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Glück und Unglück in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Magisterarbeit 2007 107 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Ausgabe letzter Hand als Gegenstand der Analyse

3. Vermittlung der Lebensziele in den Kinder- und Hausmärchen
3.1. Zum Ausgang der 200 Volksmärchen
3.2. Diskussion des Ergebnisses
3.3. Zu den Märchen mit unglücklichen Ausgängen

4. Auswahl konkreter Märchen zur Analyse
4.1. Aschenputtel (KHM 21)
4.1.1. Die Charaktere und ihre Bedeutung für den Verlauf der Geschichte
4.1.2. Die Symbole und wie sie zum Glück beitragen
4.1.3. Worin liegt das Glück Aschenputtels?
4.1.4. Das „Aschenputtel“ als ein Märchen der Aufklärung
4.2. Hans im Glück (KHM 83)
4.2.1. Zum Weg des naiven Helden
4.2.2. Glück in der Besitzlosigkeit
4.3. Der Teufel mit den drei goldenen Haaren (KHM 29)
4.3.1. Zur Herkunft des Märchens
4.3.2. Schwankmärchen oder Zaubermärchen?
4.3.3. Zum formalen Aufbau der Erzählung
4.3.4. Zur Symbolik und Motivik des Märchens

5. Motive und ihr Einfluss auf Glück oder Unglück
5.1. Die Rolle des Schicksals
5.1.1. Formen und Mittel des Schicksals
5.1.2. Handlung und Einfluss des Märchenhelden
5.1.3. Die Figur des Helfers
5.2. Das Wunder oder der Zauber
5.3. Religion und Gott
5.3.1. Gott als überirdische Macht
5.3.2. Der personifizierte Gott
5.4. Jenseitserfahrungen und Tod
5.4.1. Formen und Gestalten des Todes in den Kinder- und Hausmärchen
5.4.1.1. Der märchenhafte Tod
5.4.1.2. Der reale und ewige Tod
5.4.1.3. Der personifizierte Tod
5.4.2. Der Tod als Unglücksbringer?
5.4.2.1. Anwendung und Formen der Todesstrafe
5.4.2.2. Zur Rechtfertigung von Grausamkeit
5.4.2.3. Zu Macht und Einfluss des Todes

6. Die Wertevermittlung und ihr Bezug zum gesellschaftlichen Leben im 19. Jahrhundert
6.1. Romantisches Denken in den Kinder- und Hausmärchen
6.2. Einflüsse der Epoche des Biedermeiers

7. Zur Aktualität der Glücks- und Moralvorstellungen Grimmscher Volksmärchen
7.1. Das Märchen und die Moderne
7.2. Die Lehren der Grimmschen Volksmärchen heute

8. Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang: Ausgänge der ersten 100 Kinder- und Hausmärchen

1. Einleitung

„Da gingen die Kinder zusammen nach Haus und waren herzlich froh; und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch.“[1]

„Und da wurde die Hochzeit des Königssohns mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.“[2]

Diese und andere Aussagen bilden die Schlusssätze der bekannten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (Jakob: 1785-1863, Wilhelm: 1786-1859). Die Erzählung läuft somit wohl in den meisten Fällen darauf hinaus, dass die Hauptfiguren und Helden der Geschichte – seien es Kinder, einfache Leute oder Prinz und Prinzessin – glücklich werden. Doch was genau ist dieses Glück und somit Lebensziel der literarischen Figuren bei den Brüdern Grimm? Wie und auf welche Weise wird im Gegenzug das Unglück veranschaulicht?

Es existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Werte für den Menschen: Gesundheit, Liebe, Reichtum, Ehre und Ruhm, Genuss und Lust, Schönheit, Freiheit und viele mehr. Aufgrund der Individualität von Menschen misst nicht jeder dem gleichen Wert die gleiche Bedeutung bei. Der Mensch besitzt stets eine persönliche Hierarchie-Vorstellung, nach der er handelt. Wie werden diese individuellen Ziele der Charaktere durch die Darstellung in den Kinder- und Hausmärchen moralisch bewertet? Erkennbar ist dies an der Handlungsweise und generellen Darstellung einer jeweiligen Figur. Neben der Betrachtung des Gesamtverlaufes ist in besonderem Maße auch der Ausgang der Geschichten zu begutachten. Im Märchen gibt es üblicherweise eine eindeutige Trennung zwischen guten und bösen Charakteren. Man darf also auch davon ausgehen, dass die erstrebten Ziele böser Charaktere die weniger wertvollen bis verachtenswerten Lebensziele offenbaren sollen.

Eine typologische Einteilung von Märchen kann unter Berücksichtigung unterschiedlichster Kriterien (z. B. formal, stofflich, thematisch, funktional oder nach Herkunft) zustande kommen, so dass bis heute keine allgemeingültige Einteilung existiert. Wie sich bei Wilhelm Solms zeigt, gestaltet sich eine solche Anordnung von Typen problematisch.[3] Eine Hauptunterteilung nach Gattungen, die sich weitgehend durchgesetzt hat, findet sich bei Aarne und Thompson.[4] Für diese Untersuchung soll primär zwischen drei bekannten Haupttypen differenziert werden: dem klassischen Zaubermärchen, oft auch als ‚eigentliches’ Märchen bezeichnet, dem Schwank und dem Schwankmärchen. Das Zaubermärchen zeichnet sich besonders durch das als selbstverständlich demonstrierte Element des Wunders aus. Es existieren phantastische und imaginäre Figuren. Der Schwank stellt hingegen das Wesen des Zaubermärchens, also die Selbstverständlichkeit des Vollzugs von Wundern, in Frage. Er besitzt eine stärkere Verbindung zur Wirklichkeit, enthält keine phantastischen Gestalten und behandelt hauptsächlich Themen wie Dummheit oder Faulheit. Meistens werden Beziehungen in ihrem Alltag zum Thema (z.B. Brautwerbungsschwänke oder Eheschwänke). Fehler, schlechte Eigenschaften beziehungsweise Laster der Menschen werden preisgegeben und zum Gegenstand der Belustigung gemacht. Jedoch wird sich eine vollkommen ausführliche Charakterdarstellung, wie es sie zum Beispiel in heutigen Romanen gibt, auch im Schwank nicht finden. Das Schwankmärchen stellt eine Übergangskategorie zwischen Schwank und Zaubermärchen dar. Die Märchenwunder werden durch (betrügerische) Kniffe des Helden ersetzt, dennoch werden die Figuren des Zaubermärchens, wie Riese oder Teufel, übernommen. Auch der Leser oder Hörer glaubt nicht an Wunder in solchen Märchen – ihm wird die Raffinesse und List des Helden dargestellt. Die Geschichten leben jedoch davon, dass der Bösewicht, den es zu besiegen gilt, an Wunder und magische Kräfte glaubt, um diesen naiv und dumm wirken zu lassen.

Innerhalb der Analyse soll immer auch hinsichtlich dieser drei soeben erläuterten Typen ein möglicher Unterschied in ihrer Darstellung von Glück und Unglück berücksichtigt werden. Weitere Merkmale der Märchentypen werden im Verlauf der Untersuchung angegeben.

Die Grund- oder Ausgangsfrage, auf der diese Arbeit aufbaut, lautet folgendermaßen: In welcher Relation und auf welche Weise wird Glück oder Unglück in den Kinder- und Hausmärchen ausgedrückt und vom Rezipienten wahrgenommen?

Auf der Basis dieser Kernfrage lassen sich sechs Thesen für diese Untersuchung formulieren, die es zu belegen oder widerlegen gilt:

These 1: Die Kinder- und Hausmärchen besitzen überwiegend gute Ausgänge und weisen bezüglich dieser eindeutig bevorzugte Themen auf.

These 2: Es existiert eine Symbiose und Wechselwirkung von Glück und Unglück: sie bedingen sich gegenseitig.

Nach einer kurzen Anmerkung zur Wahl der Ausgabe letzter Hand als Primärliteratur für diese Arbeit soll im dritten Kapitel ein Überblick gewonnen werden, wie und in welcher Form das Glück und die Lebensziele der Protagonisten dargestellt werden und welche Prioritäten sich hier erkennen lassen. Um diesbezüglich einen klaren Vergleich der Volksmärchen zu gewinnen, ist es sinnvoll, die Schlusspassagen der Geschichten intensiver zu betrachten und deren Hauptthemen in eine Gesamtstatistik zu fassen. So kann ein Vorkommen der verschiedenen, hauptsächlich glücklichen Ausgänge, genau ermittelt werden.

Um die Märchen nicht nur aufgrund ihrer unterschiedlichen „happy endings“, sondern auch in ihrem Handlungsverlauf vergleichen zu können, wird im vierten Kapitel eine Auswahl einiger Erzählungen getroffen. Innerhalb der konkreten Einzelanalysen sollen Erkenntnisse über mögliche Einflüsse, durch den Protagonisten selber oder auch von außen, auf glückliche oder unglückliche Wendungen innerhalb der Geschichte, gewonnen werden. Mit These Nummer Zwei befassen sich beide genannten Kapitel, sowie auch das im Folgenden noch erläuterte fünfte Kapitel .

These 3: Es gibt konkrete Motive und Symbole, die den Handlungsablauf, auch im Hinblick auf ein gutes oder schlechtes Ende, einer Geschichte beeinflussen oder bestimmen.

Im anschließenden Teil sollen also die aus der vorangehenden Analyse sichtbar gewordenen Motive, die möglicherweise Einfluss auf Glück oder Unglück in den Geschichten haben, näher betrachtet werden. Wann werden sie in den Volksmärchen eingesetzt? Inwieweit haben sie genau Einfluss auf eine Handlungswendung? Besitzen sie eine einheitliche Grundfunktion für die Märchen und welcher Stellenwert ist ihnen zuzuschreiben?

These 4: Die Grimmschen Volksmärchen leben von der Kontrastierung, vergleichbar mit der Antithetik in der Lyrik des Barock. In der Dialektik von Gut und Böse, Tugend und Laster oder auch Diesseits und Jenseits besteht die Spannung der Erzählungen. Durch diese Gegensätzlichkeiten werden eine Moral und Werte vermittelt, die zugleich eine Glücksphilosophie bilden.

Diese Aussage lässt sich anhand des vierten Kapitels und in besonderem Maße am fünften Kapitel, durch die Analyse von Motiven, bestätigen oder widerlegen.

These 5: Die Glücks- und Wertevermittlung stimmt mit den bürgerlichen Idealen der Entstehungszeit der Sammlung überein.

Ein wesentlicher Aspekt ist die Moral, welche einhergehend mit der sogenannten Glücksphilosophie eines Märchens vermittelt wird. Inwiefern lässt sich ein Bezug der Wertedarstellungen zu den historischen Umständen und grundsätzlichen Weltanschauungen der Epoche der Romantik finden? Spiegeln sich moralische Ideale der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in den Kinder- und Hausmärchen wider? Schließlich müssen diese Vorstellungen ihre Wurzeln in der Zeit der Veröffentlichung der Literatur haben. Das sechste Kapitel soll sich also dem nicht unwichtigen historischen Hintergrund widmen.

These 6: Die Glücks- und Wertevermittlung stimmt mit dem heutigen Verständnis von dem, was im Leben (un-)wichtig ist und (un-)glücklich macht, überein. Dies erklärt zugleich, warum der Bekanntheitsgrad der Märchen nach fast 200 Jahren immer noch erhalten geblieben ist.

Ferner sollen die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, im Gegenzug zum vorangehenden Teil, auf ihre Aktualität hin geprüft werden. Inwieweit sind ihre Wertevermittlungen noch Bestandteil der Moderne und finden sich auch in modernen Märchen und Medien wieder?

In der Schlussbetrachtung kann letztendlich ein Resümee gezogen und eine allgemeine Beantwortung aller in den Kapiteln behandelten Kernfragen geboten werden. Es wird sich zeigen, ob die oben aufgeführten Thesen bestehen bleiben können, korrigiert werden müssen oder sich gerade ihre Antithesen als richtig erweisen.

Es gibt wenig wissenschaftliche Literatur, die sich konkret mit der Analyse von Glück oder Unglück in der Grimmschen Märchensammlung befasst. Als Ausnahme erwähnenswert bleibt hier „Märchen-Glück. Glücksentwürfe im Märchen“, herausgegeben von Swantje Ehlers. Diese Publikation von Universitätsvorträgen befasst sich jedoch mit dem Volksmärchen allgemein und enthält Beiträge aus den verschiedensten Disziplinen. Neben der Literaturwissenschaft existieren also auch theologische, psychologische und kunstgeschichtliche Aufsätze, so dass auch hier nur einige ausgewählte, wie der Beitrag von Heinz Rölleke, von Interesse sind. Neben der Ausgabe letzter Hand der Kinder- und Hausmärchen, besteht der literarische Korpus weiterhin aus Werken, von denen die Volksmärchen offensichtlich überliefert sind. Die Sekundärliteratur beinhaltet hauptsächlich Veröffentlichungen zur allgemeinen Märchenkunde, zur Analyse von Motiven bei Grimm, zur Entstehungszeit der Sammlung und schließlich zur Moderne.

2. Zur Ausgabe letzter Hand als Gegenstand der Analyse

Zur Betrachtung der Kinder- und Hausmärchen wird im Rahmen dieser Untersuchung grundsätzlich die Ausgabe letzter Hand von 1857 gewählt, da sie eben die endgültige Version der Märchensammlung darstellt und gleichzeitig die umfangsreichste aller Ausgaben ist. Insgesamt existieren sieben Großausgaben: die Erstveröffentlichung von 900 Exemplaren mit 86 Texten war Weihnachten 1812 beim Verleger Georg Andreas Reimer in Berlin. Es folgten ein zweiter Band 1815, die Zweitauflage 1819, die bereits fast ausschließlich von Wilhelm Grimm bearbeitet wurde, und bis 1857 noch fünf weitere Auflagen, so dass mit der siebten Auflage die letzte Großausgabe veröffentlicht wurde. 1825 wurde zudem eine Kleinausgabe mit einer Auswahl beliebter Märchen publiziert. Aufgrund der kindgerechten Gestaltung war die Nachfrage so groß, dass es in der kleinen Edition noch zehn weitere Veröffentlichungen gab.[5]

Die Märchen aus dem Anhang werden von der Untersuchung ausgeschlossen, da sie eindeutig nicht zur eigentlichen Sammlung von 1857 gehören. Sie stellen Erzählungen dar, die Bestandteil der Urfassung und Erstveröffentlichung waren, schließlich jedoch aus individuellen Gründen von den Brüdern Grimm für die Ausgabe letzter Hand eliminiert wurden. Die zehn Kinderlegenden unterscheiden sich zumindest inhaltlich deutlich von den eigentlichen Kinder- und Hausmärchen, so dass sie – trotz ihrer zweifellosen Zugehörigkeit zur siebten und letzten Auflage – einer gesonderten Betrachtung bedürfen und nicht Thema dieser Arbeit sein sollen.

Der Zweitauflage der großen Ausgabe von 1819 wurde erstmals die bekannte Vorrede der Brüder Grimm beigefügt, mit welcher Wilhelm und Jakob Grimm den Lesern die Intention ihrer Märchenveröffentlichung preisgeben und erläutern konnten. Diese Vorrede erschien weiterhin unverändert in jeder Großausgabe bis einschließlich 1857. Was ihrer Aussage nach primäres Ziel der Kinder- und Hausmärchen ist, wird ebenfalls in den nachfolgenden Kapiteln berücksichtigt.

Die Tatsache, dass diese Erzählungen von ihren Sammlern unzählige Male bearbeitet wurden, bewirkt eine – in jedem Fall ungewollte – Annäherung der Kinder- und Hausmärchen an die Kunstmärchen ihrer Zeit.

3. Vermittlung der Lebensziele in den Kinder- und Hausmärchen

3.1. Zum Ausgang der 200 Volksmärchen

Bekannt und beliebt sind die Märchen der Brüder Grimm gerade auch aufgrund ihrer Schlusspassagen, die zumeist eine heile Welt und zufriedene Helden oder Heldinnen darstellen. Zu den wohl bekanntesten Märchen gehören überwiegend Erzählungen wie „Sneewittchen“, „Dornröschen“ oder „Aschenputtel“, die als Liebesmärchen meist mit einer Hochzeit ausgehen. Ein typischer Satz für den Abschluss eines solchen Märchens lautet: „Und da ward Hochzeit gehalten, und sie lebten vergnügt miteinander bis an ihren Tod.“[6] Doch gibt es auch Märchen wie „Rotkäppchen“, „Hans im Glück“, „Die Sterntaler“ oder „Rumpelstilzchen“, deren „happy endings“ für den Protagonisten oder die Protagonistin auf verschiedenste andere Arten und Weisen vollzogen werden, die es zu beschreiben und zu vergleichen gilt.

Worin bestehen also die glücklichen Ausgänge der Märchen primär? Finden sich auch unglückliche Ausgänge, und wenn ja, in welcher Häufigkeit? Hinter diesen Fragen steht ganz klar auch die Frage nach der Philosophie und Ethik, die diese Geschichten vermitteln: Welche Werte werden hoch angesehen und welche weniger bis gar nicht?

Für den Vergleich der Märchenausgänge habe ich mich für die ersten 100 Märchen entschieden, da eine Statistik über alle 200 Märchen wohl unübersichtlich wäre. Zudem ist eine Gegenüberstellung der ersten 100 Märchen zur Ermittlung einer inhaltlichen Tendenz der Schlusspassagen vollkommen ausreichend. Da die Geschichten innerhalb der Sammlung nicht nach Typen oder Kategorien geordnet sind, wurde für die Untersuchung mit den ersten 100 Märchen zweifellos auch eine völlig willkürliche Auswahl getroffen.

Zu Beginn der Lesephase stellten sich klare Kategorien heraus, in denen das erlangte Ziel und Glück des Protagonisten oder der Protagonistin sich darstellte: „Erlösung/Rettung“, „Hochzeit“, „Liebe“, „Ehre/Ruhm/Ansehen“, „Reichtum“, „Harmonie/Familienidylle/ Heimkehr“, „Gesundheit“ oder „Lust/Genuss“. Erlösung und Rettung sind im Sinne von Erlösung aus einer Verwandlung oder Rettung aus Gefahr beziehungsweise Gefangenschaft zu verstehen. Diese Ergänzung ist wichtig, da natürlich auch die Hochzeit für eine Märchenfigur Erlösung oder Befreiung darstellen kann. Dies ist hier jedoch nicht gemeint und rechtfertigt somit auch die gesonderte Aufführung der Kategorie „Hochzeit“.

Häufig fanden sich mehrere Themen am Ende eines Märchens wieder. Zudem wiesen etliche Erzählungen außergewöhnliche Ausgänge auf, die keiner dieser Kategorien zuzuordnen waren und für sich völlig einzigartig blieben, so dass die statistische Erhebung mit der Kategorie „Sonstiges“ ergänzt werden musste, um solche Fälle zu kennzeichnen. Weiterhin zeigte sich, dass durchaus auch negative Märchenausgänge bei den Brüdern Grimm existieren, so dass als letzte Kategorie noch der allgemein gehaltene Begriff „Unglück“ hinzugefügt wurde. Eine genauere Differenzierung des Unglücks wurde hier bewusst außen vor gelassen, da an dieser Stelle erst einmal das wohl häufiger vorkommende Märchen-Glück – und eben nicht Unglück – analysiert werden soll.

Nicht selten erreicht der Held oder die Heldin schon im Verlauf der Erzählung ein Teilziel. Diese Teilziele wurden innerhalb der Statistik klar von den Endzielen abgegrenzt. Es existiert also das primäre und endgültige Ziel, welches am Ende der Geschichte erreicht wird, und weiterhin ein sekundäres Ziel beziehungsweise Teilziel, welches nicht den eigentlichen Ausgang des Märchens gestaltet. Häufig wird ein solches Teilziel schon zu Beginn oder in der Mitte des Handlungsverlaufes erreicht und hat somit für den Ausgang eine noch geringere Bedeutung. Dennoch sind diese Teilziele erwähnenswert, da sie in jedem Fall zum vollkommenen Glück des Helden oder der Heldin – in manchen Fällen sind es auch mehrere Protagonisten – beitragen. Ein Exempel eines solchen Teilzieles ist im „Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ (KHM 4) vorzufinden:

„Da sprach der König: »Du hast das Schloß erlöst und sollst meine Tochter heiraten.« »Das ist all recht gut«, antwortete er, »aber ich weiß noch immer nicht, was Gruseln ist.« Da ward das Gold heraufgebracht und die Hochzeit gefeiert, aber der junge König, so lieb er seine Gemahlin hatte und so vergnügt er war, sagte doch immer: »Wenn mir nur gruselte, wenn mir nur gruselte.«“[7]

Zwar freut sich der Junge über das Erreichen dieses Ziels, dennoch ist die Hochzeit mit der Königstochter nicht sein eigentliches Endziel und somit nur ein zweitrangiges Glück. Sein tatsächliches Glück liegt in der Erfüllung eines ziemlich speziellen Bedürfnisses: er will ein besonderes und ihm noch unbekanntes Gefühl verspüren, nämlich das Gefühl der Angst. Erst mit dem Erleben dieser Emotion – ironischerweise einfach ausgelöst durch ein paar kleine glitschige Fische – ist er vollkommen glücklich. Ein ungewöhnlicher Märchenausgang, auf den im anschließenden Kapitel noch einmal näher eingegangen werden soll.

3.2. Diskussion des Ergebnisses

In Tabelle 1 und Grafik 1 stellen sich im Folgenden die Ergebnisse der Analyse der ersten 100 Märchenausgänge in den Kinder- und Hausmärchen dar. Die Kategorie „Unglück“ wurde bewusst von den anderen detaillierten Glückskategorien abgegrenzt, um zu visualisieren, dass die letzte Kategorie den anderen nicht zugehörig ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Grafik 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Tabelle 1)

Es zeigt sich, dass die Kinder- und Hausmärchen mit unglücklichen Ausgängen zugleich die weniger bekannten Märchen sind. An Beliebtheit gewinnen die Erzählungen gerade auch aufgrund ihrer guten Ausgänge. Dennoch ist der unglückliche Ausgang im Grimmschen Märchen weniger selten, als zunächst vermutet. Immerhin besitzen nach dieser Analyse etwa 22 Prozent ein unglückliches Ende.

Mit einer Häufigkeit von 33 Prozent ist die Erlösung (z.B. aus einer Verwandlung) oder Rettung (z.B. aus Gefangenschaft) – sei es eine Selbstrettung des Protagonisten oder durch Hilfe von Außen – das wohl häufigste Glücksthema, mit dem ein Märchen abgeschlossen wird. Doch oft steht eine solche Erlösung zugleich in Verbindung mit Liebe und einer nachfolgenden Hochzeit. Nicht selten wird am Ende des Märchens das Bild der glücklichen Familie oder eines harmonisches Miteinanders dargestellt, sei es durch das Finden eines Zuhauses, wie im Falle der „Bremer Stadtmusikanten“ (KHM 27) oder durch die bibelgleiche Rückkehr eines verlorenen Sohnes, wie in „Daumesdick“ (KHM 37). Gesundheit stellt hingegen offensichtlich niemals ein Endziel dar und Lust und Genuss wird lediglich in der Erzählung des „Lumpengesindels“ (KHM 10) thematisiert. Die Existenz der Kategorie „Gesundheit“ erklärt sich darin, dass diese während des Leseprozesses durchaus als Teilziel aufzufinden war und somit zur Glückskategorie wurde. Ferner scheint kaum ein Fall zu bestehen, in dem sich nicht erkennen lässt, ob die Geschichte eher einen guten oder schlechten Ausgang besitzt.

Die Bestrafung der Antagonisten am Ende der Geschichte wurde in der Statistik nicht mit einer Markierung unter der Kategorie „Unglück“ gekennzeichnet, wenn sie nicht a priori als Hauptfigur erkennbar waren. So wurde auch die Bestrafung der Königin und Stiefmutter Sneewittchens (KHM 53) nicht als „Unglück“ markiert, denn für die Statistik wurde in diesen Fällen immer von der Lage des Protagonisten ausgegangen. Erfährt mehreren Protagonisten ein unterschiedliches Ende, wie im Falle von „Strohhalm, Kohle und Bohne“ (KHM 18), wurde dies berücksichtigt. In dieser Geschichte erfährt dem Strohhalm und der Kohle Unglück in Form des Todes, die Bohne aber wird gerettet und überlebt. Es wurde somit zum einen die Kategorie „Unglück“ und zum anderen die Kategorie „Erlösung / Rettung“ gekennzeichnet.

Es gibt zudem auch sogenannte „Anti-Märchen“ mit Protagonisten, die nicht die Sympathie des Hörers oder Lesers erwecken (sollen) und für deren Taten ein unglücklicher Ausgang bereits erwartet wird. Ein Exempel hierfür ist das kleine Mädchen in der Erzählung „Frau Trude“ (KHM 43), welches von vorneherein als ungehorsam und dickköpfig dargestellt wird – Eigenschaften, die ihm am Ende das Leben kosten. In diesem Fall ist der unglückliche Ausgang für den Rezipienten des Märchens ein guter Ausgang, da er gerecht und (moralisch) richtig erscheint. Dennoch wird er als unglücklicher Ausgang in der Statistik markiert. Hier handelt es sich nach funktionaler Kategorisierung meist um sogenannte Warn- oder Schreckmärchen.

Im Märchen „Der Arme und der Reiche“ (KHM 87) gibt es Protagonist und Antagonist mit einem jeweils anderen Schicksal. Hier ist jedoch das Unglück des Antagonisten das entscheidende Thema, da es den Abschluss des Märchens bildet. Das Glück der goldenen Jungfrau in „Frau Holle“ (KHM 24) und das Glück des Armen in „Der Arme und der Reiche“ dient lediglich einer Kontrastierung, um das jeweilige Unglück der Faulen und des Reichen stärker zu betonen.

Unter der Kategorie „Sonstiges“ finden sich Märchen mit ungewöhnlichem guten Ausgang, wie beispielsweise das „Märchen von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ (KHM 4): Der Protagonist hat keine Angst vor den grausamsten Kreaturen. Mit der Heirat wird der Junge jedoch erwachsen und fürchtet sich schließlich vor einem Eimer mit Fischen. Für den Helden erfüllt sich im Erleben dieses Angstgefühls ein unendlich großer Wunsch – hierin besteht letztlich sein Glück. Dass ein Angstgefühl in einem Menschen Freude auslöst, erscheint für uns als ein Paradoxon. Die Situation, die in diesem Märchen dargestellt wird, ist auf die Wirklichkeit transferierbar: die Todesangst des Erwachsenen ist größer als die des Kindes, denn ein Kind ist es gewohnt, Neues und Fremdes kennen zu lernen. Der Erwachsene meint, die Welt zu kennen und fürchtet somit alles, was von der (oder seiner) Norm abweicht, stärker als ein Kind. So ist der Gewinn des Jungen im Märchen doch eigentlich der Verlust einer Begabung: Mut und Furchtlosigkeit zu zeigen. In diesem Sinne ist die Erzählung zu vergleichen mit der von „Hans im Glück“ (KHM 83), für welche ebenfalls diskussionswürdig ist, ob das subjektive Glück des Helden wirklich als Glück zu verstehen ist.[8]

In Tabelle 2 zeigt sich nun noch das Ergebnis der kategorischen Verteilung der Teilziele in den ersten 100 Märchen der Sammlung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Tabelle 2)

Aufgrund der kaum voneinander abweichenden Ergebnisse ist eine zusätzliche grafische Visualisierung für die Teilziele und ihre Kategorien überflüssig und wenig sinnvoll.

Besonders die Hochzeit stellt häufig auch ein Teilziel dar. Weiterhin lassen sich keine klaren Tendenzen mehr erkennen. Immerhin zeigt sich, dass es in sieben Prozent der Märchen Teilziele gibt, die bereits im Handlungsverlauf erreicht werden. In „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ (KHM 29) und „Der Arme und der Reiche“ (KHM 87) lassen sich sogar jeweils zwei Teilziele ermitteln, so dass man in der Summierung der Anzahl in obiger Tabelle auf die Zahl Neun kommt. In „Der Arme und der Reiche“ findet sich das einmalige Vorkommen der Kategorie „Gesundheit“ zusammen mit der Kategorie „Sonstiges“, welche hier im Wohlergehen besteht: die Familie des Armen bekommt ein neues Haus und hat stets Essen auf dem Tisch. In „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ fanden sich die Kategorien „Hochzeit“ und „Liebe“ als Teilziel des Helden.

Eine detaillierte Übersicht mit den Ergebnissen der Vorkommen von Teil- und Endzielen für die einzelnen Märchen befindet sich im Anhang.

3.3. Zu den Märchen mit unglücklichen Ausgängen

Thomas Eicher ist der Ansicht, dass Märchen grundsätzlich immer ein positives Ende finden:

„Märchen gehen immer gut aus. Auf den einfachsten Nenner gebracht, verläuft der Gang der Märchenhandlung – mehr oder weniger linear – vom Mangel zur Liquidierung des Mangels, von der Schädigung zu ihrer Beseitigung.“[9]

Weiterhin führt Eicher einen Hinweis auf Propp und seine „Morphologie des Märchens“[10] an, in der die Handlungsstruktur im Märchen weiter differenziert wird. Wie bisher festgestellt, ist die oben genannte Aussage falsch und es existieren durchaus auch unglückliche Ausgänge. Bezieht Eicher sich hier nur auf die Zaubermärchen, so gilt es noch zu prüfen, ob seine Aussage zumindest für alle Grimmschen Zaubermärchen stimmt. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den Märchen mit schlechten Ausgängen eher um die unbekannteren Geschichten der Sammlung. Es lässt sich also leicht annehmen, dass die wirklich gattungstypischen Märchen die mit einem glücklichen Ende sind:

„Der gute Ausgang ist für das eigentliche Märchen jedenfalls so formbestimmend, daß gefragt werden muß, ob es den Begriff des ‚tragischen Märchens’ überhaupt geben kann. Ist ein ‚Märchen mit schlechtem Ausgang’ nicht ein Widerspruch in sich selbst?“[11]

Auf den ersten Blick scheint dies durchaus ein Widerspruch zu sein, dennoch besitzt auch für die Erzählungen mit unglücklichen Ausgängen die Bezeichnung „Märchen“ ihre Gültigkeit, allein, weil sie durch die Brüdern Grimm zum Bestandteil der Kinder- und Hausmärchen wurden.

„Wenn Märchen schlecht ausgehen, handelt es sich vielfach um zersagte und verstümmelte Trümmerformen, und der Vergleich mit anderen Varianten beweist dann, daß der Typus der Erzählung in der Regel einen guten Ausgang kennt.“[12]

Es gilt also, bezüglich der Herkunft des Märchens zu forschen und nach älteren und alternativen Fassungen zu suchen. Diese besitzen laut Röhrich häufig noch einen guten Ausgang, wo bei den Grimms ein unglückliches Ende geschildert wird. Doch ist dies nicht eher umgekehrt der Fall? Die Brüder Grimm bemühten sich schließlich, ihre Sammlung mit jeder neuen Ausgabe kindgerechter zu gestalten und die Geschichten somit eher in Hinblick auf einen guten Ausgang zu bearbeiten. Die Beibehaltung eines negativen Schlusses diente wohl nur der unverfälschten und natürlichen Wiedergabe sowie der Erhaltung einer pädagogischen Intention des Märchens:

„Das ist der Grund, warum wir durch unsere Sammlung nicht bloß der Geschichte der Poesie und Mythologie einen Dienst erweisen wollten, sondern es zugleich Absicht war, daß die Poesie selbst, die darin lebendig ist, wirke und erfreue, wen sie erfreuen kann, also auch, daß es als ein Erziehungsbuch diene.“[13]

Das Eigentümliche des Märchens sollte bewahrt werden. Dass ein Märchen aufgrund eines unglücklichen Endes an Beliebtheit verlieren konnte, berechtigte nach Ansicht der Brüder Grimm kaum zu einer Abänderung dessen. Denn in erster Linie ging es ihnen um den Erhalt dieser überlieferten Volksgeschichten und die Bewahrung ihrer Eigentümlichkeit, so dass auch die mundartlichen Erzählungen nicht übersetzt wurden.

Nach Lutz Röhrich lassen sich die Märchentypen mit schlechtem Ausgang in folgende Kategorien unterteilen: Die erste Kategorie bilden die bereits erwähnten Warn- und Schreckmärchen, in denen ein Anti-Held beschrieben wird, dem schließlich Unglück widerfährt. Somit wird das Gerechtigkeitsbedürfnis des Lesers oder Hörers befriedigt. Die zweite Kategorie stellen die Kettenmärchen dar, erkennbar an zahlreichen Wiederholungen. Auch diese haben meistens ein negatives Ende, wie zum Beispiel die Erzählungen „Vom Tode des Hühnchens (KHM 80) und „Läuschen und Flöhchen“ (KHM 30). In Kettenmärchen gibt es meistens nur wenige Anzeichen für ein schlechtes Ende und selbiges tritt dann sehr plötzlich und für den Rezipienten unerwartet ein. Die dritte Kategorie sind die ätiologischen Märchen (griech. aition = Ursache):

„Diese Art Erzählung lebt von dem Grundgedanken einer einst paradiesisch geordneten Welt und eines ideal-erfreulichen Naturzustandes. Durch irgendeine Tat wurde diese Ordnung verletzt und seither – so folgert die Erzählung – ist die Welt, wie sie nun eben ist, d.h. eine heutige Dauererscheinung in der Natur wird aus einem früheren einmaligen Ereignis einen negativen Akzent aufweisen: Wir finden Erklärungen, warum der Scholle das Maul schiefsteht (KHM 172), warum das Maul des Hasen gespalten ist [...] – alles negative Abweichungen von einer einst vollkommeneren Welt.“[14]

Solche ätiologischen Märchen lassen sich in den Kinder- und Hausmärchen eher selten finden. Erkennbar ist, dass es sich bei diesen drei Kategorien nicht um klassische Zaubermärchen handelt. Das Zaubermärchen wird allgemein als bekanntestes und eigentliches Märchen bezeichnet. In ihm kommen phantastische und imaginäre Gestalten vor und es existiert das Motiv des Wunders, welches von allen Märchenhelden gleichermaßen als selbstverständlich angesehen wird. In der Tat scheint das Zaubermärchen grundsätzlich glückliche Ausgänge zu besitzen. Auch Röhrich kommt zu diesem Ergebnis:

„Das Zaubermärchen ist eine Erzählung der Glückserfüllung. Für den Helden Negatives wird in dieser Gattung zwar allenfalls in den sogenannten ‚Motiven vom kleinen Verlust’ geduldet, die aber nur geringfügige Abstriche am bleibenden Gesamtglück des Helden machen. Der gute Ausgang gehört zu der eigentümlichen Schwerelosigkeit des Wundermärchens; er ist ein bestimmendes und wesentliches Kennzeichen dieser Gattung. Erzählungen mit schlechtem Ausgang sind darum geeignet, gewisse Gruppierungen und Unterarten innerhalb der Gattung Märchen zu klären.“[15]

Es gilt also zu überprüfen, ob wirklich kein einziges Zaubermärchen mit schlechtem Ausgang existiert. Ein Blick auf die Ausgänge aller Zaubermärchen der Sammlung der Brüder Grimm bestätigt die Annahme, dass ein schlechtes Ende hier nur Bestandteil der Schwänke und Schwankmärchen ist.

Auch der Korpus der Märchen mit unglücklichen Ausgängen enthält paradoxe Erzählungen, wie zum Beispiel „Herr Korbes“ (KHM 41), der unerwarteter Weise und ohne Nennung eines Motivs seiner „Gäste“ am Ende der Geschichte den tragischen Tod findet:

„Geht man nämlich davon aus, dass Herr Korbes grundlos sein Leben lassen muss und dass somit überhaupt kein Motiv die Tat begründet, wird die Geschichte völlig paradox. Dass gerade die beiden Initianten des Besuchs – das Hühnchen und das Hähnchen – am weiteren Verlauf des Märchens unbeteiligt sind – sie waschen ihre Flügel geradezu in Unschuld –, bildet den Höhepunkt des Geschehens. Den einzigen Zugang für eine mögliche Deutung bilden dann nur noch die Handlungen des Herrn Korbes, der durch seine vielleicht etwas unüberlegten Affekte gleichsam selbstverschuldet unter den Mühlstein gerät [...].“[16]

Der Leser oder Hörer fragt sich jedoch, ob sein Zorn nicht berechtigt und völlig menschlich ist. Nur durch eine stoische Ruhe hätte ihm sein Schicksal wohl erspart bleiben können. Lediglich absolute Passivität hatte hier das Unglück verhindert. Eine zusätzliche Frage, welche die Erzählung ad absurdum führt, wäre: Wie gelang der Mühlstein auf die Tür? Rein physikalisch wäre ihm das ohne Hilfe nicht möglich. Doch auch dies ist Bestandteil paradoxer Märchen, die laut Spring eine gezielte Wirkung auf uns haben:

„Sie [= die paradoxen Märchen] halten uns einen Spiegel vor und machen uns damit auf viele Unzulänglichkeiten aufmerksam, unter denen wir leiden.“[17]

Wie es Heindrichs bemerkt, versuchten die Brüder Grimm seit der vierten Auflage ihrer Sammlung, das schlechte Ende für Herrn Korbes durch die Anfügung des letzten Satzes zu rechtfertigen:[18]

„Der Herr Korbes muß ein recht böser Mann gewesen sein.“[19]

Da beim Rezipienten das Verständnis dafür fehlt, dass es möglicherweise doch ein Eigenverschulden des Mannes war, versuchten die Brüder Grimm auf diese Weise das grausame Ende etwas abzumildern.

Max Lüthi bezeichnet Märchen, die auf ein schlechtes Ende für den Protagonisten hinauslaufen, nicht als Norm, indem er in ihrem Fall von Vorformen und Splitterformen spricht:

„Das Märchen enthält in sich das Antimärchen [...]. Neben dem Helden stehen die Unhelden, die Versager, und der Held selber kann an einzelnen Punkten seiner Bahn unangemessen handeln. Ja, es gibt Vorformen und Splitterformen des Märchens, die das Versagen oder den Untergang gerade der Hauptfigur zeigen.“[20]

Er führt somit Märchen, die von einem Antihelden handeln, als eine Sonderform auf. Dies ist durchaus denkbar, solange man diese Formen weiterhin selbst als Märchen betrachtet. Der Begriff „Splitterform“ ist für eine kategorische Trennung weniger gewagt als der Begriff „Vorform“, da erster deutlicher die Zugehörigkeit zur Gattung des Märchens impliziert. Denn auch diese Geschichten sind nun einmal Bestandteil der Grimmschen „Kinder- und Hausmärchen“ und somit trotz eines unglücklichen Ausgangs – meistens durch den Tod des Antihelden – als vollwertige Märchen zu verstehen.

Unglück, auch in Form des Todeseintritts, vollzieht sich in Erzählungen mit Antihelden immer durch Selbstverschulden. Stets wird das Gefühl der Gerechtigkeit beim Hörer oder Leser aufrecht erhalten. Um eine Lehre über Richtig und Falsch vermitteln zu können, muss es auch unglückliche Märchenenden geben. Die Märchen vermitteln höchstwahrscheinlich Gesetze und Ideale ihrer Zeit, die wir im sechsten Kapitel noch genauer ermitteln wollen.

Ob glücklicher oder unglücklicher Ausgang – dass den Protagonisten im Volksmärchen immer in etwa das widerfährt, was wir als Rezipienten erwarten, erklärt zugleich die Beliebtheit der Geschichten, die Lüthi auch als Seinsollensdichtung beschreibt:

„Seinsollensdichtung ist das Märchen nicht in dem Sinne, daß es uns eine bloß mögliche Welt hinstellt, die im Gegensatz zur wirklichen Welt so ist, wie sie sein soll, und an der die wirkliche Welt gemessen wird. Das Märchen zeigt uns nicht eine Welt, die in Ordnung ist, es zeigt uns die Welt, die in Ordnung ist. Es zeigt uns, daß die Welt so ist, wie sie sein soll. Das Märchen ist Seinsdichtung und Seinsollensdichtung in einem.“[21]

Das Märchen zeigt uns unsere Wunschwelt, denn in der wirklichen Welt geht es oft nur wenig fair zu. Es befriedigt unser Verlangen nach Gerechtigkeit und lässt uns zugleich für einen Moment den wahren Alltag vergessen.

4. Auswahl konkreter Märchen zur Analyse

Da das Märchen-Glück der größere und somit wesentlichere Bestandteil der Erzählungen ist, soll in diesem Kapitel der Aspekt des Unglücks unbeachtet bleiben. Im Anschluss an die erstellte Statistik der Märchenausgänge werden nun einige ausgewählte Märchen der Grimmschen Sammlung mit unterschiedlichen glücklichen Enden im Hinblick auf die Charaktere und den Handlungsverlauf genauer analysiert und verglichen. Ziel ist es, durch einen solchen Vergleich verschiedene Motive, die das Glück des Helden negativ oder positiv beeinflussen, zu ermitteln.

4.1. Aschenputtel (KHM 21)

Aufgrund des klassischen Märchenausgangs, der Heirat mit dem Königssohn, soll das beliebte Zaubermärchen „Aschenputtel“ an erster Stelle näher betrachtet werden. Der Ursprung dieses Märchens ist nicht genau bekannt und scheint innerhalb Europas einige Jahrhunderte weiter zurückzuliegen. Die älteste bekannte Version des „Aschenputtel“ stammt von dem Neapolitaner Giambattista Basile (1575-1632), der mit der Veröffentlichung des „Pentamerone“, einer Märchensammlung, zum Begründer des Kunstmärchens wurde. Die Geschichten sind allesamt durch eine Rahmenhandlung miteinander verbunden und werden von fünf Frauen an fünf Tagen erzählt. Die Erzählung des „Aschenputtel“ heißt in Basiles Sammlung „Die Aschenkatze“. Dieser ältesten Version folgten zwei weitere, nämlich die des Franzosen Charles Perrault (1628-1703), die im Original „Cendrillon“ oder „La petite pantoufle de verre“ heißt (also: „Aschenputtel“ oder „Das gläserne Pantöffelchen“), und schließlich die Version der Brüder Grimm (Jakob: 1785-1863, Wilhelm: 1786-1859).

Neben drei Erzählungen aus Hessen waren auch die oben genannten Fassungen Vorlage für die „Aschenputtel“-Fassung der Brüder Grimm. Des Weiteren haben sie wohl auf die Geschichten „Laskopal und Milivka“ (aus: Sagen aus böhmischer Vorzeit, 1808) und „Finette Cendron / Cendrillon“ (1679) von Madame d’Aulnoy zurückgriffen.

Zur Entstehung und Herkunft des Namens ‚Aschenputtel’, der zugleich Titel des Märchens bei Grimm ist, finden sich folgende Informationen:

„Etymologisch leitet sich die Bezeichnung ‚Aschenputtel’ mutmaßlich von ahd. asca (8. Jh.), mhd. asche ‚Staub; Asche’ (gr. αζαινω, αζανω, αζω – ‚austrocknen; dörren’) und brodeln bzw. buddeln, putteln – ‚graben, im Sand wühlen’ in der mundartlichen Bedeutung ‚wühlen, stauben’ ab. Den Textbelegen nach wurde der Begriff ursprünglich neutral gebraucht: Im Mittelhochdeutschen findet sich zwar der ‚Küchenjunge’ – aschenbrodele (masculinum). Später ist das aschenbrödel, mundartlich auch aschenputtel, jedoch geschlechtsübergreifend für jene Art von Person bezeugt, die niedrige (Küchen)arbeit tut und nicht beachtet wird. [...] Die Bezeichnung wurde Recherchen der Grimms zufolge ehemals sogar stärker auf männliche Protagonisten angewandt.“[22]

Der Name Aschenputtel bezog sich oftmals auch auf Männer. Das Bild eines männlichen Aschenputtels findet sich zum Beispiel in der Geschichte des „Eisenhans“ von den Brüdern Grimm.[23] Es existiert zudem die sehr ähnliche Bezeichnung „Aschenbrödel“, die Ludwig Bechstein seinem Märchen gibt, das erstmals 1845 in seinem „Deutschen Märchenbuch“ erscheint. Bei Perrault wird auch der Begriff „Aschensteert“ als eine Steigerung von „Aschenputtel“ genannt.[24]

4.1.1. Die Charaktere und ihre Bedeutung für den Verlauf der Geschichte

Es heißt im ersten Satz bei Grimm: „Einem reichen Manne, dem wurde seine Frau krank [...].“[25] Dieser Reichtum bezieht sich auf Äußerlichkeiten und Güter, nicht jedoch auf Gefühl und Empfindsamkeit. Mit dem Frühling und seiner erneuten Heirat haben sich offensichtlich die Wertvorstellungen des Mannes stark gewandelt: Er strebt Ansehen, Geltung und Ehre an.

Die Folgen der Wahl seiner neuen Frau für seine einzige leibliche Tochter kennen wir: das Leben des Mädchens wird immens erschwert. Und so kann man wohl sagen, dass dieses Märchen auch die Gefahr, Vergangenes zu vergessen oder zu verdrängen, aufzeigt. Natürlich wird hier zugleich eine Auseinandersetzung mit Werten geboten. Die Philosophie des Märchens besagt, dass äußere Werte weniger bedeutsam, wenn nicht sogar verachtenswert sind. Menschlichkeit, Gefühl und Empfindsamkeit – innere Werte – sind hingegen wahrhaft wertvoll. All dies spiegelt sich auch in den Charakteren wider: Die böse Stiefmutter und ihre Töchter symbolisieren Macht und Reichtum, das Aschenputtel hingegen ist arm und hilflos, doch hat es durch und durch ein gutes Herz.

Die Herkunft des Motivs der Bosheit der Stiefmutter sowie der Stiefschwestern gegenüber der (meist jüngsten) Tochter ist nicht geklärt. Es zeigt in jedem Fall den direkten Kontrast zum sogenannten „Nesthäkchen“-Klischee auf, nach dem die jüngste leibliche Tochter von den Eltern (bewusst oder unbewusst) gegenüber ihren älteren Geschwistern bevorzugt werden soll. Eine wichtige Frage, gerade in Zeiten der weiblichen Emanzipation, lautet wohl: Warum lässt Aschenputtel sich derartig von ihrer Stiefmutter und den Stiefschwestern behandeln? Warum lehnt sie sich nicht auf und weigert sich, die Dienstmagd zu spielen? Der Grund liegt wohl zum einen in der Tatsache, dass sie noch sehr jung und naiv zu sein scheint und sich – bezüglich der Grimmschen Fassung – stets an die letzten Worte ihrer Mutter erinnert:

„Liebes Kind, bleibe fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen und ich will vom Himmel auf dich herabblicken, und will um dich sein.“[26]

In dieser Aussage zeigt sich deutlich der Biedermeier-Stil, der im Märchen der Grimms enthalten ist: Sittsamkeit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung und sich dem eigenen Schicksal fügen sind Ideale und Merkmale dieser literarischen Epoche, die in etwa zwischen Romantik und Realismus angesiedelt ist. Aschenputtel handelt nach dem Willen der Mutter und bleibt fromm und gut, indem sie Gehorsam zeigt. Hildegunde Wöller liefert folgende Erklärung für dieses im Märchen selbst positiv bewertete Verhalten:

„Geduld, Leidensfähigkeit, Tragfähigkeit sind Eigenschaften des Weiblichen. Da sie jahrhundertelang [sic!] missbraucht und ausgebeutet wurden, ist es für viele Frauen heute schwer, sich zu diesen Tugenden überhaupt noch zu bekennen. Emanzipation ist das neue Ziel der Frau geworden und oft genug führt sie zur Übernahme männlicher Verhaltensmuster. [...] Sollen aber die wirklichen weiblichen Eigenschaften entwickelt und nicht nur männliche nachgeahmt werden, gelingt dies wohl nur, wenn jede Frau das Weibliche vollständig entwickelt und es schließlich ganz einbringt in ihre Lebensgestaltung. Wie eine solche Entwicklung des Weiblichen vor sich gehen kann, dafür ist Aschenputtels Weg ein Beispiel. Bei ihr jedenfalls beginnt er nicht mit dem Aufbegehren, sondern mit dem Dulden.“[27]

Diese Ansicht zur Inaktivität weiblicher Figuren in den Märchen Grimms vertritt nicht jeder, dennoch kann sie wohl zumindest für Aschenputtel soweit nicht widerlegt werden. Die Figur wird durchaus, allein aufgrund ihrer Gehorsamkeit und Geduld, die man zur heutigen Zeit als sehr naiv empfindet und als Mangel von Selbstbewusstsein auslegen würde, passiv dargestellt. Dies lässt sich formal auch an einem sehr geringfügigen Anteil an direkter Rede Aschenputtels aufweisen. Nur, wenn es zur Hervorhebung notwendig ist, weil Aschenputtel sich etwas wünscht (wie das Reis vom Vater oder die Hilfe der Tauben beim Linsen lesen) oder sich ein Zauber vollziehen soll (wie am Haselnussbaum), existiert eine wörtliche Rede in der Erzählung. Nicht zuletzt zeigt dies wohl auch eine zusätzliche weibliche Tugend im 19. Jahrhundert auf: das Schweigen, auch als Bestandteil von Gehorsamkeit und Sittlichkeit.

Die Abfolge der Fassungen Basiles, Perraults und der Grimms stellt generell eine starke Veränderung des Frauenbildes und somit klar eine von historisch-gesellschaftlichen Hintergründen bedingte Abhängigkeit des weiblichen Ideals dar. Die Entwicklung zeigt den Verlust von weiblicher Selbstbestimmung hin zum vorherrschenden Patriarchat in der Fassung der Grimms. In der Version Basiles handelt Aschenputtel, hier Lukretia genannt, gleich zu Beginn deutlich aktiv. Die Hofmeisterin Carmosina (ein Kindermädchen) nimmt bereits in dem Moment böse Züge an, als sie Lukretia zum brutalen Mord ihrer ersten herzlosen Stiefmutter veranlasst, um dann selbst ihre neue Stiefmutter werden zu können.[28] Neben der offensichtlichen Aktivität Lukretias stellt sich zudem die Frage: Gewinnt die Rolle der Lukretia nicht auch deutlich an bösen Zügen, dadurch, dass sie den Mord wirklich begeht? Lukretia trägt somit auch selbst die Schuld an ihrem folgenden Schicksal. Dieser Aspekt wird in der Geschichte im folgenden Verlauf möglichst zurückgedrängt – sie bleibt „die Gute“, wird belohnt und am Ende als Königin glücklich. Solch ein Verbrechen der weiblichen Heldin, wie Mord, wäre bei den Grimms undenkbar, denn es würde die damaligen moralischen Idealwerte der Frau, die Aschenputtel verkörpert, völlig zerstören.

Der Märchenforscher Max Lüthi sagt, das Märchen „[...] liebt das Seltene, Kostbare und Extreme: das heißt das Isolierte.“[29] Das betrifft sowohl Figuren als auch bedeutsame Gegenstände. So wirkt auch die Heldin im Märchen „Aschenputtel“ äußerlich und auch charakterlich isoliert. Durch ihre (Küchen-)Arbeit und die Rolle als Dienstmagd, die ihr aufgezwungen wird, verliert sie jegliche sozialen Kontakte.[30] Sie tritt nur in Beziehung zu anderen Charakteren, wenn dies notwendig für die fortschreitende Handlung ist beziehungsweise ein Kontrast in ihren Wesen betont werden soll, wie im Falle der Konversation zwischen Aschenputtel und ihren Stiefschwestern. Laut Lüthi steht dieser Isolationsaspekt im Wechselspiel mit der Allverbundenheit, das heißt einer allseitigen Beziehungsfähigkeit:

„Beides bedingt sich gegenseitig. Nur was nirgends verwurzelt, weder durch äußere Beziehung noch durch Bindung an das eigene Innere festgehalten ist, kann jederzeit beliebige Verbindungen eingehen und wieder lösen. Umgekehrt empfängt die Isolation ihren Sinn erst durch die allseitige Beziehungsfähigkeit, ohne sie müßten die äußerlich isolierten Elemente haltlos auseinanderflattern.“[31]

So ist nur durch die gegebene Umwelt der Heldin, mit der sie unsichtbar verbunden ist, ihr eigenes Sein bestimmt und nur durch den möglichen Kontakt mit anderen Charakteren ist wiederum Isolation möglich. Diese Isolation Aschenputtels offenbart sich bei den Brüdern Grimm in der Passivität der Heldin.

Zur Rolle des Prinzen, der gewissermaßen Aschenputtels Glück und Erlösung verkörpert, lässt sich nicht allzu viel sagen. Es stellt sich jedoch eine grundlegende Frage: Warum muss der Auserwählte ein Prinz sein, wenn gerade die äußeren Werte, wie Reichtum und Ehre als weniger bedeutsam vermittelt werden sollen? Die Figur des Aschenputtels soll doch zeigen, dass innere Werte wie Gutmütigkeit etc. von wahrem Wert sind. Eine Erklärung wäre, dass nur so besonders eindeutig betont werden kann, dass Aschenputtels Geduld und Herzlichkeit (allgemein ausgedrückt: Tugendhaftigkeit) am Ende belohnt wird. Des Weiteren vermittelt der Prinz als Erlöser mit seinem Auftritt im Märchen, seit dem Moment der ersten Erwähnung, ein glückliches Ende der Geschichte. Er ist sozusagen ein verlässlicher Hinweis auf ein „Happy End“. Die Suche des Prinzen nach Aschenputtel mit Hilfe ihres Schuhs zeigt, wenn man es völlig sachlich betrachtet, dass es dem Prinzen offenbar nicht um Aschenputtel selbst geht. In der Erzählung wird dies folgendermaßen deutlich:

„[...] keine andere soll meine Gemahlin werden als die, an deren Fuß dieser goldene Schuh paßt.“[32]

Fragwürdig ist, warum er sie nicht einfach aufgrund ihres Gesichtes wiederzuerkennen versucht – sie trug in keiner der Fassungen einen Schleier vorm Gesicht – und den Schuh höchstens als zusätzliche Bestätigung anprobieren lässt. Da der Prinz nur diesem Schuh als Wiederfindungsmerkmal Bedeutung beimisst, nimmt er in der Geschichte auch zweimal beinahe die falsche Braut mit zu seinem Schloss. Zugute halten muss man, dass eine gewisse Unsicherheit des Königs durchaus berechtigt ist, da das Mädchen, in Lumpen und mit Asche beschmutzt, völlig anders aussieht als auf dem Ball.

4.1.2. Die Symbole und wie sie zum Glück beitragen

In den drei Versionen ist das Vorkommen der Symbole unterschiedlich. Während bei Giambattista Basile eine Feentaube sowie eine einfache Fee dem Mädchen zu ihrem Glück verhelfen, handelt es sich bei den Grimms um „gewöhnliche“weiße Tauben, welche Aschenputtel die Linsen aus der Asche lesen. Des Weiteren sitzt ein weißes Vöglein im Haselnussbaum auf dem Grab der Mutter, das Aschenputtel hilft, all seine Wünsche zu erfüllen. Es ergänzt und bestärkt das Motiv des betenden Mädchens am Grabe, denn es symbolisiert die Seele der Mutter. Die Eigenschaften der Taube, wie Sanftmut und Liebe, stimmen mit denen der Mutter überein.[33] Folglich wird die Gegenwart der Mutter über ihren Tod hinaus vermittelt und sie ist es – in Gestalt des Vogels –, die ihrem verzweifelten Kind weiterhilft und den Zauber ermöglicht.

Gisela Just betrachtet in ihrer Abhandlung über „Die Vögel im Zaubermärchen“ das „Märchen von dem Machandelboom“ (KHM 47) und kommt hier zu folgendem Ergebnis:

„Damit finden wir in diesem Märchen den Vogel in drei wichtigen Gestalten bzw. Funktionen: Er wird zum Seelenvogel (als der getötete Knabe unter dem Baum bestattet wird), mit seinem Lied wird er zum Wahrheitskünder, und am Schluß übt er Vergeltung als Rächer und Richter.“[34]

Diese Konklusion weist Parallelen zu „Aschenputtel“ auf: Der Vogel als Seelenvogel wurde bereits erläutert. Mit dem Ausruf „Rucke di guck [...].“[35] werden die zwei Tauben ebenfalls zu Wahrheitsverkündern, denn sie weisen den Königssohn darauf hin, dass er die falsche Braut mit sich führt. Zu guter Letzt picken sie den Stiefschwestern die Augen aus und üben somit Rache an ihrem selbstsüchtigen und böswilligen Verhalten.

Dem Symbol des Haselnussbaumes wird ebenfalls große Bedeutung verliehen. Der Haselnussbaum ist auch in Ludwig Bechsteins „Nusszweiglein“ aufzufinden. Offensichtlich haben die Brüder Grimm die Idee, Aschenputtel könne sich vom Vater ein solches Nusszweiglein wünschen und dieser könne ihr das Zweiglein von seiner Reise mitbringen, von Bechstein übernommen, denn die Ähnlichkeit ist unverkennbar:

„Es war einmal ein reicher Kaufmann, der mußte in seinen Geschäften in fremde Länder reisen. Da er nun Abschied nahm, sprach er zu seinen drei Töchtern: »Liebe Töchter, ich möchte euch gerne bei meiner Rückkehr eine Freude bereiten, sagt mir daher, was ich euch mitbringen soll?« Die Älteste sprach: »Lieber Vater, mir eine schöne Perlenhalskette!« Die andere sprach: »Ich wünschte mir einen Fingerring mit einem Demantstein.« Die Jüngste schmiegte sich an des Vaters Herz und flüsterte: »Mir ein schönes, grünes Nußzweiglein, Väterchen.« - »Gut, meine lieben Töchter!« sprach der Kaufmann, »ich will mir's aufmerken und dann lebet wohl.«“[36]

Zudem hat Bechstein eine eigenständige Variante des „Aschenputtel“ entworfen, in die er obige Passage aus seinem „Nusszweiglein“ eingebunden hat. Er benennt die Geschichte „Aschenbrödel“. In der Grimmschen Fassung von 1812 fehlt der oben aufgezeigte Teil inhaltlich gänzlich. Gleich zu Beginn der Geschichte pflanzt Aschenputtel ein Bäumchen auf das Grab der Mutter, das durch ihre Tränen wächst. Erst nachdem Bechsteins „Deutsches Märchenbuch“ 1845 veröffentlicht wurde, wurde auch das „Aschenputtel“ der Grimms bezüglich dieses Aspektes inhaltlich verändert.

Der Baum selbst ist bekanntlich Symbol für Leben und „das Sinnbild ewigen Daseins“.[37] Die Haselnuss ist ein erotisches Symbol und steht für Liebe und Fruchtbarkeit. Sie soll Schönheit und Weisheit verleihen. Das Grab wird durch den auf ihm wachsenden Haselnussbaum zu einem zentralen Ort der Geschehnisse im Märchen – hier findet der Zauber statt. Der Baum ist somit auch als Baum des Lebens der Mutter zu sehen. Sie bleibt für Aschenputtel nicht zuletzt durch diesen Baum, gewachsen mit Hilfe der Tränen des Mädchens, allgegenwärtig und lebendig.

Der Vater verreist und fragt seine Tochter und Stieftöchter, was sie sich wünschen und was er ihnen mitbringen soll. Während die Stieftöchter sich teure Kleider und Schmuck wünschen, antwortet Aschenputtel:

„Vater, das erste Reis, das Euch auf Eurem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab.“[38]

Aschenputtel hat also schon selbst eine Vorstellung von einer Art Zauberbaum beziehungsweise einem Reis, das ihm zum Glück verhelfen kann. Im entscheidenden Moment wirft dieser Baum dem Mädchen ein Kleid für den königlichen Ball herab. Somit wird noch stärker betont: Alles, was zählt, ist ihre unübertreffliche Schönheit, damit sie ihr Ziel erreicht. Dies stellt auf den ersten Blick einen Kontrast zur Philosophie des Märchens dar, welche inneren und charakterlichen Werten den eigentlichen hohen Stellenwert zuschreiben will. Die Schönheit des Mädchens soll jedoch im Märchen grundsätzlich auch ein Spiegelbild ihrer inneren Schönheit sein.[39]

„Der helfende Baum ersetzt die Mutter und nicht selten den Vater: Er kleidet die Heldin und bereitet sie für die Hochzeit vor; er rüstet den Sohn auf, damit er sich die Königstochter gewinnen kann. Aber auch alltägliche Geschenke hat der helfende Baum bereit: Speise, Geld, Seife und Gebetbuch...“[40]

Als eine große Pflanze mit entsprechend tiefen und dicken Wurzeln symbolisiert der Baum zugleich die Wurzeln des Protagonisten, also dessen Herkunft und zugleich das, was ihn stärkt und ihm Kraft schenkt. So wird auch verständlich, dass der Baum Aschenputtels Mutter verkörpert, bei der das Mädchen auch nach ihrem Tod noch Trost und Fürsorge erfährt. Der Baum als Helfer besitzt zum Beispiel auch zu Beginn der Erzählung „Der gläserne Sarg“ (KHM 163) eine entscheidende Funktion, denn der wandernde Held findet auf einer alten Eiche ein Nachtlager und zugleich Schutz vor wilden Tieren.[41]

Ein letztes, sehr wichtiges Symbol ist der goldene Schuh, der bereits in den Fassungen Perraults (als gläserner Pantoffel) und Basiles eine entscheidende Rolle für den Ausgang des Märchens spielt. Der Prinz in den Kinder- und Hausmärchen wendet eine List an und legt es bewusst darauf an, Aschenputtels Schuh zu erhalten beziehungsweise zumindest zu verhindern, dass Aschenputtel so schnell davonlaufen kann, indem er die Treppe mit Pech bestreichen lässt. Die goldene Gestalt des Schuhs weist bereits darauf hin, dass Aschenputtel einst in die „Fußstapfen“ einer Königin treten wird, denn die Farbe Gold steht für etwas Besonderes und Edles, für Reichtum und Wohlstand.

4.1.3. Worin liegt das Glück Aschenputtels?

Ohne Zweifel ist das Glücksziel für Aschenputtel selbst die wahre Liebe. Es geht ihr darum, den einzig richtigen Partner zu finden und sich den Traum von einer Liebesheirat zu erfüllen. Nicole Lehnert beschreibt, dass das Märchen an sich recht häufig seinen Abschluss in der sogenannten „Heiligen Hochzeit“ findet:

„Dabei wird selbstverständlich übernommen, was in den Märchen der Brüder Grimm quasi ein ‚Naturgesetz’ ist: Junge Menschen, vor allem junge Mädchen, streben als Lebensziel stets die Ehe an. Andere Lebensformen stehen nicht zur Debatte.“[42]

Weiterhin ist nun zu betrachten, was Aschenputtel zu seinem Ziel führt. Lehnert benennt hier – ausgehend von der Endfassung der Grimms – wohl die wesentlichen Gründe: Nicht zuletzt ist es Aschenputtels unübertreffliche Schönheit auf dem Ball des Prinzen.[43] Indirekt ist es wohl auch die reine Tugendhaftigkeit (Gutmütigkeit, Sittsamkeit, Gehorsamkeit, Fleiß, Bescheidenheit etc.) des Mädchens, die sie von allen anderen unterscheidet und ihr das Privileg zukommen lässt, den Prinzen zu heiraten. Sie wird folglich am Ende für ihre charakterlichen Eigenschaften belohnt. Bereits die Hilfe durch Zauber für Aschenputtel stellt eine Form von Belohnung für ihre guten Eigenschaften dar. Eine solche Hilfe ist bei den Brüdern Grimm durch den Haselnussbaum und die Tauben gegeben.

Auf diese Weise vermittelt das Märchen im 19. Jahrhundert oder früher in erster Linie auch Kindern seine Lehre von Werten. Lehnert unterscheidet die Bedeutung einer Hochzeit für männliche und weibliche Märchenfiguren:

„Die Helden gewinnen dabei nicht nur eine schöne Ehefrau, sondern auch einen materiellen Vorteil: das Reich des Vaters der Prinzessin. Frauen dagegen werden auch im Märchen angehalten, Liebe als höheren moralischen Wert zu betrachten. Deshalb ist der Reichtum des Ehemannes meist nicht von vorneherein Ziel, sondern minder wichtige Beigabe zum Partner.“[44]

Die Tatsache, dass Aschenputtel einen angesehenen Mann heiratet, sei er nun Edelmann, Prinz oder König, soll zwar das Ausmaß ihrer Belohnung für gutes Benehmen aufzeigen, ist aber dennoch nicht ausschlaggebend.

4.1.4. Das „Aschenputtel“ als ein Märchen der Aufklärung

Betrachtet man die Sprache von Märchen, so lässt sich sagen, dass die Handlung hauptsächlich durch wörtliche Rede der Figuren vorangebracht wird. Dies zeigt sich natürlich insbesondere beim Ausdruck von Wünschen oder Zaubersprüchen. Zudem sind Satz- oder Phrasenwiederholungen ein wesentliches Stilelement. Sie bieten dem Hörer oder Leser Wiedererkennungswert und Vertrautheit innerhalb der Geschichte. Weiterhin dient eine Wiederholung der Betonung wichtiger Aussprüche oder Handlungen. Wörtliche Rede und Wiederholungen sind auch im „Aschenputtel“ Mittel dazu, dem Leser oder Hörer des Märchens die wichtigsten Aspekte herauszustellen und letztlich eine Moral zu vermitteln. Gerade gegenüber Kindern versucht das Märchen Wertvorstellungen und Ideale zu vermitteln, die im Lebensalltag beibehalten werden sollen. So bietet auch „Aschenputtel“ gewissermaßen eine philosophische Lehre:

[...]


[1] Jakob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen. Hrsg. v. Heinz Rölleke. 3 Bd. Stuttgart: Reclam, 2001. Bd. 1. S. 263. [Künftig zitiert: KHM. ]

[2] KHM. Bd. 1. S. 260.

[3] Vgl. Wilhelm Solms: Die Moral von Grimms Märchen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1999. S. 205ff.

[4] Antti Aarne und Stith Thompson: The types of the folktale. A classification and bibliography. Helsinki, 1961 (= Folklore Fellows' communications; 184). S. 19-20.

[5] Zur Entstehung und zu den Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen vgl. Heinz Rölleke: Die Märchen der Brüder Grimm: eine Einführung. Stuttgart: Reclam, 2004 (= Universal-Bibliothek; Nr. 17650). S. 76-102.

[6] KHM. Bd. 2. S. 179.

[7] KHM. Bd. 1. S. 51.

[8] Aus diesem Grunde wird es von vielen als Anti-Märchen bezeichnet – wie auch bei Walter Spring: Die Symbolik des Handelns im Märchen. Tun und Nicht-Tun im deutschen Märchen. Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt a.M., New York, Oxford, Wien: Lang, 2001. S. 131.

Die Begriffswahl halte ich jedoch für problematisch, da durchaus noch typische Märchenelemente gegeben sind und die Erzählung – allein da sie Teil der Grimmschen Märchensammlung ist – im Ganzen auch als Märchen bezeichnet werden darf und wird (vgl. auch Kapitel 4.2.2.). Vom Anti-Helden innerhalb des Märchens zu sprechen, ist weniger irreführend.

[9] Thomas Eicher (Hrsg.): Märchen und Moderne. Fallbeispiele einer intertextuellen Relation. Münster: Lit, 1996 (= Literatur im Kontext; 2). S. 9.

[10] Siehe Vladimir Propp: Morphologie des Märchens. Hrsg. v. Karl Eimermacher. 2. Aufl. Frankfurt a.M.: suhrkamp, 1982 (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft; 131). 294 S.

[11] Lutz Röhrich: Märchen und Wirklichkeit. 3. Aufl. Wiesbaden: Steiner, 1974 (= Wissenschaftliche Paperbacks Germanistik). S. 47.

[12] Ebd. S. 46.

[13] KHM. Bd. 1. S. 16f.

[14] Lutz Röhrich: Märchen und Wirklichkeit. S. 53.

[15] Lutz Röhrich: Märchen und Wirklichkeit. S. 54.

[16] Walter Spring: Die Symbolik des Handelns im Märchen. S. 142.

[17] Walter Spring: Die Symbolik des Handelns im Märchen. S. 144.

[18] Ursula Heindrichs: Es war einmal – es wird eines Tages sein: zur Aktualität der Volksmärchen. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 2001. S. 44.

[19] KHM. Bd. 1. S. 224.

[20] Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen: Form und Wesen. 11. Aufl. Tübingen, Basel: A. Francke, 2005 (= UTB für Wissenschaft; 312). S. 81.

[21] Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen: Form und Wesen. S. 82.

[22] Elke Feustel: Rätselprinzessinnen und schlafende Schönheiten. Typologie und Funktion der weiblichen Figuren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Hildesheim, Zürich, New York: Olms – Weidmann, 2004 (= Germanistische Texte und Studien; 72). S. 313.

[23] Siehe hierzu Jessica Lütge: Liebe, Partnerschaft und Erlösung in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin: dissertation.de, 2002. S. 131f.

[24] Vgl. Charles Perrault: Contes de Fées. Märchen. Übersetzung von U.F. Müller. 2. Aufl. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2004. S. 83.

Zu weiteren existenten Namensabwandlungen von ‚Aschenputtel’ siehe auch Heinz Rölleke (Hrsg.): Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812. Hrsg. u. erläutert von Heinz Rölleke. Cologny-Genève: Fondation Martin Bodmer, 1975 (= Bibliotheca Bodmeriana; 1). S. 315ff.

[25] KHM. Bd. 1. S. 137.

[26] Ebd. S. 137.

[27] Hildegunde Wöller: Aschenputtel. Wie aus der Ungeliebten die Auserwählte wird. Stuttgart: Kreuz, 2001 (= Mit Märchen leben). S. 45.

[28] Siehe hierzu Giambattista Basile: Das Pentamerone oder – Das Märchen aller Märchen. Mit 50 farbigen Pinselzeichnungen von Josef Hegenbarth. München: C.H. Beck, 1985. S. 57.

[29] Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen: Form und Wesen. S. 37.

[30] Siehe auch Nicole Lehnert: Brave Prinzessin oder freie Hexe? Zum bürgerlichen Frauenbild in den Grimmschen Märchen. 1. Aufl. Münster: Selbstverlag, 1996 (= Professur für Frauenforschung der WWU Münster; 7). S. 37.

[31] Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen: Form und Wesen. S. 49.

[32] KHM. Bd. 1. S.142.

[33] Vgl. Elke Feustel: Rätselprinzessinnen und schlafende Schönheiten. S. 320.

[34] Gisela Just: Die Vögel im Zaubermärchen. In: Zauber-Märchen. Forschungsberichte aus der Welt der Märchen. Hrsg. v. Ursula und Heinz-Albert Heindrichs. Im Auftr. d. Europäischen Märchengesellschaft. München: Diederichs, 1998 (= Veröffentlichungen der Europäischen Märchengesellschaft; 23). S. 116.

[35] Vgl. KHM. Bd. 1. S. 143.

[36] Ludwig Bechstein: Deutsches Märchenbuch. 13. Auflage. Leipzig: Georg Wigand 1857. S. 357.

[37] Wolfgang Bauer, Irmtraud Dümotz und Sergius Golowin: Lexikon der Symbole. Mythen, Symbole und Zeichen in der Kultur, Religion, Kunst und Alltag. 7. Aufl. München: Heyne, 1990 (= Heyne-Sachbuch; 19/43). S. 37.

[38] KHM. Bd. 1. S. 138.

[39] Siehe hierzu weiter: Kap. 4.1.4.

[40] Katalin Horn: Der Baum im Zaubermärchen. In: Zauber-Märchen. Forschungsberichte aus der Welt der Märchen. Hrsg. v. Ursula und Heinz-Albert Heindrichs. S. 105.

[41] Vgl. KHM. Bd. 2. S. 286.

[42] Nicole Lehnert: Brave Prinzessin oder freie Hexe? Zum bürgerlichen Frauenbild in den Grimmschen Märchen. S. 42.

[43] Ebd. S. 43.

[44] Nicole Lehnert: Brave Prinzessin oder freie Hexe? S. 43.

Details

Seiten
107
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638784740
ISBN (Buch)
9783638796057
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79971
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Germanistisches Institut - Abteilung Neuere deutsche Literatur
Note
1,3
Schlagworte
Glück Unglück Kinder- Hausmärchen Grimm Märchen Moderne Biedermeier Zaubermärchen Schwank Schwankmärchen Thema Märchen

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Titel: Glück und Unglück in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm