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Der Gang nach Canossa - Eine Unterwerfung Heinrichs IV. unter die geistliche Autorität?

Hausarbeit 2007 10 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lamperts und Gregors Eidesdarstellungen
2.1 Welche Bedingungen wurden gestellt?
2.2 Inwiefern musste sich Heinrich IV. dem Papst unterordnen?

3. Behielt Heinrich IV. seine Königsfunktion?

4. Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Januar 1077 erreichte Heinrich IV. Canossa, um dort seine Exkommunikation, die Papst Gregor VII. auf der Fastensynode in Rom 1076 ausgesprochen hatte, zu lösen. Auf der Reichsversammlung in Tribur im Oktober 1076 hatten die deutschen Fürsten festgelegt, dass der Bann bis Februar 1077 gelöst sein musste, sonst gäbe es einen Gegenkönig. Heinrich IV. machte sich deshalb im Dezember 1076 auf den Weg nach Italien zu Papst Gregor VII., um seine volle Handlungsfähigkeit behalten zu können.

Gregor VII. hielt den Eid, den Heinrich IV. leisten musste, in Form eines Briefes an den Bischof Hermann von Metz fest. Der hessische Annalist Lampert von Hersfeld berichtete nach dem Ereignis ebenfalls von dem Eid, allerdings waren seine Darstellungen viel detaillierter und ausführlicher.

Der Eid enthielt Bedingungen, die Heinrich IV. erfüllen musste, um wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen zu werden.

Im Folgenden soll die Frage geklärt werden, inwiefern der Gang nach Canossa für Heinrich IV. eine Unterwerfung unter die geistliche Autorität bedeutet hat. Um diese Frage zu beantworten, müssen die Bedingungen, die Heinrich zu erfüllen hatte, um vom Bann gelöst zu werden, betrachtet werden. Außerdem soll untersucht werden, ob sich Heinrich IV. Papst Gregor VII. unterordnen musste und ob er letzten Endes in seiner königlichen Funktion wieder eingesetzt wurde oder nicht.

So wird sich zeigen, dass beide Berichte sehr variieren und gegensätzliche Ergebnisse liefern. Eine Unterwerfung unter die geistliche Autorität von Seiten Heinrichs fand statt, allerdings ist diese in unterschiedlicher Weise zu deuten.

2. Lamperts und Gregors Eidesdarstellungen

2.1 Welche Bedingungen wurden gestellt?

Der Eid Heinrichs IV. lässt sich nach Gregors Aufzeichnungen in zwei Hauptbedingungen gliedern:

Die erste Bedingung betrifft Heinrichs Auseinandersetzung mit den deutschen Fürsten. Innerhalb eines von Gregor VII. festzusetzenden Zeitraumes sollte er gemäß dem Urteilsspruch oder dem Ratschlag des Papstes den Beschwerden der deutschen Fürsten gerecht werden. Die zweite Bedingung bezieht sich auf die geplante Reise des Papstes nach Deutschland. Heinrich musste versprechen, dass der Papst ohne von Heinrich gehindert zu werden, nach Deutschland reisen könne. Er dürfe ihn nicht angreifen und müsse ihm zudem freies Geleit gewähren. Auch weitere Hindernisse dürfe er gegen den Papst nicht zulassen und müsse ihm treu ergeben sein.

Lampert von Hersfeld schilderte diese Eidesleistung ausführlicher und ausschweifender. Sein Bericht lässt sich nicht auf zwei Hauptbedingungen festlegen. Stattdessen beinhaltete seine Ausführung zahlreiche Angaben darüber, wie sich Heinrich IV. nach der Absolution verhalten sollte.

Heinrich IV. solle auf einer Versammlung der deutschen Fürsten erscheinen, welche der Papst einberufen habe und sich gegen die erhobenen Anklagen rechtfertigen. Gregor VII. werde als Richter agieren und letztlich die Entscheidung tragen, ob Heinrich IV. seine Krone abgeben müsse oder doch König bleiben könne. Sollte er abgesetzt werden, so dürfe er keinerlei Rache am Papst nehmen. Wenn er allerdings König bliebe, dann müsse er für immer dem Papst Untertan sein.

Des Weiteren dürfe er bis zur Versammlung keine königlichen Abzeichen tragen und keine rechtskräftigen Entscheidungen mehr treffen. Seine Untertanen, die ihm eidlich Treue geschworen hatten, wären zunächst von dem Schwur befreit. Außerdem wurde ihm der Umgang mit diversen Bischöfen auf Lebenszeit untersagt.

Sollte sich Heinrich IV. nicht an die Vereinbarungen halten, dann wäre die Lösung des Banns ungültig und die Wahl eines neuen Königs erforderlich.

Betrachtet man die beiden Berichte, so stellt man fest, dass sich diese doch sehr voneinander unterscheiden. Die Gemeinsamkeiten liegen darin, dass der Papst den Termin für den geplanten Fürstentag bestimmen wird und der König Gregor Hilfe versprechen musste.[1]

Alle weiteren Details, die Lampert mitteilte, wurden in Gregors Bericht nicht erwähnt. Weder das Verhalten Heinrichs bis zur endgültigen Entscheidung, ob er König bleibe, noch die vorweg geleistete Anerkennung des Urteilsspruchs und den Verzicht auf Rache hatte Gregor in seinem Bericht aufgelistet. Des Weiteren enthält dieser keine Hinweise darauf, dass Heinrich sich dem Papst dauerhaft gehorsam unterordnen musste, dass die Untertanen von der Treuepflicht bis zur Entscheidung, ob Heinrich IV. König bleibe, befreit seien sowie die Möglichkeit der Wahl eines neuen Königs, wenn sich Heinrich nicht an die Abmachungen halten sollte.[2]

Warum fügte Lampert so viele Details hinzu?

Man muss beachten, dass Lampert ein Gegner Heinrichs IV. und ein Parteigänger des Papstes war. Dadurch erklärt sich, warum Lampert so ausführlich und voller Genugtuung von den Auflagen, die Heinrich gemacht wurden, berichtete. Er hatte diese Szene mit wahrem Wohlbehagen ausgemalt, nachdem er zuvor schon die Bedingungen der Fürsten zu Tribur oder das Oppenheimer Bittschreiben Heinrichs zu Ungunsten seines Feindes übertrieben hatte: Wichtig war für ihn die Erniedrigung des Königs.[3]

Die Forschung geht davon aus, dass Lampert Gregors Canossabrief kannte. Des Weiteren ist anzunehmen, dass er einige seiner Informationen aus mündlichen Berichten bezog. Die Lücken der Überlieferung hatte er ausgeschmückt und sein Nichtwissen mit viel Detailinformationen verschleiert.[4]

[...]


[1] Vgl. Zimmermann, Der Canossagang, S. 183.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. Mayer-Pfannholz, Die Wende von Canossa, S. 5, in: Kämpf, Canossa, S. 1-26.

[4] Vgl. Zimmermann, Der Canossagang, S. 185.

Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638865364
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80194
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,4
Schlagworte
Gang Canossa Eine Unterwerfung Heinrichs Autorität

Autor

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