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Der Erste Makedonische Krieg

Imperialismus, Hegemoniestreben oder Expansion? - Rom und die östliche Mittelmeerwelt im 2./1. Jh. v. Chr.

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Erste Makedonische Krieg – ereignisgeschichtliche Betrachtung
II.1. Vorgeschichte
II. 1. 1. Die Illyrischen Kriege
II. 1. 1. 1. Der Erste Illyrische Krieg
II. 1. 1. 2. Der Zweite Illyrische Krieg
II.2. Der Erste Makedonische Krieg

III. Betrachtung möglicher Motive Philipps V. von Makedonien

IV. Zusammenfassung

V. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Nachdem Rom sich auf der Apennin-Halbinsel ausgebreitet und seine Macht dort gesichert und gefestigt hatte, war es Zeit für das noch relativ junge Rom, sich über seine Grenzen hinaus zu orientieren. Es musste sich im Spiel der Großen, gemeint ist hier, neben den Diadochenreichen Makedonien, dem Seleukiden- und Ptolemäerreich, auch Roms großer Gegenspieler in der Zeit des 3. vorchristlichen Jahrhunderts: Karthago. Rom wandte sich zunächst in Richtung Westen, um seine vorgelagerten Inseln zu erobern, sollte sich aber, nicht zuletzt wegen der Verwicklungen während des Zweiten Punischen Krieges, zwangsläufig auch um seine östlichen Nachbarn kümmern. Diese Wendung nach Osten und die Erringung der Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer sollte zunächst mit kleineren, fast schon unbedeutend wirkenden, Auseinandersetzungen beginnen, so z.B. die Illyrischen Kriege. Nicht zuletzt war auch die Wendung nach Osten ein Resultat der römischen Hegemonien in Italien, da dadurch die Adria zur Kontaktzone für Rom mit Illyrien, Makedonien und den Griechen wurde.

Roms erster großer Gegenspieler im hellenistischen Osten sollte dabei das Antigonidenreich sein. Makedonien, das zur Zeit des Zusammenpralls mit Rom von Philipp V. regiert wurde, war die stärkste Macht auf dem Balkan und gerade dabei seine Vorherrschaft über den Peleponnes wiederherzustellen.

Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, einen ereignisgeschichtlichen Überblick über den Ersten Makedonischen Krieg zu geben, der auch die Illyrischen Kriege sehr kurz wiedergeben wird, da hier schon ein gewisses Konfliktpotenzial zu Grunde gelegt wurde. In einem weiteren Schritt soll hier versucht werden, mögliche Motive Philipps V. von Makedonien herauszuarbeiten, die ihn bewogen haben könnten, überhaupt mit Rom einen Krieg zu beginnen. Immerhin musste Rom auch aus makedonischer Sicht inzwischen als mächtig – wenn nicht sogar als übermächtig – empfunden werden. Bei der Untersuchung dieser Frage wird der Bündnisvertrag zwischen Hannibal und Makedonien eine wichtige Rolle spielen.

Die Quellensituation stellt sich nicht als sehr diffizil dar. Da es uns an makedonischen Quellen mangelt, die uns beispielsweise direkte Einsicht in die Motive Philipps V. geben könnten, sind wir – wie so oft für diesen Zeitraum – auf lateinische bzw. griechische Quellen angewiesen. Als wichtigster – weil fast zeitgenössischer – Autor kann an dieser Stelle Polybios genannt werden, der als Geißel Roms die Möglichkeit hatte, Informationen aus höchsten römischen Kreisen zu beziehen. Schließlich spricht auch noch Polybios’ Herkunft für ihn, da er sich in Griechenland wohl sehr gut auskannte. Neben dem griechischen Polybios, ist auch der römische Autor Livius als wichtige Quelle zu benennen. Er ist zwar durch seine offensichtliche Intention römische Heldengeschichte zu schreiben und seine zeitliche Distanz mit Vorsicht zu genießen. Jedoch muss man bei ihm im Hinterkopf behalten, dass er – als Nutznießer der römischen Archivbürokratie – unmittelbaren Zugriff auf die Quellen der Analistik hatte, die uns vorenthalten sind. Diese beiden Autoren sind prägende Grundlage der vorliegenden Arbeit.

II. Der Erste Makedonische Krieg – ereignisgeschichtliche Betrachtung

II. 1. Vorgeschichte

Mit der endgültigen Eroberung der Apenninenhalbinsel war die Adria zu einer politischen Kontaktzone Roms mit den östlichen Ländern geworden. Zunächst sollten die Römer sich jedoch eher Richtung Westen – Sizilien, Sardinien, Korsika und nicht zuletzt Karthago – wenden und somit dem hellenistischen Osten den Rücken kehren.[1] Dennoch blieb dieser Berührungspunkt mit der hellenistischen Welt bestehen und schuf ein Feld für Konflikte, in denen Rom sich erst noch behaupten musste.

II. 1.1. Die Illyrischen Kriege

II. 1.1.1. Der Erste Illyrische Krieg

In Illyrien herrschte seit 250 v. Chr. Agron, der seinem Vater Pleuratos auf den Thron gefolgt war. In der Zeit von 250 bis 230 v. Chr. hatte Illyrien den Zenith seiner Macht erreicht.

Die Illyrer waren ein Korsarenstaat, der den Handel im Adriatischen Meer nachhaltig belastete. So wurden in Rom schon bald Rufe von Kaufleuten aus den handeltreibenden Städten Italiens laut, die den kapernden Flotten Agrons zum Opfer gefallen waren. Hauptbetroffene waren jedoch die Griechen der westlichen Balkanhalbinsel, also aus den Gebieten von Epidamnos und Korkyra, die durch eine Expedition der Illyrer in Bedrängnis gerieten. Teuta hatte nach dem Tode ihres Mannes Agron stellvertretend für ihren minderjährigen Sohn die Herrschaft über Illyriens Stämme übernommen und diese Expeditionen fortgesetzt.[2]

Die bedrängten Griechen sahen in Rom, das sich bereits im Ersten Punischen Krieg (264 bis 241 v. Chr.) als ernstzunehmender Gegner entpuppt hatte, einen starken Partner im Kampf gegen die Illyrer. Erst als der Druck der eintreffenden Beschwerden über die Illyrer in Rom anscheinend zu groß wurde, schickten die Römer eine Gesandtschaft. Eine diplomatische Vermittlung und damit Lösung des Konflikts scheiterte, wurde jedoch durch eine Provokation Roms noch verschärft. Einer der römischen Gesandten wurde durch Agenten der Königinwitwe Teuta ermordet.[3]

Rom musste jetzt zum Krieg gegen Illyrien schreiten und so kam es, dass 229 v. Chr. Teuta innerhalb weniger Monate zur Kapitulation gedrängt wurde. Durch diese Intervention vermied Rom nicht nur einen Gesichtsverlust, sondern konnte gleichzeitig die Handelswege für eigene und griechische Kaufleute sichern. Durch die festgesetzten Friedensbedingungen konnte Rom sogar noch die Region im unmittelbaren Vorfeld des römischen Territoriums befrieden, indem die illyrischen Stämme auf ihr Stammgebiet beschränkt und eine Machtbildung wie unter Argon verhindert werden sollte. Gleichzeitig zeigte jedoch der Abzug der römischen Truppen aus Illyrien, dass noch keine weitergehenden Ziele im östlichen Mittelmeerraum verfolgt wurden.[4]

Mit dieser Intervention in Illyrien hatte Rom seine Interessenssphäre um das illyrische Gebiet mitsamt den dortigen Griechenstädten erweitert und war damit unbeabsichtigt in das Einflussgebiet des makedonischen Königreichs eingedrungen. Zwischen dem verstorbenen Agron und Demetrios II. von Makedonien bestanden damals freundschaftliche Bande. Allerdings war Antigonos Doson, der Demetrios auf den Thron folgte, zur Zeit des ersten Illyrischen Krieges mit dem traditionellen makedonischen Einflussgebiet – Thessalien, Mittelgriechenland und der Peloponnes – beschäftigt[5].[6] Somit blieb der Erste Illyrische Krieg ohne Auswirkungen auf das makedonisch-römische Verhältnis, so dass sich hier römische und makedonische Interessensphäre zunächst friedlich gegenüberlagen.[7]

II. 1.1. 2. Der Zweite Illyrische Krieg

Im Anschluss an den ersten Illyrischen Krieg übergaben die Römer Demetrios von Pharos die Macht auf Korkyra. Durch die Stärkung Demetrios’ hatte der römische Senat einen Unsicherheitsfaktor an der illyrischen Küste geschaffen. Demetrios von Pharos schloss ein Bündnis mit dem makedonischen König Antigonos Doson, der sich zu dieser Zeit gerade dem Kleomenischen Krieg[8] angeschlossen hatte. Demetrios, der sich während des Ersten Illyrischen Krieges auf die Seite der Römer geschlagen hatte, begann nun – wahrscheinlich aus Hochmut – gegen die Friedensbedingungen von 229 v. Chr. zu verstoßen.[9]

[...]


[1] Alfred Heuß: Römische Geschichte. Paderborn 92003, S. 73.

[2] Heuß: Römische Geschichte. S. 73.

[3] Heuss: Römische Geschichte. S. 73.; vgl.: Rene Pfeilschifter: Titus Quinctius Flamininus. Untersuchungen zur römischen Griechenlandpolitik. Göttingen 2005, S. 68.

[4] Rene Pfeilschifter: Titus Quinctius Flamininus. Untersuchungen zur römischen Griechenlandpolitik. In: Hans-Joachim Gehrke, u.a. (Hrsg.): Hypomnemata. Untersuchungen zur Antike und zu ihrem Nachleben. Göttingen 2005, S. 68-69.

[5] Er besiegte zunächst die Dardaner an der makedonischen Nordgrenze und verhinderte dann einen Versuch der Thessalier, die sich mit den Aitolern verbündet hatten, sich von Makedonien zu lösen.

[6] Heuss: Römische Geschichte. S. 73f.

[7] Pfeilschifter: Flamininus. S. 71.

[8] Der Kleomenische Krieg fand von 228 – 222 v. Chr. zwischen Sparta und dessen König Kleomenes III. auf der einen Seite und dem Achaiischen Bund auf der anderen Seite statt

[9] Pfeilschifter: Flamininus. S. 71.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638850353
ISBN (Buch)
9783638849463
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79990
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Erste Makedonische Krieg Proseminar

Autor

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Titel: Der Erste Makedonische Krieg