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Heinrich IV. und Papst Clemens III. (gest. 1100)

Hausarbeit 2007 27 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bonizo von Sutri und die Bedeutung seines Werkes

3. Wibert als Erzbischof von Ravenna und seine Bedeutung
3.1 Die Kirchenprovinz Ravenna
3.2 Wibert wird Erzbischof
3.3 Das Verhältnis zwischen Wibert von Ravenna und Gregor VII
3.3.1 Der Bruch mit Gregor VII

4. Wibert als Gegenpapst Clemens III. und das Verhältnis zu Heinrich IV
4.1 Die Ernennung Wiberts zum Papstkandidaten
4.2 Die Rolle der Mathilde von Tuszien
4.3 Papst Clemens III. und Heinrich IV

5. Schlussbemerkung

Abkürzungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wibert von Ravenna, der spätere Gegenpapst Clemens III. wurde zwischen 1020 und 1030 geboren und entstammte einer kleineren italienischen Dynastenfamilie, die im 11. Jahrhundert als Ausfächerung der Markgrafen von Canossa den Grafentitel führte. Die adlige Abstammung wird auch von Bonizo von Sutri bestätigt: er schreibt, Wibert sei nobili orto genere.[1]

Die uns zur Verfügung stehende Quellenlage bietet einen guten Einblick in die Thematik, jedoch sind nicht alle Quellen als glaubwürdig zu betrachten, was die Auswahl wiederum stark einschränkt. Bonizo von Sutri ist als die Hauptquelle für den Lebenslauf Wiberts anzusehen, einige wesentliche Aussagen sind aber auch bei Wido[2] und im Register Gregors VII. zu finden, die maßgeblichen Quellen sind alle in der Reihe der Monumenta Germaniae Historica gesammelt.

Der aktuellste Forschungsstand ist bei Ingrid Heidrich (1984) und Jürgen Ziese (1982) zu finden, beide Autoren befassen sich zum einen tiefgründig mit der Person Wiberts von Ravenna als auch mit seiner Bedeutung für das Erzbistum Ravenna sowie als späterer Gegenpapst zu Gregor VII. beziehungsweise als rechtmäßiger Papst.

Für ein besseres Verständnis der Thematik empfiehlt es sich, neben der Auseinandersetzung mit Wiberts Person als Erzbischof und Papst und Heinrich IV. als seinen Unterstützer, auch die Verhältnisse zur Markgräfin Mathilde von Tuszien zu betrachten. Tilman Struve analysiert das Verhältnis zwischen Heinrich IV. und Mathilde von Tuszien sowie die bedeutende Rolle der Markgräfin zu dieser Zeit in seinem Aufsatz von 1995.

Die vorliegende Arbeit untersucht primär die Bedeutung Wiberts als Erzbischof von Ravenna und das bestehende Verhältnis zu Heinrich IV. Auch das Verhältnis Wiberts zu Papst Gregor VII. findet ebenso Beachtung wie die entscheidende Bedeutung der Markgräfin Mathilde von Tuszien.

Abschließend erfolgt eine kurze Analyse der Beziehungen Wiberts als Papst Clemens III. zum Kaiser Heinrich IV.

2. Bonizo von Sutri und die Bedeutung seines Werkes

Bonizo von Sutri ist wahrscheinlich um 1045 geboren und entstammt dem nichtrömischen Reichsitalien, seine Heimat liegt wohl in der mailändischen Kirchenprovinz. Bonzios Wege führten ihn auch nach Rom, wo er den Papst Alexander II. „mit eigenen Augen auf einer Synode im Konsistorium des Lateran“[3] gesehen hat: Quod et secundus Alexander papa, quem nostris oculis vidimus in sinodo habita in Lateranensi consistorio, in decretali epistola, quam Mediolanensibus scripsit et omnibus eclesiis tenenda mandavit, satis aperte demonstrat.[4]

Walter Berschin vermutet, dass Bonizo auch in Rom war, als Alexander II. starb und dessen erster Ratgeber Hildebrand als Gregor VII. den Stuhl Petri im Jahr 1073 bestieg.[5]

Spätestens im Jahr 1078 wurde Bonizo Bischof in der kleinen, aber in den damaligen politischen Verhältnissen wichtigen Stadt Sutri. Von seiner bischöflichen Tätigkeit in Bonizos Bischofsstadt ist nichts überliefert, wenn er also überhaupt eine Wirksamkeit entfalten konnte, endete sie um 1082, denn er wurde, als König Heinrich IV. vor Rom stand, gefangen genommen: Igitur Heinricus capto venerabili episcopo de Sutria aliisque nonnullis suoque apostata Guiberto in Tiburtina urbe ad infestandos Romanos derelicto, ipse Langobardiam revertitur.[6]

Die Stadt Sutri, aus der Bonizo vermutlich vorher vertrieben worden war[7], zeichnete sich in der Folge durch eine besondere Treue zu dem 1080 als Papst Clemens III. erwählten Metropoliten Wibert von Ravenna aus.

Spätestens im Jahr 1086, nach der Freilassung Bonizos, stand er in Verbindung mit den Anhängern Gregors VII., die nach dem Tod des Papstes am 25. Mai 1085 in Salerno unter dem Schutz der Markgräfin Mathilde von Tuszien den Kampf gegen Clemens III. fortführten. In dieser Situation entstand Bonizos Werk Liber ad amicum, in dem der vertriebene Bischof jeden Zweifel an der Berechtigung zum Gebrauch der Waffen gegen die Schismatiker zurückweist und die „Soldaten Gottes“ aufruft, dem Vorbild der kriegerischen Markgräfin Mathilde nachzueifern:

Igitur pugnent gloriosissimi Dei milites pro veritate, certent pro iusticia, pugnent vero animo adversus heresim, extollentum se adversus omne, quod dicitur vel quod colitur deus. Emulentur in bonum excellentissimam comitissam Matildam, filiam beati Petri, que virili animo, omnibus mundanis rebus posthabitis, mori parata est potius quam legem Dei infringere et contra heresim, que nunc sevit in ecclesia, prout vires suppetunt, omnibus modis impugnare.[8]

Vermutlich im Jahr 1094 starb Bonizo von Sutri in Cremona[9], und wurde im Laurentiuskloster vor Cremona begraben.

Die handschriftliche Überlieferung des Werkes Bonizos Liber ad amicum ist im Codex latinus monacensis 618 enthalten[10]. Der Liber ad amicum ist in seinem Hauptinhalt nach ein an bestimmte Fragen angeknüpfter geschichtlicher Überblick von den Anfängen der Kirche bis zum Tod Gregors VII.

Das Werk bezeugt die aufs äußerste gesteigerte Kampfstimmung gegen den kaiserlichen Papst Clemens III., der sein Erzbistum Ravenna auch nach seiner Erhebung zum Papst behalten hatte. Bonizo trat nicht nur als Prediger, sondern auch als Bischof auf dem Boden des Erzbistums Ravenna auf.[11]

Für die Datierung der Werke Bonizos und ihrer Einordnung in seine Lebensgeschichte gibt es nur wenig Anhaltspunkte, einzige Hinweise bietet allein das für diese Arbeit eine Rolle spielende Werk Liber ad amicum. Die historische Darstellung des Buches schließt mit dem Tod Gregors VII. am 25. Mai 1085, wahrscheinlich wurde die Schrift bald nach diesem Datum abgefasst.[12]

Die Darstellung Bonizos von Sutri hat ihre größte Dichte in der Schilderung des Pontifikats Alexanders II. (1061-1073) und etwa der ersten sieben Jahre seines Nachfolgers Gregors VII. Für eine systematische Abhandlung, wie sie etwa Wido von Ferrara in seinem Liber de scismate Hildebrandi verfasste, ist Bonizo zu wenig theoretisch eingestellt, die Antwort auf eine theoretische Frage wird naturgemäß zur historischen Darstellung: Sed cum superius a me quesisses, amice dulcissime, si licet christiano armis pro veritate decertare, hystoriam petebas.[13]

Die Behauptung Bonizos, Karl der Große sei niemals Kaiser gewesen, begründete die Wahrscheinlichkeit von Unwahrhaftigkeit und Verdrehung in seinem Werk. Doch es wurde später nachgewiesen, dass Bonizo es zu dieser Zeit nicht besser wissen konnte, als dass Ludwig der Fromme der erste Kaiser auf fränkischem Stamm gewesen sei – mit dieser Unkenntnis stand Bonizo im Mittelalter keineswegs allein dar. Somit kann der Vorwurf der Unglaubwürdigkeit des Werkes widerlegt und dieses von uns als weitgehend zuverlässige Quelle angesehen werden. Jedoch muss auch diese Quelle kritisch betrachtet werden, da sie eine hohe Parteinahme Bonizos zu Gregor VII. aufweist und sich somit gegen Wibert von Ravenna, den späteren Papst Clemens III. stellt.[14]

3. Wibert als Erzbischof von Ravenna und seine Bedeutung

3.1 Die Kirchenprovinz Ravenna

Zur Zeit von Wibert umfasste die Kirchenprovinz Ravenna die Bistümer der Romagna und Emilia: Adria, Bologna, Cervia, Cesena, Comacchio, Ferrara, Faenza, Forlì, Forlimpopoli, Imola, Modena, Montefeltro, Parma, Piacenza, Reggio und Sarsina.[15]

Ende April und Anfang Mai 1074 waren einige wichtige Personen in Ravenna anwesend, um sich über Wiberts Sicht der römischen Verhältnisse zu informieren: Das Zusammentreffen der Bischöfe Lambert von Bologna und Adelrich von Imola mit Wibert in Ravenna ist nicht im Sinne einer Synode, sondern als kirchenpolitische Zusammenkunft zu interpretieren.

Für die Bologneser Bischöfe finden sich in den Ravennater Quellen seit 1086 keine Zeugnisse mehr, somit ist anzunehmen, dass Stadt und Bistum Bologna seit 1086 unter dem Einfluss der Markgräfin Mathilde von Tuszien standen. In Imola war nicht ein gregorianischer Gegenbischof, sondern die Grafen Wiberts Feinde, so dass auch die Bürger der Stadt im Konflikt zwischen dem wibertinischen Bischof Morandus und den Grafen von Imola eine entscheidende Rolle spielten.

Die Bedeutung des Bischofs von Ferrara, Wido, zudem ein getreuer Anhänger des Kaisers, war für Wibert entscheidend: er griff mit einer bedeutenden publizistischen Schrift in die Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und Wibert einerseits und den Gregorianern andererseits ein[16] und stand bis zum Schluss treu auf Wiberts Seite.[17]

Der Bischof des nordwestlichen Bistums der Ravennater Kirchenprovinz, Piacenza, war wie Wibert ein Anhänger des Cadalus von Parma. Auf der Fastensynode von 1075 wurde Dionysius von Gregor VII. seines Bischofsamtes enthoben, aber nicht exkommuniziert. Die Exkommunikation sprach Gregor erst im darauffolgenden Jahr gegen alle lombardischen Bischöfe aus, dennoch ist Dionysius als Bischof von Piacenza bis Anfang der 1080er Jahre nachweisbar.[18]

[...]


[1] MGH Ldl 1, S. 593

[2] Wido episcopus Ferrarensis de scismate Hildebrandi

[3] vgl. Berschin, S. 8

[4] ebd. (ed. Miccoli, Studi Medievali 7, 1966, S. 394)

[5] vgl. Bonizo, MGH Ldl 1, S. 600ff

[6] MGH SS V, S. 437

[7] vgl. Berschin, S. 10

[8] MGH Ldl 1, S. 620

[9] Urban II. ist der letzte bei Bonizo erwähnte Papst, man kann davon ausgehen dass er Urban II. nicht überlebt hat.

[10] vgl. Berschin, S. 38

[11] vgl. ebd., S. 11

[12] da die Wahl Viktors III. am 24. Mai 1086 nicht mehr im Liber ad amicum erwähnt ist, hat man angenommen (u.a. Jaffé, Bibliotheca rer. Germ. II, S. 583), dass das Buch vor diesem Datum verfasst wurde.

[13] MGH Ldl 1, S. 618

[14] vgl. dazu Ziese, S. 26

[15] Heidrich, S. 107

[16] MGH Ldl 1, S. 529 ff. (De scismate Hildebrandi)

[17] vgl. Heidrich, S. 110

[18] Heidrich, S. 114

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638825269
ISBN (Buch)
9783656057963
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76914
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
Heinrich Papst Clemens Hauptseminar

Autor

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Titel: Heinrich IV. und Papst Clemens III. (gest. 1100)