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Der Einfluss des Amadisromans auf die deutsche Syntax

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum historischen Kontext des Amadisromans
2.1. Zum Inhalt des Amadisromans

3. Der Originaltext – ein Auszug aus dem 13. Kapitel
3.1. Die Übersetzung des Originals ins Neuhochdeutsche
3.2. Inhalt des Textausschnittes

4. Syntaktische Analyse des Original – Textausschnittes
4.1. Die Satzkonstruktionen
4.1.1. Der Relativsatz
4.1.2. Der Subjekt- und Objektsatz
4.1.3. Der Temporalsatz
4.1.4. Der Konditionalsatz
4.2. Die Wortstellung
4.2.1. Das Subjekt und das Prädikat
4.2.2. Das Objekt
4.3. Direkte und indirekte Rede

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Amadisroman gehört in der Literatur des 16. Jahrhunderts zu einer der meistgelesenen Lektüren. Bis zum heutigen Tage ist unbekannt, wer der erste Autor des Romans war oder in welchem Land die Geschichte als erstes erzählt wurde. Die älteste Form des Werks, die es gibt, stammt von einem Spanier namens Garci Ordonez de Montalvo.[1] Dieser hat die drei von ihm gefundenen Bände überarbeitet und im Jahre 1509 einen vierten Band hinzugefügt.

Die Übersetzung des ersten Buches wurde in Deutschland im Jahr 1569 von einem unbekannten Verfasser vorgenommen und bis zum Jahr 1598 wurde das Werk auf 23 Bände erweitert. Dies zeigt vor allem welch großer Beliebtheit sich dieses Buch im 16. Jahrhundert erfreute und man kann außerdem daraus schlussfolgern, dass es einen enormen sprachlichen Einfluss hatte.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Syntax des Amadisromans und den typischen Merkmalen der Syntax zur damaligen Zeit. Es soll deutlich gemacht werden, welche Veränderungen innerhalb der deutschen Syntax entstanden sind und wie diese heute aussehen. Bei der Untersuchung sollen vor allem einige Satzkonstruktionen, die Wortstellung und die direkte und indirekte Rede untersucht werden.

Um den formal nötigen Rahmen für diese Arbeit einzuhalten, wird hier der Fokus vor allem auf einen Textauszug aus dem Amadisroman gelegt, an dem die meisten Veränderungen aufgezeigt werden. Dies schließt jedoch nicht aus, dass vereinzelt auch andere Textstellen hinzugezogen werden mussten, um wichtige Veränderungen darzustellen und zu erläutern.

2. Zum historischen Kontext des Amadisromans

Amadis von Gallien, auch Amadis de Gaula genannt, ist der Held eines Ritterromans, der in der Renaissance[2] die beliebteste Lektüre in Europa ausmachte.

Der Prosaroman schildert die unglaublichen Heldentaten und Tugenden des Titelhelden. Aus der Urfassung des 14. Jahrhunderts entstanden zwei Jahrhunderte später die so genannten Amadisromane.

Unter den Amadisromanen versteht man eine Gruppe von Ritterromanen, die im spätmittelaltrerlichen Europa sehr volksbeliebt waren. Sie gehen zurück auf einen wahrscheinlich portugiesischen Prosaroman, der ungefähr um 1370 von Vasco de Lobeira geschrieben wurde. Es wird jedoch weiterhin vermutet, dass dieser bereits frühere Vorläufer hatte.

Das Original hatte den Titel "Amadis de Gaula" und bestand aus drei bzw. vier Bänden. Diese Urfassung ist jedoch nicht mehr erhalten und somit gilt als älteste erhaltene Bearbeitung die Fassung des Spaniers Garci Rodríguez de Montalvo (auch Ordonez de Montalvo genannt) von 1508.

Bereits dieser fügte einen weiteren Band hinzu. In den folgenden Jahrzehnten erschienen nicht nur zwölf weitere Ausgaben, sondern sieben zusätzliche Bände, in denen die Familiengeschichte der Amadis - Nachkommen detailliert dargestellt und mit fantastischen Abenteuern ausgeschmückt wurde.

Zugleich wurden die Romane in sehr viele Sprachen übersetzt und es kam außerdem zu Umarbeitungen und Fortsetzungen in fremde Sprachen, die später zum Roman der Barockzeit überleiteten.

Die Beliebtheit der Amadisromane nahm bereits ab, als Cervantes[3] deren Ära endgültig beendete, indem er sich im „Don Quijote“ ausdrücklich auf das Rittertum des Amadis bezog und das Thema dadurch lächerlich machte.

Wie der Name des Helden bereits andeutet, stammt der Amadisroman aus der Tradition der keltischen Artussagen,[4] tatsächlich aber sind die Unterschiede enorm: die Helden werden glorifiziert (Amadis selbst ist beispiellos edel, stark, keusch und überdies unbesiegbar) und agieren an mehr idealen als exotischen Orten.

Keuschheit und Ritterlichkeit sind die Stichworte für ein gewandeltes Moralverständnis, die mittelalterliche Treue zum Lehnsherrn wird abgelöst durch die Verpflichtung gegenüber dem Königtum.

2.1. Zum Inhalt des Amadisromans

Amadis ist der Sohn des Königs Perion von Gallien und der britischen Prinzessin Elisena. Er wird nach Schottland verschlagen, wo er sich in Oriana, die unvergleichliche Tochter des Königs Lisuart von England, verliebt. Nach langer Zeit, angefüllt mit unglaublichen Heldentaten, kann er Oriana ehelichen. Bereits Montalvos Erweiterung enthielt die Geschichte des Esplandian, des ältesten Sohns Amadis’ und Orianas, nach ihm haben andere die Nachkommenschaft des alten Helden fast ins Unendliche vermehrt.

Weitere Bücher schilderten die Geschicke seines Neffen Florisando, dann die des Lisuarte von Griechenland, eines Sohnes des Esplandian, und die noch wundervolleren Abenteuer des Amadis von Griechenland, eines Urenkels des gallischen Helden.

Es folgten Don Florisel de Niquea und Anaxartes, Sohn des Lisuarte, deren Geschichten mit denen der Kinder des letzteren das 9. bis 11. Buch füllten. Ein 12. Buch schließlich, das 1549 gedruckt wurde, berichtete die Taten des Don Silves de la Selva.

3. Der Originaltext – ein Auszug aus dem 13. Kapitel

1. Dieser newen zeitung ward der Riß von stund an verstendiget.
2. Deßwegen sprenget er baldt hernach auß dem Schloß, auff einem wol, vnnd seiner grösse nach, gleich geformierten pferd, Denn es bedüncket ein Elephant, vnd er mehr ein grosse seul oder block zu seyn, denn ein Ritter.
3. Nun hat er sich allein mit einem trabharnisch gewaffnet, vnnd auff seinem Haupt führet er ein klar vnnd scheinend Helm, vnnd in seiner hand ein schwere Stählin stangen, mit deren er gemeinlich zustreiten pflegt.
4. Höchlich erschracken ab jm die Schiltjungen vnd Jungfrawen, vnnd der Galaor zum theil selbs.
5. Aber er behertzt sich dermassen, daß je mehr er sich zu jhm nähert, je weniger solch groß stück Fleisch er förchtet.
6. Als der Rieß jn so mutig gegen jm ziehen sahe, sagt er, Ich verwunder mich, halber Mann, wie du deines tods so frech warten darffst, Dieser so dich hieher geschickt, solt dein hertz, vnd du sein grossen starcken leib entlent haben.
7. Aber er hat mir eben das Morgensüplin vor dem Imbis zuuerdewen geben wollen.
8. Galaor, so sich ab diesen schelten nicht vernüget, antwort jm: Meinest du grosses thier, daß dein grob geschrey entweder dich köndt höher, oder mich weniger geacht machen?
9. Ich vertrauwe auff den, so den stoltz deß Philisters Goliath gedempfft vnnd genidriget hatt, der dich auch viel nichtiger vnnd geringer, denn den staub machen wird.
10. Ab diesen Worten erzürnet der Rieß hefftig.
11. Derwegen ohne fernere antwort, fasset er seine Stangen, der meinung jhn niderzuschlagen, Aber der Galaor geschwind vnnd hurtig, leget seine Lantzen evn, vnnd mit dem sterckesten lauff seines Pferdts, erreichet er jn im Bauch so leblich, daß dieser grosse Polyphemus ein Stegereiff verlore, vnnd sein spieß in die lufft floge.[5]

[...]


[1] Garci Rodríguez de Montalvo (auch: Garci Ordóñez de Montalvo; * um 1440, † um 1504) war ein spanischer Schriftsteller.

[2] Das französische Wort Renaissance bedeutet Wiedergeburt. Bezogen auf seinen Ursprung bedeutet der Begriff die „kulturelle Wiedergeburt der Antike“. Epoche des 14./15. Jh.s

[3] Miguel de Cervantes y Saavedra: spanischer Schriftsteller (*29. September 1547 in Alcalá de Henares, † 23. April 1616 in Madrid), ist Autor des „Don Quijote“ und gilt als Spaniens Nationaldichter.

[4] Artus (engl. Arthur), ist ein sagenhafter kelto-britischer König, der um 500 gegen die eindringenden Angeln und Sachsen gekämpft haben soll.

[5] Amadis. Hrsg. von Adelbert von Keller. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart: 1857.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638865494
ISBN (Buch)
9783638904216
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80141
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Deutsches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Einfluss Amadisromans Syntax Geschichte Prosasyntax

Autor

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