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Homo Oeconomicus: der Mensch - ein asoziales Wesen?

Essay 2005 10 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Der Homo Oeconomicus als Akteurmodell soziologischer Theorie

2. Der soziologisierte Homo Oeconomicus in den Handlungstheorien

Literatur

1. Der Homo Oeconomicus als Akteurmodell soziologischer Theorie

Der „Konflikt zwischen Teil und Ganzem“ (Georg Simmel) im Kontext des Sozialen wirkt sich nicht nur realeffektiv auf unsere soziale Wirklichkeit aus, sondern ist auch in den unterschiedlichen Erklärungsmethoden der soziologischen Theorien abzulesen. Es stellt sich jeweils die zentrale Frage, in welchem Verhältnis Teil und Ganzes zueinander stehen; übertragen auf den Gegenstandsbereich der Soziologie: individuelles Handeln („agency“) und soziale Effekte („structure“). Das Ziel der Erklärungen der Soziologie liegt im Allgemeinen auf der Makroebene der sozialen Wirklichkeit und bezieht sich auf die kollektivbezogenen Erkenntnisinteressen wie Merkmalsverteilungen innerhalb eines Kollektivs, Zusammenhänge von Merkmalen im Falle mehrdimensionaler Verteilungsanalysen, dimensionaler oder kausaler Natur, und schließlich konkrete soziale Phänomene (vgl. Schulze 2003: 184,f.). Das grundlegende Problem jedoch ist, dass die Sozialforschung, um die kleinstmöglichen Einheiten des Sozialen als Datenträger zu nutzen, auf einzelne Menschen zurückgreifen muss. Wie ist nun die Verbindung zwischen dem Individualhandeln der empirischen Forschung und dem kollektivbezogenen Erklärungsziel der soziologischen Theorie herzustellen? Diese Frage entscheidet sich durch das grundlegende Verständnis des Wissenschaftlers vom Verhältnis zwischen Mensch und Gesellschaft, d.h. durch seine grundlegende Vorstellung vom Menschen in seiner Beziehung zur Gesellschaft und seine grundlegende Vorstellung von der Gesellschaft in ihrer Beziehung zum einzelnen Menschen.

Geht man bei den Akteuren von freie Handlungswahlen treffenden Individuen aus, die nicht durch Vorgaben des Sozialen in ihrem Entscheiden determiniert seien, was gleichzeitig bedeutet, Gesellschaft fungiere nur als strukturelle Randbedingung des Handelns und stelle keine eigenständige Einheit der Vergesellschaftung dar, sondern lediglich die Aggregation von Handlungen (vgl. Münch 2003: 10), liegt es nahe, das Augenmerk vornehmlich auf die Interaktionsebene der sozialen Wirklichkeit zu richten, um durch Analysen auf der Mikroebene etwaige Gesetzmäßigkeiten des Handelns zu entdecken, und diese empirisch-nomologisch zur ursächlichen Erklärung gesellschaftsanalytischer Fragestellungen heranzuziehen. Geht man bei den Akteuren jedoch von durch die Gesellschaft weitgehend determinierten Wesen aus, deren Handeln gemäß der strukturalistischen Denkrichtung immer als Vollzug einer sozialen Ordnung gesehen werden kann (vgl. Münch 2002: 296), muss man gleichzeitig Gesellschaft als „emergentes, zwar aus Handlungen hervor gehendes, aber dennoch mit neu hinzu kommenden Qualitäten ausgestattetes Phänomen“ (Münch 2003: 10) anerkennen, welches es selbst gedanklich zu durchdringen gilt, und somit Ansatzpunkt eigener theoretischer Überlegungen sein muss. Diese Vorstellung von sozialen Tatbeständen „sui generis“ liegt allen Theorien der Makrosoziologie zugrunde, deren struktur-funktionalistische Denkrichtung nach Funktionen gesellschaftlicher Teilsysteme für das Gesamtsystem sucht, um dessen Bestand in die Abhängigkeit des reibungslosen Funktionierens dieser Teilsysteme zu stellen. Zumal die Makrosoziologie auch funktionale Beziehungen zwischen der Gesellschaftsebene und der Ebene des individuellen Handelns impliziert, schließt sich hier die theoretische Betrachtung der Interaktionsebene nicht aus (vgl. Endruweit 1999: 11).

Die den sozialen Wirkungen die Fähigkeit zur Handlungsprägung als eigenständige Einheiten der sozialen Wirklichkeit absprechenden Theorien der Mikrosoziologie jedoch haben den berechtigten Vorwurf zu vertreten, ihre theoretische Analyse zu eng auf die Handlungsebene zu beschränken (vgl. Münch 2003: 11). Sie werden unter dem Begriff der Handlungstheorien zusammengefasst, denen die soziologische Erklärungsrichtung des methodologischen Individualismus gemeinsam ist.

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Details

Seiten
10
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638825160
ISBN (Buch)
9783638825580
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76903
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Schlagworte
Homo Oeconomicus Mensch Wesen Handlungstheorien Akteurmodelle

Autor

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Titel: Homo Oeconomicus: der Mensch - ein asoziales Wesen?