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Das "Risiko" von Erziehung und Sozialisation. Eine systemtheoretische Studie

Hausarbeit 2005 20 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Begriffserklärung
II.1. Sozialisation
II.2. Erziehung

III. Die Systemtheorie
III.1. Kurzbiographie von Niklas Luhmann
III.2. Der Begriff des „Risikos“ aus systemtheoretischer Sicht
III.2.1. Die Geschichte des Risikobegriffes

IV. Das „Risiko“ von Erziehung und Sozialisation

V. Eigene Erfahrungen

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Diese Hausarbeit ist etwas Besonderes.

Sie muss es schon deshalb sein, weil sie sich mit der großen Unbekannten, nämlich der Systemtheorie beschäftigt. Eine systemtheoretische Betrachtung, gleich welchen Themas, erlaubt niemals eine durchweg herkömmliche Herangehensweise an das zu bearbeitende Thema. Dennoch ist es nötig, vor der eigentlichen Beantwortung der Ausgangsfragestellung, einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit zu Begriffserklärungen, Definitionen und der Erklärung von Theorien und Denkansätzen zu verwenden. Gerade aus Gründen des besseren Verständnisses, sollten zentrale Begriffe und Schwerpunkttermini leicht verständlich und prägnant erklärt werden, um einen möglichst optimalen Zugang zur Beantwortung der Kernfragestellung zu erlangen.

Schon das eigentliche Thema der vorliegenden Hausarbeit birgt sicherlich einige Fragen und erste Verständnisprobleme in sich.

Begriffe wie „Erziehung“ und „Sozialisation“ könnten schon alleine das Thema unzähliger Hausarbeiten sein. Ebenso der Begriff des „Risikos“.

In der Alltagssprache ständig und in vielen Situationen bedenkenlos und unbedarft benutzt, bedarf es hier doch einer genaueren Definition des Begriffes. Was ist denn eigentlich das Gegenteil (oder der Umkehrschluss) von „Risiko“?

Meint der Begriff in der wissenschaftlichen Betrachtungsweise (und hier im Besonderen in der Systemtheorie) vielleicht etwas ganz anderes als im allgemeinen Verständnis?

Die Beantwortung dieser Fragen soll helfen, das „Risiko“, die Gefahren und die Unsicherheiten von Erziehung und Sozialisation zu erkennen und zu verstehen.

II. Begriffserklärung

Wie bereits in der Einleitung angeklungen, soll nun zuerst versucht werden die Begriffe der „Erziehung“ sowie der „Sozialisation“ aus Sicht der diesbezüglichen Kernwissenschaften – der Pädagogik und der Soziologie – zu erklären beziehungsweise zu definieren.

II.1. Sozialisation

Den Begriff „Sozialisation“ haben die meisten Menschen schon mal irgendwo gehört oder gelesen, wissen jedoch oftmals nicht was er eigentlich genau bedeutet.

Viele verbinden den Begriff irgendwie mit Erziehung und machen sich keine weiteren Gedanken darüber.

Im militärischen Bereich wird von dem „Einweisungslehrgang für Offiziere nach dem Studium“ oftmals scherzhaft-bösartig von einem „Resozialisierungslehrgang“ gesprochen. Dies zeigt aber schon, dass es sich bei Sozialisation nicht allein um Erziehung handeln kann. Vielmehr muss hier verstärkt auch die Gesellschaft oder zumindest eine größere Gruppe betrachtet werden, die auf das Individuum Einfluss zu nehmen scheint.

Diese Vermutung führt jedoch schon in die neuere, moderne Sichtweise von Sozialisation. Einer der berühmtesten Soziologen, Emile Durkheim (1858 – 1917), sprach noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts von „Socialisation methodique“. Seiner Ansicht nach bedeutete Sozialisation, dass die junge Generation (Kinder und Jugendliche) von der jeweils älteren Generation (Erwachsene) in die gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Verhaltensweisen hineingeführt wird (vgl. Lenzen 2002; S. 185).

Ohne entsprechendes Hintergrundwissen ist auch bei dieser Sichtweise der Unterschied zu Erziehung im klassischen Sinne noch kaum zu erkennen, zumindest kann nur schwer eine klare Grenze gezogen werden.

Um diese Grenze ziehen zu können und um dem modernen - besser gesagt: postmodernen - Verständnis näher zu kommen, ist es sinnvoll sich zunächst ähnliche beziehungsweise synonyme Begrifflichkeiten anzuschauen.

Speziell in der Psychologie wird oftmals statt von Sozialisation von „Akkulturation“, „Enkulturation“, „Personalisation“ oder auch von „Vergesellschaftung“ gesprochen (vgl. Fröhlich 2002; S. 410).

Gerade die Betrachtung des letzten Begriffes führt wiederum unweigerlich zum Gesellschaftsbegriff. Eben diese Gesellschaft wird heute als das zentrale Maß der Einflussnahme auf die Entwicklung des Menschen angesehen.

Jeder Mensch wird jeden Tag von neuem von der Gesellschaft mehr oder weniger massiv beeinflusst. Eltern, Lehrer, Freunde, Vorgesetzte, Untergebene und so weiter – sie alle wirken ständig auf das Individuum ein und lenken es bewusst oder auch unbewusst in bestimmte Bahnen. Doch nicht nur Menschen sondern auch alle anderen Umwelteinflüsse haben einen andauernden Effekt auf das tägliche Leben.

Um die momentan geläufige Sichtweise des Sozialisationsbegriffes genauer zu bestimmen, soll nun kurz eine der vielen möglichen, dabei allerdings leicht verständlichen, Definitionen angeführt werden:

„Sozialisation ist der Prozess der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt“ (Geulen / Hurrelmann 1980; S.51, zit. nach Lenzen 2002; S.186).

Im Gegensatz zu dem Alten, vor allem von Emile Durkheim geprägten, Verständniss von Sozialisation ist hier nicht mehr nur von Entstehung der Persönlichkeit, was sich unzweifelhaft auf das Kindes- und Jugendalter bezieht, sondern auch von einer weiteren Entwicklung die Rede.

Dies ist eine der wesentlichen Unterscheidungen zum Erziehungsbegriff, denn der Vorgang der Sozialisation endet nicht etwa mit der Erlangung des Status eines Erwachsenen ( unabhängig von der rechtlichen beziehungsweise psychologisch – pädagogischen Betrachtungsweise), sondern es ist ein lebenslanger Vorgang, welcher erst mit dem Ableben des Individuums wirklich endet.

Im Vorgriff auf die genaue Definition von Erziehung, ist eben diese also nur ein Teil (möglicherweise der wichtigste Teil) der Sozialisation.

Betrachtet man die bisherige Begriffsbestimmung genau, kommt man zu der Erkenntnis, dass es für den Einzelnen gar nicht möglich ist sozusagen nicht sozialisiert zu werden. Da ein jeder auf irgendeine Art und Weise Teil der Gesellschaft ist, kann er sich entweder gesellschaftskonform oder beispielsweise rebellisch verhalten. Das erwünschte Verhalten oder auch das Verhalten entsprechend der gängigen Norm- und Wertevorstellungen, wird ihm, von den oben bereits genannten gesellschaftlichen Faktoren, vorgegeben.

Verhält er sich nun aber unerwünscht und verstößt gegen Normen, Werte und Gesetze, hat er sich dennoch nicht der eigenen Sozialisation entziehen können, denn abweichendes Verhalten ist lediglich ein bewusstes Aufbegehren gegen die bereits stattgefundene Formung der eigenen Persönlichkeit.

Um das bisher gesagte zu verdeutlichen hier nun zwei kurze Beispiele für Sozialisation:

1. Ein achtzigjähriger Aussiedler, welcher mit seiner Familie aus einem usbekischen Dorf nach Düsseldorf gezogen ist, wird sich schnell den alltäglichen Gepflogenheiten, Sitten und Gebräuchen anpassen. Er wird in Geschäften einkaufen, Massenmedien konsumieren, vielleicht sogar noch die neue Sprache lernen. Seine Enkel werden sich sehr bald anders kleiden und sprachlich ausdrücken, so dass sich auch der Großvater anders verhalten muss. Der erfahrene, alte Mann erlebt auf diese Art und Weise zum Ende seines Lebens noch mal eine massive Sozialisation.
2. Ein dreizehnjähriges Kind legt jeden morgen denselben Schulweg zurück. Es verlässt das Haus und benutzt einen Fußgängerüberweg, um die Straße zu überqueren. Es zieht eine Fahrkarte und steigt zu immer derselben Zeit in die Straßenbahn. Dort benutzt es einen Stehplatz, um den letzten Behindertenplatz freizuhalten.

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638858458
ISBN (Buch)
9783638855709
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81486
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Risiko Erziehung Sozialisation Eine Studie

Autor

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Titel: Das "Risiko" von Erziehung und Sozialisation. Eine systemtheoretische Studie