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Das Schöne in Schillers Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen"

Seminararbeit 2005 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen
2.1. Entstehung der Briefe
2.2. Inhalt der Briefe

3. Schillers Verständnis des Schönen
3.1. Allgemeines Schönheitsverständnis
3.2. Das Idealschöne, schmelzende und energische Schönheit.

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur:

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit Friedrich von Schillers „Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen“ und den darin enthaltenen Konzepten des Idealschönen, der schmelzenden und energischen Schönheit.

Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit den Ästhetischen Briefen. Im ersten Kapitel wird auf die Entstehung der Briefe eingegangen. Es werden die Umstände der Entstehung dargelegt und die Bedeutung sowohl des Aufeinandertreffens Schillers mit Goethe, als auch der Auswirkungen der französischen Revolution auf das Schaffen Schillers. Außerdem wird die Ankündigung der Briefe in der Literaturzeitung durch Schiller selbst thematisiert.

Im zweiten Kapitel wird dann auf den Inhalt der Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen eingegangen und die wichtigsten darin enthaltenen Themen kurz angeschnitten. Das sind im Einzelnen die Objektivität des Schönen, der ästhetische Zustand, die Kunstautonomie, die Trieblehre, die Bedeutung des Spiels, die ästhetische Freiheit und das ästhetische Spiel.

Der zweite Abschnitt der Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff der Schönheit. Im Kapitel 3.1 wird Schillers allgemeines Schönheitsbild vorgestellt. Es wird darauf eingegangen in welchen Werken er dieses entwickelt und welche Werke anderer Autoren ihm als Grundlage seines Konzepts dienten. Insbesondere die Bedeutung Kants für Schiller und Parallelen und Unterschiede in deren Theorien werden thematisiert. Es wird dann auf das Schönheitsbild, das Naturschöne und das Kunstschöne eingegangen, sowie auf die Bedeutung der Trieblehre für den Schönheitsbegriff.

Das Kapitel 3.2 beschäftigt sich dann mit dem Begriff des Idealschönen und seinem Zerfall in die schmelzende und energische Schönheit als ein Beispiel für Schillers Gedanken zum Schönheitsbegriff.

2. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen

2.1. Entstehung der Briefe

Schillers Essay „Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen“ besteht aus 27 Einzelbriefen und wurde 1975 erstmals in den Horen veröffentlicht. Es handelte sich dabei um eine überarbeitete Fassung der Augustenburger Briefe, die Schiller dem Erbprinzen Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg zum Dank für dessen finanzielle Unterstützung geschrieben hatte.[1] Der Prinz wollte Schiller finanziell unterstützen, nachdem dieser im Jahr 1791 einer schweren Lungenentzündung fast erlegen wäre und nur knapp dem Tod entging. Er zahlte ihm 3000 Taler, verteilt auf drei Jahre und im Jahr 1796 nochmals 1000 Taler um ihm das Leben zu erleichtern. Schiller schrieb die Ästhetischen Briefe im Jahr 1793 und arbeitete sie in den beiden folgenden Jahren zu einer Abhandlung aus.[2]

Bei der Ausarbeitung seiner Briefe wurde Schiller von Goethe beeinflusst, den er kurz vor Beginn seiner Arbeit im Juli 1794 in Jena kennen und schätzen lernte. Ihm schickte er auch den ersten Teil seines Manuskriptes zur Durchsicht zu, bevor es veröffentlicht wurde.[3] Goethe hatte in den Augen Schillers den inneren Umbruch der Empfindungsweise, der von ihm gefordert wurde, bereits vollzogen und diente ihm als Vorbild für seine Theorien. Deshalb fand Goethe auch bei der Durchsicht des Manuskriptes Wesenszüge seiner eigenen Persönlichkeit wieder. Er hatte also im Prinzip Modell für Schillers Werk gestanden.[4]

Neben dem Aufeinandertreffen mit Goethe gab es noch ein anderes Ereignis, das sich auf Schillers Arbeit auswirkte, die Französische Revolution. Sie wurde in ihrer Endphase immer gewalttätiger und roher, was Schiller vor Augen führte, dass „gewaltsame revolutionäre Veränderungen“[5] ungeeignet sind, das Individuum und so auch die Staatsgemeinschaft „auf eine höhere Stufe der Bildung und Freiheit zu heben“.[6] Um dieses Ziel zu erreichen bedarf es keiner Gewalt-Revolution, sondern einer Revolution des Individuums in seiner Empfindungsweise.[7] Schiller war von der Brutalität der Revolution so geschockt, dass er dies sogar unverkennbar in einem seiner berühmtesten Gedichte zum Ausdruck bringt, nämlich in dem Gedicht „Die Glocke“. Er schreibt:

„Der Meister kann die Form zerbrechen
Mit weiser Hand zur rechten Zeit,
Doch wehe, wenn in Flammenbächen
Das glühnde Erz sich selbst befreit!
Blindwütend mit des Donners Krachen,
Zersprengt es das geborstne Haus,
Und wie aus offnen Höllenrachen
Speit es Verderben zündend aus.
Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
da kann sich kein Gebild gestalten;
Wenn sich die Völker selbst befrein,
Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
Weh, wenn in dem Schoß der Städte
Der Feuerzunder still gehäuft,
Das Volk, zerreißend seine Kette,
Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
Da zerret an der Glocke Strängen
Der Aufruhr, daß sie heulend schallt
Und, nur geweiht zu Friedensklängen,
Die Losung anstimmt zur Gewalt.
Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
Der ruh’ge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher;
Da werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz.
Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich aller Bande frommer Scheu,
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.
Gefährlich ist’s den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Weh denen, die dem Ewigblinden
Des Lichtes Himmelfackel leihn!
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Und äschert Städt’ und Länder ein.“[8]

[...]


[1] Matthias Luserke-Jaqui: Friedrich Schiller, Tübingen 2005, S.252.

[2] Norbert Oellers: Schiller. Elend der Geschichte, Glanz der Kunst, Stuttgart 2005, S. 74-75.

[3] Thomas Meyer: Von der „totalen Revolution“ der „ganzen Empfindungsweise“ in Schillers Briefen „Über die
ästhetische Erziehung des Menschen“. In: Friedrich von Schiller: Über die ästhetische
Erziehung des Menschen, Dürnau 1987, S.7.

[4] Ebd. S. 11.

[5] Ebd. S.7-8.

[6] Ebd. S.8.

[7] Ebd. S 7-8.

[8] Friedrich Schiller: Werke, hg. von Paul Merker, Leipzig o.J., S. 133-134.

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638846776
ISBN (Buch)
9783638845496
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78811
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
2,7
Schlagworte
Schöne Schillers Briefen Erziehung Menschen

Autor

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Titel: Das Schöne in Schillers Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen"