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Äsop und die Fabel - Gattung und Funktion der Fabel im antiken Griechenland

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kurze Skizze über das Leben Äsops
1.1 Zwischen Historizität und Legende

2. Kurzer Einblick über die Gattung der Fabel
2.1 Begriffsbestimmung und Charakteristiken der Fabel
2.2 Entstehung und Herkunft der Fabel

3. Die Fabel und ihre Rolle in Gesellschaft und Kultur des antiken Griechenlands
3.1. Funktion der Fabel im antiken Griechenland
3.2 Die `soziale Funktion` der Fabel in der Gesellschaft
3.2.1 Die Kontorverse um Karl Meuli, Theophil Spoerri und Ben Edwin Perry

Fazit

Literaturliste

Einleitung

Es scheint paradox, dass über Äsop, einer der bekanntesten Griechen der Antike, nur sehr wenig überliefert wurde. Die gängige Assoziation mit der Person Äsop ist jedoch, dass er der Begründer bzw. der Hauptvertreter der Fabel sei. Doch selbst das ist eigentlich schon zu viel gesagt, da diese Aussage ja suggeriert er habe tatsächlich gelebt, was jedoch gar nicht eindeutig beweisbar ist. Die Beweislage ob Äsop also tatsächlich gelebt hat oder nur eine Personifikation des Prototyps eines hellenistischen Fabelerzählers sei, ist also sicherlich ein Aspekt den es zu untersuchen gilt.

Aufgrund dieser Problemlage, der fehlenden geschichtlich gesicherten Fakten über die Person Äsops, werde ich mit dieser Arbeit einen anderen Weg einschlagen und versuchen, durch die Kultur und die Funktion der Fabel zur Zeit Äsops Rückschlüsse auf seine Person und seine Fabeln zu schließen. Zunächst werde ich, neben einem kurzen Einblick in Gattung und Herkunft der Fabel, auch auf die Funktion der Fabel in der Gesellschaft des antiken Griechenlands eingehen und dabei auf die Kontroverse um Karl Meuli, Theophil Spoerri und Ben Edwin Perry eingehen, ob die Fabel eine „soziale Funktion“, als Äußerung der Auflehnung des Schwachen gegenüber des Stärkeren verkörpert oder lediglich als rhetorisches Mittel zur Argumentation genutzt wurde.

Diese Arbeit wird sich dabei, neben den oben schon genannten Autoren, hauptsächlich auf die Ausführungen des Altphilologen Niklas Holzberg stützen, der als einer der Experten im Bereich der antiken Fabel gilt.

1. Kurze Skizze über das Leben Äsops

Angenommen Äsop habe tatsächlich gelebt, dann wird sein Leben im 6. Jhd. v. Chr. datiert. Über alle weiteren Details allerdings, wie der Herkunft und Aufenthalte Äsops, gibt es eine Fülle von verschiedenen und konträren Quellen. Einige der wohl am wahrscheinlichsten zutreffenden Quellen seinen hier aufgelistet.

Der Namen Äsop (Αΐσωπος) zumindest, lässt auf eine Herkunft aus Phrygien oder Mysien schließen, denn dort ist der Flussgott Aΐσηπος beheimatet.[1] Als einen aus Phrygien stammend Griechen, bezeichnen ihn auch zahlreiche Quellen der Kaiserzeit.[2]

Die Heimat Äsops nach Herodot[3] und wie es auch im Äsop-Roman[4] beschrieben wird, sei Samos gewesen, wobei Äsop in Delphi zum Tode verurteilt wurde. Diese Quellen stützen zudem, dass die Art der Anklage, die gegen Äsop erhoben wurde, für diese Zeit in Delphi sehr typisch und eindeutig belegt wird.[5]

Der Äsop-Roman berichtet weiter, dass der missgestaltete Sklave die Delpher durch seine Sprachgewandtheit brüskiert und durch einen Hinterhalt fälschlicherweise als Dieb beschuldigt wurde. Um seine Hinrichtung abzuwenden, erzählt Äsop Fabeln und warnt vor möglichen Konsequenzen seiner Hinrichtung. Doch die Delpher bestehen auf seinen Tod und stürzen ihn von einem Felsen wofür sie letztendlich von den Göttern bestraft wurden.[6]

Quellen aus der alexandrinischen Zeit allerdings belegen Äsop stamme aus Thrakien am Schwarzen Meer.[7] Plutarch wiederum behauptet, dass er von Sardes nach Delphi gekommen war und dass er Kroisos, dem König von Lydien diente.[8]

Genaue Aussagen über Äsops Herkunft und Leben lassen sich also aufgrund dieser zahlreichen verschiedenen Quellen nicht mehr eindeutig festmachen.

Doch ist nicht gerade diese Fülle der widersprechenden Aussagen über Äsops Herkunft ein Indiz dafür, dass es sich hierbei lediglich um sagenhafte und mythische Überlieferungen handelt?

1.1 Zwischen Historizität und Legende

Wie in 1. Kapitel untersucht wurde, ist es schwierig aus der großen Anzahl von unterschiedlichen Quellen über Äsops Herkunft die geschichtlich Wahre herauszufinden. Besonders der Äsop-Roman, der als Vorwort einer Fabelsammlung aus dem 10 Jhd. n. Chr. festgehalten wurde, wird oft als Biographie Äsops verstanden, die jedoch nicht in allen Details belegbar ist. So besitzt die Biographie sehr romanhafte Züge und zeigt zudem deutliche Parallelen zu dem aus dem 5. Jhd. v. Chr. entstandenen aramäischen Roman über den Hofbeamten Achikar, der, wie Äsop, auch Fabelerzähler war und ermordet wurde.[9]

Nichtsdestotrotz bestätigen Quellen, wie die des nicht so lange nach Äsop lebenden Herodots (ca. 490-420 v. Chr.), im Kern die Aussagen des Äsop-Romans. Aus diesem Grunde können wir annehmen, dass es sich hierbei auf einigen wahren geschichtlichen Fakten beruhenden Roman handelt.[10]

Doch es gibt eine weitere These die behauptet, dass Äsop selbst Teil einer Fabel sei.[11] Nämlich die Fabel, dass er aus eigenem Verschulden eine Ereigniskette einleitete, die dann schließlich zu seinem eigenen Tod führte. So gesehen, könnte die Person Äsop auch lediglich ein Sinnbild, ja ein Werbeetikett der griechischen Fabel sein.

In der Antike allerdings, hat man nie daran gezweifelt, dass Äsop tatsächlich gelebt hat.[12] Die große Anzahl an verschiedenen überlieferten Einzelheiten ermöglichen heute zwar nicht mehr eine einheitliche Biographie Äsops festzulegen, doch erschweren sie sicherlich die Annahme Äsop sei eine rein mythische Figur.

[...]


[1] Vgl. Hausrath, August, Fabel, in: Hasubek, Peter (Hrsg.), Fabelforschung, 572, Darmstadt, 1983, 42.

[2] Vgl. Luzzatto, Maria Jagoda/ Wittenburg, A., Aisopos, DNP, 1, 360.

[3] Vgl. Hdt. 2, 134

[4] Der Äsop-Roman, der den Titel „Buch des Philosophen Xanthos und seines Sklaven Aisopos“ trägt, wurde zwischen dem 2. und 3. Jhd. n. Chr. von einem unbekannten Autor verfasst und ist uns in zwei vor- und einer byzantischen Rezensionen (2. bis 7. Jhd. n. Chr.) sowie in einem Kodex aus dem 10. Jhd. n. Chr. erhalten geblieben.

[5] Vgl. Luzzatto, Maria Jagoda/ Wittenburg, A., Aisopos, DNP, 1, 361.

[6] Vgl. Holzberg, Niklas, Äsop in Delphi:, in Der Äsop-Roman, Holzberg, Niklas (Hrsg.), Tübingen, 1992, 69-73.

[7] Vgl. Luzzatto, Maria Jagoda/ Wittenburg, A., Aisopos, DNP, 1, 360.

[8] Vgl. Luzzatto, Maria Jagoda/ Wittenburg, A., Aisopos, DNP, 1, 361.

[9] Vgl. Adrados, Francisco Roderíguez, History of the Graeco-Latin Fable, 1, Leiden, 1999, 275.

[10] Vgl. Holzberg, Niklas, Fabel, in Große Gestalten der griechischen Geschichte, Brodersen, Kai (Hrsg.), München, 1999, 46.

[11] Vgl. Holzberg, Niklas, Fabel, in Große Gestalten der griechischen Geschichte, Brodersen, Kai (Hrsg.), München, 1999, 46-47.

[12] Vgl. Holzberg, Niklas, Fabel, in Große Gestalten der griechischen Geschichte, Brodersen, Kai (Hrsg.), München, 1999, 47.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638886864
ISBN (Buch)
9783638886970
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80946
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Fabel Gattung Funktion Griechenland Geschichte Biographien Berühmte Persönlichkeiten Antike

Autor

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