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Hellsehen, Telepathie, Präkognition in neuen religiösen Bewegungen und aus der Perspektive der neuen psychoanalytischen Forschung

Hausarbeit 2002 48 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Hellsehen, Telepathie, Präkognition in neuen religiösen Bewegungen
2.1.1 Definition der Begriffe Hellsehen, Telepathie, Präkognition, Hellsehen:
Telepathie
Präkognition
2.1.2 Was ist unter Neue Religiöse Bewegungen zu verstehen?
2.1.2.1 Worin sind die Auslöser für die neuen religiösen Bewegungen zu vermuten?
2.1.2.2 New Age
2.1.2.3 Esoterik
2.1.2.4 Spiritualität
2.1.2.5 Welche Bedeutung kommt den Phänomenen Hellsehen, Telepathie und Präkognition in New Age und Esoterik zu?
2.1.2.6 Okkultismus und Parapsychologie
Esoterischer Okkultismus
Empirischer Okkultismus
2.1.2.7 Gehen Gefahren von dem esoterischen Okkultismus aus?
2.2 Hellsehen, Telepathie, Präkognition aus der Perspektive der neuen psychoanalytischen Forschung
2.2.1 Die Deutung hellsichtiger Äußerungen
2.2.1.1 Hellsehen während einer Psychotherapie
2.2.1.2 Geschichte der Wechselbeziehungen zwischen Hellsehen und Psychopathologie
2.2.2 Entwurf einer Theorie des Phänomens Hellsehen
2.2.2.1 Mentale Automatismen und Empfinden eines äußeren Impulses
Visuelle Eindrücke
Auditive Eindrücke
Koenästhesien
Automatisches Handeln
2.2.2.2 „Skopeme“, signifikante Bilder
2.2.2.3 Die „Skopeme“ und der Affekt
2.2.2.4 Entstehung der Gedanken, das Unbewusste und die „Skopeme“
2.2.2.4.1 Mikromimik
2.2.2.4.2 Die polysensorische Aktivität als Vorform des Denkens
2.2.2.4.3 Die nonverbale Bindung zwischen Mutter und Kind
2.2.2.5 Präkognition
2.2.2.5.1 Das Voraussagbare
2.2.2.5.2 Präkognition und Zeitlichkeit
Die Verkehrung von Ursache und Wirkung
Erfüllungszwang
Vorahnungsträume
2.2.3 Der Lebensweg des Hellsehers
2.2.3.1 Soziale und kulturelle Determinanten
2.2.3.1.1 Die Weitergabe einer Begabung
2.2.3.1.2 Die Ernennung des Wahrsagers durch die Gesellschaft
2.2.3.2 Psychologische Determinanten
2.2.3.2.1 Psychische Wurzeln der Fähigkeiten zum Hellsehen
2.2.3.2.2 Der Beruf des Hellsehers
2.2.3.2.3 Liebe, Tod und Telepathie
2.2.3.3 Hellsehen: Techniken, Riten und Hilfsmittel
2.2.3.3.1 Die Techniken
2.2.3.3.2 Die Hilfsmittel
2.2.3.4 Das Konsultieren von Wahrsagern: zwischen Faszination und Therapie
2.2.3.4.1 Das Bedürfnis nach Wahrsagung
2.2.3.4.2 Kann Wahrsagen therapeutisch sein?

3. Zusammenfassung und Schlussbemerkung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene Hellsehen, Telepathie und Präkognition. Sie werden dem Außersinnlichen oder Paranormalen zugeordnet. Im Okkultismus, als Geheimwissenschaft, besitzen sie einen weltanschaulich-religiösen Stellenwert. Dieser geht davon aus, dass es sich bei ihnen um Vorgänge handelt, die zwar im Natur- und Seelenleben beobachtbar sind, deren Ursachen jedoch im Verborgenen liegen. In der Parapsychologie, die sich als Wissenschaft versteht, werden die genannten Phänomene kritisch mit wissenschaftlichen Methoden untersucht, um sie nach Möglichkeit den derzeit geltenden Paradigmen Psyche und Natur einzuordnen.

Das Hellsehen, die Telepathie und die Präkognition begleiten den Menschen als Phänomene seit Anbeginn seines Daseins und sind damit ganz offensichtlich Teil seines Menschseins.

Entstanden sind sie aus dem Wunsch heraus, den Schleier des Verborgenen zu lüften, beispielsweise mit Jenseitigen in Kontakt zu treten, Einfluss auf die Welt außerhalb unserer normalen Erfahrungsmöglichkeiten nehmen zu können und dem Bedürfnis nach Einsichtnahme und Kontrollmöglichkeit über den Verlauf des jeweils persönlichen Schicksals. In Umbruchzeiten erfuhren die genannten Phänomene stets verstärkt Beachtung. Dies kann als Grund dafür angesehen werden, dass dieser Trend auch in der Gegenwart erneut zu beobachten ist, und es ist zu vermuten, dass dieses auch mit dem Aufkommen neuer religiöser Bewegungen in der Gegenwart in einem direkten Zusammenhang steht.

Von daher wird für die Ursachenforschung dieser Phänomene eine Untersuchung dieser Bewegungen notwendig, verbunden mit der Frage danach, welchen Stellenwert Hellsehen, Telepathie und Präkognition dort einnehmen.

Im ersten Teil werden die Begriffe Hellsehen, Telepathie und Präkognition definiert. Anschließend werden aus dem Bereich der neuen religiöse Bewegungen die Begriffe New Age und Esoterik untersucht und der Begriff Spiritualität aus diesem Kontext heraus erklärt. Im Zusammenhang mit der Frage nach der Bedeutung, welche die genannten Phänomene in New Age und Esoterik einnehmen, folgt eine Gegenüberstellung des esoterischen Okkultismus und des empirischen Okkultismus als Vorläufer der Parapsychologie.

Zum Abschluss des ersten Teils dieser Arbeit, welche die genannten Phänomene aus religionswissenschaftlicher Sicht untersucht, wird die Frage nach einer potentiellen Gefährdung durch den esoterischen Okkultismus mit seinen Praktiken aufgeworfen.

Die neue psychoanalytische Forschung hat ihrerseits ein Erklärungsmuster zu den oben genannten Phänomenen erarbeitet. Es wird im zweiten Teil dieser Arbeit vorgestellt und folgt der Studie von Élisabeth Laborde-Nottale, Das zweite Gesicht, die darin ihre Theorie darlegt. Auch hier wird der Aspekt einer potentiellen Gefährdung durch okkulte Praktiken diskutiert.

Anliegen dieser Arbeit ist es, zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema vorzustellen. Es wird sich dabei zeigen, dass es trotz unterschiedlich interpretierter Ursachen auch gewisse Berührungspunkte gibt. Deutlich wird dabei zuletzt, dass sich das Rätsel der beschriebenen Phänomene (noch) nicht endgültig lösen lässt. Wobei die Betonung auf dem (noch) liegt.

2. Hauptteil

Hellsehen, Telepathie und Präkognition sind Phänomene, an deren Auftreten nicht zu zweifeln ist, für deren Auftreten aus den verschiedenen Disziplinen jedoch unterschiedliche Erklärungen vorliegen.

Was hier zu untersuchen ist sind zum einen Deutungen, die sich aus den neuen religiösen Bewegungen heraus ergeben, und zum anderen ein Erklärungsmodell der neuen psychoanalytische Forschung, welches sich bevorzugt mit der Sozialisation von Menschen befasst, bei denen das Auftreten von Hellsehen, Telepathie und Präkognition zu beobachten ist. Die parapsychologische Forschung wird herangezogen, soweit dies zur Definition der Begriffe erforderlich wird.

2.1 Hellsehen, Telepathie, Präkognition in neuen religiösen Bewegungen

2.1.1 Definition der Begriffe Hellsehen, Telepathie, Präkognition, Hellsehen:

Unter Hellsehen wird die Fähigkeit verstanden, unabhängig von Raum und Zeit Zustände oder Vorgänge physischen wie psychischen Inhalts ohne Zuhilfenahme der normalen Sinnesorgane zu erschauen. Miers beschreibt das Phänomen als die außergewöhnliche Fähigkeit eines Menschen, Dinge der Außenwelt unabhängig vom Bewusstsein eines anderen Menschen wahrzunehmen. Damit gemeint sei kein umfassendes Wissen, sondern ein partielles dem Sehen vergleichbar, das auch immer nur ein partielles sein könne.[1] Diese Aussage wird von Kakuska erweitert, indem er deren Bandbreite beschreibt, die von der Vision bis hin zum abstrakten deutlichen Wissen reicht. Er sieht diese Wahrnehmungsfähigkeit als eine den meisten Menschen angeborene Fähigkeit, die allerdings auch trainierbar sei. Als bekannteste Hilfsmittel führt er die Kristallkugel und den Spiegel an.[2]

Telepathie

Telepathie (griech. Fernfühlung, Fernegefühl, franz. Suggestion mentale) bedeutet in der Metaphysik die Übertragung von Vorstellungs- oder Gedankeninhalten auf eine andere Person ohne Nutzung der normalen Sinneswege. Nach Miers geht es dabei um räumlich oder zeitlich auseinander liegende Vorgänge oder Sachverhalte. Oft mit Gedankenlesen oder Zweitem Gesicht gleichgesetzt, beschränken sie sich nicht auf diese allein . Miers zufolge ist nicht eine bestimmte Meditation als Hauptvoraussetzung für Telepathie anzusehen, sondern das Studium der theoretischen Seite als Wissen um maßgebende Faktoren und Funktionen, die das Zustandekommen von Telepathie bedingen.[3] Dieser Vorgang wird von Kakuska verstärkt, indem er von Telepathie als von dem Anzapfen des Bewusstseins einer Person spricht und damit das Wissen sowie die Gedanken und Gefühle eines nicht Anwesenden meint. Seiner Meinung nach tritt Telepathie bei sich nahestehenden Menschen, die auch normalerweise physiologisch mit sich in Einklang sind, häufig auf. Analog der Radiotechnik werde bei der telepathischen Kommunikation von Sender und Empfänger gesprochen. Kakuska stellt aber auch die Vermutung an, es könne sich um eine Art psychisches Radar handeln. In jüngster Zeit denke man zur Erklärung auch an das Hologramm.[4] Er schreibt, dass als Hologramm eine spezielle Art von Photographie bezeichnet wird, die auch von Ausweisen und Scheckkarten bekannt ist.[5]

Weiter führt er aus, dass alle paranormalen Geschehnisse eine Gemeinsamkeit haben, die Herstellung einer Verbindung zwischen Dingen, welche unseren empirischen Erfahrungen nach in keinem Zusammenhang stehen. Nach unseren Vorstellungen sind sie unmöglich und werden damit zu Anomalien oder Wundern. Das ganze Universum ist holographisch organisiert. Aus einem unvorstellbar komplexen Muster bauen wir unsere räumlichen und zeitlichen Realitäten. Auszugehen ist jedoch von der Entwicklung anderer Realitäten, anderer Ebenen oder Universen. Die uns mögliche eine Lesart des Hologramms wird sich bei einer Veränderung unseres Bewusstseinszustandes wandeln. Das Gesamthologramm enthält Informationen, die normalerweise nicht zur Verfügung stehen. Die Implikationen dieses holographischen Modells sind von dem Physiker David Bohm und dem Psychologen Karl Pribram ausformuliert worden. Naturwissenschaftler diskutieren ernsthaft darüber, und die esoterische Gemeinschaft hat diese Theorie übernommen. Kurzgefasst wird in dieser Theorie die Ansicht vertreten, dass alles mit allem zusammenhängt.[6]

Präkognition

Mit Präkognition (lat. Vorher-Erkenntnis) wird in der Parapsychologie das Hellsehen bezüglich zukünftiger Vorgänge bezeichnet und im Zusammenhang mit Vision und Prophetie gesehen. Wenn Miers von Vorherwissen und Zukunftshellsehen spricht,[7] betont Kakuska bei gleicher Grundaussage den Aspekt des Paranormalen bei diesem Vorgang. Auch Träume haben präkognitive Elemente, erkennbar im Vergleich mit später eingetretenen Ereignissen. Bekannt sind Zukunftsvisionen von Schamanen, SehernInnen, WahrsagernInnen, Sibyllen, ProphetenInnen und PriesternInnen. Kakuska zufolge füllen Berichte über Prophezeiungen, „die sich als zutreffend erwiesen haben“, Bände. Von Fehlschlägen werde in der Literatur viel seltener berichtet.[8]

Hellsehen, Telepathie, Präkognition haben vor dem Hintergrund der Neureligiösen Bewegungen an Bedeutung gewonnen, weil sie als Erfahrungen angesehen werden, die den Menschen befähigen mit dem Göttlichen in sich, dem Kosmos und kosmischen Lebensenergien in Kontakt zu treten.[9]

2.1.2 Was ist unter Neue Religiöse Bewegungen zu verstehen?

Nach Hock werden unter diesem Begriff Erneuerungsbewegungen, Neureligionen oder religiöse Strömungen verschiedenster Herkunft, Größe und Ausrichtung zusammengefasst, die oft „tiefgehende geschichtliche Wurzeln“[10] haben; fernöstlich orientierte Gruppen, aus christlicher Tradition erwachsene charismatische Bewegungen, ”neuheidnische” Gruppen, sog. nativistische Kulte, Osho-Bewegung, Vereinigungskirche, Scientology usw. Aufsehen erregten die sog. ”Jugendreligionen”[11] in Europa und Nordamerika der 70er Jahre. Dazu zählt die New Age Bewegung, die in der Esoterik-Bewegung aufgegangen ist oder ihr zumindest zugerechnet wird. Hock zufolge hat nicht die Theologie sondern haben die Religionen eine unerwartete Aktualität erlangt, dies ”weniger in ihren christlichen Gestaltungen und im Schoße christlicher Kirchen,” sondern in der modernen Kultur, der Werbung, der Popmusik, in Volkshochschulen, Wellness-Studios, Sportvereinen, der Kunst, im Internet oder der Politik. ”New Age und Esoterik boomen.”[12] Die vorliegende Arbeit wird sich von daher bevorzugt mit New Age und Esoterik, (als bekannteste Vertreter der neuen religiösen Bewegungen) befassen und in Zusammenhang damit den Begriff Spiritualität zu klären versuchen.

2.1.2.1 Worin sind die Auslöser für die neuen religiösen Bewegungen zu vermuten?

Die Philosophin Cornelia Klinger spricht in ihrem Buch Flucht, Trost, Revolte von den kalten Skeletthänden rationaler Ordnung und ihren Gegenwelten. Sie schreibt, dass Vorgängen zunehmender Rationalisierung, Objektivierung, Technisierung gegenläufige Tendenzen gegenüberstehen.[13] Wie Max Weber, spricht sie von der Entzauberung der Welt und davon, dass Widerstand gegen die Modernität und antimodernisierende Bewegungen und Ideologien ständig wiederkehrende Erscheinungen in der Geschichte des Westens der letzten zwei oder drei Jahrhunderte waren.[14]

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Religionswissenschaftler Christoph Bochinger, der in seinem Buch New Age und moderne Religion feststellt, dass nach der Rodung des Urwalds der Religion durch Säkularisierungsprozesse ein Sekundärwald entstanden sei, mit dem Vorgänger nicht mehr identisch und eigenen Gesetzmäßigkeiten unterlegen. Säkularisierung und Wiederverzauberung sieht er als synchrone Prozesse. Die disparate Struktur der religiösen Szenerie der Gegenwart mit ihren Wiederverzauberungserscheinungen sind für ihn demnach Ergebnis von Säkularisierungsprozessen.[15]

Liegen diesen Wiederverzauberungserscheinungen ”Angebote einer sinnhaften Existenz” in einer ”als krisenhaft empfundenen, offiziellen Kultur”[16] zu Grunde? Es scheint, dass diese sinnhafte Existenz außerhalb des Christentums, außerhalb der Kirchen, offensichtlich glaubwürdiger artikuliert und realisiert wird. Diesem Tiefenwissen und einer damit verbundene Sehnsucht nach einem ganzheitlichen Dasein gegenüber muss „ein bloß verkopftes Christentum langweilig, nichtssagend und abstoßend wirken“, meint Küenzlen.[17] Durch die Aufklärung Zurückgedrängtes bricht sich offensichtlich Bahn und dies in der Form neuer religiöser Bewegungen.

Die Aufklärer hatten Religion als „vorübergehenden Bewusstseinszustand“[18] betrachtet.

Diese Annahme scheint durch eine aufkeimende Neue Religiosität widerlegt. Das religiöse Potential zeigt sich in neuen Räumen. Die Hoffnung der Aufklärung scheint sich nicht erfüllt zu haben, denn: ”Das verdrängte Religiöse bricht sich mit New Age Bahn.”[19]

2.1.2.2 New Age

Der Begriff New Age heißt übersetzt Neues Zeitalter. Rausch/Türk zufolge subsumiert er unter sich eine Vielzahl von Ideen, Gruppen und Initiativen. Erstmalig tritt die Bewegung in den USA auf. Zu den Grundannahmen dieser Bewegung zählen, dass Krisensymptome der Gegenwart, z. B. Hochrüstung, ökologische Krise, Welthunger, Überbevölkerung nicht als Zeichen eines bevorstehenden Endes, sondern als Ankündigung einer Wendezeit mit der Bezeichnung Wassermannzeitalter anzusehen sind. Das derzeitige Zeitalter, das Fischezeitalter ablösende neue Zeitalter, soll einen neuen Menschen hervorbringen, damit die seit Descart bestehende gefährliche Subjekt-Objektspaltung durch eine neue Ganzheit ablösen und dies durch Bewusstseinstransformation erreichen. Es ist als ein Prozess gesehen, der das alte Denken ablöst.[20]

Bochinger untersucht die New-Age-Bewegung im deutschsprachigen Raum und spricht von einem Außenseiterphänomen, einer neuartigen religiösen Szenerie. Seiner Meinung nach wird diese Szenerie bestimmt durch eine besondere Art der Vermittlung religiöser Inhalte und deren Präsenz in der Öffentlichkeit. Letzteres führt er auf Gesetzmäßigkeiten der modernen Informationsgesellschaft zurück. Die Entwicklung der New-Age-Bewegung im deutschsprachigen Raum habe nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt und eine Verstärkung durch die Studentenbewegung der 70iger Jahre erfahren. Sie sei nicht nur als Fortsetzung einer älteren Bewegung zu sehen, sondern stehe in einer gewissen Tradition des politischen und gesellschaftlichen Aufbruchs von 1968.[21] Inzwischen, seit 1988, werden Inhalte von New Age der Esoterik zugerechnet.[22]

2.1.2.3 Esoterik

Esoterik ist ”die Methode in Geheimlehren, -kulten oder Weihen einem bestimmten Kreis von Eingeweihten bestimmte religiöse Erkenntnisse oder kultische Erlebnisse zu vermitteln, die anderen überhaupt nicht oder nicht vollständig zugänglich sind.”[23] Grom schreibt über Esoterik folgendes, dass esoterisch (griech.: nach innen) in Griechenland die Mysterienkulte genannt wurden und dass sie sich damit von der als exoterisch (griech.: nach außen) gerichteten Wissenschaft und Religion abhoben. Die westliche Tradition der Esoterik geht auf Hermes Trismegistos zurück[24]. Jonas stellt fest, dass Hermes Trismegistos mit Dreimal größter Hermes übersetzt wird, seine Religion im hellenistischen Ägypten entstanden ist und er dort mit Thot gleichgesetzt wurde. Sein Corpus beinhaltet zu einem erheblichen Teil einen kosmischen Pantheismus.[25]

Grom betont, dass es esoterische Ideen neben den Hauptströmungen, denen der Wissenschaft und der Religion, immer gegeben hat. Zu nennen sind die Mysterienkulte und die Gnosis der Antike, mittelalterliche Katharerbewegung, Kabbala, später die Rosenkreuzer, die Alchimisten, die Theosophie und die Anthroposophie. Theosophie und Anthroposophie sehen sich als Vertreter einer gehobenen Esoterik und grenzen sich von dem, was heute alles unter Esoterik als Sammelbegriff eingeordnet ist ab. Ihre Vertreter haben einen weltanschaulichen und spirituellen Anspruch und bezeichnen Streben nach Vergeistigung und Innerlichkeit mit esoterisch.

Was die alten esoterischen Bewegungen von der heutigen abgrenzt ist die Geheimhaltungspflicht, die sog. Arkandisziplin. Sie wurde verlassen zugunsten einer Öffentlichmachung. Die neue esoterische Bewegung empfiehlt sich den weltanschaulich offenen Gesellschaften der westlichen Industrieländer als Weg zu einem höheren Bewusstsein. Die Resonanzbreite für Ideen der Esoterik findet ihre Erklärung in dem Unbehagen an einer wissenschaftlich-technischen Zivilisation und in der Distanzierung zu den etablierten großen Kirchen. Begleitet werden diese Absetzbewegungen von einer Suche nach alternativen Lebensformen. Verantwortlich zu machen dafür ist eine, wie Grom hervorhebt, ”antirationale Grundstimmung.”[26] Sie kann somit als antiaufklärerisch bezeichnet werden. Klinger stellt fest, dass in der neueren Frauenbewegung seit Ende der 70er Jahre eine rechtlich- aufklärerische Richtung verlassen wurde zugunsten einer Richtung, bei der weibliche Identität und Kultur im Vordergrund stehen.[27] Hier dürfte die neureligiöse Bewegung Neue Hexen eine ihrer Wurzeln haben.

[...]


[1] Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens, (1970), S. 189.

[2] Kakuska, Rainer: Der Esoterik-Leitfaden, (1991), S. 86.

[3] Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens, (1970), S. 399.

[4] Kakuska, Rainer: Der Esoterik-Leitfaden, (1991), S. 189, 190.

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Hologramm, (2.06.07)Definition: „Als Hologramm (griech. holo s für ganz, vollständig, gramma, für Botschaft, Nachricht, Zeichen) bezeichnet man eine – in der Regel mittels kohärentem Laserlicht hergestellte – fotografische Aufnahme, die nach Ausarbeitung und Beleuchtung mit gleichartigem Licht ein echtes dreidimensionales Abbild des Ursprungsgegenstandes wiedergibt. Geprägt wurde der Begriff 1947 von dem ungarischen Forscher Dennis Grábor, der einen Weg zur Verbesserung von Elektronenmikroskopen suchte. Die Motive scheinen bei der Betrachtung frei im Raum zu schweben. Bei seitlichen Bewegungen kann dabei auch um ein Objekt herumgesehen werden und es entsteht ein vollständig dreidimensionaler Eindruck bei beidäugiger

Betrachtung“:

Kakuska, Rainer: Der Esoterik-Leitfaden, (1991), S. 91-94.

[6] Kakuska: Der Esoterik-Leitfaden, (1991), S. 91-94.

[7] Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens, (1970), S. 324.

[8] Kakuska, Rainer: Der Esoterik-Leitfaden (1991), S. 152.

[9] Vorliegende Arbeit, 2.1.2.4, S. 12, sowie 2.1.2.5, S. 13

[10] Hock, Klaus: Einführung in die Religionswissenschaft, (2002), S. 184.

[11] Hock, Klaus: Einführung in die Religionswissenschaft, (2002), S. 184.

Baer, Harald: Jugendreligion: „Viele dieser Gruppen sind indischen Ursprungs und fast alle sind über die USA in die Bundesrepublik Deutschland gekommen“. Beispiele: ‚Internationale Gesellschaft für Kirshna-Bewußtsein’, Scientology- Kirche’ des Ron Hubbard, in (Hg. Gasper, Hans, Müller, Joachim, Valentin, Friederike): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, (1990), S. 542.

[12] Hock, Hans: Einführung in die Religionswissenschaft, (2002), S. 184, 187.

[13] Klinger, Cornelia: Flucht, Trost, Revolte, (1995), S. 7.

[14] Berger, Peter, Berger, Brigitte, Kellner, Hansfried: Das Unbehagen in der Modernität, (1975), S. 162, zit. n. Klinger, Cornelia: Flucht, Trost, Revolte, (1995), S. 7.

[15] Bochinger, Christoph: New Age und moderne Religion, (1994), S. 406.

[16] Küenzlen, G.: New Age - ein neues Paradigma? Anmerkungen zur Grundlagenkrise der Moderne: MD 49 (2/86), 28-38, S. 37f, zit. n. Maria Widl: Sehnsuchtsreligion, (1994), S. 242.

[17] Küenzelen, G.: New Age - ein neues Paradigma? Anmerkungen zur Grundlagenkrise der Moderne: MD 49 (2/86), 28-38, S. 37f, zit. n. Maria Widl: Sehnsuchtsreligion, (1994),S. 243.

[18] Widl, Maria: Sehnsuchtsreligion, (1994), S. 243.

[19] Sudbrack, J. Christen ohne Herz und Bauch?, New Age und die neue Religiosität: Publ-For 17 (3/88), 7-9, S. 7, zit. n. Maria Widl: Sehnsuchtsreligion, (1994), S. 243.

[20] Rausch, Ulrich, Türk, Eckhard: Geister-Glaube, Arbeitshilfe zu Fragen des Okkultismus (Hg. Bildungswerk der Diözese Mainz), (1991), S. 12.

[21] Bochinger, Christoph: New Age und moderne Religion, (1994), S. 23, 24, 25.

[22] Bochinger, Christoph: New Age und moderne Religion, (1994), S. 371.

[23] Bertholet, Alfred: Wörterbuch der Religionen, (1985), S. 169.

[24] Grom, Bernhard: Esoterik, in (Hg. Gasper, Hans, Müller, Joachim, Valentin, Friederike): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, (1997), S. 255.

[25] Jonas, Hans: Gnosis, (1999), S. 183.

[26] Grom, Bernhard: Esoterik, in (Hg. Gasper, Hans, Müller, Joachim, Valentin, Friederike): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, (1997), S. 254, 255.

[27] Klinger, Cornelia: Flucht, Trost, Revolte, (1995), S. 90-94.

Details

Seiten
48
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638826426
ISBN (Buch)
9783638827256
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77171
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Seminar für Religionswissenschaft
Note
sehr gut
Schlagworte
Hellsehen Telepathie Präkognition Bewegungen Perspektive Forschung Spiritualität Kulturen Motive Hintergründe Sicht

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Titel: Hellsehen, Telepathie, Präkognition in neuen religiösen Bewegungen und aus der Perspektive der neuen psychoanalytischen Forschung