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Die Verortung salutogenetischen Denkens in der Praxis. Gesunde Perspektiven für den Übungsleiter im Sport

Hausarbeit 2007 17 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1.EINLEITUNG

2.PHILOSOPHIE DER SALUTOGENESE

3.DAS SOC UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DES LEHRENDEN
3.1.REHABILITATION DES STRESSORENBEGRIFFS
3.2. SOC UND GESUNDHEIT

4.DER BLICK AUF DEN LERNENDEN

5.SCHLUSSBETRACHTUNG

6.BIBLIOGRAPHIE

1. EINLEITUNG

Die uns umgebende Lebenswelt ist durch ein paradoxes Phänomen gekennzeichnet. Auf der einen Seite gib es die Inkonsistenz. Wir erleben Wachstum und Zerfall, sowohl bei Organismen als auch bei komplexen Staats- und Gesellschaftssystemen. Ebenso verhält es sich mit unseren Einstellungen und Sichtweisen gegenüber den uns beschäftigenden Themen. Wir verfeinern und verändern unsere Standpunkte, wenn es aktuellere, schlüssigere oder vernünftigere Gründe gibt die eigene Position zu erneuern. So kommt es, dass man im Laufe des Lebens vergleichbare Situationen anders bewertet, als man es noch einige Zeit vorher getan hätte. Zum Beispiel, ob man sich für den Dienst an der Waffe entscheidet oder doch Zivil-/ Sozialdienst geleistet hätte. Die nachträgliche Beurteilung solcher Entscheidungen mag bei dem einen oder anderen[1] im Laufe des Lebens variieren. Auf der anderen Seite stehen aber auch die Ordnung und das Gleichbleibende. Unser aller Leben ist auch durch konsistente Erfahrungen gekennzeichnet. Die Gewissheit des täglichen Wechsels von Tag- und Nachtstunden oder das regelmäßige Wiederkehren der vier Jahreszeiten sind nur zwei kleine Beispiele, welche veranschaulichen, dass wir uns nicht in einer vollkommen chaotischen Welt befinden (Vgl. Schneider 2002, S. 24).

In ihren Ansichten leichter formbar sind die meisten Menschen noch während ihrer Kindheit und der Adoleszenz. Im Erwachsenenalter ändern sich erfahrungsgemäß Einstellungen und Meinungen nur noch schwach oder meist erst nach besonders einschneidenden Ereignissen. Dass Menschen ihre Umwelt verschieden wahrnehmen und dementsprechend auf sie reagieren, sei an dieser Stelle als unumstritten festgesetzt. Erklärungen dafür, warum sie dies so erleben und handeln sind ebenso unterschiedlich. Eine mögliche Erklärung soll in dieser Hausarbeit unter Zuhilfenahme einer Situation aus der Alltagspraxis exemplarisch dargestellt werden. Der gewählte Erklärungsansatz hat seinen Reiz in der multidisziplinären Anwendung und entfaltet sein Potential im Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Krankheit. Es wird im Folgenden das Salutogenese-Konzept und dessen zentraler Kern, der sence of coherence (SOC), nach Aaron Antonovsky aufbereitet und dessen Deutungskraft in konkreten Situationen beleuchtet. Die schon angedeutete Reichweite der Anwendungen dieses Modells, soll im Folgenden erprobt und ausgenutzt werden. Aufgrund meines studentisch-fachlichen Hintergrundes und praktischer Tätigkeiten, habe ich mich für eine Situation aus dem Sport im Verein, mit dem Blick auf den Lehrenden, wie auch auf den Lernenden entschieden. Im Fokus steht hierzu eine Trainingsstunde von Kindern der zweiten bis vierten Klasse, die einmal wöchentlich zusammen kommen, um eine Stunde „kleine Spiele“[2] zu spielen.

Zunächst soll im ersten Kapitel die Philosophie der Salutogenese, damit verbundene Fragestellungen und das zentrale Konzept knapp vorgestellt werden. Daran anschließend wird im zweiten Kapitel der Kern der Salutogenese, das SOC, sowohl vorgestellt, als auch, aus meiner Sicht, ihre Bedeutung für den Lehrenden in einer gemeinsamen Stunde mit den Kindern, parallel zu den fachlichen Ausführungen mit integriert werden. Außerdem wird es um die Bedeutung und Stellung von Stressoren, sowie dem Zusammenhang von SOC und Gesundheit gehen. Hieran schließt ein Kapitel an, welches den Blick auf die Lernenden lenkt. Dabei soll als Leitfaden die Entwicklung des SOC in der Kindheit dienen. Im Schlusskapitel möchte ich die Ausführungen zusammenfassen und Raum für kritische Anmerkungen lassen.

2. PHILOSOPHIE DER SALUTOGENESE

Das Konzept der Salutogenese wurde als ein erweiterter Blickwinkel zur pathogenetisch orientierten Forschung, von Aaron Antonovsky in zwei Bänden (1979, 1984) konzipiert. Er stellt sich in seinen Werken die fundamentalen – der Pathogenese entgegengesetzten – Fragen: Warum bleiben Menschen gesund (vor allem wenn besonders extreme Belastungen erlebt wurden)? Wie werden Menschen wieder gesund? (Bengel, Strittmatter, Willmann, 1998, S. 24)

Er setzt sechs verschiedene Akzente, um zu zeigen, durch was der salutogenetische Blick charakterisiert werden muss bzw. durch was salutogenetisches Engagement begründet werden kann (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 22 - 29). Diese sollen nun im Folgenden dargestellt werden. Zunächst steht erst einmal die Frage, ob man Gesundheit und Krankheit als zwei voneinander getrennte Konstrukte konzipieren sollte. Oder in Antonovskys Terminologie: unterliegen Gesunde und Kranke der fundamentalen Annahme der Dichotomie oder der eines Kontinuums, in der Gesundheit und Krankheit den jeweils gegenüberliegenden Pol besetzen. Antonovsky kommt zu dem Schluss, dass der „ (…) salutogenetische Ansatz [vorsieht], dass wir die Position jeder Person auf diesem Kontinuum zu jedem beliebigen Zeitpunkt untersuchen [müssen].“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 23) Alle Menschen sind also bis zu dem Zeitpunkt ihres Todes mehr oder weniger gesund. Niemals aber entweder gesund oder krank. Der nächste von ihm gesetzte Akzent bezieht sich auf die Überlegung, wie bzw. ob ein Mensch als Patient behandelt werden sollte. Antonovsky plädiert für die Erstellung eines allumfassenden Blickes auf das Individuum. Zur Genesung in einem medizinischen oder therapeutischen oder, wie im Falle dieser Hausarbeit, pädagogischen Kontextes, ist es für ihn von grundlegender Bedeutung, nicht nur auf die Krankheit oder momentane Verfassung eines Menschen zu schauen, sondern er fordert, dass seine Lebensgeschichte mit einbezogen werden muss, um den Gesundheitsstatus richtig einschätzen und entsprechende Ressourcen ausfindig machen zu können. Dies führt dann letztlich zu einem tieferen Verständnis und Wissen über die sich anvertrauende Person und die Wahl Genesungsrelevanter Verordnungen. Der Gedanke über die Wahl passender Maßnahmen zur optimalen Genesung bringt mich zum nächsten Akzent der salutogenetischen Orientierung. Hierbei wird explizit die zentrale salutogenetische Haltung in den Mittelpunkt gestellt. Die Trennung zwischen dem Blick auf Risikofaktoren und Gesundheitsfaktoren und deren Folgen. (An dieser Stelle bietet es sich an, noch einmal zu betonen, dass Antonovskys Orientierung ganz streng auf Faktoren liegt, die Menschen in Richtung des gesunden Pols bewegen.) Denn die Behandlung im medizinischen Kontext oder die Hypothesenformulierung im wissenschaftlichen Kontext, werden durch die Art und Weise der Frage vorherbestimmt und beeinflussen damit das Wohlergehen eines oder mehrerer Individuen. Für ihn gilt damit, dass ein salutogenetisch orientierter Arzt oder Forscher seinen Blick auf die Gesundheitsfaktoren lenken muss. Der nächste Punkt betrifft die Stressoren. Nach Antonovsky gilt, dass Stressoren im menschlichen Leben allgegenwärtig sind (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 16). Diese Stressoren sind aber nicht per se negativ. Erst der Einfluss anderer Faktoren charakterisiert einen Stressor als, in Antonovskys Terminologie: pathogenetisch, neutral oder salutogenetisch. Ihm geht es um eine „Rehabilitation der Stressoren“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 27) im Rahmen seines Modells der Salutogenese und darauf werde ich im Verlauf meiner Ausführungen, im Zusammenhang mit dem Konzept des SOC, noch zu sprechen kommen. Vorerst sollen noch die letzten beiden Akzente beim Blick auf das Phänomen Gesundheit und Krankheit vorgestellt werden. Der erste dieser letzten beiden Akzente bezieht sich auf die Frage, ob eine einmalige Intervention oder permanente Anpassungsprozesse an eine mit Stressoren aufgeladene Umgebung als hinreichend effektiv zu erachten sind. In dem Abschnitt Adaptation oder Wunderwaffe, spricht sich Antonovsky für eine aktive Adaptation aus, da nur so auf die täglich auf den Menschen einwirkenden Stressoren angemessen reagiert werden kann (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 27). Dies deckt sich zudem sehr genau mit Antonovskys ebenfalls fundamentaler Annahme, dass Leben immer Heterostase, also Ungleichgewicht und nicht Homöostase, d.i. Gleichgewicht, bedeutet. Hierzu noch folgendes Zitat:

„Gesundheit ist kein normaler, passiver Gleichgewichtszustand, sondern ein labiles, aktives und sich dynamisch regulierendes Geschehen. Das Grundprinzip menschlicher Existenz ist nicht Gleichgewicht und Gesundheit, sondern Ungleichgewicht, Krankheit und Leiden.“ (Bengel, Strittmatter, Willmann, 1998, S. 25)

Der letzte Akzent, welcher salutogenetisches Engagement begründen soll, ist auf die wissenschaftliche Forschung bezogen. Antonovsky verwehrt sich dagegen, wenn Forscher sich damit zufrieden geben ihre wichtigste Eingangshypothese bestätigt zu finden. Den salutogenetisch orientierten Forscher müssen die Ausnahmen interessieren. Sie sollten sich den „abweichenden Fällen“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 29) zuwenden, um zu klären, was bei diesen Personen anderes geschehen ist. Welche Faktoren haben dazu beigetragen ihre Gesundheit zu erhalten, obwohl die Mehrzahl der Untersuchungsgruppe erkrankte?

Zusammenfassend will ich festhalten, dass Antonovsky trotz des universellen Anspruches der Salutogenese, nicht für sich beanspruchte, die letztgültige Lösung zur Linderung menschlichen Leidens konzipiert zu haben. Was er aus seinen jahrelangen Ergebnissen schließlich zieht und daraus folgend fordert ist, dass Pathogenese und Salutogenese gleichberechtigte Orientierungen nebeneinander werden sollten, denen ausgeglichene Ressourcen zugestanden werden müssen, weil sich daran bestmögliche Hilfeleistungen für Menschen mit Leiden eröffnen. Als Antwort auf die Frage was den Menschen gesund hält, entwickelte er das vielschichtige Konstrukt des SOC, das Kohärenzgefühl (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997). Um das SOC und dessen Verortung in einer praktischen Situation, soll es im folgenden Kapitel gehen.

3. DAS SOC UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DES LEHRENDEN

Im Zentrum der Salutogenese stehend, ist das Konzept des Kohärenzgefühls zu benennen. Es ist von zentraler Bedeutung, weil es sich in einem Kreislauf befindet, in dem es den Startpunkt und das Ziel für den Umgang, mit von außen auf Menschen einwirkende Einflüsse darstellt. Es steuert die Wahrnehmung, Verarbeitung und sich eventuell daran anschließende Handlungen des Individuums. Das SOC entwickelt sich aber auch durch Rückmeldung von gelungenen oder gescheiterten Situationsbewältigungen stetig fort. Nach Antonovsky beschreibt das SOC eine grundlegende Einstellung von Menschen gegenüber ihrer Welt und ist im Wesentlichen aus drei zueinander in Beziehung stehenden Komponenten zusammengesetzt (Bengel, Strittmatter, Willmann, 1998, S. 28).

Ich werde im Folgenden die einzelnen Komponenten benennen und Antonovskys Definitionen wiedergeben. Parallel dazu werde ich an der Eingangs vorgestellten konkreten Situation im Vereinssport anknüpfen, um ihre Bedeutung mit dem durch das SOC beeinflussten Blickes für mich zu beschreiben.

Die erste der drei Komponenten ist als „Verstehbarkeit“ bezeichnet worden (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 34). Antonovsky meint damit, dass die Lebenswelt und ihre uns begegnenden Stimuli vorhersagbar und wenn nicht vorhersagbar, dann doch wenigstens erklärbar sind. Anders formuliert, die uns täglich umgebenden und entstehenden Situationen sind nicht immer wieder überraschend und aus dem Zusammenhang gerissen in den Alltag gedrungen. Formal definiert Antonovsky die Verstehbarkeit folgendermaßen:

„Sie bezieht sich auf das Ausmaß, in welchem man interne und externe Stimuli als kognitiv sinnhaft wahrnimmt, als geordnete, konsistente, strukturierte und klare Information und nicht als Rauschen – chaotisch, ungeordnet, willkürlich, zufällig und unerklärlich.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 34)

Bezogen auf das von mir gewählte Beispiel möchte ich nun folgend beschreiben, was Verstehbarkeit im Rahmen der Sportstunde „kleine Spiele“ für mich bedeutet. Eine mögliche Ausgangssituation für alle drei Komponenten sei an dieser Stelle kurz beschrieben: Die Kinder treffen nach und nach in der Turnhalle ein und bis sich das letzte Kind eingefunden hat, haben die anderen schon angefangen, sich mit sich selber oder gegenseitig zu beschäftigen. So wird umhergerannt oder die Geräte im Rahmen des Möglichen benutzt. Die Konzentration der Kinder liegt zu einem nur verschwindend geringen Teil auf dem Übungsleiter der Stunde. Ziel des Übungsleiters aber ist es, eine Stunde zu gestalten, die alle Teilnehmer in gleichem Maße mit einbezieht. Dies erfordert jedoch ein gewisses Maß an Disziplin innerhalb der Gruppe. Dass sich die Kinder frei und unstrukturiert in der Halle bewegen, steht dem Wunsch nach Disziplin zunächst erst einmal entgegen. Um die Situation möglichst ruhig und kontrolliert in ein gemeinsames Unternehmen zu verwandeln, bedarf es der drei dargestellten Komponenten des SOCs.

Die Situation gewinnt an Ordnung und Vorhersagbarkeit, wenn man als Übungsleiter das Verhalten der Kinder als verstehbar einordnet. Ein hohes Maß an Verstehbarkeit, lässt den Sinn und die Struktur hinter den verschiedenen Aktivitäten der Kinder in das Blickfeld rücken. Das scheinbare Durcheinander ist leichter nachzuvollziehen, wenn man sich bewusst ist, dass z.B. junge Menschen einen starken Drang nach Bewegung haben und im Alltag nur wenige Möglichkeiten finden sich körperlich zu belasten. Für sie stellen eine Sporthalle mit Geräten und die Gegenwart von anderen bewegungsfreudigen Kindern nicht zu unterschätzende Reize dar. Hinzu kommt, dass z.B. eine Sportstunde im Verein niemals so streng abläuft wie in der Schule, da Vereinsaktivitäten in die Freizeit der Menschen fallen und daher auf die freiwillige Teilnahme der Aktiven aufbauen. Weiterhin lässt sich beispielhaft das Wetteifern untereinander anführen, um zu zeigen, dass hinter dem hin- und herrennen mehrerer Kinder ein Vergleich der Schnelligkeit, der Kraft oder des Mutes stattfindet. Was in der Halle stattfindet ist auf einer höheren Ebene nicht als Chaos zu charakterisieren, sondern ist durch eine existierende interne Ordnung gekennzeichnet, die nur vorübergehend den Interessen des Übungsleiter entgegenstehen. Als letztes Beispiel innerhalb der Verstehbarkeit soll angeführt werden, dass ein genauer Blick auf alle Mitglieder der Gruppe reicht um festzustellen, dass sich nicht alle an der allgemeinen Unruhe beteiligen. Aus verschiedenen Gründen sind Einzelne nicht in der Stimmung sich zu beteiligen. Diese Kinder bieten den optimalen Anhaltspunkt und die Sicherheit, dass nicht alles was in der Sporthalle passiert, vollkommen chaotisch ist.[3]

An die Verstehbarkeit schließt sich direkt die Komponente der „Handhabbarkeit“ an. Sie drückt aus, inwieweit ein Individuum sich in der Lage sieht, mit einer ihm begegnenden Situation sicher umzugehen. Gemeint ist damit vor allem, ob die Person um ihre Möglichkeiten des Umgangs mit einer Herausforderung weiß. Antonovskys Definition lautet:

„[Handhabbarkeit ist] das Ausmaß, in dem man wahrnimmt, daß man geeignete Ressourcen zur Verfügung hat, um den Anforderungen zu begegnen, die von Stimuli, mit denen man konfrontiert wird, ausgehen.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 35)

Ist man sich der grundlegenden Strukturierung einer unangeleiteten beginnenden Sportstunde erst einmal gewahr geworden, gilt es nach Ressourcen zur Handhabbarkeit in sich selbst zu suchen.[4] Im Vordergrund meines Beispiels steht das Angebot von spannenden, interessanten oder die Sinne stimulierende Spiele, die Neugier in den Kindern wecken. Das Interesse ist mit Spielen die Spaß machen leicht geweckt. Um aber Spiele vorschlagen oder neue erklären zu können, muss man sich sicher sein, dass man auch Gehör bekommen wird; eben vor allem wenn es darum geht gemeinsam zu beginnen. Dies ist mittels verbaler und non-verbaler Aufforderungen möglich. Man kann sich dabei z.B. entweder auf Augenhöhe mit den Kindern begeben oder wenn die Situation es erfordert auch von einer erhöhten Position mit ihnen reden. Die Stunde wird handhabbar, wenn man beispielsweise Erwartungen und Möglichkeiten klar und deutlich formuliert und die Teilnehmer damit in ihren geistigen und sozialen Kompetenzen schult und fordert. Eine Stunde lässt sich aber z.B. auch handhaben, indem man den Kindern solange Zeit lässt ihre überschüssige Energie abzubauen, bis sie von selbst anfangen zu fragen, was denn gespielt werden kann.

Die letzte und sehr wahrscheinlich wichtigste Komponente des SOC ist die „Bedeutsamkeit“. Sie beschreibt, ob man emotional spürt, dass die Anstrengungen, um eine Konfrontation zu bewältigen, der Kräfte die dafür aufgewendet werden müssen wert sind. Das Engagement in einer Situation muss für einen Menschen motivational begründbar sein. Er muss den Sinn darin sehen, für sich persönlich eine Bedeutung zuordnen zu können, um überhaupt zu beginnen Kräfte zu mobilisieren. Formal definiert Antonovsky die Bedeutsamkeit als:

„ (…) das Ausmaß, in dem man das Leben emotional als sinnvoll empfindet: daß wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme und Anforderungen es wert sind, daß man Energie in sie investiert, daß man sich für sie einsetzt und sich ihnen verpflichtet, daß sie eher willkommene Herausforderungen sind als Lasten, die man gerne los wäre.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 35 – 36)

Die Motivationen, um eine anfangs durcheinander geratene Gruppe von Acht- bis Zehnjährigen zu koordinieren, können vielgestaltig sein. Durch was meine Arbeit Bedeutsamkeit erlangt, ist mehr noch als Verstehbarkeit und Handhabbarkeit, individuell geprägt. Ich möchte ganz exemplarisch drei persönliche Aspekte anführen, um zu zeigen wie die Komponente Bedeutsamkeit angereichert sein könnte. Als erstes steht hierbei die Freude bei der Vermittlung unterschiedlichster Aktivitäten und Erfahrungsmuster. Namentlich sind dies Spaß an Bewegungen, Autonomie bei der Stundengestaltung, Meinungsfindungsprozesse, die Vermittlung von Wissen, das Lernen von Verlieren und Siegen und schließlich Möglichkeiten zu bieten, um eigene Verhaltensweisen im Umgang mit Mitmenschen zu erproben. Ein anderer bedeutsamer Aspekt ist das Gelingen einer Stunde; das zufriedene Gefühl einer umfassend ausgefüllten Stunde für Lernende und Lehrende am Ende der Trainingseinheit, kann Motivation genug sein, um die Stunde überhaupt erst zu beginnen. An letzter Stelle soll hier der materielle Aspekt nicht ausgespart bleiben. Denn trotz aller bedeutenden ideellen Aspekte, ist die finanzielle Entlohnung, insofern man nicht ehrenamtlich engagiert ist, ein erwähnenswerter Faktor bei der Frage, ob man sich jede Woche erneut an die Aufgabe wagt, 15 Kindern eine abwechslungsreiche Stunde zu bieten.

Damit sind alle drei Komponenten des SOC vorgestellt wurden und ich kann somit in einem abschließenden Zitat Antonovskys Worte wiedergeben, in denen er das SOC als ganzes definiert.

„Das SOC […] ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, daß 1. die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind; 2. einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen; 3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 36)

3.1. REHABILITATION DES STRESSORENBEGRIFFS

Mit dem Wort Stress wird im alltäglichen Denken meist eine kräftezehrende Situation assoziiert. Etwas, dass uns belastet, unangenehm vereinnahmt und schnellstmöglich wieder beseitigt werden sollte, weil wir wissen, uns danach wieder besser fühlen zu können. Die Ausrichtung ist also negativ. Dieses Assoziationsmuster rührt von einem Glauben an die Homöostase, welche durch Stresssituationen ins Ungleichgewicht gebracht werden kann. Antonovsky hingegen aber geht von der komplett entgegengesetzten Position, einer stetigen Situation des Ungleichgewichts – oder Heterostase – aus, um seinen Gedanken zu Stressoren eine Basis zu bieten (Schneider, 2002, S. 27). Die Vorgänge innerhalb einer Konfrontation mit einem Stressor und eine Erweiterung der Sichtweise auf Stressoren sollen nun folgend besprochen werden.

Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Stressoren zunächst einmal einen Spannungszustand erzeugen mit dem umgegangen werden muss (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 16). Erst nach oder im Zuge der erfolgreichen bzw. erfolglosen Bewältigung des Stressors lässt sich feststellen, ob der Stressor krankmachende, gesunde oder gar keine Folgen nach sich zieht. Für den Umgang stehen nach Antonovsky „generalisierte Widerstandsressourcen (GRRs)“ zur Verfügung. Diese wirken in Situationen aller Art und als Ressourcen erhöhen sie die Widerstandsfähigkeit (Bengel, Strittmacher & Willmann, 1998, S. 34). Ein hohes Maß an GRRs stärken das SOC und ermöglichen infolge dessen auch weitere SOC-förderliche Erfahrungen. Umgekehrt ist es so, dass ein Mangel an GRRs das SOC schwächen und sich damit auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass weitere Erfahrungen das SOC zusätzlich schwächen. Ist man nicht im Besitz geeigneter Ressourcen, stellt dies nach Antonovsky ein „Widerstandsdefizit“ dar. Sein neuer konzeptioneller Vorschlag ist nun, auch diese Widerstandsdefizite als Stressoren zu betrachten. Er möchte „(…) von einem einheitlichen Konzept von „übergeordneten, psychosozialen generalisierten Widerstandsressourcen-Widerstandsdefiziten“ (GRR-GRD) [sprechen, da diese] (…) unserem Verständnis von Stressoren eine neue Dimension [verleihen].“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 44) Es ist nun nicht mehr so, dass Stressoren aufgrund mangelnder GRRs nicht hinreichend bewältigt werden können, sondern, dass schon das Ausbleiben mehrer oder einzelner Ressourcen, also Widerstandsdefizite, per se als Stressoren, die das SOC schwächen, zu betrachten sind.

3.2. SOC UND GESUNDHEIT

Obwohl alle genannte Aspekte der drei Komponenten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit nicht direkt mit der Frage nach Gesundheit zusammenhängen, bin ich doch der Ansicht, dass ein hohes SOC, welches sich aus den Teilsummen der einzelnen Komponenten zusammensetzt, dazu beiträgt, die Gesundheit eines Übungsleiters zu erhalten. Denn mögliche Folgen erfolglosen Umgangs, mit scheinbar schwer unter Kontrolle zu kriegenden Kindern im Vereinssport, können z.B. zu Reizungen und Schädigungen der nervlichen Belastbarkeit führen. Ein geschwächtes Immunsystem, Indigestion und vor allem Demotivation können die Folgen sein.[5] Zu finden ist der Zusammenhang von SOC und Gesundheit in der Literatur, wenn davon gesprochen wird, dass gilt „Je stärker das gemessene Kohärenzgefühl ist, desto weniger psychosomatische Stresssymptome und psychische Belastungswerte [werden genannt] …“ (Straus, Höfer 2002, S. 117). Dieses Ergebnis bezieht sich zwar auf eine Studie an männlichen und weiblichen Jugendlichen, aber ich denke, dass es sich zumindest auf junge erwachsene Übungsleiter und Lehrer übertragen lässt. Ein hoher Wert des persönlichen SOC hätte somit eine Erhaltung und infolge von positiven Rückmeldungsprozessen, eine Stärkung der Gesundheit zur Folge.

4.DER BLICK AUF DEN LERNENDEN

Im letzten ausführenden Kapitel, soll der Blick auf jene gelenkt werden, die dem Lehrenden gegenüber stehen. Die Entwicklung des SOC wird nach Antonovsky auch und vor allem in der Kindheit und Jugend entwickelt. Um zu zeigen, wie der Übungsleiter in dem von mir gewählten Beispiel mit seinen Methoden und Techniken der Stundengestaltung Einfluss auf die Entwicklung des SOC nimmt, werde ich ausführen, inwieweit eine Sportstunde das SOC der Kinder mitbestimmen kann. Hierzu werde ich drei Typen von Lebenserfahrungen, die nach Antonovsky wiederrum als Vorraussetzungen für die drei Komponenten des SOC zu verstehen sind, anführen. Im Einzelnen sind dies „konsistente Erfahrungen“ als Vorraussetzung für Verstehbarkeit, „Belastungsbalance“ als Vorraussetzung für Handhabbarkeit und „Partizipation an der Gestaltung des Handlungsergebnisses“ für Bedeutsamkeit (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 93). Dies werde ich im Folgenden näher erläutern und in Zusammenhang mit der Sportstunde setzen.

Konsistenz wird als Teil des Lernprozesses aufgefasst. Konsistente Erfahrungen sind nicht einfach gegeben, sondern müssen entdeckt/ erfahren werden. Erst durch das (intiutive) Wissen um sich wiederholende Vorgänge, wird ein inneres Erleben von Konsistenz erwachsen.

„Mit der Zeit kann dann das Kind davon überzeugt werden, daß Verlaß darauf ist, daß seine physikalische und soziale Welt sich nicht ständig verändern. Die vielen verschiedenen Stimuli von innen und außen können vertraut und zur Routine werden, und gleiches gilt auch für die Reaktionen. In dem Ausmaß, in dem dies geschieht, wird der erste Eindruck von der Welt allmählich verstehbar.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 96)

Bezogen auf das Sportstundenbeispiel bedeutet dies, dass konsistente Erfahrungen dann gewährleistet werden, wenn z.B. jede Woche zur gleichen Zeit das Training stattfindet. Auch der immer wieder gleiche Übungsleiter bringt durch sein bloßes Erscheinen und seine typische Art und Weise die Übungsstunden zu gestalten, Routine in das Leben der Teilnehmer während der Zeit der Sportstunde. Selbst wenn der Übungsleiter einmal ersetzt werden sollte, erfahren die Kinder vermittels der Übernahme der Tätigkeit durch eine andere Person, dass jemand für diese Gruppe verantwortlich ist und sie somit auf das Stattfinden der Sportstunden vertrauen können. Für die Kinder wird die einmal wöchentlich stattfindende Sportstunde somit zu einem weiteren Fixpunkt in ihrem Alltag. Sie können sich an ihm ausrichten und ihre Erinnerungen in der Peripherie dieses Punktes – vorangegangene oder folgende Tage – daran orientieren. Als letztes Beispiel für Konsistenz, sei das Wiederkehren komplexerer Spiele genannt. Die meisten Kinder haben es schwer, ein durch Regeln und Geräte umfangreicher gestaltetes Spiel, anfangs in vollem Umfang zu verstehen. Erst wenn sie es wiederholt spielen können, eröffnet sich ihnen Sinn und Zweck der Regeln, aber auch der mögliche Freiraum innerhalb dieser festen Regeln.

Belastungsbalance als Vorraussetzung für Handhabbarkeit wurde von Antonovsky als nächstes angeführt. Sie steht in direktem Zusammenhang mit Konsistenz, denn an Heranwachsende werden von verschiedenen Seiten unterschiedlichste Anforderungen herangetragen, die somit durchweg konsistente Erfahrungen erschweren. Gleichzeitig haben die Heranwachsenden aber auch eigene Wünsche und Anforderungen an ihre Umwelt. Um den Kindern letztlich trotzdem ein Gefühl von Handhabbarkeit zu vermitteln, kommt es darauf an, die richtige Balance zwischen Über- und Unterforderung, zwischen Ansprüchen die an sie gestellt werden und dem eigenen Willen der Kinder zu finden. In diesem Sinne ist Einseitigkeit also zu vermeiden. Dazu Antonovsky:

„Aber wenn diese zwei Antworten auf das, was das Kind in Reaktion auf die Ansprüche aus seinem Inneren will, relativ selten sind, und der Großteil des Bildes entweder Kanalisierung […] oder Ermutigung […] sind, werden Unterforderung und Überlastung vermieden.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 99)

Überbelastung kann auftreten, wenn das Kind die Erfahrung macht, dass jegliche von innen kommende Bedürfnisse (der eigene Wille) sanktioniert werden. Nichts kann in ihren Augen richtig gemacht werden und alles was selbst initiiert wird ist dazu bestimmt, bestraft oder abgelehnt zu werden. Auf diese Weise erscheint es verständlich, dass kein Gefühl von Handhabbarkeit reifen kann. In der „kleinen-Spiele-Stunde“ findet sich dieses Phänomen exemplarisch wieder. Die Ideen zur vernünftigen Organisation der Gruppe stehen den meist sehr Ich-fixierten Spielwünschen einiger Kinder diametral gegenüber. Da sich aber jede Stunde aufs neue die Frage stellt, welche Spiele mit den Anwesenden (deren Anzahl keineswegs von Woche zu Woche konsistent ist) gespielt werden sollen, bietet sich auch immer wieder aufs neue die Gelegenheit, Fremdbestimmung gegen Selbstbestimmung gewissermaßen auszuhandeln. Für den salutogenetisch denkenden Übungsleiter bietet sich somit die Möglichkeit, den Kinder eine Erfahrung der Handhabbarkeit zu eröffnen, in dem er sowohl Angebote die er an sie heranträgt, als auch in gleichem Maße die Wünsche und Bedürfnisse der Aktiven, in seiner Stundengestaltung berücksichtigt.

Den letzten Absatz zur Entwicklung des SOC in der Kindheit möchte ich mit einem Zitat einleiten. Eingangs ist schon erwähnt worden, dass Partizipation an der Gestaltung des Handlungsergebnisses als Vorraussetzung für die Bedeutsamkeitskomponente zu verstehen ist. Hierzu folgende Erläuterung:

„Wenn andere alles für uns entscheiden – wenn sie die Aufgaben stellen, die Regeln formulieren und die Ergebnisse managen – und wir in der Angelegenheit nichts zu sagen haben, werden wir zu Objekten reduziert. Eine Welt, die wir somit als gleichgültig gegenüber unseren Handlungen erleben, wird schließlich eine Welt ohne jede Bedeutung.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 93)

Wiederrum bezogen auf das von mir gewählte Beispiel bedeutet es, dass eine weitestgehende Übertragung der Verantwortung – sowohl für ein Spiel, als auch dessen Organisation – auf die Kinder, dazu beiträgt eine Erfahrung zu fördern, in der sie die Bedeutung von Disziplin, Regeln und Fairness von ganz alleine erfahren können. Sie nehmen Teil an einem Prozess und zumindest ihr eigener Beitrag wird für sie selbst bedeutungsvoll.

5. SCHLUSSBETRACHTUNG

„Erst die positive Aussage, daß es ein Potential gibt, das die Chance erhöht, gesund zu bleiben, eröffnet die salutogenetische Fragestellung. Was dieses Potential genau ausmacht, hat Antonovsky mit dem Begriff des Kohärenzgefühls beschrieben und empirischer Forschung zugänglich gemacht.“ (Schüffel et al., 1998, S. 4)

Ich habe mich für die Ausarbeitung der salutogenetischen Sichtweise entschieden, weil sie mein persönliches Verständnis von Erhalt und Wertschätzung des Lebens bestätigt und erweitert hat. In Bereichen der privaten Lebensführung, wie auch im Umgang mit Menschen, vor allem wenn man ihnen in einer erzieherischen Situation gegenübersteht, bereichert sie die Auseinandersetzung mit der Umwelt. Lenkt man den Blick auf die Situation Lernender – Lehrender, so sieht man, dass mit dem salutogenetischen Blick, für den Erzieher die Perspektive auf Ressourcen des Gegenübers eröffnet wird. Gerade im Sport kann es für den Trainierenden höchst demotivierend sein, wenn ausschließlich Fehler verbalisiert werden. Hier hilft eine Denkart, welche sich auf richtige Bewegungen oder Verhaltensweisen hin orientiert, die dem Lernenden auch weiter Freude am Sport ermöglichen.

Obwohl Antonovsky in seinen Konzept sehr stark von Wirkungen des SOC auf die physische Gesundheit spricht, denke ich doch, dass sich ein starkes Kohärenzgefühl ebenso in der psychischen Gesundheit widerspiegelt und fühle mich mit dieser Annahme auch in der von mir gesichteten Literatur bestätigt (vgl. Welbrink, Franke, 2002, S. 48 f.; vgl. Bengel, Strittmatter, Willmann, 1998, S. 44). An dieser Stelle möchte ich abschließend nur noch ein paar Fragen formulieren, die sich mir während des Studiums der verschiedenen Texte und Bände aufgedrängt haben. Die Erörterung dieser Fragen ist mir nur begrenzt möglich und auch nicht mein letztes Ziel. Sie sollen ausschließlich dokumentieren, in welche Richtung sich meine Gedanken bezüglich des Modells der Salutogenese bewegt haben. Die erste Frage betrifft den eben schon angesprochenen Punkt der physischen und psychischen Gesundheit. Wenn Antonovsky einen Einfluss des SOC auf die Gesundheit postuliert, warum trennt er dann so scharf zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit? Warum konzipiert er das Gesundheits-Krankheits-Konzept als Kontinuum, nicht aber die Einheit von Körper und Seele? Kann man nicht einen Einfluss des körperlichen Befindens auf das seelische Befinden und umgekehrt vermuten? Würde die Erweiterung um diese Dimension nicht ein vollständigeres Bild von Wohlbefinden und Unwohlsein ermöglichen? Die zweite Frage schließt hieran an, beschäftigt sich nur diesmal mit dem Gedanken, warum Homöostase von Heterostase konzeptuell getrennt wurde. Warum eine so radikale Trennung, obwohl er zu der Erkenntnis gelangt ist, dass Gesundheit und Krankheit als Kontinuum zu verstehen sind? Warum nicht Ungleichgewicht und Gleichgewicht als ein Zustand? Sie erscheinen genau wie Krankheit und Gesundheit als einander entgegengesetzt, lassen sich meiner Ansicht nach, aber auch als aufeinander bezogen verstehen. Weder das eine, noch das andere erscheinen mir als statisch. Vielmehr befinden sie sich in einem dynamischen Zustand. Ein permanentes „Wabern“ (Unordnung), welches sich aber innerhalb eines Levels bewegt (Gleichgewicht). Um ein Bild zu geben: man kann sich eine Waage vorstellen, die zwar im Gleichgewicht ist, sich aber stetig mal zur einen, bald zur anderen Seite neigt.

Das Anliegen dieser Arbeit war zum einen, die Salutogenese mit seinem zentralen Kern, dem SOC, als ein alternatives Konzept zu rekonstruieren. Zum anderen sollte aber gleichzeitig herausgestellt werden, wie vielfältig dieses Gedankengut anwendbar ist. Ich habe versucht zu zeigen, wo salutogenetisches Denken in der Praxis zu finden ist und was es bewirkt. Als Wirkungsfeld erschien mir durch die dialogische Struktur, der Bereich des Sports als sehr geeignet.

6. BIBLIOGRAPHIE

Antonovsky, Aaron (1987): Health, stress, and coping , Jossey-Bass Publishers, San Francisco (u.a.)

Antonovsky, Aaron (1997): Salutogenese: zur Entmystifizierung der Gesundheit (Deutsche erweiterte Ausgabe, Hrsg.: Alexa Franke), Dgvt-Verlag, Tübingen

Bengel, Jürgen; Strittmatter, Regine; Willmann, Hildegard (1998): Was erhält Menschen gesund?: Antonovskys Modell der Salutogenese – Diskussionsstand und Stellenwert; eine Expertise, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln

Schüffel, Wolfram (Hrsg.) (1998): Handbuch der Salutogenese: Konzept und Praxis, Ullstein Medical, Wiesbaden

Wydler, Hans (Hrsg.) (2002): Salutogenese und Kohärenzgefühl: Grundlagen, Empirie und Praxis eines gesundheitswissenschaftlichen Konzepts, 2. Aufl., Juventa-Verl. Weinheim (u.a.)

[...]


[1] Während der ganzen Hausarbeit sind natürlich immer Frauen und Männer gemeint. Der besseren Lesbarkeit halber wähle ich die männliche Form.

[2] Inhaltlich sind dies im wesentlichen Fang-, Lauf-, Ball-, Geschicklichkeits- und Beruhigungsspiele.

[3] Alle angeführten Beispiele für Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit können nur einen Ausschnitt aus dem vielfältigen Pool möglicher Situationen und die Wahrnehmung der in ihr ablaufenden Vorgänge bieten. Ich habe mich für sie wegen ihrer Anschaulichkeit entschieden.

[4] Obwohl dieses Suchen meist schon in Vorbereitung auf die Stunde geschehen ist oder das Ergebnis wiederholter Erfahrungen während dieser Tätigkeit ist. Ein wirklich andauerndes Suchen würde die Handhabbarkeit aufgrund der ausstrahlenden Unsicherheit sicherlich erschweren.

[5] Ich bin mir sicher, dass diese Symptome nicht nur bei Übungsleitern im Vereinssport, sondern insgesamt vermehrt bei Personen mit einer Lehrtätigkeit an Schule oder auch Hochschule verbreitet sind.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (Buch)
9783656881902
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78361
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
Verortung Denkens Praxis Gesunde Perspektiven Sport Taking Begriff Pädagogik

Autor

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