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Das Kloster Dargun im Stammesgebiet der Zirzipanen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung und Fragestellung
1.1 Quellenlage und Forschungsstand

2 Christianisierung und Pfarrkirchensystem
2.1 Christianisierung der Zirzipanen
2.2 Pfarrkirchen in Zirzipanien

3 Gründung des Darguner Klosters
3.1 Die Besitzungen des Klosters Dargun
3.2 Umstrukturierungen und Ausweitung

4 Wirtschaft und Handel
4.1 Land- und Fischwirtschaft
4.2 Salzgewinnung
4.3 Mühlenrechte

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung und Fragestellung

Im Rahmen der Erforschung der »Germania Slavica«[1] kann die Betrachtung des Zisterzienserklosters Dargun durchaus als ein Fallbeispiel der Beziehungen zwischen Slawen und Deutschen gesehen werden. Der Einfluss der Zisterzienser auf die Zirzipanische Bevölkerung förderte sowohl deren Christianisierung als auch die Immigration ortsfremder Siedler.[2] Diese Siedler waren vor allem deutsche und dänische Handwerker und Landwirte. Über das Volk der Zirzipanen ist nur sehr wenig bekannt und die schriftlichen Quellen aus ihrem Siedlungs- beziehungsweise Stammesgebiet lassen sich zum größten Teil nicht weiter als bis zur Gründung des Klosters Dargun in den Jahren 1172/1173[3] zurück datieren. Die Zirzipanen waren offensichtlich eines der vielen Völker, welches über keinen eigenen kompetenten Geschichtsschreiber verfügte.

Mit Beginn der Klostergründung hatten die Darguner Zisterziensermönche großen Anteil an der weiteren Entwicklung Zirzipaniens. Die Christianisierung auch der ländlichen und einfachen Bevölkerung schritt schnell voran.[4] Die Siedlungsstruktur veränderte sich zum Teil grundlegend und Wirtschaft und Handel entwickelten sich zügig.[5]

Diese Entwicklungen führen zu einer Vielzahl an Fragen, deren Beantwortung den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bilden soll. Wie kam es überhaupt zu der Klostergründung mitten im Stammesgebiet eines noch größtenteils heidnischen westslawischen[6] Stammes? Wie wurde die Christianisierung der Bevölkerung durchgeführt? Und wie wirkte sich die Klostergründung auf Siedlungsstruktur und Wirtschaft aus?

Bei der Beantwortung dieser Fragen bleibt es zudem nicht aus, dass auch umfangreiche Informationen über die Zirzipanen und Zisterzienser vermittelt werden, was für eine Einordnung in den allgemeingeschichtlichen Kontext der Deutschen Ost(be-)siedlung im Mittelalter nur förderlich sein kann.

Die Klostergründung in Dargun führte, in Verbindung mit weiteren Klostergründungen, zu einer Multiethnizität und somit auch zu einer Multikulturalität im Gebiet des heutigen Mecklenburgs.[7] Die Dörfer von Slawen und Deutschen lagen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander und teilweise lebten die Menschen auch in einer Ortschaft Tür an Tür.[8] In dem Gebiet rund um Dargun, wie auch in weiteren großen Teilen des heutigen Ostdeutschlands[9], gewann im Laufe der Geschichte die deutsche Sprache und der christliche Glaube die Oberhand über slawische Sprachen und dem Heidentum. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass es auch genau entgegen gesetzte Entwicklungen gab, so etwa „in Pommerellen, Teilen von Groß- und Kleinpolen, den beiden Lausitzen, Teilen von Oberschlesien, Teilen von Böhmen, Mähren und der Slowakei.“[10]

In der vorliegenden Arbeit soll der Fokus aber auf der Betrachtung eines christlichen Klosters inmitten eines slawischen Gebietes liegen.

1.1 Quellenlage und Forschungsstand

Bis zum Jahre 1300 finden sich circa 200 Urkunden, die sich auf die rechtliche und wirtschaftliche Situation des Klosters beziehen. Dieser Urkundenbestand wurde 1837 von Georg C. F. Lisch im ersten Band der Mecklenburgischen Urkunden[11] gesammelt. Im Zuge des großen Interesses vieler deutscher Historiker an der mittelalterlichen Klostergeschichte, wertete Albert Wiese 1888 den Urkundenbestand des Darguner Klosters sowie mehrere Aufsätze über den Flecken Dargun ausführlich aus. Im 20. Jahrhundert erlahmte das Interesse und die Forschungstätigkeiten bezüglich des Klosters in Dargun, da die vorhandenen Quellen in Form von Urkunden keinen neuen Wissenszuwachs mehr hervorzubringen schienen.

Starke Zerstörungen an fast allen Gebäuden, welche durch einen Brand im Jahre 1945[12] hervorgerufen wurden, unterstützten dieses Desinteresse noch weiter. Da das Kloster Dargun von 1945 bis 1949 zunächst in der Sowjetisch Besetzten Zone und von 1949 bis 1990 auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik lag, geriet seine Geschichte fast in Vergessenheit; die historische Forschung der DDR hatte andere Schwerpunkte.[13] Erst seit Beginn des Jahres 1996 ist das Kloster Dargun wieder Gegenstand geschichtlicher Forschungsarbeit.[14]

Die Geschichte des Klosters Dargun kann nur in Verbindung mit der Geschichte der Zirzipanen sowie der Geschichte der Zisterzienser betrachtet werden. Wertvolle Informationen zum Stamm der Zirzipanen liefert die interdisziplinäre Arbeitsgruppe »Germania Slavica« um Wolfgang H. Fritze, die in mehreren Bänden Beiträge zur Erforschung der westslawischen Stämme geliefert hat.[15]

Um sich der Geschichte des Zisterzienserordens zu nähern, empfiehlt sich das über 600 Seiten starke Werk von Immo Eberl »Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens.«[16]

Das aktuelle Standardwerk zur Geschichte des Klosters Dargun ist jedoch der 2003 erschienene interdisziplinäre Beitrag von Brachmann, Foster, Kratzke und Reimann.[17] Archäologie, Architektur, Namenskunde und historische Forschung haben in diesem Werk in gemeinsamer Arbeit ein umfassendes Bild über die Geschichte des Klosters Dargun gezeichnet.

Es bleibt noch die obligatorische Frage nach der Echtheit der zeitgenössischen, das Kloster Dargun betreffenden Urkunden. Da die Kunst des Schreibens zur Zeit der Klostergründung fast ausschließlich bei den Darguner Zisterziensermönchen selbst lag, liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei einigen Urkunden um Fälschungen handeln könnte. Tatsächlich finden sich einige Ungereimtheiten, die aber durchaus auch auf sprachliche Probleme zurückzuführen sein könnten.[18] Da die beiden wichtigsten Urkunden in Bezug auf die Klostergründung, die Bestätigung der Gründung durch Bischof Berno von Schwerin und die Bestätigung der Gründungsausstattung durch Herzog Kasimir I. von Pommern, als echt angesehen werden können und auch die anderen Urkunden in das letzte Viertel des zwölften Jahrhunderts zurückdatiert werden können, ist der Kern der Informationen als Original und somit nicht als Fälschung zu betrachten.[19] Um sich einen allgemeinen Überblick zu verschaffen, eignen sich insbesondere die Werke von Hamann[20], Herrmann[21], Lotter[22] und Lübke[23].

[...]


[1] Der Begriff der Germania Slavica umschreibt das sprachlich deutsch gewordene Gebiet ehemals slawischer Bevölkerungsgruppen. Vgl. dazu: Fritze, Wolfgang H. (Hrsg.): Germania Slavica I (Bd.1). Berlin 1980; S.11ff.

[2] Diese Siedler wurden von den Zisterziensern Konversen genannt. Sie verrichteten den größten Teil der körperlichen Arbeit und waren als handwerkliche und landwirtschaftliche Spezialisten maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg der Klöster verantwortlich. Vgl. dazu: Eberl, Immo: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens. Stuttgart 2002; S.228f.

[3] Die eigentliche Gründungsurkunde stammt aus dem Jahr 1173. Die ersten Mönche aus dem dänischen Esrom bezogen aber bereits 1172 die Klostermauern. Vgl. dazu ausführlich: Kapitel 3.

[4] Die zirzipanische Oberschicht war zu großen Teilen bereits seit der Pommernmission des Otto von Bamberg im Jahre 1128 christlich geprägt. Vgl. dazu: Reimann in Brachmann, Hansjürgen et al.: Das Zisterzienserkloster Dargun im Stammesgebiet der Zirzipanen. Ein interdisziplinärer Beitrag zur Erforschung mittelalterlicher Siedlungsprozesse in der Germania Slavica (Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, Bd. 17), Stuttgart 2003; S.196.

[5] Vgl. dazu Brachmann et al. (Hrsg.) 2003; S.13ff.

[6] In Abgrenzung zu den Ostslawen lebten die Westslawen im heutigen Tschechien, der Slowakei, Polen, Deutschland sowie in Österreich und Ungarn.

[7] Vgl. Lübke in Brachmann et al. 2003; S.11.

[8] Hierzu ist anzumerken, dass weder die Slawen noch die Deutschen in der Zeit des Hohen Mittelalters eine kulturell homogene Gruppe bildeten. Die Zeitgenossen haben sich jedoch aufgrund der Sprache gegenseitig als Deutsche (lat. Theutonici) und Slawen bzw. Wenden (lat. Sclavi, Winidi) bezeichnet. Vgl. dazu: Fritze, Wolfgang H. (Hrsg.): Germania Slavica II (Bd.4). Berlin 1981; S.8f.

[9] Die ehemaligen deutschen Gebiete, welche sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs unter polnischer, russischer und Tschechischer Verwaltung befinden, gehören ebenfalls zu diesen Gebieten. Als Beispiele sind hier Oberschlesien, Ostpreußen oder die Sudeten zu nennen.

[10] Fritze 1981; S.10f.

[11] Seit 1863 unter der Bezeichnung Mecklenburgisches Urkundenbuch zu finden.

[12] Die Zerstörungen stehen in keinem Zusammenhang mit Kampfhandlungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges, was man aufgrund des Jahres vermuten könnte.

[13] Vgl. Reimann in Brachmann et al. (Hrsg.) 2003; S.32.

[14] Vgl. Reimann in Lübke (Hrsg.) 1998; S.273.

[15] Vgl. dazu insbesondere: Fritze (Hrsg.) 1980 sowie Fritze (Hrsg.) 1981; S.121-143.

[16] Vgl. Eberl 2002; S.47-257

[17] Vgl. Brachmann et al. 2003.

[18] Die eingewanderten Mönche waren Dänen und dürften zumindest in den Anfangsjahren erhebliche Probleme mit der slawischen Sprache gehabt haben. Dies zeigt sich vor allem in der ständig wechselnden Schreibweise von Personen- und Ortsnamen. Vgl. Reimann in Brachmann et al. (Hrsg.) 2003; S.36f.

[19] Vgl. Reimann in Brachmann et al. (Hrsg.) 2003; S.32ff sowie Reimann 1999; S.131ff.

[20] Hamann, Manfred: Mecklenburgische Geschichte. Köln 1968.

[21] Herrmann, Joachim (Hrsg.): Die Slawen in Deutschland. Geschichte und Kultur der slawischen Stämme westlich von Oder und Neiße vom 6. bis 12. Jahrhundert. Berlin 1985.

[22] Lotter, Friedrich: Die Konzeption des Wendenkreuzzugs. Ideengeschichtliche, kirchenrechtliche und historisch-politische Voraussetzungen der Missionierung von Elb- und Ostseeslawen um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Sigmaringen 1977.

[23] Lübke, Christian (Hrsg.): Struktur und Wandel im Früh- und Hochmittelalter. Eine Bestandsaufnahme aktueller Forschungen zur Germania Slavica. Stuttgart 1998.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638862257
ISBN (Buch)
9783638862301
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81482
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Mittelalterliche Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Kloster Dargun Stammesgebiet Zirzipanen Ostsiedlung Mittelalter

Autor

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