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Ein Ost/West-Vergleich der Jugend in den 80er Jahren anhand zweier literarischer Werke: "Generation Golf" von Florian Illies und "Mein erstes T-Shirt" von Jakob Hein

Hausarbeit 2004 21 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiografie beider Autoren
2.1. Florian ILLIES
2.2. Jakob HEIN

3. Einordnung beider Bücher
3.1. „Generation Golf“
3.2. „Mein erstes T-Shirt“

4. Hauptthesen/-themen
4.1. „Generation Golf“
4.2. „Mein erstes T-Shirt“

5. Vergleich beider Bücher im Hinblick auf
5.1. Politisches Interesse der Jugendlichen
5.2. Freizeitgestaltung der Jugendlichen
5.3. Erziehung der Jugendlichen

6. Resümee

7. Quellenreflexion

8. Literaturverzeichnis
8.1. Literatur
8.2. Internet

"Wenn man aus dem Osten kommt, gehörte man vielleicht zur »Generation Lada«. Aber das macht die Sache nicht anders. Wir sind uns in einer, der entscheidenden, Sache sehr ähnlich. Wir haben keine Krisen erlebt. Wir sind in einer Zeit groß geworden, in der alles für uns lief. Das war im Osten nicht anders. Unsere Kindheit war behütet, abgesichert, und wenn es ein wirkliches Problem gab, war es die Frage nach dem neuen Depeche-Mode-Album.“[1]

1. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich die Jugend der 80er Jahre in West- und Ostdeutschland miteinander vergleichen. Als Grundlage dafür dienen mir die folgenden beiden Bücher: „Generation Golf. Eine Inspektion“ von Florian ILLIES und „Mein erstes T-Shirt“ von Jakob HEIN.

Beide Autoren wurden 1971 geboren, beide durchlebten eine behütete, krisenfreie und abgesicherte Kindheit, beide waren keine Leuchte im Schulsport[2], beide waren des öfteren unglücklich verliebt[3], beide mussten schon sehr früh eine Brille tragen und das sind noch längst nicht alle Gemeinsamkeiten: Was Florian ILLIES mit „Generation Golf“ (2000) für die bundesrepublikanischen 80er-Jahre gelungen ist, hat Jakob HEIN nun für die letzten Jahre des Sozialismus vorgelegt: „Mein erstes T-Shirt“ – „eine ironische Reminiszenz an eine (trotz allem) schöne Zeit der Unschuld namens Jugend“.[4] Der vielleicht alles entscheidende Unterschied ist, dass Florian ILLIES in Schlitz/Oberhessen geboren wurde und Jakob HEIN in Leipzig. Ausgehend von der These, dass ihre Jugend mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweist, werde ich im folgenden insbesondere die Themen Politisches Interesse, Freizeitgestaltung und Erziehung der Jugendlichen genauer unter die Lupe nehmen.

2. Kurzbiografie beider Autoren

2.1. Florian ILLIES

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[5]

Florian ILLIES wurde am 4. Mai 1971 in dem 4000 Einwohner zählenden Ort Schlitz/Oberhessen geboren, wo er auch zusammen mit seiner Mutter und seinen drei älteren Geschwistern seine Jugendzeit verbrachte, von der in seinem Buch „Generation Golf. Eine Inspektion“ die Rede ist.[6] Mit 15 Jahren fing er an als freier Mitarbeiter beim Schlitzer Boten zu arbeiten. Nach dem Abitur volontierte er für zwei Jahre bei der Fuldaer Zeitung und studierte von 1992 bis 1997 Kunstgeschichte in Bonn und Oxford. Seit 1997 schreibt er als Feuilletonredakteur für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und übernahm die verantwortliche Leitung für die Berliner Seiten der FAZ, die der Verlag allerdings im Juni 2002 einstellte. ILLIES wechselte als verantwortlicher Redakteur zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und blieb dort bis zum Jahr 2003 . Im Jahr 2000 erschien sein erstes Buch „Generation Golf. Eine Inspektion“, welches sich 52 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste[7] halten konnte und von dem über 500.000 Exemplare[8] verkauft wurden.

Weitere Bücher von ihm sind:

- 2001 „Anleitung zum Unschuldigsein“
- 2003 „Generation Golf zwei“[9]

ILLIES ist Träger des Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik (1999) und des Axel-Springer Journalistenpreis für Berlin-Berichterstattung. Er heiratete im Jahr 1998 und wurde ein Jahr später Vater.[10]

2.2. Jakob HEIN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[11]

Jakob HEIN wurde 1971 in Leipzig geboren und fing bereits mit sechs Jahren an die ersten Geschichten zu schreiben und seiner Mutter Christiane Hein, einer Dokumentarfilmemacherin, vorzulesen. Er gibt in einem im Jahr 2002 in „Der Welt“ erschienenen Interview an, dass bei ihnen zuhause offen über alles geredet wurde. Sein Vater, Christoph Hein, kommt aus einem bürgerlich-humanistischen Haushalt, studierte ebenso wie seine Frau Philosophie[12] und hielt 1987 folgende Rede: "die Zensur ist nutzlos, menschenverachtend und verfassungsfeindlich".[13] Auch er ist Schriftsteller und schrieb bereits mehrere Werke, deren Protagonisten mit Schwierigkeiten in der DDR zu kämpfen hatten. HEIN studierte in Berlin, Boston und Stockholm Medizin und arbeitet heute als Kinderpsychiater an der Berliner Charité.[14] Einmal im Jahr präsentiert die Neue Gesellschaft für Literatur[15] und die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz die Lesershow[16]. Seit sechs Jahren moderiert der Hobby-DJ HEIN dieses Berliner Festival junger Autoren. Die Lesershow vermittelt einem breitem Publikum neueste Tendenzen junger deutschsprachiger Literatur.

2001 erschien Jakob HEINS Debütroman „Mein erstes T-Shirt“, im Jahr 2003 der Erzählungsband „Formen menschlichen Zusammenlebens“[17] und im August 2004 sein neuestes Buch „Vielleicht ist es sogar schön“, in dem es um das Sterben seiner krebskranken Mutter und deren jüdische Herkunft geht.[18] Bis heute organisiert er das Programm auf der Reform(Lese-)bühne „Heim und Welt“ im Berliner „Kaffee Burger“ mit. Dort stellen sonntagabends mal mehr und mal weniger bekannte Autoren ihre neuesten Werke vor.[19]

3. Einordnung beider Bücher

3.1. „Generation Golf“

"Generation Golf" ist nicht fiktional, andererseits kann man das Buch auch nicht ruhigen Gewissens unter die Rubrik Sachbuch stellen. „Einigen wir uns vielleicht auf Anekdoten, die auf Romanlänge ausgedehnt werden.“[20] Florian ILLIES sagt selbst in einem Streitgespräch zwischen ihm und GAUS in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass er sich bemüht habe „dennoch nicht nur mich zu beschreiben.“[21] Ob ihm das gelungen sei, kann er allerdings selbst nicht beurteilen. Er schreibt seine Geschichte in der Ich-Form und behauptet, „dass das jetzt die Geschichte der Generation oder einer Masse ist.“[22] In diesem Interview bezeichnet er seine Vorgehensweise als anmaßend und kommt auch im letzten Satz seines Buches darauf zu sprechen: „. . . manche von uns schreiben schon mit 28 Jahren ein Buch über ihre eigene Kindheit, im eitlen Glauben, daran lasse sich die Geschichte einer ganzen Generation erzählen.“[23]

Bei der Generation Golf handelt es sich ursprünglich um eine Konstruktion der Werbung aus den 90er Jahren, die anlässlich der Vorstellung des VW Golf IV im Auftrag des Volkswagen-Konzerns entwickelt wurde, an die Florian ILLIES aber in seinem Werk anknüpft und unter diesen Begriff folgendermaßen erklärt: "Mit »Generation Golf« beschreibe ich nur einen kleinen Ausschnitt. (...). Ein Typus, geboren zwischen 1965 und 1975, aufgewachsen in kleinbürgerlich-bürgerlichen Verhältnissen ohne finanzielle Not; der in fünf bis zehn Jahren das wirtschaftliche - nicht das politische - Leben in Deutschland bestimmen wird.“[24] Die Rede von der Generation Golf verschweigt die Tatsache, dass es sich dabei nur um eine Generationeneinheit handelt. Dieser Begriff geht auf den Soziologen Karl MANNHEIM zurück: „Die Einheit einer Epoche hat keinen einheitlichen, treibenden Impuls, kein einheitlich formendes Prinzip, also keine Entelechie; ihre Einheit besteht höchstens in der Verwandtschaft der Mittel, die dieselbe Zeit den verschiedenen Generationsaufgaben zur Verfügung stellt.“[25]

3.2. „Mein erstes T-Shirt“

„Mein erstes T-Shirt“ besteht ähnlich wie „Generation Golf“ aus Anekdoten, die aus dem Fundus der eigenen Biographie stammen, jedoch nicht wie in „Generation Golf“ auf Romanlänge ausgedehnt werden. Das Buch ist in 26 Kapitel aufgeteilt, die aus aneinandergereihten, sehr bildreichen Episoden bestehen.

„Jakob HEIN ist ein Staubsauger. (. . . er) verarbeitet die eigene und fremde Realität in akkurate, zweieinhalb Seiten lange Geschichten, die in einer angenehmen, leicht verständlichen Sprache verfasst sind.“[26] So sieht in Wladimir KAMINER, der Jakob HEIN schon länger kennt und das Vorwort zu dessen Buch geschrieben hat. Sowie ILLIES schreibt auch HEIN in der Ich-Form, verallgemeinert seine Erfahrungen hingegen nicht auf eine ganze Generation – zumindest nicht bewusst. Er bleibt während seines gesamten Buches in der Ich-Form und wechselt nicht beliebig vom „Ich“ zum „Wir“.

Im Alltäglichen entdeckt Jakob HEIN die schrägen Momente des sozialistischen Systems und beschreibt diese aus der Perspektive des Kindes und des Jugendlichen. Für ihn ist dies der Versuch, die Realität der DDR als „ganz normalen Wahnsinn“ darzustellen. Er schreibt mit dem „Humor des Verlierers“[27] und bestaunt seine Umwelt aus gewollt naiver Perspektive.[28]

Die Realität, die in seinem Buch geschildert wird, ist die eines Jugendlichen in Ostdeutschland und erstreckt sich zeitlich von den späten 70er Jahren als der achtjährige Jakob eine der kleinsten Untergrundzeitschriften der DDR herausgab über die HEIN'sche Pubertät bis hin zum Fall der Mauer. Am Ende einzelner Kapitel blickt Jakob HEIN in die Gegenwart und kommentiert die Situation kurz von seinem heutigen Standpunkt aus.

[...]


[1] Jochen-Martin GUTSCH in der Berliner Zeitung vom 31.08.2002

[2] vgl. ILLIES, S. 67; HEIN, S. 53

[3] vgl. ILLIES, S. 77; HEIN, S. 14

[4] http://www.amazon.de/exec/obidos/tg/stores/detail/-/books/3492270255/reviews/028-2243162-8682165

[5] http://www.textezurkunst.de/Bilder45/045_Graw_Albig01.jpg

[6] http://www.textezurkunst.de

[7] http://www.hausarbeiten.de

[8] http://www.rechtschreibreform.de/Forum/showthread.php?threadid=302&pagenumber=5

[9] http://www.single-generation.de

[10] http://www.single-dasein.de

[11] Foto von Nelly RAU-HÄRING: http://www.poetenfest-erlangen.de/2004/personenseiten/hein.htm

[12] vgl. HEIN, S. 124 f.

[13] http://www.welt.de/daten/2002/11/09/1109lw367197.htx

[14] vgl. http://www.poetenfest-erlangen.de/2004/personenseiten/hein.htm

[15] http://www.ngl-berlin.de

[16] http://www.berlin030.de/faces

[17] http://www.single-generation.de

[18] vgl. Ulrich SEIDLER in der Berliner Zeitung vom 18.08.2004

[19] vgl. HEIN, Buchumschlag; http://www.kaffeeburger.de

[20] http://fm4.orf.at

[21] http://www.faz.net (Streitgespräch zwischen GAUS (73) und ILLIES (32) am 13.07.2003 in der FAZ)

[22] http://www.textezurkunst.de/NR45/tzk45_illlies.htm (Interview mit Florian ILLIES von Jörg-Uwe ALBIG und Isabelle GRAW im März 2002, Heft Nr. 54)

[23] ILLIES, S. 197

[24] Badische Zeitung vom 30.03.2000

[25] MANNHEIM, S. 29

[26] KAMINER, Wladimir, in: HEIN, S. 7

[27] http://autorenverzeichnis.de/content/buch/h/t_hein_jakob_mein_erstes_t_shirt_kuhn_m_14589.html

[28] vgl. http://www.poetenfest-erlangen.de/2004/personenseiten/hein.htm

Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638885065
ISBN (Buch)
9783638886581
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78034
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Ost/West-Vergleich Jugend Jahren Werke Generation Golf Florian Illies Mein T-Shirt Jakob Hein

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Titel: Ein Ost/West-Vergleich der Jugend in den 80er Jahren anhand zweier literarischer Werke: "Generation Golf" von Florian Illies und "Mein erstes T-Shirt" von Jakob Hein