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Einheitliche europäische Akte und europäischer Binnenmarkt

Können KMU die Vorteile des europäischen Binnenmarktes nutzen?

Seminararbeit 2003 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

1. Einleitung

2. Der europäische Binnenmarkt und seine Relevanz für KMU
2.1. Allgemeine Informationen zu KMU in der EU
2.2 Vorteile des Binnenmarktes und deren Relevanz für KMU
2.2.1 Die vier Freiheiten des EWG-Vertrages
2.2.2 Harmonisierung
2.2.3 EU-Maßnahmen für KMU
2.2.4 Die EWIV: Möglichkeit für KMU zu grenzübergreifenden Kooperationen
2.2.5. Die EU-Osterweiterung
2.3 Nachteile des Binnenmarktes und deren Relevanz für KMU
2.3.1 Haupthindernisse für die Gründung und für die Geschäftstätigkeit von KMU
2.3.2. Weiterhin bestehende Handelsschranken
2.3.3 Regulierung und Deregulierung
2.3.4 Finanzierung von KMU
2.3.5 Vorteile der „Multinationals“ gegenüber den KMU

3 Schlüsselthemen / Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit von KMU
3.1 Die Rolle des „e-Business“ im Binnenmarkt
3.2 Die Rolle der Qualifikation für KMU

4 Schluss: Fazit / Ausblick

Anhang:

„Schwerpunkte zur Förderung der KMU“

Literaturverzeichnis:

Internet:

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Konjunktur in Europa lahmt, der für Deutschland so wichtige Aufschwung der Weltwirtschaft lässt angesichts drohender Kriege und politischer Instabilität weiter auf sich warten, die Arbeitslosenzahlen in Europa steigen[1], und fast täglich korrigieren renommierte Wirtschafts- und Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen nach unten - schon lange suchen die Politiker in Deutschland und in Europa nach Möglichkeiten, die derzeitige schlechte wirtschaftliche Situation zu verbessern. Bei der Suche nach einem möglichen „Geheimrezept“ gegen die hohe Arbeitslosigkeit und das langsame Wirtschaftswachstum fällt auffallend häufig das Schlagwort KMU: kleine und mittelständische (mittlere) Unternehmen.

Dass dieser Wirtschaftsbereich der KMU der Schlüssel zum Aufschwung sein kann, ist jedoch längst kein Geheimnis mehr. Die KMU haben mittlerweile in der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik „jenen Stellenwert erreicht, der ihnen in der Einschätzung vieler Experten längst zugestanden hätte(,…)“[2]. In Europa sind mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in KMU beschäftigt.[3] Doch wie nutzen die KMU die Vorteile des Binnenmarktes und welchen Problemen / Nachteilen müssen Sie sich hierbei stellen? Können die KMU die Vorteile im gleichen Verhältnis nutzen wie die Großunternehmen? Diese Fragestellungen dürften für die europäischen Politiker aller Ebenen ebenso von Interesse sein wie auch für die betroffenen Wirtschaftsschichten selbst und für die in diesen Betrieben beschäftigten EU-Bürger. Die Bandbreite der direkt oder indirekt betroffenen Personen und Institutionen, sowie die volkswirtschaftliche Kraft der KMU verdeutlicht die Wichtigkeit dieses Bereiches für den Wirtschaftsraum EU.

Man kann also von einer übergeordneten Bedeutung der KMU für die Wirtschaftspolitik und Wettbewerbsfähigkeit Europas sprechen. Diese soll im Folgenden anhand entsprechender Fachliteratur, dem Naturell der Fragestellung entsprechend jedoch vornehmlich mithilfe verschiedener empirischer Erhebungen dargestellt werden.

Der Schwerpunkt wird in dieser Arbeit absichtlich auf die Auswirkungen des Binnenmarktes auf die KMU gelegt, so dass die Geschichte und andere wichtige Aspekte des Binnenmarktes, wenn überhaupt, nur kurz tangiert werden können. Sie sind für die Bearbeitung des Themas nicht relevant. Um ein möglichst umfassendes Bild der Thematik darstellen zu können, ist es jedoch unumgänglich, eine Vielzahl von relevanten Faktoren zu behandeln. An jedem einzelnen Punkt weiter zu forschen wäre zwar sinnvoll, es würde jedoch leider den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Diese Hausarbeit basiert zum Großteil auf Primärerhebungen, was dazu beitragen soll, eine realitätsnahe Darstellung der Thematik zu gewährleisten.

2. Der europäische Binnenmarkt und seine Relevanz für KMU

Im Folgenden sollen die verschiedenen Vorteile des Binnenmarktes für KMU erklärt und kritisch untersucht werden.

2.1. Allgemeine Informationen zu KMU in der EU

Eine einheitliche Definition existiert für den Wirtschaftsbereich der kleinen und mittleren Unternehmen nicht. Die Palette der zur Abgrenzung von KMU herangezogenen Kriterien reicht von der Beschäftigtenzahl und dem Jahresumsatz über die Bilanzsumme bis hin zum Anlagevermögen. Die EU bediente sich 1998 eben dieser Kriterien und kam so zu folgender Definition[4]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mehr als 99,8 % der 17,9 Millionen Unternehmen in der EU sind KMU, ihr Anteil am Gesamtumsatz liegt bei 56,2 %. 66 % aller Erwerbstätigen in der Privatwirtschaft sind in KMU beschäftigt[5] und 60% der Gesamtwertschöpfung entfallen auf KMU.[6]

2.2 Vorteile des Binnenmarktes und deren Relevanz für KMU

Dem Binnenmarkt verdanken wir in Europa etwa 1,5% zusätzliches Wirtschaftswachstum und 900.000 neue Arbeitsplätze.[7] Hierbei stellt sich natürlich die Frage, welchen Anteil davon sich die KMU zunutze machen können. Neben den im Folgenden behandelten Vorteilen sehen die KMU in der EU und der Schweiz nach einer Umfrage ihre praktischen Vorteile schwerpunktmäßig in folgenden Veränderungen: „Größerer Absatzmarkt“ (17%), „Vereinfachung der internationalen Zusammenarbeit“ (14%), „Der Euro“ (13%) und „Größerer Markt für Vorleistungen“ (13%). Bemerkenswert ist hierbei jedoch, dass mit 56 Prozent über die Hälfte aller Befragten für sich keine Vorteile aus dem Binnenmarkt erkennen können.[8]

2.2.1 Die vier Freiheiten des EWG-Vertrages

Ziel der vier Freiheiten des EWG-Vertrages ist es, für eine uneingeschränkte Mobilität aller Produktionsfaktoren zu sorgen.

2.2.1.1 Freizügigkeit der Person

Staatsbürger eines Mitgliedsstaates können in jedem anderen Mitgliedsstaat arbeiten und haben dabei die gleichen Rechte wie Staatsangehörige des Gastlandes.[9] Für KMU könnte dies theoretisch bei der Suche nach qualifiziertem Personal von Relevanz sein. In der Praxis fehlt es dazu jedoch an geeigneten Instrumenten. Auch können KMU oft nur einen ungenügenden finanziellen Anreiz für Fachleute aus dem Ausland bieten. Im Zuge der Freizügigkeit fand jedoch auch eine Welle der gegenseitigen Anerkennung von Hochschulabschlüssen statt. Diese sorgte dafür, dass KMU potentielle neue Mitarbeiter aus dem Ausland anhand deren Zeugnisse nur unzureichend auf die Qualität der Ausbildung und deren tatsächlichen Kenntnisse prüfen können. Ansonsten kann die Freizügigkeit in der Praxis noch geringfügig bei der schnelleren Abwicklung von Geschäftsreisen ins Gewicht fallen.

2.2.1.2 Freier Warenaustausch

Freier Warenaustausch bedeutet, dass innerhalb der Mitgliedstaaten der EU jede Ware zu den gleichen Bedingungen angeboten werden kann. Neben dem Abbau der Zölle bedeutet das jedoch auch den Abbau sämtlicher nichttarifärer Schranken (GATT / Cassis de Dujon[10]). Hierzu gehören Angleichungen im Umwelt- und Verbraucherschutz, Angleichung von Normen und Standards und der technischen sowie administrativen Vorschriften der Länder.[11] Auch die Abschaffung aller Importkontingente gehört zum freien Warenaustausch. Unterschiedliche steuerliche Abgaben sollen durch Steuerausgleich geregelt werden.

[...]


[1] Informationsblatt der Europäischen Kommission No.2 2003

[2] Die KMU im 21. Jahrhundert - Impulse, Aussichten, Konzepte / Verlag KMU HSG; Recontres de St. Gall 2000; IGW- HSG Universität St. Gallen; S. 11;

[3] Maßnahmen für die KMU und das Handwerk - Ausgabe 1998, Europäische Kommission

[4] Institut für Mittelstandsforschung Universität Mannheim 2002 / EU

[5] Maßnahmen für die KMU und das Handwerk - Ausgabe 1998, Europäische Kommission

[6] Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen; „Die Aktivitäten der Europäischen Union zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)“; SEK (2003) 58; Kommission der Europäischen Gemeinschaften; 21.01.2003

[7] Maßnahmen für die KMU und das Handwerk - Ausgabe 1998, Europäische Kommission / S. 21

[8] „ENSR Enterprise Survey 1999“ in Das Europäische Beobachtungsnetz für KMU - sechster Bericht, Europäische Gemeinschaften 2000, S. 392

[9] „Der Europäische Binnenmarkt“ von Hugo Dicke in „Europa Handbuch“; Werner Weidenfeld; Bundeszentrale für politische Bildung; Bonn 2002; S. 446

[10] Die Einzelhandelskette REWE hatte das Recht gefordert, den Fruchtsaftlikör Cassis de Dijon aus Frankreich einzuführen und in Deutschland zu vertreiben, obwohl der Alkoholgehalt mit 15-20 Prozent nicht der deutschen Vorschrift entsprach, wonach Fruchtsaftliköre mindestens 25% Alkohol enthalten müssen. Die Bundesregierung hatte das Verbot des Vertriebes von Cassis de Dijon mit dem Erfordernis des Verbraucherschutzes und des Gesundheitsschutzes gerechtfertigt. Der EuGH erkannt hierin keine zwingenden Erfordernisse.

[11] Europa von A-Z, Werner Weidenfeld, Wolfgang Wessels; Taschenbuch der Europäischen Integration; Bundeszentrale für politische Bildung 2002; S. 96

Details

Seiten
21
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638858052
ISBN (Buch)
9783638904322
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81157
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Schlagworte
Einheitliche Akte Binnenmarkt Einführung Europäische Integration

Autor

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