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Einblicke in die Montessori-Pädagogik. Der Erziehungsbegriff aus der Sicht Maria Montessoris

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Biographischer Hintergrund

III. Kernpunkte der Montessori-Pädagogik

IV. Die drei Phasen der Entwicklung

V Der absorbierende Geist

VI. Der Erzieher

VII Die Umwelt

VIII Das Material

IX Montessori-Schulen
1. Freiarbeit und Wahlarbeit
2. Ziele der Montessori-Schule
3. Zusammenfassung

X Fazit

Bibliographie:

I. Einleitung

Die Montessori-Pädagogik ist so komplex, dass in dieser Arbeit nur auf die Grundideen eingegangen werden kann.

Die Person Maria Montessori selbst ist dabei nicht vordergründig. Allerdings muss zu Beginn eine kurze Biographie stehen, da der Lebensweg Montessoris für ihre Pädagogik von großer Bedeutung war.

Im weiteren Verlauf wird auf die Grundgedanken von Erziehung und die dabei dominierenden Leitbegriffe eingegangen.

Das Fazit betrifft die Frage, ob und in welchem Umfang der Pädagogik in der heutigen Zeit noch Einfluss und Bedeutung zukommt. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund zu betrachten, dass Maria Montessori vor mehr als 100 Jahren lebte, und in dieser Zeit im Erziehungswesen bedeutende Veränderungen vonstatten gegangen sind.

II. Biographischer Hintergrund

Maria Montessori lebte vom 31. August 1870 bis zum 6. Mai 1952. Sie wurde in Chiaravalle bei Ancona geboren. Mit vier Jahren zog sie mit ihren Eltern nach Rom.

Ihre Eltern hatten für sie eine Zukunft als Lehrerin vorgesehen, die einzige höhere Laufbahn die damals für Mädchen möglich war. Doch Maria Montessori stärkste Begabung lag in der Mathematik, so dass sie schließlich ein Ingenieurstudium aufnahm. Später wandte sie sich der Biologie zu, entschloss sich dann aber letztlich zu einem Studium der Medizin. 1896 promovierte sie als erste Frau Italiens zum Doktor med.

Erst auf dem Gebiet der Medizin und im Zusammenhang mit der pädagogischen Behandlung von Kindern entstand bei ihr ein Interesse für die Pädagogik. Dieses wurde insbesondere aufgrund der Erziehungsmethoden von Itard und Seguin geweckt, die diese für taubstumme und geistig behinderte Kinder entwickelt hatten.

Montessori betonte später immer wieder, dass ihre Erziehungsmethode nur in Anlehnung an die Erziehungsmethoden von Itard und Seguin entstanden sei, und keinesfalls eine Übertragung darstellte. Denn ihre Methode wandte sie auf körperlich und geistig völlig gesunde Kinder an.

Ihre ersten Erfahrungen auf dem Gebiet der Erziehung gesunder Kinder sammelte Montessori innerhalb eines Versuches in einem römischen Vorort. Ziel dieses Versuches war die Verbesserung der Wohnqualität sowie des Charakters der Wohnumgebung. Zum Zwecke der Anwendung der Methoden Montessoris hatte man Familien aus Arbeiterklassen gesammelt und in großen Mietshäusern wohnen lassen. Im Rahmen dieses Experimentes kümmerte sich Maria Montessori dort um die nicht schulpflichtigen Kinder, während deren Eltern arbeiteten. Ihre Erziehung bewies vollen Erfolg, schon bald sprachen viele Menschen von ihr, und ihre Methode breitete sich in andere Länder aus.

Die Resultate ihrer Erziehung waren, dass die Kinder frei und ungezwungen geworden waren und Selbstvertrauen gefunden hatte. Sie arbeiteten still und gingen friedlich jeweils ihren eigenen Tätigkeiten nach. Für Maria Montessori bedeutete die Sicherheit, mit der die Kinder ihrer Beschäftigung nachgingen, dass sie ihre eigene, individuelle Willenskraft enthüllten. Diese Kinder trafen ihre eigenen Entscheidungen, so dass sie nach Montessori wirklich unabhängig waren.

Der zentrale Punkt in Maria Montessoris Überlegungen und ihrem Erziehungskonzept war die Grundhaltung dem Kind gegenüber. Sie glaubte, in jedem Menschen ruhten verborgene Kräfte. Die Aufgabe des Erziehers sah Montessori darin, diese Kräfte zu wecken und zu aktivieren, um den Menschen dadurch zu „harmonisieren und normalisieren“[1].

III. Kernpunkte der Montessori-Pädagogik

Montessori wählte auf die Fähigkeiten des jeweiligen Kindes abgestimmte Arbeitsmaterialien aus. Hiermit sollte das Kind üben, um die Welt erst sinnlich, später auch begrifflich erfassen zu lernen. Letztlich war das Ziel, durch Beobachten, Zuordnen und Unterscheiden das Kind vom konkreten Schauen zum abstrakten Denken zu führen. Die Voraussetzung der Entwicklung persönlicher Fähigkeiten war aus Montessoris Sicht, dass das Kind durch Übung die Präzision und Vervollkommnung der Aktivität erreicht.

Durch das spezifische Material sollte das Kind zur Selbsterfahrung und gleichzeitig zur Selbstdisziplin gebracht werden. Das Material und das Arbeitstempo wurden dem jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes angepasst. Wichtig war dabei in Montessoris Augen, dass das Kind das Arbeitsmaterial selbst aussuchte. Dies sollte in spontaner Weise geschehen. Die selbstgewählte Arbeit würde solches Interesse bei dem Kind erwecken, dass es sich danach in diese Aufgabe vertiefe.

Für Montessori war die Freiheit des Kindes von großer Bedeutung. Sie war der Meinung, zur optimalen Entfaltung brauche der Mensch Freiheit innerhalb bestimmter Grenzen, denn nur so könne man zu Selbstbeherrschung gelangen.

Neben den geistigen Arbeiten sah Montessori Übungen des praktischen Lebens als sehr wichtig an. Diese aktiven Übungen sollten im sensorischen Bereich von statten gehen, bei denen das Kind Ordnung und Arbeitshaltung kennenlernen sollte.

Für grundlegend hielt Montessori auch die vorbereitete Umgebung, die den Bedürfnissen der Kinder angepasst und mit Anreizen in abgestuftem Material ausgestattet sein müsse.

Die drei Dinge „Wissen, Lieben, Dienen“[2] waren Grundsätze in Montessoris Konzept. Nur durch sie könne das Kind normalisiert werden.

Der wichtigste Grundgedanke Montessoris war wohl, dass das Kind in seiner Seele einen Bauplan besitzt, durch den es sich selbst zum Menschen entwickelt. Daher brauche es nur jemanden, der ihm sein Material liefere und seine Entwicklungsbedürfnisse spüre und beachtete. Aus diesem Gedanken heraus ergab sich auch die Aufgabe, die Montessori für die Lehrer sah. Vorrangig sollten sie nur den Lernprozess des Kindes beobachten, und wenn nötig, mit dem Kind in Kommunikation treten. Der Leitsatz in Maria Montessoris Pädagogik war, dass man auf das Kind hören sollte, wenn es sagt „Hilf mir, es selbst zu tun[3]“.

Ihre Zielsetzung der Pädagogik war die „Pädagogik vom Kind aus“[4], durch die eine neue Menschheit geschaffen werden sollte, die ihr Leben selber meistern könne.

Zusammengefasst war also Montessoris Auffassung vom Erziehunsbegriff folgende: Erziehung ist Hilfe zum Leben, im Prozess der Normalisierung. Hierbei müssen die Bedürfnisse des Kindes beachtet werden. Man darf das Kind nie formen wollen, sondern muss ihm nur unterstützend helfen; die Wahl der Beschäftigung und der fortschreitende Studienplan sollen vom Kind selber bestimmt werden (Gedanke der Selbsterziehung des Kindes). Der Erzieher soll hierbei nur die unterstützende Haltung einnehmen, und, so weit es möglich, ist schädliche Einflüsse von dem Kind fernhalten. So soll es sich in so harmonischer Umgebung wie möglich entfalten können. Maria Montessori schreibt hierzu: „Es ist wahr, dass das Kind in seiner frühen Lebensepoche gleich weichem Wachs ist, aber dieses Wachs kann nur von der sich entfaltenden Persönlichkeit selber geformt werden. Die einzige Pflicht der Erwachsenen ist es, diese Formung des Wachses vor Störung zu bewahren.“[5]

Damit die Entwicklung dieser Selbstentfaltung erfolgreich gefördert wird, muss weiterhin die vorbereitete Umgebung frei und für das Kind angepasst sein. Umgebung und Auswahl der Arbeitsmaterialien sollen zwar frei sein, aber es muss ein festes Ziel für das Kind vorhanden sein. Das bedeutet, daß die Arbeit muss ein festes Ziel haben muss, auf das das Kind all seine vorhandenen Kräfte ausrichten kann.

Der Pädagoge (Lehrer- oder Elternteil) soll dem Kind helfen, sich in der Erwachsenenwelt zurecht zu finden. Dies geschieht, indem er sich auf das Kind einlässt und es gleichberechtigt behandelt. Er darf das Kind nicht dazu zwingen sich anzupassen, sondern muss ihm helfen seinen eigenen Platz zu schaffen. Zu viel Hilfe würde jedoch bedeuten, dass das Kind abhängig würde. Aber in der Unabhängigkeit liegt die Grundlage, aus der die menschliche Würde resultierte . Eine Begründung hierfür ist darin zu sehen, dass Montessori nur durch viel Fleiß und Arbeit zu ihrer unabhängigen Stellung kam, was damals für Frauen sehr schwierig war. Daher entwickelte sich bei ihr ein starkes Selbstvertrauen.

Daher ist auch das Erfahren vom Bewusstsein der eigenen Würde ein Punkt in Montessoris Erziehungskonzept. Diese Erfahrung bedeutet Montessoris Ansicht nach für die Kinder die Grundlage der Befreiung.

Die Freiheit spielt also in der Montessori-Pädagogik eine sehr große Rolle. Dennoch gibt es auch Grenzen der Freiheit. Das Kind muss ein gutes Benehmen an den Tag legen, und die Erziehung darf auch keine isolierten Individuen heranbilden, sondern muss ein soziales Miteinander schaffen, um die weltweite Zusammenarbeit zu fördern.

IV. Die drei Phasen der Entwicklung

Montessori unterschied bei Kindern verschiedene Phasen, die „sensitiven Perioden“[6] die laut Montessori bei Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren liegen, da Kinder in dieser Zeit eine ausgeprägte Sensibilität für bestimmte Lernprozesse aufweisen. In dieser Zeit würden Umweltreize aufgenommen und miteinander in Zusammenhang gesetzt.

Sie teilte die Entwicklung des Kindes in drei Phasen ein. Die erste Stufe ist die der bis sechsjährigen Kinder, wobei diese Phase sich wiederum noch einmal in die der bis dreijährigen und in die der drei- bis sechsjährigen unterteilt.

Die zweite Phase ist die der sechs- bis zwölfjährigen, und die letzte Phase die der zwölf- bis achtzehnjährigen.

In der ersten Phase geht nach Montessori der Aufbau der psychisch-geistigen Organe vor sich. Das bedeutet, daß Intelligenz und Sprache sich entwickeln. Dies geschieht im Alter von null bis drei Jahren. Der Erziehungsgrundsatz in der ersten Stufe der Kindesentwicklung lautet, dass das Kind durch Selbsttätigkeit, Mühe und Erfahrung zur Unabhängigkeit gelangt.

Drei- bis zwölfjährigen Kinder lernen in einer Spiel- und Phantasieperiode, in der sie an der Realisation und Perfektion ihrer Fähigkeit arbeiten, die sie in den ersten drei Jahren erworben haben.

Das sechs- bis zwölfjährige Kind besitzt nach Montessori eine starke Sensibilität für soziale und moralische Fragen. Das heißt, im Sozialverhalten zeigt sich ein Bedürfnis nach bewusst organisierter Gemeinschaft; das Kind sucht Verbindungen.

Bei den zwölf- bis achtzehnjährigen Kindern entstehen neue Sensitivitäten, nämlich die der persönlichen Würde und der sozialen Verantwortung. Die Auseinandersetzung mit den Eltern und ihren gesellschaftlichen Erziehungsformen setzt in diesem Alter ein. Es ist die Phase der Selbsterprobung und Selbstfindung ihrer individuellen Interessen und Begabungen.

[...]


[1] Becker- Textor, Ingeborg. Maria Montessori Kinder lernen schöpferisch. Die Grundgedanken für den Erziehungsalltag mit Kleinkindern. 2. Auflage. Freiburg, Basel, Wien 1994.

[2] Becker – Textor, e.d.

[3] Oswald, Paul, Grundgedanken der Montessori-Pädagogik. Freiburg 1967.

[4] Reble, Albert. Geschichte der Pädagogik. 12. Auflage. Stuttgart 1975.

[5] Oswald, e.d.

[6] Oswald, e.d.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638830065
ISBN (Buch)
9783656527152
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78401
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
Einblicke Montessori-Pädagogik Erziehungsbegriff Sicht Maria Montessoris Proseminar

Autor

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Titel: Einblicke in die Montessori-Pädagogik. Der Erziehungsbegriff aus der Sicht Maria Montessoris