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Die Argumentationsstrategien Serafín Fanjuls in 'Al-Andalus contra España'

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 16 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Al-Andalus - Historischer Überblick über die Maurenherrschaft in Spanien

3 Diskussion um die Realität der convivencia

4 Serafín Fanjuls Al-Andalus contra España (2000)

5 Über die Nichtexistenz arabischer Spuren

6 Die Argumentationsstrategien Fanjuls

7 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In neuerer Zeit Gegenwart entstehen immer mehr Werke, die die Bedeutung des Islams für die Entwicklung einer spanischen Kultur und Identität diskutieren. Dabei zeigen sich zwei gegensätzliche Positionen: einerseits jene, die die arabische Hinterlassenschaften z.B. in der Sprache, der Architektur, der Kultur generell anerkennen und jene, die diese Hinterlassenschaften leugnen oder zu minimieren versuchen.

Bereits in den 50er Jahren entbrannte zwischen Américo Castro und Claudio Sánchez Albornoz eine Debatte darum, wie friedlich das Zusammenleben innerhalb der convivencia im spanischen Mittelalter wirklich war. Es erscheint logisch, dass ein islamischer Anteil an der spanischen Kulturentwicklung eher denkbar ist, wenn man davon ausgeht, dass Mauren und Christen in der convivencia trotz aller Unterschiede phasenweise friedlich zusammenlebten, miteinander lebten und arbeiteten. So verwundert es nicht, dass jene, die arabische Einflüsse auf die spanische Kultur leugnen, auch die These einer friedlichen convivencia ablehnen. Diese Position vertritt in neuester Zeit auch der Arabist Serafín Fanjul, der in Al-Andalus contra España. La forja del mito (2000) die angeblichen Mythen einer friedlichen convicencia und eines arabischen Einflusses auf Spanien zu bekämpfen versucht. In der vorliegenden Arbeit soll Fanjuls Argumentation näher untersucht werden, um zu ergründen, wie Fanjul seine Position begründet – die ja sämtliche Geschichtsschreibungen widerlegen – und welche Belege er liefert. Dazu wird zunächst ein kurzer Abriss über die Maurenherrschaft in Spanien gegeben, um im Anschluss die Standpunkte innerhalb der convivencia -Debatte eingehender zu erläutern. Weitergehend wird die Argumentation Serafín Fanjuls dargelegt, vor allem die Schlagkräftigkeit seiner Argumentation bezüglich arabischer Hinterlassenschaften soll gründlicher untersucht werden, da diese von ihm geleugneten prinzipiell in jedem spanischen Reiseführer und jeder spanischen Geschichte zu finden sind. Zum Abschluss sollen die Motivation und der Hintergrund Fanjuls ergründet werden, die ihn zu seiner Position führen.

2 Al-Andalus - Historischer Überblick über die Maurenherrschaft in Spanien

Die Anwesenheit der Mauren in Spanien währte über 800 Jahre. Die groben Eckdaten sind das Jahr 711, in dem der islamisierte Berber Tariq ibn Ziyad bei Gibraltar landete und 1492, als die reyes católicos zunächst die Vertreibung der Juden und 1609 schließlich die der Mauren abgeschlossen hatten. Innerhalb von wenigen Jahren eroberten die Mauren fast ganz Spanien, während die bald beginnende Reconquista durch die Spanier Jahrhunderte dauern sollte.

Ungefähr im Jahre 750 werden in Damaskus die herrschenden Omaiyaden durch die Abbasiden gestürzt; die Herrscherfamilie wird hingerichtet. Der nach Spanien geflohene Omaiyaden-Prinz Abdaer-Rahman gründet 756 das Emirat von Córdoba (756-1031). 929 erklärt Abdar-Rahman III Al-Andalus zum Kalifat und macht es somit unabhängig von Damaskus. Auf diese Weise etablieren die bis 1031 herrschenden Omaiyaden in Spanien den ersten selbständigen islamischen Staat außerhalb des islamischen Weltreichs.

Die Anwesenheit der Mauren machte sich in allen Bereichen des Lebens bemerkbar. Unter Abdar-Rahman erreicht die islamische Herrschaft in Spanien ihren Höhepunkt. Durch die islamischen Eroberungen wuchsen die Städte, da nach und nach arabische und berberische Stämme nach Spanien einwanderten. Vor allem in wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Sektoren unterstützten die Mauren den Fortschritt Spaniens. Sie verbesserten die Bewässerungssysteme und verbreiteten bald ihre Kenntnisse der östlichen Wissenschaften, so dass Spanien davon profitierte. Córdoba wurde zum wichtigen Produzenten von Glas und Luxusartikeln sowie zum Zentrum der Wissenschaften generell, was sehr bald zu Reichtum und weltweitem Ruhm der Stadt führte. Architektonisch folgten die Mauren dem Vorbild der städtischen Kulturen des Nahen Ostens und errichteten arabische Paläste wie z.B. die Mézquita von Córdoba. Im Bereich der Künste, besonders der Literatur verdrängte die arabische Literatur bald die lateinische und führte dazu, dass Spanien berühmt wurde für seine arabische Dichtung. Um Spanien zu verwalten, führten die Mauren das arabische Rechtssystem ein.

Neben der Eroberung des Landes und den bisher geschilderten Einflüssen, wirkte sich die Herrschaft der an den Islam glaubenden Mauren auch auf die ansässigen Christen aus. Grob betrachtet lassen sich zwei Positionen der Christen gegenüber der islamischen Herrschaft unterscheiden: einerseits eine assimilatorische, d.h. die Christen passten sich den neuen Herrschern an und erkannten die Vorzüge der durch die Mauren gewonnenen neuen Errungenschaften im Bereich Wirtschaft und Wissenschaft; andererseits teilten viele Christen die apokalyptische Position, die annahm, dass Gott die Menschen für ihre Sünden mit der Anwesenheit der Mauren bestrafte und somit die Endzeit begonnen habe. Die Herrschaft der Mauren solle demnach eine Prüfung des christlichen Glaubens sein, um zu sehen ob dieser widerstehe.

1040 erreichte das Kalifat von Córdoba seine maximale Ausdehnung.1086 kommen die Almoraviden an die Herrschaft, von Nordafrikanern bekehrte Berber, die bis 1150 regieren. Spanien wird nun Teil des islamischen Staates, der seinen Hauptsitz in Marokko hat. 1150 beginnt die Herrschaft der Almohaden, die sich zur göttlichen Einheit bekennen, die jedoch 1269 von Alfons VIII. geschlagen werden, so dass ihnen nur noch das Königreich Granada bleibt. Im 12. und 13. Jahrhundert findet zwischen den Religionen noch ein reger Austausch statt, dies sollte allerdings nicht mehr lange währen.

1264 beginnt die Dynastie der Nasriden, der letzten maurischen Herrscher, denen aufgrund der Reconquista der Spanier fast nur noch Andalusien verbleibt. Die Herrschaft der Nasriden reicht von 1264, dem Gründungsjahr des Königreichs Granada, bis 1492. Im 15. Jahrhundert hatte sich von christlicher Seite die Front gegen die Muslime sehr verhärtet. Der erste große Erfolg der Reconquista war die Eroberung Toledos im Jahr 1085.

Das Kalifat von Córdoba, die letzte Hochburg der Mauren, erliegt schließlich seinen inneren Problemen. So sind die wachsenden Spannungen zwischen neubekehrten Muslimen, Berbern und der arabischen Elite ein Faktor, der das Ende der Maurenherrschaft beschleunigt. 1031 bricht der Staat schließlich zusammen.

Mit der Zusammenfügung Aragons und Kastiliens war für den islamischen Staat Granada und die islamische Religion generell kein Platz mehr. 1492 kapituliert Granada schließlich; die Vertreibung der Juden war bereits abgeschlossen, es folgen das Ende der Religionsfreiheit, steigender Druck durch Zwangskonvertierungen und 1606 schließlich ein Edikt des Königs, dass alle Morisken, d.h. getaufte Muslime, zwingt, Spanien zu verlassen.

Der Niedergang Córdobas verursachte schließlich auch das Ende der islamischen Herrschaft in Spanien.

Man versuchte im Nachhinein, die schnelle Machtergreifung der Mauren mit der Legende des Grafen Don Julián zu erklären, der die Spanier verriet und die Mauren unterstützte, um sich so an Rodrigo, dem letzten Westgotenkönig zu rächen, der seine Tochter vergewaltigt hatte. Juan Goytisolo hält sie für eine Fiktion, um die schnelle Invasion der Mauren besser rechtfertigen zu können und das Selbstverständnis der Spanier auf diese Weise nicht zu gefährden.

3 Diskussion um die Realität der convivencia

Der Begriff der convivencia beschreibt das Zusammenleben der drei Buchkulturen, Christen, Juden und Araber in Spanien von 711 bis 1492 (Vertreibung der Juden) bzw. 1609 (endgültige Vertreibung der letzten Morisken). Dabei impliziert der Begriff convivencia konkret, dass dies eine Zeit größter Toleranz und relativ friedlichen Zusammenlebens war.

In der Literaturwissenschaft ist es jedoch zum Teil umstritten, wie friedlich das Zusammenleben der drei unterschiedlichen Kulturen von Christen, Juden und Muslimen in Spanien wirklich war.

Denn innerhalb der convivencia prallten nicht nur drei Kulturen, sondern auch drei unterschiedliche Religionen und drei Sprachen aufeinander. Dass das Zusammenleben nicht immer friedlich verlief, erscheint daher durchaus vorstellbar, jedoch zeichnet sich die Epoche der convivencia insgesamt durch größere gegenseitige Toleranz aus, als man annehmen könnte und als es manche Autoren akzeptieren wollen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638870238
ISBN (Buch)
9783638870276
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80270
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Romanisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Argumentationsstrategien Serafín Fanjuls Al-Andalus España Thesen Identität

Autor

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