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Japan im Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne vor dem Hintergrund der Herausforderungen einer sich neu ordnenden Weltpolitik

von Lukas Peuckmann (Autor) Florian Schlecht (Autor)

Forschungsarbeit 2007 71 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frühe Geschichte Japans
2.1. Die Herrschaft der Kaiser:
Yamato-Kultur, Nara und Kyoto in der Heian-Zeit
2.2. Die Herrschaft des Schwertadels: Japans feudalistische Epoche
2.3. Japans christliches Jahrhundert und die Zeit der Selbstisolierung

3. Shintoismus und Buddhismus – Japans Religionen im fruchtbaren Wechselspiel

4. Japans Reaktion auf die Moderne in der Meiji-Zeit
4.1. Hintergründe und Motive für die Restauration des Landes
4.2. Japans Reaktion auf die Herausforderungen nach innen
4.2.1. Die Rolle des Tenno
4.2.2. Nationalismus und Doktrin der japanischen Einzigartigkeit
4.3. Japans Reaktion auf die Herausforderungen nach außen
4.4. Zusammenfassung

5. Japan zwischen Tradition und Moderne in der Gegenwart
5.1. Tenno und Nationalismus in der Gegenwart
5.2. Japans Wirtschaft
5.3. Japan zwischen Pazifismus und „Scheckbuchdiplomatie“

6. Japans Außenpolitik vor dem Hintergrund der Globalisierung
6.1. Das Verhältnis zu den USA – Kontinuität als Juniorpartner oder Emanzipation?
6.1.1. Japan als verlässlicher Partner der USA
6.1.2. Emanzipations- und Distanzierungstendenzen
6.2. Japan und Chinas Beziehungen zwischen militärischer Drohung und gemeinsamer Achse eines anbahnenden „Asiatischen Jahrhunderts“
6.3. Japans Einfluss und künftige Rolle in dem aufstrebenden
„Großasiatischen Raum“

7. Fazit und Ausblick

8. Anhang

9. Literaturverzeichnis

Internetlinks

1. Einleitung

„Japan erscheint dem üblichen Blickwinkeln von außen gemäß meist als „anders“, fremd, oder auch verheißungsvoll. In einigen Schilderungen nimmt es Züge eines real werdenden Utopia an, in welchem alles [...] „viel besser“ gemacht würde, während andere dagegen die dämonische Fratze eines Landes zeichnen, das daran gehe, seine einstigen westlichen „Lehrmeister zu überflügeln, nachdem es alle Fertigkeiten, Verfahren und Methoden von dort her abgesogen und für sich verwertet habe.“ (Antoni 1998: 10)

Japan ist ein Land, das von zahlreichen Facetten und einer ebenso vielseitigen Historie geprägt ist. Es ist ein Land, auf das man bei der Suche nach der Vereinbarung von Tradition und Moderne in einer Welt der Vernetzung und der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft zwangsläufig stößt. Weiterhin wird ein großer Wert auf die Beibehaltung kultureller Elemente gelegt, während andererseits wirtschaftliches Wachstum und die internationale Profilierung die politische Agenda bestimmt. Zwischen Kirschblüten und Dollarkurs, Fuyijama und Pazifismus bestimmt aber gerade Japan vor dem Hintergrund der Globalisierung mit verbundenen Begriffskomponenten wie „Terrorismus“ und „wirtschaftlicher Verflechtung“ eine gesellschaftliche Diskussion über den zukünftigen Weg des Landes in einer sich verändernden Welt. Denn Japan, das seit 1945 pazifistisch geprägt ist und als Inselstaat schon traditionell eine gewisse Distanz zu seinen Nachbarn pflegt, steht auf der Suche nach einer neuen Weltordnung nach dem Kalten Krieg besonders im Fokus, wenn es um die Frage geht, welcher Weg eingeschlagen werden muss, um den Anforderungen und eigenen Zielsetzungen als ressourcenarmer Inselstaat gerecht zu werden. Japan muss sich viele Fragen neu stellen, um zukünftig als gleichgewichtiger Partner in das weltpolitische Geschehen eingebunden zu sein. Doch welchen Weg will das Land gehen, welchen Weg kann das Land vor allem gehen, angesichts der kulturellen Elemente, die gerade in den politischen Beziehungen zu China in der Gegenwart immer noch eine wesentliche Rolle spielen?

Um diese Fragen in der Arbeit entsprechend bearbeiten zu können, muss Japan in seinen unterschiedlichen Facetten dargestellt werden, um die Probleme und Chancen der unterschiedlichen Wege des Landes überhaupt differenziert beurteilen zu können. Dies zieht weitere Fragen nach sich, die zu beantworten sind: Wie ist das heutige Japan vor dem Hintergrund seiner langen Geschichte sowie der hieraus entstehenden Kultur überhaupt zu beurteilen im Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne? Welchen Anteil haben die traditionellen Elemente heute noch in Japan, und inwieweit sind sie in der Gegenwart hinderlich oder förderlich? Welche Kontinuitäten prägen Japans Außenpolitik in der Nachkriegszeit, und wie sind die gegenwärtigen Beziehungen zu den USA, China und den asiatischen Ländern? Welche Veränderungen in den Kontinuitäten sind erkennbar oder realistisch aufgrund der derzeitigen Konstellation in der Weltpolitik?

Folgende Thesen der Hausarbeit sollen hier einleitend formuliert werden. Erstens hat sich Japan über seine gesamte Historie Handlungsmuster und kulturelle Werte erhalten, anhand derer man für die heutige Zeit möglicherweise Parallelen ziehen kann, wenn man die zukünftige Entwicklung Japans zur Diskussion stellt. Das Land befindet sich weiterhin in dem Spagat von traditionellen Elementen und moderner Anpassung, von Rückbesinnungswünschen auf das Japanische und Emanzipationsbestrebungen auf internationaler Bühne, von Nationalismus und Kooperationsansätzen. Zweitens hat sich Japan nach dem Ende des Kalten Krieges im militärischen Bereich wieder emanzipiert, allerdings an der Seite der USA. Drittens beinhaltet die Globalisierung mit dem Kampf gegen den Terrorismus und ökonomischen Verflechtungen bei einer zu starken Abhängigkeit von den USA für Japan jedoch enorme Nachteile, weshalb eine realistische Sichtweise zur Perspektive des Landes eine Annäherung in Richtung Asien sein kann. Viertens kann abschließend aufgrund der vielseitigen japanischen Optionen noch nicht endgültig bestimmt werden, wohin der Weg des Landes wirklich führt.

Folgende Gliederung soll durch die Arbeit führen. Zunächst wird die Geschichte Japans mit der Entstehung der Kultur vorgestellt (2), ergänzt um Hintergründe zu den Religionen des Landes (3). Anschließend wird die Meiji-Zeit vorgestellt, da diese für das heutige Japan nach wie vor einige Erklärungen liefern kann (4). Folgend werden die Kontinuitäten vorgestellt, die Japan in der Nachkriegszeit wieder zu einer starken Wirtschaftsmacht entwickelt haben (5), ehe anhand der neuen Herausforderungen der Globalisierung die gegenwärtigen Beziehungen mit den USA, China sowie den asiatischen Ländern geprüft werden sowie Chancen und Gefahren, die hinter den einzelnen Bündnissen stehen. Im abschließenden Teil soll ein Fazit der Ausarbeitungen gezogen und eine mögliche Perspektive Japans in der globalisierten Welt aufgezeigt werden.

2. Frühe Geschichte Japans

Japan blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Es ist eine Geschichte mit dunklem Ursprung und voller Rätsel. Chroniken vermengen sich mit Mythen und erzählen von einer schroffen Inselwelt am östlichen Rande Asiens mit geheimnisvollen Einwanderern, von Herrschern, Kriegern, Bauern und Sklaven. Sie erzählt von zwei uralten Religionen, die sich ergänzen, als wären sie füreinander geschaffen und einem Reich, das aus der Vorgeschichte aufsteigt zu Größe, Glanz und Macht.

Die Ursprünge und Herkunft der Japaner sind wie die Geschichte des Landes nicht eindeutig. Bereits vor 100.000 Jahren sollen erste Menschen auf den Inseln Japans gesiedelt haben, aber erst archäologische Funde aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. geben genauere Aufschlüsse über die Urjapaner jener Zeit. Aufgrund der Eiszeit verband eine Landbrücke Japan mit dem asiatischen Festland bis ca. 12.000 v. Chr. In dieser Zeit formten sich auch die Inseln Japans aufgrund massiver Vulkanausbrüche zur heute bekannten geographischen Form. Die ersten Siedler, die über die Landbrücke auf die japanischen Inseln gelangten, waren wandernde Jäger und Sammler. Bereits um 10.000 v. Chr. entstand mit der Jomon-Kultur eine frühe erste Kultur. Dieser Kultur der Ur-Japaner war einem stetigen Zustrom neuer Wanderbewegungen ausgesetzt, der zu fruchtbaren Austauschen führte. Von Norden her siedelten aus Sibirien bärtige und weniger mongolid aussehende Ainu auf der nördlichen Insel Hokkaido. Von Süden her kam es immer wieder zu Einwanderungswellen aus Korea und China, die sich über den südlichen Teil von Kyushu vollzogen. Dieser Austausch führte ab 300 v. Chr. zur bedeutenden Epoche der Yayoi-Kultur. Mit den Einwanderern aus Korea und China fand die Bronze- und Eisenverarbeitung sowie der Nassreisanbau Einzug in Japan. Zu dieser Zeit waren die ersten Reiche Japans mit ihrer ungünstigen Lage am östlichen Rand Asiens der chinesischen Hochkultur technologisch, kulturell und wirtschaftlich deutlich unterlegen. China reißt Japan ab dieser Zeit aus dem geschichtlichen Dämmer der Steinzeit.

Mit dem Anbau von Reis beginnt eine neue bedeutende Epoche Japans. Wo vorher Jäger und Sammler nur zeitweise in primitiven Dörfern hausen, werden binnen weniger Generationen feste Siedlungen mit sesshaften Bauern und einer Arbeitsteilung für den aufwendigen Reisanbau. Dieser kulturelle Austausch zwischen einigen der 100 Teilstaaten Japans[1] (Reiche von Wa) mit China und Korea als Kulturbrücke, führt zu einer raschen Veränderung des Landes. Terrassen werden für den Reisanbau angelegt, befestigte Wege und komplizierte Bewässerungssysteme gebaut und Ackerbaugeräte aus Bronze und Eisen in der Landwirtschaft genutzt.

Aus dem Ringen um knappe Rohstoffe in dem ressourcenarmen Land geraten die Teilstaaten immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen. Durch militärische Triumphe und geschickte Bündnisse gewinnt ein Reich die Oberhand: Yamato in der Bucht von Osaka. Die Könige von Yamato erringen nach und nach die Herrschaft über ihre Heimatinsel Honshu und greifen nach den südlichen Halbinseln. Zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert wird Japan, bis auf das unzugängliche Hokkaido, endgültig geeint.

2.1. Die Herrschaft der Kaiser: Yamato-Kultur, Nara und Kyoto in der Heian-Zeit

Mit dem Yamato-Reich wird Japan erstmalig und endgültig geeint. Noch heute ist diese frühe Einigung in Japan erkennbar an der homogenen Bevölkerung und den nahezu unveränderten Landesgrenzen. Mit dem Yamato-Reich beginnt auch eine Epoche des regen Austausches mit China und Korea. Japanische Diplomaten besuchen das Festland und chinesische Gelehrte, Schreiber und Bürokraten, die häufig vor Kriegen in China flüchten werden aufgenommen. Mit den neuen Einwanderern hält ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. der Buddhismus, Konfuzianismus und die chinesische Schrift Einzug in Japan. Japan hat zu dieser Zeit keine eigene Schrift und Schriftzeichen entwickelt. Chinesisch zu schreiben war nur den wenigen Gelehrten und Mitarbeitern des Herrscherhofes vorbehalten. Erst ab dem 8. Jahrhundert beginnen japanische Gelehrte die chinesischen Schriftzeichen nicht mehr nach ihrer Bedeutung, sondern nach ihrem Lautwert zu schreiben. Die chinesischen Schriftzeichen werden dabei vereinfacht und runder geschrieben.[2]

Mit der Ermordung von König Sushun durch Soga no Umako, dem Clanführer der am Hof einflussreichen Soga Familie 529 n. Chr. betritt dessen Nichte Suiko als Nachfolgerin den Thron und erhält später als erstes Oberhaupt des Yamato-Reiches den Titel Tenno. Ihr zur Seite stand der Prinzregent Shotoku Taishi, der die eigentliche Regierungsgewalt inne hatte und den zentralisierten Staat errichten und weiter festigen sollte. Der Beginn eines japanischen Zentralismus im 8. Jahrhundert, der bis heute Bestand hat und noch immer in der politischen und wirtschaftlichen Struktur Japans erkennbar ist.

628 n. Chr. stirbt die erste japanische Kaiserin Suiko, Shotoku übernimmt die Macht bis 645 n. Chr. und fördert das Ausbreiten des Buddhismus und die Niederschrift der ersten Chroniken. 604 n. Chr. legt er mit den „17 Artikeln“ die philosophische und ethische Grundlage seiner Regierungszeit fest. In ihnen fordert er Untertänigkeit gegenüber dem Kaiser, die Verehrung Buddhas, Korruption zu bekämpfen und die Harmonie zu fördern.

Hatte Shotoku im Jahr 604 noch die philosophisch-moralischen Grundlagen für einen zentralisierten Staat gelegt, so schuf sein Nachfolger Kotoku mit den Taika-Reformen („große Wende“) 645 n. Chr.[3] die verwaltungstechnischen Vorraussetzungen für einen funktionierenden Zentralstaat. Die Provinzfürsten wurden dabei ihrer Ländereien entmachtet und enger an den Hof gebunden.

In die Zeit des siebten Jahrhunderts fallen auch erste Bemühungen Japans mit einer Expansionspolitik erstmals Einfluss auf den asiatischen Kontinent zu nehmen und in Korea Gebiete zu besetzten. Um 560 n. Chr. erobert das Yamato-Reich Koreas küstennahes Gebiet Mimanas. Erst ein Jahrhundert später wurde Mimanas von China zurück erobert. Der Beginn einer wechselhaften Außenpolitik in der Geschichte Japans, die aufgrund der Überzeugung und dem Vertrauen auf die eigene, überlegene Kultur stets zwischen aggressiver Expansionspolitik und massiver Selbstisolierung schwankt.

Mit dem Jahr 710 n. Chr. erhält das Kaisertum in Nara einen ständigen Regierungssitz und beendet damit die Tradition des nomadenhaft wechselnden Herrschaftssitzes. Geplant wird die Stadt nach dem Vorbild der chinesischen Hauptstadt Ch´ang-an mit schachbrettartigen Grundmuster und dem Kaiserpalast als zentralen Fixpunkt. 794 n. Chr. wird der Kaisersitz endgültig nach Heiankyo („Hauptstadt des Friedens“), dem heutigen Kyoto verlegt. Mehr als tausend Jahre bleibt Kyoto die Hauptstadt des Landes, wenn auch die kaiserliche Residenz selten wirkliches politisches Machtzentrum des Landes ist. Japan erlebt zu dieser Zeit eine ungeahnte Phase der kulturellen Blüte. Die neue, japanische Schrift führt zur ersten eigenen Poesie, prächtige Shinto-Schreine und goldene Buddhastatuen werden in verschwenderischer Schönheit errichtet und Kyoto steht mit seinen nahezu 500.000 Menschen für das neue Selbstbewusstsein des aufstrebenden Kaisertums.

Die Heian-Zeit mit der Gründung Kyotos (794-1185) lässt sich in drei bedeutende Phasen unterteilen. In der ersten Phase, bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts besitzt das Kaisertum die unbestrittene, politische Zentralgewalt, aufbauend auf einen reibungslos funktionierenden Beamtenapparat. In der zweiten Phase nimmt die Macht der Fürstenfamilien etwa der Fujiwara am Hofe zu. Dieser Einfluss der Fürstenfamilien nimmt zwar zum Ende der Heian-Zeit wieder ab, trotzdem kann das Kaisertum die eigene zentrale Regierungsgewalt nicht wieder stärken. Ab dem 1087 n. Chr. wird Japan für zwei Jahrhunderte von „Klosterkaisern“ regiert, die abgetreten in buddhistischen Klöstern oder privaten Residenzen Einfluss auf die meist minderjährigen Thronfolger nehmen.

Parallel zur Schwächung des Kaisertums in der Hauptstadt erstarkt der Adel auf dem Land. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wird der Grundbesitz nicht mehr von Beamten des Kaisers kontrolliert und vergeben, sondern weitgehend vom Landadel selbst weiter vererbt. Die landbesitzenden Provinzfamilien können so die Zentralmacht des Kaisers ausbalancieren und untergraben. So bildet sich in jener Zeit Japans Urmodell der dualen Herrschaftsstruktur, das die kommenden Jahrhunderte typisch für Japan sein wird: Kaisertum gegen Provinz- und Schwertadel. Ein Dualismus, der 1185 in der Ernennung von Minamoto no Yoritomo zum Militärgouverneur und später Shogun („seii tai shogun“ – großer barbarenvertreibender General) und der Errichtung der inoffiziellen Kapitale Kamakura gipfelt. Fortan wird Kamakura und später Edo, das heutige Tokio, Sitz weltlicher Macht sein, Kyoto bleibt der Sitz des entmachteten Kaisertums. Dennoch bleiben beide Zentren in typischer Weise für den japanischen Dualismus weiter eng miteinander verflochten.

2.2. Die Herrschaft des Schwertadels: Japans feudalistische Epoche

Mit Minamoto no Yoritomo wird 1192 n. Chr. erstmals ein Shogun die politische Macht über das Kaiserreich Japan ausüben. Bereits 1183 überträgt der Kaiserhof in Kyoto Yorimoto die Verwaltung aller 66 Provinzen (Kuni). Mit dem Einsetzen getreuer Gefolgsleute und genehmen Staatsdienern, sowie die Errichtung einer Militär-verwaltung (bakufu), ersetzt Yorimoto das bestehende Regierungssystem nicht vollständig, sondern überlagert es durch eine Machstruktur eigener Prägung. Fortan stehen der Kaiser als geistliche Macht und der Shogun als weltliche Macht für den Dualismus, der Japan das kommende halbe Jahrtausend prägen wird. Eine Aufteilung der Macht, die auch in anderen Kulturkreisen und menschheitsgeschichtlich von entscheidender Bedeutung ist. So steht ab 800 n. Chr. Karl der Große als Frankenkönig für die weltliche Macht, der Papst in Rom für das geistliche Zentrum. Wie im fernen Japan schützen die Frankenkönige und später die Habsburger den Papst und Rom, bekommen ihrerseits die religiöse Legitimation und können anders als z.B. die byzantinischen Kaiser in Konstantinopel, die geistliches und weltliches Herrschertum auf sich vereinen, weltlichen Interessen nachgehen.

1199 n. Chr. stirbt Yorimoto und auch seine beiden Söhne halten nur für kurze Zeit den Titel Shogun inne. Die reale Macht verlagert sich zu der verbündeten Familie der Hojo. Diese setzen ihnen Wohl gesonnene Shogune und auch loyale Kaiser ein und regieren im Sippenverband als Schattenshogune.

Die schwerste Bedrohung Japans kam aber nicht durch innere Unruhen, sondern einer Bedrohung von außen. Der Mongolenherrscher Kubilai Khan hatte 1264 n. Chr. das mächtige China erobert und Beijing zur Hauptstadt seines gewaltigen Reiches, das nahezu ganz Asien umfasste, gemacht. Wenig später schickt er sich an, auch Japan seinem Herrschaftsgebiet einzuverleiben. Die fünf mongolischen Gesandtschaften nach Japan werden jedoch massakriert oder wortlos zurückgeschickt. Angesichts des mongolischen Weltreiches ein mutiger Schritt, der den Stolz und das Vertrauen auf die eigene Stärke Japans zeigt.

1274 n. Chr. schickt Kubilai Khan schließlich eine gewaltige Flotte mit über 900 Schiffen und nahezu 23.000 Soldaten aus China, Korea und der Mongolei. In der Bucht der südlichen Kyushu-Inseln trifft die Armee auf den Kriegeradel, die Samurai. Die Samurai sind mit ihren Ritualen und dem Kampf Mann gegen Mann, den mongolischen Armeeformationen im geschlossenen Verbund hoffnungslos unterlegen. Wieder zeigt sich die technologische Rückständigkeit Japans aufgrund der isolierten Insellage und dem geringen Austausch mit dem asiatischen Festland. Aber ähnlich wie die Türken vor Wien 1683 n. Chr.[4] geht das mongolische Heer nach dem Sieg über die Samurai nicht an die Eroberung Japans, sondern wartet an den Küsten. Der Herbst 1274 n. Chr. schickt jedoch verheerende Taifune an die Südküste Japans und zerstört die aufs offene Meer eilende mongolische Flotte fast vollständig. Auch 1281 n. Chr. wird der zweite Versuch Kubilai Khans mit einem noch gewaltigeren Heer aus über 50.000 Mann von herbstlichen Taifunen überrascht und zerstört. Japaner nennen diese Taifune daher Kamikaze („göttliche Winde“) und vertrauen auf die Uneinnehmbarkeit und Unverletzlichkeit der japanischen Inseln und Kultur. Tatsächlich haben abgesehen von den USA zum Ende des Zweiten Weltkrieges nie wieder ausländische Reiche oder Nationen versucht, Japan zu erobern oder sich kriegerisch Zugang zu den japanischen Inseln verschafft.

Im Inneren ist Japan im 14. Jahrhundert geprägt durch die tiefe Spaltung der zwei Kaiserhöfe. Dem im Exil lebenden Kaiser Go-Daigo gelingt es, mächtige Familien wie die Ashikaga als Verbündete zu gewinnen und in der Schlacht bei Kamakura 1333 n. Chr. die herrschende Hojo-Familie zu entmachten. Ashikaga Takauji, Mächtigster von Go-Daigos Verbündeten, setzt sich jedoch eigenmächtig zum neuen Shogun ein. Go-Daigo verweigert ihm die Herrschaftsanerkennung und zieht mit seinem Hof nach Yoshina, südlich von Nara. Mit der Inthronisierung von Prinz Toyohito durch den Shogun Ashikaga herrscht ein zweiter Kaiser im „nördlichen Hof“ in Kyoto. Erst 1392 n. Chr. endet dieser Konflikt zwischen den beiden Kaiserhöfen, als Go-Daigo nach Kyoto zurückkehrt und auf seine Thronansprüche verzichtet.

Trotzdem wird die Macht der herrschenden Familie Achikaga entscheidend geschwächt und rivalisierende Familien machen sich die Macht zunehmend streitig. Eine Reihe von blutigen Auseinandersetzungen erfasst in den kommenden 100 Jahren das ganze Kaiserreich in Japan und prägt das „Jahrhundert der kämpfenden Provinzen“ (sengoku-jidai). Blutiger Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen ist der so genannte Onin-Krieg von 1467-1477 n. Chr., der elf Jahre in der Kaiserstadt Kyoto zwischen rivalisierenden Familien geführt wird und die Stadt in Schutt und Asche legt. Vernichtet ist danach auch die politische Zentralgewalt in Japan. An ihre Stelle treten weitgehend unabhängige Provinzstaaten mit mächtigen Fürsten („Daimyo“ – Großer Name), die untereinander Bündnisse schließen oder Kriege führen. Fast ein Jahrhundert soll es dauern bis Japan wieder und damit endgültig geeint wird. In dieser Zeit der politischen Wirren, landen auch erstmals Bewohner eines fremden Kontinents mit Schiffen an den Küsten Japans. Sie haben gelbes Haar, wollen Handel treiben und eine fremde Religion missionieren: Die ersten Europäer haben Japan erreicht.

2.3. Japans christliches Jahrhundert und die Zeit der Selbstisolierung

Während des Jahrhunderts der „kämpfenden Provinzen“ werden manche der streitenden Reiche so einflussreich, dass ihre Herrscher beginnen, nach der Macht über ganz Japan zu greifen. Der Fürst von Owari Oda Nobunaga (1534-1582) setzt sich in den kriegerischen Konflikten mit den benachbarten Provinzen durch und verbündet sich mit dem Fürsten von Mikawa, Tokugawa Ieyasu, dessen Familie in den kommenden Jahrhunderten die politischen Geschicke Japans leiten werden. 1568 n. Chr. verjagt Nobunaga den letzten Ashikaga-Shogun aus Kyoto. Um seine Macht zu festigen, schreckt der neue Shogun nicht davor zurück die gewalttätigen und gefürchteten Buddha-Mönche(Gemeinde der ikkoshu) auf dem Berg Hiei-zan von seinen Truppen einschließen zu lassen und ihren Widerstand zu brechen. 20.000 Anhänger dieser Gemeinschaft verbrennen 1571 n. Chr., als die Wälder um den Berg herum angezündet werden. Nach weiteren Siegen im Osten Japans, schickt sich Nobunaga an, im Westen von Honshu die Einigung Japans weiter voranzutreiben. Der Kampf bleibt ohne Ergebnis und Nobunagas erster General Akechi kehrt 1582 n. Chr. nach Kyoto zum Shogun zurück, intrigiert und ermordet ihn. Der zweite General Toyotomi Hideyoshi eilt zurück nach Kyoto und besiegt die Armee von Akechi. Hideyoshi wird neuer Shogun und führt das Einigungswerk seines Vorgängers fort. Anders als der skrupellose und brutale Nobunaga zeichnet sich Hideyoshi als Stratege und Diplomat aus. Mit Verhandlungsgeschick, Überzeugungskraft und Interessenausgleich entmachtet er die Daimyo und sichert seine Herrschaft durch eine straffe Verwaltungsstruktur.

Nachdem Japan von innen heraus geeint wird, wendet es sich 1592 n. Chr. in einem großen Kriegszug gegen China. Mit einer gewaltigen Armee von über 200.000 Kriegern wird Korea schnell erobert und China am Grenzfluss Yalu herausgefordert. Nach erbitterten Kämpfen muss Japan 1598 n. Chr. zurückweichen. Opfer dieser kriegerischen Intervention sind vor allem die Koreaner, die als Kriegsgefangene brutal und systematisch von den Japanern niedergemetzelt werden. Auch im Verlauf der weiteren Geschichte Japans bleibt diese Brutalität gegen „unwürdige“ Feinde die hässliche Begleiterscheinung eines Staates zwischen Isolation und aggressiver Expansion (etwa später das Nanking-Massaker 1937).

In die Zeit der japanischen Reichseinigung fällt auch der weltweite Kolonialismus der Europäer, die zunehmend Interesse an Japan als Handelspartner und Missionierungsland finden. Ab 1542 n. Chr. beginnen die Portugiesen mit einem regen Handelsaustausch zwischen China und Japan. Mit den Portugiesen halten Jesuiten-Missionare Einzug in Japan und bekehren erfolgreich viele japanische Bauern und Handwerker. Die Jesuitenprediger sehen nämlich in der die verachteten Masse erstmals Menschen und locken zusätzlich durch milde Gaben und medizinischer Versorgung. Unter Nobunaga werden die Missionare gefördert, um ein Gegengewicht zu den radikalen Buddha-mönchen zu schaffen. Hideyoshi hingegen erlässt 1587 n. Chr. ein Edikt, das die Missionare auffordert, das Christentum nicht weiter zu verbreiten und Japan zu verlassen. Zu dieser Zeit leben bereits 300.000 missionierte Christen aus allen Schichten der Gesellschaft in Japan. Erst als die Franziskaner zu Beginn des 17. Jahrhunderts beginnen für Spanien zu missionieren und dabei viele Landessitten und Gesetze missachten, beginnt die gezielte Zurückdrängung des Christentums durch die Shogune. Tokugawa Ieyasu, der seit 1603 n. Chr. vom Kaiser zum Shogun ausgerufen wird, erlässt zwischen 1601 und 1616 eine Reihe von Gesetzeswerken, die die Macht der Daimyo, der buddhistischen Eliten und des Kaisers einschränkt. Von außen werden europäische Konflikte um Japan, vor allem in wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht zwischen dem katholischen Portugal und Spanien sowie dem protestantischen Großbritannien und den Niederlanden an Japan herangetragen. Neben den inneren Konflikten mit aufständischen Daimyo und Christen, beginnt Shogun Ieyasu schließlich Japan ab 1616 n. Chr. langsam nach außen hin abzuschließen und isolieren („sakoku“).Handel ist fortan nur noch den Niederländern in der Hafenstadt Nagasaki auf Kyushu erlaubt, Christen werden von da an gnadenlos gejagt.

Trotz dieser Selbstisolierung für mehr als 250 Jahre erlebt Japan ein einzigartiges Wirtschaftswachstum und eine kulturelle Blüte. Der neue Hauptsitz des Shogunat wird in der Nähe des kleinen Fischerdorfes Edo, dem heutigen Tokio errichtet. Die Residenzstadt im Osten wächst in atemberaubendem Tempo zu einer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Metropole heran. Vor allem im konkurrierenden Spannungsverhältnis mit dem alten Wirtschaftszentrum Osaka und dem spirituellen Zentrum Kyoto, also auch als Folge des alten japanischen Dualismus erstrahlt Japans Kultur und Wirtschaft. Doch nicht die Hofadeligen oder die Kriegeraristokratie prägen die Kultur der Edo-Zeit, sondern die im eingeführten konfuzianischen Ständesystem unten stehenden Kaufleute tragen und fördern diese Kulturrevolution. Vor allem die Stadtbevölkerung geht in das mythenmächtige Kabuki Theater oder schaut sich das realistische Bunraku Puppenspiel an. Hochgebildete und musisch begabte Geisha leisten zahlungskräftigen Gästen Gesellschaft, Buchverlage bringen Lyrik und Romane heraus, Schöngeister treffen sich in Lesezirkeln und der Holzschnitt wird zum wichtigsten Bildmedium der Zeit.

Dennoch wird Japan die Selbstisolierung zum Verhängnis. Ab dem 19. Jahrhundert werden die Stimmen der westlichen Mächte immer lauter, Japan für den Weltmarkt zu öffnen. Als amerikanische Schiffe 1853 n. Chr. in der Bucht von Edo auftauchen, haben die japanischen Eliten den überlegenen Kriegstechniken der westlichen Mächte nichts entgegen zu setzen.

Prägend wird für Japan weiterhin der typisch japanische Dualismus blieben, der stets zwischen Isolierung und Expansion, zwischen religiöser und weltlicher Macht, zwischen eigener kultureller Blüte und ausländischer Adaption und damit auch immer zwischen Tradition und Moderne schwankt.

3. Shintoismus und Buddhismus – Japans Religionen im fruchtbaren Wechselspiel

Japans Geschichte und Aufstieg zur stolzen und einflussreichen Nation ist wie kein anderes Land von der vielfältigen, religiösen Prägung bestimmt. Denn Japan bringt mit dem Shintoismus nicht nur eine einzigartige Religion hervor, sondern adaptiert eine weitere Weltreligion, den Buddhismus. Anders als in Europa mit der Ausbreitung des Christentums oder der Islamisierung des Nahen Ostens findet in Japan kein Verdrängungswettbewerb statt. Vielmehr ergänzen und befruchten sich beide Religionen auf tolerante Weise. Noch heute ist dies an den 108 Millionen Shintoisten und 89 Millionen Buddhisten in Japan erkennbar. Denn bei 219 Millionen Gesamtreligionszugehörigkeit haben die 127 Millionen Japaner meist zwei oder mehr Religionszugehörigkeiten.[5]

Bereits im shintoistischen Schöpfungsmythos ist der Urgedanke japanischer Religiosität erkennbar, nämlich die göttliche Abstammung und eine beseelte und lebendige Schöpfung Japans. Anders als im Monotheismus des Christentums oder des Islams bevölkern im Shintoismus viele Götter den Himmel. Dem Schöpfungsmythos nach blickte einst das göttliche Geschwisterpaar Izanagi und Izanami aus dem Himmel auf das trübe Salzmeer. Als Izanagi einen Juwelen besetzten Speer in das Salzmeer stieß und die Salzflut umrührte, blieben feste Brocken am Speer hängen und tropften zurück in das Meer. Die Tropfen bildeten die Insel Onogoro, die zwischen Honshu und Shikoku in der Inlandsee lag. Izanaghi und Izanami ließen sich auf der Insel nieder und zeugten gemeinsam die japanischen Inseln, zahlreiche Naturgottheiten sowie die Naturgewalten Feuer und Wind.

Hier lassen sich grundlegende Unterschiede zum Christentum und der biblischen Schöpfungsgeschichte feststellen. Anders als in der christlichen Schöpfung als Ursprung allen Lebens, steht im Shintoismus die Geburt als Ursprung. Daher sind in Japan nicht nur die Menschen, sondern auch die japanischen Inseln und die Natur von Göttern und Göttlichkeit beseelt und lebendig. Der Shintoismus (chin. „shen dao“ – Weg der Götter/Kami) ordnet somit als Naturverehrung jedem Naturphänomen wie Wasserfällen, Bergen oder Seen einzelne Kami zu, die in ihnen wohnen und sie auch erschaffen haben. Diese Kami sind wie die Gottheiten im Buddhismus zahlenmäßig unbegrenzt und ein gewichtiger Grund für die friedliche Ko-Existenz beider Religionen in Japan. Der Schintoismus kann dabei in verschiedenen Varianten praktiziert werden, wie dem Natur-Shinto oder dem Ahnen-Shinto. Der Staats-Shinto wurde vor allem im 19. Jahrhundert zur religiös begründeten Staatsideologie mit einem Auserwähltheits-anspruch des japanischen Volkes und dem Tenno als höchsten Kami und Thronfolger der Sonnenkami Amaterasu. So ist der Shintoismus auf einzigartige und komplexe Weise mit Japan verbunden und nicht übertragbar auf andere Länder oder Kulturkreise. So taugt der Shintoismus, der keine Schriften und Dogmen kennt, nie als expandierende Weltreligion wie das Christentum oder der Buddhismus, die zudem auf einen Religionsstifter zurück zu führen sind. Beim Shintoismus kann daher auch von einer „geschlossenen“ und auf den Kulturkreis Japan beschränkten Religion[6] gesprochen werden.

Ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. erreicht der Buddhismus über China und Korea die japanischen Inseln. Mit der Variante des Mahayana-Buddhismus („großes Fahrzeug“) wurde der Gedanke präsent nur die Gemeinschaft und nicht das Individuum ist fähig durch die erlösende Gnade Bodhisattvas das Heil zu erlangen. Der Gedanke des Kollektivs über das Individuum prägt noch heute Japan und andere buddhistische Länder in Asien. Vor allem in Japan hat der Buddhismus dabei ein Japan-spezifisches Erscheinungsbild hervorgebracht, u.a. durch fruchtbaren Austausch mit dem vielfältigen Shintoismus. Denn die generelle Weltverachtung des Buddhismus, dessen Anhänger aus dem ewigen Kreis der Wiedergeburt ausscheiden und ins Nirwana einziehen wollen, steht im scharfen Gegensatz zu der positiven Diesseitigkeit des Shinto. Dennoch fasziniert die Japaner das optimistische Menschenbild und der Erlösungs- und Erleuchtungswillen. Ein grundlegendes Merkmal japanischer Religiosität ist seither die Wahl der Japaner zwischen der günstigeren Religion für ein bestimmtes Ereignis. So nutzen die Provinzfürsten oder Shogune bestimmte Shinto-Gottheiten oder erfanden welche, um Kriege zu legitimieren. Samurai hingegen waren ab dem 12. Jahrhundert meist Anhänger des Zen-Buddhismus, um mit Meditation und inneren Frieden ihre Kampfeskraft zu steigern. Diese beiden Religionen bilden somit keinen dualistischen Gegensatz, der Japan so geprägt hat. Auch die Religionen selber haben keine Dualismen gefördert. Im Shintoismus etwa stehen Menschen nicht gegen Götter oder gegen die Natur, sondern sind eins miteinander. Noch heute bieten Japans Religionen Freiheiten und Möglichkeiten an, die Kulturkreise mit einer Religion, wie etwa das Christentum in Europa nicht bieten können. So bejahen Japaner heute grundlegend die Gentechnik, weil im Shintoismus eine positive Einstellung zur Natur vorherrscht und der Mensch grundsätzlich gute und richtige Entscheidungen trifft. Andererseits kann der hohen Abtreibungsrate, wegen dem geringen Gebrauch von Verhütungsmittel und der positiven Einstellung des Shintoismus zum Geschlechtstrieb, durch die buddhistische Jizo-Verehrung (Schutzgöttin der Ungeborenen) entgegen gewirkt werden.

Japan kennt in religiösen Fragen kaum Grenzen. Christentum und viele neue Sekten als Abspaltung des Buddhismus werden toleriert. Mit dem Giftgasanschlag auf die Tokioer U-Bahn 1995 und vielen Todesopfern bekam das friedliche und positive Image der Religionen erste Risse. Mit der Beteiligung am Irak-Krieg 2004 und der religiös motivierten Enthauptung eines japanischen Zivilisten kam Japan erstmals mit religiös motivierten Selbstmordattentätern in Berührung. Eine Erfahrung, die die Japaner noch nicht gemacht haben und zu einem Umdenkungsprozess bei religiösen Fragen führen könnte. Zumal die Japaner vor allem die bevölkerungsreichen Ballungsräume an den Küsten als mögliches Ziel für terroristische Anschläge von religiösen Extremisten befürchten.

[...]


[1] Chinesische Chroniken um 200 v. Chr. näher nachzulesen bei Manfred Pohl (2002): Geschichte Japans, S. 8/9

[2] Der folgende historische Abriss basiert im Wesentlichen auf: Manfred Pohl (2002): Geschichte Japans und der Geo Epoche 2/2006 über das kaiserliche Japan.

[3] näher nachzulesen unter http://www.wsu.edu/~dee/ANCJAPAN/TAIKA.HTM

[4] näher nachzulesen unter: http://www.wien-vienna.at/geschichte.php?ID=60

[5] Nachfolgende Überlegungen zu den Religionen in Japan sind u.a. basierend auf: Manfred Pohl (2002): Japan und Peter Pörtner (2006): Japan. Von Buddhas Lächeln zum Design – Eine Reise durch 2500 Jahre japanischer Kunst und Kultur.

[6] Ergebnis der Diskussion im Seminarsvortrag über Japan vom 11.12.06

Details

Seiten
71
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638823548
ISBN (Buch)
9783638824934
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80368
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – FB 6 - Politikwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Japan Spannungsverhältnis Tradition Moderne Hintergrund Herausforderungen Weltpolitik Euro-asiatische Identitäten Kontext

Autoren

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Titel: Japan im Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne vor dem Hintergrund der Herausforderungen einer sich neu ordnenden Weltpolitik