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Die Großstadt in Erich Kästners "Fabian"

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Handlungsstruktur
II. 1. Handlungsverlauf

III. Der Begriff der Neuen Sachlichkeit
III. 1. Der Roman der Neuen Sachlichkeit
III. 2. Neue Sachlichkeit in Kästners „Fabian“

IV. Das Großstadtmotiv in Kästners „Fabian“
IV. 1. Die Großstadt als neuer Handlungsraum
IV. 2. Der Großstadtroman im „Fabian“

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis
V. 1. Primärliteratur
V. 2. Sekundärliteratur

I. Einleitung

Mit dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, das Großstadtmotiv in dem 1931 erschienenen Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ von Erich Kästner zu beschreiben.

Eng mit diesem Roman ist auch der Begriff der Neuen Sachlichkeit verbunden, ohne den eine nähere Beschreibung des Großstadtromans der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland nicht möglich ist. Die Neue Sachlichkeit bezeichnet eine realistische Stilrichtung in bildender Kunst und Literatur seit Beginn der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die sich als Reaktion auf den Expressionismus und abstrakte Tendenzen in einer gegenständlichen, Objektivität anstrebenden präzisen Darstellungsweise manifestierte.

So ist es auch allgemein üblich, Kästners „Fabian“ dieser Stilrichtung zuzuschreiben. Aus diesem Grunde soll sich, nach einem kurzen Abriss über die Handlungsstruktur des Romans, diese Arbeit mit der Klärung dieses Begriffes beschäftigen.

Darauf folgt die Beschreibung des Großstadtmotivs in Kästners Roman. Dieses Motiv hat mit der zunehmenden Industrialisierung und der damit verbundenen Verstädterung in der Literatur an Bedeutung gewonnen. Und gerade Autoren der Moderne haben die Großstadt als neues Lebenszentrum der Menschen dankbar in ihre Werke aufgenommen. Den Roman „Fabian“ betreffend, soll nun die Frage geklärt werden, inwieweit das Großstadtmotiv mit der Neuen Sachlichkeit in Verbindung gebracht werden kann. Eine weitere Frage, die aufgeworfen werden soll, ist, ob der Roman nicht auch Elemente des Expressionismus aufweißt.

Neben dem Roman von Erich Kästner werden als Sekundärliteratur die Werke „Berlin. Asphalt & Licht“ von Hermann Kähler, Erich Kästner. Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ von Marja Rauch und „Erich Kästner. Werk und Wirkung“ von Rudolf Wolff verwandt.

II. Handlungsstruktur

Eine Handlungsanalyse des „Fabian“ ist nicht einfach durchzuführen, denn sie folgt keiner linearen Darstellungsweise. Es werden im Laufe des Romans mehrere Handlungsstränge aufgenommen und wieder fallen gelassen. Es ist dabei auffällig, dass die Kapitel keine abgeschlossenen Einheiten bilden[1]. So erscheinen die Kapitelunterteilungen vielfach willkürlich, da das verwendete Thema nahtlos im folgenden Kapitel fortgeführt wird. Häufig enden die Kapitel jedoch mit dem Entschluss Fabians (und der ihn begleitenden Figuren), sich an einen neuen Ort zu begeben[2]. Einige der Kapitel verfolgen stringent eine Handlung, während andere recht unzusammenhängende Themen verhandeln. Dies entspringt Kästners Versuch, die moderne Welt von verschiedenen Perspektiven aus zu thematisieren, um ihrer Vielfalt gerecht zu werden[3].

II.1. Handlungsverlauf

Der Großteil der des Romans (die ersten zwanzig Kapitel) spielt in Berlin, nur die letzten vier Kapitel spielen in Dresden.

Gleich im ersten Kapitel lernt der Leser den Protagonisten Fabian als Junggesellen kennen, der alleine durch die Großstadt Berlin zieht und dort mehrere Begegnungen macht. Fabian kehrt gegen Ende des ersten Kapitels in einem Klub ein, in dem er Irene Moll kennen lernt, der das zweite Kapitel gewidmet ist und die immer wieder Fabians Wege kreuzt. Irene Moll ist interessiert an Fabian, kann ihn jedoch nicht für sich gewinnen. Damit wird schon an dieser frühen Stelle ein großes Thema des Romans angesprochen: Fabians Verhältnis zu Frauen. Im weiteren Verlauf des Romans wird der Leser mit Fabians Arbeitswelt, die in den Bereichen Werbung und Zeitung angesiedelt ist, vertraut gemacht. Welches ein weiteres zentrales Thema des Romans ist.

Die Kapitel 5 bis 9 behandeln Fabians Freundschaft zu Labude. Außerdem wird hier das Thema Liebe erneut aufgegriffen. So berichtet Labude von seiner enttäuschten Liebe zu Leda, gleichzeitig besuchen die beiden immer wieder Kabaretts und ein Atelier, wo sie sofort Kontakt zu Frauen bekommen. Im 9. Kapitel begegnet Fabian Cornelia Battenberger, zu der Fabian eine Liebesbeziehung eingeht. Dieser Beziehung ist des folgende 10. Kapitel gewidmet, welches aufgrund des beschriebenen Glücksmoments den Höhepunkt des Romans darstellt. Ab dem 11. Kapitel wird das Thema Arbeit erneut aufgenommen, diesmal allerdings erheblich negativ konnotiert, denn Fabian wird arbeitslos. Nun tritt der arbeitslose Fabian in Kontakt mit mehreren Figuren, der verrückte Erfinder, einem kleinen Mädchen und zu seiner Mutter, die ihn einen Tag in Berlin besucht. Das 14. Kapitel beschreibt einen Albtraum Fabians, in dem alle Handlungsstränge zusammengefügt werden. Fabian hat Visionen von einer verselbstständigten Technik, die Menschen reproduziert, von aggressiven Formen von Sexualität in den Vergnügungsstätten, von Bürgerkrieg und von dem Verlust von Cornelia Battenberger und Labude. Das 15. Kapitel lässt nun eine der Visionen wahr werden: Cornelia verlässt Fabian zugunsten eines reichen Filmproduzenten. Nach dem Verlust seiner Arbeit, muss Fabian nun auch einen Verlust im Bereich der Liebe erdulden. In den folgenden Kapiteln kehrt Fabian zu seinen Junggesellengewohnheiten zurück. Er streift wieder ziellos durch die Großstadt und nimmt das erstbeste Liebesabenteuer wahr, um seinen Kummer zu kompensieren, ohne dabei viel zu empfinden.

Die Kapitel 18 bis 20 beschreiben die Labude-Handlung. Fabian erfährt hier vom Tod seines Freundes und deckt dessen Absichten für seinen Selbstmord auf. Dieser dritte Verlust veranlasst ich ihn, Berlin zu verlassen. In einem spontanen Entschluss begibt er sich zu Beginn des 21. Kapitels zum Bahnhof und fährt in seine Heimatstadt Dresden. Die letzten Kapitel (21 bis 24) widmen sich dem Aufenthalt Fabians in Dresden, dort schwelgt er in Erinnerungen, nimmt das vertraute Verhältnis zu seiner Mutter wieder auf und besucht verschiedene Orte, die er mit seinen Erinnerungen verbindet. Dabei begegnet er einigen Bekannten, zu denen er allerdings eine kritische und distanzierte Haltung einnimmt. Dennoch spielt er mit dem Gedanken, sich in Dresden niederzulassen und einen Neuanfang zu versuchen. Er ersehnt sich einen Arbeitsplatz und ein damit verbundenes Lebensziel, gleichzeitig zieht er auch eine Flucht in die schützende Berge in Erwägung. Doch noch eher Fabian eine der Möglichkeiten in die Tat umsetzen kann, endet der Roman mit seinem unerwarteten Tod, als er bei dem Versuch ertrinkt, einen Jungen aus dem Fluss zu retten.

III. Der Begriff der Neuen Sachlichkeit

III.1. Der Roman der Neuen Sachlichkeit

Der Roman der so genannten Neuen Sachlichkeit legt nicht einseitig sein Hauptaugenmerk auf Leben und Meinung derer, von denen er handelt. Fast ebenso ausgiebig widmet er sich der Welt, in der und unter deren Bedingungen sie leben und über die sie ihre Meinungen sich bilden. Mit Hilfe der Epik kann die Welt breit und frontal ausgebreitet werden. Der Roman kann sich in besonderem Maß den Zuständen, Sachverhalten und komplexen Verhältnissen widmen.[4] Dies ist ein Grund dafür, dass die Romanproduktion der Neuen Sachlichkeit zwischen 1925 und 1932 eine enorme Intensität erreicht hat, womit sie im krassen Gegensatz zu der Stilrichtung der expressionistischen Literatur steht, deren Hauptbetätigungsfeld die Lyrik darstellt.[5]

Gerade die prosaische Disposition des Romans in der neusachlichen Literatur kommt dem entgegen was auch bildende Künstler dieser Stilrichtung erreichen wollten: Die unverzüglich festgehaltene aktuelle zeitgenössische Wirklichkeit.[6]

Die Neue Sachlichkeit wird meist als eine unpolitische, ideologisch neutrale Strömung begriffen, die eine Gegenbewegung zum Expressionismus bildete. Während die Expressionisten auf Subjektivität, Utopismus und Religiosität setzten, stellt die Neue Sachlichkeit eine Rückkehr zu den Sachen selbst dar, die zu einem Primat der Dinge führt und damit letztlich die Gefahr impliziert, die Verdinglichung der Menschen zu affimieren.[7] Merkmale neusachlicher Literatur sind u.a. die Beschreibungen technischer Einrichtungen, des Straßenverkehrs, der Arbeits- und Vergnügungsstätten, der Parteiversammlungen und Luxuslokale, der Modesalons und Kellerwohnungen.[8]

[...]


[1] Rauch, Marja: Erich Kästner. Fabian. Die Geschichte eines Moralisten. München: Oldenbourg-Schulbuchverlag, 2001, S. 25. Im Folgenden zitiert als Rauch: Fabian.

[2] Rauch: Fabian, S. 25.

[3] Rauch: Fabian, S. 25.

[4] Klotz, Volker: Forcierte Prosa. Stilbetrachtungen an Bildern und Romanen der Neuen Sachlichkeit, in: Rudolf Wolff (Hrsg.): Erich Kästner. Werk und Wirkung, Bonn: Bouvier Verlag 1983, S. 80. Im Folgenden zitiert als Klotz: Forcierte Prosa.

[5] Klotz: Forcierte Prosa, S. 78.

[6] Klotz: Forcierte Prosa, S. 80.

[7] Rauch: Fabian, S. 23.

[8] Klotz: Forcierte Prosa, S. 80.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638868938
ISBN (Buch)
9783638918961
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80156
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Großstadt Erich Kästners Fabian Stadt Literatur

Autor

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Titel: Die Großstadt in Erich Kästners "Fabian"