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Die Bedeutung Friedrich Ludwig Weidigs für die Entstehung des Hessischen Landboten

Hausarbeit 2005 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhalt

I. Vorüberlegung

II. Historische Einordnung des politischen Handelns F. L. Weidigs
2.1. Historisch-politischer Kontext zu Beginn des 19. Jahrhunderts
2.2. Weidigs führende Rolle innerhalb der liberalen Opposition
2.3. Planung und Folgen des Hambacher Fests

III. Beweggründe für die Herstellung des Hessischen Landboten
3.1. Form, Intention und der Anteil Weidigs am Hessischen Landboten
3.2. Risiken der Distribution und Folgen für die Beteiligten

IV. Rezeption des Hessischen Landboten damals und heute
4.1. Gründe für die zeitgenössische Wirkungslosigkeit
4.2. Gründe für spätere intensive Rezeption des Hessischen Landboten

V. Fazit

VI. Abbildungsverzeichnis

VII. Literaturverzeichnis

I. Vorüberlegung

Folgende Untersuchung der Bedeutung Friedrich Ludwig Weidigs für die Entstehung des Hessischen Landboten setzt sich zunächst mit den gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen des beginnenden 19. Jahrhunderts auseinander und verknüpft diese mit der wachsenden politischen Aktivität Weidigs. Den Kern dieser Arbeit bildet schließlich die Analyse des Grades seiner Involvierung innerhalb der hessischen liberalen Opposition sowie der Entstehung des Hessischen Landboten und fragt nach den Gründen der epochal bedingten Rezeptionsunterschiede.

II. Historische Einordnung des politischen Handelns Friedrich Ludwig Weidigs

2.1. Historisch-politischer Kontext zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Infolge sinkender Sterblichkeit und zunehmender Lebenserwartungen kam es im spätfeudalistisch geprägten, zeitweise französisch besetzten Großherzogtum Hessen zwischen 1790 und 1850 zu einer demographische Explosion, bei der sich die Bevölkerung beinahe verdoppelte, der Zuwachs jedoch fast ausschließlich auf ländliche Gebiete entfiel während die Stadtbevölkerung stagnierte.[1] In diesem gesellschaftlichen Kontext wurde Friedrich Ludwig Weidig am 15. Februar 1791 in Oberkleen[2] geboren und wuchs dementsprechend schon als Kind und Jugendlicher in antipathischer Atmosphäre gegen die napoleonische Fremdherrschaft auf, so dass hierin auch der Ursprung seiner lebenslangen Mühen um eine geeinte deutsche Nation liegt[3].

Während seines Theologiestudiums von 1808-11 in Gießen entwickelt Weidig sein politisches Bewusstsein und ist der Studentenschaft bereits nach dem ersten Semester so bekannt, dass sie ihn zu ihrem Schriftführer ernennen[4]. Nach Beendigung des Studiums wird er 1812 Konrektor in Butzbach und in den Folgejahren Mitbegründer der Wetterau’schen deutschen Gesellschaft und der „Deutschen Gesellschaft“ in Butzbach.

Das angespornte patriotische Streben der deutschen Völker nach der Schaffung eines geeinten deutschen Staates, das 1813 nach den erfolgreichen Befreiungskriegen gegen Napoleon vorherrschte, wurde von den Fürsten der deutschen Länder stark enttäuscht, als sie auf dem Wiener Kongress ihre partikularistischen Eigeninteressen in Form des „Deutschen Bund“ manifestierten. Infolge dessen wurde auch der im Kampf gegen Napoleon noch geförderte Patriotismus, nun als ein dem neu geschaffenen Staatenbund von 35 Partikularstaaten und vier freien Städten feindliches Prinzip gebrandmarkt[5].

Zwar wurde mit Artikel 13 der Bundesakte von 1815 allen deutschen Staaten die Einrichtung einer landständischen Verfassung gewährleistet, doch die fürstlichen Machthaber verfuhren mit dieser Bestimmung nach ihrem Belieben – indem sie entweder die Ausarbeitung einer Verfassung hinausschoben oder eine nach ihren Prinzipien oktroyierten. Als Protest gegen die willkürliche und selbstherrliche Herrschaft der Aristokratie in den Einzelstaaten formierte sich zunehmend Widerstand in Form von Burschenschaften, deren Forderungen nach politischer und wirtschaftlicher Einheit der deutschen Staaten speziell nach dem Wartburgfest 1817 nicht mehr zu ignorieren war. Doch die Metternichsche Restaurations- und Reaktionspolitik erreicht mit dem Erlass der „Karlsbader Beschlüsse“ 1819 – die die Presse mit einer scharfen Zensur belegen, Demagogenverfolgung legitimieren und Burschenschaften verbieten – den Zusammenbruch der Nationalbewegung bis zur französischen Julirevolution von 1830. Diese erweckt auch den deutschen Patriotismus von neuem, Zeugnis dessen wird das Hambacher Fest[6] von 1832, das erneut zu heftigen Repressionsmaßnahmen seitens des Bundes führt, so dass politische Aktivität liberaler Ausrichtung mit dem Vereins- und Versammlungsverbot in die Illegalität gedrängt wird. Vor diesem Hintergrund entsteht 1834 das von Georg Büchner und Friedrich Ludwig Weidig gemeinschaftlich verfasste agitatorische Pamphlet „Der Hessische Landbote“.

2.2. Weidigs führende Rolle innerhalb der liberalen Opposition

Weidig war gemäß seiner Herkunft und Überzeugung ein christlicher Patriot, der dem Ideal des Volkskaisertums[7] anhing und einen ständischen deutschen Einheitsstaat erstrebenswert fand. Ein Erreichen seines Ziels hielt er nur mithilfe einer großen Koalition der verschiedenen Fraktionen der liberalen Opposition gegen die fürstlichen Machthaber für möglich. Doch während die Majorität der politischen Akteure nach 1819 ihre liberalen Ideale begrub, hielt Weidig an seiner Überzeugung fest, dass integraler Bestandteil seines theologischen Auftrages auch politisches Handeln sei[8].

[...]


[1] Vgl. Enzensberger, 1965,

[2] Siehe Abbildung 1

[3] Vgl. Müller, 1987,

[4] Vgl. Ebenda,

[5] Vgl. Müller, 1987,

[6] Treffen der Liberalen aus zahlreichen deutschen Staaten mit der Hoffnung und dem Willen zur Herbeiführung der deutschen Nationaleinheit

[7] Definition nach Enzensberger: „mittelalterlich verbrämter Ständestaat auf dem Boden des Christentums“.

[8] Vgl. Braun, 1983,

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638851503
ISBN (Buch)
9783638850896
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81321
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Bedeutung Friedrich Ludwig Weidigs Entstehung Hessischen Landboten Einführung Mediengeschichte Medientheorie

Autor

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