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Totalität eindimensionalen Denkens

Nach Herbert Marcuses “Der eindimensionale Mensch - Studien zur Ideologie der Fortgeschrittenen Industriegesellschaft

Seminararbeit 2001 19 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Biografisches

2. Inhaltsüberblick und Begriffsklärung
2.1 Die eindimensionale Gesellschaft
2.2 Das eindimensionale Denken

3. Die Philosophie der Antike
3.1 Platonsche Dialektik
3.2 Die formale Logik des Aristoteles
3.3 Mängel der Logik von Platon und Aristoteles

4. Die Logik der fortgeschrittenen Industriegesellschaft
4.1 Eros und Logos
4.2 Der Verlust des Negativen
4.3 Rationalität der Herrschaft
4.4 Sprachanalyse

5. Totalitarismus?!

Literaturangabe

1. Einleitung

Im Folgenden werde ich mich hauptsächlich mit Herbert Macuses Begriff des Totalitarismus, so wie er ihn in seinem Buch „Das eindimensionale Denken“ verwendet, auseinandersetzen. Wobei ich insbesondere auf die Totalität des eindimensionalen Denkens eingehen werde.

Das erste Drittel des Buches „Die eindimensionale Gesellschaft“ (Kapitel 1-4) werde ich nur zu Beginn kurz umreißen um wichtige Begriffe zu erläutern und um den Kontext aufzuzeigen.

Konzentrieren werde ich mich auf das zweite Drittel des Buches „Das eindimensionale Denken“ (Kapitel 5, 6 und 7). Zunächst Beschäftige ich mich also mit den Ursprüngen abendländischer Philosophie, der Antike um dann zur modernen Philosophie überzugehen. Auf dieser Basis lassen sich Thesen herausarbeiten und näher beleuchten. Das letzte Drittel des Buches „Die Chance der Alternativen“ (Kapitel 8, 9 und 10) möchte ich außer Acht lassen, da ich ihn in diesem besonderen Zusammenhang nicht für wesentlich halte.

1.1 Biografisches

Herbert Marcuse wurde 1898 geboren. Er studierte Philosophie und Nationalökonomie in Berlin und in Freiburg i. Br. Zunächst wurde er stark von Heidegger beeinflusst, doch mit dem Erscheinen von Marx frühen Schriften veränderte sich seine Einstellung.

Marcuse schloss sich dem „Frankfurter Institut für Sozialforschung“ an, als dieses 1934 in die USA emigriert war. Er selbst blieb auch nach 1945 in den USA, verschrieb sich weiterhin der „Neuen Linken“ und veröffentlichte einige, für die kritische Theorie mit prägende, Texte unter anderen das Buch: „Der eindimensionale Mensch“.

„The One-Dimensional Man. Studies in the Ideology of Advanced Industrial Society“ erschien erstmals 1964 in den USA. 1967 wurde es auch in Deutschland veröffentlicht und traf sozusagen den Nerv der Zeit: für die Studentenbewegung der 1968 er wurde Herbert Marcuse der geistige Anführer. Marcuse befürwortete im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen (TH. W. Adorno, Horckheimer) die Studentenbewegung sogar.

2. Inhaltsüberblick und Begriffsklärung

In „Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft“ analysiert Marcuse die Rationalität der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, wobei er insbesondere auf die Technik, die Organisation der Gesellschaft und der ihr zu Grunde liegenden Logik eingeht. Er kommt zu dem Schluss, dass diese Rationalität zutiefst irrational sei und versucht Mittel und Wege für Alternativen aufzuzeigen.

Herbert Marcuse zu seinem Buch: „Im Brennpunkt meiner Analyse stehen Tendenzen in den Höchstentwickelten gegenwärtigen Gesellschaften. Ich entwerfe Tendenzen und biete einige Hypothesen, nichts weiter.“[1]

2.1 Die eindimensionale Gesellschaft

„Vorrede: Die Paralyse der Kritik: eine Gesellschaft ohne Opposition“

Die kritische Gesellschaftstheorie macht es sich zur Aufgabe, mögliche Alternativen zur Verbesserung der menschlichen Lage auf historischer Basis zu analysieren. Dazu ist sie notwendig transzendent, will heißen, bewusst allgemein und offen gehalten.

Der Analyse vorausgesetzt werden zwei Werturteile:

„1.das Urteil, dass das menschliche Leben lebenswert ist oder vielmehr lebenswert gemacht werden kann oder sollte.“[2]
2.in dieser Gesellschaft sind Mittel und Wege zur Verbesserung der menschlichen Lage bereits vorhanden.[3]

Kapitel 1: „Die neuen Formen der Kontrolle“

Die fortgeschrittene Industriegesellschaft hat eine totalitären Charakter, da sie politisch und ökonomisch gleichgeschalten ist.[4] So gibt es zwar noch die Klassen Bürgertum und Proletariat, doch treten beide z. B. als Lobbyisten auf und entbehren so ihrem einstmals oppositionellem Charakter. Ein außerhalb der Gesellschaft, das Potential zur Opposition erzeugen könnte, scheint es nicht mehr zu geben.

Die Technik ist nicht länger neutral, sondern Mittel zur Unterwerfung und Herrschaft und verfehlt dadurch ihren eigentlichen Zweck, nämlich den, dem Menschen (als gesellschaftliches Subjekt) mit Hilfe der Automation ein freies und glückliches (lebenswertes) Leben zu ermöglichen. Technologische Rationalität ist in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft durchaus irrational.

Kapitel 2: „Die Abriegelung des Politischen“

Marcuse etabliert hier den Begriff des Warfare State (zusammengesetzt aus den Worten: War und Welfare). Wohlfahrt hebt mit Hilfe der Kriegsindustrie beständig den allgemeinen Lebensstandart. Ein Feindbild wird geschaffen, das die Funktion hat die Kriegsindustrie am Leben zu erhalten. Zugleich dient es als Rechtfertigung für Missstände jeglicher Art.

Kapitel 3: „Der Sieg über das unglückliche Bewusstsein: repressive Entsublimierung.“

Sublimation beschreibt eine bestimmte Form der Verdrängung. Man könnte von Ersatzbefriedigung sprechen. Das unbefriedigte niedere Bedürfnis wird durch die Befriedigung eines höheren Bedürfnisses ersetzt. Die Kunst ist Ausdruck von Sublimation aus Entfremdung. Entsublimierung würde unmittelbare Bedürfnisbefriedigung bzw. eine Befreiung von allen Ängsten und Zwängen bedeuten. (Nach Freud nicht möglich, nach Marcuse durchaus erstrebenswert.) Repressive Entsublimierung bedeutet unmittelbares Ausleben, oder unmittelbare den Produktionsverhältnissen unterworfene Bedürfnisbefriedigung. In ihr tritt Entfremdung nicht mehr sichtbar auf.

Ein Art Entfremdung von der Entfremdung. Ein unglücklicher Mensch, der glücklich zu sein glaubt, weil er glücklich zu sein scheint.

Kapitel 4: „Die Absperrung des Universums der Rede“

In diesem Kapitel zeigt Marcuse verschiedene Redegewohnheiten der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, deren Fakten und Faktoren und ihre charakteristischen Züge auf.

Eine der Charakteristika ist der Operationalismus, was im Zusammenhang mit Sprache soviel heißt, wie: „den Begriff gleichbedeutend zu machen mit der entsprechenden Reihe von Operationen“[5]. So funktionalisiert und formalisiert, verlieren etliche Begriffe an Transzendenz und Vieldeutigkeit, was dem eindimensionalem Bewusstsein förderlich ist.

(„>>Begriff<< soll die geistige Vorstellung von etwas bezeichnen, das als Ergebnis eines Reflexionsprozesses verstanden, erfasst und gewusst wird.“[6])

2.2 Das eindimensionale Denken

In dem zweiten Teil „Das eindimensionale Denken“ analysiert Herbert Marcuse die Denkschemata der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, wobei er insbesondere auf die Philosophie eingeht. Er unterteilt „das eindimensionale Denken“ in drei weitere Unterkapitel:

Kapitel 5 „Negatives Denken: die besiegte Logik des Protests“

Das Kapitel beschäftigt sich hauptsächlich mit der Philosophie der Antike (Platon, Aristoteles) und der ihr zu Grunde liegenden verschiedenen Modelle der Logik (dialektische/formale). Diese vergleicht Marcuse mit der vorherrschenden Logik der fortgeschrittenen Industriegesellschaft und zeigt auf beiden Seiten Mängel auf.

Kapitel 6 „Vom negativen zum positiven Denken: technologische Rationalität und die Logik der Herrschaft“

In diesem Kapitel geht Marcuse auf die, der modernen Wissenschaft zu Grunde liegenden Denkschemata ein und übt Kritik an denselben. Hiermit schließt Marcuse das Aufzeigen des Prozesses „wodurch Logik zur Logik der Herrschaft wurde“[7] ab.

Kapitel 7 „Der Triumph des positiven Denkens: eindimensionale Philosophie“

Anhand der Sprachanalyse zeigt Marcuse die Mängel des positiven Denkens der modernen philosophischen Analyse sowie ihrem therapeutischen Anliegen auf. Auch kritisiert er die, seiner Meinung nach faschistoide, Kritik an den Intellektuellen.

[...]


[1] Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, München 1998, Umschlagrückseite

[2] Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, München 1998, S. 12

[3] Vgl. Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, München 1998, S. 13

[4] Vgl. Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, München 1998, S. 23

[5] Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, München 1998, S. 105

[6] Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, München 1998, S. 124

[7] Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, München 1998, S. 139

Details

Seiten
19
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638880183
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81548
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Totalität Denkens Karl Marx Polanyi Herbert Marcuse

Autor

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