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Unterrichtseinheit zu problemorientierter Jugendliteratur: Cold Turkey - Andys Zukunftsperspektiven

Ein Entwurf zu "Mechtel, Angelika: Cold Turkey"

Unterrichtsentwurf 2007 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bedingungsanalyse
1.1 Analyse der Rahmenbedingungen
1.2 Situation der Klasse

2 Sachanalyse
2.1 Problemorientierte Jugendliteratur
2.2 Drogen in der Jugendliteratur
2.3 Mechtel, Angelika: Cold Turkey

3 Didaktische Analyse
3.1 Einordnung in den Bildungsplan
3.2 Gegenwartsbedeutung/ Zukunftsbedeutung
3.3 Exemplarität
3.4 Kompetenzen und Lernziele
3.5 Einordnung in die Lehrplaneinheit

4. Methodische Überlegungen
Einstieg:
Alternative:
Arbeitsphase:
Alternative:
Vorstellung der Ergebnisse:
Alternative:
Abschluss der Stunde:

5.Verlaufsplan

6. Literaturverzeichnis

7. Anlagen
Andys Zettel
Lerntheke
Hausaufgabe

1 Bedingungsanalyse

1.1 Analyse der Rahmenbedingungen

Die Realschule E. befindet sich im Stadtteil E. von X. und ist als Schule mit schwierigem Umfeld einzustufen. Der Migrantenanteil in diesem Stadtviertel ist sehr hoch, was sich auch in den Klassen widerspiegelt.

Die Schule hat insgesamt 521 Schüler[1] und ist derzeit (mit Ausnahmen der Klassen 5 und 7) dreizügig. Jede Klasse hat an dieser Schule ihr eigenes Klassenzimmer, so dass es keine Wanderklassen gibt. An dieser Schule gilt in allen Klassen 5-7 das einheitliche Begrüßungsritual, bei dem die Schüler alle aufstehen und einen „schönen guten Morgen“ wünschen. Ich habe mich diesem Ritual angeschlossen.

1.2 Situation der Klasse

In der Klasse 7c sind insgesamt 27 Schüler, davon sind 12 Mädchen und 15 Jungen. Zu Beginn des neuen Schuljahrs sind die siebten Klassen neu zusammengesetzt worden. G., D., A., C., J. und L. sind neu in die Klasse gekommen. Insgesamt kann man sagen, dass sie sich gut in den alten Klassenkern eingegliedert haben. Zum Teil kennen sich die Schüler aus dem privaten Umfeld.

Bei der 7c handelt es sich im Allgemeinen um eine lebhafte Klasse, in der die Klassengemeinschaft im Großen und Ganzen recht gut ist. Manchmal gibt es Konflikte, die auf verschiedenen Ursachen, wie z.B. Streitigkeiten zwischen Jungen und Mädchen, beruhen, diese können aber meistens in einem Klassengespräch gelöst werden.

Über den Stand der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, der jeweiligen Entwicklungen, der Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf den Deutschunterricht, und das entsprechende Sozialverhalten lässt sich auf der Basis der bisherigen Stunden das folgende Bild zeichnen:

Die Schüler weisen in ihrer Leistungsfähigkeit beobachtbare Unterschiede auf. Es gibt sowohl ein paar Jungen, als auch Mädchen, die dem Unterrichtsgeschehen mit großem Engagement folgen. Allerdings haben vier bis fünf Jungen Schwierigkeiten, sich konsequent auf den Unterrichtsgegenstand einzulassen.

Die Qualität der mündlichen und schriftlichen Beiträge der Schüler ist auf einem guten bis befriedigenden Niveau angesiedelt. Elf Schülerinnen und Schüler ausländischer Herkunft gibt es in der Klasse. Die schriftlichen Beiträge dieser Schüler sind weit besser als ihre mündlichen. Sie scheinen Schwierigkeiten zu haben, was Textverständnis und sprachliche Ausdrucksfähigkeit angeht. Dafür sind die meisten sehr gute Rechtschreiber.

Außerdem sind in der Klasse zwei Legastheniker, M. und X.. M. hat im letzten Schuljahr vom Gymnasium auf die Realschule gewechselt. Er erhält wöchentlich eine Stunde Unterstützung durch eine Therapie. Seine Rechtschreibung hat sich sehr gebessert. Man kann seine Texte lesen und inhaltlich verstehen.

Der zweite und schwierigere Fall ist X.. X. kam in der fünften Klasse von einer Förderschule an die Realschule. Er hat die fünfte Klasse wiederholt und sogar eine Belobigung am Ende des Schuljahres erhalten. X. erhält seit vier Jahren eine Therapie, welche jedes Jahr neu erwirkt werden muss. Seit Oktober 2007 besucht er eine neue Therapiestätte. Ich stehe in ständigem Kontakt mit seiner Therapeutin. Doch die Therapeutin beklagt die mangelnde Mitarbeit von X.s Mutter. X. könnte effektiver lernen, wenn seine Mutter konsequenter in ihrem Verhalten wäre. Denn beim jetzigen Standpunkt kann X. ohne die Unterstützung seiner Mutter keine weiteren Fortschritte machen. Wir haben die Mutter zu einem Gespräch eingeladen, um ihr zu verdeutlichen, wie wichtig ihre Hilfe ist, ansonsten wird X.s Therapie sinnlos und würde eingestellt werden und das wäre sein sozialer Abstieg.

Die Therapie hat X. bisher sehr geholfen, dennoch ist es schwer, seine Texte zu lesen und zu verstehen. Deswegen erhält X. die Möglichkeit nach einem Aufsatz seinen Text nochmals am Computer abzutippen, um die Rechtschreibung zu überprüfen. Dafür steht ihm ein bestimmter Zeitraum zur Verfügung. X. versucht seine Defizite in der Schrift durch seine mündlichen Beiträge auszugleichen. Er ist ein sehr guter Zuhörer, ist während des Unterrichts sehr aufmerksam und seine Teilnahme an Unterrichtsgesprächen ist sehr gut.

Zum zweiten Halbjahr ist ein weiterer Schüler, N., in die Klasse gekommen. N. war anfangs sehr ruhig und beteiligte sich selten am Unterricht. Mittlerweile hat er seinen Platz in der Klasse gefunden und seine Mitarbeit hat sich verbessert.

2 Sachanalyse

2.1 Problemorientierte Jugendliteratur

Der Begriff „problemorientierte Jugendliteratur“ wird seit 1970 verwendet für die neue Jugendliteratur, die versucht, die aktuellen gesellschaftlichen Probleme zum Gegenstand zu machen. Es handelt sich um eine realistische Jugendliteratur, die keine globale Wirklichkeits- und Gesellschaftsanalyse zum Ziel hat, sondern sich mit ganz konkreten sozialen Problemen auseinander setzt.[2]

Die problemorientierte Jugendliteratur ist eine engagierte Literatur, die gesellschaftlich etwas bewegen und die über einzelne Probleme gezielt aufklären will. Seit dem Ende der 1970er Jahre ist bei dieser Literatur der Trend festzustellen, sich dem Adoleszenzroman als Gattung anzunähern. Insofern sind die Grenzen fließend.

Thematisch handelt der Adoleszenzroman von den Problemen des Erwachsenwerdens.[3] Im Gegensatz zur problemorientierten Jugendliteratur hat er den Anspruch, die Zeit der Adoleszenz möglichst umfassend darzustellen. Seine Protagonisten befinden sich zwischen der Vorpubertät und der Postadoleszenz. Diese Gattung behandelt die tiefgreifende Identitätskrise des Jugendlichen, der auf der Suche nach einem eigenen Platz in der Gesellschaft und zu sich selbst ist. Der Adoleszenzroman ist problemorientiert und problemoffen, insofern wird auch gerade das Scheitern des Jugendlichen in seinem Entwicklungsprozess thematisiert.

2.2 Drogen in der Jugendliteratur

Die Jugendliteratur beschäftigt sich häufig mit diversen Problemen wie Drogen und Sucht. Das Thema „Sucht“ ist immer aktuell, da viele Schüler immer früher mit Drogen in Kontakt treten, vor allem mit legalen Drogen. Im Vergleich zu der Situation vor zehn Jahren beginnen Jugendliche früher mit dem Rauchen, obwohl das Rauchen erst ab 16 Jahren gestattet ist. Insbesondere Alkohol wird von Jugendlichen in riesigen Mengen konsumiert, seit Alkopops eingeführt wurden.

Da Drogenberatungen nicht immer ihre Wirkung erfüllen, benötigt man einen weiteren Zugang zum Thema „Drogen“ für Jugendliche. Deswegen ist es wichtig, Schülern eine gewisse Anzahl an Jugendbüchern, die diese Thematik behandeln, an die Hand zu geben.

Die Chancen der Prävention süchtigen Verhaltens durch den Einsatz von Drogenliteratur sind eingrenzbar auf die Bereiche Information und Aufklärung, Herstellen emotionaler Bezüge und möglicher Handlungsalternativen. Angeregt durch die Lektüre können Jugendliche dann ihre eigenen Alkohol- oder andere Suchtgeschichten erzählen. Drogengefährdete oder gar –abhängige Schüler werden durch Drogenliteratur wohl nicht mehr einzufangen sein.

Jugendliteratur in der Primärprävention ist eine wichtige Ergänzung bisheriger Angebote. Dabei können grob drei Kategorien unterschiedlicher Eignungsqualität von Jugendliteratur unterschieden werden:

1. „Bücher, die sich aus offensichtlich reiner Effekthascherei der Rauschgiftproblematik annehmen, ohne überhaupt deren vielschichtiges Konfliktpotential, ihre Ursachen und Bedeutung für die davon direkt oder mittelbar Betroffenen zu problematisieren.
2. Bücher, welche zumeist auf einer fiktiven Handlung beruhen, fiktive Positiv- oder Negativhelden vorstellen, bzw. realistische Hintergrundinformationen ganz nach eigenem Ermessen verfremden, um einen möglichst intensiven Abschreckungseffekt zu erzielen.
3. Bücher, welche sich durch weitgehende Authentizität und bestechenden Realismus auszeichnen.“[4]

Jugendliche bevorzugen Romane aus der Ich-Perspektive und Erzählungen von Autoren über Jugendliche. Jugendliche sind weniger an Pädagogik und Warnungen interessiert, sie wollen vielmehr erfahren, wie etwas wirklich abläuft, was jemandem passiert ist, und sie wollen für das eigene Handeln brauchbare und verwertbare Hinweise bekommen. Das Schicksal eines Gleichaltrigen, der über sich selbst berichtet, ist am meisten gefragt. Jugendliche möchten Authentizität, Intensität, Glaubwürdigkeit, Identifikation aber auch Abgrenzungsmöglichkeiten: „So wie der oder die möchte ich nicht enden!“[5]

2.3 Mechtel, Angelika: Cold Turkey

Inhalt

„Das Buch „Cold Turkey“ schildert im Rückblick der 15-jährigen Simone die drei Jahre dauernde Drogenkarriere ihres Bruders Andy. Andy, der vier Jahre älter ist als Simone, durchläuft typische Stationen eines Heroinkonsumenten, bis er am Ende schließlich im Gefängnis landet – angezeigt von den eigenen Eltern. Ein Schuhkarton mit Zetteln, auf denen Kurznotizen stehen, bilden den Ausgangspunkt und Erzählfaden von Simones Rückblick. Andy hat die Notizen im Verlauf der drei letzten Jahre geschrieben und übergibt sie seiner Schwester zu Beginn des Buches am Gefängnistor. Diese kleinen Papierfetzen sind für Simone der Anlass, sich zu erinnern und die Ereignisse der vergangenen drei Jahre zu rekonstruieren.“[6]

Auswahl der Lektüre

Es ist wichtig, dass der Unterricht schülerorientiert geplant und durchgeführt wird, deswegen habe ich die Schüler wählen lassen, welche Lektüre gelesen wird. Zur Wahl standen: „Damals war es Friedrich“, „Kleine Schritte“, „Cold Turkey“ und „Alk. Außer Kontrolle“. Die Schüler erhielten die unterschiedlichen Bücher, um sich das Buch und den Einband anzuschauen. Daraufhin haben sich die Schüler für „Cold Turkey“ entschieden, weil für sie das Thema „Drogen“ besonders ansprechend erschien.

3 Didaktische Analyse

3.1 Einordnung in den Bildungsplan

Das Thema der Stunde „Cold Turkey: Andys Zukunftsperspektive“ kann man im Fach Deutsch dem Aspekt 3 Lesen/ Umgang mit Texten und Medien zuordnen. Durch das Lesen von Jugendbüchern erweitern die Schüler ihren Erfahrungshorizont und erschließen andere Welten. Sie finden „ihre eigenen Probleme und Wünsche wieder, können sich lesend mit sich selbst beschäftigen und Distanz zu sich beziehen und erfahren so Hilfe bei der Entwicklung ihrer eigenen Identität.“[7]

Fiktionale Texte tragen dazu bei, dass Schüler ihr interkulturelles Verständnis erweitern, menschliche Verhaltensweisen nachvollziehen können sowie beim Lesen neue sprachliche Einblicke gewinnen und ihre Ausdrucksfähigkeit schulen. Der Roman besitzt in Bezug auf den Aspekt der Handlungs- sowie Schülerorientierung ein großes Potenzial. Durch die Einbindung eines Lesetagebuchs mit Pflichtaufgaben und eigenen Ideen wird den Schülern u.a. die Möglichkeit gegeben, ihre gewonnenen Eindrücke individuell zu verarbeiten. Auf diese Weise bietet die Behandlung einer Ganzschrift zudem einen hohen motivierenden Effekt, da die Schüler eigenverantwortlich tätig werden und am Ende der Unterrichtsreihe ein Handlungsprodukt in den Händen halten.

Außerdem „ist die Thematik, Gefährdung durch Suchtmittel` ein wichtiger Bestandteil des Bildungsplans der Klassenstufen 7 und 8. Ein Ziel der Lektüre besteht darin, den Schülern bewusst zu machen, dass auch, gesellschaftsfähige` Drogen wie Alkohol und Nikotin zu den Suchtmitteln gehören und Menschen jeder Altersklasse in die Abhängigkeit stürzen können. Es gilt, bei den Jugendlichen einen Bewusstseinsprozess hierüber in Gang zu bringen.“[8]

[...]


[1] Aus Gründen der Arbeitserleichterung und Bewahrung einer leserfreundlichen Form wird das generische Maskulinum (Schüler) verwendet, auch wenn Personen beiderlei Geschlechts gemeint sind.

[2] vgl. Schreiner, Peter, Realistische Kinder- und Jugendliteratur. In: Lange, Günther, Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Hohengehren 2002, S. 158, 163 ff., 168, 176 ff.

[3] vgl. Lange, Günther, Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Hohengehren 2002, S. 119, 121.

[4] Ulrich,A., Die Entwicklung des Drogenproblems, seine Behandlung in der Kinder- und Jugendliteratur und Medien, 5/79 Jugendschriftenwarte, Drogenkonsum Jugendlicher als Problem von Jugendliteratur und Unterricht, S. 68-73, 70 f.

[5] vgl. ajs, Drogen und Sucht in Romanen und Jugendbüchern. Stuttgart 1988, S. 7f.

[6] Hintz, Ingrid: Angelika Mechtel: Cold Turkey. Informationen für Lehrerinnen und Lehrer. Braunschweig 2006, S. 6.

[7] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport: Bildungsplan für Realschulen, Stuttgart 2004, Deutsch S. 49

[8] Reddig-Korn, Birgitta: Cold Turkey. Materialien zur Unterrichtspraxis. Ravensburg 2006, S.2

Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638846653
ISBN (Buch)
9783638864527
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78710
Note
1,0
Schlagworte
Unterrichtseinheit Cold Turkey Andys Zukunftsperspektiven
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Titel: Unterrichtseinheit zu problemorientierter Jugendliteratur: Cold Turkey - Andys Zukunftsperspektiven