Lade Inhalt...

Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien am Beispiel des Umgangs mit dem Klimawandel

Hausarbeit 2007 27 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Theorie
2.1 Systemtheorie
2.2 Systematik der Subsystembeziehungen

3. Fakten zum Klimawandel

4. Die Subsysteme und der Klimawandel
4.1 Wissenschaft
4.1.1 Charakteristika
4.1.2 Umgang mit dem Klimawandel
4.2 Politik
4.2.1 Charakteristika
4.2.2 Umgang mit dem Klimawandel
4.3 Massenmedien
4.3.1 Charakteristika
4.3.2 Umgang mit dem Klimawandel

5. Subsystembeziehungen
5.1 Wissenschaft und Politik
5.2 Politik und Massenmedien
5.3 Massenmedien und Wissenschaft

6. Fazit und Kritik

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Treibhauseffekt, CO2, Kyoto-Protokoll, Erderwärmung, Klimakatastrophe – der anthropogene Klimawandel ist zurzeit (wieder) in aller Munde. Hierbei existiert jedoch nicht nur eine Perspektive. Die Subsysteme der Gesellschaft nehmen das Thema – auch sich verändernd im Zeitablauf – ganz unterschiedlich wahr und reagieren gemäß ihrer Codes sehr verschieden. Dabei stehen sie untereinander in Kontakt, beeinflussen und stören sich gegenseitig.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien am Beispiel des Umgangs mit dem Thema Klimawandel herauszuarbeiten.

Zunächst soll dazu kurz die Theorie (nach Niklas Luhmann und Uwe Schimank) dargestellt werden. Anschließend werden – nach einer Einführung in die heutigen Erkenntnisse zum Klimawandel – die Charakteristika der Subsysteme und ihr entsprechender Umgang mit diesem Thema beleuchtet. Es folgt eine Aufgliederung in die einzelnen Subsystembeziehungen.

2. Theorie

Zunächst gilt es, als Grundlage der weiteren Ausführungen den Systembegriff darzustellen und die Theorie der Subsystembeziehungen zu erläutern.

2.1 Systemtheorie

Die Systemtheorie als Gesellschaftstheorie macht sich die Beschreibung und Erklärung sozialen Geschehens, der sozialen Wirklichkeit, zur Aufgabe. (Eine neutrale Beobachtung der Gesellschaft von außen ist jedoch unmöglich, da der Beobachter als Mensch zwangsläufig immer auch selbst Teil der Gesellschaft, des Systems, ist.[1] )

Soziale Systeme sind nichts Festes, weisen allerdings eine Struktur auf. Sie bestehen nach Luhmann, dem Begründer der modernen Systemtheorie, nicht aus Akteuren und Handlungen, sondern aus Kommunikation, auch wenn diese sich letztendlich als auf Personen zurechenbare Handlungen konkretisiert.[2]

Soziale Systeme besitzen eigenes Vokabular (z.B. die wissenschaftliche Sprache), eigene Grammatik bzw. Programme (z.B. die wissenschaftlichen Methoden) und eigene binäre Codes. Letztere sind Kriterien, nach denen im System Entscheidungen gefällt werden (z.B. in der Wissenschaft nach dem Code ‚wahr’ oder ‚nicht wahr’). Der Code stellt die Leitdifferenz des Systems dar, er ermöglicht also die operative Schließung und eine Unterscheidung zwischen Systemzugehörigem und Nichtzugehörigem.[3] Ein System bildet eine Einheit in Differenz zur Umwelt.[4] Nur wer sich an die Vorgaben hält, darf Mitglied des Systems sein. Programme als Erwartungsstrukturen helfen beim Überprüfen des Codes und der Auswahl von passenden Handlungen. Sie sind die „Selbst- oder auch Fremdsteuerung von Systemen. Die Programmierung kann durch ein System selbst erfolgen, aber auch von einem anderen System ausgehen. Programme sind sehr viel weniger stabil als der Code eines Systems. [...] [Wird allerdings letzterer] verändert, dann bricht das System zusammen und hört auf zu existieren.“[5]

Die Umwelt wirkt auf das System ein und wird sehr wohl wahrgenommen, kann allerdings nur mit dem systemeigenen Zeichensystem abgebildet werden, so dass sich das selbstreferentielle System seine eigene Wirklichkeit konstruiert.

Systeme sind autopoietisch, das heißt, sie können sich nur durch die Reproduktion ihrer Strukturen entwickeln.[6] Kurz gesagt: Systeme „sind operativ geschlossen, kognitiv offen, strukturdeterminiert, umweltangepasst und reproduzieren sich temporär. Sie aktualisieren sich augenblicklich durch den Anschluss von neuer Kommunikation.“[7]

2.2 Systematik der Subsystembeziehungen

Ein System wie die Gesellschaft bildet funktional differenzierte Subsysteme aus,[8] auf die ebenso die oben genannten Charakteristika von Systemen zutreffen. Als wichtigste Subsysteme der heutigen Gesellschaft können Politik, Wissenschaft, Massenmedien und Wirtschaft[9] gelten. Kurz zusammengefasst werden ihre Unterschiede und Charakteristika in der folgenden Tabelle (siehe Abb. 1), wobei dem Code die größte Wichtigkeit zukommt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Charakteristika der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien

Quelle: vgl. Epskamp, Heinrich: Wissenschaftstheorie – Wissenschaftssoziologie; Foliensatz zur

Master-Vorlesung „Wissenschaftssoziologie und Wissenssoziologie“ an der Universität Hamburg, DWP; Wintersemester 2006/2007; Folie 39; sowie eigene Erweiterung

Durch die Ausdifferenzierung in Subsysteme und das Zuschreiben unterschiedlicher Funktionen wird der immer komplexer werdenden Welt bestmöglich begegnet.[10] Die Teilsysteme leisten in der Gesellschaft eigene Beiträge, wobei jedes etwas Unentbehrliches, Unersetzbares beisteuert.[11] Sie stellen jedoch keine kooperierenden, aufeinander abgestimmten Teile dar. Vielmehr existieren sie mit ihren verschiedenen Weltsichten nebeneinander und bilden eine polykontexturale Gesellschaft.[12] „Tatsächlich gelten die ‚Codes’ der Subsysteme Wissenschaft, Ökonomie, Politik unabhängig voneinander, aber nur im kommunikationstheoretischen Sinn. Bezogen auf reales Handeln geht es darum, eine bestimmte Codierung durchzusetzen“.[13]

Die Subsysteme sind bei Weitem nicht autark, sondern sie stören sich gegenseitig und sind von den Leistungen anderer abhängig.[14] Das Subsystem der Wissenschaft könnte beispielsweise in seiner heutigen Form nicht ohne finanzielle Zuwendungen von Seiten der Politik und der Wirtschaft überleben. Subsysteme können sich gegenseitig ihre Programme, Ressourcen und Codes durch strukturelle Kopplungen einverleiben, aufdrängen oder ausbalancieren.[15] „Strukturelle Kopplung bedeutet, dass Ereignisse in der Umwelt eines Systems, also auch Ereignisse aus anderen Systemen, nach Maßgabe der systemeigenen Möglichkeiten beobachtet und in eigene Operationen umgesetzt werden können. Dadurch können sich zwei oder auch mehrere Systeme aufeinander beziehen ohne ihre Unabhängigkeit aufgeben zu müssen. […] Strukturelle Kopplung vermeidet Überschneidung zwischen den gesellschaftlichen Funktionssystemen.“[16]

Die Freiheit des einzelnen Subsystems wird durch die Abhängigkeiten bei strukturellen Kopplungen allerdings – häufig asymmetrisch – eingeschränkt, auch wenn weiter nach den eigenen Codes entschieden wird. Probleme und Sachverhalte werden vom einen ins andere Subsystem umcodiert, also jeweils nach den systemtypischen Codes bewertet, so dass häufig zwangsläufig zwischen verschiedenen Subsystemen kein Konsens hergestellt werden kann.[17]

3. Fakten zum Klimawandel

Der Klimawandel – vor allem in den Medien gern als ‚Klimakatastrophe’ betitelt – bezeichnet den Anstieg der Durchschnittstemperatur in der erdnahen Atmosphäre, der eine Vielzahl weiterer, regional verschieden ausgeprägter Phänomene wie Überschwemmungen, Dürren, Abschmelzen der Polkappen und Gletscher sowie den Anstieg des Meeresspiegels nach sich zieht. Präziser sollte eigentlich der Begriff ‚globale Erwärmung’ verwendet werden, denn diese bezieht sich vor allem auf die hier gemeinten, durch Menschen verursachten Veränderungen des Klimas und weniger auf natürliche Schwankungen.[18]

Als Hauptursache gilt die Freisetzung von Kohlendioxid, aber auch von anderen Treibhausgasen wie Wasserdampf und Methan. Sie steigen in die Atmosphäre auf, ihre Konzentration dort nimmt zu und bewirkt eine stärkere Energieeinstrahlung am Erdboden sowie vermindert die Wärmeabstrahlung ins Weltall.[19]

[...]


[1] vgl. dieser Absatz: Milanova, Mihaela: Gesellschaftstheorien 1: Systemtheorie [Teile]; aus MedienWiki, der freien Wissensdatenbank; <http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title=

Gesellschaftstheorien_1:_Systemtheorie>; 18.02.2007; (keine Seitenangaben)

[2] vgl. Weber, Christa: Gesellschaftstheorien 1: Systemtheorie [Teile]; aus MedienWiki, der freien Wissensdatenbank; <http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title=Gesellschaftstheorien_1:

_Systemtheorie>; 18.02.2007; (keine Seitenangaben)

[3] vgl. Weber, ebd.

[4] vgl. Milanova, a.a.O.

[5] Weber, ebd.

[6] vgl. Epskamp, Heinrich: Wissenschaftstheorie – Wissenschaftssoziologie; Foliensatz zur Master-Vorlesung „Wissenschaftssoziologie und Wissenssoziologie“ an der Universität Hamburg, DWP; Wintersemester 2006/2007; Folie 17

[7] Weber, ebd.

[8] vgl. Weber, ebd.

[9] Das Subsystem der Wirtschaft wird gemäß der Aufgabenstellung nicht Teil dieser Arbeit sein.

[10] vgl. Weber, a.a.O.

[11] vgl. Schimank, Uwe: Theorien gesellschaftlicher Differenzierung; 2. Auflage; Leske + Budrich; Opladen 2000; S. 151

[12] vgl. Schimank, Uwe: Gesellschaftliche Teilsysteme und Strukturdynamiken, in: Volkmann, Ute; Schimank, Uwe (Hrsg.): Soziologische Gegenwartsdiagnosen II; Leske + Budrich; Opladen 2002; S. 15

[13] Epskamp, Heinrich: Wissenschaftstheorie – Wissenschaftssoziologie; Skript zur Master-Vorlesung „Wissenschaftssoziologie und Wissenssoziologie“ an der Universität Hamburg, DWP; Wintersemester 2006/2007; Fußnote 7 auf S. 10

[14] vgl. Schimank (2002), ebd.

[15] vgl. Epskamp (Foliensatz), a.a.O., Folie 48

[16] Weber, a.a.O.

[17] vgl. dieser Absatz: Epskamp (Skript), a.a.O., S. 46

[18] vgl. dieser Absatz: N.N.: Globale Erwärmung; aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie; <http://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung>, 08.02.2007

[19] vgl. Bakan, S.; Raschke, E.: Der natürliche Treibhauseffekt;Veröffentlicht in: Promet 28, Heft 3/4, S. 85-94, Deutscher Wetterdienst, 2002; S. 10

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638838603
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78606
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Beziehungen Subsysteme Wissenschaft Politik Massenmedien Beispiel Umgangs Klimawandel Wissenschaftssoziologie Wissenssoziologie

Teilen

Zurück

Titel: Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien am Beispiel des Umgangs mit dem Klimawandel