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Strukturen und Netzwerke der informellen Arbeit in Südafrika am Beispiel der Curio-Händler in der Region Kapstadt

Diplomarbeit 2007 116 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Der informelle Sektor
3.1 Probleme des formellen Sektors
3.2 Genese der Erforschung des informellen Sektors
3.3 Definition des informellen Sektors
3.3.1 Dualistischer Ansatz
3.3.2 Dynamischer Ansatz
3.5 Zwischenfazit

4. Südafrika
4.1 Die ethnischen Gruppen
4.1.1 Khoikhoi und San
4.1.2 Schwarze (Bantu)
4.1.3 Weiße (Europäer)
4.1.4 Asiaten
4.2 Die Entwicklung der Apartheid
4.2.1 Wurzeln der Apartheid
4.2.2 Die Apartheid
4.2.3 Homelands
4.2.4 Stadtplanung während der Apartheid
4.2.5 Widerstand
4.2.6 Wirtschaft während der Apartheid
4.2.7 Niedergang der Apartheid

5. Die Wirtschaft Südafrikas
5.1 Agrarwirtschaft
5.2 Der Bergbau
5.2.1 Probleme des Bergbaus
5.3 Industrielle Metropolregionen
5.4 Der informelle Sektor in Südafrika
5.4.1 Kennzeichen informeller Arbeit in Südafrika
5.4.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede des informellen Sektors in Südafrika
5.4.3 Verflechtungen zwischen formellem und informellem Sektor
5.4.4 Maßnahmen zur Unterstützung des informellen Sektors
5.5 Tourismus in Südafrika

6. Simbabwe
6.1 Einleitung
6.2 Die historische Entwicklung Simbabwes von der Kolonialisierung bis zur Unabhängigkeit
6.3 Unabhängigkeit
6.4 Allgemeine wirtschaftliche Situation der Gegenwart
6.5 Probleme der wichtigsten Wirtschaftsbranchen in Simbabwe
6.5.1 Landwirtschaft
6.5.2 Bergbau
6.5.3 Tourismus
6.5.4 Verarbeitendes Gewerbe
6.6 Konsequenzen für die Bevölkerung

7. Strukturen und Netzwerke der Curio-Trader in Kapstadt (Fallstudie)
7.1 Einleitung
7.2 Methodik
7.3 Auswertung Befragung
7.3.1 Teil A
7.3.2 Teil B
7.3.3 Teil C
7.4 Auswertung der Interviews und der teilnehmenden Beobachtungen

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

I. Abbildungsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

III. Interviews

IV. Fragebogen

V. Interviewleitfaden

1. Vorwort

Die Idee zu dieser Diplomarbeit entstand während einer zweiwöchigen Kapstadt-Exkursion (März/April 2005) der Ruhr-Universität-Bochum unter der Leitung von Dr. Jürgen Bleck und Dr. Astrid Seckelmann, die beide auch als Zweit- bzw. Erstkorrektor dieser Arbeit fungieren. In einer Gruppe von insgesamt 16 Studenten wurden die Stadtentwicklung (unter besonderer Berücksichtigung der historisch-politischen Entwicklung Südafrikas), das wirtschaftliche Potenzial und die regionalen physischen Gegebenheiten der Kaphalbinsel sowohl im human-geographischen als auch im physisch-geogra-
phischen Kontext analysiert. Unter anderem stellte uns Dr. Blenck dabei den südafrikanischen Studenten B. N. vor, den er während seiner Zeit als Dozent an der University of Zimbabwe in Harare kennengelernt hatte. N. lebt heute in Kapstadt und studiert an der University of Western Cape Wirtschaft mit Schwerpunkt Management. Sein Studium finanziert er sich mit dem Verkauf von typisch afrikanischen Souvenirs, den so genannten Curios, an Touristen. Auch die Exkursionsteilnehmer kauften ihre Erinnerungsstücke zum großen Teil bei ihm. Da ich im Vorbereitungsseminar zu der Exkursion eine Hausarbeit über die ökonomischen Strukturen Südafrikas mit einem Schwerpunkt auf informeller Arbeit geschrieben hatte, erschien mir diese Erwerbstätigkeit als ein geeignetes Thema für eine Diplomarbeit. Zurück in Deutschland beschäftigte ich mich eingehender mit dem informeller Sektor in Südafrika, fand jedoch noch kein spezifisches Werk in der Literatur, das sich mit dem Curio-Handel auseinandersetzt. So entstand schließlich die endgültige Idee zu dieser Diplomarbeit. Die Datenerhebung führte ich von Anfang Oktober 2006 bis Ende November 2006 vor Ort in Kapstadt durch.

Ein herzlicher Dank gebührt B. N., der mir als Kontaktperson zu den Curio-Händlern diente und mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand.

2. Einleitung

Schon immer sieht sich die Weltwirtschaft einem stetigen Wandel ausgesetzt, der in verschiedenen Theorien wie der „Drei-Sektoren-Theorie“ von Fourastie oder der „Theorie der langen Wellen“ nach Kondratjew wissenschaftlich analysiert wurde. Der jetzige Wandel stellt die Welt vielleicht vor eine ihrer größten ökonomischen Herausforderungen. Zum einen sehen sich stark altindustriell geprägte Staaten mit einem Strukturwandel vom sekundären zum tertiären Sektor konfrontiert: Nicht mehr große Montanindustriekonzerne, sondern Banken, Versicherungen und Unternehmen der IT-Branche erzielen die größten Wachstumsraten. Zum anderen wächst der Einfluss der Globalisierung stetig an. Multinationale Konzerne, die sogenannten „Global Player“, verlagern ihre Produktionsstätten in Länder mit niedrigeren Lohnkosten, um im weltweiten Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben; die wichtigsten wirtschaftlichen Entscheidungen werden nicht mehr in den Regierungen, sondern in den Konferenzräumen der „Global Cities“ wie New York, Paris oder London getroffen. Bildung scheint weltweit zum wichtigsten Gut des Kapitalismus zu werden, Staaten wie Indien oder China, die heute noch als Schwellenländer einzustufen sind, investieren viel in die Ausbildung neuer Computerfachkräfte, sodass ihre Wirtschaft ein für die meisten Industriestaaten unglaubliches Wachstum erfährt.

Dies führt zu einem verstärkten Wettbewerb zwischen den etablierten Industriestaaten und den aufstrebenden Ländern. Doch was passiert mit den Staaten, die bei dieser Entwicklung nicht Schritt halten können, die nicht über die ökonomischen und finanziellen Ressourcen verfügen, um sich im Haifischbecken Globalisierung zu behaupten? Jedes mal, wenn bei uns die neuen Arbeitslosenzahlen vermeldet werden, sind diese häufig mit dem Vorwurf verbunden, die Schere zwischen Reichen und Armen werde stetig größer. Aber lässt sich dieser Trend nicht auch auf staatlicher Ebene erkennen?

Während die Globalisierung vorwiegend in der „westlichen Welt“ den Wohlstand der Bevölkerung bestimmt, muss das Gros der Einwohner in den Entwicklungsländern in Lateinamerika oder Afrika täglich ums Überleben kämpfen. Da teilweise keinerlei Industrialisierung stattgefunden hat, ist vor allem in Afrika der primäre Sektor in einigen Ländern noch dominant. Deshalb fehlt es an Arbeitsplätzen für die Bevölkerung, sodass vielen Menschen nur noch die Wahl bleibt, „informell“ – das heißt in der Schattenwirtschaft – ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie arbeiten oder handeln fern staatlicher Regeln oder Arbeitsschutz in einem eigenen kleinen ökonomischen Kosmos und entwickeln dabei zum Teil kleine Strukturen und Netzwerke, um ihre Existenz und die ihrer Familien zu sichern. Daraus folgt: Je schwächer der formelle Sektor ist, desto stärker der informelle Sektor.

Ein zentrales Land für die Herstellung und den Verkauf der Curios ist Simbabwe, das nördlich von Südafrika liegt. Um die Bedeutung dieses Landes für die Händler besser beleuchten zu können, wird das Land in einem eigenen Kapitel gesondert vorgestellt.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Strukturen und Netzwerken im Cluster der Curio-Trader (Souvenir-Händler) in der Region Kapstadt. Im ersten Teil wird der derzeitige Stand der Forschung über die informelle Wirtschaft vorgestellt und analysiert. Der zweite Teil beschäftigt sich mit den informellen ökonomischen Strukturen unter Berücksichtigung der genauen historisch-sozioökonomischen Strukturen Südafrikas. Im dritten Teil wird die empirische Datenerhebung in Kapstadt ausgewertet, um danach im vierten und abschließenden Teil interpretiert zu werden.

3. Der informelle Sektor

3.1 Probleme des formellen Sektors

Formelle und informelle Arbeit existiert in jedem Land der Erde. In Entwicklungsländern wird die Schattenwirtschaft jedoch gänzlich anders eingestuft als in Industrieländern. Besonders in Afrika, Asien und Lateinamerika ist der formelle Sektor zu schwach ausgeprägt um die Arbeitsmarktprobleme nachhaltig zu senken. Für viele Menschen, auch in der urbanen Bevölkerung, ist der informelle Sektor daher die wichtigste oder sogar einzige Einkommensquelle. Der Anteil des informellen Sektors am BIP liegt in einigen Entwicklungsländern bei 90% (Redaktion PROKLA 1999, S. 500).

Ein Problem in Entwicklungsländern ist die Land-Stadt-Wanderung, hervorgerufen durch große Armut in den ländlichen Gebieten, in Kombination mit einem generell starken Bevölkerungswachstum, durch das die urbane Bevölkerung rapide ansteigt. Kennzeichnend für diese Migranten ist ein hoher Anteil junger Menschen, die sich vom Leben in der Stadt mehr Wohlstand versprechen und zudem noch ihre Familien auf dem Land finanziell unterstützen wollen (Schamp 1989, S. 10). Nicht selten wird das Geld für die Reise in die Stadt, eine Ausbildung und Unterkunft vorher von der gesamten Familie zusammengespart. Durch die schwache Ausprägung des formellen Sektors, der das zusätzliche Potenzial an Arbeitskräften nicht auffangen kann, müssen die Menschen nach alternativen Möglichkeiten suchen, um ihre Familien zu ernähren. Auf diese Weise bildet sich ein eigener Wirtschaftssektor, bestehend aus kleinen Handwerks- (Schuhmacher, Kfz-Reparatur, Werkzeugmacher) und Dienstleistungsunternehmen (Hausangestellte, Frisöre, Gärtner, Schuhputzer, Babysitter): der informelle Sektor (Schamp 1987, S. 7).

3.2 Genese der Erforschung des informellen Sektors

Die ersten Aufsätze, die sich mit dem Thema der nicht regulierten Wirtschaft beschäftigten, stammen von britischen Soziologen Ende des 19. Jahrhunderts. Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts lag der Fokus der Wissenschaft, vor allem der Wirtschaftswissenschaftler und der Anthropologen, durch die nahezu erreichte Vollbeschäftigung in der formellen Ökonomie auf dem formellen Sektor (Rogerson 1985, S. 2f). Dann wurde festgestellt, dass in den Städten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas der Arbeitsmarkt in den Städten nicht schnell genug wuchs, um die enorme Nachfrage zu decken (Rogerson 1985, S. 5). 1971 hielt der englische Wissenschaftler Keith Hart auf einer Konferenz am Institute of Development Studies in Sussex, England, einen Vortrag über seine Untersuchung zur städtischen Arbeitslosigkeit in Ghana, bei dem er erstmals die Begriffe „formeller“ und „informeller Sektor“ verwendete (von Frieling 1989, S. 170). Es wurde deutlich, dass informelle Arbeit kein neues Phänomen, sondern schon immer ein fester Teil der Wirtschaft in Ländern mit einer hohen Arbeitslosenquote gewesen ist. Nur war er bis dahin nicht von wissenschaftlichem Interesse. Bis dahin nahm der überwiegende Teil der Ökonomen an, dass Arbeit in Entwicklungsländern mit Lohnarbeit gleichzusetzen sei. Eine Annahme, die sich freilich als falsch herausstellte (Rogerson 1985, S. 4).

Ein wichtiger Faktor zur Etablierung des informellen Sektors war, dass das International Labour Office (ILO) zur gleichen Zeit das Konzept des informellen Sektors in das „World Employment Porgramme“ aufnahm, um „arbeitsorientierte Strategien zur Entwicklung“ (Rogerson 1985, S. 8) zu schaffen. Berichte aus verschiedenen ILO-Projekten bezeichneten informelle Arbeit als potenzielles Mittel, um mit Hilfe eines Entwicklungsprogramms Armut zu lindern (Rogerson 1985, S. 8).

Zudem suchten die Vereinten Nationen nach neuen Forschungsfeldern, da konventionelle Entwicklungsstrategien der westlichen Welt, besonders nach den Ölkrisen in den 1970ern, vermehrt hinterfragt wurden (Rogerson 1985, S. 8).

Ein dritter Faktor war eine steigende Land-Stadt-Migration, die in Asien, Lateinamerika und zum Teil in Afrika zu einer verstärkten Metropolisierung führte. Daraus resultierte eine Arbeitsmarktkrise, die auch von internationalen Entwicklungsagenturen und Regierungen nicht mehr missachtet werden konnte (Rogerson 1985, S. 9)

Aus diesen Gründen rückte der informelle Sektor vermehrt in den Fokus von Anthropologen, Soziologen, Geographen und Wirtschaftswissenschaftlern.

3.3 Definition des informellen Sektors

Obwohl der informelle Sektor und die informelle Arbeit seit nunmehr über 30 Jahren Untersuchungsgegenstand der Forschung sind, ist das größte Problem immer noch, eine einheitliche Definition zu finden. Viele Forscher aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Ressorts haben sich mit dem Thema befasst. Durch die Vielzahl von entstandenen Definitionen sind die empirischen Ergebnisse überwiegend nicht oder nur schwer miteinander vergleichbar.

Im Verlauf der Forschung haben sich zwei wichtige Definitionsansätze herausgebildet: ein dualistischer Ansatz und ein Ansatz, der Verflechtungen zwischen beiden Sektoren erkennt.

3.3.1 Dualistischer Ansatz

Hans-Dieter von Frieling untersucht in einer 1989 verfassten Forschungsarbeit Definitionen, denen der dualistische Forschungsansatz zugrunde liegt. Auch hier unterscheidet er zwei Gruppen:

1. „Der informelle Sektor wird definiert auf der Basis von Individuen bzw. Haushaltsgrößen und deren Stellung im Arbeitsmarkt mit den entsprechenden Folgen für das Einkommen und die Lebenssituation.“ (von Frieling 1989, S. 176)

Diese Definition, die in der Regel die behördliche Sicht widerspiegelt, unterteilt stringent formellen und informellen Sektor in zwei unabhängig voneinander operierende Arbeitssysteme. Abgrenzungskriterien sind etwa Arbeitsschutz, Gewerkschaften oder Mindestlöhne, also der gesetzliche Schutz der formellen Arbeit (von Frieling 1989, S. 176).

Von Frieling kritisiert an diesem Ansatz, dass eine solche Kontrolle und Regulierung im informellen Sektor nicht vorhanden ist, weil es keine Zugangsrestriktionen, eine nahezu unbegrenzte Aufnahmefähigkeit, eine hohe Fluktuation und geringe Qualifikationen gibt. Es ist daher durchaus möglich, dass Arbeiter Löhne sowohl aus dem formellen als auch aus dem informellen Arbeitssektor beziehen können. Die Löhne informeller Arbeit müssen dazu auch nicht zwangsläufig unter denen formeller Arbeit liegen (von Frieling 1989, S. 176).

2. „Der informelle Sektor wird definiert auf der Basis von Aktivitäten und Unternehmen und deren Zugang zu Märkten und Ressourcen.“ (von Frieling 1989, S. 176)

Auf diesem Konzept basiert die in vielen Untersuchungen verwendete Definition des ILO, die Oberbegriffe des formellen Sektors als Vergleichsmaßstab nutzt und den informellen danach bestimmt, was den formellen Sektor nicht kennzeichnet. Informelle Arbeit ist in diesen Fällen mit Klein- und Kleinstunternehmen gleichgesetzt worden (von Frieling 1989, S. 177).

Ist auch dieser Ansatz dualistisch, so ist die Grenze zwischen den beiden Sektoren jedoch nicht exakt bestimmbar (von Frieling 1989, S. 177).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Unterschiede zwischen formellem und informellem Sektor nach dem ILO; (Quelle: Wahnschaft 1989, S. 35)

Während der 1970er Jahre lag dem Forschungsparadigma also ein dualistischer Ansatz zugrunde. Das heißt, es wurde überwiegend angenommen, dass formeller und informeller Sektor jeweils souverän agieren, zum einen die Lohnarbeit und zum anderen die Eigenarbeit. Wichtige Vertreter dieses Ansatzes sind Davies, Santos und Portes (Rogerson 1985, S. 21). Zu kritisieren ist hier, dass diese Definitionen zum großen Teil nicht der Realität angepasst sind, wie Rogerson (1985, 15f) schreibt. Es wird außer Acht gelassen, dass es gleichwohl Hindernisse im Zugang zum informellen Sektor gibt. Der Fokus dieses wissenschaftlichen Ansatzes liegt weniger auf den Beziehungen zwischen den beiden Sektoren, als auf der deskriptiven Analyse ihrer Charakteristika, obwohl informelle Tätigkeiten ebenfalls organisiert und strukturiert sein können.

Hart kritisierte 1976, dass der dualistische Ansatz eine Behinderung für Entwicklungsplanung darstelle (Hart 1976, S. 17). Regierungen von Entwicklungsländern hätten demnach verschiedene Wirtschaftsoptionen:

Eine Strategie wäre es die gesamte Wirtschaft zu informalisieren, durch „Deregulierung, verstärkten Wettbewerb und Niederreißen der Bollwerke des organisierten Kapitals.“ (Hart 1976, S. 17). Die zweite Möglichkeit wäre die gesamte Wirtschaft durch Regierungsprogramme zu formalisieren oder den Status Quo zu erhalten und den Rahmen des formellen Sektors zu erweitern (Hart 1976, S. 17). Für Hart ist aber keine diese Möglichkeiten in der Realität anwendbar.

3.3.2 Dynamischer Ansatz

Gegen Ende der 1970er Jahre entwickelte sich ein weiterer Standpunkt. Die Sektoren wurden von Forschern wie Gerry, Lebrun und McGee nicht mehr als zwei abgeschlossene Systeme bewertet, sondern als miteinander verflochten. Laut ihrer These bestehen Verbindungen zwischen den verschiedenen Produktions- und Distributionssystemen. Zudem seien im informellen Sektor grundlegende Systeme des formellen Sektors und ein gewisser Grad an wirtschaftlicher Unabhängigkeit erkennbar (Rogerson 1985, S. 26ff).

In den 1980er Jahren gewann dieser „dynamische“ Ansatz mehr an Bedeutung. Der Übergang zwischen den Sektoren wird als ein dynamischer Prozess beschrieben, von der Selbstbeschäftigung zur Lohnarbeit. Informelle Arbeit ist vielmehr auf Prozesse fokussiert, nicht allein auf Produktion. Gleichzeitig gab es erste Forschungserkenntnisse über die Involvierung von Haushalten sowohl in formelle als auch in informelle Arbeiten, die durch den „Bielefelder Verflechtungsansatz“ bekannt wurden (Rogerson 1985, S.30).

3.3.2.1 Der Bielefelder Verflechtungsansatz

Der Bielefelder Verflechtungsansatz wurde unter der Leitung von Hans-Dieter Evers und Georg Elwert in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld entwickelt. Die grundlegende Annahme dabei ist, dass eine Ökonomie jenseits der Warenökonomie existiert (Elwert 1985 a, S. 73). Arbeit wurde zunächst in drei Kategorien eingeteilt (Evers 1987 a, S. 2):

1. Schattenwirtschaft

Schattenwirtschaft umfasst alle ökonomischen Tätigkeiten, die nicht von der amtlichen Statistik erfasst werden und damit den Regelungen des Staates entzogen sind.

2. Informeller Sektor

Der informelle Sektor ist ein Teil der Schattenwirtschaft, welcher in kleinen Einheiten marktorientiert produziert bzw. Dienstleistungen anbietet.

3. Subsistenzproduktion

Subsistenzproduktion ist eine gebrauchsorientierte wirtschaftliche Tätigkeit für den Selbstgebrauch und Eigenkonsum außerhalb der marktwirtschaftlichen Beziehungen.

Aus dieser Unterteilung folgt also, dass Schattenwirtschaft sich jenseits des staatlichen Zugriffs bewegt und der informelle Sektor damit einen Gegenpol zur Staatsbildung und Bürokratisierung bildet (Evers 1987 a, S. 2).

Für Evers ist der informelle Sektor gekennzeichnet durch eine „Schicht von Ungesicherten“, die versucht, durch die Ausnutzung ökonomischer Nischen, durch die Mobilität der Arbeitsplatzsuche und der Kombination verschiedener Produktions- und Einkommensquellen ihr Überleben und ihre Reproduktion zu sichern. Diese Definition erklärt auch, warum sich der informelle Sektor in Zeiten von Krisen der formellen Beschäftigung weiter ausdehnt (Evers 1987 a, S. 9f).

Ein grundlegendes Problem der Erforschung des informellen Sektors liegt für Evers darin, dass man diesen statistisch nur sehr schwer messbar machen kann. Es existieren für ihn keine einfachen statistischen Mittel, um zuverlässige und vergleichbare Daten erheben zu können (Evers 1987 a, S.12f).

Nach Evers´ Ansicht sind informelle und formelle Wirtschaft eng miteinander verflochten, da nicht alle Waren, die in informeller Arbeit hergestellt werden, auch informell konsumiert werden können (Bspl. informelle Kleinbauern). Güter und Dienstleistungen können also nicht allein durch die Marktkanäle verteilt werden (Evers 1987 a, S. 16). Daraus resultiert seine These, dass in Entwicklungsländern die Gesellschaftsmitglieder sowohl markt- als auch gebrauchsorientiert produzieren. Auf der Grundlage dieser Annahme hat Evers fünf verschiedene Haushaltstypen definiert (Evers 1987 b, S. 138):

1. F-Typ (formeller Sektor-Typ): Einkommen und Lohnarbeit mit geringer Bedeu- tung der Subsistenzproduktion und keine Einkünfte aus dem informellen Sektor;
2. FS-Typ (formeller und Subsistenz-Sektor-Typ): große Bedeutung des Einkom- mens aus dem formellen Sektor mit erheblichem Konsum aus der Sub- sistenzproduktion;
3. FIS-Typ (formeller und informeller und Subsistenz-Sektor-Typ): hoher Grad der Verflechtungen bei gleicher Bedeutung der drei Reproduktionsquellen;
4. FI-Typ (formeller und informeller Sektor-Typ): Formeller und informeller Sektor sind gleichbedeutend, Subsistenzproduktion ist jedoch relativ unwichtig. Haus- haltseinkommen und -ausgaben sind über den Markt gedeckt;
5. IS-Typ (informeller und Subsistenz-Sektor-Typ): Der informelle Sektor spielt die dominierende Rolle der Einkommensquelle, ist zudem eng mit der Sub- sistenzproduktion verbunden. Formelle Lohnarbeit ist nur von geringer Bedeu- tung.

Subsistenzwirtschaft und Warenproduktion gehen oftmals einher. Zum Beispiel produzieren städtische Kleinbauern, wie schon erwähnt, in der Regel sowohl für den Eigenbedarf, als auch für den Markt, sodass eine Dichotomisierung des Marktes nicht möglich ist. Der ungesicherte Arbeiter versucht also verschiedene Formen von geringen Verdienstmöglichkeiten zu kombinieren und soziale Netzwerke zu ähnlich ungesicherten Personen aufzubauen. Je geringer das Einkommen ist, desto größer muss folglich das Netzwerk der Solidarität sein (Blenck e.a.1985, S. 69). Laut Evers kann keine Ökonomie bzw. Gesellschaft ohne Subsistenzwirtschaft in kleinen Einheiten funktionieren. Nicht nur die Produktionsweisen, sondern auch die Produktionsformen innerhalb der gleichen kapitalistischen Produktionsformen sind verflochten. Hat ein Haushalt unter anderem Zugang zu einem Lohnarbeitsverhältnis, hebt ihn das oftmals über die Armutsgrenze. Der Zugang zur Lohnarbeit wird jedoch erst durch eine kontinuierliche Subsistenzarbeit ermöglicht (Evers 1987 b, S. 139).

3.5 Zwischenfazit

Der informelle Sektor ist ein wichtiges Merkmal der heutigen Ökonomie, besonders in den, aus Sicht der westlichen Welt, Entwicklungsländern. Um ihn besser zu verstehen, muss man sich jedoch vom negativen westlichen Bild der Schwarzarbeit lösen und ihn aus der Sichtweise von Entwicklungsländern betrachten, nämlich als einen Lösungsansatz zur Bekämpfung der Arbeitsmarktprobleme und der damit verbundenen Armut. Besonders in den Städten wächst der informelle Arbeitsmarkt immer stärker, da ständig Menschen vom Land in die Armenviertel der Metropolen ziehen, in der Hoffnung, dort Arbeit und ein besseres Leben vorzufinden. Die Intensität und Größe der informellen Wirtschaft ist abhängig von der Stärke bzw. Schwäche des formellen Sektors. Dabei profitiert auch der formelle Sektor von der informellen Wirtschaft, da oftmals vertikale Beziehungen zwischen den beiden Sektoren bestehen. Informelle Arbeit kann also durch gezielte und strukturierte Unterstützung ein wichtiger Lösungsansatz zur Bekämpfung der Armut in Entwicklungsländern sein.

Die Ergebnisse des dynamischen Ansatzes veranlassten auch das ILO seine eigene Definition zu ratifizieren. So zählt man nun zum informellen Sektor alle Arbeitsplätze in informellen Unternehmen oder alle Personen, die mindestens einen informellen Arbeitsplatz haben. Informelle Unternehmen sind demnach Kleinunternehmen, die in Besitz von Individuen oder Haushalten sind, nicht als von ihren Besitzern finanziell unabhängige gelten und deren Produkte zum Verkauf und Tausch bestimmt sind. Auf einen bestimmten Größenschwellenwert verzichtet das ILO, da dieser abhängig vom jeweiligen Land ist (Hussmann 2004, S. 3)

In dieser Arbeit definiere ich den informellen Sektor anhand der Abgrenzungskriterien der ILO. Dabei gehe ich jedoch davon aus, dass starke Verflechtungen zwischen formellem und informellem Sektor, sowohl auf Markt- als auch auf Arbeitsverhältnisse, bestehen.

4. Südafrika

4.1 Die ethnischen Gruppen

Bevor die Strukturen informeller Arbeit in Südafrika spezifisch untersucht werden können, empfiehlt es sich, auf die soziokulturelle Entwicklung des Landes einzugehen. Die großen ethnischen Disparitäten, und vor allem die Entwicklungen während der Apartheid, der Zeit der gesellschaftlichen Rassentrennung, hatten besonders auf die informelle Ökonomie in Südafrika große Auswirkungen.

Durch die gesellschaftliche Entwicklung während der Apartheid sind die sozialen und ökonomischen Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen von besonderer Bedeutung. Um diese Strukturen, die auch bei der Fallstudie eine wichtige Rolle spielen, genauer zu verstehen, kann nicht darauf verzichtet werden, die während der Apartheid gebrauchten Klassifizierungen der Bevölkerungsgruppen im Fortlauf zu verwenden. Als Grundlage dient die Klassifizierung, die Anthony Christopher 1982 in seinem Werk über Südafrika verwendete.

4.1.1 Khoikhoi und San

Schenkt man der Wissenschaft Glauben, liegt die Wiege der Menschheit im südlichen Afrika, die ältesten menschlichen Funde wurden zum Beispiel in diesem Gebiet gemacht. Als älteste Einwohner Südafrikas gelten die beiden Volksstämme der Khoikhoi und der San, deren frühere Lebensweise als die von Jägern und Sammlern beschrieben werden kann. Ihre Jagdmethoden waren immerhin schon so weit ausgereift, dass sie mit Hilfe von einfachen natürlichen Giften sowie Pfeil und Bogen Wild erlegten (Christopher 1982, S. 22f.).

Heute sind in Südafrika nur noch einzelne direkte Nachkommen der Khoikhoi und San zu finden. Zum einen aufgrund von Assimilation durch die Bantus, zum anderen aber auch durch eine besondere Anfälligkeit gegenüber der Pockenkrankheit, die durch die Europäer eingeschleppt wurde, nahm ihre Population immer weiter ab. Heute sind nur noch in Namibia einzelne Gruppen dieser Volksstämme zu finden (Clark 1994, S.10).

4.1.2 Schwarze (Bantu)

Die Bantu-Völker, deren Ursprungsgebiete das zentrale und vor allem westliche Afrika sind, wanderten vor circa 1.500 Jahren über Ost- in das heutige Südafrika ein. Sie zeichneten sich vor allem durch ein besseres wirtschaftliches Wissen gegenüber den Khoikhoi und San aus. Mit der Zeit bildeten sich viele verschiedene Volksstämme, wie zum Beispiel die Xhosa, Sotho, Venga, Tsonga oder die Nguni als größter Volksstamm, die alle eine eigene separate Sprache entwickelten, sodass die Republik Südafrika heute elf offizielle Sprachen besitzt (Christopher 1982, S. 24). All diese Stämme lebten in Dorfgemeinschaften und versorgten sich besonders durch Landwirtschaft (Christopher 1982, S. 24). Mit der Zeit drangen die Bantus immer weiter in den Westen Südafrikas vor, wodurch es zu Kriegen mit den weißen europäischen Einwanderern kam, die zur gleichen Zeit aus der Richtung des Kaps weiter nach Osten siedelten. Ab dem 17. Jahrhundert zerfielen dann die Königreiche mit Ausnahme des Zulu-Stammes. Dessen König Shaka Zulu gelang es in einer blutigen Zeit der „Mfecane“ durch Gewalt eine große Zulunation zu gründen. Diese Zulunation wurde jedoch später durch den Krieg mit den burischen „Voortrekkern“ zerstört. 1887 wurde das Zululand dann endgültig von den Briten annektiert (Christopher 1982, S. 25f).

4.1.3 Weiße (Europäer)

Als erste europäische Siedlung im südlichen Teil Afrikas wurde Kapstadt als Versorgungspunkt für die Schiffe der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Holländer im Jahre 1652 gegründet, als Jan van Riebeeck damit begann, eine kleine Burg in Küstennähe zu errichten. Auf ihrem Weg zwischen Java und den Niederlanden konnten die Schiffe somit frischen Proviant, vor allem Trinkwasser, bunkern, um zum Beispiel Krankheiten wie Skorbut vorzubeugen. Durch die kleinen Quellen am Fuße des Tafelberges und das mediterrane Klima war das heutige Kapstadt dazu besonders gut geeignet. Relativ schnell gründeten die Holländer im Landesinneren große Farmen, sodass sie den Namen „Buren“, das niederländische Wort für Bauern, bekamen (Christopher 1982, S. 28).

1806 wurde die Kapkolonie dann von den Briten besetzt, die jedoch anfangs ebenso wenig Interesse an einer Besiedlung des Binnenlandes hatten wie die Buren (Christopher 1982, S. 28). Mit der Entdeckung von Edelmetallen wie Gold und Platin (ab 1886) in der Region des heutigen Johannesburg sowie Diamantenschloten um Kimberly (1867) immigrierten viele Europäer im Zuge eines neuen Goldrauschs nach Südafrika, darunter auch Deutsche (Clark 1994, S. 14f).

4.1.4 Asiaten

Ab 1657 „importierte“ die ostindische Kompanie Sklaven aus Madagaskar, bevor im 17. und 18. Jahrhundert auch malaiische Sklaven aus den portugiesischen Kolonien in Ostafrika nach Kapstadt kamen. Diese „Kap-Malaien“ werden gemeinsam mit den Menschen, die aus Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen hervorgingen, seit der Apartheid als „Coloured“ bezeichnet.

Von 1860 bis 1914 kamen zusätzlich aus dem zum britischen Commonwealth gehörenden Indien Arbeitskräfte nach Südafrika, die im Gegensatz zu den anderen asiatischen Volksstämmen jedoch keinen Sklavenstatus hatten (Christopher 1982, S. 33f).

Eine seriöse Bevölkerungsentwicklung der verschiedenen ethnischen Gruppen kann man bis heute nicht darstellen, da den Erhebungsmethoden während der Apartheid andere Kriterien zugrunde lagen, als es im Südafrika der Postapartheid der Fall ist. Daher lassen sich nur allgemeine Tendenzen ableiten:

Die größte Bevölkerungsgruppe ist und waren die Schwarzen, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung stetig wuchs. Heute liegt ihr Anteil nach offiziellen Angaben bei 79%. Der Anteil der Coloureds scheint leicht abzunehmen und lag im Jahr 2001 bei 8,8%, während der der Asiaten/ Inder heute bei ungefähr 2,6% liegt. Die Weißen, die während der Apartheid immer rund 20% der Bevölkerung gestellt haben sollen, machen nach der Bereinigung der Erhebungsmethode nur noch 10,9% aus (Statistics South Africa 2002, S. 10).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Südliches Afrika politisch; (eigene Bearbeitung)

4.2 Die Entwicklung der Apartheid

Das Wort „Apartheid“ ist ein aus dem Niederländischen stammender Begriff und bedeutet Separation. Die von der National Party praktizierte Apartheidpolitik dauerte offiziell von 1948 bis 1994. In dieser Zeit wurde versucht, die verschiedenen „Rassen“ von Menschen im Staat unter dem Leitbild „separate but equal“ vollständig voneinander zu trennen und möglichst wenig Interaktionen zuzulassen (Clark 1994, S. 3).

4.2.1 Wurzeln der Apartheid

Rassendiskriminierung existiert in Südafrika seit der ersten Besiedlung in Kapstadt (1650) durch die Holländer, die versuchten, die Khoikhoi und San durch Handel mit Lebensmitteln auszubeuten. Generell ist dieser Versuch der Ausbeutung von „Eingeborenenstämmen“ ein prägendes Merkmal des Kolonialismus. Die eigentlichen Wurzeln der Apartheid liege jedoch in der Landung der Briten 1795. Die Buren fühlten sich durch die neuen britischen Besatzer unterdrückt und zogen in den 1830er Jahren im sogenannten „Großen Trek“ ins Binnenland, um neue Farmen zu gründen (Kaußen 2003, S. 68). Während dieser Ostwanderung trafen die Buren, die Interesse an großen zusammenhängenden Landgebieten für ihre Farmen hatten, auf die ihrerseits in westliche Richtung ziehenden Schwarzen. Daraus resultierte ein Interessenkonflikt um Boden. Es folgte die Schlacht am „Blood River“ (1838) in Natal, bei dem die Buren gegen einen zahlenmäßig hoch überlegenen Gegner gewannen und sich fortan als ein von Gott auserwähltes Volk betrachteten (Kaußen 2003, S. 68). Durch die Entdeckung von Diamanten (1876) und Gold (1886) stieg das wirtschaftliche Interesse Europas an Südafrika, wodurch sich im Bereich der Minen schnell große Siedlungen und Städte bildeten. Aufgrund größerer finanzieller Möglichkeiten der Briten waren die Minen in britischer Hand. Die Buren wurden von dem sich entwickelnden Reichtum ausgeschlossen (Clark 1994, S. 14f). Daraus entstanden von 1899 bis 1902 die Burenkriege zwischen Buren und Engländern, bei denen beide Seiten hohe Verluste erlitten. Besonders grausam zeigte sich in diesen Kriegen die Einführung britischer Konzentrationslager, in denen burische Familien unter rudimentären hygienischen Bedingungen zu leiden hatten und vor allem viele Frauen und Kinder starben. Zudem brannten die Briten in dieser Zeit mehr als 30.000 burische Farmen nieder und entzogen den Farmern damit ihre Lebensgrundlage. Diese mussten daraufhin als Proletariat in die Städte ziehen (Clark 1994, S. 15f). Dies kam einer Demütigung des stolzen Burenvolkes gleich, die nun auf einer ähnlichen sozialen Stufe wie die Schwarzen und die Coloureds standen. Aus diesem Unterlegenheitsgefühl entwickelte sich ein Selbsterhaltungstrieb gegenüber den Engländern und den Schwarzen, der das Volk noch enger zusammenschweißte. Wie Kaußen schreibt, steigerte sich dieses Gefühl zu einem „Nationalismus zum Erhalt der eigenen Ethnie.“ (2003, S. 74ff). Es wurde ein geheimer „Afrikaaner Broederbond“ gegründet, der die Politik führen sollte und dessen Leitlinie es war, dass sich die „Rassen“ voneinander getrennt und eigenständig entwickeln. Dies war die endgültige Geburt der Apartheididee. Ökonomisch erhoffte man sich einen Aufstieg, indem man Schwarze aus den besseren Arbeitsplätzen verdrängt (Kaußen 2003, 75f).

Ausgehend vom 19. Jahrhundert entwickelten sich bereits deutliche Segregationsstrukturen, die vor allem die Schwarzen als am niedrigsten angesehene Bevölkerungsgruppe benachteiligten. Durch Tötung, Vertreibung und den Entzug politischer, ökonomischer und rechtlicher Autonomie wurde den Bantuvölkern ihre Souveränität genommen, was wiederum deren Selbstvertrauen zerstörte. Das Ergebnis der Vertreibungen war die Schaffung von eigenen Reservaten für die Schwarzen, die gleichwohl auch als Instrument der Arbeitskraftsteuerung dienen sollten (Isert 1997, S. 46f). Ab 1902 gab es dann die erste offizielle politische Segregation, die festlegte, dass Schwarze nur in genau definierten Gebieten territorialen Besitz erwerben durften, zudem wurden ihre Reise- und Arbeitsrechte beschränkt. 20% der Bevölkerung besaßen damals den weitaus größten Teil des südafrikanischen Landes (Clark 1994, S. 21). 1911 wurde im „Mines and Works Act“ festgelegt, dass die besseren Stellen im Bergbau für weiße Arbeiter reserviert bleiben, im selben Jahr setzte der „Native´s Labour Regulation Act“ die Arbeitsbedingungen für Schwarze herab. Ab diesem Zeitpunkt begann also die Ausbeutung schwarzafrikanischer Arbeitskraft in Südafrika. 1913 wurden im „Native´s Land Act“ die genauen Gebiete, in denen Schwarze Grund besitzen durften, festgelegt. 1924 schließlich verloren die schwarzen Arbeiter noch das Streikrecht sowie das Recht auf eine eigene Organisierung. In dieser Zeit übten die Buren bereits politischen Einfluss auf die Engländer aus (Clark 1994, S. 21f). Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts waren schon einige grundlegende Strukturen der räumlichen und ökonomischen Dimensionen der Apartheid geschaffen.

Durch die Rüstungsindustrie während des Zweiten Weltkriegs entstand ein großer Bedarf an neuen Arbeitskräften in den Industriemetropolen. Mehr als eine Millionen Menschen drängten auf der Suche nach Arbeit in die Städte, was eine Mischung der ethnischen Gruppen verursachte (Clark 1994, S. 39). Da der Städtebau diesen Andrang nicht auffangen konnte, bildeten sich erste informelle Armensiedlungen, die Squatter Camps. Immer mehr Schwarze fingen zu dieser Zeit an, sich gegen die Unterdrückung zu wehren, wodurch die weiße Minderheit um ihren Wohlstand und die politische Vormacht fürchtete (Clark 1994, S. 39).

4.2.2 Die Apartheid

1948 gewann die überwiegend von Buren geführte konservative National Party (NP) unter der Führung von D. F. Malan die südafrikanischen Parlamentswahlen, bei denen nur Weiße stimmberechtigt waren (Christopher 1994, S 66). Im Parteiprogramm war festgelegt, dass man einen „christlichen Nationalstaat“ errichten wolle und die Apartheid politisch und institutionell festgelegt werden solle – aufgrund eines verstärkten Feindbilds gegenüber den Schwarzen. Nach der Regierungsbildung wurde die Rassentrennung zügig gesetzlich verankert, da die NP nur von einer Minderheit der weißen Stimmen gewählt wurde und man Angst davor hatte, die nächste Wahl zu verlieren (Clark 1994, S. 43).

Schon 1949 wurden Mischehen zwischen Personen, die nicht der gleichen Ethnie angehörten, verboten. Ab 1950 erließ das neue Regime, in dem fortan weiß für Superiorität und schwarz für Inferiorität stehen sollte, die ersten wichtigen Gesetze. 1950 wurde zunächst der „Population Registration Act“ (PRA) verabschiedet, nach dem jeder Bürger aufgrund von äußeren Merkmalen wie Haar, Nasenform und natürlich Hautfarbe entweder als Schwarzer, Coloured oder Weißer nach Rasse klassifiziert wurde und entsprechende Pässe bei sich tragen musste. Später galt dieses Gesetz auch für Inder und Asiaten (Isert 1997, S. 187). Im gleichen Jahr wurden sämtliche sexuellen Beziehungen zwischen den verschiedenen Ethnien verboten. Aufbauend auf den Population Registration Act folgte ebenfalls 1950 der „Group Areas Act“ (GAA), der die Segregation räumlich vorantrieb (Clark 1994, S. 48f). 1951 wurde als letzten nicht weißen Südafrikanern den Coloureds am Kap das Wahlrecht entzogen. 1953 folgte der „Reservation of Separate Amenities Act“, der die Rassentrennung bis tief in den Alltag regelte. Für Schwarze gab es gegenüber den Weißen getrennte Eingänge in Postämtern und Banken, sie durften nicht mehr an Stränden baden, die für Weiße reserviert waren und mussten eigene Busse benutzen oder sogar auf gesonderten Bänken in Parkanlagen sitzen (Clark 1994, S. 48f). Gleichzeitig wurde eine separate Schulbildung für die Schwarzen beschlossen (Bantu Education Act), die freilich nicht denselben Standard genoss wie die der Weißen und Schwarze daher von höherer Bildung ausschloss. Diese den Alltag bestimmenden Regeln bezeichnete man als „kleine Apartheid“ (Clark 1994, S. 53).

Doch nicht nur die als minderwertig angesehenen Nicht-Weißen wurden unterdrückt. Zur Sicherung der eigenen Macht erließ die Regierung Gesetze, die oppositionelle Bewegungen schon im Keim ersticken sollten. Schon ab 1950 wurden solche Bewegungen mit Hilfe des „Supression of Communism Act“ kontrolliert (Clark 1994, S. 56). Nach dem Massaker von Sharpeville wurden dann Parteien wie der African National Congress (ANC) und der Pan African Congress (PAC) offiziell verboten (Kaußen 2003, S. 78f).

Weitaus größere Auswirkung auf das Leben der Schwarzen in Südafrika hatte die „Große Apartheid“, die unter H. F. Verwoerd, dem Minister für Angelegenheiten der Eingeborenen, vorangetrieben wurde. Sie zielte nicht auf die detaillierte Trennung des alltäglichen Lebens, sondern auf die großräumliche Segregation. Das südafrikanische Land wurde nach den Rassen aufgeteilt, sodass die Schwarzen, die zu dieser Zeit schon mehr als zwei Drittel der Bevölkerung stellten, nur 13% des Landes zugeteilt bekamen. Für sie wurden vor allem im Osten der Republik die „Homelands“ (oder auch „Bantustans“ genannt), errichtet, deren Grenzen ungefähr denen der schwarzen Gebiete von 1650 gleichgesetzt wurden. Um diese gegenüber der schwarzen Bevölkerung zu legitimieren, setzte die Regierung traditionelle Stammeshäuptlinge als politische Führer ein, die aber durch finanzielle Zuwendungen eher als Marionetten des Regimes fungierten (Clark 1994, S. 48f).

4.2.3 Homelands

Die Homelandpolitik orientierte sich an der optimalen Nutzung von Boden für die Weißen, sei es für Landwirtschaft oder Industrie und Bergbau. Während der Apartheid wurden Millionen von schwarzen Familien aus den Städten und anderen Regionen umgesiedelt. Die Schwarzen wurden nach linguistischen Kriterien in sieben Gruppen unterteilt, die dann jeweils ein bestimmtes Homeland zugeordnet bekamen (Isert 1997, S. 190f). Die Homelands waren dabei keine großen zusammenhängenden Gebiete, sondern vielmehr ein völlig systemloses Gebilde einzelner separater, kleinen territorialen Einheiten (Isert 1997, S. 190f). Diese zersiedelte Struktur, die eine geopolitische Kraft der Schwarzen verhindern sollte, bildete zusammen mit der ethnischen Ebene das Gerüst des Apartheidstaates. Die Apartheid brachte jedoch für die wirtschaftlichen Strukturen des Landes erhebliche finanzielle Probleme mit sich, da die Homelands zum Teil weit entfernt von den industriellen Zentren lagen und nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen (Kaußen 2003, S. 83f). Aus diesem Grunde entstanden vor allem für männliche Schwarze an den Stadträndern die Townships, in denen Hunderttausende von Arbeitern, die alle eine Arbeitserlaubnis besitzen mussten, oftmals fernab von ihren Familien wohnten. In den Homelands war die Armut jedoch so groß, dass sie tausende Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Städte trieb. Dabei waren die Transportkosten durch die großen Distanzen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz so groß, dass viele illegal in den Townships wohnten (Isert 1997, S.68). Um den permanenten Zustrom neuer Nicht-Weißer in die Städte zu stoppen, schuf man Maßnahmen, Gesetze und Regeln. Die „Influx-Control“ ermächtigte zum Beispiel jeden Polizisten ohne besonderen Grund, die Ausweispapiere von Nicht-Weißen zu kontrollieren und sie gegegbenenfalls in ein Homeland zurücktransportieren zu lassen falls, falls die Person nicht dazu berechtigt war sich in der Stadt aufzuhalten (Isert 1997, S.213). Ab 1976 versuchte die Regierung, die Homelandpolitik über die Landesgrenzen hinaus zu legitimieren, indem sie die Homelands für unabhängig erklärte. Jedoch wurden diese von der internationalen Staatengemeinschaft zu keiner Zeit anerkannt (Isert 1997, S.59).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Homelands in Südafrika während der Apartheid; eigene Bearbeitung

4.2.4 Stadtplanung während der Apartheid

Ab der Regierungsübernahme der National Party 1948 wurde den Schwarzen das Recht entzogen, in den Städten Grundstücke zu besitzen. Obwohl während der wirtschaftlichen Konjunktur immer mehr schwarze Arbeiter in die Städte drängten, wurde nur defizitär neuer Wohnraum zur Verfügung gestellt, wodurch schon zu dieser Zeit illegale und informelle Siedlungen in den Stadtgebieten entstanden (Lohnert 2002, S. 78).

Von 1948 bis 1985 wurde die Stadtentwicklung besonders durch einen verstärkten staatlichen Wohnungsbau und durch „bulldozing“ von illegalen Siedlungen in der Nähe von weißen Wohngebieten gekennzeichnet. Noch heute prägt die monotone Bauweise der staatlich errichteten Gebäude das Stadtbild in den Townships (Lohnert 2002, S. 78).

Mit Inkrafttreten des „Group Areas Act“ wurden auch die Wohnrechte der Coloureds beschnitten, die fortan wie die schwarze Bevölkerung in separierten Townships leben mussten. Der Staat nahm sich nun das Recht, für jede der Ethnien gesonderte Wohn- und Geschäftgebiete auszuweisen, damit die Gruppen unabhängig voneinander ein eigenständiges Leben führen konnten und möglichst wenig Interaktion zwischen ihnen stattfand. 1957 wurden alle Stadtzentren zu weißen Group Areas erklärt, sodass besonders die indische Bevölkerung, die sehr stark in den innenstadtnahen Handel involviert war, unter diesen Maßnahmen leiden musste (Lohnert 2002, S. 78f).

Ein spezielles Phänomen der Stadtplanung war das Modell der Segregation City. Im normalen öffentlichen Leben der Städte sollte es möglichst wenig Kommunikation zwischen den ethnischen Gruppen geben. Lediglich in den Industriegebieten, in denen man billige Arbeitskräfte benötigte, sollten die Bevölkerungsgruppen in Kontakt kommen (Lohnert 2002, S. 79). Die Wohnsiedlungen wurden durch Brachflächen, Autobahnen oder Eisenbahnlinien voneinander getrennt, die als „buffer zones“ bezeichnet wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Modell der Segregation City nach Davies;

eigene Bearbeitung

4.2.5 Widerstand

Schon früh regte sich bei den unterdrückten Bevölkerungsgruppen Widerstand gegen die Regierung, der jedoch vom Polizeistaat stets unterdrückt wurde. Das „Bureau for State Security“ (BOSS) war dafür zuständig, Nicht-Weiße permanent zu überwachen. Um die Bevölkerung abzuschrecken, wurden willkürliche Inhaftierungen vorgenommen (Isert 1997, S.78). Der African National (ANC) Congress gründete daraufhin die Congress Youth League, die als radikaler Flügel im Untergrund Streiks und Proteste organisierte, sowie auch Sabotageakte auf zentrale Einrichtungen ausübte. Daraus resultierte der Rivonia-Prozess, in dem der Staat dutzende Oppositionsführer, darunter Nelson Mandela, zu lebenslangen Haftstrafen verurteilte (Kaußen 2003, S. 80). Als Bestrafung wurden die Akteure häufig mit einem Bann belegt, das heißt, sie durften zum Beispiel für eine bestimmte Zeit ihr Haus nicht verlassen oder keine größeren Besuche empfangen. Inhaftierte wurden nicht selten bis zum Tode gefoltert, der Tod dann anschließend als Selbstmord deklariert.

Trotzdem wuchs der Widerstand mit den Jahren immer weiter an. Vor allem der ANC organisierte immer wieder große Massenstreiks wie den von 1973. 1976 eskalierte die Gewalt, als sich Schulkinder in Soweto weigerten, Afrikaans zu lernen, aus ihrer Sicht die Sprache der weißen Unterdrücker. Die Polizei eröffnete das Feuer auf die Kinder, von denen mehrere starben. Daraufhin kam es landesweit in den Townships zu Unruhen. Auch neue politische Kräfte wie Steve Biko, der Führer der Black Conciousness Bewegung, sorgten für neues Selbstvertrauen unter den Schwarzen und wehrten sich aktiv gegen die Apartheid (Kaußen 2003, S. 86).

4.2.6 Wirtschaft während der Apartheid

Fast die gesamte Wirtschaft befand sich in weißer Hand, teilweise konnten die Unternehmen pro Jahr durch hohe Profite um 25% wachsen, sodass weiße Südafrikaner zum Teil sogar einen höheren Lebensstandard hatten als viele Unternehmer in den westlichen Industrieländern. Der Lohn der schwarzen Arbeiter stieg hingegen nicht an. Rund 40% der Bevölkerung verdienten nur insgesamt sechs Prozent des Gesamteinkommens (Isert 1997, S.63f).

Bis in die 70er Jahre herrschte in der Industrie ein großer Bedarf an Arbeitskräften, sodass in den Homelands „labour bureauxs“ gegründet wurden, in denen dann neue Arbeiter angeworben wurden. Wie bereits in Kapitel 4.2.1. erwähnt, durften diese jedoch nicht streiken und keine Gewerkschaften gründen, da Nicht-Weiße offiziell keinen Arbeiterstatus erhielten (Isert 1997, S.70f).

Zu dieser Zeit war Südafrika ebenfalls von der Weltwirtschaftskrise betroffen und es gab erste illegale Streiks von nicht-weißen Arbeitern für mehr Lohn. Unter diesem Druck gewährte die National Party daraufhin das Streikrecht und das Recht auf Gewerkschaften für jedermann (Isert 1997, S.72).

4.2.7 Niedergang der Apartheid

Mit dem ökonomischen Wachstum wurden die Systemfehler der Apartheid immer deutlicher. Durch die Fortschritte brauchte die Industrie neue gut ausgebildete Arbeitskräfte, die mit dem Potenzial weißer Arbeitskräfte nicht mehr gedeckt werden konnten. Aufgrund dessen mussten Schwarze entgegen der Ideologie besser ausgebildet werden. Die Wirtschaft setzte der Apartheid Grenzen. Durch die internationale Isolation Südafrikas war die Wirtschaft zudem allein auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Niedrige Löhne, und damit eine niedrige Kaufkraft, wirkten sich daher zum einen dauerhaft negativ auf das Wachstum aus, zum anderen fehlte für die Wirtschaft durch die Globalisierung dauerhaft ein großer Markt (Kaußen 2003, S. 83f.). In den 80er Jahren begann die Stabilität der Apartheid langsam zu bröckeln. In dieser Zeit formierte sich immer mehr Widerstand gegen das Regime und es kam zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen dem Polizeiapparat und Demonstranten. Der ANC rief immer wieder dazu auf, Südafrika unregierbar zu machen, bis die Apartheid endlich abgeschafft würde und die politischen Häftlinge in Freiheit wären. Als Instrumente wurden Anschläge auf Regierungs- und Polizeigebäude verübt und die sehr erfolgreichen „stay home“-Streiks organisiert. Ab 1982 führte die Regierung aus diesem Grund geheime Verhandlungen mit dem weiter in Haft sitzenden ehemaligen Führer des ANC, Nelson Mandela. Dafür verlegte man ihn extra von der vor Kapstadt gelegenen Gefängnisinsel Robben Island in das Gefängnis von Polsmoor, einem Stadtteil von Kapstadt. Man bot ihm die Freiheit an, damit er die Proteste stoppe. Mandela lehnte jedoch umgehend ab mit dem Verweis, dass er nicht frei sein könne, so lange es sein Volk nicht auch sei (Isert 1997, S.90f). Durch die sich immer schneller drehende Gewaltspirale rief der Staat 1985 den nationalen Notstand aus, sodass Polizei und Militär noch mehr Freiheiten zur Unterdrückung von Aufständen hatten (Isert 1997, S.92).

Unterdessen wurde der internationale Druck auf Südafrika immer größer. Besonders die USA und die Europäische Gemeinschaft (heute EU) verhängten Wirtschaftssanktionen gegen das Land und importierten beispielsweise keine südafrikanischen Produkte mehr. Der Konjunktur wurde so erheblicher Schaden zugefügt. Im Staat herrschten unterdessen bürgerkriegsähnliche Zustände und auch der Versuch, alle militanten oppositionellen Vereinigungen gesetzlich zu verbieten, hatte keinen Erfolg mehr (Isert 1997, S.96f). Die Regierung sah sich nun zu ernsthaften Verhandlungen mit dem ANC gezwungen. Anfänglich sollte durch die Verhandlungen das revolutionäre Potential des ANC geschwächt werden (Isert 1997, S.102), später versuchte man durch direkte geheime Verhandlungen mit Mandela den ANC auszustechen. Jedoch blieb Mandela auf der Linie des ANC, da die Regierung mit der Anwendung von Gewalt begonnen habe (Isert 1997, S.103). Präsident P.W. Botha schickte regelmäßig Unterhändler zu Gesprächen mit Mandela, die dieser aber durch seine überzeugende Argumentation immer mehr für sich gewann (Mandela 1994, S. 609ff).

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Details

Seiten
116
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638817400
ISBN (Buch)
9783638817868
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77608
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Geographisches Institut
Note
2,1
Schlagworte
Strukturen Netzwerke Arbeit Südafrika Beispiel Curio-Händler Region Kapstadt

Autor

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Titel: Strukturen und Netzwerke der informellen Arbeit in Südafrika am Beispiel der Curio-Händler in der Region Kapstadt