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Die Beeinflussung öffentlicher Meinung durch die Presse

Ein Beispiel aus der Bild-Zeitung

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definitionen
1.1 Öffentlichkeit
1.2 Meinung
1.3 Öffentliche Meinung

2. Entstehung öffentlicher Meinung

3. Faktoren der Meinungsbildung
3.1 Quellen
3.2 Einflüsse

4. Meinungsbildung durch die Presse

5. Ein Beispiel aus der Bild-Zeitung

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Öffentliche Meinung ist wohl eines der am schwersten greifbaren Dinge in unserem alltäglichen Leben (wo kommt sie her, wer genau hat diese Meinung?), aber gleichzeitig auch eines der mächtigsten. Sie kann über Ruhm oder Untergang eines Prominenten entscheiden, Regierungen zum Scheitern bringen oder auch Berge versetzen. Schon oft wurde versucht, öffentliche Meinung greifbarer zu machen, herauszufinden, woher sie genau kommt und wie sie - meist zum eigenen Nutzen - beeinflussbar und veränderbar gemacht werden kann. Vollständig gelungen ist es bisher niemandem.

Im Folgenden soll ein Überblick über das Konzept öffentlicher Meinung gegeben werden - beginnend mit der durchaus schwierigen Begriffsdefinition von Öffentlichkeit, Meinung und öffentlicher Meinung - und einige Theorien zu ihrer Entstehung vorgestellt werden. Hierbei ist es besonders interessant, sich die Quellen anzusehen, aus denen Menschen Informationen ziehen können, um eine Meinung zu bilden und welche Einflüsse dazu beitragen können, ob diese individuelle Meinung sich später in öffentlicher Meinung wiederfindet oder nicht.

Veranschaulicht werden soll die Erzeugung von Meinung nach einer kurzen Einführung in den Bereich der Presse (Restriktionen und Einflüsse bezüglich veröffentlichter Artikel sowie Kontrollmechanismen) am Beispiel eines Artikels aus der Bild-Zeitung. Da es sich bei der Bild-Zeitung - nach eigener Aussage (Axelspringer.de) - um die größte europäische Tageszeitung handelt, ist ihr Einfluss auf die Öffentlichkeit und ihre Meinung nicht zu unterschätzen - getreu dem Motto: "BILD dir deine Meinung".

1. Definitionen

1.1 Öffentlichkeit

Wie die zahlreichen in der Literatur zu findenden Definitionen des Begriffes Öffentlichkeit verraten, ist eine genaue Begriffsbestimmung schwierig. Oft genutzt werden Beschreibungen wie "the people of a nation, state or community - opposed to private" (Steinberg 1958: 70), "open to all" (Steinberg 1958: 70) oder auch "open to common use" (Steinberg 1958: 70). Deutlich wird in allen Definitionen, so verschieden sie in einigen Aspekten auch sind, eines: Es gibt nicht nur eine einzige Öffentlichkeit. Vielmehr verbergen sich unter diesem Oberbegriff eine ganze Reihe verschiedener Öffentlichkeiten. Mal sind es bestimmte Gruppen, Ansammlungen selbiger oder auch alle verfügbaren Gruppen. Sie können "organized and unorganized […], primary and secondary, large and small, powerful and impotent, wise and foolish, important and unimportant" (Childs 1965: 12) sein, die sich jeweils weiterhin in weitere Segmente einteilen können. Zusammenfassend heißt es bei Childs: "Theoretically, the number of possible publics is the number of groups of two or more individuals that may be selected" (Child 1965: 13), eine Feststellung, die die Lage gut beschreibt.

1.2 Meinung

Die Definitionen des Begriffes Meinung fallen im Gegensatz dazu kürzer und einfacher aus: Meinung ist "an expression of attitude in words" (Childs 1965: 13), wobei "an attitude may be said to be a person's disposition or tendency to act or react in a particular manner" (Childs 1965: 13). Die Meinung einer Person ist also ihre Einstellung gegenüber einem bestimmtem Sachverhalt, die sie in Worte fasst.

1.3 Öffentliche Meinung

Anschließend stellt sich nun die Frage, wessen Meinung nun die öffentliche Meinung darstellt. Analog zu der großen Anzahl der Öffentlichkeiten gibt es auch eine große Anzahl an öffentlichen Meinungen und nicht nur eine einzelne. Die genauen Ausprägungen dieser öffentlichen Meinungen hängen ab vom in Frage stehenden Gegenstand oder Sachverhalt, den involvierten Gruppen und auch vielen verschiedenen, individuellen Meinungen: "These publics do form opinions about social and political institutions, about individuals, about ideas" (Steinberg 1958: 72). Steinberg gibt ebenfalls eine Zusammenfassung der Vielseitigkeit der öffentlichen Meinung: "Public opinion is the collective expression of the opinions of many individuals bound into a group by common aims, aspirations, needs, and ideals" (Steinberg 1958: 74). Doch eine in der "Wissenschaft allseits akzeptierte Definition besteht nicht" (Gallus, Lühe 1998: 10), wie Gallus und Lühe resümieren.

Elisabeth-Noelle Neumann hat mit ihren zwei Entwürfen der öffentlichen Meinung einen Versuch begangen, die Struktur und den Ursprung der öffentlichen Meinung zu bestimmen. Sie entwickelte zwei Konzepte, das Elitekonzept und das Integrationskonzept (Gallus, Lühe 1998: 11): Beim Elitekonzept beruht öffentliche Meinung "auf Rationalität und bildet sich im Gespräch der Gebildeten und Wissenden" (Gallus, Lühe 1998: 11). Beim Integrationskonzept erfolgt die Meinungsbildung durch soziale Kontrolle, sie ist "weniger von Rationalität als vielmehr emotional bestimmt und durch 'ungeschriebene Gesetzte' geregelt. Nicht Sachargumente stehen im Mittelpunkt, sondern - moralisch aufgeladene - Werte und Gefühle" (Gallus, Lühe 1998: 11).

Weitere Versuche definieren öffentliche Meinung als "the generalized judgement of a considerable number of people on a particular aspect of social life" (Bogardus 1951: 3) oder auch so, daß "public opinion may be an enlarged form of the individual opinions of one or more members of a group or it may be the expanded expression of group opinion" (Bogardus 1951: 4). Es wird ebenfalls der Aspekt herausgestellt, dass die öffentliche Meinung nicht einfach eine Ansammlung von individuellen Meinungen ist, sondern viel mehr das Ergebnis einer Diskussion (Bogardus 1951: 7).

Generell berufen sich viele Ansätze zur öffentlichen Meinung auf die persönliche Meinung als Basis. Für sie entsteht öffentliche Meinung aus der Integration vieler einzelner Meinungen, die als individuelle Interpretation einer Situation gesehen werden können, mit der keine Übereinstimmung herrscht. Dies beruht immer darauf, dass öffentliche Meinung sowohl aus der Meinung einer Gruppe und persönlichen Einstellungen resultiert (Bogardus 1951: 11).

Unabhängig von all diesen verschiedenen (und sich in manchen Aspekten widersprechenden Definitionen) ist es wichtig, die öffentliche Meinung nicht als etwas statisches und unveränderbares zu sehen, sondern als eine dynamische Erscheinung, die sich durch verschiedene Faktoren mehr oder weniger beeinflussen lässt:

The opinions of individuals do not spring from a vacuum. They are, in turn, influenced by the total prevailing temper of group opinion. They are influenced, as members of the group, by psychological and geographic factors which affect our social institutions (Steinberg 1958: 74).

2. Entstehung öffentlicher Meinung

Aufbauend auf diesen Definitionen ist es nun von Interesse, wie öffentliche Meinung überhaupt entsteht. Hierzu gibt es - entsprechend der Vielzahl der Konzepte der Öffentlichen Meinung - eine Vielzahl von Ansätze, von denen ein paar exemplarisch vorgestellt werden sollen.

Zunächst wäre hier einmal Edward E. Ross zu nennen, der den "Opinion Making Process" (Bogardus 1951: 124) abhängig macht von "social interactions based on personal opinions, disuccions, transitions in thinking, resulting in decisions" (Bogardus 1951: 124) . Für ihn ist es wichtig herauszufinden, wie individuelle Meinungen geformt werden, um zu erkennen, wie daraus eine öffentliche Meinung entsteht. Dies begründet er mit der Tatsache, dass die Öffentlichkeit immer eine Gruppe ist, die aus Individuen besteht und niemals eine Einheit mit einer eigenen Existenz. Somit seien drei Elemente für Überlegungen wichtig: Die Person an sich, ihre Umgebung und die Interaktion zwischen beiden. Hierzu definiert er in seinem Ansatz der "Impression-Disuccion-Decision Sequences" (Bogardus 1951: 124) die Grundlage, dass eine öffentliche Meinung bereits existiert. Öffentliche Meinungen beginnen für ihn mit den Eindrücken, die Menschen von Dingen haben. Dies beinhaltet "congeries of prejudices, passions, notions of personal interests, affirmations, dogmas and so on" (Bogardus 1951: 124). Dann beginnt laut Ross ein Prozess des Wandels. Die erhaltenen Eindrücke können sich auf drei verschiedene Arten ändern. Zum einen können sie sich vertiefen und weniger angreifbar werden. Sie können aber auch verändert werden und Korrekturen in bestimmten Teilen erfahren, doch die grundlegende Meinung bleibt erhalten. Die dritte Möglichkeit wäre, dass die vorhandene Meinung "effaced, eradicated, erased, forsaken" (Bogardus 1951: 125) werden kann und eine Ansammlung anderer Eindrücke oder Ideen ihren Platz einnimmt. In diesem Zusammenhang spielt auch die Zeit eine wichtige Rolle, da sich selbst Eindrücke nicht sofort verändern. Nachdem eine Meinung so verändert oder bestärkt wurde, zeigt sich diese Änderung der Meinung auch öffentlich; zumeist durch Wahlen, sei es in der Politik oder bei anderen Gelegenheiten. Darauf folgend verändert sich langsam ebenfalls die Meinung der Mehrheit in allen anderen Bereichen, was einen subjektiven Ausdruck, z.B. in der Veränderung des Verhaltens oder der Meinung vieler Personen findet.

E. Jackson Baur dagegen konzentriert sich auf drei "major stages in the formation of public opinion" (Childs 1965: 121). Zunächst sei dies die "mass behavior stage" (Childs 1965: 121), in der Meinungen in einzelnen Gruppen Gestalt annehmen. Darauf folgt "the stage of public controversy" (Childs 1965: 121), in der die neu geformten Meinungen in größere Gruppen übergehen, um schließlich in dem "institualized decision-making-stage" (Childs 1965: 121) zu enden. Um diesen Prozess zu verdeutlichen, teilt Baur diese drei Elemente in sieben Schritte ein. Zu Beginn werden viele einzelne Individuen auf ein soziales Problem aufmerksam, wobei sie ihre Ideen und Eindrücke aus vielen verschiedenen Quellen sammeln (1). Danach versuchen einige organisierte Gruppen, eine Lösung für das Problem zu finden, womit es in die Öffentlichkeit gelangt (2). Sobald sich eine Opposition geformt hat, kann man von einer voll ausgeprägten Öffentlichkeit für dieses Problem sprechen (3). Die beiden gegensätzlichen Parteien wenden sich jeweils für Unterstützung an noch nicht beteiligte (4), aus dieser Diskussion und Kontroverse erwächst eine Meinung, die immer größere Teile der Öffentlichkeit(en) beschäftigt und somit zu einer öffentlichen Meinung wird (5). Dem Druck der öffentlichen Meinung folgend beschäftigen sich Regierungsstellen etc. (6) und schließlich die verantwortlichen Personen (7) mit diesem Problem. Somit entsteht aus der Meinung einzelner Individuen während dieses Prozesses eine öffentliche Meinung, die Einfluss auf den Gegenstand dieser Meinung haben kann.

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Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638819510
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77411
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Beeinflussung Meinung Presse Kommunikationstheorien

Autor

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