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Die Intention von Kants »Kritik der reinen Vernunft« und ihre moralphilosophische Bedeutung

Seminararbeit 2007 23 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung und Fragestellung
1.1 Quellenlage und Forschungsstand

2 Kants »Kritik der reinen Vernunft«
2.1 Die »Transzendentale Elementarlehre«
2.1.1 »Transzendentale Ästhetik«
2.1.2 »Transzendentale Logik«
2.2 Die »Transzendentale Methodenlehre«

3 Die moralphilosophische Bedeutung der »Kritik der reinen Vernunft«

4 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Internetquellen

„Kant ist der Moses unserer Nation, der sie aus der ägyptischen Erschlaffung in die freie, einsame Wüste seiner Spekulation führt und der das energische Gesetz vom heiligen Berge bringt.“

Friedrich Hölderlin[1]

1 Einleitung und Fragestellung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Intention eines der Kantischen Hauptwerke, die „Kritik der reinen Vernunft“[2], möglichst verständlich darzustellen. Was hat Immanuel Kant mit dem Verfassen dieser Schrift bewirken wollen? Was kritisiert er und was möchte er unter Umständen verändern? Diese Fragen müssen beantwortet werden, um sich der Intention, dem Bestreben und der eigentlichen Idee Kants nähern zu können.

Nach Otfried Höffe ist die Annahme berechtigt, dass „ein Werk […] unter den Gründungsschriften der modernen Philosophie so weit heraus [ragt], daß es »die« Grundlegung bedeutet: Kants Kritik der reinen Vernunft […].[3] Im Weiteren zitiert Höffe noch Schopenhauer. Nach ihm ist die »Kritik der reinen Vernunft« „das wichtigste Buch, das jemals in Europa geschrieben worden.“[4]

Nach einer kurzen Betrachtung und Bewertung der Quellenlage und des Forschungsstandes, soll Kants »Kritik der reinen Vernunft« vorgestellt werden, wozu sich die von Kant selber gewählte Grobgliederung in die »Transzendentrale Elementarlehre« sowie die »Transzendentrale Methodenlehre« anbietet. Hier muss angemerkt werden, dass der Umfang der vorliegenden Darstellung keine umfangreichen, dem Werke angemessenen Betrachtungen zulässt. Der Schwerpunkt soll vielmehr auf der Intention sowie auf der moralphilosophischen Bedeutung dieses Kantischen Werkes liegen, wobei ein gewisses Basiswissen des Lesers vorausgesetzt werden muss.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Bearbeitung Kantischer Texte liegt in der individuellen Terminologie begründet. Kant benutzt nicht nur Fachbegriffe, sondern auch scheinbar eindeutig verständliche Termini mit einer ihm eigenen Konnotation. Bei, von dem heutigen Verständnis, abweichenden Wortbedeutungen, werden diese gekennzeichnet und im jeweiligen Kausalzusammenhang erläutert.

Als letzte und auch zentrale Frage, wird die moralphilosophische Bedeutung der »Kritik der reinen Vernunft« beantwortet. In wie weit sind die Gedanken Kants noch heute aktuell? Lässt sich die heutige Philosophie noch von der Kantischen Philosophie beeinflussen?

Die heutigen, abendländischen Moralvorstellungen[5] sind ohne die Gedanken und Ausführungen eines Immanuel Kant nicht denkbar. Eine These, die in den zusammenfassenden Worten eine abschließende Bewertung erhalten wird.

1.1 Quellenlage und Forschungsstand

Der Forschungsstand in Bezug auf Immanuel Kant muss als sehr gut bezeichnet werden. Sowohl biografische Schriften als auch Sekundärliteratur zu seinen Werken sind in einer kaum zu überschauenden Anzahl in Europa, aber auch weltweit vorhanden. Ein erstes Anzeichen für die ungebrochene Aktualität der Kantischen Schriften. Besonders rund um das so genannte »Kant-Jahr« im Jahre 2004, als dem zweihundersten Todestag (am 12.Februar 1804) Kants gedacht wurde, fand eine große Zahl an neuen Publikationen ihren Weg in die Bibliotheken.

Zur Bearbeitung der originalen Schriften Kants, eignen sich seine Werke in zehn Bänden, die Wilhelm Weischedel 1981 in Darmstadt herausgegeben hat, zum vorliegenden Thema besonders die Bände drei und vier und die darin abgedruckte »Kritik der reinen Vernunft«.[6]

Als erste Einführung in das Thema bieten sich die Werke von Georg Römpp „Kant leicht gemacht“[7] und „Kants Kritik der reinen Vernunft im Klartext“[8] von Walter Gölz an. Um sich der Person Immanuel Kant zu nähern, empfiehlt sich das Buch von Otfried Höffe „Immanuel Kant“[9], welches keinen rein biografischen Charakter besitzt, sondern auch seine eigentliche Philosophie kritisch betrachtet. Die Selbstzeugnisse und Bilddokumente Kants[10], welche bereits 1965 von Uwe Schultz herausgegeben wurden, bilden hierzu eine gute Ergänzungsmöglichkeit.

Als wertvolle Sekundärwerke haben sich „Kants Kritik der reinen Vernunft“[11] wiederum von Otfried Höffe und das Buch mit dem gleichen Titel von Hans Michael Baumgartner[12] erwiesen. Beide Autoren beleuchten das Thema aus durchaus unterschiedlichen Sichtweisen und tragen somit förderlich zum Arbeits- und Erkenntnisprozess bei.

Zur Einordnung des Themas in einen allgemein-philosophischen beziehungsweise theologisch-historischen Kontext hat Emanuel Hirsch seine „Geschichte der neuern evangelischen Theologie“[13] verfasst. Einen Überblick über „Kants Ethik“[14] liefern Karl Ameriks und Dieter Sturma. Beide Autoren sowie wiederum Otfried Höffe erscheinen auch in dem 1998 von Georg Mohr und Marcus Willaschek herausgegebenen Band „Immanuel Kant. Kritik der reinen Vernunft.“[15]

Aufgrund der Fülle der Werke, möge der Leser alle weiteren verwendeten Bände und Werke dem ausführlichen Literaturverzeichnis entnehmen. Eine Aufzählung der zentralen Titel soll an dieser Stelle genügen.

2 Kants »Kritik der reinen Vernunft«

Bereits der erste Satz in Kants »Kritik der reinen Vernunft« spiegelt die eigentliche Fragestellung und die Forschungsgrundlage für den weiteren Verlauf des Werks wider. Kant meint, „daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und mit dieser fängt alle an.“[16] Im weiteren Verlauf definiert Kant diese Art der Erkenntnis als a posteriori. Eine Erkenntnis a posteriori bezeichnet also eine Erkenntnis aus der Erfahrung heraus. Dies führt unweigerlich zu der Annahme einer Existenz einer Erkenntnis a priori. Eine Erkenntnis a priori definiert sich als eine Erkenntnis vor der Erfahrung und somit nicht aus der Erfahrung heraus, „ihnen sind empirische Erkenntnisse, oder solche, die nur a posteriori, d.i. durch Erfahrung, möglich sind, entgegengesetzt.“[17]

Eine Erkenntnis, welche sich unabhängig von jeglicher Erfahrung entwickelt hat, muss aber als eine metaphysische[18] Erkenntnis betrachtet werden, da sie sich auf das Erfahrungsjenseitige bezieht. Das Erfahrungsjenseitige kann mit den Begriffen Gott, Freiheit und Unsterblichkeit zusammengefasst werden. Die Betrachtung und in gewisser Weise kritische Bestandsaufnahme der metaphysischen Erkenntnis war die Intention Kants beim Verfassen der »Kritik der reinen Vernunft«.[19]

Im Rahmen des umfangreichen und komplizierten Kantischen Begriffsapparats, wird die apriorische Erkenntnis mit der »reinen Vernunft« gleichgesetzt. Die Funktionen der

[...]


[1] Gefunden in: Fischer, Kuno: Kant`s Leben und Charakter. Schutterwald 2001; S.7

[2] Vgl. dazu: Weischedel, Wilhelm (Hrsg.): Immanuel Kant. Werke in zehn Bänden. Band 3. Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Erster Teil. Darmstadt 1981. Sowie Weischedel, Wilhelm (Hrsg.): Immanuel Kant. Werke in zehn Bänden. Band 4. Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Zweiter Teil. Darmstadt 1981.

[3] Höffe, Otfried: Kants Kritik der reinen Vernunft. Die Grundlegung der modernen Philosophie. München 2004; S.11

[4] Schopenhauer in Höffe 2004; S.11

[5] Die Begriffe »Moral« und »Sitte« bilden oftmals einen Kausalzusammenhang. Der Begriff »Sitte« führt vielfach zu der irrigen Annahme, dass sich Moralvorstellungen im Wesentlichen auf die Sexualität beschränken. Moral und Sitte bilden aber vielmehr einen „Komplex von Handlungsregeln, Wertmaßstäben und Sinnvorstellungen.“ Höffe, Otfried (Hrsg.): Lexikon der Ethik. München 1977; S.162

[6] Vgl. dazu: Weischedel, Wilhelm (Hrsg.): Immanuel Kant. Werke in zehn Bänden. Band 3. Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Erster Teil. Darmstadt 1981. Sowie Weischedel, Wilhelm (Hrsg.): Immanuel Kant. Werke in zehn Bänden. Band 4. Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Zweiter Teil. Darmstadt 1981.

[7] Römpp, Georg: Kant leicht gemacht. Eine Einführung in seine Philosophie. Köln 2005

[8] Gölz, Walter: Kants »Kritik der reinen Vernunft« im Klartext. Textbezogene Darstellung des Gedankengangs mit Erklärung und Diskussion. Tübingen 2006

[9] Höffe, Otfried: Immanuel Kant. München 1988

[10] Schultz, Uwe (Hrsg.): Immanuel Kant in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg 1965

[11] Höffe, Otfried: Kants Kritik der reinen Vernunft. Die Grundlegung der modernen Philosophie. München 2004

[12] Baumgartner, Hans Michael: Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Anleitung zur Lektüre. München 1996

[13] Hirsch, Emanuel: Geschichte der neuern evangelischen Theologie im Zusammenhang mit den

allgemeinen Bewegungen des europäischen Denkens. Gütersloh 1951

[14] Ameriks, Karl; Sturma, Dieter (Hrsg.): Kants Ethik. Paderborn 2004

[15] Mohr, Georg; Willaschek, Marcus (Hrsg.): Immanuel Kant. Kritik der reinen Vernunft. Berlin 1998

[16] Kant 1981; S.45

[17] Kant 1981; S.46

[18] Von gr. meta und physika. Metaphysik ist die Lehre von dem empiristisch nicht mehr Erfahrbaren, von den hinter unseren Wahrnehmungen verborgenen (oder vermuteten) Tatbeständen. Es ist der Bereich der Spekulation. Metaphysik ist eine zentrale Disziplin der Philosophie. Sie fragt nach den allgemeinsten Prinzipien des Seins. Vgl. dazu http://www.philolex.de/metaphys.htm (Ablesedatum: 26.11.2006)

[19] Vgl. dazu Gölz 2006; S.7

Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638862318
ISBN (Buch)
9783638862356
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81483
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Intention Kants Vernunft« Bedeutung Klassische Positionen Religionskritik

Autor

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