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Multimorbidität im Alter

Hausarbeit 2007 19 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Definition Multimorbidität
2.2 Definition Alter

3. Die demografische Entwicklung im Bezug auf den alten Menschen

4. Vergleich des Begriffes „Multimorbidität“ mit dem angloamerikanischen Begriff „frailty“

5. Rehabilitation multimorbider Patienten nach Hager et al

6. Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Entwicklung der Lebenserwartung 60-Jähriger 1871/1881 (Statistisches Bundesamt 2006, S. 14)

Abbildung 2: 65-Jährige bis unter 80-Jährige sowie 80-Jährige und älter; ab 2006 Ergebnisse der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (Statistisches Bundesamt 2006, S. 43)

Abbildung 3: Geriatrische Einrichtungen in Deutschland 2000 ( Hager et al. 2002, S. 930)

Abbildung 4: ADL-Status und Alter bei Aufnahme und Entlassung (n=1845)

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In der Zeit des Mittelalters betrug die Lebenserwartung etwa 45 Jahre. Vor allem durch die sich immer weiter entwickelnde Medizin und das Eindämmen von gefährlichen Infektionserkrankungen kann heute mit einer Lebenserwartung von durchschnittlich bis zu 84 Jahren gerechnet werden. Dies sind einige Gründe, warum die Zahl der Hochbetagten bis 2050 von derzeit 3,6 Millionen auf 10 Millionen steigen soll (vgl. Statistisches Bundesamt 2006).

Multimorbidität ist ein typisches Merkmal des Alters. Da es einen Anstieg der Lebenserwartung und folglich der Zahl der Alten geben wird, ist die Zunahme multimorbider Hochbetagter unabwendbar. Doch was genau bedeutet „Multimorbidität“ und welcher Zusammenhang ist mit dem „Alter“ gegeben? Durch das Betrachten der demografischen Entwicklung und durch eine Definition der Begriffe „Multimorbidität“ und „Alter“ werden diese Fragen beantwortet. Außerdem wird ein Vergleich des Begriffes „Multimorbidität“ und des angloamerikanischen Begriffes „frailty“ gezogen. Denn der Begriff „frailty“ ermöglicht die Messung der noch vorhandenen Aktivität und Vitalität eines alten Menschen.

Die geriatrische Rehabilitation ist ein Versuch zur Besserung bzw. Stabilisierung und Vermeidung von Verschlechterung des Krankheitszustandes multimorbider Patienten. Das Wiedererlangen der Aktivitäten des alltäglichen Lebens bzw. das Aufrechterhalten der aktuellen Lebensqualität steht hier im Vordergrund (vgl. Hager et al. 2002).

2. Begriffsklärung

Ein Anliegen dieser Arbeit ist es, die Begrifflichkeiten „Multimorbidität“ und „Alter“ in Beziehung zu setzen. Um dies durchführen zu können, bedarf es jedoch einer genauen Definition der beiden Begriffe.

2.1 Definition Multimorbidität

„Multimorbidität“ setzt sich aus dem Wort Multi und dem ebenfalls lateinischen Wort Morbidität zusammen. Multi kann übersetzt werden als viel, mehrfach oder vielfach. Morbide wird im Deutschen als kränklich oder angekränkelt erklärt (Hermann 2004). Demzufolge kann das Wort Multimorbidität als Mehrfacherkrankung translatiert werden.

Hervorgerufen durch den Alterungsprozess, entstehen morphologische und physiologische Veränderungen von Organen und Organsystemen. Es muss nicht jede Veränderung als krankhaft betrachtet werden, dennoch steht außer Zweifel, dass mit zunehmendem Alter vermehrt chronische Erkrankungen zum Vorschein kommen und sich akkumulieren. Daraus entwickelt sich die für ältere Menschen typische „Multimorbidität“. Beispielsweise gibt es Untersuchungen bei 100-Jährigen, die nur selten weniger als zehn nebeneinander bestehende, krankhafte Organveränderungen aufweisen (Mayer/Baltes 1996).

Füsgen (1988) definiert den Begriff „Multimorbidität“ als das gleichzeitige Auftreten mehrerer Krankheiten, die behandlungsbedürftig sind. Es können durchschnittlich bei Hochbetagten drei bis neun Krankheiten gleichzeitig erwartet werden. Dabei werden Erkrankungen vom Herz-Kreislauf, der Atmungsorgane, des Endokriniums und des Stütz- und Bewegungsapparates am häufigsten genannt.

So lässt sich „Multimorbidität“ bei älteren Menschen in zwei verschiedene Gruppen teilen (Füsgen 1988):

1. „Multimorbidität“ mit einer unabhängigen Multiplizität im Sinne von Begleiterkrankungen, beispielsweise gleichzeitiges Vorhandensein eines Emphysems, eines Gallensteins und einer Koronarsklerose bei einem Patienten und
2. „Multimorbidität“ mit einer abhängigen Multiplizität kausalabhängiger Kombinationserkrankungen, z.B. eine Bronchitis, die chronisch wird und möglicherweise zu Altersbronchietasen führt, die wiederum rezidivierende Herpneumonien auslösen.

Hinzu kommt, dass sich bei jedem Menschen während des Alterns die Anzahl der Erkrankungen - auch an einem Organ allein - vermehren können. Hirsch et al. (1992, S. 17) klären dieses Phänomen ebenfalls mit dem Begriff „Multimorbidität“ und deuten es „als das gleichzeitige Auftreten mehrerer Krankheiten, die behandlungsbedürftig sind, aber nicht synchron.“

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2001) definiert, dass „Multimorbidität“ durch die Abnahme der funktionellen Reservekapazität nicht auf ein Organ oder Organsystem beschränkt ist, sondern dass von dieser Einschränkung gleichzeitig verschiedene Organe oder Organsysteme betroffen sind. Die „Multimorbidität“ des älteren Menschen hat wiederum bestimmte Merkmale. Bei der Masse an gleichzeitig nebeneinander vorkommenden Krankheiten im Alter handelt es sich in der Regel um chronische Krankheiten. Diese Krankheiten wird der ältere Mensch bis an sein Lebensende mit sich tragen, sie sind in der Regel behandlungsbedürftig und im Verlauf progredient. Je stärker die „Multimorbidität“ ausgeprägt ist, desto häufiger entwickeln sich akute Erkrankungen. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass die einzelnen chronischen Erkrankungen, wie die Hypertonie, der Diabetes Mellitus oder Fettstoffwechselstörungen einander noch negativ beeinflussen. Im Multimorbiditätsspektrum der somatischen Erkrankungen kristallisieren sich immer wieder zwei große Krankheitsgruppen heraus:

1. Erkrankungen des kardio- und zerebrovaskulären Systems und
2. Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Doch sind die Gründe für einen altersabhängigen Anstieg von Erkrankungen und Funktionsverlusten nicht nur an die altersphysiologischen Veränderungen von Organen und Organsystemen gebunden. „Auch die lange Latenzzeit mancher Krankheiten führt dazu, dass diese erst im mittleren und höheren Erwachsenenalter gehäuft auftreten“ (Tesch-Römer et al. 2006, S. 336). Ein weiterer Faktor, der den altersabhängigen Anstieg von Erkrankungen und Funktionsverlusten positiv beeinflusst ist oftmals auch die jahrzehntelange Exposition verschiedener Risikofaktoren (Umweltfaktoren, Gesundheitsverhalten). Diese führen zu Schädigungen von Organen bis hin zu chronischen Erkrankungen oder dauerhaften Funktionsverlusten (z.B. Verlust der Hörfähigkeit). Verschiedene Erkrankungen können zusätzlich Folgeerkrankungen hervorrufen. Beispielsweise begünstigt der Diabetes Mellitus die Arteriosklerose, die wiederum die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes oder der Erblindung erhöht und demnach „Multimorbidität“ hervorruft (Tesch-Römer et al. 2006).

Die medikamentöse Therapie kann bei vorliegender „Multimorbidität“ Probleme aufwerfen, denn aufgrund der im Alter veränderten Pharmakodynamik müssen individuelle Dosierungen eingehalten werden (vgl. Füsgen 1988). Außerdem darf man nicht in eine therapeutische Polypragmasie verfallen. Oftmals zeigt sich, dass konsekutive Begleiterkrankungen in der Latenz verschwinden und somit nicht mehr behandlungsbedürftig sind (vgl. Hirsch et al. 1992).

2.2 Definition Alter

Das Wort „Alter“ geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort „alter“, welches sich wiederum aus dem althochdeutschen Wort „altar“ herleiten lässt. Dieses ist die Suffixbildung zum gotischen Zeitwort „alan“ (wachsen). „Alt“ selbst ist Partizip passiv zum gotischen Verb „alan“ und bedeutet somit eigentlich „aufgewachsen“. So lassen sich verschiedene Definitionsarten des Wortes Alter finden. Sie unterscheiden sich nach Problemstellung und fachlicher Zugehörigkeit des Autors. Der Begriff „Alter“ ist an und für sich zweideutig, denn er kann als Umstand und/oder als Begriff der letzten Phase des individuellen Lebenslaufes gesehen werden (vgl. Füsgen 1988).

Die gestiegene Lebenserwartung, die verbesserte Lebenssituation und Individualisierung führen zur Differenzierung des Alters. „In der Soziologie und Gerontologie wird versucht dieser Ausdifferenzierung Rechnung zu tragen, indem zwischen jungen und alten Alten sowie Hochbetagten unterschieden bzw. vom Dritten und Vierten Alter gesprochen wird“ (Walter et al. 2006, S. 40).

Doch wann beginnt „Alter“ und wann gelten Menschen als alt? „ „Altern“ umfasst alle zeitgebundenen Veränderungen eines individuellen Organismus. Alterungsprozesse (und Altersstufen) unterliegen biologischen, biographischen, subjektiven, sozialen und kulturellen Bewertungen. Altern ist gleichzeitig ein biologisches, psychisches und gesellschaftliches Phänomen“ (SVRKAiG 1996, S. 112).

In unserer Gesellschaft wird die Altersgrenze, ab der Personen zu „den Alten“ zählen, bei 60 - 65 Jahren gezogen. Kruse et al. (2003) schreiben, dass dies weder rechtlich noch wissenschaftlich zu begründen ist. Zwar treten in dieser Zeit die meisten Personen aus dem Erwerbsleben aus, aber dennoch ist dieses Alter weder kennzeichnend für Einschränkungen im gesundheitlichen Bereich, noch für Pflegebedürftigkeit oder Sterbehäufigkeit.

In der Altersforschung wird von vier Lebensphasen eines Menschen gesprochen:

1. Phase - die Kindheit und Jugend,
2. Phase - das Erwachsenenalter,
3. Phase - das Alter von 60/65 Jahren und die
4. Phase - das Alter von 75/80 Jahre (vgl. Kruse et al. 2003).

Das „Alter“ ist in sich in zwei Phasen aufgeteilt (dritte und vierte Phase), welche weiterhin unterteilt werden können. „Die Sozio-Demographie spricht von „Alten“ (ab 60 oder 65 Jahren) und „sehr Alten“ oder „Hochbetagten“ (80 Jahre und älter), ebenso von „jüngeren Alten“ (65-74 Jahren) und „älteren Alten“ (75 Jahre und älter)“ (SVRKAiG 1996, S. 112).

Forschungsergebnisse aus den Bereichen Biomedizin, Neurobiologie und Neuropsychiologie sprechen besonders im vierten Lebensalter von einer erhöhten Vulnerabilität und reduzierten Fähigkeit des Organismus, sich an gesundheitliche Störungen anzupassen (vgl. BMFSFJ 2002). Dies lässt sich mit Multimorbidität in Beziehung setzen. Denn durchschnittlich können bei Hochbetagten drei bis neun Krankheiten gleichzeitig erwartet werden (Füsgen 1988). Zusätzlich beschreiben Kruse et al. (2003), dass besonderes Augenmerk auf die Gruppe der über 80-Jährigen gelegt werden muss, da sich dort Risiken und Verletzlichkeitsprofile abzeichnen, was wiederum erhöhte Kosten im Gesundheitsbereich zur Folge haben kann.

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Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638825894
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77134
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Multimorbidität Alter Medizinische Vertiefung

Autor

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Titel: Multimorbidität im Alter