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Ethnische Minoritäten als sozial-räumlich exkludierte Personengruppe

Seminararbeit 2001 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Sozial-räumliche Exklusion als Folge von Integrationshemmnissen
2.1 Arbeitsplatz
2.2 Schule/Bildung
2.3 Wohnsitutation
2.4 Freizeitsituation
2.5 Familäre Situation

3. Fazit/Stellungnahme

4. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Ethnische Minoritäten als sozial-räumlich exkludierte Personengruppe“ und ist im wesentlichen in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil (Gliederungspunkt 2) zeige ich exemplarisch, wie bzw. wo bei uns in Deutschland Exklusion von ethnischen Minoritäten sowohl sozial wie auch räumlich stattfindet. Der zweite Teil (Gliederungspunkt 3) besteht aus einem kurzen Resümee plus persönlicher Stellungnahme.

Zu Beginn möchte ich zum besseren Verständnis und um Mißverständnisse zu vermeiden eine exakte Definition des Begriffs ethnische Minoritäten geben: Mit ethnischen Minoritäten sind Menschen gemeint, die einer sprachlich und kulturell einheitlichen Volksgruppe angehören und in ihrem momentanen Lebensumfeld zahlenmäßig in der Minderheit sind (vgl. Duden-Fremdwörterbuch, S. 238 u. S. 522).

In Deutschland wie in vielen anderen Ländern geht die Tendenz hin zur ethnischen Pluralisierung der Bevölkerung und Kultur. Diese Pluralisierung als Veränderungsprozeß des Nationalstaates Deutschland hat vielfältige Gründe. Da ist zum einen die Internationalisierung der Arbeitsmärkte und die damit zusammenhängende Arbeitsmigration, aber auch kriegerischen Auseinandersetzungen bzw. Verfolgung sind als Hauptgründe zu nennen, die bestimmte ethnische Gruppen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Diese wegen Arbeit, Krieg, Verfolgung usw. gekommenen ethnischen Minderheiten sind zum großen Teil nicht mehr nur augenblicklich präsent, sondern ein Teil der Sozialstruktur Deutschlands geworden. Doch trotz des teilweise schon langjährigen Aufenthaltes in der Bundesrepublik ist zu beobachten, daß viele der ethnischen Minoritäten sowohl sozial als auch räumlich vom Rest der Gesellschaft ausgeschlossen sind und es oft auch Zeit ihres Lebens bleiben. Auf den folgenden Seiten will ich an den Beispielen Arbeitsplatz, Schule/Bildung, Wohnsituation, Freizeitsituation und der familiären Situation aufzeigen, wo und wie die sozial-räumliche Exklusion ethnischer Minderheiten im Alltag stattfindet, wo Fehler gemacht wurden bzw. werden und mir überlegen, was getan werden könnte, um die gegenwärtige Situation zu verbessern.

2. Sozial-räumliche Exklusion als Folge von Integrationshemmnissen

Der größte Teil der in Deutschland lebenden Ausländer ist dem unteren Drittel der Schichtungshierarchie zuzurechnen, d.h. sie ist gekennzeichnet durch ökonomische Defizite, Tendenzen zur sozialen Isolation und Diskriminierung durch die deutsche Bevölkerung, welche ihre Lebenschancen sowie ihre Möglichkeiten zur Teilnahme am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben erheblich beeinträchtigen. Die soziale und ökonomische Situation der Ausländer hat sich zwar in den letzten Jahrzehnten zum Teil verbessert, ihre politische ist aber nach wie vor unverändert: das aktive sowie passive Wahlrecht ist ihnen nach wie vor versagt; lediglich auf kommunaler Ebene, sowie für EU-Ausländer auch auf europäischer Ebene besteht diese Möglichkeit. Diese strukturell-politische Ambivalenz, der die Migranten ausgesetzt sind, sowie die individuelle Unsicherheit einer eventuellen späteren Rückkehr wirken sich negativ auf ihr Integrationspotential aus. Die im Heimatland erworbene soziale Kompetenz wird hier häufig funktional eingeschränkt. Statt dessen wird die Bereitschaft gefordert, die neuen Lebensbedingungen zu akzeptieren und unter ihnen neue Handlungsfähigkeiten zu entwickeln. Erforderlich ist hierfür die individuelle Motivation, am sozialen Leben des Gastlandes teilzunehmen, sowie die Bereitschaft zur Entwicklung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die zum Statuserwerb im Gastland beitragen, wie beispielsweise der Erwerb von Sprachkenntnissen

Diese oft geforderte individuelle Motivation zum Erwerb von Handlungsfähigkeit und zum Aufbau von Integrationsbereitschaft ist all zu oft abhängig von der Herkunft und Vorbildung der Migranten sowie von ihrer Zahl und räumlicher Ballung im Land. So besteht beispielsweise für Türken in einem Stadtteil mit besonders hohem Türkenanteil (z.B. Berlin/Kreuzberg) kaum die Notwendigkeit, Motivation zum Erwerb der deutschen Sprache zu entwickeln, da in ihrem sozialen „Ghetto“ fast alle lebensnotwendigen Dinge mit der türkischen Sprache geregelt werden können. Intergrationshemmnisse und die daraus folgende Konsequenz der sozialen bzw. räumlichen Exklusion sind insofern die nicht vorhandene Triebkraft, Handlungsfähigkeit in der Gesellschaft des Aufnahmelandes zu erwerben. Diese Motivationen werden wiederum beeinflußt von Integrationsbarrieren, die in der sozialen Umwelt, der subjektiven Situation innerhalb dieser, sowie auf Seiten der deutschen Bevölkerung liegen.

Ausländerdiskriminierung, Aufenthaltsregelungen sowie Verwaltungsvorschriften wirken zusammen mit den Integrationsdefiziten der Ausländer selbst im Wechselspiel desintegrierend (vgl. Institut für Zukunftsforschung 1981). Die Wirkung solcher Barrieren auf das Integrationspotential und die daraus folgende soziale bzw. räumliche Exlusion soll nun weitgehend am Beispiel der türkischen Immigranten in Deutschland dargestellt werden. Türkische Immigranten deshalb, da sie mit rund 2,11 Menschen die größte Ausländergruppe in Deutschland stellen (vgl. Statistisches Bundesamtamt, Datenreport 2000, S. 65). Sie sind zudem als Nicht-EU-Bürger, Nichteuropäer und Angehörige eines eher fremden Kulturkreises in besonderem Maße von der hier beschriebenen Problematik betroffen.

2.1 Arbeitsplatz

Die Ausländer der ersten Generation wurden gezielt für Arbeitsplätze mit niedrigen Qualifikationsanforderungen angeworben, die nicht oder nur schwer mit Deutschen zu besetzen waren. Sie sind auch heute noch überwiegend als Un- oder Angelernte tätig. Der Anteil Ungelernter an der ausländischen Erwerbsbevölkerung lag 1984 bei ca. 67 Prozent. Er sank zwar bis 1994 auf ca. 53 Prozent, lag aber damit immer noch deutlich über den ca. 13 Prozent deutscher Arbeitnehmer (vg. Geißler, R. 1996, S. 217) .

Ein überproportional hoher Anteil verrichtet belastende und gefährliche Arbeiten in Großbetrieben mit Massenproduktion und Schichtarbeit, häufiger als Deutsche werden Ausländer im Akkord beschäftigt, von Arbeitsunfällen sind sie signifikant häufiger betroffen, so daß die Arbeitsbedingungen von Ausländern insgesamt als schlechter beurteilt werden müssen, als die ihrer deutschen Kollegen. Zudem beklagen viele einen Verlust ihrer beruflichen Identität, durch den abrupten Übergang von landwirtschaftlicher oder vorindustriell- handwerklicher Produktion zu industrieller Lohnarbeit mit arbeitsteiligem Fertigungsprozeß und Entfremdung vom Produkt. Verstärkt wird dieses Gefühl durch die berufliche Dequalifizierung am Arbeitsplatz sowie der Tatsache, daß ausländische Arbeiter allgemein und unter ihnen die türkischen im besonderen in der betrieblichen Hirarchie die unterste Rangstufe einnehmen und oft die Arbeitsplätze mit den niedrigsten Qualifikationsanforderungen und dem geringsten Sozialprestige innehaben (vgl. Institut für Zukunftsforschung 1981, S. 122).

Ausländer werden zwar nicht schlechter bezahlt, jedoch sind sie deutlich häufiger in niedrig bezahlten Arbeitsverhältnissen anzutreffen als Deutsche in vergleichbarer Soziallage, so daß nur geringe Kontaktmöglichkeiten mit Deutschen am Arbeitsplatz bestehen. Der Wunsch nach Kontakten, die über den direkten Arbeitsplatzbezug hinausgehen ist zwar vorhanden, wird jedoch kaum erfüllt. Kommunikationshemmnisse sind neben der Arbeitssituation und vorhandenen Sprachbarrieren vor allem unterschiedliche Vorstellungen der Freizeitgestaltung, sowie die räumliche Trennung durch die Konzentration vieler ausländischer Arbeiter auf bestimmte Wohnviertel. Eine Folge dieser unzureichenden Kommunikationsmöglichkeiten ist ein Rückzug der Ausländer in ihre eigene ethnische Gruppe (vgl. Institut für Zukunftsforschung 1981, S. 122-123).

Die als feindlich und unbefriedigend empfundene Arbeitswelt ist oftmals Ursache für eine Abgrenzung seitens der ausländischen Arbeitnehmer und geringes Engagement bei innerbetrieblichen Problemen, z.B. einem niedrigen Anteil von Ausländern in den Betriebsräten (vgl. Institut für Zukunftsforschung 1981, S. 33).

Die Zahl der beschäftigungslosen Ausländer in Deutschland hat sich seit 1991 mehr als verdoppelt. Der Abbau in traditionellen Wirtschaftszweigen wie der Stahl- und Automobilindustrie oder dem Bergbau hat besonders die ausländischen Arbeitnehmer hart getroffen. Die erhöhte Arbeitslosigkeit bei Ausländern ist auf ein Geflecht unterschiedlichster Ursachen zurückzuführen wie fehlender Zugang zu Arbeitsmarktbereichen mit hoher Beschäftigungsstabilität, geringen Aufstiegschancen, Konzentration in bestimmten zum Teil krisenanfälligen Branchen und vieles mehr. (vgl. Stambulis 1994, S. 58).

Zusammenfassend ist also zu sagen, daß Ausländer in der Arbeitwelt wie oben beschrieben gleich mehrfacher Exklusion ausgesetzt sind. Es besteht ein weitgehender Ausschluß von qualifizierten Stellen. Kontakte im kollegialen Umfeld, die über die Arbeit hinausgehen sind eher selten. Dazu kommt die ursächlich unter anderem in der niedrigen Qualifikation begründete hohe Arbeitslosigkeit. Die Tatsache, daß sich die Situation in fast allen angesprochenen Punkten für ausländische Arbeitnehmer in den letzten Jahren zum besseren verändert hat sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, das eine immer noch sehr hohe Diskrepanz der qualitativen Arbeitssituation zwischen Deutschen und Ausländern in fast allen Branchen besteht.

2.2 Schule/Bildung

Die zukünftigen Integrationsmöglichkeiten der zweiten und dritten Generation von ethnischen Minoritäten wird maßgeblich von dem Sachverhalt berührt, inwieweit die Kinder der ersten Generation in der Lage sind sich auf dem Arbeitsmarkt Deutschlands zu behaupten um damit einen Schritt weg von der Exklusion hin zur Integration zu machen.

Ausgehend von der Erfahrung, daß schulische Bildung wichtigste Vorausetzung für beruflichen Erfolg ist, legen türkische Eltern meist großen Wert auf die Schulbildung ihrer Kinder. Dabei haben sie allerdings häufig überzogenen Erwartungen, d.h. sie schätzen die Bildungschancen ihrer Kinder völlig unrealistisch ein. Besonders für ihre Söhne streben sie häufig ein Hochschulstudium an. Diese überhöhten Bildungserwartungen relativieren sich in der Regel schon kurz nach der Einschulung der Kinder. Die Enttäuschung über die real sehr geringen Bildungschancen sowie Furcht vor Autoritätsverlust kann dazu führen, daß eine von Seiten der Eltern ablehnende Haltung zur deutschen Schule entwickelt und somit die Einhaltung der Schulpflicht als sekundär betrachtet wird, was die Chance auf Bildung weiter verringert (vgl. Institut für Zukunftsforschung 1981, S. 131 ff.).

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Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638871402
ISBN (Buch)
9783638871556
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80702
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,7
Schlagworte
Ethnische Minoritäten Personengruppe Soziale Brennpunkte Sozialpolitik

Autor

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Titel: Ethnische Minoritäten als sozial-räumlich exkludierte Personengruppe