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Die Lebensphilosophie Friedrich Nietzsches

Hausarbeit 2007 17 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprache und Form von „Also sprach Zarathustra“

3. Zarathustras Erkenntnisweg
3.1. Vorrede
3.2. Erster Teil
3.3. Zweiter Teil
3.4. Dritter Teil
3.5. Vierter Teil

4. Die Relativierung der Moral bei „Also sprach Zarathustra“

5. Der Übermensch

6. Die ewige Wiederkehr

7. Der Wille zur Macht

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das 19. Jahrhundert war von tiefgreifenden Gesellschaftsveränderungen geprägt. Die beginnende Industrialisierung, der Aufbruch traditioneller familiärer und institutioneller Strukturen und die zunehmende Säkularisierung hatten eine zunehmende Orientierungslosigkeit vornehmlich des Bürgertums zur Folge. Unter dem Schlagwort der Lebensphilosophie bildete sich eine philosophische Richtung, die sich gegen den aufklärerischen Rationalismus und die Erkenntnistheorie, sowie gleichzeitig gegen den deutschen Idealismus und Positivismus wendete.[1] Insbesondere Schopenhauer, Dilthey und Nietzsche waren Vertreter dieser Philosophie, die das Irrationale, die Triebe und Emotionen des Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Friedrich Nietzsche bot mit seiner Philosophie Perspektiven in zweifacher Hinsicht an. Zum einen bot er einen Gegenentwurf zu den Erlösungs- und Heilsvorstellungen der Religion an. Zum anderen entwickelte er eine Utopie der Selbstverantwortung des Menschen (repräsentiert durch den Übermenschen). „Also sprach Zarathustra“ sollte eine revolutionäre Gesellschaftsveränderung auslösen, und den Menschen eine Alternative aufzeigen. Jedoch soll sich die vorliegende Hausarbeit nicht mit der vielfältigen Rezeption und Wirkungsgeschichte Nietzsches auseinandersetzen, die, wie Salaquarda feststellt, in großen Teilen mit der Kulturgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts zusammenfällt.[2] Vielmehr sollen die originären Ideen Nietzsches mit Hilfe einer werkimmanenten Interpretation von „Also sprach Zarathustras“ analysiert und erklärt werden. Dies beinhaltet die großen Themen der ewigen Wiederkehr, des Willens zur Macht, sein Konzept des Übermenschen und die Rolle der menschlichen Moral.

2. Sprache und Form von „Also sprach Zarathustra“

Die Sprach- und Inhaltsstruktur von „Also sprach Zarathustra“ ist vergleichbar mit dem neuen Testament der Bibel. Nietzsche selbst sah sein Werk als ein alternatives Evangelium an, das die Welt, ähnlich dem Einfluss der Bibel als meistpubliziertes Buch, erschüttern sollte. Die Aufteilung des Buchs in vier Kapitel und einer Vorrede ähneln stark seinem Vorbild. Auch die Sprache, und die immer wieder auftretenden Gleichnisse zeigen Nietzsches Intention, ein der Bibel ähnliches, für alle Leser verständliches Werk zu schreiben. Entgegen vieler seiner weiteren Bücher seiner positivistischen Phase, die mit einer „streitbaren, begrifflich scharfen Sprache der entlarvenden Kritik[3] brillieren, bevorzugt Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“ einen eher dionysischen Sprachstil, der durch seine dichterische Metaphorik, Bildlichkeit und eine umfassend kodifizierte Lebenswelt, die beschrieben wird, auffällt.[4] Nietzsche selbst behauptete in seinem Spätwerk „Ecce Homo“: „Man darf vielleicht den ganzen Zarathustra unter die Musik rechnen “.[5] Ähnlich dem selbsterklärenden Charakter der Musik wollte er nicht auf einem wissenschaftlichen, logisch-rationalen Weg seine Philosophie zu erklären versuchen, sondern mit einer intuitiven, die Seele ansprechenden Sprache den Leser mit seinen Ideen vertraut machen. Dies deckt sich mit seinem grundsätzlichen Anspruch, auf einem alternativen Weg als dem der rationalen Erkenntnistheorie philosophische Probleme zu lösen.

Nietzsche führt seine philosophischen Thesen vornehmlich in Differenzen aus. Durch Gegensatzpaare wie apollinisch – dionysisch oder auch Christentum – Nihilismus und durch deren ständigen Vergleich dieser will er seine Ziele und Ideen verdeutlichen. Er beschreibt seine Philosophie nicht in klaren Definitionen – der Leser muss sich aus den zum teil nebelhaften Formulierungen die Definitionen selbst erschließen.

3. Zarathustras Erkenntnisweg

Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ ist nicht chronologisch geordnet, oder in einer festen Argumentationsreihenfolge, sodass die Verfolgung der zentralen Ideen Nietzsches, die durch Zarathustra verkündet werden, ohne Rezeption weiterer Literatur Nietzsches nicht leicht fällt. Nietzsche beschreibt in prozesshafter Weise Zarathustras Entwicklung in Richtung des Übermenschen, und der Leser erfährt seine Lehre nur in den zuweilen sehr verschachtelten Reden Zarathustras an die Menschen, denen er trotz aller Enttäuschung immer noch zugewandt ist und die er liebt.[6] Erleichtert wird die Rezeption zum einem durch die großen Themenkomplexe, denen sich Nietzsche widmete: die sich immer wieder wiederholenden Topoi der ewigen Wiederkunft, des Übermenschen, des Willens zur Macht und dem Tod Gottes.

Zarathustra will die gesellschaftlichen, institutionalisierten Werte und Normen angreifen und die Menschen in ihrer Entwicklung weiterführen. Schon in seiner Vorrede macht er seine Zielsetzung klar: „Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll “, und schließt: „der Übermensch ist der Sinn der Erde.[7] Nietzsche lässt den aus der altpersischen Mythologie stammenden Propheten Zarathustra als Protagonisten auftreten. In einer „Selbstüberwindung der Moral“[8] gibt der Prophet seine eigene Erfindung, die menschliche Moral, auf, erkennt seinen Irrtum und konstituiert den Übermenschen als Zukunft der Menschheit. Die Relevanz der Figur des Zarathustra für Nietzsche lässt sich aus seiner weiteren Erwähnung in Ecce Homo demonstrieren: „Die Selbstüberwindung der Moral aus Wahrhaftigkeit, die Selbstüberwindung des Moralisten in seinem Gegensatz – in mich – das bedeutet in meinem Munde der Name Zarathustra.“[9]

Diese Verkündung soll der Kern eines gesellschaftlichen Umbruchs werden, der die Kirche, die Wissenschaft und die etablierten Wert- und Normensysteme obsolet machen soll, und den Menschen, die schon den Glauben verloren haben, eine neue Lebensperspektive geben soll.

3.1. Vorrede

In der Vorrede skizziert Zarathustra bildhaft sein Vorgehen und die nietzscheanische Philosophie. Er macht drei Feststellungen, die unterschwellig seine später folgenden Reden bestimmen. Zum einen konstatiert er bei der Begegnung mit dem Einsiedler den Tod Gottes, den die Menschen getötet haben. Als Zweites stellt er seine Mission dar: „Ich lehre euch den Übermenschen “, als Lösung für die fast ausweglose Situation ohne moralische Werte, in der sich die Menschen der Gegenwart befinden. Als drittes ruft er die Menschen zu einer rein welthaften Existenz auf mit den Worten „Bleibt der Erde treu “, fern von Metaphysik und Illusionen.[10]

3.2. Erster Teil

Zarathustra skizziert in seine Rede „Von den drei Verwandlungen“ die Evolution des Menschen zum Übermenschen – vom Geist zum Kamel, Kamel-Löwe, Löwe – Kind. Er will nun die Menschen von der Notwendigkeit der Wandlung zum Übermenschen überzeugen. Doch Zarathustra, der seine erste Rede vor dem Volk in der Stadt „Die Bunte Kuh“ hält, scheitert. In verschiedenen Reden rechnet er mit den althergebrachten religiösen Glaubenssätzen, dem Priestertum, und den Normen der Kirche ab.[11] Auch, als er die Vision des letzten Menschen als Gegensatz zum Übermenschen heraufbeschwört, kann er sie nicht überzeugen. Desillusioniert wendet sich Zarathustra ab, und verlässt die Stadt. Nach einigen Intermezzi kommt er zu der Ansicht, das das gemeine Volk, die „Herde“, nicht zum Übermenschen taugt, sondern er von Anfang an herausragende Menschen benötigt, um sie zur Daseinsform des Übermenschen zu führen. Inzwischen haben sich eine Schlange und ein Adler zu ihm gesellt, die ihm als Berater zur Seite stehen. Zarathustra findet Anhänger, denen er seine Philosophie nahe bringt, und sie später verlässt mit dem Rat, seine Lehren zu überwinden und sich selbst zu finden.

3.3. Zweiter Teil

Der zweite Teil von „Also sprach Zarathustra“ handelt von der Lehre zum Willen zur Macht. Nach Jahren der erneuten Zurückgezogenheit in den Bergen hat Zarathustra eine Vision, dass seine Lehren durch seine Feinde bedroht und verändert wurden, und begibt sich zu den glückseligen Inseln, wo sich seine Jünger befinden. Er konkretisiert noch einmal Theorien des Übermenschen und der Moral der Kirche. Insbesondere geht er auf bestimmte soziale Gruppen wie Priester, Tugendhafte, Weise, Gelehrte oder Dichter ein, die nach der kirchlichen Moral außergewöhnlich sind, und zeigt im Einzelnen deren Fehler auf. In der zentralen Rede „Von der Selbstüberwindung“ erläutert er erstmals den Willen zur Macht, der allen Lebewesen innewohnt. „Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht; und noch im Willen des Dienenden fand ich den Willen, Herr zu sein.“[12] Alles Lebende hat den Willen zur Macht, der sich im „Willen zur Zeugung oder Trieb zum Zwecke, zum Höheren, Ferneren, Vielfachen äußert “.[13] Alle Lebewesen versuchen, sich gegenseitig zu übertreffen, demzufolge konstituiert der Wille zur Macht ein Konkurrenzverhältnis zueinander. Lebt der Mensch den Willen zur Macht, muss er schöpferisch, frei von restriktiven Normen, sich entfalten. Nicht zu verwechseln ist der Wille zur Macht mit dem Überlebenswillen: Den „Willen zum Dasein – giebt es nicht! Denn was nicht ist, das kann nicht wollen; was aber im Dasein ist, wie könnte es zum Dasein wollen “.[14]

In der letzten Rede „Die stillste Stunde“ hat Zarathustra erneut eine Vision, die ihm befiehlt, noch einmal in die Einsamkeit zurückzukehren, um seine Entwicklung zum Übermenschen, „zum Kind ohne Scham“ zu beenden.

[...]


[1] vgl. Klaus, Georg: Philosophisches Wörterbuch. Berlin 1972, S.555.

[2] Salaquarda, Jörg (Hg.): Nietzsche. Stuttgart 1980, S.2.

[3] Kaulbach, Friedrich. In: Ries, Wiebrecht: Nietzsche zur Einführung, Hamburg 1990. S.19.

[4] Vgl. Ries, Wiebrecht: Nietzsche zur Einführung, Hamburg 1990. S.19.

[5] Nietzsche, Friedrich: Ecce Homo. In: Colli, Giorgio; Mazzino Montinari: Nietzsche Werke. Kritische Gesamtausgabe, 6. Abteilung, Band 3. Berlin 1968

[6] Vgl. Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra. Ein Buch für alle und keinen. S.7. In: Colli, Giorgio; Mazzino Montinari: Nietzsche Werke. Kritische Gesamtausgabe. 6. Abteilung, Band 6. Berlin 1968. (Im Folgenden KSA 6 genannt)

[7] ebd, ebd, S.8.

[8] Ries, Wiebrecht 1990, S.69.

[9] Nietzsche, Friedrich: Ecce Homo, S.367

[10] vgl. Wiebrecht, Ries 1990, S.69.

[11] vgl. KSA 6, S.28ff.

[12] KSA 6, S. 143ff.

[13] ebd., S.144.

[14] ebd., ebd.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638841443
ISBN (Buch)
9783638841450
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78662
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Schlagworte
Lebensphilosophie Friedrich Nietzsches Moderne

Autor

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Titel: Die Lebensphilosophie Friedrich Nietzsches