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Der Finanzplatz Frankfurt - Aufstieg vor dem Ende?

Hausarbeit 2007 24 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was ist ein Finanzplatz?

3 Vorstellung des Finanzplatzes Frankfurt
3.1 Internationalität
3.2 Akteure
3.2.1 Banken
3.2.2 Börse
3.2.3 Versicherungen
3.3 Infrastruktur – Anbindung an Europa und die Welt

4 Historische Entwicklung

5 Bedeutung des Finanzplatzes Frankfurt in der Welt
5.1 Vor- und Nachteile Frankfurts
5.2 Frankfurts Konkurrenzkampf mit Paris, München und London

6 Möglichkeiten zur Förderung des Finanzplatzes Frankfurt

7 Fazit

Literatur

1 Einleitung

Frankfurt am Main – 650.000 Einwohner – keine Millionenstadt sondern Mini-Metropole, zwischen dem größtem Stadtwald des Landes und dem Mittelgebirge Taunus liegend. Jedoch lässt sich in Deutschland keine vergleichbare Stadt finden in der die Häuser nach dem Zweiten Weltkrieg so hoch und rasch gewachsen sind wie hier. Wer Frankfurt hört, assoziiert mit diesem Namen Zentrum des Geldes, Erfolg, Reichtum und Finanzplatz Deutschlands. Die Stadt ist Sitz der deutschen Großbanken, der europäischen Zentralbank, der Bundesbank und vieler ausländischer Institute. In Anlehnung an den großen Finanzplatz New York wird der Finanzplatz Frankfurt auch als das deutsche Manhattan – Mainhattan – bezeichnet (SWR 2005).

Doch welche Zukunft hat der Finanzplatz Frankfurt? Wird seine Bedeutung inmitten der Dynamik des globalen Geld- und Kapitalverkehrs zurückgehen? Unter den Experten werden diese Fragen immer wieder mit wechselseitigen Meinungen debattiert. Pessimisten sehen die Mainmetropole auf ihr Ende zugehen. Die Übermacht Londons und New Yorks wird Frankfurt in Zukunft zunehmend in die Enge drängen. Jedoch andere sprechen auch von einem synergetischen Effekt, bei dem sich zumindest London und Frankfurt gegenseitig unterstützen und zusammen gestärkt hervorgehen werden (Franke 2002).

Nichts desto trotz lässt sich eine Misslage Frankfurts nicht widerstreiten. Dabei sah es doch erst vor drei Jahren so gut aus. Eintracht Frankfurt kickte in der Ersten Fußballbundesliga, Frankfurt wurde 1999 Hauptsitz der Europäischen Zentralbank, die Börse boomte wie noch nie zuvor, andere vereinzelte Regionalbörsen Deutschlands wurden abgehängt und weit hinter sich gelassen, die Internetplattform Xetra ersetzte mit großem Triumph weitestgehend fast den gesamten Parketthandel und der Chef der Deutschen Börse AG, Werner Seifert, liebäugelte mit der Übernahme der London Stock Exchange (Shinde 2002).

Jedoch waren schnell die Träume von Frankfurt als Phönix der Finanzmetropolen vorbei. Die Fusionen einiger deutscher Großbanken wie „Dresdner Bank“ und „Deutscher Bank“ sowie „Dresdner Bank“ und „Commerzbank“ fielen ins Wasser, 2001 ging dann auch noch das Vorhaben, die Deutsche Börse mit der Londoner Stock Exchange zu fusionieren, sprichwörtlich den Bach herunter und selbst die krisensichere Bankbranche hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen (Shinde 2002).

Die Kicker der Frankfurter Eintracht konnten sich zwar nach ihrem Abstieg in die zweite Bundesliga wieder erneut in der ersten Liga etablieren, jedoch scheint dieses Unterfangen für den Finanzplatz Frankfurt in weite Ferne gerückt zu sein. Die Mainmetropole ist in der zweiten Liga angekommen und muss aufpassen nicht weiter abzusinken und sich von neuen, schnell wachsenden Finanzplätzen wie München überholen zu lassen.

In meiner Arbeit möchte ich zunächst klären, was ein Finanzplatz ist und was einen ausmacht. Danach werde ich den Finanzplatz Frankfurt im Bezug auf seine Internationalität, seine Akteure sowie seine Infrastruktur näher vorstellen. Anschließend gebe ich einen Überblick über die historische Entwicklung und seinen Aufstieg zur Finanzmetropole. Ein weiterer Punkt in meinen Ausführungen beschäftigt sich mit der Bedeutung des Finanzplatzes Frankfurts in der Welt, seiner Konkurrenzfähigkeit, seinen Vor- und Nachteilen sowie werden dort die Gründe für das Scheitern nach dem schnellen Aufstieg gesucht. Abschließend werde ich ein paar Möglichkeiten zur Förderung und Verhinderung eines weiteren Abstiegs der Mainmetropole aufzeigen sowie im Fazit noch einmal die wichtigsten Punkte zusammenfassen und eine Schlussfolgerung geben.

2 Was ist ein Finanzplatz?

Finanzplätze werden als „global cities“ bezeichnet, welche als strategische Punkte zur Kontrolle internationaler Kapitalströme dienen (Sassen 1999:75). Dies ist jedoch nicht der einzige Definitionsversuch. Eine genaue Antwort auf diese Frage oder eine genaue Definition, was einen Finanzplatz bzw. den in meiner Arbeit als Synonym verwendeten Begriff Finanzzentrum wirklich ausmacht, wird in der Literatur sehr unterschiedlich beantwortet. Dies geschieht in Abhängigkeit von der Betrachtungsweise und einer Vielzahl von Fragestellungen. Demnach kann der Begriff Finanzplatz aus funktionaler, institutioneller, geographischer, systematischer und regulatorischer Sicht betrachtet werden. Dabei schließen sich diese Dimensionen aber nicht gegenseitig aus, sondern betonen lediglich die Wichtigkeit der einzelnen Aspekte. Da in dieser Arbeit die Geographie im Vordergrund steht, soll vor allem die geographische Dimension betrachtet werden. Diese beschäftigt sich mit der Frage nach der räumlichen Abgrenzung eines Finanzplatzes im Bezug auf die Verteilung der Akteure und Standorte sowie der Reichweite der durchgeführten Transaktionen (Grote 2004:17ff.).

Eine sehr verbreitete Definition wurde von Dufey und Giddy (1978:35) gegeben:

„A financial center is a metropolitan area that has a high concentration of financial institutions and where the financial transactions of a given country or region are centralized”

Demnach handelt es sich bei einem Finanzplatz nicht unbedingt um ein abgegrenztes Stadtgebiet, sondern um eine “metropolitan area”. Auch in Frankfurt sind die meisten Akteure innerhalb eines begrenzten Gebietes zentralisiert, jedoch lassen sich auch in anderen Bereichen des Rhein-Main-Gebietes Akteure finden. Ebenfalls gehören zu einem Finanzzentrum nach der Definition von Dufey und Giddy „financial institutions“. Zu denen zählen Zentralbanken, Regulierungsbehörden, Kapitalanlagegesellschaften, Finanzintermediäre wie Banken und Börsen sowie bank- bzw. kapitalmarktnahe Dienstleister. Jedoch kommt es nicht nur auf die Akteure an, da „financial transactions“ ebenso eine entscheidende Rolle an einem Finanzplatz spielen. Gerade einen modernen Finanzplatz zeichnet mehr als nur eine bestimmte Anzahl von Versicherungen, Banken, Börsen und Finanzdienstleistern aus. Dieser beinhaltet als Strukturelemente sowohl die Organisation und Technik des Marktes, als auch die intellektuelle Infrastruktur, sowie die für ihn geltenden gesetzlichen und administrativen Regelungen. Weiterhin wird aus der Definition deutlich, das sämtliche finanziellen Transaktionen eines Landes in einem Finanzzentrum zentralisiert werden (Grote 2004:18).

In der Regel bildet sich pro Land ein Finanzzentrum (Frankfurt) heraus. Gründe dafür sind in der hohen Liquidität und den niedrigen Transaktionskosten, bedingt durch die Zentralisierung, zu finden. Je größer dabei der Finanzmarkt ist, desto höher ist die Liquidität der emittierten Papiere, was wiederum zur Folge hat, dass neue Emittenten angezogen werden (Kindleberger 1974:10).

Zur Unterteilung der Finanzplätze ist gemäß Holtfrerich (1999:17) folgendes zu sagen. Finanzplätze oder Finanzzentren werden in vier verschiedene Kategorien unterteilt. Für das inländische Klientel sind vorzugsweise kleine inländische Finanzplätze von Bedeutung. Die nächst höhere Stufe stellen die regionalen Finanzzentren dar, deren Tragweite über die eigenen Landesgrenzen hinausgeht. An dritter Stelle stehen die Offshore-Plätze, welche durch eine geringe Steuerbelastung und Regulierungsdichte gekennzeichnet sind sowie die globalen oder internationalen Finanzplätze, die ihre Netze über den gesamten Globus spannen.

3 Vorstellung des Finanzplatzes Frankfurt

Frankfurt- das Finanzzentrum, die Europastadt, mit 650000 Einwohnern die kleinste Metropole der Welt, der Verkehrsumschlagsplatz. Frankfurt ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Man denkt an den Main, die Paulskirche, den Flughafen, die Frankfurter Würstchen, an die Messe und die Skyline, welche man gern mit Manhattan vergleicht. Jedoch an eins denkt ein jeder – Frankfurt ist die Stadt des Geldes in Deutschland. Nirgendwo in dieser Republik sind so viele Banken ansässig, nirgendwo hat die Wirtschaft so eine Vormachtstellung wie in der Main-Metropole.

Jedoch reicht dies für einen internationalen Finanzplatz nicht aus. Ein Finanzplatz von globaler Bedeutung muss weltoffen sein. Aus diesem Grund werde ich in den nachfolgenden Ausführungen das Finanzzentrum Frankfurt im Bezug auf seine Internationalität, seine Akteure des In- und des Auslands, sowie seine Infrastruktur näher beleuchten und vorstellen.

3.1 Internationalität

Ein wichtiger Faktor der einen internationalen Finanzplatz ausmacht, ist seine Internationalität. Frankfurts internationale Atmosphäre mit seinem multikulturellen Flair ist dabei die beste Voraussetzung.

Die Metropole ist bunt. In Frankfurt leben 180 Nationen friedlich miteinander, fast jeder Dritte Einwohner besitzt keinen deutschen Pass (Stadt Frankfurt am Main). Frankfurt hat im Vergleich zu allen anderen deutschen Großstädten mit 26% den höchsten Anteil ausländischer Bürger. Vor allem die hohe Ansammlung ausländischer Fach- und Führungskräfte zeigt, dass Frankfurt als ökonomische Metropole weltweit einen hohen Rang besitzt. Jedoch nicht nur kompetente Arbeitskräfte, sondern auch Kinder aus aller Welt fühlen sich auf Grund der internationalen Schulausrichtung hier zuhause. Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen, denn ein adäquates Schulangebot ist ein Standortfaktor, dem eine große Bedeutung im Wettbewerb um ausländische Arbeitskräfte zukommt und zur Attraktivität eines Wirtschaftsraumes entscheidend beiträgt. Dies wurde früh erkannt und seit vielen Jahren hat Frankfurt internationale Schulen und somit eine vielseitige Bildungslandschaft vorzuweisen (Finanzplatz Frankfurt 2007a).

3.2 Akteure

Über viele Jahre hinweg hat sich in Frankfurt eine große Anzahl von Finanzdienstleistungsunternehmen angesiedelt und der größte Teil der Akteure des Finanzgeschehens Deutschlands spielt sich hier ab. Die bedeutendsten Akteure stellen dabei die Banken, die Versicherungen sowie die Börse dar und repräsentieren somit den ureigensten Charakter eines Finanzzentrums. Aber auch Kapitalanlagegesellschafter und sonstige Finanzdienstleister gestalten das Geschehen, wenn auch nur zweitrangig, maßgeblich mit (Finanzplatz Frankfurt 2007b).

3.2.1 Banken

Nirgendwo in Deutschland residieren so viele Banken wie am Main. Aber auch auf dem europäischen Kontinent stellt Frankfurt den bedeutendsten Bankenplatz mit weltweiter Ausrichtung dar (Finanzplatz Frankfurt 2007c). Gemäß der Deutschen Bundesbank (2006:1ff.) waren im Jahr 2005 325 Kreditinstitute ansässig und davon allein 187 ausländische Institute und Repräsentanzen, die zur internationalen Einbindung des Finanzplatzes Frankfurt beitragen. Ebenfalls bemerkenswerte Zahlen weist Frankfurt im Bezug auf seine Beschäftigten im Bankensektor auf. Zur Mitte des Jahres 2006 betrug die Gesamtzahl aller Beschäftigten 72200, was 10,5% aller Beschäftigten ausmacht. Weiterhin betrug das Geschäftsvolumen zum Ende des Jahres 2006 unglaubliche 2790,9 Mrd. Euro. Besonders seit 1990, wie in Abbildung 1 zu sehen ist, verzeichnet „Mainhattan“ einen stetigen und hohen Anstieg im Geschäftsvolumen. Nach Franke (2002) ist jedoch dabei Auffällig, dass die Anzahl der Banken, besonders seit Mitte der neunziger Jahre, um ein fünftel gesunken ist, während dessen in diesem Zeitraum das Geschäftsvolumen sowohl der Inlandsbanken als auch der Auslandsbanken stark angestiegen ist. Diese Erscheinung ist die Folge der starken Umstrukturierung in diesem Zeitraum.

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Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638820691
ISBN (Buch)
9783638820943
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77637
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Geographie
Note
1,7
Schlagworte
Finanzplatz Frankfurt Aufstieg Ende Finanzgeographie

Autor

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Titel: Der Finanzplatz Frankfurt  - Aufstieg vor dem Ende?