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Klientenzentrierte Gesprächsführung - In welchen Problemfeldern ist diese Beratungsmethode sinnvoll und wann sind dieser Methode Grenzen gesetzt?

Hausarbeit 2006 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte und Begriff

3. Theoretische Grundlagen
3.1. Grundannahmen der Persönlichkeitstheorie nach Carl R. Rogers
3.2. Prinzipien
3.3. Haltungen
3.4. Elemente des Beratungsgesprächs
1. Der äußere Rahmen
2. Vorbereitung
3.Anamnese
4. Gesprächsanfang
5. Gesprächspausen
6. Fragen des Klienten
7. Gesprächsende
8. Gesprächsaufzeichnungen

4. Anwendung der klientenzentrierten Gesprächsführung
4.1. Bedingungen für die Anwendung
4.2. Grenzsetzungen
4.3. Anwendung in der Pädagogik

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Entwicklung der Gesprächstherapie in Deutschland blickt auf verschiedene psychologisch-therapeutische Prägungsphasen zurück. Nachdem zunächst vorrangig lerntheoretische und verhaltenstherapeutische Überlegungen besonders großen Einfluss auf die Gesprächstherapie nahmen, leitete das Erscheinen der Werke des Gesprächstherapeuten Carl R. Rogers hier in den sechziger Jahren einen grundlegenden Wandel ein. Es folgte die Etablierung des klientenzentrierten Ansatzes in den verschiedensten Beratungsinstitutionen.

Doch was sind die theoretischen Grundlagen dieses gesprächstherapeutischen Konzepts? Auf welche Prinzipien beruft sich der praktizierende Therapeut, welche Haltungen sollte er gegenüber seinen Klienten einnehmen und was sind die wichtigsten Elemente einer effektiven klientenzentrierten Gesprächstherapie? Die folgende Arbeit versucht diese und andere Fragen zu beantworten und einen groben Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten, aber auch über entsprechende Grenzensetzungen dieser Beratungsmethode zu geben. Schließlich soll auf die Bedeutung des klientenzentrierten Ansatzes für die Pädagogik eingegangen werden.

„Wenn ich vermeide, mich einzumischen,

sorgen die Menschen für sich selber,

wenn ich vermeide, Anweisungen zu geben,

finden die Menschen selbst das rechte Verhalten,

wenn ich vermeide, zu predigen,

bessern die Menschen sich selber,

wenn ich vermeide, sie zu beeinflussen,

werden die Menschen sie selbst sein.“

Carl R. Rogers, 1975

2. Geschichte und Begriff

Die klientenzentrierte Orientierung ist eine sich fortwährend weiterentwickelnde Form der zwischenmenschlichen Beziehung, die vorrangig auf Wachstum und Veränderung des Individuums abzielt. Die Grundlage dieser Orientierung ist die Hypothese, dass jeder Mensch ein Wachstumspotenzial in sich trägt, das in einer Beziehung zu einer einzelnen Person (beispielsweise einem Therapeuten) freigesetzt werden kann. Das Besondere an diesem therapeutischen Ansatz ist die Schwerpunktsetzung, da hier die Prozesse der Beziehung selbst und nicht die Symptome beziehungsweise ihre Behandlung fokussiert werden.[1]

Die klientenzentrierte Beratung basiert auf den Überlegungen und Erkenntnissen des amerikanischen Gesprächstherapeuten Carl R. Rogers. Nachdem diese Art der Beratung besonders in dem Zeitraum von 1940 bis 1950 in Amerika weiterentwickelt und erprobt wurde, etablierte sie sich, zunächst unter dem Begriff der personenzentrierten Beratung[2], seit den sechziger Jahren auch in Deutschland. Rogers betont in seinem Ansatz vor allem die Selbstheilungskräfte des Individuums und seine Fähigkeit, temporäre Wahrnehmungs- und Anpassungsstörungen, bei entsprechend gezielter Unterstützung, aus eigener Kraft zu bewältigen. So fokussiert die klientenzentrierte Beratung individuelle Erfahrungen, Erlebenszusammenhänge und Entwicklungen des Individuums in seiner Beziehung zu sich selbst sowie in seinen zwischenmenschlich bestimmten Zusammenhängen. Dieser Beratungsansatz basiert auf der Annahme, dass Individuen unmittelbar auf Impulse des eigenen Organismus und des Umfeldes reagieren. Wie das Individuum auf Impulse reagiert, ist davon abhängig, wie die Impulse von ihnen subjektiv wahrgenommen und erlebt werden. Das eigene Erfahren und Erleben wird von den Individuen als „real“ angesehen. Des weiteren geht dieser Ansatz davon aus, dass jedes menschliche Verhalten geprägt wird „durch den zielgerichteten Versuch des Organismus, seine Bedürfnisse, wie sie in dem so wahrgenommenen Feld erfahrbar wurden, zu befriedigen“[3]. Die Selbst-Struktur des Menschen wird hier als Ergebnis der Interaktion zwischen Individuum und Umwelt und vor allem als Resultat von wertbestimmender Interaktion mit anderen angesehen. Folglich ist der beste Ansatzpunkt um menschliches Verhalten zu begreifen, das Verstehen des inneren Bezugssystems des Individuums. Die klientenzentrierten Beratungen setzen demnach immer an der Schnittstelle Person und Umwelt (Lebens- oder Arbeitswelt) an. Sie dienen als Aktivierungs- und Sozialisationshilfen in schwierigen und komplexen Bedingungszusammenhängen, Strukturen und Systemen. Klientenzentrierte Beratungen sollen diese Komplexität reduzieren und bezüglich der Hilfen zur Selbsthilfe eine Orientierung bieten. Diese Beratungsform stützt soziale und personale Kompetenzen einzeln, aber auch kollektiv, und fördert die Entwicklung und Veränderung des Individuums, seiner zwischenmenschlichen Beziehungen sowie seiner Umweltbedingungen.[4]

3. Theoretische Grundlagen

Um das methodische Konzept der klientenzentrierten Gesprächsführung verstehen zu können, ist es notwendig, einen groben Überblick über die Persönlichkeitstheorie von Carl R. Rogers zu geben, da diese Theorie die Basis der klientenzentrierten Beratungsmethode ist. Des Weiteren soll im Folgenden auf Prinzipien und Haltungen des klientenzentrierten Konzepts sowie auf Elemente des eigentlichen Beratungsgesprächs eingegangen werden.

3.1. Grundannahmen der Persönlichkeitstheorie nach Carl R. Rogers

Rogers geht davon aus, dass jeder Mensch die grundlegende Tendenz und Fähigkeit besitzt, sich selbst zu erhalten und sich weiterzuentwickeln. Man spricht hier von der sogenannten Aktualisierungstendenz, die nach Rogers der angeborene Initiator des Verhaltens ist. Wird diese Tendenz nicht (durch entsprechende Umweltfaktoren) behindert, bewirkt sie beim Individuum Wachstum und Reife. Das heißt, das problembelastete Individuum trägt alle zu seiner Problemlösung notwendigen Kräfte in sich und ist selbst am besten in der Lage Lösungsstrategien für seine Probleme zu entwickeln. Die Aktualisierungstendenz ist die eigentliche Basis des klientenzentrierten Ansatzes. Folglich zielt eine klientenzentrierte Vorgehensweise vor allem darauf ab, diese jedem Menschen immanente Kraft (Tendenz) zu unterstützen beziehungsweise zu aktivieren. Diese Unterstützung ist von besonderer Bedeutung, da der Mensch mit seiner Tendenz zu Aktualisierung und Selbstentfaltung täglich mit seiner Umwelt und deren spezifischen Reizen und Anforderungen konfrontiert wird. Aufgrund der Auseinandersetzung mit der Umwelt und der Tendenz zur Selbstaktualisierung bildet sich das Individuum ein Bild von sich selbst, ein sogenanntes Selbstkonzept, das im idealen Fall organisiert, dynamisch, konsistent und somit in der Lage ist, flexibel auf alle Umweltreize zu reagieren[5]: „Das Selbstkonzept hat die Funktion eines Selektionsapparates, das die Wertung von Außenobjekten im Wahrnehmungsfeld vornimmt und bewirkt, ob etwas nicht erfasst, ignoriert oder verzerrt wird.“[6]

Die angeborene Aktualisierungstendenz und das sich entwickelnde Selbstkonzept bedingen nun, dass jede Wahrnehmung von der Umwelt grundsätzlich subjektiv ist. Das Individuum reagiert demnach auf einen Umweltreiz so, wie dieser erfahren und wahrgenommen wird. Dieses Wahrnehmungsfeld entspricht für das Individuum der Realität: „Ich reagiere nicht auf irgendeine absolute Realität, sondern auf meine Wahrnehmung dieser Realität. Diese Wahrnehmung ist für mich die Realität.“[7] Nach Rogers bedient sich das Individuum verschiedener Strategien um auf Lebenserfahrungen zu reagieren: entweder nimmt das Individuum Erfahrungen wahr, symbolisiert sie und organisiert sie in eine Beziehung zu dem eigenen Selbst, oder das Individuum ignoriert Erfahrungen, da es keine wahrgenommene Beziehung zur Selbststruktur gibt. Es besteht aber auch die Möglichkeit Erfahrungen zu leugnen beziehungsweise verzerrt zu symbolisieren, weil die Erfahrung mit der Selbststruktur nicht übereinstimmt. Kann das Individuum erfahrene Umweltreize in Übereinstimmung mit seinem Selbstkonzept bringen und somit integrieren, ist die psychische Anpassung des Individuums an die Umwelt gelungen. Macht das Individuum hingegen Erfahrungen, die nicht mit dem Selbstkonzept übereinstimmen, so entsteht zwischen dem Selbst und der Erfahrung ein Zustand der Inkongruenz. Es resultieren aus diesem Zustand Fehlanpassungen an die Umwelt, da das Individuum nicht integrierbare Erfahrungen als Bedrohung empfindet und folglich mit Ängsten oder anderen Verteidigungsstrategien reagiert. Ziel einer adäquaten Therapie im Falle einer Fehlanpassung ist es nun, die Inkongruenz zwischen dem Selbst und der Erfahrung(en) wieder aufzuheben und stattdessen eine Übereinstimmung herzustellen. Dies gelingt dem Therapeuten, indem er schrittweise die Grenzen des Selbstkonzeptes des Klienten flexibler macht, so dass dieser die verleugneten und verzerrten Erfahrungen an sein Selbstbild assimilieren kann. Demzufolge besteht die Aufgabe des Therapeuten darin, entsprechende Bedingungen zu schaffen, die dem Klienten die Möglichkeit bieten, sich zu verändern.[8]

3.2. Prinzipien

Wie bereits erwähnt, muss der Therapeut die Selbstheilungskräfte des Individuums fördern, indem er eine unterstützende Beziehung zu dem Individuum aufbaut, die nicht von dem Therapeuten und dessen Selbstkonzept dominiert wird. Vielmehr soll für den Klienten ein geschützter Raum zur Selbsterkenntnis, Selbstanalyse und Selbstentfaltung geschaffen werden, um die Chance auf die Flexibilität des Klienten-Selbstkonzeptes zu maximieren. Auf diesem Hintergrund lassen sich zwei grundlegende Prinzipien für die klientenzentrierte Gesprächstherapie ableiten: zum einen hat die Beratung seitens des Therapeuten nicht direktiv zu erfolgen und zum anderen stehen die Klienten im Vordergrund, nicht die Probleme.

Im Gegensatz zur direktiven Beratung wird das Problem des Klienten von dem Therapeuten weder definiert, gewertet oder modellhaft zur Diskussion gestellt, noch werden die Erfahrungen des Klienten mit denen des Therapeuten verglichen. Da es um die Förderung der Selbstauseinandersetzung des Klienten mit seinen Zielen, Werten und Wünschen geht, wird in der klientenzentrierten Gesprächsführung auf eine aktive und direktive Rolle des Therapeuten verzichtet. Die Funktion des Therapeuten ist eher die Gestaltung einer Beratungssituation, in der sich dem Klienten Möglichkeiten zur Selbstexploration bieten, das heißt, dass der Klient Gelegenheit bekommt über seine Emotionen, Erfahrungen, Einstellungen, Wünsche, Ziele und Werte zu sprechen und sich dieser klarer wird.

[...]


[1] vgl. Pfeiffer, W., 1994, S. 17

[2] u.a. aufgrund von Weiterentwicklungen und Adaptionen lässt sich die klientenzentrierte Gesprächsführung in
der Fachliteratur auch unter den Begriffen nicht-direktive Beratung, personenzentrierte Psychotherapie,
klientenzentrierte bzw. klientenbezogene Gesprächstherapie u. ä. finden

[3] vgl. Straumann, U., 2004, S. 64

[4] vgl. Straumann, U., 2004, S. 64ff.

[5] vgl. Weinberger, S., 2004, S. 23ff.

[6] vgl. Galuske, M., 2002, S. 176, nach Sander, 1975

[7] vgl. ebd., S. 177, nach Rogers, 1973

[8] vgl. ebd., S.176f.

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638835138
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78943
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
2,0
Schlagworte
Klientenzentrierte Gesprächsführung Problemfeldern Beratungsmethode Methode Grenzen

Autor

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