecktes Wahrnehmungstraining
5.5.1.2 Subvokales Training
5.5.1.3 Ideomotorisches Training
5.5.2 Das Flow-Erleben
5.5.3 Drehbücher
5.6 Zielsetzung/Analyse
5.6.1 Zielsetzung
5.6.2 Analyse

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Tätigkeitsfelder der Sportpsychologie

Abb. 2: Psychische Belastungswirkungen im Sport

Abb. 3: Die Stellung des Sportpsychologen in der Infrastruktur des Sports

Abb. 4: Formen der Aufmerksamkeit nach Nideffer

Abb. 5: Die 4 Stufen des Mentalen Trainings

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Ansatzstellen für die Relaxation

Tab. 2: Autogenes Training

Tab. 3: Progressive Muskelentspannung nach Bernstein und Borkovec

Tab. 4: Ansatzstellen für Mobilisation

1 Hinführung zum Thema

„Am Ende einer langen, dramatischen Saison entscheiden ein paar winzige Zentimeter. Weil Werder-Profi Michael Kutzop am 22. April 1986 den berühmtesten Strafstoß der Bundesliga-Geschichte an den rechten Pfosten des von Jean-Marie Pfaff gehüteten Bayern-Tores setzte, reckten vier Tage später die Münchner und nicht die lange Zeit führenden Bremer die Meisterschale in den Frühlingshimmel. Ein Punkt, ein Tor, zwei, drei Zentimeter nur fehlten dem SV Werder zum großen Triumph. Pech, unglaubliches Pech.“[1]

Laut Jürgen Höller, Mentaltrainer, „gibt es im Fußball nicht Glück und Pech. Wenn ein Ball am Innenpfosten landet und schließlich aus dem Tor herausspringt, dann deshalb, weil der Spieler seinen Fuß so gehalten hat, dass der Ball dorthin fliegen musste. Nicht der Fuß eines Fußballers schießt das Tor, sondern der Kopf, weil von dort die Befehle kommen. Traut sich ein Spieler nichts zu, laufen die Programme unbewusst in die falsche Richtung.“

Ähnliche Beispiele findet man auch in anderen Sportarten, wo es bei den Leistungssportlern nach nicht so erfolgreichen Wettkämpfen heißt: „Eigentlich war ich gut, aber...“ oder „Gestern im Training ist alles noch so gut gelaufen, und ausgerechnet heute...“. Leistungsanalysen der Sportverbände in der Bundesrepublik Deutschland von internationalen Wettkämpfen belegen, dass nur etwa 35% der Athleten ihre Bestleistung zu den geplanten Höhepunkten erreichen. Gern werden solche Sportler, denen es in entscheidenden Situationen nicht gelingt, die Leistungsfähigkeit in die Tat umzusetzen, als „Trainingsweltmeister“ bezeichnet.[2]

Ursachen sind neben einer unzureichenden Beherrschung trainingsmethodischer Prinzipien des langfristigen Leistungsaufbaus sowie Störungen der Leistungsentwicklung durch Krankheit oder Verletzung der Sportler auch in einer ungenügenden Beherrschung psychischer Regulationsprozesse durch die Sportler unter den Besonderheiten der Wettkampftätigkeit zu sehen.[3]

Hierzu zählen vor allem

- Auseinandersetzung mit Gegnern
- Leistungsbewertung durch Kampf- und Schiedsrichtern
- Begrenzung der Leistungsabgabe nach Wettkampfregeln
- Zeitbegrenzungen und Nichtwiederholbarkeit von Leistungsabgaben
- psychische Beeinflussung der Sportler durch Zuschauer und Medien[4].

Da die eine Bewegung begleitenden inneren Abläufe, wie Gedanken und Gefühle, die äußeren Abläufe, die Bewegungsausführung, nicht mehr unterstützen, sondern sie eher erschweren, erleben die Sportler die Bewegungsabläufe als gestört, widerständig oder schwierig – ihr Bewegungsfluss gerät ins Stocken, die Bewegungen werden ruckartig und verlieren ihren Rhythmus.[5] Deshalb gehören zum täglichen Training nicht nur die Kenntnisse über Kraft-, Ausdauer- und Technikübungen, sondern ebenso das Wissen

- über die Beherrschung von Erregungszuständen
- oder die Beseitigung störender Gefühle, z.B. Angst bei schwierigen und anstrengenden Übungen
- zur Bewältigung von Fehlleistungen und Misserfolgen
- für anforderungs- und situationsangemessenes Verhalten bei der Ausführung von Übungen bzw. in sportlichen Wettkämpfen und
- über individuumsbezogenes bzw. subjektangemessenes Handeln beim Sporttreiben.[6]

Diese Hausarbeit wird die Möglichkeiten aufzeigen, die Trainer und Leistungssportler haben, um mit Hilfe von psychologischem Training kognitive Fertigkeiten[7] zu erlernen, damit sie die kognitiven Prozesse ihres Handelns im Sport verbessern und/oder stabilisieren können. Dabei wird in der folgenden Abhandlung zunächst kurz auf Grundlagen und Ziele der Sportpsychologie eingegangen. Das anschließende Kapitel befasst sich mit dem Begriff des Trainings, nachfolgend werden im vierten Kapitel Ziele und Prinzipien des psychologischen Trainings erläutert, vor allem unter der Voraussetzung der psychologischen Belastung[8]. Zudem soll die Funktion des Psychologen im Leistungssport kurz dargestellt werden.

Im darauffolgenden Kapitel sollen die unterschiedlichen Formen des Mentalen Fertigkeitstrainings als psychologisches Training im Leistungssport aufgezeigt, um abschließend in einem Fazit die Ergebnisse zusammenzufassen.

2 Grundsätzliches zur Sportpsychologie

Das folgende Kapitel definiert die Sportpsychologie als eine im System der psychologischen Wissenschaften angewandte und praktische Psychologie, erläutert Aufgaben sowie Grenzen und beschreibt die Ziele, die mit Hilfe der Sportpsychologie erreicht werden sollen.

2.1 Definition der Sportpsychologie

In Anlehnung an die Psychologie, die „menschliches Verhalten und Erleben möglichst angemessen erfassen, d.h., es nach Konstanz und Veränderlichkeit beschreiben und wenn möglich messen, die Bedingungen von Konstanz und Veränderlichkeit feststellen und den künftigen Verlauf, soweit es geht, vorhersagen möchte“[9], kann die Sportpsychologie folgendermaßen definiert werden:

„Die Sportpsychologie möchte Verhalten und Erleben von Personen im Sport möglichst angemessen erfassen, d.h., es nach Konstanz und Veränderlichkeiten beschreiben und wenn möglich messen, die Bedingungen von Konstanz und Veränderlichkeit feststellen und den künftigen Verlauf, soweit es geht, vorhersagen und beeinflussen.“[10]

Einfacher ausgedrückt kann Sportpsychologie laut Janssen als „die angewandte Wissenschaft, die sich mit dem Verhalten und Erleben (sowie deren Ursachen und Folgen) von Menschen beschäftigt, welche dem Sport aktiv oder passiv verbunden sind“[11], gesehen werden.

Nachfolgend kann gesagt werden, dass alle Definitionen von Sportpsychologie eine Gemeinsamkeit aufweisen: „der Sportpsychologie geht es immer um Situationen im Sport, also um die Wechselbeziehungen von Personen mit ihrer Umwelt und gestellten Anforderungen im sozialen Handlungsfeld Sport. Sie möchte zu Aussagen über die Bedingungen und Wirkungen dieser Beziehungen auskommen“[12].

2.2 Grenzen der Sportpsychologie

Wie in Abbildung 1 ersichtlich wird, befasst sich die Sportpsychologie besonders mit den sportlichen Handlungsfeldern Leistungssport, Breitensport, Schulsport, Freizeitsport sowie Sondersport, worunter Sport mit spezifischen Zielgruppen, z.B. Sport mit der deutschen Sprache unkundigen Ausländern, Seniorensport, Sport in der Rehabilitation oder Resozialisierung, zu sehen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Tätigkeitsfelder der Sportpsychologie

Quelle: Baumann, Praxis, 1986, S. 14.

Dabei dominiert der Leistungssport die Forschungsbemühungen der Sportpsychologie immer noch deutlich, obwohl zunehmend eine Verschiebung auf die anderen genannten Handlungsfelder erkennbar wird.

Gründe für diese Dominanz liegen im breiten öffentlichen Interesse am Leistungssport auf nationalen und internationaler Ebene („Mittlerweile trägt der Leistungsdruck in der Fußball-Bundesliga fast unmenschliche Züge.“[13]) und an der Lösung psychologischer Probleme zur Optimierung sportlicher Höchstleistungen.[14]

Es wird darauf hingewiesen, dass im Rahmen dieser Studienarbeit von den dargestellten Tätigkeitsfeldern nur die Psychologie des Leistungssports behandelt wird, wobei jedoch aufgrund der Ähnlichkeit des psychologischen Trainings nicht unter Leistungs-, Hochleistungs- und Spitzensport differenziert wird.

2.3 Psychologie im Anwendungsfeld Leistungssport

Wie bereits erwähnt, stellt vor allem der Leistungssport ein Handlungs- und Erlebnisfeld dar, in dem psychische Prozesse vor, während und nach extremen Leistungssituation hervorragend studiert werden können.[15]

2.3.1 Zielsetzung des Leistungssport

Für Leistungssportler besteht die Zielsetzung ihres Sports im Erreichen, Stabilisieren und Verbessern persönlicher sportlicher Höchstleistungen. Um ein bestimmtes sportliches Leistungsziel, z.B. den Meistertitel in der jeweiligen Sportart zu erringen, trainieren und üben sie jahrelang, teilweise unter der Vernachlässigung von Schule, Studium oder Beruf sowie familiären und sozialen Beziehungen.

2.3.2 Ziel der Sportpsychologie im Leistungssport

Lange Zeit wurde die Psychologie im Leistungssport in eine Art „Feuerwehr- bzw. Seelendoktorfunktion“ gedrängt, Leistungsfehlverhalten zu regulieren, d.h., der Psychologe wurde erst dann gerufen, wenn keine anderen Trainings- und Förderungsmethoden mehr wirksam waren. Schlagzeilen wie „Der VfB – nur noch ein Fall für den Psychiater“[16] belegen dies.

Allerdings wird hierdurch eine kontinuierliche und sachlich notwendige Zusammenarbeit verhindert.

Heute werden zum einen die Schaffung der psychischen Voraussetzungen des Athleten für die im vorherigen Abschnitt aufgezeigten Ziele des Leistungssports, zum anderen die Steuerung der im Verlauf des Trainings und Wettkampfs ablaufenden psychischen Prozesse und die leistungsoptimierende Verwertung deren Ergebnisse als Ziel der Sportpsychologie gesehen.[17]

Anders ausgedrückt, hat die Sportpsychologie eine „allgemein bedeutsame Frage zu lösen, nämlich die psychischen Funktionen und das Verhalten der Menschen in Stress- und Grenzsituationen, wobei leider nur die absolute Leistung und nicht die relative als maßgebend betrachtet wird“[18].

Im Idealfall sollte die psychologische Regulation[19] der sportlichen Tätigkeit durch den Sportler selbst erfolgen (Selbstregulation). Da jedoch vor allem jüngere Sportler noch nicht zu einer eigenständigen Psychoregulation ihrer Handlungen fähig sind, benötigen sie soziale Fremdeinflüsse, die meist von Führungspersonen, jedoch auch von Mannschaftskameraden ausgehen können (Fremdregulation). Es bedarf einer individuell abgestimmten, zukunftsorientierten Planung und Organisation psychoregulativer Voraussetzungen in Trainings sowie Wettkampf. Auf die Möglichkeiten der psychologischen Trainingsregulation wird in den folgenden Kapitel eingegangen.

3 Grundsätzliches zum Training

Generell aus sportpsychologischer Sicht ist in den letzten Jahren besonders das Training, speziell im Sinne der Optimierung psychischer Handlungsvoraussetzungen, in den Blickpunkt des Interesses gerückt. Im folgenden Kapitel werden zunächst Training und dessen Ziele definiert, um anschließend auf das psychologische Training, vor allem unter psychischer Belastung, zu verweisen.

3.1 Definition

Unter Training „wird nicht mehr nur ein strategisches Instrument zur Steigerung und Erweiterung individueller sportlicher Höchstleistung gesehen, sondern auch eine Optimierungsstrategie zum Zwecke

- der Vorbeugung (gegen potentielle Belastungen),
- der Erhaltung und
- der Wiederherstellung

von Handlungsvoraussetzungen und -möglichkeiten auf jedem Leistungs- und Altersniveau.“[20]

3.2 Ziele des Trainings

Das in 3.1 definierte Training bezieht sich auf physische (z.B. Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel, Atmung), psychische (z.B. Aufmerksamkeit, Stress, Gedächtnis) und soziale Bedingungen und Prozesse (z.B. Konflikte, Selbstbild, Selbstbehauptung, Interaktion). Unter einen so gefassten Trainingsbegriff lassen sich dann sowohl fremdbeobachtbare soziale Verhaltens- und Handlungsweisen als auch die in der Person ablaufenden kognitiven und emotionalen Prozesse fassen.

Ziel dieser „Erziehung“ ist das Erlernen des Leistungssportlers, sein Handeln kritisch zu planen, zu realisieren und schließlich zu bewerten. Entscheidend bei der hier vorgeschlagenen Auffassung von Training ist dann nicht mehr so sehr das Trainingsziel, sondern vielmehr der Trainingsprozess, der nach bestimmten Prinzipien verlaufen muss und aufzubauen ist. Dementsprechend sind nicht nur Muskel oder Herz-Kreislauf-System Gegenstand von Trainingsprozessen, sondern immer eine handelnde und erlebende Person, denn: „Nicht Muskeln und der Kreislauf treiben Sport, sondern Menschen!“[21]

4 Psychologisches Training

Bisher wird vielfach übersehen, dass neben dem Training der motorischen Fertigkeiten (Ausführen bestimmter Bewegungen und Bewegungsabläufe), auch die kognitiven Prozesse trainiert werden müssen, um die Handlungen und Bewegungen des Sportlers stabilisieren und verbessern zu können. Damit jedoch das Training des äußeren, motorischen Ablaufs gut gelingt, muss es durch regelmäßiges und intensives Training der kognitiven Prozesse und Zustände gestützt werden, dem sogenannten psychologischen Training.

Hierunter wird im Leistungssport „das Zielen auf die Verbesserung psychischer Handlungsvoraussetzungen zum Zwecke der Optimierung des sportartspezifischen technisch-taktischen Handelns der Trainingsteilnehmer“[22] verstanden.[23]

4.1 Prinzipien des psychologischen Trainings

Psychologisches Training ist dann am erfolgreichsten, wenn es als vorgreifende Anpassung an künftige Anforderungen oder Belastungen sowie als Erweiterung der individuellen Handlungsfähigkeit geplant und durchgeführt wird, wobei sich Zielstellungen und Inhalte des Trainings sportartspezifisch orientieren sollten, d.h. sie sind aus den individuellen Problemstellungen der jeweiligen Sportart abzuleiten. So braucht z.B. Schütze, Golfer oder Skispringer höchste Aufmerksamkeit und Konzentration auf einen Punkt, wohingegen Schwimmer, Radfahrer und Läufer hochautomatisierte Bewegungen ausführen und sich mit Tempo, Ausdauer und Gegnern auseinandersetzen. Im Mannschaftssport ist die Position mit mannschaftsdienlichem Verhalten zu koppeln, wobei Konflikte und Differenzen nicht ausbleiben. Für Motorsportler oder Kletterer muss sich das psychologische Training so orientieren, dass der Sportler mit seinen Emotionen und hohem Risiko umzugehen weiß. Taktik, blitzschnell wechselnde Situationen, Aktionen und Reaktionen sind vor allem in Zweikampfsportarten sowie bei Rückschlagspielen gefragt.[24]

Eine Systematik der Sportarten ist bis heute nur ungenügend gelungen. Der Psychologe muss fragen, welche Belastungen sich aus der Sportart und ihrem Umfeld ergeben, um die Inhalte und Zielvorstellungen der jeweiligen Sportart danach zu richten.

Um das Handeln unter unterschiedlichen inneren (z.B. Ermüdung) und äußeren Bedingungen (z.B. Witterung) bewusst zu regulieren, ist es notwendig, Handlungsphasen bzw. Knotenpunkte der Handlung herauszufinden, die je nach Zielvorstellung in der Handlungsvorbereitung, im -verlauf oder in der -nachbereitung liegen.

Erfahrungen haben gezeigt, dass der Sportler mindestens ein Jahr vor dem Einsatz während seines Saisonhöhepunktes mit dem psychologisches Training beginnen sollte, um einen wirkungsvollen Nutzen daraus ziehen zu können. Vor diesem Einsatz muss es in vorbereitenden Wettkämpfen erprobt und gegebenenfalls korrigiert werden. Psychologisches Training ist nur dann erfolgreich, wenn es inhaltlich und organisatorisch in das gesamte sportliche Ausbildungskonzept integriert ist.

Zudem ist es sinnvoll, dieses in den langfristigen Trainingsaufbau einzuordnen, so das es altersspezifische und individuelle Besonderheiten berücksichtigen kann. Im Jugendalter kommt es z.B. darauf an, Selbstbeobachtung und
-bewertung, Entwicklung der Konzentration oder Bewegungswahrnehmung und -vorstellung auszubilden, wobei das psychologische Training später dazu beiträgt, individuell wirksame spezifische Programme, z.B. für die Wettkampfvorbereitung, zu entwickeln.

Da psychologische Trainingsprogramme stets auf mehreren psychologischen Verfahren basieren, sollte die Auswahl der Trainingsmethoden komplex zusammengesetzt werden, vor allem aus Analyse und Bewertung innerer Leistungsvoraussetzungen, Wahrnehmung und Vorstellung, Selbstmotivierung sowie aus Regulation von An- und Entspannungsprozessen.[25]

4.2 Ziele des Trainings unter psychischer Belastung

Das Ziel solcher Trainingsmaßnahmen wäre die optimale Handlungsfähigkeit auch unter psychischer Belastung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Psychische Belastungswirkungen im Sport

Quelle: Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 281.

Da sportliche Belastung gleichzeitig sowohl eine positive als auch eine negative Belastungswirkungen hervorruft, kann eine sportliche Betätigung „zu nachweisbaren Verschlechterungen kognitiv-motorischer Leistungsvoraussetzungen führen (z.B. Verschlechterung der Reaktionsfähigkeit), gleichzeitig jedoch ein tiefes Gefühl der Befriedigung vermitteln, die Belastung bewältigt zu haben, was nachfolgende sportliche Aktivitäten positiv beeinflusst (Motivation)“.[26]

Die psychische Belastung, die immer dann gegeben ist, wenn die mit der Ausführung der Tätigkeit verbundene psycho-physische Beanspruchung zu Veränderungen der emotional-motivational sowie kognitiv-motorischen Komponenten und Fähigkeiten der Handlungsregulation führt, entsteht nicht als einfache Reaktion auf Trainings- und Wettkampfbelastungen.

Vielmehr werden die Belastungswirkungen durch die Qualität der Belastungsverarbeitung sowie der Art und Weise der Auseinandersetzung mit der zu bewältigenden Aufgabe bestimmt, was sowohl zur Förderung als auch zur Minderung der Leistungsvoraussetzung führen kann und im Leistungssport immer öfter auch die beruflichen Perspektiven des Sportlers bestimmen kann.

4.2.1 Ursachen und Formen psychischer Belastungen

Durch Übung oder Anpassung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die entstehenden Veränderungen leistungsförderlicher Art sind. Treten dagegen psychische Ermüdung, Monotonie, psychische Sättigung sowie psychischer Stress als leistungsmindernde Belastungswirkungen auf, ist zu fragen, ob sie als notwendiger Bestandteil des Trainings bewusst geplant sind, um eine vorgreifende Anpassung auf künftige Belastungen zu erreichen, oder ob sie Folge einer unangemessenen Trainingsgestaltung sind.[27]

Psychische Ermüdung

Psychische Ermüdung ist gekennzeichnet „durch ein Nachlassen der geistigen und/oder körperlichen Leistungsfähigkeit“[28] und zeigt sich in vielfältigen Dysregulationen, die abhängig sind von Art, Umfang und Intensität der betreffenden Belastung sowie von aktuellen Leistungsvoraussetzungen des Sportlers.

Besonders deutlich bemerkbar macht sich die psychische Ermüdung durch mangelnde geistige Mitarbeit des Sportlers, geringe Konzentrationsfähigkeit und ständiges „abgelenkt sein“, Unsicherheiten in der Ausführung bestimmter Bewegungen, die eigentlich beherrscht werden sowie häufig auftretende technische Mängel bzw. Fehler.[29]

Monotonieerlebnisse

Unter Monotonie wird der Zustand herabgesetzter Aktivität verstanden, der einhergeht mit einem Absinken der Gesamtleistung, wozu u.a. erhöhte Müdigkeits- und Schläfrigkeitsgefühle, gleichgültige Stimmungslage, Nachlassen der Aufmerksam- und Reaktionsfähigkeit, Zunahme der Fehler sowie der Leistungsschwankungen zählen.

Im Sport tritt dieser Zustand nur dann im Training auf, wenn der Sportler sich einerseits gedanklich nicht voll von der Tätigkeit lösen kann, andererseits aber auch keine geistige Auseinandersetzung mit der sportlichen Tätigkeit gefordert wird, z.B. in sogenannten „zyklischen Sportarten“ wie Laufen, Schwimmen oder Rad fahren.

Psychische Sättigung

Psychische Sättigung, die als ein ärgerlich-unruhiger, unlustbetonter Spannungszustand gesehen wird, tritt häufig dann auf, wenn der Sportler das Gefühl hat, „auf der Stelle zu treten“, „nicht recht vorwärts zu kommen“, wobei auch falsche Vorstellungen über Dauer oder Schwierigkeit einer Trainingsbelastung von Bedeutung sind.

Ursache für diesen Zustand sind u.a. mangelnde Erfolgserlebnisse, fehlende sichtbare Fortschritte während des Trainings oder wenn die Sinnhaftigkeit für das, was der Sporttreibende tut und häufig wiederholen muss, verloren gegangen ist.[30]

Psychischer Stress

Psychischer Stress „ist ein Zustand andauernder erregter Gespanntheit, der besonders in solchen Situationen auftritt, in denen der Sportler ein Missverständnis zwischen sportlicher Aufgabe und den eigenen Leistungsvoraussetzungen widerspiegelt, in denen subjektiv bedeutsame Ziele in Frage gestellt sind bzw. eine Beeinträchtigung durch erwartete, tatsächlich mögliche oder eingebildete negative Konsequenzen gegeben sind“[31]. Dadurch fühlt der Sportler sich überfordert und sieht keine Möglichkeit mehr, die Belastungen abzuwenden oder die Situation durch eigenes Handeln unter Kontrolle zu bringen.

4.2.2 Problematik der Erfassung psychischer Belastungen im Leistungssport

Die Probleme einer genaueren Erfassung psychischer Belastungen lassen sich auf mehrere Ursachen zurückführen:

Zum einen können die vom Sportler als psychisch belastend empfundenen Situationen nur unzureichend erfasst werden, zum anderen verlangt die Leistung, vor allem in Sportarten wie Ski alpin, Skispringen oder Motorsport, die Überwindung, häufiger auch die Verdrängung körperlicher sowie psychischer Probleme und Ängste.

[...]


[1] Kaiser, Fußball als Kopfsache, in: Kicker Sportmagazin Nr. 43/ 22. Woche, 29.05.2000.

[2] Vgl. Eberspächer, Mentales Training, 1995, S. 11; vgl. auch Schilling, Wettkampf, 1979, S. 19.

[3] Vgl. Frester/Wörz, Wettkampfvorbereitung, 1997, S. 7.

[4] Vgl. Frester/Wörz, Wettkampfvorbereitung, 1997, S. 9.

[5] Vgl. Eberspächer, Mentales Training, 2001, S. 11.

[6] Vgl. Kunath, Sportpsychologie für alle, 2001. S. 9.

[7] „Kognitive Fertigkeiten beziehen sich auf die Aufnahme (Wahrnehmung) und Verarbeitung (Denken, Vorstellen, Erinnern) von Informationen.“ (Eberspächer, Mentales Training, 1995, S. 17.)

[8] „Unter psychischer Belastung verstehen wir [...] die Widerspiegelung jener Trainingsanforderungen bzw. -reize im Sportler, bei deren Bewältigung das vorhandene psycho-physische Gleichgewicht gestört wurde und die vorhandenen Fähigkeiten, Kenntnisse, Motive, Emotionen u.a. nicht ausreichen, sie zu bewältigen. Dabei ist situativ-aktuelle psychische Belastung von langdauernder zu unterscheiden.“ (Welteke, Persönlichkeitsforschung, 1979, S. 54).

[9] Gabler/Nitsch/Singer, Grundthemen, 1995, S. 16.

[10] Gabler/Nitsch/Singer, Grundthemen, 1995, S. 22.

[11] Janssen, Grundlagen, 1995, S. 12.

[12] Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 20.

[13] Wissenschaftler, Daum hat sich gedopt, aus: http://www.spiegel-online.de, 26.04.2002.

[14] Vgl. Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 310ff.; vgl. auch Thomas, Schlüsselbegriffe, 1982, S. 21.

[15] Vgl. Thomas, Einführung, 1995, S. 3.

[16] Vgl. Gabler, Anwendungsfelder, 1993, S. 151ff.; vgl. auch Hahn, Trainerausbildung, 1979, S. 26.

[17] Vgl. Baumann, Praxis, 1986, S. 15.

[18] Vanék, Aufgaben, 1979, S. 8.

[19] „Unter psychoregulativem Training versteht man die Einübung einer Technik (z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung) zur Kontrolle von körperlichen Vorgängen (z.B. Muskelentspannung, Herz, Kreislauf), um Störungen zu vermindern oder zu beseitigen, damit eine bessere Konzentration ermöglicht wird.“ (Schilling, Wettkampf, 1979, S. 24.)

[20] Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 277.

[21] Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 277-280.

[22] Sonnenschein, Psychologisches Training, 1993, S. 159.

[23] Vgl. Thomas, Einführung, 1995, S. 92, vgl. auch Mathesius, Prinzipien, 1996, S. 29f.

[24] Vgl. Rieder, Problemerkennung, 1996, S. 131f.

[25] Vgl. Mathesius, Prinzipien, 1996, S. 29ff.

[26] Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 281.

[27] Vgl. Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 281ff.

[28] Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 283.

[29] Vgl. Kunath, Sportpsychologie für alle, 2001, S. 35.

[30] Vgl. Kunath, Sportpsychologie für alle, 2001, S. 37.

[31] Eberspächer, Sportpsychologie, 1993, S. 283.

Details

Seiten
48
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638875394
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81648
Institution / Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Braunschweig
Note
1,7
Schlagworte
Psychologisches Training Leistungssport

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Titel: Psychologisches Training im Leistungssport