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Einfluss ausgewählter psychischer Störungen auf die Suizidalität

Depression und Psychosen

Seminararbeit 2006 28 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil I: Depression und Suizidalität
Einleitung
1. Definition der Depression
2. Die Affektive Störung
2.1. Die Depressive Episode
2.1.1. Die leichte depressive Episode
2.1.2. Die mittelgradige depressive Episode
2.1.3. Die schwere depressive Episode (ohne psychotische Symptome)
2.1.4.Die schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
2.2. Rezividierende depressive Störungen
2.3. Die bipolare affektive Störung
2.4. Die Manie
2.5. Sonderformen der Depression
3. Ursachen der Depression
3.1. Das psychodynamische Modell
3.2. Das behavioristische Modell
3.3. Der kognitive Ansatz
4. Auslöser einer Depression
5. Depression und Suizidalität
6. Therapiemöglichkeiten
Schlusswort

Teil II: Psychosen und Suizidalität
Einleitung
1. Definition Psychosen
2. Arten von Psychosen
2.1. Akute Psychosen
2.2. Affektive Psychosen
2.3. Schizophrenie
2.3.1. Symptome der Schizophrenie
2.4. Schizophrenie und Suizidalität
2.4.1.Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahn:
2.4.2. Wahnhafte Missdeutung der Umgebung:
2.4.3. Gefühl der Fremdsteuerung:
2.4.4. Reaktion auf akustische Halluzinationen:
2.4.5. Reaktion auf die Nähe anderer Menschen:
2.4.6. Verlust der sozialen Distanz:
2.4.7. Überforderung durch überzogene Leistungs- und Beziehungsansprüche der Umgebung:
2.4.8. Zunehmende soziale Desintegration:
2.4.9. Krankhafte Überaktivität:
2.4.10. „Verrücktspielen":
2.5. Therapiemöglichkeiten
2.6. Schlusswort

Quellenverzeichnis
Literatur
Internetquellen

Teil I: Depression und Suizidalität

Einleitung

In diesem Teil unserer Hausarbeit wird versucht eine Verbindung zwischen Depressionen, Depressivität und Suizidalität aufzuzeigen. Angefangen bei den unterschiedlichen Arten von Depressionen, Unterschieden und Besonderheiten, wird anschließend auf mögliche Ursachen einer depressiven Entwicklung eingegangen, sowie mögliche auslösende Momente. Abschließend wird auf die besondere Konstellation von Depression und Suizidalität eingegangen um schließlich das Themengebiet der Therapiemöglichkeiten anzuschneiden. Es bleibt zu erwähnen, dass Quellen und Fachlektüre sehr breit gefächert das Thema der Depression aufgreifen, was lediglich ein anschneiden und grobes Überliefern vereinzelter Inhalte ermöglichte. Diese Hausarbeit dient der Orientierung, verschafft dem Leser lediglich einen Überblick, inwiefern Depressivität und Suizidalität in Zusammenhang stehen. Umfangreichere Aussagen würden den Rahmen der Hausarbeit übersteigen.

1. Definition der Depression

Kurt und Gudrun Eberhard fassen in ihrer Ausgabe von „Typologie und Therapie der depressiven Verstimmungen“ (Göttingen 1997) in ihrem zweiten Kapitel treffend zusammen: „[…] Der Versuch, mit Hilfe der Fachliteratur Klarheit zu erlangen, schlug gründlich fehl. Je länger wir sie studierten, desto größer wurde unsere Verwirrung.[…]“[1].

Die Depression als solche wird in der Fachliteratur auf verschiedene Art und Weise betrachtend beschrieben. Jedoch alle Artikel und Bücher stimmen in einer Aussage überein:

Die Depression beschreibt den Zustand der allgemeinen Niedergeschlagenheit[2].

Die Depression ist dabei eher eine Zusammenfassung von mehreren Symptomen psychischer und somatischer Manifestation[3].

Nur wenn mehrere der aufgeführten Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten, kann man von einer Depression oder depressiven Verstimmung sprechen:

Die wichtigsten Symptome sind:

- Fehlendes Interesse und Freude an normalen Aktivitäten und Vergnügungen
- Sozialer Rückzug
- Veränderung von Persönlichkeitszügen, wie z.B. plötzliche Aggressivität
- Geringerer Appetit/Gewichtsverlust oder erhöhter Appetit und Gewichtszunahme
- Schlafstörungen, gekennzeichnet durch frühzeitiges Erwachen gefolgt von Grübeln oder durch Einschlafstörungen
- Geringerer oder erhöhter Schlafbedarf
- Rastlosigkeit oder Trägheit
- Verringerte sexuelle Energie
- Fehlende Energie, Müdigkeit
- Geringeres Selbstbewusstsein
- Schuldgefühle
- Weinerlichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten, langsamer Gedankengang
- Unentschlossenheit
- Wiederkehrende Gedanken über den Tod, Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche
- Wahnphänomene[4]

2. Die Affektive Störung

Im, von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelten System, ICD (International Classification of Diseases) wird die „Depression“ unter den Affektiven Störungen zusammengefasst. Diese Gruppe enthält Störungen, deren Hauptsymptome in einer Veränderung der Stimmung oder der Affektivität entweder zur Depression oder zur gehobenen Stimmung bestehen. Meist wird dieser Wechsel von einer Veränderung des allgemeinen Aktivitätsniveaus begleitet. Der Beginn der einzelnen Episoden ist oft mit belastenden Ereignissen oder Situationen für den Einzelfall in Zusammenhang zu bringen.

2.1. Die Depressive Episode

Während einer depressiven Episode leidet der Betroffene an den typischen, oben genannten Symptomen. Je nach Anzahl und Dauer der Symptome unterscheidet man die leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episode, zu der noch psychotische Symptome hinzukommen können. Wenn der depressive Zustand über einen langen Zeitraum aufrechterhalten bleibt, spricht man von der sog. Dystymie.

2.1.1. Die leichte depressive Episode

Zwei bis drei Symptome treten auf, der Patient ist zwar beeinträchtigt, kann jedoch die meisten Aktivitäten seines gewohnten Tageablaufes fortsetzen.

2.1.2. Die mittelgradige depressive Episode

Meist sind vier oder mehr Symptome vorhanden und der Betroffene hat große Schwierigkeiten alltägliche Aktivitäten seines Lebens fortzusetzen.

2.1.3. Die schwere depressive Episode (ohne psychotische Symptome)

Mehrere der Symptome treffen zu und quälen den Patienten. Meist kommen der Verlust des Selbstwertgefühls, Gefühle der Wertlosigkeit und Schuld hinzu. Hier sind Suizidgedanken und -handlungen häufig. Körperliche Auswirkungen sind ebenfalls weit verbreitet bei Betroffenen in dieser depressiven Episode.

2.1.4.Die schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Zum Auftreten der eben genannten Beschwerden kommen Wahnideen, Halluzinationen oder psychomotorische Hemmungen, so dass alltägliche Aktivitäten des sozialen Zusammenlebens unmöglich sind. Suizid sowie eine mangelnde Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme gefährden das Leben des Betroffenen.

2.2. Rezividierende depressive Störungen

Bei dieser Art von Störung handelt es sich lediglich um einzelne depressive Episoden, die wiederholt auftreten. Diese depressiven Episoden sind jedoch nicht von Phasen gehobener Stimmung mit vermehrtem Antrieb durchbrochen. Die erste Episode kann zwischen Kindesalter und Seniorenalter stattfinden. Die Dauer variiert von wenigen Wochen bis hin zu vielen Monaten.

Hierbei ist für Therapeuten und Ärzte immer wieder schwer zwischen der rezividierenden Störung und einer bipolaren Störung zu unterscheiden.

Wenn depressive Episoden von einer manischen Episode unterbrochen wurde, dies auch so diagnostiziert wurde, ist die Diagnose für den Patienten in bipolare affektive Störung umzuändern[5].

Wenn der Patient gegenwärtig und in den letzten Monaten keine depressiven Symptome zeigt(e), nennt man die Erscheinung remittiert, zeitweilig nachlassend.

2.3. Die bipolare affektive Störung

Bei der bipolaren affektiven Störung handelt es sich um eine Störung, die durch wenigstens zwei Episoden eindeutig charakterisiert wird. Während dieser Phasen sind die Aktivität und die Stimmung des Betroffenen deutlich gestört. Hierbei wechselt das Niveau von Aktivität und Antrieb zwischen sehr hoch oder vermehrt (Manie) aber auch vermindert oder niedrig (Depression). Ebenfalls als bipolare affektive Störung zu klassifizieren ist die wiederholte manische oder sogar hypomanische Episode.

2.4. Die Manie

Bei der Manie ist die Stimmung situationsinadäquat gehoben und schwankt zwischen sorgloser Heiterkeit und unkontrollierter Erregung.[6]

Weiterhin wird bei der Manie von einer Überemotionalität, einer Ideenflucht einer lockeren Heiterkeit sowie von einer subjektiven Gewissheit der eigenen Größe, Potenz und Macht ausgegangen[7].

2.5. Sonderformen der Depression

Zu den Sonderformen der depressiven Verstimmung zählen neben der Altersdepression, der postpartalen Depression auch die Winterdepression.

Wie der Name Altersdepression schon sagt, wird bei den über 70-jährigen ein Hang zur Depressivität festgestellt. So sind14% der 70 bis 74-jährigen depressiv und bei den über 80-jährigen sogar 42%[8]. Zu einer Ursachenforschung kommen wir später.

Die postpartale Depression nennt man die Depression von Müttern, nach der Geburt, an denen ca. 10%- 20% aller Mütter leiden.[9] Als Ursache werden physische Veranlagungen, peripartale Faktoren (Verlauf der Schwangerschaft), psychische Faktoren (mitunter Perfektionismus oder auch Identitätskrisen) und soziale sowie gesellschaftliche Faktoren gesehen (Beziehung zum Partner, Reaktion bereits vorhandener Kinder oder auch ein verklärtes Mutter- Image).

Die bekannteste der Sonderformen ist die Winterdepression, auch genannt Affektive Störung mit saisonalem Muster. Hier kommt es durch Entzug von Tages- oder Sonnenlicht zu einer Stimmungsbeeinträchtigung.

3. Ursachen der Depression

Im Laufe der Entwicklung einer psychologischen Wissenschaft und Forschung haben sich neben der rein biologischen Betrachtung drei Theorien durchgesetzt zur Erklärung wie es überhaupt zum Ausbruch der affektiven Störung, in diesem Fall Depression, kommen kann.

3.1. Das psychodynamische Modell

Im psychodynamischen Modell wird davon ausgegangen, dass die Depression durch unbewusste Konflikte und feindselige Gefühle gegen sich selbst ausgelöst wird.

Sigmund Freud gilt hier als klassischer Vertreter dieser Theorie. Er hatte Anfang des 20.Jh die Annahme geäußert, dass die Depression eine Reaktion des Zornes ist, der ursprünglich gegen jemand Anderen gerichtet sei, sich dann jedoch im weiteren Verlauf durch Introjektion gegen das eigene Selbst richtet. Er ging davon aus, dass eine besonders innige und abhängige Beziehung im Kindesalter, die jedoch nicht die kompletten Bedürfnisse einer Person abdecken könne, einen Teil der Ursache ausmachte. Der zweite Teil wäre seiner Theorie nach dann das Wiederholte Erleben des realen oder symbolischen Verlustes im Erwachsenenalter, welches zu oben genannten feindseligen Gefühlen führen würde, die auf das eigene Ich projiziert würden, um letzten Endes in Selbstvorwürfe und die Depression mündeten[10].

Sandler und Joffe standen in den 1960er Jahren dieser Theorie eher skeptisch gegenüber. Sie hielten die Depression nicht nur für schädlich und gegen sich selbst gerichteten Zorn, viel mehr gingen sie auch auf die positiven Aspekte der depressiven Stimmungen ein, was Emmy Gut 1989 in ihren Theorien ebenfalls weiter verfolgte[11].

3.2. Das behavioristische Modell

Dieses Modell konzentriert sich auf die Konzepte der Verstärkung.

Wenn ein Mensch nach einem großen Verlust, einem einschneidenden Erlebnis nicht genügend positive Verstärkung erhält und viele negative Bestrafungen erfährt, so entstehen daraus depressive Gefühle. Dieser Theorie zufolge, kommt es dann durch weiteren Entzug von positiven Verstärkungen zu einem Rückzug der Person in sich selbst und einem verstärkten Gefühl der Bedrücktheit[12].

Weiterhin wird im Zuge dieser behavioristischen Annahme davon ausgegangen, dass durch die anfänglich Aufmerksamkeit und Sympathie die depressive Verstimmung weiter aufrechterhalten bleibt. Genau diese Aufmerksamkeit wollte der in sich zurückgezogene Mensch ja erfahren. Leider ermüdet das meist aufrecht gehaltene depressive, verstimmte Gemüt des Betroffenen seine Mitmenschen, sie beginnen sich zurückzuziehen. Diese Reaktion wiederum ruft bei dem Betroffenen eine tiefere depressive Verstimmung hervor, da sie meist nicht verstehen, warum die Umwelt sich erneut von ihm abwendet. Hier ist es also notwendig mit Offenheit und Ehrlichkeit zu intervenieren. Der Betroffene kann positives Feedback (Lob, Aufmunterungsversuche) nur unterschätzen und neigt zum Überschätzen von negativem Feedback (erneute Niederschläge, Abwendung v. Freunden)[13]

3.3. Der kognitive Ansatz

Der kognitive Ansatz wird in der Fachliteratur noch einmal in zwei Theorien unterteilt. Die erste Theorie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von kognitiven Schemata (meist negativ) und einer depressiven Reaktion. Die zweite Theorie wird als erlernte Hilflosigkeit bezeichnet.[14]

Die Theorie von kognitiven Schemata stützt sich auf die Kernaussage, ein Betroffener nehme seine Umwelt durch bestimmte Schablonen wahr. Diese Schablonen sind jedoch so negativ besetzt, dass der Betroffene der Meinung sei, er sei für bestimmte Ereignisse verantwortlich, die dann auch noch auf eine sehr negative Art und Weise betrachtet würde vom Betroffenen.

Als Vorreiter dieser Theorie gilt Aaron Beck. Er geht davon aus, dass der Depression eine verzerrte Wahrnehmung zu Grunde liegen müsse, die er als kognitive Triade bezeichnet:

Der Betroffene hat eine negative Einstellung zu seiner Person, seiner Vergangenheit (Erfahrung) und seiner Zukunft. Erklärend wird hinzugefügt, dass der Depressive Betroffene dazu neige, sich selbst als unzulänglich und fehlerhaft zu sehen, zu glauben, dass dies nur eine leidliche und schwierige Zukunft nach sich ziehen würde, was wiederum all die vergangenen Erfahrungen negativ überdeckt. All dies führe laut Becks Ausführungen zu einer wenig motivierten Grundeinstellung und münde in die, für eine Depression bekannte, Lähmung des Willens, die Antriebslosigkeit.

Erlernte Hilflosigkeit beschreibt den Zustand, dass die Depression von dem Glauben allein hervorgerufen würde, der Betroffene habe wenig oder gar keine Kontrolle über für ihn wichtige Lebensereignisse.

Vertreter dieser Forschungsrichtung ist Martin Seligman. Er hat die Theorie aufgestellt, dass depressive Personen glauben, zukünftige Ereignisse, die für sie von Bedeutung sind, nicht beeinflussen zu können. Einzig und allein die charakterliche Einzigartigkeit scheint ein klarer Angriffspunkt dieser Theorie zu sein. Nicht jeder Mensch schreibt ein bestimmtes Ereignis der gleichen Ursache zu (Attribuierung).

[...]


[1] Eberhard K. und G. (1997) Typologie und Therapie der depressiven Verstimmungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, S. 11

[2] Fritze, M. (1988) Klassifikatorische Aspekte depressiver Störungen. Europäische Hochschulschriften: Reihe 6, Psychologie, Freie Universität Berlin, Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main, S. 15

[3] Fritze, M. (1988) Klassifikatorische Aspekte depressiver Störungen. Europäische Hochschulschriften: Reihe 6, Psychologie, Freie Universität Berlin, Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main, S.15

[4] http://www.psychohelp.at

[5] Icd 10 : F33.- aus http://de.wikipedia.org/wiki/ICD_10

[6] Icd 10 : F 30.1 aus http://de.wikipedia.org/wiki/ICD_10

[7] Mentzos, S. (1995) Depression und Melancholie. Psychodynamik und Therapie affektiver Störungen.

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, S. 82

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Depression

[9] www.schatten-und-licht.de

[10] Zimbardo, P. G. u. Gerrig, R. J. (2004) Psychologie. Pearson Verlag, München, S. 279

[11] Mentzos, S. ( 1995) Depression und Melancholie. Psychodynamik und Therapie affektiver Störungen.

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen S. 24-25

[12] Zimbardo, P. G. u. Gerrig, R. J. (2004) Psychologie. Pearson Verlag, München, S. 679

[13] Zimbardo, P. G. u. Gerrig, R. J. (2004) Psychologie. Pearson Verlag, München, S. 679

[14] Zimbardo, P. G. u. Gerrig, R. J. (2004) Psychologie. Pearson Verlag, München, S. 680

Details

Seiten
28
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638835275
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78971
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,5
Schlagworte
Einfluss Störungen Suizidalität

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Titel: Einfluss ausgewählter psychischer Störungen auf die Suizidalität