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Marktversagen im Bildungssektor und staatliche Intervention

Seminararbeit 2002 23 Seiten

VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Begriffsabgrenzung Marktversagen
1.3. Gang der Untersuchung

2. Die Situation in der Bundesrepublik
2.1. Eine nationale Bestandaufnahme
2.2. Staatliche Motivation zu Intervenieren
2.3. Subventionen als wirtschaftspolitische Maßnahme
2.3.1. Untersuchung der Allokationseffizienz
2.3.2. Untersuchung der Verteilungseffizienz

3. Auswege aus der Bildungsmisere

4. Schlussbetrachtung

Anhang:

Literatutverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

"... Es könne gegenwärtig nicht darum gehen, Geld für Reformen zu bekommen, sondern zu fragen, welche Reformen . . . für das vorhandene Geld möglich (sind)?“[1]

In Anbetracht der Bedeutung eines effizient und sachgerecht ausgebildeten Humankapitals für eine auf Wissenskapital basierender Hochlohnvolkswirtschaft wie die der Bundesrepublik Deutschland gilt es den Bildungssektor ständig auf Effizienz und Effektivität zu untersuchen. Da ein großer Anteil des BIP aus Wissenskapital resultiert und laut multinationalen Studien das Bildungsniveau in Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückliegt, entsteht extremer Handlungsbedarf zur Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die in der vorliegenden Arbeit behandelte Problemstellung, bezieht sich auf die Komplexität der in der Literatur umschriebenen interdependenten Probleme des Sektors und der Problematik der Durchführbarkeit der Subventionierung des Bildungssektors. Die große Bedeutung des Humankapitals für die Wirtschaft verdeutlicht die Notwendigkeit den Ursprung für Humankapital und dessen Finanzierung adäquat zu beleuchten. Diese Problemstellung stellt sich aufgrund der oben angesprochenen Komplexität und der Bedeutung als nicht trivial dar.

1.2. Begriffsabgrenzung Marktversagen

Die Volkswirtschaftslehre hat eine ganze Reihe von Kriterien entwickelt, die ein analytisch begründetes Urteil über die Aufgaben des Staates in einer sozialen Marktwirtschaft ermöglichen. Zentrales Argument für staatliche Aktivitäten ist regelmäßig das so genannte allokative Marktversagen. Hier stellt sich z.B. die Frage, ob und in welchem Umfang sowie unter welchen Bedingungen der Staat Bildungskonsum subventionieren soll oder aber ob eine staatliche Subventionierung von rentablen Humankapitalinvestitionen überhaupt erforderlich ist. Schließlich muss auch die Frage aufgeworfen werden, ob die staatliche Produktion und Regulierung von Bildungsleistungen wegen der notorischen Ineffizienz öffentlicher Einrichtungen nicht am Ende unwirtschaftlicher ist als ein stärker privat organisiertes Bildungssystem.

In Marktwirtschaften sollte der Staat nur dort in die Privatwirtschaft eingreifen, wo der Markt als Allokations- und Verteilungsinstrument versagt, d.h. private Anbieter ein bestimmtes Gut nur unzureichend anbieten würden oder aber bei gegebener Einkommensverteilung private Nachfrager ein Gut in übermäßigem oder aber auch in zu geringem Umfang nachfragen würden. Konstitutionelles Marktversagen liegt vor, wenn Gütern oder Dienstleistungen zwei Eigenschaften fehlen, ohne die sie von privaten Anbietern nicht oder unzureichend produziert werde[2]:

1. Wer den Marktpreis nicht entrichtet oder nicht entrichten will, kann nicht vom Konsum eines Gutes ausgeschlossen werden. Das Ausschlussprinzip funktioniert nicht.
2. Der Nutzen eines Gutes kann mehreren Nachfragern zugute kommen, ohne dass der Nutzen der anderen beeinträchtigt wird. Die Rivalität des Konsums ist nicht gegeben.

Bildungsleistungen könnten indes unter Anwendung des Ausschlussprinzips und der Rivalität des Konsums angeboten werden. So ist es z.B. theoretisch denkbar, dass ein Kind, dessen Eltern ein Schulgeld nicht entrichten wollen, vom Unterricht ausgeschlossen wird. Gleiches gilt für Universitäten, wenn Studiengebühren erhoben werden. Auch der Nutzen der Unterrichtsleistungen rivalisiert zumindest so lange nicht, wie Klassen und Hörsäle nicht überfüllt sind. Zu einem zu geringen Angebot bzw. zu geringer Nachfrage kommt es aber infolge eines dritten und vierten Kriteriums, die beide Staatseingriffe rechtfertigen.

3. Der gesamtgesellschaftliche Nutzen von Bildungsleistungen ist regelmäßig größer als die privatwirtschaftliche Rentabilität. Es liegen, um den Terminus technicus vorzunehmen, externe Nutzen von Bildung vor.

4. Die Nachfrager nach Bildungsleistungen haben, aus welchen Gründen auch immer, keine rationalen Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Erträge ihrer Bildungsaufwendungen. Ihre Konsumentensouveränität versagt.

Im Regelfall würden in beiden Fällen zu wenig Bildungsleistungen gegenüber dem gesamtwirtschaftlichen allokativen Optimum nachgefragt. Deshalb soll der Staat die Leistungen verbilligen, ein entsprechendes Leistungsangebot sicherstellen oder gar die Nachfrage, wie bei der Schulpflicht, verbindlich vorschreiben. Insbesondere in einer Grundbildung für alle, wie sie im Prinzip bei der neunjährigen Schulpflicht angestrebt wird, liegt heute eine wesentliche Grundvoraussetzung für Produktivität und Konsumfähigkeit einer modernen Industriegesellschaft. Insofern scheint der sehr weitgehende Eingriff des Staates in Form der Schulpflicht gerechtfertigt. Die Analyse des Marktversagens ergibt also unzweifelhaft einen staatlichen Interventions- und Subventionsbedarf im Bildungswesen.

1.3. Gang der Untersuchung

Nachdem ein Marktversagen hier definiert und ein gewisser Handlungsbedarf festgestellt wurde (1.2), beginnt die Untersuchung mit einem Blick auf die finanzielle Bildungssituation in der Bundesrepublik Deutschland (2.1). Finanzielle Kennzahlen werden präsentiert und darauf folgend in einen internationalen Vergleich gestellt. Im Abschnitt 2.2 werden Gründe für einen Eingriff durch den Staat genannt und erläutert. Daraufhin wird die Beseitigung des Marktversagens im Bildungssektor durch Subventionen kritisch betrachtet (2.3).Im Abschnitt 3 wird dann eine Lösungsvision zur Beseitigung der Bildungsmisere präsentiert.

Abschließend erfolgt in der Schlussbetrachtung (Abschnitt 4) eine kritische Zusammenfassung der Ergebnisse der vorliegenden Arbeit.

2. Die Situation in der Bundesrepublik

Bildungssubventionen sind Zukunftsinvestitionen. Es muss die Frage nach den politischen Prioritäten und den sinnvollen Weichenstellungen für die Zukunft gestellt werden, einschließlich der Frage, wie ein leistungsfähiges Bildungssystem finanziert werden kann:

2.1. Eine nationale Bestandaufnahme

Mit knapp 9 % der bereinigten Ausgaben aller Gebietskörperschaften stellt das Bildungswesen nach der sozialen Sicherung und der allgemeinen Finanzwirtschaft den drittgrößten Ausgabenblock in den öffentlichen Haushalten dar[3]. Bildungsfinanzierung wird vor diesem Hintergrund als der finanzielle Rahmen verstanden, in dem der Aufbau von Humankapital unter effizientem Ressourceneinsatz bewerkstelligt werden soll. Das Bildungssystem umfasst dabei entsprechend auch internationaler Konventionen die vorschulische Bildung, die primäre und sekundäre Schulausbildung sowie den tertiären Bereich, der in Form beruflicher Bildung und verschiedener Formen des Hochschulstudiums die berufsqualifizierende Ausbildung von Individuen zum Gegenstand hat.

1995 wurden für Bildung und Ausbildung - ohne die unzureichend erfassten Aufwendungen der betrieblichen Weiterbildung - rund 242 Milliarden DM, ca. 5,7 % des Bruttoinlandsprodukts ausgegeben (Abb.1). Mit 177,5 Mrd. DM nahmen die öffentlichen Bildungsausgaben den größten Anteil ein. Unter Einbeziehung der in der Finanzstatistik noch getrennt ausgewiesenen Versorgungsausgaben für Beamte entfielen davon wiederum 97,5 Mrd. DM auf die Schulen, 50,7 Mrd. DM auf die Hochschulen, 16,9 Mrd. DM auf die Kindergärten und 12,4 Mrd. DM auf die Förderung des Bildungswesens und sonstige Zwecke.[4]

Vergleichsweise gering nehmen sich da neben die Ausgaben der privaten Wirtschaft für die Lehrlingsausbildung und die der Bundesanstalt für Arbeit für berufliche Bildung aus. Sie summieren sich ihrerseits auf 38,1 Mrd. DM oder 1,1 % des BIP im Jahr 1995 auf. Die öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden sowie der Sozialversicherungen subventionieren darüber hinaus Leistungen an Studierende in der Größenordnung von 26,5 Mrd. DM, die in der Finanzstatistik nicht den Bildungsausgaben zugeordnet sind oder erst gar nicht erfasst werden. Es handelt sich bei diesen sonstigen Leistungen, die an ein Studium anknüpfen, um Transfers und Steuer- bzw. Beitragsmindereinnahmen, die den Studierenden und ihren Eltern unter anderen Etiketten gewährt werden. Die wichtigsten Beispiele für diese Art von Leistungen sind das Kindergeld und die Steuerfreibeträge für studierende Kinder, Rentenansprüche für Ausbildungszeiten, Kinderortszuschläge im öffentlichen Dienst, vergünstigte Krankenkassenbeiträge, Beihilfeleistungen und vieles andere mehr, mit dem das Studium letztendlich verdeckt subventioniert wird. In Anbetracht dieser nicht unbeträchtlichen Aufwendungen auch und gerade der öffentlichen Kassen für das Bildungswesen verwundern immer wieder Pressemeldungen, nach denen Deutschland im internationalen Vergleich mit anderen Industrieländern weit unterdurchschnittliche Bildungsausgaben tätigen würde. Im internationalen Vergleich (Abb.2) erkennt man jedoch, dass die nationalen Bildungsausgaben in Deutschland über den durchschnittlichen Bildungsausgabenanteil am Bruttoinlandsprodukt den gesamten restlichen OECD-Ländern liegen. Der Einfluss der nationalen Demografischen Entwicklung auf den Anteil der Bildungsausgaben am BIP (Abb.3) zeigt ein stagnierendes Budget an, während im internationalen Vergleich relativ starke Rückgange und auch Mehrinvestitionen in Bildung zu erkennen sind. Ob diese stagnierenden Ausgaben in einem rohstoffarmen Staat wie der Bundesrepublik jedoch ausreichen um langfristig Wettbewerbsvorteile erhalten zu können, muss an anderer Stelle diskutiert werden, da diese Diskussion den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

2.2. Staatliche Motivation zu Intervenieren

Aus der Vermehrung des Humankapitals resultieren unterschiedliche Effekte. Ein interner Effekt und des Weiteren und soziale externe Effekte sowie fiskalische Effekte[5]. Beim internen Effekt wird davon ausgegangen, dass mit einer Humankapitalinvestition die Leistungsfähigkeit des investierenden Wirtschaftssubjektes gesteigert wird. Durch die gestiegene Leistungsfähigkeit kann das Individuum nun ein höheres Einkommen auf dem Arbeitsmarkt erzielen, so dass es zumindest einen Teil der Investition internalisieren kann.

Der externe soziale Effekt gründet auf eine Diffusion des hinzugewonnenen Wissens von dem nicht nur die investierende Person profitiert, sondern von dem auch positive, produktionssteigernde Wirkungen auf andere Personen übergehen, wodurch die gesamtwirtschaftliche Produktivität und letztlich auch die Wohlfahrt erhöht wird. Jedoch wird das Individuum für die Wissensdiffusion von den anderen Wirtschaftssubjekten nicht entlohnt, so dass es nicht die sozialen Erträge seiner Investition internalisieren kann. Die theoretischen Überlegungen kommen zum selben Ergebnis wie die Forschungs- und Entwicklungsmodelle. Die Wirtschaftssubjekte werden nun die positiven externen Effekte, die mit Bildung einhergehen, nicht in ihr einzelwirtschaftliches Kalkül aufnehmen, woraus eine gesamtwirtschaftlich zu geringe Bildungsaktivität resultiert. Dabei sind die externen Effekte umso stärker, je höher das durchschnittliche Bildungsniveau einer Gesellschaft ist. Bei einem durchschnittlich hohen Bildungsniveau erfolgt eine schnellere Diffusion des Wissens. Daraus folgt, dass das gesamte Bildungsniveau einer Volkswirtschaft und die bereits vorhandene Humankapitalbasis von Bedeutung sind, und nicht nur das Humankapitalvermögen einzelner Personen. Aus diesem Grunde lässt der Staat finanziell benachteiligten Individuen Transfers zukommen. Dies schafft für diese Individuen eine attraktive „internal rate of return“[6] und erlaubt somit das gesellschaftliche Bildungsniveau zu erhöhen.

Externe fiskalische Effekte resultieren aus den direkten, indirekten und induzierten Produktionseffekten. Er basiert auf dem geschätzten Wert der zusätzlich eingenommenen Einkommenssteuer und Arbeitnehmerversicherungsbeiträge, abzüglich sozialer Transferzahlungen, für diejenigen die ein Studium abschließen, gegenüber den öffentlichen Aufwendungen für das Studium eines Studierenden und den während der Studienzeit wegen Einkommensverzicht entgangenen Steuereinnahmen[7].Der Wachstums- und Produktivitätsbeitrag der Investitionen in Wissenskapital führt langfristig weiterhin zu höheren, induzierten Steuereinnahmen und damit zu einem Selbstfinanzierungsbeitrag[8].

Bspw. sieht man in Abbildung 4 eine Darstellung nationale Unterschiede bei den erzielten verschiedenen Effekten, die aus unterschiedlich generierten nationalen Rahmenbedingungen resultieren können[9].

2.3. Subventionen als wirtschaftspolitische Maßnahme

Das durch ein staatlich induziertes Bildungsmonopol entstehende Marktversagen bedarf besonders sorgfältiger und weitsichtiger Maßnahmen, da die Bildungsnachfrage im Angesicht extrem dynamischer Arbeitsmärkte und mangelnder Transparenz kaum überschaubar ist.

Die Wachstumstheorie legt nun eine Wirtschaftspolitik nahe, die zur Bildung von Humankapital führt. Die Bedeutung von Humankapitel als wichtige Wachstumsdeterminante wird von fast allen Wirtschaftswissenschaftlern betont[10], jedoch sind die Empfehlungen für die konkrete Ausgestaltung dieser Wirtschaftspolitik in der Literatur nicht einheitlich. Bildungspolitische Maßnahmen wirken erst mit temporalen Verzögerungen und deren Treffsicherheit ist aufgrund der Einflüsse multipler exogener Faktoren nur schwer Abzuschätzen.

Eine Subventionierung der über die Zeiten der Schulpflicht hinausgehenden Ausbildungsaufwendungen könnte sich allerdings noch mit den Argumenten einer versagenden Konsumentensouveränität begründen lassen. Hier liegen in der Tat auch die großen Probleme der Finanzierung von Humankapitalinvestitionen, denn junge und in aller Regel vermögenslose Schulabgänger erhalten vom privaten Bankensystem insbesondere dann keine Kredite für ihre weitere Ausbildung, wenn sie, aus einkommensschwächeren Haus halten stammend, kein hinreichendes Erbe zu erwarten haben, das sie ex ante verpfänden könnten. Auch ist zu berücksichtigen, dass Schulabgänger über keine Einkommenserfahrung verfügen. Im Vergleich zur Taschengeldsituation erscheinen Schulden, die z.B. zur Finanzierung des Lebensunterhalts von Studierenden aufgenommen werden müssten, als kaum jemals rückzahlbar, auch wenn der Augenschein lehrt, dass viele dieser jungen Menschen, wenn sie einige Jahre berufstätig waren, einen ähnlich hohen Betrag bedenkenlos für ein Auto ausgeben. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, dass unstetiger werdende Arbeitsmarktchancen von Hochschulabsolventen die Befürchtungen junger Menschen vergrößern müssen, nach dem Studium nicht in der Lage zu sein, derartige Kredite zurückzuzahlen. Bezieht man außerdem mit ein, dass unterschiedliche Einkommenserfahrungen verschiedener sozialer Gruppen und Elternhäuser die Ausbildungsentscheidungen junger Menschen prägen, dann ergibt sich hieraus ganz eindeutig ein staatlicher Interventionsbedarf[11]. Dieser kann und darf allerdings nicht in einer flächendeckenden Subventionierung aller möglichen Bildungsinvestitionen und sogar des Bildungskonsums wie z.B. im Fall des Seniorenstudiums - bestehen. Vielmehr ist eine differenzierte Investition erforderlich, die sicherstellt, dass junge Menschen nicht gezwungen sind, unvertretbare Risiken für die Rückzahlung ihrer Bildungskredite einzugehen, was letztendlich vermögenslose und risikoaverse, aber talentierte junge Menschen von der persönlich und ökonomisch adäquaten und darüber hinaus pareto-effizienten[12] Ausbildungsentscheidung abhalten werden.

2.3.1. Untersuchung der Allokationseffizienz

Das staatliche Mittel der Subventionierung aller in Abschnitt 2.2 genannten Bereiche ist allerdings auch mit Allokationsproblemen verbunden. Untersucht man dieses Mittel auf die Allokations-Effizienzkriterien der Treffsicherheit, statischen Effizienz sowie dynamischen Effizienz[13], so könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Subvention als wirtschaftspolitisches Mittel die Kriterien nur eingeschränkt zureichend sind.

Die Treffsicherheit ist aufgrund von Informationsassymetrien und daraus folgenden Prinzipal-Agent[14] Problemen zwischen benachbarten Instanzen nur schwach gewährleistet und dynamische Anreize zu Stimulation einer Bildungsniveausteigerung bestehen kaum. Auch der interne Widerstand des Bildungsapparates kann für Ineffizienzen sorgen[15].Darüber hinaus ist auch die Beschaffung der finanziellen Mittel durch den Staat, um Subventionen auszahlen zu können, äußerst problematisch. Werden in anderen Sektoren Steuererträge aufgebracht, so kann es leicht zu Allokationsverzerrungen führen und eine gesamtwirtschaftlich pareto-optimale Ressourcenverteilung verhindern. Nur eine allokationsneutrale Steuer wäre in der Lage ohne Verzerrungen Transferzahlungen zu finanzieren.

Weiterhin sollte der Staat besonders vorsichtig bei der Art und Weise der Subventionierung sein, da unter bestimmten Umständen das Bildungsniveau als auch die Gesamtausgaben für Bildung ungewollt gesenkt werden.[16]

2.3.2. Untersuchung der Verteilungseffizienz

Auch ohne das Hintergrundwissen über die beschriebenen externen Effekte der Bildung lässt eine Subvention in dem beschriebenen Maße auf eine Verteilungsungerechtigkeit hindeuten. Akademiker sollten infolge ihres höheren Einkommens die während der Ausbildung genossenen Subventionen auch über eine überproportional höhere Steuerlast zurückzahlen. Grüske[17] hat jedoch in einer Studie vor wenigen Jahren nachgewiesen, dass Akademiker die während ihres Studiums genossenen staatlichen Leistungen nicht über ihre höhere Steuerlast zurückzahlen. Die staatliche Subventionierung im tertiären Bildungsbereich bezuschusst die Akademiker, bezogen auf ihr insgesamt höheres Lebenseinkommen. An diesen Subventionen finanzieren Nichtakademiker und ungelernte Arbeitskräfte nach Maßgabe ihrer Steuerbelastung mit. Die praktizierte Hochschulfinanzierung und Ausbildungsförderung stellt also eine Umverteilung von unten nach oben dar.

Überzeugte der Subventionsgrad wegen der Rentierlichkeit von Humankapitalinvestitionen schon aus allokativer Sicht nicht, so vermag die Analyse der Verteilungswirkungen den betriebenen staatlichen Aufwand in dieser Art und Weise erst recht nicht zu rechtfertigen.

3. Auswege aus der Bildungsmisere

Durch die staatlichen Subventionen, die den Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden, werden nicht, wie erhofft, das Marktversagen beseitigt, sondern vielmehr neue Probleme geschaffen. Staatliche Bildungseinrichtungen können nicht in Konkurs gehen, was eine unzulässige Bevorzugung gegenüber privaten Anbietern darstellt. Hierdurch findet in den staatlichen Einrichtungen aber auch keine Erfolgskontrolle statt. Sie sind nicht bemüht, effizient zu wirtschaften. Vielmehr orientieren sie ihre Kalkulation danach, möglichst hohe Kosten auszuweisen, um ein möglichst hohes Budget vom Staat zu erhalten. Anstatt um Bildungsnachfrage zu werben, findet ein Wettbewerb um die knappen finanziellen Mittel der öffentlichen Kassen statt. Schulen und Hochschulen arbeiten ineffizient, bemühen sich nicht um Nachfrage und Qualität, sondern um staatliche Subventionen[18].

[...]


[1] Vgl. Wunder, Dieter: Zeit für eine neue Bildungsreform? Referat auf dem Bildungspolitischen Kongress der GEW Hessen "Bildung ist Zukunftsinvestition" am 23.9.1995 in Frankfurt a.M. GEW HV-Dok. 18/95, S. 7.

[2] Vgl. Fritsch, Michael; Wein, Thomas und Ewers, Hans-Jürgen: Marktversagen und Wirtschaftspolitik, 3. Auflage, München 1999

[3] Vgl. Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Bildung auf einen Blick-Indikatoren für Bildungssysteme; Paris 2000

[4] Vgl. Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Bildung auf einen Blick-Indikatoren für Bildungssysteme; Paris 2000

[5] Vgl. Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Bildung auf einen Blick-Indikatoren für Bildungssysteme; Paris 2000

[6] Vgl. Polachek, S.W, Siebert, W.S. The economics of earnings, Cambridge: Cambridge University Pres

[7] Vgl. Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Bildung auf einen Blick-Indikatoren für Bildungssysteme; Paris 2000

[8] Vgl. Pfähler, Wilhelm et al.; Wirtschaftsfaktor Bildung und Wissenschaft - Regionalwirtschaftliche Bedeutung der Hochschulbildungs- und Wissenschaftseinrichtungen in Bremen; Peter Lang Verlag, Bremen; 1999.

[9] Vgl. Polachek, S.W, Siebert, W.S. The economics of earnings, Cambridge: Cambridge University Press; 1993; S.43f

[10] Vgl. Solow, Robert: New Directions in Growth Theory, in: Gahlen, Bernhard et al.: Wachstumstheorie und Wachstumspolitik - ein neuer Anlauf, Tübingen 1991

[11] Vgl. Polachek, S.W, Siebert, W.S. The economics of earnings, Cambridge: Cambridge University Pres

[12] Vgl. Fritsch, Michael; Wein, Thomas und Ewers, Hans-Jürgen: Marktversagen und Wirtschaftspolitik, 3. Auflage, München 1999

[13] Vgl. Fritsch, Michael; Wein, Thomas und Ewers, Hans-Jürgen: Marktversagen und Wirtschaftspolitik, 3. Auflage, München 1999

[14] Vgl. Bodenhöfer,Hans-Joachim; Hochschulreform – Eine institutionen-ökonomische Perspektive; in Weiß, Manfred; Weishaupt, Horst: Bildungsökonomie und neue Steuerung; Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M.; 2000; S.119ff.

[15] Vgl. Polachek, S.W, Siebert, W.S. The economics of earnings, Cambridge: Cambridge University Press; 1993; S.65ff.

[16] Vgl. Polachek, S.W, Siebert, W.S. The economics of earnings, Cambridge: Cambridge University Press; 1993; S.65ff.

[17] Vgl. Grüske, Klaus-Dieter: Verteilungsaspekte der öffentlichen Hochschulfinanzierung in der Bundesrepublik Deutschland - Personal Incidents im Querschnitt und im Längsschnitt; in: Lüdeke, Rainar (Hrsg.): Bildung, Bildungsfinanzierung und Einkommensverteilung II, Berlin 1994, S.71ff.

[18] Vgl. Straubhaar, Thomas; Ökonomische Reform des staatlichen Bildungswesens; in: Freiheit: Die unbequeme Idee, Deutsche Verlags-Anstalt, 1995, Stuttgart

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638149709
ISBN (Buch)
9783638697330
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7846
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Allokation und Wettbewerb
Note
1,0
Schlagworte
Human Kapital Bildungspolitik Marktversagen

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Titel: Marktversagen im Bildungssektor und staatliche Intervention