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Jugendliche Rezeption von Videoclips

Die Welt der Musikvideos in den Köpfen der Jugendlichen

Seminararbeit 2004 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1 Nutzungsdaten von MTVIVA
2.2 Der Begriff Jugendliche

3 Warum so viele zuschauen
3.1 Musikvideos als Begleiter durch den Nachmittag
3.2 Die Lässigkeit der Veejays
3.3 Das Set von MTV
3.4 Szenezugehörigkeit
3.5 Medienkompetenz

4 Zusammenfassung

5 Wie sie zuschauen und zuhören
5.1 Der Unterhaltungshörer
5.2 Der emotionale Hörer

6 Zusammenfassung

7 Was sie sich anschauen
7.1 Mythos in Videos
7.2 Tun sie was sie sehen?

8 Hypothesen rund um die Rezeptionsweisen von Musikclips

9 Conclusio

10 Weitere Forschungsfragen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„MTV bricht ins Wohnzimmer ein und bringt seine

eigene Welt mit, es erobert Raum und Kopf.“[1]

MTV – drei Buchstaben, die keinem Jugendlichen oder jungem Erwachsenen fremd sind. Jeder weiß, dass sie für Music Television stehen und die Mehrheit dieser befindet sich in enger Verbindung mit diesem Fernsehprogramm. MTV startete 1981 mit dem Video „Video killed the Radio Star“ und war der erste Fernsehsender, der rund um die Uhr Musikvideos ausstrahlte. Nach dem Vorbild von MTV sind mittlerweile viele weitere Musikprogramme entstanden, wobei das deutsche Programm VIVA zu einem starken Konkurrenten für MTV geworden ist.[2]

Was aber macht den Reiz von Musikprogrammen aus? Warum reicht nicht die Rezeption von Musik via Radio aus? Warum wird die visuelle Rezeption wichtiger?

Eine mögliche Erklärung liefert Lawrence Grossberg in dem folgenden Paragraphen:

„The new cultural formations of youth films and music video increasingly foreground the visual. It is not, however, a matter of attention but of priorities. One need not pay attention to the video screen; one’s attention can still be determined by the song which calls one to the television. But increasingly, the visual images compete with the sounds as markers which tie the music to the experience and desires of the audience. And in this way, it becomes irrelevant, for example, that performers are lip-syncing their own songs, on that the performance is highly mediated through the technologies of visual and sonorial editing. In fact, the ability to manipulate the presentation becomes the very measure of affective power (e.g., The Pet Shop Boys).”[3]

Demnach kann man ein Video nicht nur als visuelle Ergänzung eines Liedes sehen, sondern vielmehr als Gesamtkunstwerk bestehend aus Musik, schellen Bewegungen und verschiedenen Elementen aus der Rock und Filmtradition, wobei die erhöhten Manipulationsmöglichkeiten der Musiker eine wesentliche Rolle spielen.[4]

Folgendermaßen stellt sich die Frage, welchen persönlichen Nutzen Jugendliche aus dem Konsum von Musikvideos ziehen. Ausgehend von einem medienpädagogischen Hintergrund gelten für den Nutzen von Musik folgende Parameter:

Kulisse, Gefühl, Information, Abgrenzung, Flucht, alltägliche Ablenkung, Gemeinsamkeit, Identität, Abgrenzung von Erwachsenen, Körpergefühl, etc.

Diese Parameter gelten für Musik im allgemeinen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, unter Berücksichtigung von Literatur und ausgesuchten Studien herauszuarbeiten, welchen Nutzen Jugendliche aus dem Konsum von Musikvideos ziehen. Außerdem ist es interessant, im Rahmen dieser Arbeit auf die Lieder und deren visuellen Umsetzung einzugehen. Nicht nur Jugendliche sondern sogar schon Kinder zappen regelmäßig auf MTV oder VIVA herum. Dabei werden sie auch mit Gewalt, Sex, etc. konfrontiert. Ich möchte diskutieren wie sie mit diesen Bildern umgehen.

Zwei zentrale Fragestellungen sollen wie folgt lauten:

- Was macht MTVIVA so interessant für Jugendliche und warum nutzen sie Musikprogramme?
- Werden Jugendliche durch die Inhalte in Musikvideos beeinflusst? Erhöhen einschlägige Musikvideos beispielsweise die Bereitschaft zu Gewalt (Sex, Zigaretten- und Alkoholkonsum)?

2 Begriffsdefinitionen

Ich möchte einige zentrale Begriffe gleich zum Beginn der Arbeit definieren bzw. näher erklären:

2.1 Nutzungsdaten von MTVIVA

Laut einer BIK Studie ist bei MTV die Tagesreichweite 10% und bei VIVA 16%. Die größte Reichweite ist zwischen 17 und 24 Uhr. 60 % der MTV und 72 % der VIVA Zuseher (14-29-jährigen) schauen die ganze Woche über mindestens einmal täglich. 50% der VIVA Zuseher sitzen länger als eine Stunde vor dem Gerät.[5][6]

In einer im Jahre 1995 durchgeführten Repräsentativbefragung von 6,6 Millionen 14- bis 29-jährigen, die in einem sogenannten Telekom-Kabelhaushalt leben, wurde festgestellt, dass VIVA pro Tag 943.000 und MTV 504.000 Zuschauer erreichte. Die bevorzugte Altersgruppe stellen die 14- bis 29-jährigen dar, mit einem deutlichen Schwerpunkt bei den 14- bis 19-jährigen.[7]

2.2 Der Begriff Jugendliche

Laut Brockhaus erklärt sich der Begriff „Jugend“ als „Lebensalterstufe, deren Definition und altersmäßige Bestimmung meist unterschiedlich und ungenau ist, in der Regel aber eine Zeitspanne zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr umfasst.[8]

Im Rahmen dieser Arbeit gilt für den Begriff „Jugendliche“ die oben genannte Zeitspanne vom 12. – 25. Lebensjahr. Ab dem 25. Lebensjahr spreche ich von jungen Erwachsenen. Wenn in dieser Arbeit auch von unter 12-jährigen gesprochen wird, dann gilt der Zusatz Kinder.

Im Allgemeinen ist der Begriff „Jugend“ nur schwer fassbar, da die Alltagssprache hier sehr unterschiedliche Kriterien anlegt. Der alltägliche Jugendbegriff entsteht in einem wechselseitigen Definitions- und Zuschreibungsprozess zwischen Erwachsenen und Jugendlichen.

Soziologisch wird häufig folgende Abgrenzung verwendet, nach welcher Jugend „ in der Regel als diejenige Phase des Lebensverlaufs abgegrenzt (wird), die mit der Pubertät (Geschlechtsreife) beginnt und mit der Übernahme sozial relevanter Erwachsenenrollen, d.h. mit der sozialen Reife, abschließt.[9]

3 Warum so viele zuschauen

Was machen Kinder und Jugendliche wenn sie von der Schule nach Hause kommen? Die meisten finden sich vor oder nach den Hausaufgaben je nach Erziehungsmethode variierend vor dem Fernsehen wieder, um zu entspannen oder zu ‚chillen’, um es in der modernen Form auszudrücken. Wie schon erwähnt hat das ‚Musikvideoschauen’ seit 1981 enorm zugenommen und viele bevorzugen die endlose Abfolge ebendieser Videos einer Sitcom oder Serie.

Die veränderte Fernsehweise hin zum Musikvideo und weg von den traditionellen Serien, Filmen, etc. interessiert mich persönlich sehr, da ich mich als Jugendlicher nicht mit den MTV-Fans identifizieren konnte, obwohl ich sehr wohl zur MTV-Generation gehörte. Jetzt, als junger Erwachsener, sehe ich mehr MTV und VIVA als zuvor. Den Grund dafür kann ich nicht wirklich nennen. Auf jeden Fall stellt das Musikvideoschauen für mich keine Vollzeitbeschäftigung dar, sondern ist fast immer nur eine Nebenbeschäftigung. Meine 13-jährige Cousine hingegen ist mit MTV vollkommen ausgelastet und kann dabei stundenlang vorm Bildschirm hängen. Zu diesen verschiedenen Verhaltensweisen der MTV-Schauer möchte ich später noch Bezug nehmen.

Auf alle Fälle unterscheidet Jugendliche in ihrem Fernsehkonsum von anderen Bevölkerungsgruppen die Art und Weise, wie sie Fernsehen konsumieren.

„Ferngesehen wird immer seltener nach dem traditionellen Schema – [sic!] eingeschalten, Informationen aufnehmen, Sendung zu Ende, ausschalten. (...) Man ist nicht mehr dazu verpflichtet, Anfang oder Ende einer Sendung zu beachten, konzentriert zuzuschauen oder gar Informationen zu verarbeiten.“[10]

Das bedeutet, dass Fernsehen in ‚Häppchen’ aufgenommen wird, in kleinen Portionen, die nicht zusammenhängend sein müssen. Das erklärt auch – die Erfindung der Fernbedienung mitbedacht – das Phänomen des Zappens. Dieses Rezeptionsverhalten wird natürlich durch das Sendeschema von MTV begünstigt. Es ermöglicht dem Zuschauer einen jederzeitigen Ein- und Ausstieg, ohne dadurch wichtige Zusammenhänge zu verlieren. Dies ist definitiv ein Grund für den Erfolg von Musikvideos. Nun möchte ich weitere Gründe des ‚Pro-Musikvideoschauens’ aufzählen.

3.1 Musikvideos als Begleiter durch den Nachmittag

Nie war es leichter, Stars täglich in sein eigenes Wohn- oder Schlafzimmer zu bekommen. Heutzutage hat jeder Haushalt einen Fernseher, viele Kinder und Jugendliche haben schon ihr eigenes Gerät, das sie selbst bedienen können. Welche Eltern denken schon an die Möglichkeit, dass ihr Kind am Nachmittag nicht jugendfreie Szenen zu Augen bekommen könnte? Einige Musikvideos zeigen jedoch sehr wohl Bilder, welche nicht für den Konsum ihrer Kinder geeignet wären. Doch oft sind die Eltern beschäftigt, oder aber sie wissen einfach nicht, dass das für sie neue Genre der Musikvideos nicht jugendfreie Szenen zeigt – von den Texten, also den Lyrics der Songs gar nicht zu reden. Aber glücklicherweise verstehen die in nicht englischsprachigen Ländern aufgewachsenen Kids die Songs (noch) nicht. In Amerika, Australien, Großbritannien, etc. herrscht hingegen eine Zensur gegen nicht jugendfreie Lyrics, genannt ‚parental advisory’. Nun aber zu den Gründen des MTV-Schauens.

3.2 Die Lässigkeit der Veejays

Die Jugendlichen bekommen also ihren Stars oder ihre Stars direkt nach Hause geliefert und zwar auf einem Silberteller präsentiert von den kleineren Stars, den sogenannten Veejays (VJs). Ihre Aufgabe ist es, durch ihre Optik, ihr Verhalten und ihre Sprache das Image des Senders und dessen Verbindung zur jugendlichen Zielgruppe zu repräsentieren. Sie sagen Musikvideos nicht nur an, sondern liefern Informationen über den jeweiligen Star. Die jugendlichen Seher identifizieren sich mit den VJs, auch wenn diese für Erwachsene als zu trendy erscheinen mögen. Diese Form der Identifikation mit der eigenen Gruppe oder Generation ist sehr wichtig, da VJs eine Art Gegenpol zu dem doch distanzierten Star bilden. Den jugendlichen Rezipienten wird also eine Identifikationsmöglichkeit durch die coolen VJs gegeben.[11]

3.3 Das Set von MTV

Verschiedene Hintergrundgestaltungen der einzelnen Sendungen dienen dazu, das Interesse der Rezipienten während der Moderation aufrecht zu erhalten. So etwa wechseln verschiedene Sets sowie computeranimierte Hintergrundbilder, vor denen die VJs stehen. Auch das Licht spielt eine Rolle und oft wird den Auftritten von Stars durch gedämpftes Licht eine intime Atmosphäre verliehen. Durch diese Faktoren wird den Jugendlichen ein Eindruck von Informalität und Spontaneität vermittelt, der wichtig ist, um deren Aufmerksamkeit zwischen den Videos zu halten.[12]

3.4 Szenezugehörigkeit

„Hast du schon das neue Video von Béyonce gesehen?“ – Natürlich ist es für jeden Jugendlichen wichtig, dazuzugehören, denn das Zusammengehörigkeitsgefühl ist gerade in diesem Alter stark ausgeprägt. Daher ist es auch extrem wichtig, diese Frage bejahen zu können und dann kann eine Diskussion über eben dieses Video beginnen. Hat der oder die Jugendliche das Video nicht gesehen, kann er nicht mitreden. Er ist sozusagen out. Es herrscht also auch eine Art Gruppenzwang um Dazuzugehören Dieses Phänomen zieht sich aber durch viele jugendliche Verhaltensweisen, angefangen vom Zigarettenkonsum bis zur Mode. Daher will ich diesen Punkt nicht weiter behandeln.

3.5 Medienkompetenz

All diese Faktoren werden von der Musikindustrie eingesetzt, um MTVIVA noch interessanter zu machen und die Jugendlichen vor den Bildschirm zu holen. Dennoch darf man nicht den Fehler machen und unsere Jugend als fernsehgeschädigte Minderjährige sehen, denn sie sind die Generation, die wahrscheinlich am besten mit Medien umgehen kann. Sie machen nämlich Gebrauch von der sogenannten Medienkompetenz.

[...]


[1] Busse, 1996, S. 11.

[2] Vgl. Egartner, 2000, S. 102.

[3] Grossberg, In: Egartner, 2000, S. 103.

[4] Vgl. Egarnter, 2000.S. 103.

[5] Ich verwende die Programmbezeichnungen MTV und VIVA im Rahmen dieser Arbeit als gleichwertige Begriffe. Beide stehen für Musiksender; deren ungleiche Reichweitenverteilung spielt keine Rolle bei dieser Themenaufarbeitung.

[6] Vgl. Stadlbauer, 2003, S. 84.

[7] Vgl. http://www.nolovelost.com/boris/viva.htm/

[8] Vgl. Brockhaus 1994, S. 133.

[9] Stadlbauer, 2003, S. 30.

[10] Janke/Niehues, In: Spreitzhofer, 1996, S. 20.

[11] Vgl. Spreitzhofer, 1996, S. 62.

[12] Vgl. ebd. S. 63.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638857185
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79217
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
2,0
Schlagworte
Jugendliche Rezeption Videoclips

Autor

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