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Zu Günter Grass' Werk "Katz und Maus"

Wissenschaftlicher Aufsatz 2007 30 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie Günter Grass
2.1 Lebenslauf
2.2 Grass politisches Denken

3. Zeitgeschichtliche Hintergründe

4. Inhalt
4.1 Zusammenfassung
4.2 Personenkonstellation
4.2.1 Der öffentliche Bereich
4.2.2 Der private Bereich

5. Interpretation
5.1 Erzählsituation
5.2 Erzählstil
5.2.1 Sprachebene
5.2.2 Syntax
5.3 Das Leitmotiv: Katz und Maus

6. Kritik

7. Abschluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Novelle ‚Katz und Maus’ wurde 1961 von Günter Grass geschrieben. Die Geschichte wird aus der Sicht des Schülers Pilenz geschildert und handelt von der Entwicklung des Jungen Joachim Mahlke, der aufgrund seines überdimensional großen Adamsapfels schwere Minderwertigkeitskomplexe besitzt. Sie spielt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und beschreibt das ewige Außenseiterdaseins des Gymnasiasten Joachim Mahlke. Wegen seiner körperlichen Missbildung, die er durch Übererfüllung der sozialen Leistungsnormen ausgleichen will, versucht er durch halsbrecherische Mutproben, sportliche Rekorde oder Höchstleistungen auf sexuellem Gebiet, Anerkennung zu gewinnen. Mithilfe von verschiedenen Gegenständen, wie einem Schraubenzieher, Puscheln und schließlich mit einem Ritterkreuz, das er einem Leutnant stiehlt, der an seiner Schule eine Rede hielt, versucht er vergeblich ein Gegengewicht zu seinem großen Adamsapfel herzustellen. Mahlke wird er von der Schule verwiesen. Daraufhin strebt er eine Militärkarriere an, um sich nun das Ritterkreuz auf legalem Weg zu verdienen. Doch als ihm eine Rede, aufgrund des damaligen Diebstahles an seinem ehemaligen Gymnasium als rechtmäßiger Besitzer eines Ritterkreuzes, verwehrt wird, kehrt er nicht mehr zur Front zurück. Schließlich taucht Mahlke hinab in das Wrack eines gekenterten Kriegsschiffes und bleibt verschollen.

‚Katz und Maus’ gehört neben den zwei weiteren Teilen der Danziger Trilogie ‚der Blechtrommel’ und ‚Hundejahre’ zu den umstrittensten Werken von Günter Grass.

Auf diese Kritik werde ich im späteren Verlauf meiner Arbeit zurückkommen. Vorerst möchte ich nach einer kurzen Beschreibung zu Günter Grass und dessen Engagement in der Politik, auf die zeitgeschichtlichen Hintergründe eingehen und daraufhin den Inhalt der Novelle knapp zusammenfassen. Mit Hilfe eines Schaubildes beschreibe ich die verschiedenen Protagonisten, die die Entwicklung der Hauptperson Mahlke maßgeblich beeinflussen.

Wie in vielen anderen Werken ist auch diese Novelle für Grass typischen Sprachcharakter bezeichnend. Deshalb werde ich genauer auf Grass’ Erzählweise und seinen Erzählstil eingehen. Anschließend komme ich auf die kritischen Aspekte der Novelle zu sprechen.

2. Biografie Günter Grass

2.1 Lebenslauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am 16.10.1927 wurde der Schriftsteller und

Künstler Günter Grass in Langfurt, einem Vorort

von Danzig, als Sohn einer kaufmännischen

Familie geboren. Seine Schwester Waltraud

wurde drei Jahre später auf die Welt gebracht.

Seine Eltern, Vater Willy, ein protestantischer

Deutscher und Mutter Helene, eine Katholikin

Kaschubischer Herkunft, führten in Danzig ein

Kolonialwarengeschäft.

Von 1933-1944 besuchte er die Volkshochschule und das Elitegymnasium Conradinum in Danzig und machte dort seine ersten künstlerischen Erfahrungen. Grass schien nicht besonders glücklich an dieser Schule zu sein. Er sieht sich als eine Art Außenseiter und wird in der siebten Klasse wegen unzureichender Leistung nicht versetzt. Während seiner Schullaufbahn erhält er aufgrund von Verstößen gegen die Schulordnung zwei Schulverweise.

Wie seine Mitschüler durchläuft Grass eine typische Jugendkarriere im Dritten Reich. Von 1937-41 wurde er unfreiwillig Mitglied des Jungvolks und der Hitlerjugend.

Mit 18 musste er als Luftwaffenhelfer und Panzerschütze in den Krieg. Nachdem er dabei verwundet wurde, geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1946 zog Günter Grass nach Göttingen und fand dort eine Arbeit in einem Kalibergwerk. Schließlich sah er nach Jahren seine Eltern wieder.

Von 1947-1952 ging er in Düsseldorf bei einem Steinmetz in die Lehre, studiere dort an der Kunstakademie Bildhauerei und Grafik und heiratete 1954 die Tänzerin Anna Schwarz.[1]

Ein Jahr später begann seine Laufbahn als Lyriker. Das Gedicht ‚Lilien aus Schlaf’ erbrachte ihm seine erste Publikation und mit dem 3. Preis in einem Lyrikwettbewerb machte er die damals namhafteste Autorenverbindung auf sich aufmerksam. Die Gruppe 47, ein Literaturkreis, der sich als intellektuelles Diskussionsforum verstand und junge Nachkriegsliteratur förderte, wurde zu einem idealen Forum für den Dichter. Grass war auch der erste deutschsprachige Schriftsteller der Nachkriegszeit, der es auf das Titelblatt des amerikanischen Nachrichtenmagazins „Time“ schaffte.[2]

Mit dem Welterfolg seines Romans ,die Blechtrommel’ beendete Grass 1959 vorerst seine Laufbahn als Bildhauer, war aber weiterhin graphisch tätig.

1961 schrieb Grass die Novelle ‚Katz und Maus’, die zusammen mit ‚der Blechtrommel’ (1959) und ‚Hundejahre’ (1963) die Danziger Trilogie bildet. Alle drei Werke sind stofflich und thematisch aufeinander abgestimmte.

Von 1960-64 besuchte der Autor die Berliner Akademie der Künste und begann sich für die SPD zu engagieren. Er sammelte viele Preise für den Welterfolg ‚die Blechtrommel’ und wurde in den darauf folgenden Jahren mit Literaturpreisen und Auszeichnungen überschüttet. Dazu zählen unter anderem, um nur ein paar davon zu nennen, der Fontane-Preis 1968, die Ehrendoktorwürde der Universität Posznan 1990 und 1993 der Stadt Danzig, der Literaturpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste 1994 und zwei Jahre später der Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck.

Anfang der 70er Jahre unternahm er viele Reisen nach Amerika und Asien, die ihn für seine weitere Arbeit inspirierten. 1978 ließ er sich von seiner Frau, mit der er fünf Kinder hatte, scheiden und heiratete im Jahr darauf Ute Grunert. 1980 legte er eine Schreibpause ein, in der er viel zeichnete und Skulpturen entwickelte. Einige Jahre später wurde er zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt. 1997 wurde ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen und zwei Jahre später erhielt er den Nobelpreis für Literatur.[3]

Günter Grass gehört bis heute zu Deutschlands umstrittensten und erfolgreichsten Schriftstellern. Das zeigt sich auch in diesen Tagen. Durch sein spätes Geständnis am 12. August 2006 über seine SS-Vergangenheit, sorgte er für reichlichen Gesprächsstoff. In der Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekannte er sich, im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich empört über dieses Geständnis. Sie kritisierte den von Grass gewählten späten Zeitpunkt. „Ich hätte mir gewünscht, wir wären über seine Biografie von Anfang an in vollem Umfang informiert gewesen“, sagte Merkel am Montag in Berlin. Der Literatur- Nobelpreisträger habe bei seinen Stellungnahmen zu anderen Vorkommnissen auch nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten. Daher wundere es sie nicht, dass durch diese späte Offenlegung dieser biografischen Gegebenheit jetzt eine Vielzahl von Kritik laut wird. Was Grass Einschätzungen zur Deutschen Einheit angehe, habe sie schon seit 1990 eine sehr unterschiedliche Meinung.[4]

Bisher hatte es lediglich geheißen, er sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden und habe dann als Soldat gedient. In seinem im September erscheinenden Erinnerungsbuch „Beim Häuten der Zwiebel“, berichtet Grass ausführlich, er habe sich mit 15 Jahren freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet, die aber niemanden mehr genommen habe. So sei er als 17-Jähriger aus dem Reichsarbeitsdienst nach Dresden zur Waffen-SS einberufen worden und habe der zehnten SS-Panzerdivision „Frundsberg“ angehört. In dem Buch des Steidl-Verlags schildert der heute 78-jährige seine Kindheit in Danzig, Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft sowie seine Anfänge als Künstler im Nachkriegsdeutschland.[5]

Im folgenden Abschnitt möchte ich nun auf Grass’ außerordentlich großes und als Autor wohl in dieser Form einzigartiges Engagement in der Politik eingehen.

2.2 Grass’ politisches Denken

Günter Grass spielt nach wie vor in der deutschen Literatur eine wichtige Rolle. Unter den Autoren ist er eine Art Einzelfall geworden, da er sich nicht nur schreibend politisch engagiert, sondern dieses Engagement auch durch Taten zum Ausdruck bringt. In seinem Buch, das Tagebuch einer Schnecke’ , benutzt er Jahre später seine damaligen Tagebuchnotizen dazu, seinen Kindern das Engagement für die SPD, für seinen Freund, den Emigranten Willy Brandt, und gegen den damaligen Bundeskanzler und ehemaligen Nationalsozialisten Kiesinger zu erklären. Das Bild der Schnecke soll das langsame, aber stetige Voranschreiten von Veränderungen zum Ausdruck bringen und damit Hoffnung erzeugen.[6]

Günter Grass beschäftigt sich in fast allen seinen Schriften mit zentralen gesellschaftspolitischen Themen. Er setzt sich mit sozialen und allgemein politischen Fragen auseinander, bishin zu kritischen Auseinandersetzung der Vergangenheit, beispielsweise in seinen Werken der Danziger Trilogie.

Im engeren Sinne beschäftigt sich Grass mit der Politik durch sein Engagement in der SPD. In zahlreichen Wahlreden, Aufrufen, aber auch in seinen tagebuchartigen Essays zeigt er ein in der westdeutschen Literatur als Autor wohl einzigartiges Engagement. Diese außergewöhnliche Parteinahme wurde von vielen kritisch beobachtet und wirkte sich sehr vielschichtig auf seine Werke aus. Schon bald begann eine Zusammenarbeit zwischen ihm und Willi Brandt, der eine herausragende Rolle in seiner Entscheidung für die SPD spielte. Er steht für eine Politik, die Toleranz und Versöhnung fordert, wonach sich Grass sehr stark orientierte. Mit zahlreichen Wahlreden kam es 1965 zu einer regelrechten Vollbeschäftigung des Schriftstellers. Das Ziel seiner Tätigkeiten war es allerdings nicht nur, ein von der SPD bisher nicht erreichtes, vor allem bildungsbürgerliches Publikum anzusprechen, sondern ebenso der Tabuisierung wichtiger Themenbereiche entgegenzuwirken. Nebenher gründete Grass das legendäre Berliner Wahlkontor, eine Gruppe von Schriftstellern, die Grass’ Arbeit, für die SPD auf breiterer Basis fortsetzte, dabei aber gegen jenes ungeschriebenes Verbot, einer politischen Tätigkeit nachzugehen, verstießen. Grass war bis 1969 zunehmend aktiv und aus dem politischen Tagesgeschehen kaum mehr wegzudenken.

Grass’ politische Reden dienten seinen Arbeiten sowie der Erweiterung des Geschichtsbildes. „Aber was die Romane in ihren narrativen Um- und Schleichwegen textuell praktizieren, nimmt in den Reden oft anekdotische oder parabelhafte Formen an.“[7] Diesen politischen Reden steht Grass etwas zwiespältig entgegen. Im Beispiel von, Katz und Maus’ , bestimmt die Verhinderung einer Rede des großen Mahlke die Handlung.

[...]


[1] Vgl. Jürgs Michael: Bürger Grass. Eine Biografie eines deutschen Dichters, Bertelsmann Verlag, München 2002

[2] Vgl. Neubauer, Martin: Günter Grass. Katz und Maus, Lektüre- Durchblick, Band 338, Mentor Verlag, München, S. 20

[3] Vgl. Jürgs Michael: Bürger Grass. Eine Biografie eines deutschen Dichters, Bertelsmann Verlag, München 2002

[4] Vgl. www.haus-der-Literatur.de 12.02.2007

[5] Vgl. www.tagesthemen.de 15.02.2007

[6] vgl. Kagel, Martin/ Soldovieri, Stefan/ Tate, Stefan: Die Stimme der Vernunft. Günter Grass und die SPD, in: Adler, Hans/ Hermand, Jost: Günter Grass: Ästhetik des Engagements, Peter Lang, New York 1996, S 39-62

[7] Kagel, Martin/ Soldovieri, Stefan/ Tate, Stefan: Die Stimme der Vernunft. Günter Grass und die SPD, in: Adler, Hans/ Hermand, Jost: Günter Grass: Ästhetik des Engagements, Peter Lang, New York 1996,

Details

Seiten
30
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638868952
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80198
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Schlagworte
Günter Grass Werk Katz Maus Formen Erzählens

Autor

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