Lade Inhalt...

Die Münzreform Karls des Großen - Ist sein Denar ein früher Euro?

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geldverhältnisse nach dem Untergang des römischen Reiches

3. Karl der Große und seine Münzen vor der Münzreform

4. Die Münzreform Karls des Großen 794
4.1 Frankfurter Kapitular
4.2 Die Münzen Karls des Großen nach der Münzreform
4.3 Die neue Währung
4.3.1 Ausbreitung der Währung
4.3.2 Der Wert eines Denars

5. Schlussbetrachtung

6. Quellen und Literatur

1. Einleitung

Anfang 2002 wurde in zwölf Staaten Europas der Euro eingeführt.[1] Mit dieser gemeinsamen Währung begann ein neuer Abschnitt in der europäischen Geschichte. Durch diesen Schritt wurde der Handel und Geldtransfer unter den Staaten vereinfacht und brachte sie noch näher zusammen, um auf dem Weltmarkt als ein Europa auftreten zu können.

Diese gemeinsame Währung ist dennoch keine Idee des 20. Jahrhunderts. Denn schon vor ca. 1200 Jahren führte Karl der Große eine einheitliche Währung in seinem Reich ein. Viele heutige europäische Staaten nahmen diese Währung als Grundlage für ihre eigene und selbst die Relation des britischen Pfund zu den Pennies (Denar) beruhte bis zur Umstellung auf das Dezimalsystem, Februar 1971, auf der Grundlage Karls des Großen. Dabei haben die späten Münzen Karls des Großen einen besonderen Stellenwert, da sie neben dem Zahlungsmittel die einzigen Bildquellen sind, welche eine zeitgenössische Darstellung Karls des Großen zeigen.

Diese Arbeit soll klären, ob der Denar[2] eine frühe Form des heutigen Euros ist.

Dabei wird zuerst auf die Zustände eingegangen, die nach dem Untergang des römischen Reiches herrschten. Danach wird ein Einblick auf das Frankfurter Kapitular, welches den Startschuss für die neue Währung einleitete, gegeben. Im letzten Teil wird auf die Menschen dieser Zeit eingegangen, wie sie die Münzen annahmen und welchen Wert ein Denar für sie besaß.

2. Die Geldverhältnisse nach dem Untergang des römischen Reiches

Das römische Imperium besaß ein hoch entwickeltes Geldwesen, welches aus Gold-, Silber- und Kupfermünzen bestand. Mit dem Untergang des weströmischen Reiches fiel der Wirtschaftskreislauf zusammen und somit auch die Geldwirtschaft.[3] Erst im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde im fränkischen Merowingerreich erneut versucht, einen inländischen Geldverkehr herzustellen. Dabei besann man sich auf antike Traditionen und verwendete Gold als Grundlage für die Münzprägung. Dabei entstanden meist Imitativprägungen, d.h. Nachahmungen spätrömischer und byzantinischer Solidi (nominaler Münzwert), vor allem von dem Kaisern Anastasius (491-518) und Justinian (527-565).[4] Erst der Merowingerfürst Theudebert I (534-548) ließ sich als erster germanischer Fürst auf eine Münze prägen. Die folgenden Merowingerkönige folgten diesem Beispiel. Diese Münzen sind aber eher eine Ausnahme und wurden als Demonstrationen gegen Byzanz gesehen.

Der Beginn eines neuen Münzsystems wurde vom Hausmeier[5] Ebroin eingeleitet. Dieser führte als einzigen Münzwert den Denar ein. Die einzige Grundlage der Währung sollte Silber sein.[6] Pippin der Jüngere (714-768), Vater Karls des Großen und Hausmeier des letzten Merowinger-königs Hilderich III, setzte 751 diesen ab und ließ ihn in ein Kloster schicken. Mit diesem Zeitpunkt regierten die Karolinger nun offiziell im Frankenreich, denn schon lange vor der Machtübernahme herrschten die Hausmeier praktisch wie Könige. Die merowingischen Könige besaßen nicht mehr als einen leeren Königstitel.[7] Pippin entwickelte die Münzprägung weiter, indem er das Münzprägungsrecht, welches vorher von niederen und höheren Gewalten ausgeführt wurde, allein in seine Hände legte. Nur der Kirche und einigen weltlichen Größen machte er Zugeständnisse, welche bis in die Zeit Karls des Großen Münzen mit Ihrem Namen prägen durften.[8] Er führte einen neuen Münzfuß[9] ein, mit welchem seine Münzen einen höheren Wert erhielten.[10] Weiterhin führte er eine reine Silberwährung ein, welche sich schon unter den Merowingern durchgesetzt hatte. Die Ursache für diesen Schritt war die Tatsache, dass der Handel mit dem Orient durch den Einfall der Araber in den Mittelmeerraum im Großen und Ganzen verloren ging und die Franken ihren Handel nach Osten verlagerten. Hier waren aber die wirtschaftlichen Bedingungen (Märkte, Verkehrswege) so schlecht, dass eine Goldwährung nicht mehr zu halten war.[11] Mit Pippin beginnt also die Münzprägung der Karolinger. Äußerlich glichen die Münzen Pippins den merowingischen Münzen, auf denen nur Buchstabenmonogramme vorhanden waren.[12]

3. Karl der Große und seine Münzen vor der Münzreform

Als Pippin der Jüngere 768 starb übernahm Karl der Große mit seinem jüngeren Bruder Karlmann die Königswürde. Das Reich wurde unter den beiden aufgeteilt. Dabei legte sich Karls Gebiet wie ein Gürtel um die Ländereien Karlmanns. Während Karlmann Germanien und Aquitanien erhielt, reichte das Reich Karls des Großen von Friesland über Thüringen bis zur Gascogne.[13]

Das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern war stets angespannt, da beide um die Vorherrschaft ihrer Dynastie im Frankenreich kämpften.[14] Ein Grund für die angespannte Beziehung war unter anderem die verweigerte Hilfeleistung Karlmanns an Karl bei der Niederschlagung eines Aufstandes in Aquitanien.[15] Kurz darauf starb Karlmann (4.12.771). Die Ansprüche der Söhne Karlmanns ließ Karl nicht geltend machen und übernahm die Ländereien Karlmanns.[16] Gerberga, die Witwe Karlmanns, floh mit ihren Söhnen zum Langobardenkönig Desiderius.[17]

[...]


[1] Hierbei wurden Monaco, San Marino und der Vatikan ausgelassen.

[2] Die Silbermünze Denar (lat. denarius) entstand ursprünglich um 211 v. Chr. und besaß einen Wert von zehn.

Der Denar wurde im römischen Reich bei zunehmender Wertverschlechterung bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts

n. Chr. geprägt. Lexikon des Mittelalters Band III, München Zürich 1995 Sp. 694.

[3] North, Michael: Das Geld und seine Geschichte – vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Beck, München, 1994 S. 10

[4] Kluge, Bernd: Münze und Geld im Mittelalter, eine numismatische Skizze, Frankfurt am Main, 2004 S. 6

[5] Hausmeier (lat. major domus), im merowingischen Frankenreich im 7. und 8. Jahrhundert der oberste

Amtsträger am Königshof. Ursprünglich Vorsteher des königlichen Haushalts und der königlichen Güter,

übernahmen im frühen 7. Jahrhundert auch die Führung des Heeres

Microsoft Encarta 2003

[6] Kluge S. 7

[7] Rau, Reinhold: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte, Wiss. Buchges., Darmstadt, 1993 S. 167

aus Vita Karoli Magni, geschr. von Einhard, königlicher Baumeister und vertrauter Karls des Großen

[8] Suhle, Arthur: Deutsche Münz- und Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15 Jahrhundert, Dt. Verl. der

Wiss., Berlin, 1955 S. 22

[9] Münzfuß: ist der Maßstab, der festlegt, wie viele Münzen aus einer Gewichtseinheit Metall geprägt werden

[10] Suhle S. 23 Nach dem Edikt von Vernon (754-755) sollten aus einem römischen Pfund (327,45g) nur noch 22

anstatt 25 Schillinge geschlagen werden. Damit erhöhte Pippin das Gewicht eines Denars auf ca. 1,3g Silber

vgl. Kluge S. 24

[11] Ebenda

[12] Ebenda

[13] Riche, Pierre: Die Karolinger – eine Familie formt Europa, Dt. Taschenbuch-Verl., München, 1991 S. 112

Die Motive dieser Teilung sind nicht bekannt.

[14] Ebenda

vgl. Rau (Vita Karoli Magni) S.169

[15] Riche S. 112

[16] Epperlein, Siegfried: Karl der Große – eine Biographie, VEB Dt. Verl. der Wiss., Berlin, 1982 S.17

In der Reichsversammlung von Corbeney bei Laon wurde Karl der Große von den weltlichen und geistlichen

Größen des Reiches als König anerkannt

[17] Rau S. 169

Gerberga war eine Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, welcher bis zur Unterwerfung der Langobarden

(774) versuchte die Söhne auf den Thron ihres Vaters Karlmann zurückzuführen

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638856829
ISBN (Buch)
9783638853613
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79140
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,5
Schlagworte
Münzreform Karls Großen Denar Euro Mittelalter Einführung Studium Geschichte Bild Herrschaft Fränkische Herrscher Abbildern Zeit

Autor

Zurück

Titel: Die Münzreform Karls des Großen  -  Ist sein Denar ein früher Euro?