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Leo Trotzki und die Russische Revolution

In welchem Zusammenhang steht die Theorie der Permanenten Revolution mit den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk und welchen Stellenwert nahm Brest-Litowsk bei der bolschewistischen Partei ein?

Hausarbeit 2004 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leo Trotzki – Sein Leben

3. Trotzki während der Revolutionsjahre
3.1. Theorie der Permanenten Revolution
3.2.Der Frieden von Brest – Litowsk

4. In welchem Zusammenhang steht die Theorie der Permanenten Revolution mit den Friedensverhandlungen von Brest – Litowsk und welchen Stellenwert nahm Brest – Litowsk bei der bolschewistischen Partei ein?

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Auf den folgenden Seiten werde ich mich mit Leo Trotzki und seiner Rolle während der Revolutionsjahre beschäftigen. Neben seiner Biographie werden dabei besonders seine Theorie der Permanenten Revolution aus dem Jahre 1905 sowie der Friedensvertrag von Brest – Litowsk vom 03. März 1918, an dem Trotzki als Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten und russischer Delegierter maßgeblich beteiligt war, berücksichtigt. Die Frage, die sich mir während meiner Ausführungen stellte, war, in welchem Zusammenhang die Theorie der Permanenten Revolution mit dem Brest – Litowsker Friedensvertrag gebracht werden kann und welchen Stellenwert Brest – Litowsk in der bolschewistischen Politik einnahm.

Trotzki, als Urheber der Theorie der Permanenten Revolution und Vertreter der Bolschewiki nach außen, nutzte Brest – Litowsk, um die Idee der Weltrevolution, von der auch die russische Außenpolitik durchdrungen war, im Sinne seiner Theorie an die Proletarier der übrigen Länder zu tragen. Er nutzte die Friedensverhandlungen als „ Agitationsbühne, um aus dem Fenster heraus Reden an die Welt zu halten, um das westeuropäische Proletariat zur Revolution aufzustacheln “.[1] Damit wird klar, dass das vorrangige Ziel der bolschewistischen Partei nicht ein Frieden mit den Mittelmächten, sondern die revolutionäre Propaganda war, mit der die sozialistische Revolution auf internationaler Ebene voran getrieben werden sollte, um dadurch den Weg zum Aufbau des Sozialismus frei zu haben. Das Nebenprodukt, der Friede, kam den Bolschewiki dennoch mehr als gelegen. Sie nutzten die Rivalität der Westmächte und ihre eigene Isolation, um die sozialistische Revolution im eigenen Land zu festigen und den Zeitpunkt des Ausbruchs der Weltrevolution abzuwarten.

2. Leo Trotzki – Sein Leben

Am 08. November 1879 wurde Leib Davidowitsch Bronstein auf dem Gut Janowka im ukrainischen Gouvernement Cherson geboren. Er war der Sohn des jüdischen Großgrundbesitzers Dawid Leontjewitsch Bronstein und Anna, einer Kleinbürgerin aus der Umgebung von Odessa. Mit neun Jahren zog Leib nach Odessa und besuchte dort die Realschule des hl. Paulus[2]. Im Jahre 1897 legte er im ukrainischen Nikolajew sein Abitur ab. Nachdem er sein Interesse an sozialistischen Gedanken entdeckt hatte, gründete Leib 1896 dort mit 200 Mitgliedern den Südrussischen Arbeiterbund[3], der „ als seine erste Aufgabe die revolutionäre Bildung der Arbeiter ansehe“[4]. Am 28. Januar 1898 wurden Leib und einige Organisatoren des Südrussischen Arbeiterbundes zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Verraten, so Trotzki, hatte sie der „ Provokateur Schrenzel[5], der sich in die Organisation eingeschlichen hatte. Aus Nikolajew brachte man ihn nach Odessa, wo Bronstein zu einer Verbannung von vier Jahren verurteilt wurde. Zunächst verbrachte er einige Monate im Moskauer Gefängnis, dann im Gefängnis von Irkutsk. Im Butyrsker Gefängnis heiratete Leib gegen den Willen seiner Eltern Alexandra Lwowna Sokolowskaja, die ebenfalls ein Mitglied des Südrussischen Arbeiterbundes war. Obwohl er sich bereits im Jahre 1896 mit sozialistischen Ideen vertraut gemacht hatte, wurde er erst im Gefängnis zu einem Verfechter dieser Ideen, denn „ die Arbeiter im Gefängnis [...] haben einen Marxisten aus mir gemacht“[6] . Während seiner Flucht aus der sibirischen Verbannung im Sommer 1902 nahm Leib den Decknamen Trotzki an, den er bis zu seinem Tod behalten sollte. Auf eine Einladung Lenins kam Trotzki schließlich nach London, wo er auf russischen Versammlungen seine Rhetorik unter Beweis stellte und den Marxismus gegen die Sozialrevolutionäre verteidigte. Bei seinem anschließenden Besuch in Paris lernte Trotzki Natalja Sedowna kennen, die seine Lebensgefährtin wurde. Zur gleichen Zeit kam es zum Bruch Trotzkis mit Lenin, dem vor allem parteiinterne Differenzen zu Grunde lagen. Besonders die Zusammenarbeit mit Führern der deutschen und österreichischen Sozialdemokratie kam Trotzki gelegen, um gegen Lenin vorzugehen und die Parteiprobleme im Westen zu veröffentlichen. Im Sommer 1904 verfasste Trotzki die Schrift „ Unsere politische Aufgabe “, in der er sich vehement gegen Lenin äußerte[7]. In einem Brief vom 24. März 1913 an Nikolaj Semjonowitsch Tschcheidse, einem Mitglied der Staatsduma, schrieb Trotzki: „ [...]Die schmutzigen Intrigen, die Lenin, der Meister in solchen Machenschaften, systematisch entfacht, dieser professionelle Ausbeuter jeglicher Rückständigkeit in der russischen Arbeiterbewegung [...] Das gesamte Gebäude des Leninismus ist in dieser Zeit auf Lügen und Fälschungen gebaut und trägt in sich den verderblichen Grund für den eigenen Zerfall [...]“[8]. Hier tritt seine abneigende Haltung gegenüber Lenin besonders deutlich zu Tage. Bis zu seiner Konversion im Jahre 1917 sollte Trotzki den Bolschewismus und vor allem Lenin kritisieren, wobei man aber nicht außer acht lassen sollte, dass auch Lenin Trotzki in nichts nachstand, wenn er beispielsweise den Ausschluss seines Gegners aus einer Versammlung im September 1914 im Schweizer Gebirgsdorf Zimmerwald forderte.

Unter dem Einfluss des jüdisch – russischen Publizisten Dr. Helphand – Parvus entstand im Jahre 1905 die Theorie der Permanenten Revolution. Ab 1907 arbeitete Trotzki eng mit der deutschen Sozialdemokratie zusammen, denn sie, so seine Aussage, „ bereite wirkungsvoll die politische Herrschaft des Proletariats vor“[9]. Im August 1912 übernahm Trotzki die Leitung der antibolschewistischen Konferenz in Wien. Nachdem er mit seiner Familie erst nach Zürich, dann ins Baskenland und schließlich nach New York gereist war, traf Trotzki am 17. Mai 1917 in Petersburg ein. Durch die April – Thesen Lenins und Trotzkis Standpunkt, dass sich die Arbeitermacht etablieren und von Russland aus in andere Länder ausbreiten würde, kam es zu einer Annäherung zwischen beiden Männern. Trotzdem war Trotzki noch kein Bolschewist. Vielmehr wurde er zu dieser Zeit als „Ein –Mann – Splittergruppe, die irgendwo in der Mitte zwischen Menschewiki und Bolschewiki angesiedelt war“[10] bezeichnet. Erst, als gegen Lenin und einige andere Bolschewiki Haftbefehl erlassen wurde, solidarisierte sich Trotzki mit ihnen und konvertierte, nachdem er sich den Behörden gestellt hatte und verhaftet worden war, im Gefängnis zum Bolschewismus. Nach seiner Haftentlassung am 17. September 1917, distanzierte sich Trotzki radikal von seinen früheren Gedanken, die er als Jugendsünden bezeichnete. Er wurde Mitglied des ZK der RKP (B) und am 06. Oktober zum Vorsitzenden des Petrograder Sowjets ernannt. Des weiteren übernahm Trotzki im Oktober 1917 eine „leading role in the Petrograd Revolutionary Committee which organised the armed uprising“[11]. Als Kriegskommissar und Vorsitzender des Obersten Kriegsrates gründete er die Rote Armee, die unter seiner Führung streng diszipliniert wurde. Als „Commissar for Foreign Affairs“[12] führte er die Friedensverhandlungen in Brest – Litowsk in den Jahren 1917/18[13]. Auf seinem Posten als Kommissar des Transportwesens legte Trotzki ebenfalls militärische Disziplin zu Grunde. Sein Kernprogramm sah die Militarisierung der Arbeit und die Verstaatlichung der Gewerkschaften vor[14]. Im März 1919 gründete Trotzki die Kommunistische Internationale als „Idee einer revolutionären Offensive zum Sturz des Kapitalismus“[15]. Als Trotzki begann, die Parteibürokratisierung und die Ineffektivität des Systems anzuprangern sowie Generalsekretär Stalin als Hauptgefahr für die Partei darzustellen, schaffte es Stalin mit Hilfe seiner Verbündeten, Trotzkis Autorität und seine Rolle im Jahr 1917 soweit zurück zu drängen, dass dieser bereits kurz nach Lenins Tod in eine isolierte Position innerhalb der Partei gelangt ist. Zeitungen und -schriften betitelten Trotzki als „ Spalter “, „ Menschewist “ und „ Antileninist[16]. Dies hatte zur Folge, dass er Anfang 1925 das Kriegskommissariat verließ und einige Ämter im industriellen Sektor übernahm. Nachdem er in den Jahren 1926/27 endgültig all seiner Ämter enthoben und aus der Partei ausgeschlossen worden war, wurde er im Januar 1928 ins turkestanische Alma Ata, und ein Jahr später wegen „ konterrevolutionärer Tätigkeit, die sich im Aufbau einer illegalen antisowjetischen Partei ausdrückt [...]“[17] in die Türkei verbannt. Über Kopenhagen, Frankreich und Norwegen floh Trotzki im Januar 1937 nach Mexiko. Während der gesamten Zeit wurde er durch Spitzel der UdSSR überwacht. Trotz Ausschlusses aus der Partei pries Trotzki aber die Errungenschaften der Sowjetunion und verfasste Anfang 1938 die Streitschrift „ Ihre Moral und unsere “. In ihr verteidigte er nicht nur den Bolschewismus, sondern auch sich selbst gegen seine Kritiker. Am 24. Mai 1940 wurde ein bewaffneter Überfall unter der Leitung des kommunistischen Malers Siqueiros auf das Haus Trotzkis geplant, der jedoch misslang. Am 20. August 1940 verübte der Geheimagent Ramon Mercader ein Attentat auf Trotzki, dem er am 21. August erlag.

[...]


[1] Baumgart, Winfried: Deutsche Ostpolitik 1918. Von Brest – Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Wien 1966, S.21

[2] Trockij, Lev D.: Mein Leben. Versuch einer Autobiographie, Frankfurt a. Main 1974, S. 52

[3] Abosch, Heinz: Trotzki zur Einführung, Hamburg 1990, S.16

[4] Wolkogonow, Dimitri: Trotzki. Das Janusgesicht der Revolution, Düsseldorf u. a. 1992, S.38

[5] Ebenda, S. 38

[6] Ebenda, S.39

[7] Wolkogonow: Trotzki, S.65 f.

[8] Ebenda, S.67

[9] Abosch: Trotzki, S.25

[10] Ebenda, S.61

[11] Haupt, Georgs; Marie, Jean – Jaques: Makers of the Russian Revolution. Biographies of Bolshevik Leaders, Ithaca, New York 1974, S. 88

[12] Ebenda, S. 88

[13] Siehe Kapitel 3.2.

[14] Abosch: Trotzki, S. 70

[15] Ebenda, S. 69

[16] Wolkogonow: Trotzki, S.292

[17] Ebenda, S.336

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638840040
ISBN (Buch)
9783638840088
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78486
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Geschichte und Kulturwissenschaften - Osteuropäische Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Trotzki Russische Revolution

Autor

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Titel: Leo Trotzki und die Russische Revolution