Lade Inhalt...

Grundlagen zur Entstehung der Klassik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Gliederung

1. Klassisch und umstritten

2. Die Begrifflichkeit von Klassik und klassisch
2.1 Klassik als historische Kategorie
2.2 Klassisch als stilbildende Norm

3. Das 'griechische Wunder'
3.1 Die Bedeutung der Religion
3.2 Der Aufbruch zur Demokratie
3.3 Die Wirtschaft

4. Der griechische Freiheitskampf
4.1 Die Kriege gegen die Perser
4.2 Die Deutung der Perserkriege

5. Zwei Aspekte innerhalb der Pentekontaëtie
5.1 Athen als Schule von Hellas
5.2 Klassische Kunst und Formbewusstsein

6. Klassische Aspekte
6.1 Zusammenfassung
6.2 Die Hybris Athens

Literaturverzeichnis

1. Klassisch und umstritten

Was steckt hinter klassisch ? Wer auch immer diese Frage stellt und zu beantworten sucht, muss erkennen, dass es darauf offensichtlich viele unterschiedliche Antworten gibt.[1] Dies hat in diesem Jahr die Ausstellung „Die griechische Klassik – Idee oder Wirklichkeit“ und die kritische Berichterstattung darüber in den Medien, besonders in Zeitungen, erneut eindrucksvoll gezeigt. Auch diese Berichte beschränken sich selten auf eine simple Darstellung der Exposition, sondern versuchen vielmehr, der gestellten Leitfrage gerecht zu werden.[2]

Die vorgelegte Hausarbeit wird sich ebenfalls damit zu befassen haben und wird ihre Antwort innerhalb des gewählten Themas finden. Hierzu wird nach einer begrifflichen Eingrenzung der Blickwinkel auf die Grundlagen zur Entstehung jener ersten und maßgebenden Klassik konzentriert, wobei der Schwerpunkt vor Allem auf Facetten der religiösen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten des antiken Athens im Zeitraum vor und nach den Perserkriegen gelegt wird.

2. Die Begrifflichkeit von Klassik und klassisch

2.1 Klassik als historische Kategorie

Der Klassikbegriff wurde nicht etwa in Athen geschaffen, sondern im Rom des 2. Jahrhunderts nach Christus. Aulus Gellius, ein römischer Autor, überträgt die Bezeichnung für die Angehörigen der höchsten Steuerklassen, der classici, oder als steuerlicher Ausdruck classicus, auf hervorragende Schriftsteller, „scriptores classici“, um damit deren sprachliche Mustergültigkeit zu würdigen.[3]

Im heutigen Spachgebrauch der deutschen Forschung wird damit allgemein das 5. und 4. Jahrhundert vor Christus bezeichnet,[4] im engeren Sinne die Pentekontätie[5] Griechenlands im 5. Jahrhundert vor Christus, also die Zeit zwischen den Perserkriegen und dem Peloponnesischen Kriegen, benannt.[6] Gelegentlich wird der Fokus sogar noch stärker eingeengt auf die Phase der Hochklassik, im Zeitraum zwischen 450 und 420, also Deckungsgleich mit der Zeit, in der der Stratege Perikles Athen dominierte[7] und zur „Kraft der Erziehung für ganz Hellas“[8] machte.

Daraus ergibt als wichtiges Merkmal die Janusgesichtigkeit des Terminus Klassik: zum Einen historische Epochenbezeichnung, zum Andern Normbegriff, der eine Blütezeit im Ästhetischen charakterisiert.[9]

2.2 Klassisch als stilbildende Norm

Im der Begriffsgeschichte ist vor allem die letzte Bedeutung herausragend geworden. Was aber als klassisch im Sinne von mustergültig oder vorbildhaft assoziiert wird, ist eine Frage der Rezeption, die im Laufe der Zeit unterschiedlich beantwortet wurde.[10]

So wurde schon in der Antike wurde die Vorrangstellung der der athenischen Kunst des 5. Jahrhunderts anerkannt, wie die zahlreichen Nachahmungen und Kopien athenischer Werke in Rom zeigen, ohne dass dies jedoch mit dem Ausdruck in Verbindung gebracht worden wäre. Die Renaissance, deren wichtigste Impulse vom Gebiet des heutigen Italiens ausgingen, griff die Bezeichnung von Gellius auf und verwendete sie auch in seinem Sinne literaturbezogen.[11]

Im 17. Jahrhundert wird in Frankreich – in Italien und England analog - das Wortfeld classique in Bezug auf die Literatur auch ohne direktem Rückbezug auf die Antike im Sinne von beispielgebend verwendet, woraus sich später classicisme als Bezeichnung für die Blütezeit französischer Literatur entwickelt.[12]

[...]


[1] Hierzu auch: Heilmeyer W.-D.: Das Konzept der Ausstellung, in: Heilmeyer, W.-D. (Hg.): Die griechische Klassik - Idee oder Wirklichkeit, Mainz 2002, S. 2-3.

[2] Als zwei Beispiele unter unzähligen: Leibundgut A.: Geschichte eines geistigen Konstruktes. Ausstellung „Griechische Klassik – Idee oder Wirklichkeit“, Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2002; oder: Seewald B.: Klassische Sehnsucht. Fundstücke, Die Welt, 18.02.2002.

[3] Borbein A. H.: Klassische Kunst, in: Heilmeyer W.-D. (Hg.): Die griechische Klassik - Idee oder Wirklichkeit, Mainz 2002, S. 9; auch Lexikon der Antike, Digitale Bibliothek Band 18.

[4] Lexikon der Antike, Digitale Bibliothek Band 18.

[5] Zum Begriff: Bayer E.: Grundzüge der griechischen Geschichte, Darmstadt5 1978, S. 61.

[6] Funke P.: Athen in klassischer Zeit, München 1999, S. 69-70, und Borbein, Mainz 2002, S. 9-25.

[7] Borbein: Mainz 2002, S. 9-25; Klöckner, J.: Die Gestaltung der Akropolis unter Perikles, in: Praxis Geschichte 4: Die Griechen, Juli 1992, S. 29-34.

[8] Thuk. II, 41, 1.

[9] Lexikon der Antike, Digitale Bibliothek Band 18.

[10] Borbein: Mainz 2002, S. 9.

[11] Settis S.: Der Klassizismus und das Klassische. Ein Durchgang im Rückblick, in: Heilmeyer, W.-D. (Hg.): Die griechische Klassik - Idee oder Wirklichkeit, Mainz 2002, S. 43-45.

[12] Der neue Pauly, Band 14.

Details

Seiten
13
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638148757
ISBN (Buch)
9783638841856
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7713
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Alte Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Klassik Classici Athen giechisches Wunder Perserkriege Perikles Perserschut Nomos Isonomie Hybris Akropolis Kanon Pentekontaetie

Autor

Zurück

Titel: Grundlagen zur Entstehung der Klassik