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Zum Ausbau des Haitianischen Kreols

Seminararbeit 2003 13 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Gliederung „Zum Ausbau des Haitianischen Kreols“

Einleitung

Hauptteil
1) Entstehung und Geschichte des Kreols auf Haiti
2) Die Insel Haiti: Geographie, Population, Religion, Wirtschaft
3) Das Haitianische Kreol
4) Die Koexistenz des Kreols und Französischen auf Haiti
5) Der haitianische Autor Franketienne
6) Die politische Entwicklung und momentane Situation auf Haiti

Schlussbemerkung

Literaturhinweise

Einleitung

Mit 27.750 km² und fast 7,5 Mio. Einwohnern ist Haiti die wichtigste kreolsprachige Gemeinschaft der Welt. Im Atlantischen Ozean gelegen ist Haiti eine Insel der großen Antillen. 1492 wurde Haiti von den Spaniern kolonialisiert und galt als wichtige Quelle für Erdmetalle bis die Insel 1804 ihre Unabhängigkeit erlangte. Auf Haiti ist die offizelle Landessprache Französisch, dennoch sprechen nur etwa 15% der Einwohner diese Sprache, dagegen ist das Kreolische die Muttersprache aller Bewohner. Aber nicht nur auf der Insel selbst, sondern aufgrund von weitläufigen Emigrationen um 1970 wurde das Haitianische Kreol auf die Bahamas, nach Kuba, in die Dominikanische Republik, nach Kanada und in die benachbarten USA gebracht und auch dort weiter ausgebaut. New York gilt heute als zweite Hauptstadt Haitis mit etwa 200000 Auswanderern und manche großen Banken bieten ihren Kunden Unterlagen auf kreolisch an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lage der Insel Haiti im Atlantischen Ozean

Quelle: Chaudenson, Robert (1979): Les créoles Francais, collection langues en Question, Fernand Nathan.

Hauptteil

1. Entstehung und Geschichte des Kreolischen auf Haiti

Das im Jahre 1492 von den Spaniern eroberte Gebiet im Atlantischen Ozean galt den Spaniern als wichtige Quelle für Edelmetalle.[1] In einem Zeitraum von 3o Jahren sind davon bis zu 15000 Tonnen nach Europa importiert worden. Etwa im Jahre 1520 waren die auf der Insel lebenden Ureinwohner durch Krankheiten, Hungersnöte und Ausbeutung durch die Spanier ausgerottet. Nach der Übernahme der Insel durch die Franzosen, die auf das Jahr 1659 festgelegt werden kann, wurde Haiti, das zu dieser Zeit den Namen Saint-Dominigue trug, zur reichsten der französischen Kolonien. Nicht mehr die Edelmetalle, sondern der Tabakanbau war die Haupteinnahmequelle. Ab den frühen 90er Jahren kam der großflächige Anbau von Rohrzucker hinzu, wofür Arbeiter und vor allem Sklaven aus Afrika hinzugezogen wurden. Schon im Jahre 1681 lag der Prozentsatz der dunkelhäutigen Einwohner in der Bevölkerung bei etwa 35 %[2], von denen ein Großteil Sklaven waren. Der schnelle Anstieg der Produktionsmengen bedingte auch eine stetige Einführung von neuen Sklaven. Zwischen 3000 und 4000 Menschen kamen pro Jahr als Sklaven aus Afrika nach Haiti, so dass 1713 über 80 % der Bevölkerung dunkelhäutig war. Die Zahl der Sklaven nahm im 17. und 18. Jhd. rapide zu bis im Jahre 1791 ein Aufstand der Sklaven die Einführung neuer Hilfskräfte beendete.

Wegen der niedrige Geburtenrate und der hohen Sterberaten am Ende des 17. und Anfang des 18. Jhd. und der stetigen Einführung von Sklaven in dieser Zeit war der größte Teil der schwarzen Bevölkerung auf Haiti in Afrika geboren. Die meisten nach Haiti gebrachten Sklaven stammten aus Angola und umliegenden Regionen an der westafrikanischen Küste , wo sogenannte Bantu -Sprachen gesprochen werden. Etwa 1/3 der in Haiti lebenden Sklaven hatten eine sogenannte Kwa -Sprache als Muttersprache nach Haiti gebracht. Das haitianische Kreol (HC von haitian creole) ist ursprünglich eine pidgin -Sprache, das heißt eine Sprache mit relativ kurzer Geschichte, die nicht Muttersprache der Gründergeneration ist. Das HC ist das Ergebnis verschiedenen linguistischer Kontakte unterschiedlicher Sprachen. Auf Haiti sind es die afrikanischen Bantu - und Kwa - Dialekte, die in Berührung kamen mit dem Französisch der Kolonialherren und dem Spanischen der dort noch ansässigen Spanier. Alle Sprachen sind unterschiedlich und der daraus entstandene Sprachenkompromiss ist von keiner der Gruppen Muttersprache. Das linguistische Chaos der Gründergeneration gilt daher als pidgin.[3] Die Nachkommen dieser ersten Generation, die in diese Sprachenmischung hineingeboren werden, lernen sowohl die Muttersprache ihrer Eltern, als auch die neue Variante dieser Gemeinschaftssprache. Die zweite Generation von Nachkommen wiederum ist meist nur noch einsprachig und spricht die Gemeinschaftssprache ohne die Muttersprache ihrer Großeltern zu kennen. In dieser Generation spricht man von der neuen Gemeinschaftssprache nicht mehr von pidgins, sondern schon von creole - Sprachen.

[...]


[1] Vgl. Chaudenson, Robert (1979): Les créoles Francais, collection langues en question, Fernand Nathan, S. 25. (Im Folgenden als Chaudenson)

[2] Vgl. Corne, Chris (1999 ): From French to Creole: the development of new vernaculars in the French colonial world, London: Univ. of Westminster Press (= Westminster Creolistics series 5), S.141. (Im Folgenden als Corne)

[3] Vgl. Corne, S 13.

Details

Seiten
13
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638828550
ISBN (Buch)
9783638904155
Dateigröße
840 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80009
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Schlagworte
Ausbau Haitianischen Kreols Proseminar

Autor

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