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Handynutzungsverhalten Jugendlicher

Eine Fallstudie

Magisterarbeit 2006 130 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Theoretischer Hintergrund
1 Einleitung
2 Jugend als Sozialisationsphase
2.1 Sozialisation
2.2 Entwicklungsaufgaben und Grundbedürfnisse des Jugend- alters
2.2.1 Identität
2.2.2 Individualisierung
3 Soziale Lebensbereiche Jugendlicher
3.1 Familie
3.2 Schule
3.3 Freizeit, Konsum und Medien
3.4 Paarbeziehung
3.5 Freundschaftsbeziehungen
3.5.1 Die Peer Group als Gleichaltrigennetzwerk
3.5.2 Funktionen jugendlicher Freundschaften und Peer Group-Kontakte
3.5.3 Freizeit, Mediensozialisation und Konsum in der Peer Group
4 Veränderte Sozialisations- und Lebensbedingungen Jugendli- cher
4.1 Familiäre Veränderungen und ihre Auswirkungen auf das Familienleben
4.2 Mobilität, Flexibilität und modernes Zeitmanagement
4.3 Soziale Netzwerke als soziales Kapital
4.4 Anpassungsleistungen Jugendlicher an sich verändernde Lebensbedingungen in modernen Gesellschaften
5 Mobile Kommunikation: Das Handy
5.1 Exkurs: Mobile Kommunikation zwischen Privatheit und Öffentlichkeit
5.2 Merkmale der Mobilkommunikation
5.3 SMS-Kommunikation versus Handytelefonat
6 Handykommunikation in sozialen Beziehungsgeflechten Jugendlicher
6.1 Jugendliche Handykommunikation und Familie
6.2 Jugendliche Handykommunikation und Paarbeziehung
6.3 Jugendliche Handykommunikation und Peer Group

B Empirischer Teil
7 Konzeption und methodisches Vorgehen der Untersuchung
7.1 Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit
7.2 Untersuchungsziele und Forschungsannahmen
7.3 Erhebungsinstrument
7.4 Operationalisierung
7.5 Stichprobe
7.6 Pretest
7.7 Untersuchungsverlauf
7.8 Vorbereitung der Daten
8 Untersuchungsergebnisse
8.1 Nichthandynutzer
8.2 Deskriptive Statistik
8.3 Medienbesitz
8.4 Mobilfunkkosten
8.5 Integration in Gleichaltrigengruppe und Verabredungs- verhalten
8.6 Motive für Handybesitz
8.6.1 Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls
8.6.2 Möglichkeit zur permanenten Kontaktaufnahme (SMS Schreiben / Handytelefonat)
8.6.3 Bedeutung identitätsrelevanter Parameter
8.7 Häufigkeit der Handynutzung (SMS und Telefonat)
8.7.1 Per Handy kontaktierte Personengruppen
8.7.2 Handyfreie Netzwerke
8.8 Mobile Kommunikation zwischen Privatheit und Öffent- lichkeit
9 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
10 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhang

A Theoretischer Hintergrund

1 Einleitung

Historisch betrachtet sind die Sozialisationsbedingungen Heranwachsender einem kon- tinuierlichen Wandel ausgesetzt.1 Bedingt durch wirtschaftliche, technische und gesell- schaftliche Modernisierungsprozesse kommt es zu Umgestaltungen in vielen Lebensbe- reichen, die sich auf alle Gesellschaftsebenen auswirken. Die Jugend von heute kann und muss sich auf der einen Seite an die zahlreichen Veränderungen anpassen, auf der anderen Seite erhalten sie die Gelegenheit zur aktiven Mitgestaltung ihrer Lebensum- welten. Im Vergleich zu Jugendlichen vergangener Generationen haben sie eher die Möglichkeit familiäre, schulische, mediale und auf die eigene Person bezogene Ent- scheidungen autonom zu treffen. Die Tatsache, dass sie mittlerweile von nahezu allen Sozialisationsinstanzen und den Medien als individuelle Personengruppe mit eigenen Wünschen und Vorstellungen anerkannt werden, zeigt, welch hoher Stellenwert ihnen in vielen gesellschaftlichen Bereichen zugeschrieben wird.2

Medien gelten heute als selbstverständlicher Bestandteil der jugendlichen Sozialisation. Aus der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Medien wurde für die Analyse der vorliegenden Arbeit das technische Kommunikationsmedium Handy aus- gewählt. Die sozialwissenschaftliche Erforschung dieses Gerätes wurde, trotz seiner enormen Verbreitung in allen Bevölkerungsteilen, im Gegensatz beispielsweise zum Internet, bisher eher vernachlässigt. Nach Auffassung von Münker / Roesler resultiert dies daraus, dass die heutige Allgegenwärtigkeit der Telefone, bzw. Mobiltelefone scheinbar als selbstverständlich angesehen wird: „Damit aber ist das Telefon nicht nur das unauffälligste - sondern zugleich das unterschätzteste Kommunikationsmittel der Gegenwart“.3

Die Bedeutung des Handys im Leben Jugendlicher soll im Zusammenhang mit den veränderten Sozialisations- und Lebensbedingungen der heutigen Zeit erläutert und somit seine kommunikative Funktion zur Pflege bestehender Sozialkontakte hervorge- hoben werden. Die Analyse der Nutzungsmotive und der kontaktierten Personen kann vor dem Hintergrund der theoretischen Ausführungen zu den gewandelten Sozialisa- tionsbedingungen Jugendlicher unmittelbaren Aufschluss darüber geben, in welcher Art und Weise sich Heranwachsende durch die Nutzung des Mobiltelefons an Modernisie- rungsprozesse anpassen.

Als in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die Marktpreise der Mobiltelefone sanken, ahnte niemand, in welch rasantem Tempo sich die Zahl der Handynutzer in Deutschland erhöhen würde. Die Tatsache, dass in der Öffentlichkeit telefonierende Menschen inzwischen zum Alltag gehören, lässt erkennen, welch unübersehbaren sozialen Stellenwert das Mobiltelefon mittlerweile in der Gesellschaft eingenommen hat. Den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Folge gehört inzwischen in 86 Prozent aller deutschen Haushalte ein Handy zur Standardausrüstung. Unter den 10 bis 24 Jährigen liegt der Anteil derer, die ein Handy besitzen, sogar bei 97 Prozent.4 5

Demzufolge nehmen Jugendliche im Zusammenhang mit dem Thema Handybesitz und -nutzungsverhalten eine wichtige und interessante Rolle ein. Sie leben in einem Zeitalter der globalen Vernetzung, in der durch technische Kommunikationsmöglichkeiten wie Internet, E-Mail, Chatroom oder Handy die Kontaktaufnahme zu Gleichaltrigen und anderen sozialen Bezugspersonen zu jeder Zeit, an nahezu jedem erdenklichen Ort ermöglicht wird. Sie wachsen in einer Gesellschaft auf, deren Lebensmottos geprägt sind von Begriffen wie Erlebnisorientierung, Multimedialität, permanente Kommunikationsbereitschaft und Mobilität.

In den vergangenen Jahren rückten empirische Studien zum Handynutzungsver- halten vermehrt ins Interesse verschiedener Personengruppen (Wissenschaftler, Her- steller, Verbraucherschützer, Netzbetreiber, Pädagogen etc.) mit dem Ziel, das mannig- fache Verhalten der Handybesitzer zu analysieren und zu prognostizieren. Gewarnt wur- de einerseits vor den schädlichen Auswirkungen, die der Handygebrauch möglicherwei- se auf die Gesundheit, die zwischenmenschliche Kommunikation und das soziale Zu- sammenleben haben könnte. Gesundheitsschädigende Strahlenbelastungen, Verschul- dungsfallen für Jugendliche, die durch Kurznachrichten (SMS)6 bedingte Verkümme- rung der Sprache oder die Störung der privaten und öffentlichen Sphären sind nur einige der Inhalte, die in Medien und Wissenschaft thematisiert werden. Dagegen stehen die Argumente anderer Personengruppen, welche die positiven Auswirkungen der Handy- nutzung auf das soziale Zusammenleben hervorheben. Hier ist beispielsweise die Hypothese zu nennen, dass durch den Besitz eines Mobiltelefons ständige persönliche Erreichbarkeit ermöglicht und somit die Wahrscheinlichkeit zu sozialer Kontaktaufnahme bedeutend erhöht wird.

Wie zahlreiche Studien belegen, dient das Handy den Jugendlichen nicht mehr nur als Möglichkeit zur mobilen Kommunikation, sei es per SMS oder Anruf, um regelmäßigen Kontakt zu Gleichaltrigen und anderen Bezugspersonen herzustellen. Es ist mittlerweile zu einer Art Multigebrauchsgegenstand avanciert.7 Integrierte Organisationsfunktionen wie Wecker, Kalender- und Erinnerungsfunktionen helfen ihnen, den Alltag zu strukturieren. Zugleich kann es durch individualisierte Nutzung (z.B. Handydesign, individueller Klingelton) zur Identitätsfindung beitragen.8

Die Betrachtung der jugendlichen Sozialisationsphase, die zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben Heranwachsender und Darstellung ihrer verschiedenen sozialen Lebensbereiche sollen neben der Erläuterung moderner Individualisierungs- und Identitätsfindungsprozesse sowie dem Wandel lebensphasenspezifischer Bedingungen in modernen Gesellschaften als theoretische Bausteine dazu dienen, die intensive Handynutzung Jugendlicher zu untersuchen und zu erklären.

Das Ziel der vorliegenden empirischen Arbeit ist es, herauszufinden, welche Handy- nutzungsmotive Jugendliche haben und welche Personengruppen sie bevorzugt kontak- tieren. Hierbei soll von der Annahme ausgegangen werden, dass Jugendliche ihre Mo- biltelefone zur Bildung sozialer Netzwerke nutzen und darauf achten, ständig mobil erreichbar zu sein. Dies kann einen Teil zur Erklärung beitragen, welcher soziale Nutzen sich aus der mobilen Kommunikation ergeben kann. Als Untersuchungsgegen- stand für die standardisierte schriftliche Befragung wurden Schüler9 (N = 123) im Alter zwischen 16 und 19 Jahren der Kleinstadt Euskirchen in Nordrhein-Westfalen sowie der Großstadt Berlin ausgewählt. Da Angehörige dieser Altersgruppe Handys intensiv nutzen und in regem Kontakt zu Gleichaltrigen, Freunden und Familienangehörigen stehen, wurde diese Auswahl bewusst getroffen. Hinzu kommt, dass sie sich in einer Phase der jugendlichen Sozialisation befinden, die den Übergang zwischen Kindheit und Erwachsenenalter darstellt und somit von nachhaltigen Orientierungs-, Identifika- tions- und Problemlösungsbemühungen, bezogen auf die gegenwärtige und die zukünf- tige Lebensspanne, geprägt wird. Die Wahl zweier Städte mit unterschiedlich hohen Einwohnerzahlen10 für die Stichproben erfolgte, um herauszufinden, ob sich ein signifi- kanter Unterschied im Handynutzungsverhalten jugendlicher Groß- und Kleinstadtbe- wohner feststellen lässt. Auf Grund der ungleichen Stadtstrukturen und Lebensgewohn- heiten könnte theoretisch von einem divergierenden Nutzungsverhalten ausgegangen werden. Zusätzlich zu den Handynutzungsmotiven und kontaktierten sozialen Bezugs- gruppen interessierte die Frage, ob Jugendliche - je nach der Größe der Stadt, in der sie wohnen - eine veränderte Wahrnehmung für private Kommunikation in der Öffentlich- keit haben. Empfinden es Jugendliche in der heutigen Zeit, in der die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit gänzlich zu verschwimmen scheinen und jegliche Intimi- täten in den Medien thematisiert werden, als alltäglich, per Handy in der Öffentlichkeit zu telefonieren oder ist es ihnen unangenehm, dass andere ihnen bei ihren Gesprächen zuhören können?

Die Arbeit gliedert sich in neun Teile. Nach dem einleitenden ersten Kapitel folgen in den Kapiteln zwei bis sechs Ausführungen zum theoretischen Bezugsrahmen der Arbeit. In Kapitel zwei wird auf die Sozialisationsphase Jugend mit ihren spezifischen Entwicklungsaufgaben und in den beiden Unterpunkten (2.2.1 und 2.2.2) auf die Be- griffe Identität und Individualisierung eingegangen. In Kapitel drei kommt es zur Erläuterung der wichtigsten sozialen Lebensbereiche und Bezugsgruppen Heranwach- sender. In Kapitel vier folgt die Darstellung der veränderten Sozialisations- und Lebens- bedingungen, mit denen Jugendliche konfrontiert werden und ihre daraus resultierenden Anpassungsleitungen, die erbracht werden müssen, um den Lebensbedingungen der heutigen Zeit und den sich ändernden sozialen Anforderungen Stand halten zu können. Kapitel fünf dient der beschreibenden Übersicht über das mobile Kommunikationsmedi- um Handy. In einem Exkurs soll speziell auf das Thema Mobile Kommunikation zwi- schen Privatheit und Öffentlichkeit eingegangen werde. Nachfolgend werden die spe- ziellen Merkmale, die das Mobiltelefon auszeichnen - hier besonders die schriftliche Kurznachricht (SMS) und das Handytelefonat - hervorgehoben. Kapitel sechs widmet sich der Mobilkommunikation in sozialen Beziehungsgeflechten Jugendlicher, wobei eine Verbindung zwischen den in Kapitel drei beschriebenen sozialen Bezugsgruppen und der in Kapitel fünf erläuterten Funktionen der mobilen Kommunikation hergestellt wird. In Kapitel sieben folgen Angabe über Konzeption und methodische Vorgehens- weise der empirischen Untersuchung. Kapitel acht dient der Darstellung der Untersu- chungsergebnisse. Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse der Fallstudie in Kapi- tel neun erfolgt in Kapitel zehn eine Schlussbetrachtung und Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf den vorangestellten Theorieteil sowie ein Ausblick für zukünftige For- schungsmöglichkeiten.

2 Jugend als Sozialisationsphase

Werden in Wissenschaft und Praxis Begriffe wie Jugend, Jugendliche oder Jugendphase thematisiert, so werden in diesem Zusammenhang meist ebenfalls Ausdrücke wie Sozialisation oder Sozialisationsphase genannt. Um die Jugendphase als einen zentralen Entwicklungsabschnitt in der menschlichen Sozialisation erklären zu können, ist es sinnvoll, anfänglich den Begriff Sozialisation zu definieren, um im weiteren Verlauf auf die spezifischen Anforderungen und Entwicklungsaufgaben dieses Lebensabschnittes eingehen zu können.

2.1 Sozialisation

Der Begriff der Sozialisation ist ein sozialwissenschaftlicher Ausdruck und bezeichnet laut Hurrelmann:

„[…] den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung ver- sehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbeding- ungen weiterentwickelt. Sozialisation ist die lebenslange Aneignung von und Aus- einandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen, die für den Menschen die `innere Realität´ bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die `äußere Realität´ bilden.“11

Hurrelmanns Definition geht davon aus, dass der Mensch einerseits unter Beeinflussung seiner äußeren Umwelt steht, diese jedoch andererseits zugleich durch eigene Aktivitäten effektiv mitgestalten kann. Aus der Tatsache, dass Sozialisation als lebenslanger Prozess angesehen wird, kann geschlossen werden, dass der Mensch sich sein gesamtes Leben sowohl mit inneren (auf eigene Persönlichkeit / Charaktereigen- schaften und den eigenen Körper bezogen) als auch mit äußeren (auf materielle und soziale Umwelt bezogen) Anforderungen auseinandersetzen muss und dabei im Laufe der Zeit individuelle Persönlichkeitsmerkmale ausbildet bzw. seine Persönlichkeit an sich ändernde Umweltbedingungen anpasst. Demzufolge kann die Sozialisationsphase nicht nur auf bestimmte Lebensspannen beschränkt werden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sowohl während der Kindheit als auch während der Jugend- phase einige der wichtigsten Sozialisationsereignisse eines jeden Menschen stattfinden, die ihn zeitlebens prägen.

Sozialisationsprozesse bewirken mit anderen Worten das „[…] Hineinwachsen eines Menschen in eine bestimmte Kultur.“12 Von dieser kulturellen Gemeinschaft wird er vergesellschaftet, indem er lernt, vorgeschriebene Normen und Wertvorstellungen zu akzeptieren und zu übernehmen. In sozialen Gemeinschaften entstehen somit zwischen- menschliche Handlungsbezüge, welche von den einzelnen Individuen erlernt und gelebt werden. Hieraus lassen sich wiederum individuelle Handlungsorientierungen ableiten, auf die sich die Individuen in ihren sozialen Interaktionen beziehen. Sozialisation ist folglich ein „[…] Prozeß der Auseinandersetzung mit der ökologischen sowie der sozio- kulturellen Umwelt und mit sich selbst.“13 Eine wichtige Bedeutung bezüglich individu- eller Handlungsorientierungen nehmen hier die Begriffe der persönlichen und sozialen Identit Ät ein, auf die in Kapitel 2.2.1 näher eingegangen wird.

Im Laufe seines Lebens baut der Mensch soziale Bindungen zu anderen Individuen auf. Je nach Lebensphase existieren verschiedene Instanzen, die ihn in seiner Sozialisation und somit in seiner Persönlichkeitsentwicklung entscheidend unterstützen und prägen. Für Jugendliche können die Sozialisationsinstanzen Familie, Schule, Gleichaltrigengruppe, Partner und Medien als zentral angesehen werden.14 Aus diesem Grund wird in Kapitel drei noch einmal genauer auf diese sozialen Bezugsgruppen bzw. Sozialisationsinstanzen eingegangen.

2.2 Entwicklungsaufgaben und Grundbedürfnisse des Jugendalters

Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass die Lebensspanne Jugend den Übergang zwischen der Kindheit eines Menschen und seinem Eintritt in das Erwachsenenalter darstellt. Die Jugendphase, auch als Adoleszenz bezeichnet, umfasst in etwa die Zeitspanne zwischen dem 13. und 21. Lebensjahr. Kennzeichnend für diese Lebensphase ist, dass der Heranwachsende beginnt, eine eigene Identität, Individualität und Persönlichkeit verstärkt auszubilden. Er versucht, sich allmählich vom Elternhaus zu lösen, Gedanken bezüglich der Berufswahl und eigener Zukunftspläne zu konkretisieren sowie eine gewisse Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu entwickeln.

In verschiedenen zeitlichen Epochen können die sozialen Rahmenbedingungen, gesell- schaftlichen Veränderungen und somit die sozialen Anforderungen, die an die Jugend gestellt werden, sehr unterschiedlich sein. Infolgedessen erscheint es kaum möglich und ferner wissenschaftlich nicht sinnvoll, eine explizite Alterseingrenzung vorzunehmen, die den Anfang und das Ende dieser Lebensspanne allgemeingültig festlegt.15 Besonders in der heutigen Zeit wird es zunehmend schwieriger, Jugend bezüglich einer Alters- spanne einzugrenzen, denn „[…] alle bisher herangezogenen Bestimmungsmomente, Jugend im Kontext einer fest umrissenen Statuspassage zu definieren, scheinen angesichts der vielen kontingenten Wandlungen, der zeitlichen Verschiebungen und Entkopplungen von Übergangsereignissen und angesichts der vielfältigen und diskrepanten Verhaltensanforderungen […] nicht mehr weiter zu helfen.“16

Die Jugend von heute ist erheblich anderen Sozialisationsbedingungen ausgesetzt als es beispielsweise noch ihre Eltern oder Großeltern waren. Da die Erfahrungen neuer Generationen nicht oder nur teilweise deckungsgleich sind mit den Erfahrungen vergangener Generationen, müssten in regelmäßigen Abständen eigenständige Definitionen für die Lebensspanne Jugend gefunden werden.

Auffallend ist zudem, dass erst durch die kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen, die mit der Industrialisierung seit Ende des 19. Jahrhunderts einhergingen, „der moderne, neuzeitliche Jugendbegriff entdeckt, erfunden, bzw. konstruiert17 worden ist. Losgelöst von herkömmlichen Betrachtungsweisen, welche die physische Entwicklung des Jugendlichen in den Vordergrund stellten, wurde die Jugendphase fortan als biologisch und entwicklungspsychologisch begründbarer, souveräner Entwicklungsstatus anerkannt.18 Mittlerweile gilt die Adoleszenz als eine „eigenständige Teilkultur mit eigenen Normen und Verhaltensregeln“19 und ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen.

Von der Idee abkommend, die Jugendphase in Altersangaben bestimmen zu wollen und davon ausgehend Heranwachsende als selbstständig handelnde, kompetente Individuen anzusehen, die ihr Leben und ihre Zukunft eigenständig planen und gestalten, gibt es Möglichkeiten „das mit Jugend Gemeinte auf einer eher strukturellen Ebene zu bestimmen“20, und zwar an Hand verschiedener Entwicklungsaufgaben bzw. Grundbe- dürfnisse, die Jugendliche erfüllen müssen.

Rossmann21 und Ferchhoff22 fassen ausgehend von Havighurst23, Dreher/Dreher24 und neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Entwicklungs- bzw. Handlungsaufgaben Jugendlicher wie folgt zusammen:

- Physiologische Bedürfnisse: Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers.
- Bedürfnis nach Zugehörigkeit: Erwerb der maskulinen bzw. femininen sozialen Rolle und Entwicklung neuer und reiferer Beziehungen mit Altersgenossen beiderlei Geschlechts. Hierbei gewinnt die Gruppe der Gleichaltrigen an Bedeutung.
- Bedürfnis nach körperlicher und sexueller Bestätigung: Aufnahme intimer Beziehungen mit einem/r Partner/in.
- Unabhängigkeitsbedürfnis: Gewinnung emotionaler Unabhängigkeit von den Eltern und anderen Erwachsenen und die Hinwendung zu ausgewählten Peers25.
- Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Ich-Entwicklung: Entwicklung einer eigenen Identität und damit verbundener Aufbau der eigenen Persönlichkeit, Selbständigkeit, Selbstsicherheit und Selbstkontrolle, die oftmals verbunden sind mit dem Bedürfnis, anerkannt und akzeptiert zu werden.
- Entwurf eines Lebensplans auf der Basis mehr oder weniger institutionalisierter Ablaufmuster von Lebensläufen: Entwicklung einer eigenen Zukunftsperspektive, Vorbereitung auf die berufliche Karriere und die soziale Platzierung im Gesellschaftsgefüge.
- Vorbereitung auf Heirat und Familienleben: Erwerb von Kenntnissen und so- zialen Fertigkeiten für die bei Partnerschaft und Familie anfallenden Aufgaben.
- Moral- und Normenverständnis: Aufbau eines persönlichen Wert- und Moralsystems sowie ethischen Bewußtseins zur Orientierung für das eigene sozialverantwortliche Verhalten.
- Erwerb von Begriffen und intellektuellen Fähigkeiten zur Ausübung der bürger- lichen Rechte und Pflichten.
- Leistungsbedürfnis (Leistungsmotivation): Wunsch nach Erprobung der neuen kognitiven Fähigkeiten; Erlernung von Achtung und Wertschätzung durch Leistung; Versuch, das andere Geschlecht durch Leistung zu beeindrucken.

Die Inhalte der genannten Entwicklungsaufgaben lassen erkennen, dass eine wichtige Aufgabe der Jugendphase darin besteht, eigenständig Lebenserfahrungen zu sammeln und Persönlichkeitsmerkmale sowie kognitive Fähigkeiten herauszubilden, die bei der Bewältigung nachfolgender Lebensabschnitte von zentraler Bedeutung sind. Die Herausbildung einer eigenen Ich-Identität und Individualität hilft dem Menschen, einzelne Lebenslagen erfolgreich zu bewältigen, sich der persönlichen Einzigartigkeit bewusst zu werden, und trägt gleichzeitig dazu bei, den Wunsch zu befriedigen, von anderen als Individuum anerkannt zu werden. Entwicklungs- bzw. Handlungsaufgaben der Adoleszenz sollten jedoch nie isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit gesel- lschaftlichen Integrations- und Sozialisationsprozessen betrachtet werden. Angesichts gegenwärtiger und vergangener gesellschaftlicher Veränderungen können die oben genannten Handlungsaufgaben nicht als einzige entwicklungspsychologische Erklärung zur Beschreibung der Entwicklungsphase Adoleszenz herangezogen werden, wie auch Ferchhoff/Neubauer treffend feststellen:

„Jenseits dieser entwicklungspsychologisch enggeführten Überlegungen zur Jugend- phase, die zumindest tendenziell die Thematisierung sozialer Strukturen und materieller Lebensbedingungen vernachlässigen und auch den (nicht nur geschlechtsspezifischen) Differenzierungen und Pluralisierungen heutiger jugendspezifischer Lebenslagen und - welten sowie insbesondere den destandardisierenden und entstrukturisierenden Tenden- zen einer individualisierten Lebenslage nicht voll gerecht werden und damit dem sozio- logisch diagnostizierten Phänomen des Strukturwandels der Jugendphase zu wenig Auf- merksamkeit schenken, können in diesem Zusammenhang nur soziologisch angereicher- te Überlegungen und Einsichten weiterhelfen.“26

Die beiden Autoren verweisen hier ausgehend von Ulrich Becks Überlegungen auf gesellschaftliche Individualisierungs-, Destandardisierungs- und Entstrukturisierungs- tendenzen verschiedener Lebenslagen.27 Eine ausführliche Beschreibung veränderter Sozialisations- und Lebensbedingungen heutiger Jugendlicher (s. Kapitel 2.3) sowie die Erläuterung moderner Individualisierungsprozesse (s. Kapitel 2.2.2) soll eine soziologische Herangehensweise als weitere Erklärungsmöglichkeit für die an die heutige Jugend gestellten gesellschaftlichen Anforderungen aufzeigen.

2.2.1 Identität

Obwohl Identitätsfindung als ein lebenslanger Prozess angesehen werden kann, ist er eng mit den Entwicklungsabschnitten der Adoleszenz verbunden. In dieser Lebensphase erhält der Mensch erstmalig die Chance, eine eigene Ich-Identität intensiv auszubilden. Die Tatsache, dass es in dieser Lebensspanne zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Identität kommt, erklärt, warum Probleme im Zusammenhang mit der Identitätsfindung während der Adoleszenz besonders deutlich werden.28

Im (sozial-) psychologischen Sinne meint Identität die Einzigartigkeit eines Menschen, die Summe von Charaktereigenschaften an Hand derer er von anderen unterschieden werden kann. Rossmann versteht unter Identität:

„[…] die Definition einer Person als einmalig und unverwechselbar und zwar sowohl durch die Person selbst wie auch durch ihre soziale Umgebung. Zum persönlichen Erleben von Identität gehört einerseits das Gefühl einer zeitlichen Kontinuität des Selbst, zum anderen die grundsätzliche Übereinstimmung des Selbstbildes mit dem Bild, das sich die anderen von einem machen. Dazu gehört es auch, verschiedene Elemente der eigenen Identität erfolgreich miteinander zu vereinbaren, […] und sich als zugehörig zu einer bestimmten Gruppe mit bestimmten Werten und Idealen zu definieren.“29

In dieser Definition wird deutlich, dass Identität sowohl etwas mit persönlicher als auch mit sozialer Positionierung zu tun hat und infolgedessen zwei verschiedene Arten von Identität existieren. Demnach meint persönliche bzw. personale Identität die nach innen gerichtete Identität mit dazugehörigen Wesensmerkmalen, die sich das Individuum selbst zuschreibt. Soziale Identität beschreibt die Identität, die dem Individuum von außen durch seine soziale Umwelt zugeteilt wird. Beide Identitäten können nicht getrennt voneinander betrachtet werden, da der Mensch sich seiner Einzigartigkeit und personalen Identität erst dann wirklich bewusst wird, wenn er sich in Abgrenzung zu anderen Individuen sehen kann. Somit beurteilt ein Mensch die eigene Persönlichkeit immer auch vor dem Hintergrund seiner sozialen Umwelt, was die personale Identität, die sich ein Individuum selbst beimisst, zumindest teilweise von der sozialen Identität abhängig werden lässt. Beide Identitäten in Einklang zu bringen bedeutet Identitätskon- flikte zu vermeiden, die im Laufe eines Lebens auftreten können. Da auf Heranwach- sende innerhalb kürzester Zeit massive Veränderungen einwirken, ist die in der Adoles- zenz intensiv einsetzende Identitätssuche von besonders einschneidender Auseinander- setzung mit der eigenen Person und der sozialen Umwelt geprägt. Von großer Bedeu- tung ist deshalb, „[…] dass es im Lebenszusammenhang der Individuen verhaltensstabilisierende Ele- mente gibt: Personen und Werte, Bräuche und Sitten, Gruppen und Institutionen. Diese `Elemente´ erlauben Orientierung im Dasein, vermitteln Lebenssinn und Sicherheit für das Alltägliche nur solange, wie sie von einer größeren Gemeinschaft geteilt, überzeugend `gelebt´ und in gewisser Weise verpflichtend gemacht werden können.“30

Angenommen, ein Mensch wäre in einer einsamen Gegend ohne Gesellschaft, soziale Institutionen und jeglichen Kontakt zur Außenwelt aufgewachsen. Er könnte zwar eine personale Identität in dem Sinne ausbilden, dass er sich seiner eigenen Persönlichkeitsmerkmale bewusst wird, jedoch würde ihm die Resonanz Außenstehender fehlen, welche ihm seine soziale Identität verdeutlicht. Die Existenz anderer hebt die Einzigartigkeit eines Menschen hervor, veranschaulicht ihm, welchen Platz er in der Gemeinschaft einnimmt und wie andere auf ihn reagieren. Das Vorhandensein eines Kollektivs ist demzufolge von Nöten, um Identität - nicht nur soziale, sondern auch personale - herzustellen. Beide Identitäten stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander und erst die Entfaltung sowohl persönlicher als auch sozialer Identität lässt es zu, von der Identit Ät zu sprechen, die ein Individuum auszeichnet.

Beim Übergang von der Kindheit ins Jugendalter erhält der Heranwachsende die Möglichkeit, eine eigene Ich-Identität in Abgrenzung zu anderen Gesellschaftsmitgliedern zu entwickeln. Indem er die von der Allgemeinheit vermittelten Werte, Normen und sozialen Strukturen mit seinen eigenen Interessen, Normvorstellungen und Aktionsweisen vergleicht, erhält er ein subjektives Empfinden seiner eigenen Persönlichkeit durch den objektiven Spiegel der Gesellschaft, in der er lebt. Während eigene Handlungsweisen interpretiert werden, kann ein mehr oder weniger schlüssiges Selbstbild entworfen werden, wobei mit Ich-Identität „die Kontinuität des Selbsterlebens auf der Basis des Selbstbildes gemeint“31 ist.

2.2.2 Individualisierung

Im Gegensatz zu dem in Kapitel 2.2 beschriebenen Jugendbegriff ist die Individuali- sierung kein Phänomen, das für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts charakteristisch ist, sondern kennzeichnet bereits frühere historische Epochen der Menschheitsgeschich- te.32 „Individualisierung als realgesellschaftlicher (und nicht nur ideengeschichtlicher) Prozess ist ein soziologisches Konzept, das eine strukturelle Transformation sozialer Institutionen und der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft beschreibt.“33 Er spiegelt den Übergang von der Fremd- zur Selbstbestimmung eines Individuums und Herauslösung aus überkommenen Sozialformen (Verwandtschaft, Nachbarschaft), Sozialmilieus (Arbeitermilieu, Stadt- bzw. Landmilieu, Wohnumgebung) und sozialen Orientierungen (Traditionen, Gewohnheiten, Bräuche) wider.34 Ein erneuter postindus- trieller Individualisierungsschub wird allgemein als ein Phänomen beschrieben, das mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Nachkriegszeit einsetzte. In Anlehnung an den Soziologen Ulrich Beck, der sich diesem Thema in seinem Werk Risikogesellschaft ausführlich widmete, soll im Folgenden der Prozess der Individualisierung zusammen- gefasst werden.35 Dabei ist zu beachten, dass der Begriff Individualisierung schwierig zu fassen ist und häufig gleichgesetzt wird mit Begriffen wie Emanzipation, autisti- schem Massenindividualismus oder Egogesellschaft. Er bezeichnet jedoch eher die Freisetzung aus historisch vorgegebenen und zugewiesenen Rollen bezüglich sozialer Institutionen wie beispielsweise der Familie und neue Formen der Einbindung (Nation, Zivilgesellschaft, Bürgerrechte). Hierbei werden soziale, politische und zivile Grund- rechte an das Individuum adressiert und nicht an Kollektive oder Gruppen.36 Laut Beck entwickelt sich in der postmodernen Gesellschaft eine qualitativ neue Bedeutung und Vielschichtigkeit des Individualisierungsprozesses. Er fasst das Individualisierungstheo- rem zu der folgenden Haupthypothese zusammen:

„Das was sich in den letzten zwei Jahrzehnten in der Bundesrepublik (und vielleicht auch in anderen westlichen Industriestaaten) abzeichnet, ist nicht mehr im Rahmen der bisherigen Begrifflichkeiten immanent als eine Veränderung von Bewußtsein und Lage der Menschen zu begreifen, sondern […] muß als Anfang eines neuen Modus der Ver gesellschaftung gedacht werden, als eine Art `Gestaltwandel´ oder `kategorialer Wandel´ im Verhältnis von Individuum und Gesellschaft.“37

Alte soziale Zwänge wie Standes- und Klassenzugehörigkeit lösen sich Beck zu Folge in postmodernen Gesellschaften gänzlich auf und „der oder die einzelne selbst wird zur lebensweltlichen Reproduktionseinheit des Sozialen“.38 Mit anderen Worten wird das Individuum durch die Auflösung familiärer und generationsübergreifender Sicherheiten selbst zum Gestalter seiner eigenen Lebensplanung und Existenzsicherung.

„Modernisierung führt […] zu einer dreifachen `Individualisierung´: Herauslösung aus historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditionaler Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge (`Freisetzungsdimension´), Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen (`Entzauberungsdimension´) und - womit die Bedeutung des Begriffes gleichsam in ihr Gegenteil verkehrt wird - eine neue Art der sozialen Einbindung (`Kontroll- bzw. Reintegrationsdimension´).“39

Auf der „Suche nach den Grundlagen des eigenen Lebens“40 führt dies im Laufe der Modernisierung unter anderem zu einer Pluralisierung von Lebensstilen, die mit zunehmender Identitäts- und Sinnfindung sowie mit gesteigerter Bildung, Eigenständig- keit und Selbstverwirklichung einhergehen. Im Hinblick auf Lebenslauf und Lebenspla- nung Jugendlicher erzeugen die von Beck beschriebenen Individualisierungs- und Mo- dernisierungsprozesse bei Heranwachsenden zunehmende Eigenverantwortlichkeit und teilweise Unsicherheit bezüglich des eigenen Lebensweges. Sie befinden sich in einer Orientierungsphase, deren erfolgreicher Abschluss eine gewisse Regelhaftigkeit und Strukturvorgabe verlangt. Die Auflösung traditioneller Bindungen, vorgegebener Norm- und Wertvorstellungen sowie die Auflösung klassischer Sozialisationsinstanzen drückt sich unter anderem in „gestiegenen Freiheitsgraden oder zunehmende[r] Verunsiche- rung […] biographischer Prozessverläufe“41 aus.

Einerseits können die gestiegenen Freiheitsgrade, die sich beispielsweise in der Form ausprägen, dass Jugendliche auf Grund der sich auflösenden Klassenzugehörig- keiten nicht mehr wie früher gezwungen werden, die gleiche Beschäftigung wie ihre Eltern auszuüben, sondern frei wählen können, welchen Beruf sie ergreifen wollen und welche Ziele sie in ihrem Leben erreichen möchten, als positiv angesehen werden. Andererseits kann sich die Auslebung der erlangten Freiheitsgrade, wie sie bei heutigen Jugendlichen vielfach beobachtet wird, auch nachteilig auswirken und zwar in dem Sinn, dass sie sich „`hinter dem Rücken der Individuen´ in Entscheidungszwänge verwan- deln.“42 Individuen von heute müssen sich schon sehr früh daran gewöhnen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und lernen „[…] selbstverantwortlich und überzeugend ihr Leben, ihre sozialen Beziehungen, ihre Glücks- und Lebenssinnvorstellungen, kurzum ihre eigene Biographie im Dickicht des Alltagsdschungels mit allen Brüchen, Ambivalenzen und Diskontinuitäten in die Hand zu nehmen“43 und die getroffenen Entscheidungen auch dauerhaft als richtige Wahl anzuerkennen. Wird die Wahl jedoch von Bedenken begleitet, sind Orientierungslosigkeit, permanente Zweifel und der Wechsel bzw. Abbruch getroffener Entscheidungen (Abbruch der Ausbildung/des Studiums, Scheidung etc.) nicht selten die Folge.

Um die Ursachen für die bei Jugendlichen teilweise vorzufindende Orientie- rungslosigkeit und Problematik im Umgang mit gestiegenen Freiheitsgraden erfassen zu können, werden im nachfolgenden Kapitel die Lebensbereiche Jugendlicher erläutert, die als soziale Instanzen helfen, die aufkommenden Unsicherheiten Jugendlicher zu kompensieren.

3 Soziale Lebensbereiche Jugendlicher

Im Leben Jugendlicher existieren diverse soziale Grundgebilde, die das Leben des Heranwachsenden, seine Einstellung gegenüber anderen, seine Persönlichkeit und sozia- le Existenz entscheidend mitprägen.44 Das Vorhandensein stabiler gesellschaftlicher Sozialisationsinstanzen hilft dem Heranwachsenden bei der Verhaltensorientierung, schafft Entlastung (und damit Freisetzung menschlichen Handelns für andere Aufgaben), verdeutlicht das eigene Handeln und seine Folgen und leistet nicht zuletzt Unterstützung und Motivation.45 Auf Grund der gewählten Thematik wird sich die vorliegende Arbeit auf die Sozialisationsinstanzen Familie, Schule, Medien und Freundschaftsbeziehungen - hier insbesondere auf die Gleichaltrigengruppe - begrenzen. Andere Institutionen wie beispielsweise Kirche und Religionsgemeinschaften oder berufliche Ausbildungsstätten werden nicht weiter berücksichtigt.

3.1 Familie

Bei der Betrachtung jugendlicher Sozialisationskontexte werden meist „[…] an erster Stelle der potentiellen oder relevanten Instanzen zur Sozialisation die Eltern bzw. die Familie assoziiert.“46 Klassische Sozialisationstheoretiker versehen die Herkunftsfami- lie häufig mit dem Begriff der prim Ären Sozialisationsinstanz 47, da „[…] Familien in der Regel die früheste und nachhaltigste Prägung der Persönlichkeit eines neu gebore- nen Gesellschaftsmitgliedes vornehmen.“48 Familienmitglieder als erste Bezugsgruppe eines Individuums üben somit einen wichtigen Einfluss auf die Persönlichkeitsent- wicklung und Identitätsbildung der betreffenden Person aus. Bezugspersonen/-gruppen lassen sich dadurch charakterisieren, „[…] daß an ihnen Handeln und Vorstellen, Motive und Einstellungen, Urteile und Vorurteile der Individuen in ganz besonderer Weise orientiert sind.“49

Familiärer Einfluss wird konkret ausgeübt, indem Erziehungs- und Konfliktver- halten, Einstellungen zu Kultur, Gesellschaft, Politik und Religion sowie soziale Um- gangsformen innerhalb der Familie vermittelt werden. Hierbei fallen „quantitative As- pekte des familialen Zusammenlebens wie etwa die Konstellation [...] jugendliche So- zialisationskontexte ebenso wie qualitative Momente, etwa die Art der innerfamilialen Beziehungen oder das Maß sozialer Kontrolle bzw. das Vorhandensein von Freiräu- men“50, ins Gewicht. Ausschlaggebend ist auch die soziale Stellung der Familie sowie ökonomische Mittel, mit deren Hilfe Bildung, Förderung und Freizeitaktivitäten finan- ziert werden können. Sie prägen das Leben des Heranwachsenden entscheidend mit und ebnen ihm nicht selten seine Zukunftsperspektiven hinsichtlich schulischer und univer- sitärer Bildung sowie beruflicher Stellung.

Die Familie als soziale Institution “[…] galt zur Zeit der Entstehung des Begriffes So- zialisation und der Entwicklung der ersten Sozialisationstheorien als Garant für die Si- cherung der gesellschaftlichen Integration und damit der Stabilität der sich differenzie- renden Gesellschaft.“51 In Folge der veränderten wirtschaftlichen, sozialen und kul- turellen Rahmenbedingungen und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Verän- derungen, die in Kapitel vier noch ausführlicher erläutert werden, kam es zu einem zunehmenden Wandel der familiären Kernfunktionen und einem ansteigenden Bedeu- tungszuwachs der nachfolgend beschriebenen Sozialisationsinstanzen. Dieser Vorgang, von Soziologen als Differenzierung52 bezeichnet, beschreibt die „[…] Aufgliederung eines sozialen Systems nach verschiedenen spezifischen Aufgaben, um Leistungsfähig- keit nach innen und Angepasstheit an die Umwelt zu vergrößern.“53 Familien übertrugen im Laufe der Zeit diverse Aufgabenbereiche (Nahrungsproduktion, Bildung, Kinder- und Altenbetreuung etc.) auf andere soziale Institutionen und vergrößerten hierdurch den Einfluss dieser sozialen Systeme auf heranwachsende Gesellschaftsmit- glieder.

3.2 Schule

Die soziale Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Teilsysteme hatte zur Folge, dass fa- miliäre Erziehung von Laien (Eltern, Geschwister, Verwandte) auf gesellschaftlich organisierte Erziehungs- und Bildungssysteme übertragen wurde. Oftmals werden schulische Bildungsinstitutionen deswegen auch als sekund Äre Sozialisationsinstanzen54 bezeichnet. Die professionell ausgebildeten Fachleute, die in diesen Bildungsorganisa- tionen arbeiten, sind jedoch stark auf Vorgaben angewiesen, die sich aus der familiären Sozialisation ergeben.55

Der Besuch einer Schule ist in Deutschland obligatorisch. Grundsätzlich wird Schule für die Mehrzahl der Schüler als eine Pflichtinstitution betrachtet, deren Besuch als selbstverständlich und legitim gilt.56 Die Schule übernimmt primär die Aufgabe der fachlichen Bildung ebenso wie Teile der anfallenden Erziehungsaufgaben. Gute Noten, Fremdsprachen und ein hoher Schulabschluss verbessern die Zugangsmöglichkeiten zu weiterführenden Ausbildungseinrichtungen (Berufsausbildung, Hochschule) sowie gut dotierten Jobs. Schule hebt das Bildungsniveau der Schüler an und leistet folglich einen erheblichen Beitrag für ihre berufliche und soziale Zukunft.

Jugendliche verbringen einen nicht unerheblichen Teil ihres Lebens in dieser Bildungseinrichtung, wobei die Ausbildungszeiten in den letzten Jahrzehnten noch einmal beträchtlich angestiegen sind.57 Schule ist die erste gesellschaftlich organisierte Institution, in der Heranwachsende konkretes Wissen, Einstellungen und fachliche Fertigkeiten vermittelt bekommen. Schule kann somit als „bestimmender Eckpfeiler ihrer individuellen und sozialen Existenz“58 angesehen werden, der von Bedeutung für ihre persönliche Entwicklung ist, weil „[…] die schulische Sozialisation zur Überwin- dung der `Kindheitsidentifikationen´ […] und zur `Neustrukturierung des Ich´ herausfordert bzw. anleitet.“59

Neben den Erziehungs- und Bildungsaspekten und der verstärkten Herausbil- dung einer eigenen Persönlichkeit in Abgrenzung zu anderen kann der Schule noch ein weiterer positiver Effekt zugesprochen werden, denn sie gilt als zentraler Ort für Gleichaltrigenkontakte und begünstigt somit Freundschaftsbildung: Ein Großteil der Kontakte zu Gleichaltrigen kommt in der Schule zustande, wobei ihre Existenz auch au- ßerhalb dieser Einrichtung eine wichtige Rolle im Leben und für die Entwicklung Ju- gendlicher spielt.60 Während die soziale Kontrolle bzw. Einflussnahme einiger Soziali- sationsinstanzen (bspw. Elternhaus, Geschwister, Nachbarschaftsbeziehungen) mit zu- nehmendem Alter der Heranwachsenden nachlässt, hat die Schule den Vorzug, dass hier Kontakte zur wichtigen Bezugsgruppe der Gleichaltrigen hergestellt werden können. Dies hat wiederum positiven Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler, die in der Schule Verhaltensweisen und Umgangsformen erlernen, die wichtig für die Integration innerhalb einer sozialen Gemeinschaft sind. So lernen sie die Bedeutung von Gruppenzugehörigkeit kennen, erfahren, was es heißt, andere zu respektieren, nicht immer selbst im Mittelpunkt zu stehen und in der Gruppe gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Hierdurch lernen sie viel über ihre eigene Persönlichkeit kennen und gleich- zeitig die Handlungsweisen und Charaktere ihrer Mitschüler und Lehrer zu akzeptieren.

Schule ist demzufolge neben dem Elternhaus nicht nur eine wichtige Sozialisa- tions- und Bildungsinstanz sondern auch ein Ort der Gemeinsamkeit mit der Option, regelmäßig Kontakt zu Altersgenossen aufnehmen und intensive Freundschaften bilden zu können.

3.3 Freizeit, Konsum und Medien

Mit dem Ausdruck Freizeit „[…] wird meist der von der überwiegend fremdbestimmten Berufs- und Lernarbeit entlastete Zeitraum eines Menschen bezeichnet, der nach freiem Ermessen ausgefüllt werden kann.“61 Besonders im Leben heutiger Jugendlicher nimmt die Freizeit mit ihren reichhaltigen Entfaltungsmöglichkeiten einen zentralen Stellen- wert ein, denn hier werden im Austausch mit anderen Meinungen und Einstellungen gebildet, Probleme ausdiskutiert und Kontakte zu Gleichgesinnten geknüpft.62 Parallel dazu „ist dieser Zeit- und Lebensraum offen für die Einflüsse der kommerziellen Freizeit-, Kultur- und Medienindustrie“63, die mittlerweile durch diverse Konsum- sowie Medienrezeptionsmöglichkeiten einen nicht unbedeutenden Einfluss auf das Le- ben Jugendlicher ausübt. Da jene Momente, die Jugendliche heutzutage mit Freizeit ausschmücken können, im Gegensatz zu vergangenen Epochen erheblich zugenommen haben, ist es wichtig, auf die Bedeutung einzugehen, die Heranwachsende ihrer freien Zeit zuschreiben:

„War Freizeit […] noch um die Jahrhundertwende eine rare Ressource und konnte nur von bürgerlichen Jugendlichen wahrgenommen werden, ist sie gegenwärtig ein Be- reich, der immer mehr Raum einnimmt, individuelles Handeln sowie gesellschaftliche Elemente enthält […].Insbesondere der außerpädagogische Freizeitbereich ist für Jugendliche ein Moratoriums-, Konsum-, Sozialisations- sowie Distinktions- und Identifikationsraum geworden, der auf vielfältige Weise mit gesamtgesellschaftlichen Strukturen verbunden ist.“64

Ihre Freizeit können Jugendliche losgelöst von familiären, schulischen und beruflichen Verpflichtungen autonom gestalten. Sie gehen ihren eigenen Interessen und Hobbies nach, haben Freiraum, sich selbst zu entfalten, zu experimentieren, Freunde zu treffen und sind in der Gruppe der Gleichaltrigen vor Beeinflussungsversuchen Erwachsener geschützt. Einen immer höheren Stellenwert nehmen Medien in der Freizeit Heran- wachsender ein.

Jugendliche von heute verfügen persönlich über so viele technische Geräte und Zugänge zu Medientypen wie keine andere Generation zuvor. Repräsentative Umfragen des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS) aus dem Jahr 2005 haben gezeigt, dass Kinder und Jugendliche inzwischen in Haushalten mit zunehmender Medienausstattung aufwachsen. Dem MPFS zu Folge kann bei Handys, Fernsehgeräten und Computern mittlerweile nahezu von einer Vollversorgung ausgegangen werden. Die Studie beweist ebenfalls, dass Heranwachsende einen erheblichen Teil ihrer Freizeit mit dem Konsum jeglicher Mediengüter ausfüllen.65 Laut einer repräsentativen Studie „Jugend und Geld 2005“ des deutschen Instituts für Jugendforschung (IJF) im Auftrag der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) erhalten 83 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren monatlich durchschnittlich 47 Euro Taschengeld von ihren Eltern.66 Zusammen mit den Geldbeträgen, die sie zwischen- durch, zu Geburts- und Feiertagen oder aus Nebenjobs erhalten, verfügen die Heran- wachsenden über nicht unerhebliche Geldsummen, die sie eigenhändig ausgeben können. Die meisten ihrer Ausgaben tätigen sie in der Freizeit und nicht selten zu- sammen mit Gleichaltrigen.67

Obwohl viele Jugendliche sich durch Nebenjobs Geld verdienen, bleiben sie bis zum Eintritt ins Berufsleben in materieller Hinsicht von ihren Sorgeberechtigten ab- hängig. Der „heute weitgehend kommerzialisierte, durch privatwirtschaftlich organisier- te Firmen getragene `Freizeitmarkt´“68 weiß von der Kaufkraft der heutigen Jugend- lichen und der Tatsache, dass sie ein gewisses Mitspracherecht bei den Kaufentschei- dungen ihrer Eltern haben. Jugendliche sind ständig auf dem neuesten Stand technischer Entwicklungen und Neuerungen und werden häufig von ihren Eltern konsultiert, da diese sich in der immer größer und unübersichtlicher werdenden Konsum- und Wa- renwelt meist schlechter zu Recht finden als ihre Kinder. Aus diesen Gründen versucht die Werbeindustrie durch extra auf Jugendliche zugeschnittene Werbemaßnahmen, die Kaufkraft und Konsumentenrolle ihrer jungen Kunden geschickt zu nutzen und erkennt sie somit als vollwertige Gesellschaftsmitglieder an. Hurrelmanns Feststellung unterstreicht diese Entwicklung:

„Über die Freizeitaktivitäten finden Jugendliche heute sehr früh in ihrer Lebensge- schichte einen Zugang zur Konsumentenrolle. Diese ` Konsumentenrolle ´ lernen sie teil- weise virtuos zu beherrschen, so daß sich ihr Verhalten in diesem Bereich nicht von dem der Erwachsenen unterscheidet. Das freizeitliche Konsumverhalten hat in dieser Hinsicht entwicklungsfördernde und auch verhaltensstabilisierende Effekte und gehört zu den Verhaltensbereichen, in denen Jugendliche ihren Status als `Minderjährige´, die noch nicht voll in wichtige gesellschaftliche Partizipationsbereiche eingegliedert sind, nicht zu spüren bekommen. Hier liegt sicherlich eine der Attraktionen für die Zuwendung Jugendlicher zum Freizeitbereich, denn ihnen wird im Unterschied zum Leistungsbereich in diesem Sektor eine relativ hohe soziale Autonomie zugestanden, die mit der Vergabe von Selbständigkeit und freier Verfügbarkeit eine erhebliche Aus- strahlung in andere Lebensbereiche von Jugendlichen haben kann.“69

Besonders die Lebensbereiche, in denen Jugendliche Kontakt zu Gleichaltrigen und Freunden haben, werden häufig mit Konsumgütern, Medien und Freizeit in Verbindung gebracht. In Kapitel 3.5.3 wird aus diesem Grund auf die jugendlichen Verhaltensweisen im Konsum-, Freizeit- und Medienbereich in Verbindung mit der Gleichaltrigengruppe noch einmal gesondert eingegangen.

3.4 Paarbeziehung

Mit Eintritt in die Pubertät beginnen junge Leute, sich allmählich für das andere Geschlecht zu interessieren und verspüren den Wunsch, erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Bedingt wird dieses Verlangen durch mehrere Faktoren. Zum einen durch physische Veränderungen wie vermehrte Hormonproduktion, zum anderen erlangen Jugendliche mit Eintritt in die Adoleszenz ein zunehmendes Gespür für den starken Partnerbezug, welcher in der Erwachsenenwelt herrscht.70 Dieser Wunsch nach Zunei- gung wird von den meisten Gleichaltrigen geteilt und erste partnerschaftliche Erfah- rungen in Gesprächen mit diesen und häufig mit dem besten Freund thematisiert. Dieser Themenbereich, der bis dato lediglich die Erwachsenenwelt tangierte, lässt die Jugend- lichen gefühlsmäßig der Entwicklungsstufe des Erwachsenenseins, die sie alsbald selbst erreichen werden, ein Stück näher kommen.

Annäherungsversuche können anfänglich noch stark von Unsicherheit oder Imponiergehabe geprägt sein. Die ersten Beziehungen, die Jugendliche eingehen, sind meist nur von kurzlebiger Dauer und dienen eher dem Austesten als der Absicht, den wahren Partner fürs Leben zu finden. Mit steigenden Erfahrungswerten und zunehmender persönlicher Reife entwickeln sich in der Regel stufenweise feste Handlungsbilder, die von mehr Sicherheit geprägt zu festen Beziehungsmustern führen. Ein fester Partner kann dabei positive Auswirkungen sowohl auf die emotionale als auch auf die psychische und kognitive Entwicklung des Heranwachsenden haben. Ju- gendliche, die in einer festen Paarbeziehung sind, zeigen Reaktionen wie gesteigertes Selbstbewusstsein, Ausgeglichenheit und ein höheres Maß an Reife.

Die Zugehörigkeit zu Cliquen und damit einhergehende regelmäßige Peerkontakte helfen den Jugendlichen, Kontakte zum anderen Geschlecht herzustellen und erste Erfahrungen in sexueller Hinsicht zu machen. Die Heranwachsenden in den Cliquen kennen sich und haben weniger Hemmungen, sich untereinander anzunähern als Fremden.71 Neben den nachfolgend genannten positiven Eigenschaften, die Gleichaltrige und Freunde auf die gesamte Entwicklung Jugendlicher nehmen (s. Kapitel 3.5), ist der Aspekt des sexuellen Kennenlernens in der Peer Group eine weitere wichtige Funktion, die in Betracht gezogen werden sollte, wenn die Wichtigkeit von Peerkontakten im Leben Jugendlicher erklärt werden soll.

3.5 Freundschaftsbeziehungen

Freundschaftsbeziehungen nehmen im Leben Jugendlicher eine sehr zentrale Rolle ein. Sie bieten Unterstützung bei der Bewältigung der jugendlichen Entwicklungsaufgaben (allmähliche Ablösung vom Elternhaus, der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkenn- ung, Bewältigung auftretender Entwicklungsprobleme etc.), die bereits in Kapitel 2.2 ausführlich behandelt wurden. Freunde fungieren als Ansprechpartner, Leidensgenossen, geben emotionalen Rückhalt und stellen eine wichtige Sozialisationsinstanz in der Adoleszenz dar.

Werden in der Fachliteratur Themen des Jugendalters behandelt, so treten immer wieder Begriffe wie Clique, bester Freund, fester Freund oder Peer Group auf. Dabei fällt auf, dass „[…] insbesondere der aus den übrigen Beziehungen herausgehobene `beste Freund´ beziehungsweise die `beste Freundin´ gleichen Geschlechts […] eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von engen und vertrauensvollen Kontakten mit einem gemeinsamen Erleben von Gefühlen und Ereignissen“72 spielt. Das Verhältnis zwischen besten Freunden ist im Vergleich zu anderen Freundschaftskontakten sehr viel inniger und beruht auf einer tiefen Vertrauensbasis. Falls sie nicht durch größere räum- liche Distanzen voneinander getrennt leben, verbringt der Heranwachsende meist einen Großteil seiner Freizeit mit dem besten Freund, nimmt regelmäßig Kontakt zu ihm auf und vertraut ihm Dinge an, die er sonst mit keiner anderen Person bespricht.

Ist von der Clique die Rede, so wird dieser Begriff meist synonym für eine Jugendgruppierung verwendet, die sich in informeller Art und Weise zusammenge- schlossen hat. Cliquen zeichnen sich dadurch aus, dass sie aus zahlreichen Mitgliedern bestehen, die gemeinsame Freizeitaktivitäten miteinander unternehmen.73 Zudem sind die Cliquenangehörigen meist gleichen Alters und oftmals auch ähnlicher sozialer Herkunft und haben sich erfahrungsgemäß in der Klasse/Schule bzw. im Betrieb kennen gelernt.74 In der Jugendforschung wird der Begriff der Clique nicht einfach als Syno- nym für Peer Group verwendet, sondern für eine Gruppe spezieller Art, die „[…] sich durch eine (relativ) feste Mitgliedschaft, meist tägliches Zusammensein der Mitglieder und ein gesteigertes Zusammengehörigkeitsgefühl […], das vielfach durch einen besonderen Kleidungsstil kommuniziert wird“75, auszeichnet.

Die Peer Group/Gleichaltrigengruppe kann gewissermaßen als Überbegriff für die Freundschaftsbeziehungen Jugendlicher (Clique, bester Freund, fester Freund) ver- wendet werden, da er eine altershomogene Gruppe kennzeichnet. Aus diesem Grund werden die in der vorliegenden Arbeit behandelten Begriffe Clique, bester Freund, fester Freund unter dem Begriff der Peer Group bzw. Gleichaltrigengruppe zusammen- gefasst.

3.5.1 Die Peer Group als Gleichaltrigennetzwerk

76 Der deutsche Begriff „Gleichaltrigengruppe“ ist die Übersetzung des seit über vierzig Jahren in der angelsächsischen Forschung eingegangenen Begriffs „peer group“.

Ursprünglich „vom lateinischen `par´ (gleich) hergeleitet“77 erfasst der deutsche Aus- druck Gleichaltriger allerdings nicht alle Gesichtspunkte des englischen Wortes. Das deutsche Substantiv Gleichaltriger legt lediglich nahe, den Begriff unter dem Aspekt des Alters zu betrachten, wobei der ursprüngliche Begriff peer group mehr beinhaltet als die Tatsache, dass es Personen gleichen Alters sind, die als Peer Group bezeichnet werden. Begriffe wie Ebenbürtigkeit und Interessengleichheit sollten bei der Verwendung der deutschen Übersetzung hinzugezogen werden.

Menschen gleichen Alters müssen in der Regel identische Entwicklungsstufen durchlaufen. Unter der Gleichaltrigengruppe kann daher ein mehr oder weniger organi- sierter Zusammenschluss von Personen verstanden werden, die sich gegenseitig beein- flussen, etwa gleichen Status und gleiches Alter haben sowie gleiche Entwicklungsauf- gaben bewältigen müssen.78 Kennzeichnend für viele Gleichaltrigengruppen sind ihre „freizeitgebundene Gesellungsform“79 sowie außerschulische Aktivitäten, fernab des Einflussbereichs von Erwachsenen (Familie, Lehrer etc.). Peer Groups „sind dadurch charakterisiert, daß sie ihren Mitgliedern gruppenbezogen vollwertige Teilnahme- chancen gewähren und damit eine Erfahrung in einem als relevant empfundenen sozia- len Raum gestatten, die ihnen in anderen Handlungsbereichen verwehrt bleibt.“80 Im Gegensatz zu anderen Beziehungsformen können Freundschaftsgruppen „[…] wegen der Vertraulichkeit auch Themen aus dem emotionalen und sexuellen Bereich aufgrei- fen, die in der familialen Kommunikation ausgespart bleiben; sie können damit in sen- siblen Bereichen Halt und Unterstützung vermitteln.“81

Am häufigsten wird eine Form der Peer Group angetroffen, bei der sich zu einem festen Kern von befreundeten Mitgliedern andere Personen hinzugesellen, die häufiger wechseln können und unregelmäßiger an den Gruppenaktivitäten der Kerngruppe teilnehmen.82 Da es sich meist um größere Gruppierungen mit mehreren Mitgliedern handelt, ergibt sich ein positiver Effekt, der es Heranwachsenden erlaubt, permanente Unterstützung zu finden, selbst wenn einzelne Peers einmal verhindert oder nicht erreichbar sein sollten; eine Person aus der Gruppe findet sich immer, die bei dringenden Fragen und Problemen kontaktiert werden kann.

3.5.2 Funktionen jugendlicher Freundschaften und Peer Group-Kontakte

Neben der Familie ist die Gleichaltrigengruppe die wichtigste Bezugsgruppe für Heran- wachsende, mit der sie einen Großteil der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit verbringen.83 Die „[…] Doppelorientierung an beiden Sozialisationsinstanzen, Eltern und Gleichaltrigen/Freunden, ist das heute eindeutig vorherrschende Muster der Be- ziehungen im Jugendalter.“84 Die Bedeutung Gleichaltriger im Leben Jugendlicher wird besonders deutlich bei der Verknüpfung von den in Kapitel 2.2 beschriebenen Ent- wicklungsaufgaben und Grundbedürfnissen Jugendlicher mit den nachfolgend beschrie- benen Funktionen, die von den Peers übernommen werden. Mehrere Autoren, darunter Ausubel85, Erikson86 und Eisenstadt87, fassten die sozialen und psychischen Funktionen der Gruppe gleichaltriger Jugendlicher zusammen. Ihre Erkenntnisse dienen als Grund- lage für die nachstehend beschriebenen Punkte:

1. In der Adoleszenz löst sich der Jugendliche allmählich aus seiner Abhängigkeit von den Eltern, die ihm durch ihre Wertschätzung während seines bisherigen Lebens Identität und Status zugestanden haben. In der Pubertät beginnt der Jugendliche, den primären Status, den er sich selbst zuschreibt, langsam zu steigern und möchte auf Grund seiner persönlichen Leistungen und Qualitäten auch von anderen Gesellschaftsgruppen (Gleichaltrigen, Partnern, Lehrern etc.) anerkannt werden. Moderne urbane Gesellschaften gewähren dem Jugendlichen eigenverantwortliches Handeln und Anerkennung, sprich den primären Status, allerdings erst nach einigen Jahren.

Der Kontakt zu Peers wird während der Adoleszenz verstärkt gesucht, da diese wichtige Bezugsgruppe die gleichen Anliegen teilt und das Bedürfnis des primären Status eher zu befriedigen weiß als andere Personengruppen. Des Weiteren hilft die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Altersgenossen, Emanzi- pation zu erlangen und sich von der anerzogenen Vorstellung zu lösen, nur Er- wachsene wüssten, was für den Jugendlichen gut und richtig sei. Die Akzeptanz festgelegter Gruppennormen bekräftigt den Jugendlichen in seinem Gruppenzu- gehörigkeitsgefühl. Da innerhalb der Peer Group Gleichberechtigung herrscht, gesteht er sich und den anderen Mitgliedern eine gewisse Autorität zu. Als Res- pektsperson anerkannt stärkt dies sein eigenes Recht auf Selbstbestimmung. In- dem die Peer Group Identifikationsmöglichkeiten, Lebensstile und Bestätigung für Selbstdarstellungen bietet, leistet sie einen wertvollen Beitrag zur Identi- tätsfindung.

2. Die Aufnahme in einer Gruppe Gleichaltriger erfordert, sich den Gruppen- interessen unterzuordnen, Gruppennormen anzunehmen und sich in gewisser Art und Weise von der Gruppe abhängig zu machen. Hierdurch gewinnt der Jugend- liche ein gesteigertes Selbstwertgefühl, welches sich in einem Zugehörigkeits- empfinden („Wir sind eine Gruppe“) manifestiert. Das „Wir-Gefühl“ vermittelt Jugendlichen Gefühle der Geborgenheit, Zugehörigkeit und Orientierung und leistet somit eine wirksame Ich-Unterstützung, die von Heranwachsenden dringend benötigt wird. Eine insgesamt stabilisierende Wirkung wird der Peer Group zugeschrieben, da sie den Jugendlichen in der schwierigen Übergangs- phase vom Kind zum Erwachsenen hilft, die an sie herangetragenen Entwick- lungsaufgaben zu bewältigen und den Gesamtbelastungen der Adoleszenz stand- zuhalten. Insbesondere Jugendlichen, die aufgrund ihrer sozialen, ethnischen oder religiösen Herkunft Benachteiligungen ausgesetzt sind, wird in der Peer Group ein emotionaler Rückhalt geboten.

3. Die Peer Group als neues Bezugssystem mindert das Gefühl der jugendlichen Desorientierung und Haltlosigkeit. Orientierungslosigkeit besteht sowohl hin- sichtlich der eigenen Lebensaufgabe als auch des individuellen Platzes innerhalb der Gesellschaft. Die fehlende feste Stellung des Jugendlichen in der Gesell- schaft selbst lässt ein Gefühl des Gebrauchtwerdens vermissen. Begleitet werden diese Gefühle durch körperliche Veränderungen, mit denen es umzugehen und die es zu akzeptieren gilt. Normen und Zugehörigkeitsgefühle, die sich innerhalb der Gruppe entwickeln, mindern Gefühle wie Unsicherheit, Scham, Furcht und Unentschlossenheit und helfen, eine eigenständige selbstbewusste Art des ei- genen Denkens, Fühlens und Miteinanderumgehens zu entwickeln. 4. Die Gleichaltrigengruppe dient Jugendlichen als wichtiger Bereich, in dem sie verschiedene Verhaltensweisen erfahren und verinnerlichen. Sie lernen, sich ge- gen Autoritäten (Schule, Elternhaus etc.) aufzulehnen und ihre eigenen Ansich- ten und Handlungen gegenüber der Außenwelt zu verteidigen. Zudem erlernen sie jene Einstellungen, Absichten und Praktiken, die ihnen nicht durch Eltern oder Lehrer übermittelt werden. Soziale Fertigkeiten, Norm- und Zielvorstellun- gen werden in der Gruppe gemeinschaftlich erlernt, und zwar auf integrierende Art und Weise, ohne ständig mit erhobenem Zeigefinger auf eventuelles Fehl- verhalten hinzuweisen.

5. Weiterhin dient die Gleichaltrigengruppe dazu, den neu auftretenden Wunsch nach sexuellem Kontakt zu befriedigen. Da sich Gleichaltrigengruppen meist gemischtgeschlechtlich zusammensetzen, können hier die ersten partnerschaft- lichen Erfahrungen gemacht und Beziehungen leichter geknüpft werden. Gleich- zeitig kann hier ein Normensystem erlernt und ausgetestet werden, das es dem Jugendlichen im späteren Leben erleichtert, sexuelle Beziehungen aufzubauen.

Jugendliche zeigen bestimmte Verhaltensweisen, die typisch sind für die Umbruchphase, in der sie sich befinden. Sie durchleben zeitweilig Perioden, in denen sie motivationslos und arrogant sind, sich von niemandem etwas sagen lassen wollen und jeden Standpunkt in Frage stellen. Diese Situationen werden wiederum abgelöst von Phasen der Unsicherheit, dem Wunsch nach Identitätsfindung und ständiger Suche nach Aner- kennung und Zuneigung durch andere. In dieser Zeit spielt die Gruppe der Gleichaltri- gen eine herausragende Rolle. „Wenn alles im Fluß ist, findet der Jugendliche hier vor- übergehend eine gewisse Ersatzidentität, ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Geborgen- heit.“88 Während Kinder weitgehend die Wertvorstellungen und Verhaltensweisen ihrer Eltern übernehmen, will der Jugendliche sich als selbständige Person erfahren. Bewusst löst er sich zunehmend von den Vorstellungen der Familien- und Erwachsenenwelt und „[…] eben diese vom Jugendlichen mit zunehmendem Alter immer deutlicher wahrge- nommene Differenz mag ihn darin bestärken, seine `eigenen Wege´ zu gehen und sich in Peer-groups und in die mehr oder weniger alternative Jugendkultur zu integrieren.“89 Die Gleichaltrigen erlauben ihm, „[…] mit einer eigenen Mode, eigener Musik, eigenen Umgangsformen ein Stück Selbstgestaltung zu erproben, vielleicht durch `abweichen- des Verhalten´ die Grenzen gesellschaftlich akzeptierter Möglichkeiten zu testen.“90 Die Peer Group dient insofern individueller Orientierung und Identitätsbildung.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Jugendliche sich anderen Soziali- sationsinstanzen wie Eltern, Lehrern usw. in der Adoleszenz nicht vollkommen entzieht, sondern sich bezüglich gewisser Entwicklungsaufgaben lediglich stärker an der Gleichaltrigengruppe orientiert. Im Hinblick auf andere Problemstellungen (ökonomische, berufliche Fragen usw.) greift er jedoch weiterhin auf die Ratschläge und Erfahrungswerte der Erwachsenenwelt zurück.

3.5.3 Freizeit, Mediensozialisation und Konsum in der Peer Group

Der Bedeutung, die Freizeit in Verbindung mit der Peer Group im Leben Jugendlicher einnimmt, ist „ […] besondere Beachtung zu schenken, weil der Jugendliche in seiner Freizeit seinen ureigensten Interessen nachgeht und jene Bedürfnisse zu befriedigen sucht, die vom Schul- oder Berufsleben ausgeklammert sind.“91 Freizeit bedeutet für Heranwachsende Erholung vom zunehmend stressiger werdenden Alltag. Hier können sie ihren eigenen Wünschen nachgehen und losgelöst von elterlichen oder schulischen Vorgaben das tun, wonach ihnen gerade beliebt, sowie eigene Vorstellungen autonom verwirklichen.

Die ersten Freizeit-, Konsum- und Medienerfahrungen machen junge Erwachsene nach wie vor in der eigenen Familie.92 Lösen sich die Jugendlichen jedoch allmählich von deren Einflüssen, so stellen Gleichaltrige „[…] einen Auffangraum für die Entwicklung von Bewältigungskompetenzen und die Strukturierung von Identitätsmus- tern in diesen für die tägliche Lebensgestaltung heute so wichtigen Bereichen dar.“93 Kauf- und Konsumentscheidungen werden besonders stark vom Freundeskreis und der Gleichaltrigengruppe beeinflusst und mit „emotionalisierten Eindrücken“94 versehen. Medien werden häufig nicht allein, sondern zusammen mit anderen Jugendlichen rezipiert. Gemeinsames Musikhören, Playstation, X-Box oder Computerspiele spielen, verschiedene Magazine gemeinsam anschauen, die neuesten Errungenschaften und Pro- duktentwicklungen kommentieren sind nur einige der Tätigkeiten, denen Jugendliche zusammen mit anderen Peers in ihrer Freizeit nachgehen.

[...]


1 Vgl. Hoffmann, D. (2002), S. 9.

2 Vgl. u.a. Barthelmes, J. / Sander, E. (1990; 1997); Hafeneger, B. (2004), Hurrelmann, K. (1997); Hoffmann, D. (2002).

3 Münker, S. / Roesler, A. (2000), S. 7.

4 Vgl. Deutsches Statistisches Bundesamt: http://www.destatis.de/download/d/veroe/Tabellenanhang_Haushalte_IKT2005.pdf.

5 Auch die 25 bis 54 Jährigen stellen mit 95 Prozent eine große Nutzergruppe dar. Eine deutliche Abnahme ist erst bei der Personengruppe ab 55 Jahren zu erkennen, wo nur noch 73 Prozent ein Handy besitzen.

6 Nähere Informationen zur SMS siehe Kapitel 5.3.

7 Vgl. u.a. Döring, N. (2004), MPFS (2005), Ling, R. (2004), Höflich, J. R. (2002b).

8 Vgl. Tully, C. J. / Zerle, C. (2005), S. 11.

9 Die Verwendung der maskulinen Form schließt im Folgenden auch gleichzeitig immer die feminine Form mit ein. Das gleiche gilt für die Begriffe bester Freund und fester Freund.

10 In Berlin leben nach neuesten Angaben knapp 3,4 Millionen Menschen, in der Kreisstadt Euskirchen im Bundesland Nordrhein-Westfalen ca. 55.000 Einwohner.

11 Hurrelmann, K. (2002), S: 15-16.

12 Naudascher, B. (2003a), S. 128.

13 Lüscher, Kurt (1976), S. 146.

14 Vgl. u.a. Hoffmann, D. (2002), Baacke (1983), Schäfers, B. (1998), Rossmann, P. (1996).

15 Vgl. Kyriakidis, N. (2005), S. 12.

16 Ferchhoff, W., Neubauer, G. (1997) S. 114.

17 Ferchoff, W. (1999), S. 67.

18 Ebenda, S. 68.

19 Naudascher, B. (2003b), S. 142.

20 Ferchhoff (1999) S. 71.

21 Vgl. Rossmann, P. (1996), S. 146.

22 Vgl. Ferchhoff, W., Neubauer, G. (1997), S. 117 f.

23 Vgl. Havighurst, R. J. (1981), S. 43 ff.

24 Vgl. Dreher, E., Dreher, M. (1985) S. 56 ff.

25 Zum Begriff der Peers, Peer Group bzw. Gleichaltrigengruppe siehe Kapitel 3.5.1

26 Ferchhoff, W., Neubauer, G. (1997), S. 119.

27 Diese Begriffe sollen hier nicht näher definiert werden. Für weitere Informationen vgl. hierzu Beck, U. (1986): Risikogesellschaft und die Beiträge in Beck, U. / Beck-Gernsheim, E. (1994): Riskante Freiheiten.

28 Vgl. Rossmann, P. (1996), S. 146 ff.

29 Ebenda, S. 146 f.

30 Schäfers, B. (1998), S. 104.

31 Hurrelmann, K. (1997), S. 73.

32 Vgl. Endruweit, G. / Trommsdorff, G. (2002), S. 227. Für weitere Informationen siehe dieselben.

33 Ebenda, S. 227.

34 Vgl. Hurrelmann, K. (2002), S. 128.

35 Für nähere Informationen siehe hierzu auch die Beiträge in Beck, U. / Beck-Gernsheim, E. (1994), Riskante Freiheiten.

36 Vgl. Endruweit, G. / Trommsdorff, G. (2002), S. 227 ff.

37 Beck, U. (1986), S. 205.

38 Ebenda, S. 209.

39 Ebenda, S. 206.

40 Endruweit, G. / Trommsdorff, G. (2002), S. 229.

41 Schröder, H. (1995), S. 20.

42 Schröder, H. (1995), S. 22.

43 Ferchhoff, W., Neubauer, G. (1997), S. 38.

44 Vgl. Schäfers, B. (1998), S. 115.

45 Vgl. Schäfers, B. (1998), S. 105.

46 Hoffmann, D. (2002), S. 49

47 Vgl. Ebenda (2002) S. 49; Schröder, H. (1995); Hurrelmann, K. (1997).

48 Hurrelmann, K. (2002), S. 127.

49 Schäfers, B. (1998), S. 115.

50 Hoffmann, D. (2002), S. 50.

51 Hurrelmann, K. (2002), S. 128.

52 „In seiner allgemeinen Bedeutung bezeichnet der Begriff D. (engl. differentiation) jeden Vorgang oder Zustand der Gliederung eines gesellschaftlichen Gebildes in Teile gleicher oder ungleicher Art oder Funktion. Die Rede von D. (statt: von Auflösung) impliziert die Vorstellung, dass das fragliche Gebilde ganzheitlicher oder systematischer Natur sei und sich im Prozess der D. erhalte.“ (Endruweit, G./Trommsdorff, G. (2002). Soziale Differenzierung bezeichnet eine Form des sozialen Wandels und wird häufig auch als horizontale bzw. funktionale Differenzierung von Gesellschaften bezeichnet. Gemeint ist bspsw. eine Spezialisierung von Institutionen, Stilen oder Berufen. Für nähere Informationen zum Begriff der sozialen Differenzierung siehe u.a. Luhmann, Niklas (1985), Simmel, Georg (1890).

53 Hurrelmann, K. (2002), S. 127.

54 Vgl. Ferchhoff, W. (1999), Hurrelmann, K. (1997), Schröder, H. (1995), Hoffmann, D. (2002).

55 Vgl. Hurrelmann, K. (2002), S. 187 ff.

56 Vgl. Hurrelmann, K. (1983).

57 Vgl. Beck, U. (1986).

58 Schäfers, B. (1998), S. 126.

59 Ebenda, S. 127.

60 Vgl. Böhnisch, L. (1996), S.98 ff.

61 Hurrelmann (1997), S. 159.

62 Naudascher, B. (2003b), S. 144.

63 Ecarius, J. / Fromme, J. (2000), S. 139.

64 Ebenda, S. 139 f.

65 Vgl. JIM-Studie (2005) des MPFS.

66 Vgl. hierzu IJF-Studie (2005).

67 Für nähere Informationen zu den Einkommensverhältnissen Jugendlicher siehe ebenda.

68 Hurrelmann, K. (1997), S. 158.

69 Hurrelmann (1997), S. 158.

70 Vgl. Ausubel, D. P. (1968).

71 Vgl. Stange, H. (1993), S. 219 ff.

72 Hurrelmann, K. (1997), S. 150.

73 Vgl. Ebenda, S. 151.

74 Vgl. Baake, D. (1983), S. 194.

75 Endruweit, G. / Trommsdorff, G. (2002), S. 74.

76 Zum Begriff des Netzwerks siehe Kapitel 4.3.

77 Schäfers, B. (1998), S. 209.

78 Vgl. Naudascher, B. (2003a), S. 120.

79 Hurrelmann, K. (1997), S. 152.

80 Ebenda, S. 152.

81 Ebenda, S. 153.

82 Oerter, R. / Montada, L. (1987), S. 317.

83 Naudascher, B. (2003a), S. 132.

84 Hurrelmann, K. (1997), S. 153f.

85 Vgl. Ausubel D. P. (2003), S. 116-118. ff. und Ausubel, D. P. (1968).

86 Vgl. Erikson, Erik H. (1971; 1981).

87 Vgl. Eisenstadt, S.N. (1966).

88 Naudascher, B. (2003a), S. 135.

89 Schäfers, B. (1998), S. 119.

90 Baake, D. (1983), S. 235 f.

91 Naudascher, B. (2003b), S. 144.

92 Vgl. Barthelmes, J. / Sander, E. (1990).

93 Hurrelman,, K. (1997), S. 157 f.

94 Hurrelmann, K. (2002), S. 246.

Details

Seiten
130
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638892780
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77620
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Handynutzungsverhalten Jugendlicher

Autor

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Titel: Handynutzungsverhalten Jugendlicher