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Boethius: Der Trost der Philosophie (Consolatio Philosophiae)

Inwiefern lässt sich die Forderung der 'Selbsterkenntnis' als Schlüssel für die Tröstung des Boethius werten?

Essay 2007 7 Seiten

Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1300)

Leseprobe

Inwiefern lässt sich die Forderung der ,Selbsterkenntnis’ als Schlüssel für die Tröstung des Boethius werten?

Bevor Boethius auf die Philosophie trifft, ist er sehr unglücklich. Erst die durch die Philosophie beförderte Selbsterkenntnis, die unter anderem im der Entlarvung seiner Irrtümer und im Erkennen des summum bonum liegt, verschafft Boethius Linderung und bewirkt schließlich die Heilung seiner Krankheit.

1. Buch

Zu Beginn beklagt Boethius sein Leid. Von seiner Familie getrennt und in der Verbannung ausharrend, fühlt er sich schwach, alt und blickt hasserfüllt auf sein Leben.

Dem in sein Leid versunkenen Boethius erscheint nun die (für Boethius zunächst noch nicht als diese identifizierbare) personifizierte Philosophie. Sie tritt Boethius entgegen in Gestalt einer höchst ehrwürdig aussehenden Frau mit durchdringenden Augen von frischer Farbe und unerschöpfter Jugendkraft. Ihre wechselnde Größe, die sich teilweise über den Himmel erstreckt, könnte für ihre Transzendentalität stehen. Die Philosophie ist erzürnt über die Anwesenheit der Dichtermusen. Sie wirft ihnen vor, durch Förderung der Leidenschaften Boethius’ Vernunft zu tilgen und die Menschen durch Schmeicheleien mehr an die Krankheit zu gewöhnen als sie davon zu befreien. So ist dann auch die erste Handlung der Philosophie, die Dichtermusen zu vertreiben. Daraufhin setzt sie sich zu Boethius ans Bett und beklagt in dem zweiten Gedicht die Verwirrung seines Geistes. Jedoch sei, so spricht die Philosophie, Arznei mehr am Platze als Klage. Der gesamte Text verbleibt in dieser medizinischen Metaphorik, in der die Philosophie als Ärztin dem Kranken Boethius erst Schmerzmittel und dann schärfere Arznei verabreicht. Sie erinnert Boethius zunächst daran, dass er eigentlich selbst Forscher und Denker war, bevor er unglücklich wurde und erkrankte. Von Kindheit an sei Boethius mit ihrer Speise groß geworden, also somit selbst philosophisch tätig gewesen, habe aber nun ihre nie besiegten Waffen fortgeworfen. Darin enthalten ist der Appell, sich für seine Heilung wieder der Philosophie zuzuwenden. Auf die Frage, ob er die Philosophie nun als diese erkenne, schweigt Boethius zunächst. Die Philosophie stellt ihre erste Diagnose: Boethius habe ein wenig seiner selbst vergessen. Indem er die Philosophie erkenne und die Umwölkung seines Geistes (verursacht durch die sterblichen Dinge) von ihm abfalle, werde er sich wieder auf sich selbst besinnen. Tatsächlich: Als Boethius die Philosophie nun als die Nährerin seiner Jugend wieder erkennt, tritt ein wenig Leben in ihn zurück. Die Philosophie fordert Boethius auf, den Grund seines Leides aufzudecken. Boethius’ Hauptproblem ist, dass er nicht versteht, wie Fortuna (das Schicksal) ihm so übel mitspielen konnte. Zudem fühlt er sich von der Wertschätzung des Volkes verlassen, obwohl er doch nichts verbrochen habe. Alles habe Gott gesetzlich geregelt, nur der Mensch sei wechselhaftem Glück ausgesetzt. Die Philosophie kann nun ihre zweite Diagnose stellen: In seinem Schmerz und Zorn ist Boethius in die äußerste Aufruhr der Leidenschaften verfallen. In diesem Krankheitsstadium kann sie nur leichtere Mittel einsetzen, die schärfere Arzneien vorbereiten sollen. Sie fährt fort, Boethius’ Geisteszustand zu prüfen. Auf ihre Frage, ob die Welt durch Zufall oder durch Lenkung der göttlichen Vernunft geleitet werde, ist Boethius von einer Lenkung durch Gott fest überzeugt. Diese Antwort ist für die Philosophie der Zündstoff seiner Wiederherstellung. Unklar sind ihm aber die Mittel der göttlichen Lenkung und das Endziel der Dinge. Und auch über sich selbst weiß er nicht mehr zu sagen, als dass er ein vernünftiges und sterbliches Lebewesen sei. Um zu genesen, so die erste Diagnose, muss Boethius den Endzweck der Dinge wieder erkennen und sich wieder über sich selbst sicher werden. (Die Forderung nach der Wiedererinnerung lässt an Platon denken).

2. Buch

Nachdem die Philosophie im ersten Buch erste Diagnosen aufstellte, beginnt sie im zweiten Buch damit, Boethius zu verdeutlichen, was ihn bisher täuschte und von der Selbsterkenntnis ablenkte: Sie klärt Boethius über die sich stetig wandelnde Natur der Fortuna (des Schicksals) auf. Dabei möchte die Philosophie die Rhetorik als Stütze ihrer Gebote nutzen, um den Weg für stärkere Medikamente zu bahnen. Redegewandt erklärt die Philosophie dem Boethius, dass er gar nichts verloren habe, indem sich die Fortuna ihm gegenüber gewandelt habe. Gerade die Wandelbarkeit sei doch die Natur der Fortuna und in ihrer Veränderlichkeit liege doch ihre eigentümliche Beständigkeit. Indem Boethius nun das zweideutige Antlitz der blinden Fortuna erkannt habe (nämlich dass sie letztlich mit falscher Glückseligkeit gaukele), sei er einen großen Schritt weiter in Richtung wahrer Glückseligkeit gelangt. Denn ein Glück, dass unstet ist und den Menschen verlässt, kann nicht wertvoll sein.

Als Mittel der Rhetorik die Personifikation nutzend, verhandelt die Philosophie ab der zweiten Prosa in der Rolle der Fortuna. Als Fortuna fragt die Philosophie Boethius, welches Unrecht sie ihm denn getan habe. Reichtum, Ehren und dergleichen, die die Fortuna Boethius großzügig überlassen habe, seien doch immer ihr Eigentum und niemals sein wahrer Besitz gewesen (auch wenn er dies glaubte). Sonst hätte er diese Güter nicht so einfach verlieren können. Außerdem könnten die Gaben der Fortuna ohnehin nie wirklich befriedigen, da die Gier der Menschen umso größer werde, je mehr Fortuna gebe. Gerade Boethius habe doch angesichts seiner edlen Erziehung, der Keuschheit seiner Gatttin und dem Erfolg seiner beiden gesunden Söhne von der Fortuna profitiert. Genauso, wie sein Glück fort ging, könne sich auch sein Unglück wieder wandeln. Er habe sich diesem zudem doch freiwillig unterworfen.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638865845
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81525
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Philosophisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Boethius Trost Philosophie Philosophiae) Hauptseminar

Autor

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