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Il Libro del Cortegiano - Das Buch vom Hofmann

Seminararbeit 2007 31 Seiten

Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Renaissance

3. Baldassare Castiglione

4. Il Libro del Cortigiano - Das Buch vom Hofmann ( 1508 - 1516 )
4.1. Der Dialog

6. Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim De nobilitate et praecellentia foeminei sexus (1529)

7. Im Schein des perfekten Hofmannes: der Zögling

8. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Dialog Der Hofmann (künftig genannt: Hofmann) oder im Original (ital.:) Il Libro del Cortegiano von Baldassare Castiglione, gilt in seiner Zeit und darüber hinaus als das wichtigste Anleitungsbuch für höfische Benimmregeln. Gegenstand der Arbeit soll ein Umriss des Werkes sein. An vier aufeinander folgenden Abenden findet sich eine Hofgesellschaft von sechs Personen zusammen und diskutiert über das Ideal des Hoffmannes. Wie hat ein echter Hofmann zu sein? Wie hat er sich zu geben und was macht ihn wirklich aus? Diese Grundfragen beschäftigen die höfischen Charaktere. In vier Büchern verfolgt Castiglione dieses facettenreiche Gespräch, welches durchaus hin und wieder Züge eines Streitgesprächs annimmt. Auf diese Art und Weise werden somit die Ansichten seiner Charaktere dargestellt. Welche Meinung Castiglione selbst vertritt, lässt sich daraus nicht erkennen. In dem umfangreichen Werk ist es schwierig zu erfassen welche Dinge und Eigenschaften die Hauptzüge eines Hofmannes sein sollen oder auch nicht, da die monologisch wirkenden Reden der Protagonisten andere nach sich ziehen. Es sind Präsentationen von Maximen und der Leser kommt zu keinem klaren Diskussionsergebnis. Castiglione bleibt nur die Möglichkeit mit Hilfe der Meinungsdarstellungen der einzelnen Charaktere Ideale aufzuzeigen. Dem Leser steht es offen für welche Sichtweise er sich entscheiden möchte und als gültig betrachtet. Die gewünschten Grundeigenschaften eines Hofmannes werden zwar aufgezeigt, doch muss der Leser letzten Endes alleine entscheiden. Die Meinungen der Dargestellten erscheinen somit als eine Art Richtlinie, die doch jede für sich genommen allerdings unter den Einflüssen der damaligen gesellschaftlichen Normen stehen. Hier klingt also bereits die Selbstbestimmung des Menschen an - die des Lesers miteinbezogen. Diese Selbstbestimmung des Menschen ist ein Grundideal der Humanisten.

Im dritten Kapitel des Dialogs wird nicht der Hofmann von den Charakteren erörtert, sondern die Hofdame steht hier im Mittelpunkt des Disputs. In der Forschung wurde diesem Punkt wenig Beachtung geschenkt, im Gegensatz zu den mannigfaltigen Untersuchungen zur Rezeption von Castiglione´s Werk Der Hofmann im Allgemeinen, wie auch der Gestalt des Hofmannes im Speziellen. Doch ist der Blickpunkt auf die Hofdame keineswegs uninteressant. Im Werkgeflecht scheint die Hofdame nur eine Nebenrolle einzunehmen, was man schon am Titel bewiesen sehen kann. Das dritte Kapitel wirkt „dazwischen geschoben“. Das wirft die Frage auf, ob dieses Thema zur damaligen Zeit unwichtig war und kaum beachtet wurde. War es vielleicht einfach nur ein gesellschaftliches Tabuthema? Am Beispiel von Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim´s Werk: De nobilitate et praecellentia foeminei sexus oder in der Übersetzung: Von Adel und Vorrang des weiblichen Geschlechtes (erschienen 1529) lässt sich erkennen, dass eine aktuelle Diskussion durchaus statt fand und zwar allgemein um den Wert der Frau. Darüber findet sich ein kleiner Exkurs in dieser Arbeit.

2. Die Renaissance

Die Renaissance gilt als Zeitalter der Wiederentdeckung der antiken Ideale und des antiken Geistes. Dies liest sich in den verwendeten und verwandten Epochenbegriffen ab: die Zeitgenossen bezeichneten ihre Zeit nach dem von Giorgio Vasari geprägten, italienischen Epochenbegriff „rinascita“. Im neunzehnten Jahrhundert wurde dieser Begriff von der französischen und der deutschen Geschichtsschreibung durch den Begriff der Renaissance ersetzt und beides bedeutet „Wiedergeburt“. Auch der Begriff des Humanismus entstand zu dieser Zeit, wird aber meist dann bevorzugt genutzt, wenn sich die thematische Handlung auf die Kunstschöpfungen der Epoche bezieht. Liegt der Fokus auf literarischen Bestrebungen sowie auf deren philosophischen Zielen, verwendet die Forschung das Kompositum „Renaissance-Humanismus“.

Entstanden ist die Bewegung der Renaissance in Italien, in einem Land in dem noch zahlreiche Überreste der römischen Antike zu finden waren. Der Beginn der Renaissance wird in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts vermutet. Im Todesjahr von Kaiser Friedrich II (1250) und nach dem Ende der Staufferherrschaft (1254) wuchs in Italien eine neue städtische Oberschicht. In Deutschland zeichnete sich der Renaissance - Humanismus erst Jahrhunderte später ab, erst in der Zeit um 1400. Von einer real-humanistischen Bewegung in Deutschland lässt sich erst ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sprechen. Das Italien des 12. und 13. Jahrhunderts brachte selbstbewusste Dichter und Philosophen zum Vorschein, welche mit fortschrittlichem, humanistischem Glauben und Denken das Studium der Sprachen und der Literatur auch außerhalb von religiösen Institutionen für förderungswürdig erachteten. Ihr literarisches Interesse galt sowohl den antiken Schriften und Autoren als auch deren Gedankengut. Im engeren Sinne also eine Wiedergeburt antiker Ideale. Das Individuum galt es aufzuwerten und so das mittelalterlich- theozentrisch geprägte Weltbild in ein anthropozentrisch-humanistisches umzuwandeln. Als wichtige, antike Schriftsteller galten besonders Cicero, Homer, Herodot, Platon und Aristoteles. Der Blick auf die Antike zeichnet sich jedoch nicht nur durch das petrarcische Grundprinzip der „imitatio“ (Nachahmung) aus. Das humanistische Prinzip geht weiter und versucht aus antiken, klassischen Stoffen und der darin enthaltenen Werte, Neues zu formen - aufgefüllt mit eigenen und aktuellen Vorstellungen der damaligen Zeit.

Auf die Literatur bezogen bedeutet dies eine neue Freiheit ihrer Philosophen und Literaten: eine neue, ungewohnte Freiheit des denkenden Individuums, neue Gedanken mit alten, antiken verknüpfen zu können. In der Rückbesinnung auf die Antike versprachen sich die Intellektuellen der humanistischen Bewegung Ratschläge und Hilfen für eine bessere Zukunft. Diese Retrospektive beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Inhalte der Literatur, sondern auch auf die Schriftsprache. Man bewegte sich weg vom mittelalterlichen Gelehrtenlatein und besann sich zurück auf das klassische Latein aus der Zeit des Augustus, Cicero und Livius. Also schickte man sich an, eine „tote“ Sprache zur neuen Lebendigkeit zu erwecken (auch hier trifft man also die Umsetzung des Begriffs Renaissance / Widerbelebung/ Neugeburt[1]). Volker Reinhardt benennt die Begeisterung, die die Humanisten dem klassischen Latein entgegen brachten: „hymnische Hochschätzung[2]. Im Italien gegen Ende des 15. Jahrhunderts nahm diese Verehrung derartige Ausmaße an, so dass Erasmus von Rotterdam jene Sympathisanten salopp als „ciceronianische Affen“[3] bezeichnete. Der Muttersprache bedienten sich die Gelehrten im Umgang mit den plebs - den „Ungebildeten“. Petrarca wagt hier Schritt und sucht Ratschläge und Lebensweisheiten bei eben diesen antiken Schriftstellern, besonders bei Cicero. Auf diesen wird sich bezogen, wenn von der studia humanitatis die Rede ist und damit die literarische Erziehung eines vornehmen Mannes meint. Man nimmt antike Schriften und somit die antiken Philosophen und Gelehrten als Maßstab für die Rolle des Menschen in der Gesellschaft. Dieses Zwiegespräch mit den antiken Autoren „erschließt dem Humanisten einerseits die antike Lebensweisheit und vermittelt ihm andererseits das ästhetische Erlebnis des hochgeformten Worts: sapienta und eloquentia sind in den studia humanitatis untrennbar miteinander verbunden.“[4]

Bereits ab dem 12. Jahrhundert findet diese Entwicklung der Renaissancekultur an den Fürstenhöfen statt, die für das Werk Castigliones von Bedeutung ist. Dadurch gewann der am Hofe lebende, adelige Hofmann oder die Hofdame an Bedeutung. Durch sie wird die höfische Kultur gebildet. Norbert Elias nannte dies den „Prozess der Zivilisation“[5].

3. Baldassare Castiglione

Geboren am 6. Dezember 1478 in Casatico, bekommt der Adelssohn Baldassare Castiglione eine Erziehung nach humanistischem Bildungsideal bei den Humanisten Giorgio Merula, Demetrius Chalcondyles sowie später am Hof Ludovico Sforzas in Mailand.

Bei dem Markgrafen von Mantua, Francesco Gonzagas, steht Castiglione einige Zeit im Dienst. Im Jahr 1513 wird Castiglione als Botschafter des neuen Herzogs von Urbino, Francesco Maria I. della Rovere, an den päpstlichen Hof nach Rom gesandt.

Von Raphael, der mit Castiglione eng befreundet war, wird er im Jahr 1516 porträtiert und als feinsinnigen Hofmann dargestellt. Beide arbeiten gemeinsam an einem Memorandum, welches die Erhaltung der römischen Antike zum Gegenstand hat.

Im Jahr 1529 stirbt Castiglione in Toledo am Pestfieber, wo er vier Jahre

zuvor als päpstlicher Nuntius tätig war. Castiglione hat die Verhaltensregeln des Renaissancemenschen definiert und so die mitteleuropäischen Lebensformen nachhaltig geprägt.

4. Il Libro del Cortigiano - Das Buch vom Hofmann ( 1508 - 1516 )

Entstanden ist Castiglione´s Il Libro del Cortigiano oder Das Buch vom Hofmann in der Zeit zwischen 1508 und 1516. In überarbeiteter Fassung wurde das Buch allerdings erst 1528 gedruckt.

Castiglione´s Traktat zählt mit Machiavellis Il Principe (1532) zu den markantesten Werken der italienischen Hochrenaissance. Benimmbücher wie dieses, dienten der Verhaltensregulierung. Das Buch vom Hofmann entwickelte sich zur Quelle vieler mitteleuropäischer Anstandsbücher. Das Werk verfolgt die Absicht allein mit Worten den perfekten Hofmann zu formen und dies in Gestalt von lebhaften Gesprächen, denen ein Anschein von individuellen Gedankengängen der Charaktere zugrunde liegt. Aus der Tatsache heraus, dass das Werk in italienischer Sprache erschienen ist und nicht in Latein, ist anzunehmen, dass es ein breiteres Publikum ansprechen sollte und es somit nicht auf die Intelligenzia beschränkt blieb.

Es diskutieren die Hofbekannten Giuliano de' Medici, Pietro Bembo, Ludovico da Canossa, Bernardo da Bibbiena und Gasparo Pallavicino, unter dem Vorsitz der Herzogin Elisabetta Gonzaga und ihrer Schwägerin Emilia Pia über das Ideal des Hofmannes, ferner über das Idealbild der Hofdame im dritten Kapitel und über das Verhältnis der Hofleute zum Fürsten im abschließenden vierten Kapitel. Castiglione setzt diese Diskussionen an einen Ort den er selbst kennt: an den Hof von Urbino. An vier aufeinander folgenden Abenden wird hauptsächlich das Bild eines idealen Hofmannes umrissen. Dabei kristallisieren sich folgende Hauptattribute heraus, die den Hofmann ausmachen sollen: die Gabe, Aufgaben zu bewältigen und keine Anstrengung dabei erkennen zu lassen. Diese Gabe ist wesentlich für einen perfekten Höfling und Castiglione empfiehlt das Prinzip der „Sprezzatura“[6] : „eine gewisse Art von Lässigkeit anzuwenden, die die Kunst verbirgt und bezeigt, dass das was man tut oder sagt, anscheinend mühelos und fast ohne Nachdenken zustande gekommen ist[7] .

Zum allgemeinen Eindruck den der Hofmann abgeben soll findet sich in der Diskussion:

„Der Hofmann muß also von Anfang an sehr viel Sorgfalt darauf verwenden, einen guten Eindruck von sich zu erwecken, und es als gefährlich und tödlich betrachten, in das Gegenteil zu verfallen.”[8]

Mit „tödlich” mag hier der „gesellschaftliche Tod” gemeint sein. Auch wissenschaftlich soll der Hofmann gebildet sein:

„Ich möchte, daß er in den Wissenschaften mehr als mittelmäßig gebildet sei, wenigstens in jenen Studien, die man die humanistischen nennt, und daß er nicht nur von der lateinischen, sondern auch von der griechischen Sprache Kenntnis

habe, und zwar wegen der vielen und verschiedenartigen Dinge, die in ihr vortrefflich beschrieben worden sind.”[9]

[...]


[1] Vgl. Stammler, Wolfgang: Die neulateinische Literatur. In: CD-Rom – Kindlers neues Literaturlexikon. München 1999.

[2] Reinhardt, Volker: Die Renaissance in Italien. Geschichte und Kultur. München 2002. S.104.

[3] Vgl. ebd. S.105.

[4] Buck, August: Die Dichtung in der Schule des Humanismus In: CD-Rom - Kindlers neues Literaturlexikon. München 1999.

[5] Vgl. Ludwey, Karin: Baldassare Castiglione Das Buch vom Hofmann - Darstellung von weiblichen Emotionen im Frauenspiegel der Renaissance. (1997) Online im Internet: URL http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/griesebner/Wise04_05/abstracts_pdf/ludwey_karin.pdf [27.07.2006].

[6] über den Begriff der „Sprezzatura“ Online im Internet: URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Sprezzatura. [26.07.2006].

[7] ebd.

[8] Castiglione, Baldassare: Il Libro del Cortegiano. Der Hofmann. Übers. und Anm. von Fritz Baumgart, München 1986. S.157. folgend genannt: Cortegiano.

[9] ebd . S.158.

Details

Seiten
31
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638871242
ISBN (Buch)
9783638871310
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80511
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2
Schlagworte
Libro Cortegiano Buch Hofmann Kunst Dialogs Knigge Geschichte Soziologie Gesellschaft Adel Renaissance

Autor

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