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Das Amt des Choregen und seine Möglichkeiten des politischen Einflusses durch das Theater

Seminararbeit 2001 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Zusammenfassung des Ablaufs der Großen Dionysien

3. Das Amt des Choregen

4. Der Chorege und sein politischer Einfluß
4.1. Kritik in Theaterstücken

5. Das Choregenamt als Mittel der politischen Einflußnahme am Beispiel des Perikles und Themistokles

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Theaterfestspiele der griechischen Antike waren zweifellos ein Höhepunkt im Leben der Athener. Besonders die sog. Großen Dionysien, ein 6-tägiges Festival, gehalten zu Ehren des Gottes Dionysos, stellte eine Veranstaltung größter öffentlicher Aufmerksamkeit dar. Es wurde hier ein Wettstreit unter den Theaterschreibern sowohl in der Tragödie, als auch in der Komödie ausgetragen. Außerdem fand ein Wettstreit der Dithyrambenchöre statt. Die Produktion der Stücke und Gesänge wurde finanziell von einem sog. Choregen getragen, vergleichbar mit einem heutigen Sponsor oder Gönner.

Da die Festspiele stets in aller Munde waren und von einer sehr großen Zahl von Bürgern gesehen wurde, eignete sich dieses Amt nicht nur dafür, eine soziale Tat zu vollbringen, indem man der Stadt Athen vom eigenen Reichtum etwas zugute kommen ließ, sondern möglicherweise auch zur Verbesserung des eigenen Ansehens und zur Förderung der eigenen politischen Karriere. Aber wie genau sahen eigentlich die Aufgaben eines Choregen aus? War das Theater wirklich nur eine Form der Belustigung mit geringen Auswirkungen für die Politik oder gab es für einen solchen Sponsor die Möglichkeit, neben dem finanzierten Theaterstück auch sich selbst zu inszenieren? Wenn ja, wie sahen diese Möglichkeiten aus? Gibt es eventuell Beispiele von Staatsmännern, die durch das Choregenamt ihre politische Karriere positiv beeinflussen konnten?

Die Quellenlage zum Thema „Antikes Griechisches Theater – allgemein“ ist recht aufschlußreich, ebenso wie die dazugehörige Sekundärliteratur. Bei der Zuspitzung auf die Frage nach den Choregen, oder noch spezifischer, nach deren Möglichkeit durch ihr Amt an politischem Einfluss zu gewinnen, findet man oft jedoch nur sehr ungenaue oder kurze Angaben.

In dieser Arbeit soll, zwecks besseren Verständnisses der äußeren Umstände, zunächst ein Blick auf den Ablauf der Großen Dionysien, geworfen werden. Danach wird sich der Text mit den oben genannten Fragen kritisch auseinandersetzen.

Das Ziel der Arbeit ist es, sich anhand der gestellten Fragen ein Bild vom griechischen Theater als politische Plattform zu machen und vor allem herauszufinden, ob und inwiefern das Amt des Choregen die Möglichkeit bot, politischen Einfluß zu nehmen.

2. Kurze Zusammenfassung des Ablaufs der Großen Dionysien

Die Großen- oder Städtischen Dionysien fanden einmal im Jahr, nämlich zum Frühjahresbeginn in Athen statt. Diese Festspiele beinhalteten Wettstreite um die besten Dithyrambenchöre, die beste Komödie und die beste Tragödie.

Die Großen Dionysien zogen sich über 6 Tage hin. Das Fest war genau so gelegen, dass sich zu der Zeit des Spektakels zahlreiche Fremde in Athen aufhielten. Denn die Bündnispartner Athens schickten gerade in dieser Zeit ihre Gesandten in die Stadt, um die finanziellen Abgaben an die Athener zu entrichten. So nutzte Athen die Dionysien so gut es ging auch als Selbstdarstellung seiner Macht.[1] Bei der Eröffnungsfeier am ersten Tag der Festlichkeiten etwa wurden die Reichtümer Athens den Bürgern und den Besuchern der Stadt in großen Körben vorgezeigt. Außerdem zogen die gerade erwachsen gewordenen Kriegswaisen, bekleidet mit einer Rüstung, die von der Stadt Athen gestellt wurde, in die Arena ein und wurden so symbolisch aus der „Obhut des Volkes entlassen“[2]. Weiterhin fand eine Prozession zum Dionysostempel statt, an der alle Beteiligten, d.h. Schauspieler, Dichter, Bürger, Metöken (ansässige Fremde in Athen) und auch Frauen teilnahmen. Anschließend wurden mitgeführte Tiere geschlachtet und dem Gott Dionysos geopfert.

Am Nachmittag des ersten Tages fand der Wettkampf der Dithyrambenchöre statt.

Die Mitglieder dieser Chöre waren nach Phylen unterteilt, d.h. jede Phyle stellte ihren eigenen Chor. Strittig ist die Frage wie viele Chöre genau an dem Wettstreit teilnahmen, jedoch geht man davon aus, dass jede der 10 Phylen zwei Chöre, nämlich einen Männer- und einen Knabenchor, ins Rennen schickte.[3]

Am Abend des ersten Tages wurden dann die geopferten Tiere verzehrt und es wurde, vermutlich in Form eines Umzuges, gefeiert.

Der zweite Tag war den Komödien vorbehalten. Es wurden fünf Stücke von fünf verschiedenen Dichtern vorgetragen. Jedes Stück dauerte etwa zwei Stunden, so dass dem Publikum mit ca. zehn Stunden Vorführung eine gewaltige Konzentrationsleistung abverlangt wurde. Der Sieger dieses Wettstreits wurde am selben Abend noch bekannt gegeben.

Vom dritten bis zum fünften Tag wurden die Tragödien aufgeführt. Jeder Dichter hatte einen Tag zur Verfügung, an dem jeweils drei Tragödien und ein kurzes Satyrspiel aufgeführt wurden. Die Reihenfolge, in der die Dichter ihre Stücke präsentieren sollten, bestimmte das Los. Am Ende des fünften Tages wurde der Sieger des Tragödien-Wettkampfes von der Jury bestimmt.

Am sechsten Tag fand Abschließend noch eine Volksversammlung statt, die der Reflektion über Ablauf und Durchführung des Festes diente.[4]

Die Gestaltung eines Festes von solchen Ausmaßen ging natürlich mit erheblichen finanziellen Belastungen einher. Da die Stadt Athen ihren Bürgern keinerlei Steuern abverlangte, bot sich hier die Möglichkeit, bzw. wurde verlangt, dass die wohlhabenden Bürger bei diesen Festspielen ihren Teil zur finanziellen Entlastung der Stadt leisteten. Dieses System sah vor, dass der zuständige Archon, der ranghöchste Politiker, jedem Dichter und jedem Chor einen sog. Choregen zuteilte.[5] Dieser ist vergleichbar mit heutigen Sponsoren oder Gönnern. In der Hand des Choregen lag es, die Produktion/en (bei Tragödien waren es vier einzelne Stücke) seines zugeteilten Dichters oder Dithyrambenchores finanziell zu tragen. Welche Aufgaben der Chorege im Einzelnen übernahm wird nachfolgend noch genauer dargestellt. Wurde ein Bürger zu diesem Amt herangezogen, hatte er die Möglichkeit dieses abzulehnen, wenn er einen seiner Meinung nach wohlhabenderen Bürger als sich selbst vorschlagen konnte. Der vorgeschlagene Bürger hatte dann jedoch das Recht einen Vermögenstausch einzuleiten, der dann auch sofort durchgeführt wurde. Die Vermögen wurden getauscht, so dass der erste Bürger nun mit dem Vermögen des von ihm Vorgeschlagenen die Kosten der Choregie tragen musste.[6] Dieser Fall trat jedoch nur selten ein, da es ein recht großes Risiko darstellte, möglicherweise einen Vermögenstausch mit einer Person eingehen zu müssen, über deren finanzielle Verhältnisse man nur mutmaßen konnte. Generell läßt sich sagen, dass sich jedoch genügend freiwillige Bürger fanden, die bereit waren, dieses Amt zu bekleiden. Bot es doch die Möglichkeit, sich in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen und die athener Mitbürger durch hohe Investitionen von der eigenen Großzügigkeit zu überzeugen. So wurde denn auch hauptsächlich der Chorege und nicht etwa der Dichter oder die Schauspieler des siegreichen Stückes ausgezeichnet. Letztere erhielten zwar auch Auszeichnungen, der Hauptpreis aber, nämlich ein Dreifuß (ein großer vasenähnlicher Pokal), fiel dem Choregen zu. Diesen konnte er auf eigene Kosten aufstellen lassen. Viele Choregen errichteten große Bauten um ihren Siegesdreifuß darauf darzustellen.[7]

3. Das Amt des Choregen

Wie bereits erwähnt gab es in Athen keine Steuerpflicht für die Bürger. Es wurde deshalb als selbstverständlich gesehen, dass die wohlhabenden Athener Bürger ihren Reichtum zu einem Teil auch der Stadt Athen zu Gute kommen lassen würden. Dies konnte beispielsweise durch die Übernahme eines Choregenamtes geschehen. Es gab aber auch Alternativen, wie zum Beispiel die Bezahlung der Ausrüstung eines Kriegsschiffes und dessen Unterhalt.

Der Bedarf an Choregen war jedenfalls besonders zu den Großen Dionysien jedes Jahr sehr hoch. Man geht davon aus, dass zu diesem Fest jedes Jahr 28 Choregen benötigt wurden, 20 für die Dithyrambenchöre (geht man von zehn Männer- und zehn Knabenchören aus), fünf für die Komödien und drei für die Tragödien. Der finanzielle Aufwand für diese Sponsoren war erheblich. Während es normalerweise genügend Freiwillige gab, die das Amt übernehmen wollten, konnte es in Zeiten finanzieller Schwäche zu einem Engpass kommen. Zeitweise mußte das Amt gar auf zwei Choregen verteilt werden. Besonders die Finanzierung der Dithyrambenchöre stellte sich als sehr kostspielig dar, bestand einer dieser Chöre doch aus 50 Sängern im Gegensatz zu den Chören der Tragödie und Komödie, die mit wesentlich weniger Mitgliedern auskamen[8]. Bei den Dramen war jedoch die äußere Ausstattung um einiges teurer als bei den Dithyramben. Bei der Tragödie musste der Chorege, wenn er denn einen großzügigen Eindruck hinterlassen wollte, seinen Chor mit vier verschiedenen Kostümen ausstatten, eines für jedes Stück. So steht fest, dass in allen Fällen der Unterhalt und das Training der Chöre der teuerste Aufwand für den Choregen war. Er musste für die Unterkunft und Verpflegung der Chormitglieder aufkommen und ihre Kostüme bezahlen. Außerdem nimmt man an, dass den Sängern ein Lohn als Entschädigung für eventuelle finanzielle Einbußen während der Probezeit gezahlt wurde, ebenso wie dem Flötenspieler, der auch unterhalten werden musste.[9] Desweiteren fielen Kosten für die Miete von Proberäumen und für die Anschaffung sämtlicher benötigter Requisiten und Bühnenbilder an.

[...]


[1] Vgl. H.D. Blume „Einführung in das antike Theaterwesen“ Darmstadt 1984, S.17 (Nachfolgend

zitiert als: H.D. Blume „Einführung“)

[2] C. Meier „Die politische Kunst der griechischen Tragödie“ München 1988, S. 69 (Nachfolgend

zitiert als: C. Meier“Die polit...“)

[3] Vgl. H.D. Blume „Einführung...“ S. 22/23

[4] Vgl. C. Meier „Die polit...“ S.64

[5] Über die Tatsache, ob der Archon dem Choregen einen Dichter zuteilte, oder der Chorege ein

Mitspracherecht bei der Wahl des Dichters hatte, herrscht Unklarheit und diese Frage wird auch in

verschiedenen Sekundärliteraturen unterschiedlich bewertet. Auf diesen Punkt wird jedoch später

im Text noch genauer eingegangen.

[6] Vgl. A. Pickard-Cambridge „The Dramatic Festivals of Athens“ New York 1986, S.86

(Nachfolgend zitiert als: A.Pickard-Cambridge „The Dramatic...“)

[7] ibid. S. 77/78

[8] Hier schwanken die Angaben über die Anzahl der Chormitglieder, auch unter Berücksichtigung

der verschiedenen Zeitperioden. Teilweise ist von 24 Sängern bei der Komödie zu hören, jedoch

soll sich die Zahl bis zur Mitte des 3. Jh. bis auf 7 oder 8 Sänger verringert haben. Bei der

Tragödie geht man zunächst von 12, später von 15 Chormitgliedern aus. [Vgl. H.J. Newiger

„Drama & Theater – Ausgewählte Schriften zum griechischen Drama“ Stuttgart 1996

(Nachfolgend zitiert als: H.J. Newiger „Drama...“)]

[9] Vgl. A. Pickard–Cambridge „The Dramatic...“ S. 88 f

Details

Seiten
20
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638149891
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7873
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Friedrich Meinecke Institut
Note
1
Schlagworte
Choregen Möglichkeiten Einflusses Theater Demokratie

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