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Interethnische Freundschaften in der Adoleszenz

von Bartosch Mielcarek (Autor) Melihan Cinar (Autor)

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Begriffsdefinitionen

4. Hauptteil
4.1. Entstehung interethnischer Freundschaften
4.1.1. Entstehungszusammenhänge interethnischer Freundschaften bei deutschen Jugendlichen
4.1.2. Entstehungszusammenhänge interethnischer Freundschaften bei türkischen Jugendlichen
4.2. Auswirkungen interethnischer Freundschaften
4.2.1. Wo entstehen interethnische Kontakte?
4.2.2. Bedingungen interethnischer Kontakte
4.2.3. Motive & Kontexte des Türkischerwerbs

5. Diskussion

6. Literaturverzeichnis

7. Erklärung

1. Zusammenfassung (Melihan Cinar)

Der folgende Beitrag behandelt interethnische Freundschaften zwischen Jugendlichen. Der Fokus wird auf die Entstehung und Auswirkung dieser Freundschaft gelegt. Begünstigt werden interethnische Freundschaften durch eine hohe Distanz zum Elternhaus und gleichzeitig durch verstärktes Aufsuchen von Sozialräumen. Dies führt dazu, dass interethnische Kontakte wahrscheinlicher werden. Dieses Konzept basiert auf dem Modell von Verbrugge.[1]

Zwei Bedingungen müssen gegeben sein, damit interethnische Freundschaften entstehen: die generationale Identität muss eine höhere Ausprägung als die nationale Identität haben und zusätzlich muss die subjektive Statusgleichheit vorherrschen. Nur in diesem Fall können interethnische Freundschaften zu einer Vorurteilverminderung und damit zu geringeren Fremdenfeindlichkeit führen. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen werden die Motive und Kontexte des Türkischerwerbs beleuchtet. Eine Studie aus Hamburg wird dabei herangezogen, um dies näher zu untersuchen. Diese hat gezeigt, dass intensiver Kontakt zu Türken zu einer hohen Sprachkompetenz führe und außerdem auch türkische Wertvorstellungen und die Kultur positiv bewertet und übernommen werden.

2. Einleitung (Bartosch Mielcarek)

In der heutigen Freundschaftsforschung von Jugendlichen in der Adoleszenz werden die wesentlichen Schwerpunkte auf Freundschaftsunterschiede zwischen Jungen- und Mädchenfreundschaften gelegt.[2] Dabei wird immer betont, dass Freundschaft von allen Beteiligten als gleichberechtigt und freiwillig (equality) gesehen wird. Außerdem basiert Freundschaft auf Gegenseitigkeit von Gefühlen (reciprocity) und wird durch eine verbundene Bereitschaft (commitment) zur Freundschaft zusammengehalten.[3]

Des Weiteren hat Wright (1982) bei Jugendlichen festgestellt, dass es konkrete Unterschiede zwischen Jungen- und Mädchenfreundschaften gibt. Mädchen führen eine stark aufeinander konzentrierte Freundschaft, was bedeutet, dass sie intimer sind und im Allgemeinen vertrauter miteinander umgehen. Sie unterstützen sich gegenseitig emotional und führen häufig intime Gespräche. Diese Freundschaften werden als „face-to-face“ – Freundschaften definiert. Jungen hingegen führen eher eine nebeneinander funktionierende Freundschaft, die deshalb auch als „side-by-side“ – Freundschaft gekennzeichnet wird. In Jungenfreundschaften stehen im Gegensatz zu Mädchenfreundschaften gemeinsame Aktivitäten im Vordergrund und nicht explizit Vertrautheit und Intimität.

Für beide Geschlechter wird aber festgestellt, dass Freunde enorm wichtig sind für die Entwicklung während der Adoleszenz. Freunde helfen unter anderem beim Abnabelungsprozess vom Elternhaus und bei dem eigenständigen Aufbau sozialer Beziehungen.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass Freundschaften von der Kindheit bis hin zur Jugend ausreichend untersucht wurden, denn hierzu gibt es genügend Forschungen. Betrachtet man sich aber die Forschung von der Entstehung interethnischer Freundschaften, dann stellt man fest, dass hier noch ein großer Forschungsbedarf vorherrscht. Im Rahmen dieses Mangels an Informationen, wollen wir mit unserem Bericht herausfinden, wie überhaupt interethnische Freundschaften entstehen können, und ob es Auswirkungen dieser Freundschaften auf die einzelnen betroffenen Personen gibt und wenn ja, wie diese aussehen.

Aufgrund unserer letzten Seminararbeit aus dem Wintersemester 2004/2005 zum Thema „Freundschaftskonzepte zwischen Mädchen und Jungen“ halten wir es für interessant uns Freundschaften in der Adoleszenz mal unter einem anderen Gesichtspunkt anzuschauen. In Anbetracht der Tatsache, dass in Deutschland viele unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen und Jugendliche somit viele interethnische Kontakte haben, wählten wir das Thema „Interethnische Freundschaften in der Adoleszenz“, wobei wir unseren Fokus auf Freundschaften zwischen deutschen und türkischen Jugendlichen legen.

Bevor wir konkret auf das Thema eingehen, möchten wir erstmal die themenrelevanten Begriffe erläutern. Dies dient voraussichtlich dem besseren Verständnis unseres Berichts und unserer Arbeit.

Anschließend gilt es zu untersuchen, wie überhaupt interethnische Freundschaften entstehen können und welche Bedingungen hierfür gegeben sein müssen.

Der daraus folgende Schritt behandelt die Auswirkungen interethnischer Freundschaften. Diese drücken sich zum einen in der Verminderung von Vorurteilen gegenüber andersethnischen Personen und zum anderen im Spracherwerb aus. In diesem Teilbereich unseres Berichts konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die Auswirkungen und die dazu gehörigen Motive.

Am Ende erscheint es uns als sinnvoll, die wichtigsten Ergebnisse unserer Kapitel zu resümieren und uns kritisch mit dem Thema auseinander setzen.

3. Begriffsdefinitionen (Bartosch Mielcarek)

- Freundschaft:

Freundschaft ist eine strikt freiwillige Form einer sozialen Partnerschaft, die durch das Gefühl von gegenseitiger Anziehung und Vertrautheit bestimmt ist.

Das Phänomen Freundschaft ist Gegenstand von philosophischen, soziologischen, psychologischen, ethnologischen und sozialpsychologischen Untersuchungen. In der heutigen Zeit spricht man von Freundschaft nur noch im Zusammenhang der Ich-Du-Beziehung zweier Menschen als engster individueller und als am stärksten selektiver Beziehung: Diese Form der Freundschaft ermöglicht Orientierung in einer Zeit der sich auflösenden verbindlichen sozialen und gesellschaftlichen Orientierungen, sie beinhaltet Hilfs- und Opferbereitschaft und freiwillige gegenseitige Verantwortung.

Ging man bis vor einigen Jahrzehnten noch davon aus, dass sich in der Freundschaft einander ähnliche Charaktere begegnen, so konnte man in heutiger Zeit nachweisen, dass Freundschaften eher von raumzeitlichen Gegebenheiten und von gleicher Schichtzugehörigkeit bestimmt sind. Darüber hinaus ist die Art von Freundschaften von kulturellen und geschichtlichen Entwicklungen und Veränderungen abhängig.

- Adoleszenz:

im strengeren Sinn wird der Begriff „Adoleszenz“ verwendet als Beschreibungszeitraum für eine bestimmte Altersgruppe (17. /18. – 21. Lebensjahr (einige Autoren bis 25. Lebensjahr). In der Regel wird damit der an die Pubertät anschließende letzte Zeitabschnitt des Jugendalters bis zum Erwachsensein gemeint. Körperliche und psychische Entwicklung kommen zum Abschluss; Selbstbewusstsein und – vertrauen festigen sich. Die Erlangung ökonomischer Selbständigkeit, die Gründung einer Familie, das Innehaben einer Berufposition gelten als Kennzeichen der Selbstverantwortlichen Einfügung in die Anforderungen und Rollen der Erwachsenenwelt. Das bedeutet, Veränderungen im Erleben und Verhalten gehen überwiegend von herangetragenen Erwartungen, Pflichten und Rechten aus. A. wird so als Phase des Aufbruchs in Autonomie und Selbstbestimmung begriffen, die von leib- seelischen Krisen geprägt ist, zu deren positiver Bewältigung, zumindest aber Abschwächung die Schaffung eines „psycho- sozialen Moratorium“ gefordert wird (so von E. Erikson in seiner Theorie der psycho- sozialen Entwicklungsstufen der Identität, die vom frühen Säuglingsalter bis zum reifen Erwachsenenalter reichen).[4]

- Ethnie (von griechisch ethnos: Volk)

Eine Bezeichnung für eine Gruppe von Personen, die sich der Zugehörigkeit zur selben Kultur bewusst sind. Eine genaue Definition von Ethnie ist allerdings nicht möglich, da jede dieser Personengruppen ihrem ethnischen Selbstverständnis andere Kriterien zugrunde legt. Solche Kriterien können die gemeinsame Sprache, eine gemeinsame reale oder vorgestellte Abstammung, gemeinsame Geschichte, gemeinsame Sitten und Bräuche und vieles mehr sein, was sie von anderen Gruppen unterscheidet.[5]

- Generationale Identität / nationale Identität

Die generationale sowie die nationale Identität sind beides Subdimensionen der sozialen Identität. Jedoch muss man an dieser Stelle anmerken, dass es weitere Kategorisierungen bezüglich der sozialen Identität gibt, aber in diesem Falle keine Beachtung geschenkt werden. Die Ausbildung der sozialen Identität ist wichtig in der Adoleszenz, da die Persönlichkeitsentwicklung in dieser Phase eine essentielle Rolle spielt.

[...]


[1] Modell von Verbrugge: Moving - Meeting - Mating, 1974

[2] vgl. Simmel 1908 und Tenbruck 1964

[3] Hartup (1993: 6) aus Foliensatz „Freundschaftsforschung“, Empirische Forschungsmethoden II.

[4] vgl. Reinhold, Pollak, Heim, 1999: Pädagogik Lexikon, S. 2

[5] ebd. S. 115

Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638857253
ISBN (Buch)
9783638855433
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79300
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Schlagworte
Interethnische Freundschaften Adoleszenz Entwicklungspsychologie Freundschaftsbeziehungen

Autoren

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Titel: Interethnische Freundschaften in der Adoleszenz