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Die Bedeutung der symbolischen Formen Mythos und Religion für den Menschen

Seminararbeit 2005 14 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die symbolischen Formen

3. Die symbolischen Formen Mythos und Religion
3.1 Die symbolische Form des Mythos
3.2 Die symbolische Form der Religion

4. Gemeinsamkeiten zwischen Mythos und Religion

5. Verhältnis zwischen Magie und Religion

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema: „Die Bedeutung der symbolischen Formen Mythos und Religion für den Menschen.“

Zunächst werde ich erklären, was unter symbolischen Formen zu verstehen ist und in welchem Zusammenhang sie für das menschliche Dasein wichtig sind. Des weiteren werde ich dann anhand der Beispiele Mythos und Religion aufzeigen, in welchem Maße diese beiden symbolischen Formen auf unser Leben wirken und in welchem Maße sie unser Leben beeinflussen und lenken.

Hierbei werde ich neben den Unterschieden auch die Gemeinsamkeiten der beiden Symbole aufzeigen.

2. Die symbolischen Formen

Die zentrale Frage in Ernst Cassirers „Versuch über den Menschen- Einführung in eine Philosophie der Kultur“ ist, in welchem Maße der Mensch zu wahren Erkenntnissen über die Beschaffenheit der wirklichen Welt befähigt ist.

Hierzu untersucht Cassirer in der kulturphilosophischen Bestimmung des Menschen die verschiedenen Symbole: Mythos und Religion, Sprache, Kunst, Geschichte und Wissenschaft. Alle diese Symbole sind für das Leben und das Empfinden des Menschen notwendig.

Die verschiedenen Symbole gelten als Schlüssel zu der Frage: Was ist der Mensch? Der Mensch grenzt sich durch diese Symbole von anderen Lebewesen ab und kann eben durch diese eine reichere, umfassendere Wirklichkeit erkennen und vor allem auch erreichen.

„Jede menschliche Erfahrung weist demnach geistige bzw. theoretische Momente auf, weil sie immer Vergegenständlichung, Sinnstiftung und Vereinheitlichung mannigfaltiger Eindrücke beinhalte. Von der alltäglichen Wahrnehmung bis zum Aufbau ganzer Kulturprovinzen ist die Ratio immer beteiligt.“[1]

Ohne diese kulturphilosophische Bestimmung würde dem Menschen ein fester Bezugspunkt in seinem Leben fehlen. Er hätte nichts mehr, was ihm etwas bedeuten würde, oder mit dem er sich identifizieren könnte. Dabei steht nicht der dingliche Charakter des jeweiligen Symbols, sondern dessen realisierte Bedeutung für den Menschen im Vordergrund. Der Mensch macht durch diese realisierte Bedeutung aus dem jeweiligen Symbol seine eigene Welt, indem er etwas aus sich selbst macht. Die Welt, in der die Menschen leben, entsteht also erst aus dem, was die Menschen aus ihr machen, indem sie die symbolischen Formen auf ihre Art und Weise realisieren.

Hierbei ist aber nicht nur ein bestimmter Bereich der Kultur gemeint, sondern Cassirer versteht hierunter einen alles umfassenden Kulturbegriff. Er versteht unter Kultur nicht nur das, was wir heute darunter verstehen, zum Beispiel Theater, Kunst, Museen, sondern alles, was der Mensch seit seiner Entstehung in diesem Zusammenhang entwickelt hat.

Nach Cassirer ist das Symbol die Ausdrucksform des Menschen, in der er die Möglichkeit hat sein geistiges Denken anderen mitzuteilen. Dies kann in unterschiedlicher Weise geschehen. Als Beispiel ist hier der artikulierte Laut, ein Bild, oder ein bestimmtes Ritual zu nennen. Die Symbolisierung ist also nichts Seltenes, sondern ein alltäglicher Akt des Menschen.[2]

Weiter äußerte Cassirer sich dazu so, dass in jeder symbolischen Form das Bewusstsein des Menschen hervortritt, nach welchem sich der Mensch nicht damit zufrieden gibt einen äußeren Eindruck zu empfangen, sondern, dass er jeden dieser Eindrücke mit einer eigenen freien Tätigkeit des Ausdrucks verknüpft und sogar durchdringt. Dadurch tritt der rationalen Welt, oder der objektiven Wirklichkeit, wie wir Dinge sehen, eine eigene Sichtweise dieser Dinge entgegen.[3]

Symbolische Formen sind demnach also nichts anderes, als das Verständnis des Menschen über die Welt. Hierbei muss man zwischen dem Kulturbegriff und dem Ausdruck geistiger Energien des Menschen unterscheiden.

Bei dem Kulturverständnis sind die symbolischen Formen Medien der Wirklichkeit, wobei die Wirklichkeit selbst zum Medium wird, während bei dem Ausdruck der eigenen Energien, gerade diese vielen verschiedenen Energien selbst, zum Charakteristika des Menschen werden, da er sich letzten Endes nur durch diese selbst bestimmen lässt.[4]

Zusammenfassend schreibt Recki über den Symbolbegriff: „Cassirers Symbolbegriff und mit ihm sein ganzer Ansatz hätte demnach den grundlegenden Sinn, uns klarzumachen, daß für uns im Prinzip alles zum Träger von Bedeutung werden kann, ja eigentlich muß. Wann immer etwas sinnlich Gegebenes durch die Verknüpfung mit einem „geistigen Bedeutungs-gehalt“ zum Zeichen wird, haben wir es bei dieser konkreten Einheit von Sinnlichen und Geistigem mit einem Symbol zu tun.“[5]

3. Die Symbolischen Formen Mythos und Religion

Von allen Symbolen scheinen Mythos und Religion die konservativsten Kulturformen im menschlichen Leben zu sein. Beide zeichnen sich durch eine große Stabilität aus. Sie wirken allen Bewegungen, welche sich gegen sie richten, entgegen und verdrängen diese sogar.[6]

Beide Symbole sind sehr eng miteinander verbunden. So gibt es in der Religion Vorstellungen, welche auch bereits im Mythos vorhanden sind, oder sogar vom Mythos übernommen worden sind. Dadurch sind zu einem festen Bestandteil der Religion geworden.

3.1 Die Symbolische Form des Mythos

Der Mythos erscheint uns im ersten Moment als nichts Greifbares. Cassirer schreibt über den Mythos, das er eine Anhäufung zusammenhangloser Ideen ist und auf uns als ein schieres Chaos wirkt.

„Die mythische Welt erscheint als etwas künstliches, als Vorspiegelung von etwas ganz anderem. Sie erscheint nicht als Glaube, sondern als eine Form von Glaubenmachen.“[7]

Des Weiteren schreibt er, dass eine Theorie des Mythos sehr schwierig ist, da er sich allen unseren Vorstellungen und der wissenschaftlichen Arbeit von Grund aus widersetzt. Er ist seinem Wesen nach nicht-theoretisch.[8]

Um den Ursprung und die Begrifflichkeit des Mythos zu erklären, verfolgt Cassirer die Bedeutung des alten griechischen Begriffs „mythos“, bei welchem es sich um Geschichten handelt, welche die alten Götter erlebt haben.

Hierzu verweißt er darauf, dass es bereits in allen alten Hochkulturen Erzählungen gab, welche neben den Taten der Götter, auch die großen Fragen der Menschheit behandelten. So gab es zum Beispiel bereits Darstellungen, über die Entstehung der Welt oder das Leben und den Tod. Als Beispiel hierfür könnte man die Schöpfungsgeschichte nennen.[9]

„Cassirer legt großen Wert auf die Einsicht, daß der Mythos nicht, wie es rationalistische Positionen geltend machen wollen, das chaotische Gewühl und Gefuchtel mit ungeordneten und unsinnigen, aus der Furcht und dem demütigen Gefühl der absoluten Abhängigkeit von höheren Mächten entsprungenen Vorstellungen ist, sondern eine genuine Weltanschauung, deren Eigenart zwar zwangsläufig erst in der abgrenzenden Gegenüberstellung mit wissenschaftlicher Rationalität zu erfassen ist, um deren angemessene Erfassung und Würdigung wir uns aber trotzdem bemühen können.“[10]

Des Weiteren entsteht Mythos aus den menschlichen Gefühlen. Seine Grundausrichtung ist also keine objektive. Cassirer nennt dieses eine „gefühlsgetragene Form des Verstehens“.

Bei dieser versuchen Menschen die Dinge, welche sie sich nicht erklären können, durch ihre Gefühle zu verstehen und ihrer Gefühlswelt dadurch Bilder zu geben. Ein Problem an dieser Sichtweise der Menschen ist, dass die Bilder als wahr angenommen und nicht hinterfragt werden.[11]

Weiter schreibt Recki: „Nach Cassirers Verständnis ist der Mythos nicht das ganz Andere der Vernunft, er ist nicht das schlechthin Irrationale, das Erzeugnis einer im Unsinn blühenden Phantasie; er ist ein ganzheitlicher, aus dem Gefühl entspringender, deshalb aber nicht weniger methodischer und kohärenter Zugriff des Verstehens, wie es die Wissenschaft mit dem ihr eigenen Weltbild ist.“[12]

[...]


[1] Waßner, Rainer. Institution und Symbol. Lit Verlag. Hamburg, 1999. S.22.

[2] Vgl. Recki, Birgit. Kultur als Praxis. Akademie Verlag. Berlin, 2004. S.30ff.

[3] Vgl. Orth, Ernst Wolfgang. Von der Erkenntnistheorie zur Kulturphilosophie. Verlag Königshausen & Neumann GmbH. Würzburg, 1996. S.133.

[4] Vgl. Ebd. S.24.

[5] Recki. S.33.

[6] Vgl. Cassirer, Ernst. Versuch über den Menschen. Einführung in eine Philosophie der Kultur. Felix Meiner Verlag. Hamburg, 1996. S.340.

[7] Ebd. S. 119.

[8] Vgl. Ebd. S.118.

[9] Vgl. Recki, S.86f.

[10] Ebd. S.90.

[11] Vgl. Ebd. S.92.

[12] Ebd. S.94.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638825344
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77294
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Schlagworte
Bedeutung Formen Mythos Religion Menschen Moderne

Autor

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