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Jakobitische Aufstände in Schottland - die jakobitische Propaganda und Gegenpropaganda

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 27 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

II. Der geschichtlicher Hintergrund und die Bedeutung der Religion in Großbritannien

III. Charles Edward bekommt die Regentschaft übertragen

IV. Propaganda und Gegenpropaganda nach dem Eintreffen Charles in Schottland

V. Frankreich und die Jakobiten

VI. Berichte über Charles nach Culloden

VII. Fazit

Literaturverzeichnis

He's been long o'coming

A synoptic song on the 1745 Rising

Text published in "Songs of Scotland", 1877

When France had her assistance lent,

A royal prince to Scotland sent,

Towards the north his course he bent,

His name was Royal Charlie,

Our gallant Scottish prince was clad,

Wi' bonnet blue and tartan plaid,

An' oh, he was a handsome lad,

Few could comparre wi' Charlie.

An oh, but you've been lang o' comin,

Lang, lang,lang o' comin'

O but ye've been lang o' comin',

Welcome Royal Charlie.

Around ilk valiant kilted clan,

Let Highland hearts lead on the van,

And charge the foe, claymore in hand,

For sake o'Royal Charlie.

O welcome, Charlie, o'er the main,

Our Highland hills are a' your ain,

Thrice welcome to our isle again,

Our gallant Royal Charlie.*

Oh, but you've been lang o' comin,

Lang, lang, lang o' comin'

O but ye've been lang o' comin',

Welcome Royal Charlie.

From a the wilds o' Caledon

We'll gather ever hardy son,

Til thousands to his standard run,

And rally round Prince Charlie.

Come let the flowing quaich go round,

And boldly bid the pibroch sound.

Til every glen and rock resound

The name of Royal Charlie.

Oh, but you've been lang o' comin,

Lang, lang, lang o' comin'

O but ye've been lang o' comin',

Welcome Royal Charlie.

Jakobitische Propaganda und Gegenpropaganda

I. Vorwort

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Jakobitenaufstand in Großbritannien 1745. Das besondere Augenmerk liegt darauf, wie Charles Edward III. seine Interessen darstellte und versuchte Leute um sich zu sammeln, die sich mit ihm gegen Georg II. stellen sollten. Auf der anderen Seite steht die Gegenpropaganda seitens der Engländer. Durch Auseinandersetzung mit Quellen beider Parteien wird versucht, ein klares Bild der damaligen Lage herauszustellen. Um dies zu erreichen muss zunächst auf die vorangegangenen Entwicklungen eingegangen werden, die der Entstehung der Jakobiten zugrunde lagen. Diese Hausarbeit versucht die verschiedenen Ursachen für den Aufstand darzustellen. Politische, wirtschaftliche und religiöse Strukturen des Jakobismus sollen herausgearbeitet werden.

Bei geschichtlichen Prozessen spielen stets verschiedene Faktoren eine Rolle und fließen zusammen. Doch es gibt weniger wichtige und sehr bedeutsame Faktoren, die für einen Aufstand, wie den der Jakobiten im Jahr 1745, ausschlaggebend sind. Diese Hausarbeit untersucht anhand von Primär- und Sekundärquellen von welchen Faktoren die Jakobitenbewegung besonders geleitet wurde.

II. Der geschichtlicher Hintergrund und die Bedeutung der Religion in Großbritannien

Einen erheblichen Faktor der damaligen Zeit stellte die Religion dar, die die Politik bestimmte. Seit Maria Tudor in England versucht hatte den Katholizismus mit aller Macht wieder einzuführen, standen die Engländer dem Katholizismus nicht wohl gesonnen gegenüber. Sie hatten sich seit Heinrich VIII. an die Abspaltung der römischen Kirche und den Zustand, dass der Staat gleichzeitig das Oberhaupt der Kirche war, gewöhnt. Ein einflussreicher Papst war in ihrem System nicht akzeptabel, vor allem seit Elisabeth I. vom Papst als Häretikerin bezeichnet worden war und dieser sich an mehreren Aktionen gegen sie beteiligt hatte, um England wieder dem katholischen Glauben zuzuführen. In Schottland gab es eine presbyterianisch protestantische Staatskirche, die Iren waren zum größten Teil katholisch. Obwohl sowohl Schottland als auch England protestantisch waren, unterschieden sie sich in der Religionsausübung. Schottland führte eine strenge und kompromisslose Reformation unter John Knox durch. England hingegen bewies einen gewissen Pragmatismus. Schon bei der Abspaltung von der Katholischen Kirche standen weniger religiöse als persönliche und politische Gründe im Vordergrund. Schottland bestand nach calvinistischen Grundsätzen streng auf der Trennung der zwei Reiche, des weltlichen und des geistlichen. In England hingegen übertrug man die Macht des Papstes auf den Monarchen, der somit Herrscher über beide Reiche war. Zwischen England, Schottland und Irland kam es immer wieder zu Kriegen, Schottland galt bis 1603 als Erzfeind Englands. Als Elisabeth I. jedoch ohne Nachkommen starb, erklärte sie den schottischen König Jakob I. zum König von England und Schottland . Bis 1707 gab es ein schottisches und ein englisches Parlament. Nach dem Act of Union, welcher England, Schottland und Irland zu Großbritannien vereinigte, löste sich das schottische Parlament auf und sandte Abgeordnete nach England. 1678 hatte Charles II. in England den Test Act unterzeichnet, in dem festgelegt wurde, dass alle königlichen Amtsträger Anhänger der anglikanischen Kirche sein mussten. Es trat das Problem auf, dass der Thronprätendent Jakob II. katholisch war. Charles II. setzte sich jedoch gegen einen Ausschluss Jakob von der Thronfolge ein. Jakob hatte zwei Töchter mit seiner ersten protestantischen Frau, die ihm auf den Thron folgen würden. Daher war man gewillt, sich auf Jakob II. als König von Großbritannien einzulassen. Durch seine protestantischen Töchter erschien den Engländern eine katholische Erbmonarchie ausgeschlossen. Das Problem schien sich erst zuzuspitzen als Jakob II. mit seiner zweiten, katholischen Frau Maria von Modena, einen Sohn bekam. Jakob III., von den Jakobiten „the old Pretender“ genannt. Die Tendenzen Jakob II. Politik waren absolutistisch, da in dem Tory-dominierten, königstreuen Parlament wenig Opposition vorhanden war. Er ersetzte hohe Ämter in Colleges durch katholische Anhänger und befreite diese von der Verfolgung des Test Acts. Nach der Glorreichen Revolution von 1688 wählte daraufhin das Parlament Wilhelm von Oranien 1689 zum neuen König, woraufhin Jakob II. und seine Familie ins französische Exil flohen, wo Ludwig XIV. sie an seinem Hof in Saint Germaine aufnahm. Unter Wilhelm wurde das Parlament wieder in seiner politischen Kraft gestärkt. Das starke Parlament legte in der Bill of Rights die Nachfolgefrage fest. Nicht die Kinder Wilhelms und Marias, sondern die Schwester Marias, Anne von Dänemark sollte die erste Thronanwärterin sein. Weiterhin wurde in der Bill of Rights festgelegt, dass nur ein Protestant König von Großbritannien sein könnte, er eine protestantische Frau heiraten und gemäß dem Test Act einen Eid gegen den Katholizismus schwören müsse. Während des spanischen Erbfolgekrieges gewann das Parlament, das für den Etat zuständig war, weiterhin an Macht. 1701 erließ es im Act of Settlement, dass unter allen Bewerbern um die königliche Krone Sophie von der Pfalz und ihre protestantischen Nachkommen Königin Anne auf den Thron folgen solle. Dieses Datum zeigte deutlich die Abwendung von einer traditionellen Erbmonarchie. Georg von Hannover, der Sohn Sophies, bestieg nach dem Tod Annes 1714 als George I. den englischen Thron. Er traf sieben Wochen nach der Ernennung zum König in England ein, sprach wenig Englisch und war in Politik nicht sonderlich interessiert und wenig begabt. Dennoch hatte er in England genügend Rückhalt um den ersten Aufstand der Jakobiten 1715 schnell niederschlagen zu können. Die Stuarts waren katholisch und das machte ihren Standpunkt in England schwer. Die Whigs nutzten die Unruhen und diffamierten die Tories, die unter Annes Herrschaft dominiert hatten. Sie machten sie für den unbeliebten Frieden von Utrecht im spanischen Erbfolgekrieg verantwortlich und brachten sie mit den Stuartaufständen in Verbindung, während sie sich selbst als ausdrücklich protestantisch proklamierten und vorgeblich treu hinter Georg I. standen. In dieser Phase begann die Herrschaft der Whigs. George überließ die Regierung insbesondere Robert Walpole, dem Kriegsminister und Schatzmeister. Dieser stärkte die Partei der Whigs, indem er Tory-Bischöfe und weitere Ämter durch Anhänger der Whigs ersetzte. Auch nach dem Tod George I. hatte Walpole Einfluss auf die Politik. Unter George II. führte er zusätzlich zu den Steuern auf Salz und Seife eine weitere Steuer auf Tabak und Wein ein. Im Gegenzug sollte die Importsteuer wegfallen. Zur Durchsetzung seiner Finanzpolitik setzte er eine Behörde ein, die dazu berechtigt war Lagerhäuser zu durchsuchen. In England kam es wegen diesem Eingriff in das Privatleben zu Unruhen der Bürger. Walpole musste seinen Plan aufgeben und verlor stetig an Einfluss. In der folgenden Zeit paktierte Georg II. abwechselnd mit den Parteien. Die Whigs und Tories waren beide für den Ausschluss Jakob aus der Thronfolge. Die Whigs bauten ihre Parteiorganisation stärker als die Tories gegen Jakob Thronfolge auf. Die Jakobiten waren die dritte Partei, die die Opposition gegen Georg von Hannover darstellte. Sie wollten Jakob III., den Bruder Annes, trotz seines katholischen Glaubens auf dem Thron sehen. Vor allem in Schottland sah man die Möglichkeit die Stuarts wieder auf den Thron zu heben, falls diese zum protestantischen Glauben konvertierten.

Ein Brief Jakob III. an seine Frau Clementina bezeugt, dass Clementina die Trennung von Jakob forderte. Als Grund hierfür gab sie an, dass Jakob seine Söhne von drei Protestanten umgeben ließ. John Hay als „Secretary of State“, dessen Frau als „Governess” und John Murray als “Govenor[1] ”. Clementina als strenge Katholikin war strikt dagegen und sandte ein Schreiben nach Rom, wo Jakob sich in dieser Zeit aufhielt. Jakob legte in dem Schreiben dar, dass er sich um eine gute und richtige Erziehung seiner Söhne kümmere und, dass dies auch in ihrem Interesse liegen müsse. Jakob III. schien sich von einer protestantischen Erziehung zu erhoffen, dass einer seiner Söhne auf diese Weise in Zukunft die Thronansprüche realisieren könnte. Denn die Schotten waren den Stuarts zugeneigt, allein die Religion schien einer Herrschaft über Großbritannien im Wege zu stehen. Jakob III. mochte Katholik gewesen sein, doch um die Herrschaft wiederzuerlangen sah er ein, dass er, was die Religion betraf, Zugeständnisse machen müsste. Diese protestantische Erziehung gestand Charles Edward in der englischen Bevölkerung gewisse Sympathien zu, die man seinem Vater nicht entgegenbringen konnte. So hatte er einen Vorteil, der Jakob II. bei dem Versuch der Wiedererlangung des Thrones im ersten Jakobitenaufstand 1715 fehlte.

III. Charles Edward bekommt die Regentschaft übertragen

Am 23. Dezember 1743 unterzeichnete Jakob VIII. von Schottland (oder Jakob III., wie er in England hieß) in Rom das Dokument, in dem er die Regentschaft auf seinen ältesten Sohn Charles III. übertrug. Er betonte in diesem Schreiben, dass Charles an seiner Stelle mit Hilfe der loyalen Untertanen die Thronansprüche des Hauses Stuart wieder herstellen solle. Sämtliche Macht und Autorität, die einem König nach der alten Konstitution zustehe, solle auf Charles übergehen. Er berief sich auf die Tradition, nach der seine Vorfahren als Regenten der Königreiche England und Schottland diese Macht als Könige besaßen, betonte, dass die Untertanen noch immer die Pflicht hätten, dieser Autorität gegenüber Gehorsam zu zollen. Die Stuarts seien die wahren Thron-Nachfolger und hätten durch ihr königliches Blut diese Autorität inne. Er berief sich auf das alte Königtum von Gottes Gnaden. Die Propaganda stützte sich allein auf Tradition und alte Rechte, die die Loyalität der Untertanen obligat machten. Neben der Legitimationspropaganda stellte er am gleichen Tag gewissermaßen ein Regierungsprogramm auf, mit Versprechen und Zielen, die er als König erfüllen wollte. Neben der Tradition betonte er besonders die starken Gefühle zu seinem Heimatland. Er schrieb, auch die vielen Jahre im Exil könnten nie die Empfindungen für seine Nation ausrotten. Der Gedanke hinter dieser betonten Heimatbezogenheit war offensichtlich. Obwohl Charles im Exil aufwuchs, habe er dieselben warmen Gefühle für seine Nation und Untertanen, wie schon sein Vater und seine Vorväter. Die Gefühle für das Land lägen im königlichen Blut, seien ihm durch seine Geburt gegeben. Als Gegensatz unterstreicht er, dass die fremden Herrscher, die man ins Land geholt habe, sicherlich nicht diese Gefühle für Großbritannien hätten. Er stellte dar, in was für einem desolaten Zustand Großbritannien sich seit der Herrschaft Georges befand. Die Steuern seien unglaublich hoch, der Handel verkomme und es herrsche ständig Krieg in England, während alle anderen Länder Europas in Frieden lebten. Jakob III. nutzte die negativen Sympathien gegenüber George für seine Propaganda aus. Da George tatsächlich wenig Englisch sprach und häufig nach Hannover reiste, wo er längere Zeit blieb, deutete Jakob in seinem Schreiben an, dass das Haus Hannover nur in seinen eigenen Interessen handele und die Bedürfnisse des Königreiches Großbritanniens dabei auf der Strecke blieben. Als fremder Herrscher könnte er nicht den Wunsch verspüren Großbritannien zu der Macht zu erheben, die sie verdiene zu sein. Die Stuarts hingegen, die sich diesem Land verbunden fühlten, würden für seine Interessen eintreten und es nicht bloß ausbluten lassen, wie dies unter Georges Herrschaft der Fall sei. Jakob III. versuchte in dem sentimentalen Schreiben, indem er die „guten Seelen“ und „loyalen Untertanen“ anspricht, die den Stuarts immer treu ergeben gewesen seien, aufzuzeigen, dass es keine Alternative zu den Stuarts gibt. „Sein königliches Herz blute“[2], wenn er die Zustände in Großbritannien sehe. Doch niemals habe er sich entmutigen lassen, nie das eigentliche Ziel aus dem Auge verloren, die einzig wahre Herrschaft wieder herzustellen. Auf diese Weise wollte er seine Untertanen ebenfalls dazu bringen, sich nie entmutigen zu lassen, so schwer die Zeiten auch schienen. Trotz allem Widerstand, den sie bei einem Aufstand zu erwarten hatten, sollten sie ihm ergeben beiseite stehen. Stets legte er die Betonung auf seinen als natürlichem Prinzen geborenen Sohnes, der die fremde Macht des Besatzers und dessen oktroyierte Herrschaft wieder gut machen solle. Mit der oktroyierten Herrschaft wandte er sich direkt an die schottischen Gemüter, die nicht mit der Wahl des Königs einverstanden gewesen waren, und die sich stets von der dominanten englischen Macht unterdrückt fühlten. Jakob III. entfachte bei ihnen den Willen zur Rebellion, indem er ihnen versprach für Schottland einzutreten, den Handel zu stärken und ihre Interessen zu vertreten. Die brutalen Maßnahmen der Engländer müssten unterbunden werden, der Bau ihrer Forts und Gefängnisse, in denen die Gefangenen misshandelt würden, gestoppt. Er betonte, dass Schottland ein altes Königreich mit Tradition sei, mit einer langen und andauernden Thronfolge, wie es sie in keinem anderen Land gegeben habe. In erster Linie ging es Jakob III. darum Anhänger zu finden und eine Armee aufzustellen. Daher wandte er sich an die schottischen Untertanen, die in James eher den wahren König sahen als in George. Somit war in Schottland diese Anhängerschaft zu finden und insbesondere in den Highlands gab es viele fähige Soldaten, die er für seine Truppen brauchen konnte. Über die Truppen, die er mit Frankreichs Unterstützung nach Schottland zu schicken gedachte sagte er, diese verfolgten nur das Ziel, den gegnerischen Truppen, welche die Rechte und Freiheiten seiner Untertanen einschränken wollten, entgegenzutreten und die loyalen Untertanen zu schützen. Jakob betonte, dass er hoffe das glorreiches Ende ohne Blutvergießen zu erreichen. Hiermit traf er den Nerv der Bürger, die von Krieg und Blutvergießen nichts mehr hören wollten. Die Kriege gegen Schottland in den 1640ern, die puritanische Revolution, die mit der Hinrichtung von Charles I. 1649 endete, sowie der spanische Erbfolgekrieg hatte die Nation militärischen Aktionen gegenüber sensibel gestimmt. Die Äußerung Jakob, Blutvergießen vermeiden zu wollen brachte ihm und seinem Plan der Wiederherstellung des Thrones weitere Sympathie entgegen.

Er versprach jedem, der sich gegen George wende, diesem die Treue entzöge und stattdessen die Stuarts unterstützte, Vergebung für all ihre zuvor begangenen Vergehen. Ab Veröffentlichung dieses Dokuments werde jede weitere Unterstützung des Hauses Hannover als Verbrechen angesehen. Wer sich nicht den Truppen von Jakob anschließe, finanzielle Unterstützung leiste oder Propaganda für seine Sache betreibe gelte hiernach als Verräter und müsse als Anhänger der falschen Krone bekämpft werden. Jakob bekundete ausdrücklich, dass er nicht denke, viele würden eine falsche Loyalität an den Tag legen. Denn so wie er seine Untertanen liebe, hoffte er auch dass diese ihn liebten und ihm die rechtmäßige Treue schwören. Solle jedoch ein Untertan weiterhin unrechtmäßig gefordertes Geld an George zahlen, so würde Jakob genau den gleichen Geldsatz von diesem noch einmal verlangen und eintreiben, da dies sein gottgegebenes Recht sei. Die Truppen, die in Jakobs Namen handelten, hätten jegliche Autorität den Untertanen, die sich einem königlichen Befehl widersetzten, das Geld abzunehmen. Ebenfalls sollten jegliche Waffen, die zur Verfügung standen, der Sache des schottischen Königs zur Verfügung gestellt werden. Es sei Aufgabe der treuen und gerechten Untertanen, diejenigen zu bespitzeln, die sich unrecht verhielten. Die Verbrecher, die gegen Jakob III. agierten sollten nach der Thron-Wiederherstellung bestraft werden, indem ihnen sämtlicher Besitz entzogen werden und in den Staatsbesitz übergehen sollte. Den treuen Untertanen jedoch versprach er, dass er, sobald sich die Lage nach dem Umsturz wieder beruhigt habe, ein gewähltes Parlament einsetze, das frei von Bestechung sei. Dieses werde sich gut um innere politische Angelegenheiten, sowie die Religionsfrage kümmern. Er versprach explizit, nicht losgelöst vom Parlament zu regieren, sondern stets mit diesem Entscheidungen zu treffen. Vor allem der Handel in Schottland solle durch diese Politik wieder Aufschwung erhalten. Fischerei und Leinenhandel, für die alle Voraussetzungen gegeben seien, sollten in besonderer Weise gefördert werden. Von der jetzigen Regierung seien sie stark vernachlässigt worden und durch die „mall tax“ werde der florierende Handel unterdrückt. Er wolle die „Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit“[3], die Schottland durch die Vereinigung mit England genommen wurde, wiederherstellen. In religiöser Hinsicht erklärte er, die Kirche von England, die katholische Kirche, sei von Gesetz her gesichert. Jakob war fest entschlossen all ihre Rechte, Privilegien und Immunität zu wahren, weder Klerus noch den Besitz anzurühren. Er betonte, dass der Klerus seine Ämter nach Würde und Fähigkeit erhalten solle. Er wolle die Ämter mit Personen besetzen, die der Kirche und dem Staat treu ergeben seien, so dass sie aus ihm das Beste herausholen könnten. Indem er unterstrich, dass ein zukünftiges Parlament frei und unabhängig sein sollte und er Ämter allein nach Können besetzen würde, warf er der Regierung Georges implizit sowohl im Parlament als auch in kirchlichen Angelegenheiten Korruption vor. Bei Jakob werde es weder Korruption in Politik oder Religion geben, noch hätten Protestanten zu fürchten verfolgt zu werden. Sowohl ihre Freiheit als auch ihr Besitz würden geschützt. Die Schulen und Universitäten, die sie den Gesetzen des Landes konform gegründet hätten, würden beibehalten werden. An erster Stelle stand bei Jakob sicher die Wiederherstellung und Sicherung der Kirche von England. Man kann jedoch auch seinen Versprechungen Glauben schenken, dass die Protestanten von ihm geschützt würden. Als König mit einer dünnen Machtbasis hätte er keinen Untertanen enttäuschen und verlieren dürfen. Daher betonte er dieses religiöse Programm der Gleichheit in seinen Schreiben. In der Ansprache an seine Untertanen stellte er sich ihnen als König von Gottes Gnaden vor, der Verteidiger des Glaubens sei und alle Untertanen liebe, egal wessen Standes und „quality“[4] sie seien. Unabhängig von Religion und Rang stehe er für seine Untertanen ein, solange sie ihm nur loyal gesonnen seien. Diese Verkündung war verständlich, da Jakob jeden Mann brauchen konnte, der ihn in seiner Sache unterstützte. Er konnte sich nicht wählerisch zeigen und nur bestimmte Gruppierungen ansprechen. Er betonte die Gleichheit seiner Untertanen und schmeichelte ihnen somit. Weiterhin sollten alle Untertanen von den hohen Steuern entlastet werden, die die illegitime Herrschaft ihnen aufgelastet habe. Er griff in seiner Deklaration alle Punkte auf, die im Volk gegen George verlautet wurden. Vor allem aber unterstrich er die hohen Steuern, die das Land schwächten. Diese stellt er als umso empörender dar, da sie von einer fremden und illegitimen Macht erhoben worden seien. Um sich selber nicht dem Vorwurf aussetzen zu können, fremde Truppen in das Land zu lassen, betonte er, dass die französischen Truppen vollkommen diszipliniert seien und seinen Befehlen pflichtgetreu dienten, so dass es nicht zu Plünderungen oder Gemetzeln kommen würde. Sie kämpften allein für seine Sache und unterstützen seinen göttlichen Auftrag. Keinem friedlichen Bürger, der dieselbe Sache unterstützte, würde etwas geschehen. Weiterhin würden sie, sobald das Parlament die inneren Angelegenheiten geregelt hätte, wieder nach Frankreich geschickt. Jeder, der sich dieser Truppe in irgendeiner Form als Soldat anschließen sollte, würde genügend Geld und Sicherheit von ihm bekommen. Er versprach jedem Soldaten mindestens genauso viel Sold wie er momentan als Soldat unter Georges Truppen bekäme, sowie eine Jahrespension im Voraus.

[...]


[1] Ellis, Henry. Original Letters Illustrative of English History, Band 3, Seite 396ff. London 1825.

[2] Deklaration von König Jakob III. am 23. Dezember 1743. Stuart Papers at Windsor (volume 254, number 92)

[3] Ebendort.

[4] Ebendort.

Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638834520
ISBN (Buch)
9783656065128
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78411
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
Jakobitische Aufstände Schottland Propaganda Gegenpropaganda Hauptseminar England Jahrhundert

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