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Forschungsbericht zum Projekt "Endspurt"

Ein Projekt, das ausgewählte Schüler der 9. Klassen der Humboldt-Hauptschule in Mannheim auf Ihren Hauptschulabschluss vorbereiten soll

von Bartosch Mielcarek (Autor) Christine Wahl (Autor)

Forschungsarbeit 2007 42 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorstellung des Projektes
1.1 Was ist Service Learning ? (Christine Wahl)
1.2 Was ist „Endspurt“? (Christine Wahl)
1.3 Zielgruppe und Aufgaben (Christine Wahl)

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Einordnung der Zielgruppe (Bartosch Mielcarek)
2.2 Selbstregulations-Prozessmodell des Lernens (Christine Wahl)
2.3 Ausgewählte Studie: „Unterrichtsbeispiel zum lehrplanabgestimmten Einsatz individueller Bezugsnormen“ (Rheinberg & Günther, 1999) (Bartosch Mielcarek)
2.4 Lernzielhierarchie (Christine Wahl)
2.5 Forschungsinteresse und Forschungsfragen (Bartosch Mielcarek)

3 Stundenplanung anhand zweier ausgewählter Beispiele (Bartosch Mielcarek)

4 Ergebnisse
4.1 Lernzielhierarchie und ihre praktische Umsetzung (Christine Wahl)
4.2 Leistungsdiagnose der Schüler im Zeitverlauf (Bartosch Mielcarek)

5 Reflexion zum Projekt „Endspurt“ (Christine Wahl, Bartosch Mielcarek)

6 Literatur

1 Vorstellung des Projektes

1.1 Was ist Service Learning? (Christine Wahl)

„Service Learning“ ist ein Konzept, das praktische Aktivitäten von Studierenden mit theoretischen Fundamenten verbinden soll. Dabei entstehen zwei Komponenten: Einerseits die „Learning“-Komponente, die durch ein Seminar an der Universität geboten wird. Dort lernen die Studierenden theoretische Grundlagen zu einem bestimmten Thema. In der „Service“-Komponente sollen die Studierenden dieses theoretisch angeeignete Wissen in die Praxis umsetzen. Da es sich bei dieser praktischen Arbeit um soziales Engagement handelt, wird dadurch ein „Service“ geboten. So entsteht die Verknüpfung von Theorie und Praxis, wobei die praktischen Aktivitäten durch die universitäre Lehre vor- und nachbereitet werden.

Ziel der „Service“-Komponente ist es, einen bestimmten Bedarf an Schulen in ihrer pädagogischen Arbeit zu decken.

Hinsichtlich der Studierenden soll das Ziel die persönliche Weiterentwicklung sein, besonders in Bereichen des Selbstvertrauens, der beruflichen Orientierung und des politischen Bewusstseins. Über diese Entwicklungen wird im Verlauf des Seminars in dafür vorgesehenen Reflexionssitzungen gesprochen.

Aus Sicht der Wissenschaft sollen die Studierenden lernen, sich mit Literatur auseinander zu setzen, die sie auf die Praxis anwenden müssen.

1.2 Was ist „Endspurt“? (Christine Wahl)

„Endspurt“ ist ein Projekt, das ausgewählte Schüler der 9. Klassen der Humboldt-Hauptschule in Mannheim auf Ihren Hauptschulabschluss vorbereiten soll. In Gruppen von je 8 Schülern werden die Schülerinnen und Schüler von Oktober bis Mai auf ihren bevorstehenden Schulabschluss in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch vorbereitet. Ziel des Projektes soll sein, dass möglichst viele Schüler ihren Hauptschulabschluss schaffen.

Der zusätzliche Unterricht findet an zwei Nachmittagen nach dem Regelunterricht statt und beträgt jeweils zwei Schulstunden. Dabei werden sie von je zwei Studenten der Universität Mannheim unterstützt. Diese Studenten sollen die Position von Mentoren einnehmen, den Schülern bei Fachfragen helfen, ihnen aber auch mental zur Seite stehen und den Weg bis zum Abschluss begleiten.

Finanziell unterstützt wird dieses Projekt vom Kiwanis-Club, der die Bezahlung der Studenten übernimmt.

In diesem Jahr meldeten sich sechs Studenten als Mentoren, sodass drei Schülergruppen gebildet werden konnten. Zusätzlich wird eine Gruppe durch eine Studentin evaluiert. Drei der Mentoren besuchten auch das Seminar „Service Learning“ bei Herrn Prof. Hofer, das bis Dezember 2006 wöchentlich stattfand. Im Rahmen des Seminars wurden zwei Referate (ein Theoriereferat und ein Praxisreferat) gehalten, die sich mit dem Thema „Endspurt“ befassten. Das so erlangte theoretische Hintergrundwissen sollte nun in der Schule praktisch umgesetzt werden. Des Weiteren boten Reflexionssitzungen die Möglichkeit, über das Erlebte in der Schule zu berichten und so über sein eigenes Verhalten zu reflektieren.

Die Service-Komponente bestand also in der Betreuung der Schüler und deren Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss, während die Learning-Komponente der Studenten in der Teilnahme des Seminars und der Übernahme der beiden Referate bestand.

Unsere Mentoren-Gruppe besuchte geschlossen das Seminar von Herrn Hofer du wurde von Jördis Kummerländer (Studentin) evaluiert.

1.3 Zielgruppe und Aufgaben (Christine Wahl)

Die Zielgruppe bestand aus acht Schülern der Klasse 8b der Humboldt-Hauptschule in Mannheim. Sie war aufgeteilt in sieben weibliche Schülerinnen und einen männlichen Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren (Alter zu Beginn des Projektes). Sieben der acht SchülerInnen hatten einen Migrationshintergrund (die Eltern des Schülers kommen aus Italien, die Eltern von sechs Schülerinnen stammen aus der Türkei). Jedoch sind alle SchülerInnen in Deutschland geboren und aufgewachsen.

Das Leistungsniveau der SchülerInnen war von Anfang an sehr unterschiedlich, schon allein deshalb, weil zwei Schülerinnen das Fach Englisch abgewählt hatten und deshalb höchstens einen verminderten Hauptschulabschluss erreichen konnten. Aber auch die Deutschkenntnisse in Wort und Schrift waren auf sehr unterschiedlichem, wenn auch einheitlich auf niedrigem, Niveau.

Einheitlich waren jedoch von Anfang an die großen Lücken in allen drei Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik.

Die Aufgabe der Mentoren (Studenten) bestand nun darin, die Schüler in den drei Hauptfächern auf ihre Abschlussprüfung im Mai 2007 vorzubereiten. Diese Vorbereitung sollte in zwei aufeinander folgenden Schritten geschehen. Im ersten Schritt (Oktober bis zu den Weihnachtsferien) sollte nach einem bestimmten Modell (siehe 2.2) selbstreguliertes Lernen vermittelt werden und Lücken im Lernstoff aufgearbeitet werden. Im zweiten Schritt sollten die SchülerInnen in den Hauptfächern durch gezielte Förderung auf den bevorstehenden Schulabschluss vorbereitet werden. Aus diesen Schritten ergab sich eine Hierarchie von Zielen und Teilzielen, die in 2.3 näher erläutert werden.

Anmerkung: Aus verschiedenen Gründen musste der männliche Schüler Mitte Januar das Projekt „Endspurt“ verlassen. An seiner Stelle wurde kein neuer Schüler aufgenommen, um die Gruppenharmonie nicht zu gefährden.

2 Theoretischer Hintergrund

Das praktische Arbeiten in der Schule wird nachdem Prinzip des Service Learning durch theoretische Grundlagen gestützt. In diesem Kapitel soll die Schülergruppe zunächst durch typologische Merkmale eingeordnet werden (2.1). Anschließend wird das Selbstregulations-Prozessmodell vorgestellt (2.2), das Grundlage für das praktische Arbeiten an der Schule sein soll. Aus der Zielgruppendefinition und den theoretischen Grundlagen, die das Modell liefert, ergeben sich Lernziele der Schüler, die in 2.3 hierarchisch geordnet näher erläutert werden. Im Anschluss werden zwei ausgewählte Studien zum Thema vorgestellt (2.4), bevor abschließend die Forschungsfrage formuliert wird (2.5).

2.1 Einordnung der Zielgruppe (Bartosch Mielcarek)

Die Zielgruppe unseres Projekts befindet sich in der Adoleszenz, also mitten in einem schwierigen Lebensabschnitt. Steinberg (1993) unterscheidet drei Phasen der Adoleszenz:

1. frühe Adoleszenz zwischen 11 und 14 Jahren,
2. mittlere Adoleszenz zwischen 15 und 17 Jahren und
3. späte Adoleszenz zwischen 18 und 21 Jahren.

Das Durchschnittsalter unserer Schüler liegt bei 16 Jahren. In diesem Alter bzw. in der mittleren Adoleszenz kommt es zu starken biologischen, intellektuellen und sozialen Veränderungen. Für manche sind diese Veränderungen und Erfahrungen positiv, für andere können diese auch zu Problemen mit der eigenen Persönlichkeit, der Familie oder Freunden führen. Hinzu kommt hier noch der schulische Druck, denn die Schüler haben die Aufgabe ihren Hauptschulabschluss erfolgreich zu bestehen.

Laut Havighurst (1972) haben Jugendliche in der Adoleszenz folgende Entwicklungsaufgaben:

- physische Reifung,
- gesellschaftliche Erwartungen und
- individuelle Zielsetzungen und Werte.

Auf den Punkt der physischen Reifung können wir keinen Einfluss nehmen, da die Jugendlichen selbst den Verlauf der Pubertät durchmachen müssen und hierbei wenig Unterstützung bekommen können.

Bei den weiteren zwei Entwicklungsaufgaben möchten wir die Schüler unterstützen und womöglich gemeinsam einen idealen Weg finden.

Bezüglich der gesellschaftlichen Erwartungen möchten wir den Jugendlichen natürlich dabei helfen, ihren Hauptschulabschluss zu bestehen, damit sie im weiteren Verlauf ihres Lebens gute Chancen auf ein erfolgreiches Berufsleben haben. Außerdem möchten wir den Jugendlichen gewisse Normen und Regeln der Gesellschaft vermitteln und ihnen zeigen, wie wichtig es ist, sich daran zu halten.

Die dritte Entwicklungsaufgabe bezieht sich auf individuelle Zielsetzungen und Werte. Hier werden wir mit den Jugendlichen u.a. in Einzelgesprächen den Kontakt versuchen aufzunehmen. Interessant für uns ist es herausfinden welche Ziele sie haben und welchen Weg sie nach dem Hauptschulabschluss gehen möchten. Eventuell können wir ihnen hierbei helfen oder sie zumindest unterstützen.

2.2 Selbstregulations-Prozessmodell des Lernens (Christine Wahl)

Wir wollen den Schülern nicht nur den Lernstoff für die Prüfungen näher bringen, sondern wir möchten sie auch zu selbständigem Lernen bewegen, damit sie sich zu Hause den Schulstoff effektiver aneignen können. Wir gehen hierbei davon aus, dass die Schüler bisher nicht oder nur in geringem Maße zu eigenständigem Lernen in der Lage sind. Das Prozessmodell der Selbstregulation soll als theoretische Grundlage für die Vermittlung dieses eigenständigen Lernens dienen.

Das Prozessmodell der Selbstregulation wurde von Schmitz (2001) aus verschiedenen Modellen zusammengefasst:

- das Selbstregulationsmodell von Bandura, 1991; Zimmermann, 2000
- das Handlungsphasenmodell von Kuhl, 1987
- das Lernprozessmodell nach Schmitz und Wiese, 1999.

Bevor näher auf dieses Modell eingegangen wird, soll zunächst erläutert werden, was unter selbstreguliertem bzw. selbstgesteuertem Lernen zu verstehen ist.

Nach Weinert (1982) werden Lernformen als selbstgesteuert bezeichnet, bei denen „der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann“. Diese Definition betont die vielfältigen Handlungsspielräume, die sich beim selbstgesteuerten Lernen eröffnen und es wird gezeigt, wie sich diese Art des Lernens von fremdgesteuertem Lernen (bei dem die Gestaltung des Lernprozesses durch andere Personen bestimmt wird) unterscheidet (Schiefele & Pekrun, 1996).

Diese Handlungsspielräume können jedoch nur genutzt werden, wenn der Lernende Fähigkeiten besitzt, diese Spielräume auch für die Aneignung neuen Wissens für sich zu nutzen.

Selbstgesteuertes Lernen ist also eine Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.

Im Prozessmodell der Selbstregulation wird die Handlung des selbstregulierten Lernens in drei Phasen eingeteilt. Alle drei Phasen beschreiben einen anderen Handlungsteil, der für die Gesamthandlung von Bedeutung ist und nicht entfallen kann. Jede Phase ist in sich abgeschlossen, die drei Phasen jedoch bauen aufeinander auf. Im folgenden Schaubild ist das Prozessmodell dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schmitz, B,. (2001). Self-Monitoring zur Unterstützung des Transfers einer Schulung in Selbstregulation für Studierende. Eine prozessanalytische Untersuchung. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie

Präaktionale Phase

Die präaktionale Phase ist die erste Phase des Modells. Sie findet vor dem eigentlichen Handeln statt, also vor der Bearbeitung der Aufgabe. Situative Bedingungen umfassen alle gegebenen, meist externen Voraussetzungen für das Lernen. Dazu zählt die Lernumgebung (ob das Zimmer aufgeräumt ist, ob die Lernatmosphäre ruhig ist), es ist aber auch von Bedeutung, ob in der Gruppe gearbeitet wird oder allein (Gruppenarbeit vs. Einzelarbeit), oder aber ob die Aufgabenstellung eher dem instruktionalen oder konstruktivistischen Ansatz zuzuordnen ist. Aber auch eine schlechte Note in der Schule kann als situative Bedingung gelten und die Handlung beeinflussen. Unter den vorgefundenen Bedingungen ist nun eine Aufgabenstellung zu bearbeiten.

Für einen passenden und angemessenen Strategieeinsatz müssen drei Komponenten - nämlich die Emotionen, die Ziele und die Motivation der Person - berücksichtigt werden.

„Mit dem Begriff Emotion kann einerseits ein situativer und momentaner Zustand (state) und andererseits eine dispositionale Reaktionstendenz (trait) beschrieben werden“ (Wild, E., Hofer, M. & Pekrun, R., 2001). Emotion kann man auch als „allgemeine Gestimmtheit“ bezeichnen, als Stimmung oder Gefühl; jedoch sind Emotionen meist“ intensiver, eher auf ein bestimmtes Objekt gerichtet und in den Folgen als spezifischer beschrieben“ (Bless, 1997). Diese Emotionen können sich positiv oder negativ auf die zu bewältigende Aufgabe auswirken.

Die situativen Bedingungen und die Aufgabe wecken also in der Lernenden Person Emotionen. Eine schlechte Note in der Schule kann traurig machen, aber auch Angst vor einem erneuten Versagen hervorrufen. Diese Emotionen können sich auf die zu bewältigende Aufgabe auswirken.

Man kann fünf Komponenten der Emotion unterscheiden, die am Beispiel Angst erklärt werden sollen:

- affektiv: Ein Schüler, der Angst vor einer Klassenarbeit hat, erlebt ein unlustvolles, nervöses Gefühl
- kognitiv: Der Schüler macht sich Sorgen um einen möglichen Misserfolg und um die Mängel seiner Vorbereitung
- expressiv: Er zeigt einen sorgenvollen Gesichtsausdruck
- physiologisch: Er schwitzt und hat Herzklopfen sowie ein flaues Gefühl im Magen
- motivational: Am liebsten würde der Schüler aus der Situation flüchten und das Schulgebäude verlassen.

Diese Emotionen können auch dauerhaft bestehen und das Selbstbild einer Person prägen, wenn beispielsweise die Note trotz Lernens nicht besser wird und der Schüler denkt, er sei „zu blöd“. Durch kurzfristige Emotionen können längerfristige „Verstimmungen“ ausgelöst werden, die sich auf das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl des Schülers auswirken kann.

Auch die gesetzten Ziele einer Person wirken sich auf die Strategien aus. Dabei ist es wichtig, dass die Ziele, bezogen auf die Aufgabe, realistisch sind und theoretisch möglich sind. Ziele können beispielsweise eine bestimmte Lernzeit, eine bestimmte Anzahl zu bearbeitender Seiten oder eine bestimmte Anzahl von Übungsaufgaben in Mathe sein.

Der letzte Faktor, der sich auf die Strategiewahl auswirkt, ist die Motivation. „Bezogen auf Lernhandlungen meint Motivation die Absicht oder Bereitschaft einer Person sich in einer konkreten Lernsituation intensiv und ausdauernd mit einem Gegenstand auseinander zu setzen. …“ (Wild, E., Hofer, M. & Pekrun, R., 2001). Als bekanntestes Modell gilt das Rubikon- Modell von Heckhausen, bei dem den drei Phasen eine vierte (prädizisional) vorangesetzt wird, die der Intensionsbildung („handle ich oder lasse ich es bleiben“) dient.

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Details

Seiten
42
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638862547
ISBN (Buch)
9783638862707
Dateigröße
684 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79299
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,0
Schlagworte
Forschungsbericht Projekt Endspurt Service Learning Projekte Schulen

Autoren

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Titel: Forschungsbericht zum Projekt "Endspurt"