Lade Inhalt...

Work-Life-Balance bei Freiberuflern

Hausarbeit 2007 22 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept der Work-Life-Balance

3 Komponenten und Anwendungsbereiche einer erfolgreichen WLB
3.1 Arbeitsplatz
3.2 Arbeitszeit
3.3 Familienservice
3.4 Health Management
3.5 Diversity Management

4 Anwendungsmöglichkeiten der WLB für Freiberufler
4.1 Merkmale und Besonderheiten der freiberuflichen Beschäftigung
4.2 Vorteile der WLB für Freiberufler und mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Konzeptes

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit dem Begriff „Work-Life-Balance“ (WLB) bezeichnet man einen Trend in der modernen Arbeitswelt, dabei werden darunter zum Teil unterschiedliche Themen aufgefasst. Grundsätzlich handelt es sich dabei um das Managen einer Konkurrenzsituation zwischen Arbeit, Familie und Freizeit in Bezug auf Zeit- und Energieressourcen der einzelnen Personen. Damit soll die wichtigste Ressource heutiger Unternehmen gepflegt werden: das so genannte „Human Capital“. Zu den wichtigen Aspekten der WLB gehört unter anderem ein neuer Begriff der Lebensqualität und des subjektiven Wohlbefindens, aber auch der neu interpretierte Begriff der Qualität der Arbeit.

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird das Konzept der Work-Life-Balance näher betrachtet, sowie wirtschaftliche und soziale Entwicklungen der heutigen Zeit, die den Konflikt zwischen Beruf und Familie in der letzten Zeit verschärften und das Vereinbaren der beiden Bereiche zu einem wichtigen Problem der heutigen Zeit machten. Außerdem werden wichtige Aspekte dargestellt, die aus der Sicht verschiedener Forscher für das Erreichen einer optimalen WLB von großer Bedeutung sind, und Prozesse und Techniken aufgeführt, die notwendig sind, um eine optimale Balance zwischen Ressourcen und Abforderungen im beruflichen und privaten Bereich zu erreichen.

Im zweiten Kapitel der Arbeit werden einzelne Komponenten der WLB wie Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung (darunter verschiedene Arbeitszeitmodelle), Gesundheitsmanagement, Familienmanagement aufgeführt und die Möglichkeiten ihrer Optimierung seitens des Unternehmens und der Beschäftigten selbst dargestellt.

Das dritte Kapitel der Arbeit stellt einen Versuch dar, das Konzept der WLB bei freiberuflich Beschäftigten anzuwenden und die Grundkomponenten der WLB aus der Sicht der selbständigen Tätigkeit zu betrachten und Vor- und Nachteile der freiberuflichen Beschäftigung aus der Sicht der WLB zu bestimmen.

2 Das Konzept der Work-Life-Balance

Die aktuellen Entwicklungen der modernen Arbeitswelt, insbesondere im Informations- und Kommunikationsbereich, wachsende Globalisierung und weltweite Vernetzung wirtschaftlicher Aktivitäten wirken sich auch auf die Arbeitsverhältnisse und die Beschäftigten aus, erfordern von Menschen immer mehr Mobilität und Flexibilität, sowohl im räumlichen als auch im zeitlichen Kontext. Neben der Flexibilität ist für den modernen Berufstätigen die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen von hoher Bedeutung, denn das Wissen, insbesondere das Fachwissen immer schneller veraltet, deshalb ist es für einen Erfolg im Beruf ausschlaggebend, immer auf dem neuesten Wissensstand zu sein.

Eine andere Entwicklung, die moderne Arbeitsverhältnisse auszeichnet, ist „eine Angleichung zwischen den Geschlechtern bei gleichzeitig sinkenden Geburtenraten“ (Metz-Gökel, bei Kastner, 2004, S. 108). Die Anzahl arbeitstätiger Frauen ist stark gestiegen, die ihr Leben und Erfolg nicht mehr auf die Familie begrenzen, sondern bessere Bildung und angemessene Arbeitsverhältnisse anstreben. Die demographische Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass die Frauen immer weniger (und auch immer später) Kinder bekommen. Besonders unter den Akademikerinnen, die sich nach dem Studium erst mal auf die Karriere konzentrieren, ist dieser Trend zu verfolgen. Auch berufstätige Frauen, die Kinder bekommen, tendieren eher dazu, den Arbeitsplatz nach der Elternzeit zu behalten und bald ins Berufsleben zurückzukehren (nach Abele, 2005, S. 177).

Im Allgemeinen stiegen durch den Wertewandel und die Individualisierung in der Gesellschaft, sowie immer zunehmende Komplexität und Dynamik der Arbeits- und Lebensbereiche, die Anforderungen nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Bereich des Menschen. Man strebt eine erfüllte, qualitative Freizeitgestaltung an, bei der es nicht bloß ums Zeitverbringen geht, sondern um Aktivitäten, die den Menschen weiterentwickeln und auch (intellektuell oder körperlich) herausfordern.

Diese höheren Anforderungen im Arbeitsalltag und in der Freizeit sowie die komplexen sozialen Systeme gilt es für den Menschen in Balance zu halten, anderenfalls drohen körperliche und psychische Beeinträchtigung von Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit, im schlimmsten Fall sogar Krankheiten, Suchtverhalten und Burnout-Syndrom. Negative Folgen dieser Überforderung bekommen auch Arbeitgeber in Form höherer krankheitsbedingter Fehlzeiten und niedriger Produktivität zu spüren.

Die Work-Life-Balance ist ein sehr komplexer Begriff und kann nicht nur mit dem Aspekt der Stressbewältigung gleichgesetzt werden. Neben diesem Begriff müssen aber auch die Aspekte der „Langfristigkeit, der verschiedenen Steuerungsprobleme, der Auf- und Abschaukelungsprozesse und der Schwierigkeit, (...) langfristige Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Lebensqualität“ zugleich sichergestellt werden (nach Kastner, 2004, S. 5). Umso schwieriger wird es, eine WLB zu erreichen, durch die fortschreitende Entgrenzung der Privat- und Arbeitswelt, die heutzutage stattfindet, so dass es immer schwieriger wird, zu bestimmen, aus welchem Bereich dieses oder jenes Problem stammt und wie sich Probleme gegenseitig kompensieren oder vertiefen.

Welche Beschäftigung und welche Tätigkeit führt denn zur Überforderung, welche Tätigkeit kann als eine Belastung bezeichnet werden? Nicht jede Erwerbstätigkeit wird von dem jeweiligen Beschäftigten als eine Belastung wahrgenommen, genauso (und manchmal) kann die unbezahlte und immer „anwesende“ Hausarbeit und andere familiäre oder soziale Verpflichtungen als richtige „Arbeit“ empfunden werden. M. Kastner (2004, S. 5ff) betrachtet Tätigkeiten aus der Sicht dreier Aspekte, die jede Tätigkeit begleiten:

- investive vs. konsumtive Tätigkeiten (bei den ersten werden Ressourcen wie Zeit, Energie investiert, um später genügend Ressourcen für Befriedigung der Lebensbedürfnisse zurück zu bekommen, bei konsumtiven Tätigkeiten werden die erworbenen Ressourcen verbraucht/konsumiert);
- sinnhafte vs. sinnlose Tätigkeiten (bezieht sich auf die subjektive Wahrnehmung der Tätigkeit);
- motivierende vs. demotivierende Tätigkeiten.

Hinsichtlich des subjektiven Wohlbefindens als Ziel einer erfolgreichen WLB einer Person bezogen auf die drei oben genannten Aspekte der Tätigkeiten kann man behaupten, dass ein (oft subjektiv wahrgenommener) Ausgleich der investiven und konsumtiven Tätigkeiten der persönlichen WLB zugrunde liegt, diese sollten als sinnvoll empfunden werden und Lust auf weitere Arbeit wecken.

Als allgemeines Ziel der WLB kann somit das subjektive Wohlbefinden und die subjektive Auffassung der persönlichen Lebensqualität bei den Menschen bezeichnet werden. Das Erreichen dieses Ziels stellt eine komplexe Aufgabe und ein sehr umfangreiches Anwendungsgebiet dar.

Auf psychologischer Ebene kann das Gefühl des Wohlbefindens durch die Fähigkeit erreicht werden, den Einfluss negativer Ereignisse zu minimieren und durch positive Erlebnisse zu kompensieren. Das SOK-Modell (das Modell der selektiven Optimierung und Kompensation) von Baltes & Baltes (1990) ist in dieser Hinsicht für die WLB von besonderem Interesse, denn es strebt eine Maximierung der Gewinne bei Minimierung der Verluste an. Die persönliche Auffassung seines Wohlbefindens ist sehr subjektiv und hängt weniger von der realen Lebenssituation ab, vielmehr spielen dabei mehrere Persönlichkeitsmerkmale eine bedeutende Rolle, wie zum Beispiel emotionale Stabilität, persönlicher Attributionsstil, Einschätzung eigenen Gesundheitszustandes, Ängstlichkeit und Neurotizismus (Kastner 2004, S. 31f).

Man erreicht eine WLB (nach Kastner) durch ein „wohlausgewogenes Zusammenspiel“ (Wipping) zwischen psychischen und körperlichen Belastungen/Anforderungen, den vorhandenen physischen, psychischen und sozialen Ressourcen (was wir brauchen, um die Aufgaben und Situationen zu bewältigen, d.h. Kenntnisse, Persönlichkeitsmerkmale usw.) und Puffern (sie dienen dazu, die Wirkungen negativer Einflüsse zu mildern, wie z.B. ein Gehörschutz bei starker Lärmbelastung).

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638850186
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79038
Institution / Hochschule
University of Sheffield
Note
1,7
Schlagworte
Work-Life-Balance Freiberuflern Selbst- Sozialkompetenz

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Work-Life-Balance bei Freiberuflern