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Sprachentwicklung und Sprachverständnis und ihre Störungen

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sprachentwicklung und ihre Störungen
2.1 Die Ebenen des Spracherwerbs
2.2 Vorausläuferfähigkeiten des Spracherwerbs
2.3 Merkmale einer (spezifischen) Sprachentwicklungsstörung
2.3.1 Störungen im Bereich Morphologie und Syntax
2.3.2 Störungen im Bereich der Phonetik und Phonologie
2.3.3 Störungen im Bereich der Semantik und Pragmatik
2.4 Ursachen der Sprachentwicklungsstörung
2.4.1 Die Umweltsprache
2.4.2 Die Kognition
2.4.3 Die Informationsverarbeitung und das Gedächtnis
2.4.3.1 Speicher- und Abrufprobleme
2.4.3.2 Eingeschränkte Arbeitsgedächtniskapazität
2.4.4 Der biologische Bereich
2.5 Nachfolgeprobleme
2.5.1 Leseprobleme
2.5.2 Schulisch erlernte Hilflosigkeit
2.5.3 Psycho-soziale Probleme
2.6 Interventionen bei Sprachentwicklungsstörungen
2.7 Prävention

3. Das Sprachverständnis und seine Störungen
3.1 Die Entwicklung des Sprachverständnisses
3.1.1 Die Entwicklung des Sprachverständnisses beim Kleinkind
3.1.2 Die Entwicklung des Sprachverständnisses beim Vorschulkind
3.1.3 Die Entwicklung des Sprachverständnisses beim Schulkind
3.2 Strategien des Sprachverstehens
3.2.1 Das Wortverständnis
3.2.2 Das Verständnis grammatikalischer Strukturen und Einheiten
3.2.3 Das Textverständnis
3.3 Begleitende Faktoren des Sprachverständnisses.
3.3.1 Das Gedächtnis
3.3.2 Die Aufmerksamkeit
3.3.3 Die Intelligenz
3.4 Entwicklungsbedingte Sprachverständnisstörung
3.5 Ursachen
3.6 Prognose

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Sprache ist für den Menschen von existentieller Bedeutung. Sie erfüllt zwei Funktionen, zum einen eine repräsentative Funktion und zum anderen eine kommunikative Funktion.[1] Die repräsentative Funktion beinhaltet das Erzählen von Ereignissen, die bereits passiert sind oder in Zukunft geschehen werden, so dass die Wörter stellvertretend für die Realität stehen. Bei der kommunikativen Funktion werden die Wörter an eine andere Person gerichtet, um etwas zu bewirken. Die vorliegende Ausarbeitung soll einen Überblick über die Entwicklung der Sprache im Kindesalter und ihre Störungen geben. Zunächst werden kurz die Ebenen des Spracherwerbs und die dazugehörigen Vorausläuferfähigkeiten beschrieben. Dann folgt eine ausführlichere Darstellung der Merkmale, Ursachen und Nachfolgeprobleme einer (spezifischen) Sprachentwicklungsstörung. Die Bereiche der Intervention und Prävention werden nur kurz angerissen, da sie nicht den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden, ebenso wird aus diesem Grund auf eine Darstellung der Diagnostik verzichtet.

Der zweite Teil meiner Arbeit geht näher auf das Sprachverständnis ein, da es von grundlegender Bedeutung für die Sprachentwicklung ist. So werden zunächst die Entwicklung des Sprachverständnisses und die Faktoren des Textverstehens dargestellt. Die begleitenden Faktoren des Sprachverständnisses werden kurz erläutert und dann werden die entwicklungsbedingte Sprachverständnisstörung, ihre Ursachen und ihre Prognose beschrieben.

2. Die Sprachentwicklung und ihre Störungen

Etwa ab dem zehnten Lebensmonat produziert das Kind seine ersten Wörter.

Während der weiteren lexikalischen Entwicklung werden nun zunehmend mehr Wörter erworben, so dass das Kind innerhalb von 15 Jahren seinen Wortschatz bis auf ca. 60.000 Wörter vergrößert hat. Diese Vergrößerung hat neben der quantitativen Komponente noch eine wichtige qualitative Seite, da die Kinder erkennen, dass alle Dinge einen Namen haben und sie somit die abstrakt-kognitive Qualität von Wörtern erkannt haben.

Im Alter von 18 Monaten sollte das Kind einen Schwellenwert von 50 Wörtern erreicht haben. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt eine Wortexplosion, die zugleich die Grundlage für den Grammatikerwerb darstellt, da nun nach den Nomen auch Verben und Adjektive erworben werden, so dass nun Sätze nach syntaktischen Regeln gebildet werden können.

Kinder, die mit 18 Monaten noch nicht die 50-Wort-Schwelle erreicht haben, sind stark gefährdet, eine Sprachentwicklungsstörung zu erlangen.

Die Entwicklung der Sprache steht in enger Beziehung zu kognitiven und sozialen Fähigkeiten und ist das Resultat eines Zusammenspieles verschiedener Entwicklungs­bereiche:[2]

- praktisch-gnostische Entwicklung

(Gebrauch und Handhabung alltäglicher Gegenstände erwerben)

- symbolische Entwicklung

(Handlungen in verschiedenen Phasen eine Bedeutung geben)

- sozial-kommunikative Entwicklung

(Entwicklung der Auseinandersetzung mit Personen)

- sprachliche Entwicklung

(Kind lernt, Wörter in ihrer repräsentativen und kommunikativen Funktion zu verstehen und zu produzieren)

Bei der Betrachtung des Spracherwerbs sind zwei Aspekte von zentral: [3]

- Das Sprachlernen erfolgt innerhalb von biologischen Zeitfenstern und beruht auf

nichtsprachlichen sowie auf sprachspezifischen Vorausläuferfähigkeiten

- Die Sprache ist kein Objekt, das sich außerhalb des Kindes befindet und dann verinnerlicht wird, sondern das Kind erwirbt durch den interaktiven Austausch mit wichtigen Personen seiner Umwelt die Regeln der Sprache auf implizite Weise.

Das sprachliche Handeln ist eine zutiefst biologische Angelegenheit, da es im menschlichen Entwicklungssystem genetisch verankert ist.

Das Kind erwirbt im Verlauf seiner Sprachentwicklung drei verschiedene Kompetenzen:[4]

- Prosodische Kompetenz

Sie bezieht sich auf die suprasegmentale Komponente der Sprache, d.h. auf die Betonung und die prosodische Gliederung

- Linguistische Kompetenz

Sie umfasst vier Komponenten der Sprache, die Phonologie (Organisation von Sprachlauten), das Lexikon (Wortbedeutung), die Morphologie (Wortbildung) und den Syntax (Satzbildung)

- Pragmatische Kompetenz

Sie bezieht sich auf Sprechhandlungen, Konversationssteuerung und Diskurs

2.1 Die Ebenen des Spracherwerbs

Der Spracherwerb wird auf verschiedenen Ebenen vollzogen:[5]

- Die Ebene der Phonetik und Phonologie

Im Laufe seiner Sprachentwicklung erwirbt das Kind ein muttersprachliches spezifisches Lautsystem. Dieser Prozess scheint einer gewissen Systematik zu folgen, die Jacobson (1972)[6] wie folgt beschreibt:

- die kindliche Lautentwicklung ist bestimmten allgemeinen Lautgesetzen unterworfen
- der Abbau des Lautsystems verhält sich bei Aphasien genau spiegelbildlich zum Erwerb
- die aufgestellten Gesetzmäßigkeiten sind in allen Völkersprachen gültig
- die Entwicklung der Laute nach der Lallphase vollzieht sich in einem gesetzmäßigen, stufenförmigen Ablauf, der in allen Sprachen nachweisbar ist
- Die Ebene der Semantik und Lexik

Die Lautentwicklung ist eng mit der Begriffsbildung verbunden. Das Kind lernt, dass mit einer gewissen Lautfolge bestimmte Inhalte verbunden sind, hierbei spielt der Situationskontext eine wichtige Rolle. Die Entwicklung der semantischen Strukturen ist durch einen zunehmenden Differenzierungsprozess gekennzeichnet. Die Bedeutungen von Wörtern werden mit Hilfe unterschiedlicher Merkmalsklassen, wie z.B. Form, Farbe, Funktion erlernt.

- Die Ebene der Syntax und Morphologie

In der vorgrammatischen Phase gebraucht das Kind Einwortsätze. Im Alter von 1,5 bis 2 Jahren kommen dann die Zwei- und Mehrwortsätze hinzu, die ab dem dritten Lebensjahr zunehmend differenzierter werden und die Prozesse der Syntax und Morphologie setzen ein.

- Die Ebene des kommunikativen Aspektes

Das Kind lernt die Sprache nicht nur als ein Zeichen- und Regelsystem kennen, sondern die Sprache enthält auch eine soziale Funktion, die der Kommunikation und Interaktion. Das Kind lernt auch nonverbale Komponenten als Ausdruck von Emotionen kennen.

2.2 Vorausläuferfähigkeiten des Spracherwerbs

Der Erwerb der Sprache benötigt biologische und neurophysiologische Voraussetzungen.

Von grundlegender Bedeutung sind die Funktionsfähigkeit der Sinnesorgane des sprechmotorischen Apparates und eine fortschreitende nachgeburtliche Entwicklung des Zentralnervensystems und die Lateralisation. Ebenfalls wichtig für den Spracherwerb sind die soziokulturellen Rahmenbedingungen, die Umweltanregung und Interaktion. Das Zusammen- spiel dieser Fähigkeiten ist Voraussetzung für einen ungestörten Spracherwerb. Störungen dieser Vorausläuferfähigkeiten können darauf hindeuten, dass ebenfalls Störungen bei der Sprachentwicklung zu erwarten sind. Ungefähr bis zum zehnten Lebensmonat entwickeln sich diese drei Bereiche der Vorausläuferfähigkeiten zunehmend und interagieren miteinander. Die primäre Bezugsperson unterstützt aktiv den Prozess des Spracherwerbs, indem sie kommunikativ anregende Situationen herstellt, eine dem Kind angepasste Sprache verwendet und dem Kind Informationen über Regelmäßigkeiten der Sprachstruktur vermittelt.

Sprachstörungen können auf verschiedenen Ebenen auftreten:[7]

- Aussprachestörungen betreffen die phonetisch-phonologische Ebene
- Ein reduzierter Wortschatz, Störungen der Bedeutungsentwicklung und Begriffsbildung betreffen die semantisch-lexikalische Ebene
- Störungen der grammatischen Struktur auf der syntaktisch-morphologische Ebene
- Sprachhandlungsinkompetenz betrifft die pragmatisch-kommunikative Ebene

2.3 Merkmale einer (spezifischen) Sprachentwicklungsstörung

- Verspäteter und verlangsamter Spracherwerb
- Häufig von der Norm abweichender Spracherwerb
- Beeinträchtigungen formaler Sprachstrukturen und des mentalen Lexikons
- Wortfindungsstörungen
- Formulierungsschwierigkeiten
- Beeinträchtigung der Prosodie und des Redeflusses
- Pragmatische Störungen in Folge mangelnder linguistischer Kompetenz
- Die Störung ist primärer Natur, ausgeschlossen sind sensorische, neurologische und emotionale Schädigungen und geistige Behinderung
- Die nonverbale Testintelligenz liegt im Normalbereich

[...]


[1] vgl. B. Zollinger: Die Entdeckung der Sprache, 1997, S. 11

[2] ebd. S. 19

[3] v gl. H. Grimm: Störungen der Sprachentwicklung, 1999, S. 17-18

[4] Komponenten der Sprache nach H. Grimm, 1999, S. 15, Tabelle 1

[5] vgl .M. Grohnfeldt: Störungen der Sprachentwicklung,1999, S. 39 ff

[6] zitiert nach ebd. S. 39

[7] vgl. Grohnfeldt, 1999, S. 63

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638907118
ISBN (Buch)
9783638907279
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81018
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Humanwissenschaftliche Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Sprachentwicklung Sprachverständnis Störungen Spracherwerb

Autor

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