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Der Einfluss ausländischer Direktinvestitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung Irlands

Eine empirische Analyse

Diplomarbeit 2007 95 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Irland – Der „keltische Tiger“
1.2 Zielsetzung, Forschungsbeitrag und Aufbau der Arbeit
1.3 Begriffsbestimmung und konzeptionelle Kernpunkte

2 Determinanten (Motive) für Direktinvestitionen
2.1 Ein Überblick über die wichtigsten Theorien
2.2 Implikationen für die Fragestellung dieser Arbeit

3 Einfluss von Direktinvestitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung im Gastland
3.1 Einfluss auf das Wirtschaftswachstum im Gastland – Theoretische Zusammenhänge und empirische Evidenz
3.1.1 Direktinvestitionen im Kontext wachstumstheoretischer Überlegungen
3.1.2 Akkumulation von Sachkapital
3.1.3 Einfluss von FDI auf die Beschäftigung
3.1.4 Einfluss von FDI auf Produktivität, Wissen und den technischen Fortschritt
3.2 Effekte von FDI auf die Zahlungsbilanz

4 Zur wirtschaftlichen Entwicklung Irlands
4.1 Hintergründe und Fakten – ein kurzer Überblick
4.2 Theoretische Erklärungsansätze für Irlands Wirtschaftsboom
4.3 Die zentralen politischen Entscheidungen
4.3.1 Öffnung der Volkswirtschaft und FDI freundliche Politik
4.3.2 Investition in physische Infrastruktur und Humankapital
4.3.3 Veränderung der institutionellen Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt
4.4 Die wesentlichen Interaktionen

5 Empirische Analyse
5.1 Zur Wahl der Untersuchungsmethode
5.2 Erläuterung der gewählten Methode
5.3 Beschaffung und Aufbereitung der Daten
5.4 Das Regressionsmodell und die Ergebnisse

6 Zusammenfassung, Diskussion und Politikempfehlungen

Literaturverzeichnis

Datenquellen

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*) Aus technischen Gründen ist die Kennzeichnung der Wachstumsrate dieser Variablen im VAR-Modell mit ^ nicht möglich.

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Abbildungen

Abbildung 1: Reales Prokopfeinkommen: Irland vs. EU-15 1990-2005

Abbildung 2: Durchschnittliches Prokopfeinkommen in Kaufkraftstandards 1980-1990 im internationalen Vergleich

Abbildung 3: Entwicklung der relativen Prokopfeinkommen in Kaufkraftstandards im internationalen Vergleich 1

Abbildung 4: Entwicklung der relativen Prokopfeinkommen in Kaufkraftstandards im internationalen Vergleich 2

Abbildung 5: Entwicklung der FDI-Zuflüsse im internationalen Vergleich

Abbildung 6: Entwicklung der FDI-Zuflüsse nach Deutschland 1997 - 2004

Abbildung 7: Entwicklung der FDI-Zuflüsse in die Slowakei 1997 - 2004

Abbildung 8: Entwicklung des realen Prokopfeinkommens von 1960 bis 2005: Irland vs. EU-15

Abbildung 9: Relatives Prokopfeinkommen in Kaufkraftstandards im internationalen Vergleich 1960

Abbildung 10: Relatives Prokopfeinkommen in Kaufkraftstandards im internationalen Vergleich 1985

Abbildung 11: Relatives Prokopfeinkommen in Kaufkraftstandards im internationalen Vergleich 2005

Abbildung 12: Entwicklung des irischen relativen Prokopfeinkommens in Kaufkraftstandards im Vergleich zum EU-15 Durchschnitt

Abbildung 13: Entwicklung der Arbeitslosenquote: Irland vs. EU-15

Abbildung 14: Arbeitslosenquote im internationalen Vergleich – 1985

Abbildung 15: Arbeitslosenquote im internationalen Vergleich – 2005

Abbildung 16: Irland: Beschäftigungsentwicklung nach Sektor

Abbildung 17: Irland: regionale Struktur des Außenhandels 2005

Abbildung 18: Irland: Migrationsströme

Abbildung 19: Irland: Entwicklung des Offenheitsgrades 1960 - 2005

Abbildung 20: Irland: Entwicklung des gewerkschaftlichen Organisationsgrades (Union Density) 1961 - 2002

Abbildung 21: Irland: Entwicklung des Tax Wedge 1979 - 2004

Abbildung 22: Tax Wedge und Arbeitskosten im internationalen Vergleich

Abbildung 23: Irland: Bevölkerungsentwicklung 1960 - 2005

Abbildung 24: Irland: Entwicklung der Geburtenrate pro 1000 Personen 1960 – 2003

Abbildung 25: Irland: Entwicklung der Frauenpartizipationsrate am Arbeitsmarkt von 1960 bis 2003

Abbildung 26: Irland: Entwicklung des realen effektiven Wechselkurses 1976 – 2002

Abbildung 27: Absolute Beiträge der einzelnen Produktionsfaktoren zum irischen Wirtschaftswachstum zu verschiedenen Perioden

Abbildung 28: Relative Wachstumsbeiträge der einzelnen Produktionsfaktoren zum irischen Wirtschaftswachstum zu verschiedenen Perioden

Abbildung 29: Überblick über die größten MNC-Töchter in Irland im Jahr 2000

Anhang 2: Detaillierte Ergebnisse der empirischen Untersuchung
1 Variablen:
2 Einheitswurzeltests:
2.1 ADF-Test
2.2 KPSS-Test
3 Regressionsergebnisse
3.1 Bestimmung der Lag-Länge
3.2 Regression mit k + dmax Lags
3.3 Kausalitätsprüfung (Wald-Test)
3.4 Impuls Antwortfunktion

1 Einleitung

1.1 Irland – Der „keltische Tiger“

Irland wird häufig als „keltischer Tiger“ bezeichnet, wenn über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes seit dem Beginn der 1990ger Jahre berichtet wird. Seit dieser Zeit ist Irland eines der am schnellsten wachsenden Industrieländer. Zwischen 1990 und 2005 nahm das reale irische Prokopfeinkommen um knapp 125% zu. Das durchschnittliche reale Prokopfeinkommen der EU-15 Länder stieg im selben Zeitraum lediglich um knapp 25%. Bis in die 1980ger Jahre galt Irland als das „Armenhaus“ Europas. Nur Portugal wies innerhalb der EU-15 gemessen in Kaufkraftstandards ein geringeres Prokopfeinkommen als Irland auf. Inzwischen gehört Irland zu den reichsten Ländern der Welt. Innerhalb der EU-15 Länder ist nur das luxemburgische Prokopfeinkommen höher. Erstaunlich ist auch die Entwicklung im Vergleich zu Spanien, Griechenland und Portugal. Zu Beginn der 1990ger Jahre lagen die Prokopfeinkommen dieser Länder noch etwa auf dem gleichen Niveau wie das irische – deutlich unter dem EU-15 Durchschnitt. Während Portugals relatives Prokopfeinkommen sogar gesunken ist, ist in Spanien und Griechenland ein leichter Konvergenzprozess eingetreten, der aber schwach im Vergleich zur irischen Entwicklung ist.[1]

Im selben Zeitraum ist der Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) deutlich gestiegen. Zwar ist seit den 1990ger Jahren ein weltweiter Anstieg der FDI-Ströme zu verzeichnen, doch haben sich die Zuflüsse nach Irland überdurchschnittlich entwickelt.[2] Das Ausmaß des FDI-Zuflusses nach Irland im Vergleich zu anderen Ländern kommt auch im “Transnationality Index” der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) zum Ausdruck. Irland weist hier den höchsten Wert unter allen entwickelten Ländern auf.[3] Der FDI-Zufluss in die Länder Spanien, Portugal und Griechenland, die eine deutlich geringere relative Einkommenssteigerung in der genannten Periode aufwiesen, blieb in der Entwicklung deutlich hinter dem FDI-Zufluss nach Irland zurück.

Anhand dieser beschriebenen Entwicklung ist es nahe liegend, einen Zusammenhang zwischen dem FDI-Zufluss und der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes anzunehmen.

1.2 Zielsetzung, Forschungsbeitrag und Aufbau der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, ob sich der offensichtlich erscheinende Zusammenhang zwischen dem FDI-Zufluss und der wirtschaftlichen Entwicklung Irlands empirisch nachweisen lässt. Dabei wird der Schwerpunkt der Analyse in der Untersuchung der Kausalbeziehung zwischen dem FDI-Zufluss und dem Outputwachstum der Volkswirtschaft sowie den langfristig das Wachstum bestimmenden Faktoren Beschäftigungswachstum, Kapitalstockwachstum und Wachstum des technischen Fortschritts liegen.

Es gibt bereits viele Studien, die sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung Irlands im Allgemeinen und dem Einfluss von FDI im Speziellen beschäftigen. Barry[4] analysiert beispielsweise die Öffnung der irischen Volkswirtschaft vor dem Hintergrund endogener Wachstumstheorien und der Theorie der ökonomischen Geografie. In einem späteren Aufsatz kontrastiert Barry zwei Theorien („delayed convergence“ und „regional boom“), mit denen auf unterschiedliche Art das schnelle Wachstum Irlands erklärt werden kann.[5] Auch Kennedy[6] bringt die Öffnung des Landes und den FDI-Zufluss in ähnlicher Weise in den Kontext der endogenen Wachstumstheorien. Honohan und Walsh[7] sehen die Ursache für die positive Entwicklung Irlands ebenfalls in der Öffnung des Landes und der FDI freundlichen Politik. Außerdem betonen sie die Bedeutung der seit dem Ende der 1980ger Jahre verbesserten institutionellen Bedingungen am Arbeitsmarkt. Bergin und Kearney[8] kommen zum Ergebnis, dass vor allem die Investitionen in Humankapital, die für ein steigendes Angebot gut ausgebildeter Arbeitskräfte sorgten, sowie im Allgemeinen das starke Beschäftigungswachstum im Zusammenhang mit den großen FDI-Zuflüssen zu Irlands positiver Entwicklung geführt hat. Walsh und Whelan[9] untersuchen die strukturellen Änderungen in der irischen Industrie, die mit der zunehmenden Öffnung des Landes einherging und die daraus entstehenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Ein wichtiges Ergebnis ihrer Analyse ist, dass die zunehmende Exportorientierung des Landes eine der Hauptursachen für die positive Beschäftigungsentwicklung in den 1990ger Jahren gewesen ist.

Andere Autoren legen den Schwerpunkt auf die Analyse der wesentlichen wirtschaftspolitischen Entscheidungen, die in Irland seit den 1960ger Jahren getroffen wurden. Sie bringen diese in den Zusammenhang mit der Entwicklung des Landes, um daraus Politikempfehlungen für andere Länder ableiten zu können. Walsh[10] legt den Schwerpunkt seiner Analyse auf die irische Steuerpolitik, die seiner Ansicht nach entscheidend für den FDI-Zufluss war. Der FDI-Zufluss und die Exportorientierung haben dann wiederum zu einem Beschäftigungsboom geführt, der schließlich ein wesentlicher Wachstumstreiber der irischen Wirtschaft war. Fortin[11] zieht aus der Analyse der irischen Entwicklung den Schluss, dass die konsequente Öffnung der Volkswirtschaft, eine wirtschaftsfreundliche Industrie- und Steuerpolitik, kostenlose oder kostengünstige Sekundär- und Tertiärausbildung sowie die Bekämpfung der Inflation wesentlich zur erfolgreichen Entwicklung eines Landes beitragen. Dabei betont er, dass vor allem der „Geduldsfaktor“ eine große Rolle spielt, denn viele dieser Politikentscheidungen wurden schon in den 1960ger und 1970ger Jahren getroffen; Irlands positive Entwicklung setzte aber erst wesentlich später ein.

Schließlich versuchen einige Autoren Erkenntnisse aus dem Vergleich der Entwicklung Irlands mit der Griechenlands, Portugals und Spaniens zu ziehen. Diese Länder wiesen – wie bereits erwähnt – bis in die 1980ger Jahre hinein ein ähnliches Prokopfeinkommen wie Irland auf, konnten jedoch keine vergleichbar positive Entwicklung zeigen.[12] Diese Ländervergleiche zeigen, dass vor allem der starke FDI-Zufluss, die Bildungsinvestitionen und der „richtige“ Einsatz der EU-Beihilfen zu Irlands schnellem Wachstum beigetragen haben.

Alle diese Studien beschäftigen sich – zumindest indirekt – mit dem Einfluss von FDI auf die wirtschaftliche Entwicklung Irlands. Die meisten dieser Arbeiten sind jedoch theoretischer bzw. qualitativer Natur und verzichten auf das statistisch-ökonometrische Instrumentarium bei der Analyse der Zusammenhänge. Eine methodisch zu der vorliegenden Untersuchung vergleichbare Studie, die sich mit der Kausalbeziehung zwischen dem FDI-Zufluss und der wirtschaftlichen Entwicklung Irlands beschäftigt, ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der Literatur nicht zu finden. Diese Forschungslücke soll mit dieser Arbeit geschlossen werden. Es werden die Kausalzusammenhänge zwischen dem FDI-Zufluss und dem Wirtschaftswachstum, dem Beschäftigungswachstum, dem Kapitalstockwachstum sowie dem Wachstum der totalen Faktorproduktivität (TFP) mit Hilfe eines Regressionsmodells analysiert.

Neben dem Beitrag zur Erforschung der Gründe für die wirtschaftliche Entwicklung Irlands wird ein Beitrag zur allgemeinen FDI-Forschung erbracht. Es gibt bereits eine Vielzahl von Studien, die sich mit dem Einfluss von FDI auf wichtige makroökonomische Größen im Gastland beschäftigen. Ein Großteil der Studien, die den Zusammenhang zwischen FDI und Wachstum untersuchen, sind Querschnitts- und Panelanalysen. Sie kommen jedoch zu sehr uneinheitlichen Ergebnissen, je nach Periode oder Ländergruppen für die sie durchgeführt wurden.[13] Die unterschiedlichen Resultate lassen Zweifel an der grundsätzlichen Eignung der genannten Analysemethoden in diesem Kontext aufkommen und machen eine Übertragung der Ergebnisse auf konkrete Einzelfälle kaum möglich.[14] Begründet werden diese Zweifel unter anderem damit, dass Querschnittsanalysen für die untersuchten Länder implizit gleiche Eigenschaften hinsichtlich der ökonomischen Struktur im Allgemeinen und der Produktionstechnologie im Speziellen voraussetzten. Da dieses in den meisten Fällen jedoch nicht gegeben ist, ist mit unterschiedlichen Reaktionen der Länder auf exogene Schocks und somit auf den FDI-Zufluss zu rechnen.[15] Zudem sind die Datenerhebungsmethoden (gerade bei der Betrachtung von Entwicklungsländern) oft uneinheitlich und unzuverlässig, was eine verlässliche Analyse kaum ermöglicht.[16] Des weiteren ist anzunehmen, dass die Kausalbeziehung zwischen FDI und Wirtschaftswachstum von Land zu Land unterschiedlich ist, was das Erzielen nutzbarer Ergebnisse anhand von Querschnittsanalysen stark erschwert.[17] Um daher einen tieferen Einblick und höheres Verständnis über den Einfluss von FDI auf die wirtschaftliche Entwicklung im Gastland zu erhalten und daraus konkrete Politikempfehlungen ableiten zu können, wird in der empirischen FDI-Literatur die verstärkte Untersuchung der Wirkung von FDI anhand von Einzelland-Studien empfohlen.[18]

In diesem Sinne soll der zweite Forschungsbeitrag dieser Arbeit gesehen werden.

Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Im nächsten Abschnitt 1.3 wird eine Definition des Begriffs Direktinvestitionen gegeben. Zudem werden in Kürze konzeptionelle Kernpunkte angesprochen, die bei der Interpretation von Daten über Direktinvestitionsströme zu berücksichtigen sind. In den Kapiteln 2 und 3 werden die theoretischen Grundlagen für die empirische Analyse gelegt. Dabei werden zum einen die Motive für das Durchführen von Direktinvestitionen behandelt und zum anderen die Wirkungskanäle, über die Direktinvestitionen auf die Wirtschaft des Gastlandes einwirken, erläutert. Kapitel 4 beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung Irlands seit den 1960ger Jahren, um das nötige Hintergrundwissen zur Interpretation der Ergebnisse der in Kapitel 5 folgenden empirischen Analyse zu vermitteln. Im abschließenden Kapitel 6 erfolgt eine Zusammenfassung der Arbeit und eine Diskussion der Ergebnisse der empirischen Analyse. Zudem wird aufgezeigt, in welchen Bereichen noch weiterer Forschungsbedarf besteht. Schließlich werden allgemeine Politikempfehlungen abgeleitet, die sich aus dieser Untersuchung ergeben.

1.3 Begriffsbestimmung und konzeptionelle Kernpunkte

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definiert den Begriff ausländische Direktinvestitionen wie folgt:[19]

“Foreign direct investment reflects the objective of obtaining a lasting interest by a resident entity in one economy (‘direct investor’) in an entity resident in an economy other than that of the investor (‘direct investment enterprise’). The lasting interest implies the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence on the management of the enterprise. Direct investment involves both the initial transaction between the two entities and all subsequent capital transactions between them and among affiliated enterprises, both incorporated and unincorporated.”

Das entscheidende Wesensmerkmal von FDI, welches sie von Portfolioinvestitionen unterscheidet, ist demnach das Streben nach Kontrolle und Einfluss. Entsprechend definiert die Welthandelsorganisation (WTO):[20]

“Foreign direct investment (FDI) occurs when an investor based in one country (the home country) acquires an asset in another country (the host country) with the intent to manage that asset. The management dimension is what distinguishes FDI from portfolio investment in foreign stocks, bonds and other financial instruments. […].”

Aus diesen beiden Definitionen ergeben sich zwei Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, dass eine Investition eine Direktinvestition darstellt: Erstens muss die Investition in einem anderen Land erfolgen und zweitens muss der Investor durch die Investition direkte Kontrolle (‚significant degree of influence’) über den erworbenen Vermögensgegenstand (‚asset’) erlangen.[21] Zudem ist zu beachten, dass nicht nur die ursprüngliche Transaktion als Direktinvestition angesehen wird (vgl. letzter Satz der ersten Definition), sondern ebenso alle Folgetransaktionen zwischen der Mutter- und Tochtergesellschaft.[22]

Durchgeführt werden FDI per Definition von transnationalen Unternehmen (TNC).[23] Ein Unternehmen ist dann ein TNC, wenn die Muttergesellschaft Tochtergesellschaften in einem anderen Land hat. Dabei wird ein Unternehmen als Mutterunternehmen angesehen, wenn es einen Eigenkapital- oder Stimmrechtsanteil an einem anderen Unternehmen in Höhe von mindestens 10% hält.[24]

Aus diesen Definitionen für FDI wird deutlich, dass es sich bei einer zu FDI zählenden Investition sowohl um eine Fusion bzw. eine Unternehmensübernahme (M&A) als auch um eine sogenannte „Greenfield“ Investition handeln kann. Bei Greenfield Investitionen werden im Gegensatz zu M&A tatsächlich neue Produktionskapazitäten geschaffen. Somit haben sie einen direkten positiven Einfluss auf den Kapitalstock des Gastlandes. Diese Unterscheidung ist von großer Bedeutung für die Untersuchung im Rahmen dieser Arbeit. Es ist einleuchtend, dass die Effekte von FDI auf die Wirtschaft des Gastlandes je nach Art der Direktinvestition unterschiedlich sind.

FDI sind Teil der Zahlungsbilanz. Die Ermittlung erfolgt nach Richtlinien des Internationalen Währungsfonds (IMF),[25] dabei wird jedoch keine Unterscheidung zwischen Greenfield Investition und M&A getroffen. Somit kann dieser Faktor im Rahmen der empirischen Analyse dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden, was bei der Interpretation der Ergebnisse beachtet werden muss.

Abbildung 6 und Abbildung 7 sollen das mögliche Ausmaß dieser konzeptionellen Schwierigkeit exemplarisch verdeutlichen. Durch die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im ersten Quartal 2000 flossen mehr FDI nach Deutschland als insgesamt seit 1971 registriert wurden.[26] Ohne diese Hintergrundinformation suggerieren die Daten einen immensen Anstieg des Kapitalstocks und der Produktionskapazitäten in Deutschland. Gegensätzlich dazu ist mit dem starken Anstieg des Direktinvestitionszuflusses in der Slowakei im Jahr 2002 tatsächlich ein starker Anstieg der Produktionskapazitäten einhergegangen. Unter anderem haben Volkswagen und Hyundai durch die Errichtung und Modernisierung von Produktionsstätten in der Automobilindustrie zu einem starken Anstieg des Kapitalstocks beigetragen.[27]

2 Determinanten (Motive) für Direktinvestitionen

2.1 Ein Überblick über die wichtigsten Theorien

Die Literatur hält eine große Anzahl von Theorien über die Determinanten von Direktinvestitionen bereit. Die Diskussion dieser Theorien im Einzelnen wäre jedoch zu umfangreich im Rahmen dieser Arbeit.[28] Es sollen daher nur die Grundaussagen von drei in der Literatur sehr häufig zitierten und daher am wichtigsten erscheinenden Erklärungsansätze in Kürze dargelegt werden, um daraus die für diese Arbeit wichtigen Aspekte herauszuarbeiten.

Als einer der Vorreiter auf dem Gebiet der Theorie der Direktinvestitionen gilt Hymer,[29] der sich im Rahmen seiner Dissertation mit der Frage auseinandersetzt, warum MNC Produktionsstätten im Ausland eröffnen. Er argumentiert, dass die Theorie internationaler Kapitalbewegungen, die aussagt, dass Kapitalströme durch Zinsdifferenzen determiniert werden, nicht auf FDI anwendbar sei. Vielmehr würden FDI durch das Streben nach Einfluss und Kontrolle determiniert.[30] Da MNC auf dem Gastmarkt gegenüber inländischen Unternehmen aufgrund geringerer Marktkenntnisse, möglicher Sprachprobleme oder Benachteiligung durch die Regierung oder die Verbraucher grundsätzlich schlechter gestellt sind als heimische Unternehmen, können sie nur im Markt bestehen, wenn sie diese Nachteile durch andere Vorteile wie beispielsweise bessere Produktionstechnologien oder andere unternehmensspezifische Vorteile kompensieren können.[31] Durch diese Vorteile erreichen sie eine Monopolstellung auf dem Gastmarkt. Folglich kann das Erreichen einer Monopolstellung durch Ausschaltung oder Begrenzung des Auslandswettbewerbs als Motiv für das Durchführen von FDI gesehen werden.[32]

Eine weitere Erklärung für das Durchführen von FDI liefert das Produktlebenszyklus-Modell von Vernon.[33] Er argumentiert, dass Produkte, respektive der Produktionsprozess, einen Zyklus von Innovationsphase über die Reifephase bis hin zur Standardisierung durchlaufen.

Die Innovationsphase findet dabei annahmegemäß in einem „fortschrittlichen“ Land statt, in dem mit der Innovation die Wünsche der Konsumenten erfüllt werden. Da der Produktionsprozess noch nicht standardisiert ist, ist die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften äußerst wichtig. Zwar ist die Produktion des Gutes dadurch noch recht teuer, da das Unternehmen jedoch aufgrund der Innovation eine Monopolstellung innehat, spielt eine kostengünstige Produktion eine untergeordnete Rolle. Die Wahl des Produktionsstandorts wird somit in dieser Phase stark von der Verfügbarkeit von Fachkräften abhängig gemacht. Die Nachfrage des Auslands wird deshalb eher durch Exporte als durch die Errichtung von Produktionsstätten in den Nachfrageländern bedient.[34]

In der Reifephase wird die Produktionstechnologie mehr und mehr standardisiert, und es treten Wettbewerber auf den Markt. Die Produktionskosten gewinnen daher an Bedeutung. Da zur Bedienung der Nachfrage aus anderen „fortschrittlichen“ Ländern Exporte getätigt werden müssen, die den Preis des Produktes erhöhen, kann es sinnvoll sein, Produktionsstätten in diesen Ländern zu errichten, um nicht durch auftretende Konkurrenten in diesen Ländern Marktanteile zu verlieren oder vom Markt verdrängt zu werden.[35]

In der letzten Phase ist der Produktionsprozess schließlich standardisiert und die Bedeutung von Fachkräften in der Produktion wird geringer. Dadurch gewinnt der Preiswettbewerb größere Bedeutung und es wird notwendig die Produktion in weniger entwickelte Länder zu verlagern, in denen die Lohnkosten geringer sind.[36]

Eine umfassendere Theorie über Direktinvestitionen stammt von Dunning,[37] der mit seiner sogenannten „Eklektischen Theorie“ den Versuch unternahm, die bis zu diesem Zeitpunkt bestehenden Ansätze zur Erklärung von Direktinvestitionen zu vereinen. Die am häufigsten genannten Faktoren hat er in dem sogenannten OLI-Paradigma zusammengefasst. Danach gibt es drei Hauptfaktoren, welche die Durchführung von Direktinvestitionen determinieren: Eigentums- (O = Ownership), Standort- (L = Location) und Internalisierungsvorteile (I = Internalisation).[38]

„Ownership Advantages“ sind die grundlegende Voraussetzung für die Durchführung von FDI. Wie oben bei der kurzen Darstellung der Theorie von Hymer angesprochen, haben ausländische Unternehmen unter anderem aufgrund geringerer Marktkenntnisse einen Nachteil gegenüber heimischen Unternehmen. Somit sind firmenspezifische Wettbewerbsvorteile eine notwendige Bedingung für die Durchführung von FDI, die dann zu einer Monopolstellung führen. Solche Vorteile sind beispielsweise spezielle Produktionstechnologien, Zugang zu Ressourcen, zu Wissen und Absatzmärkten. Zusätzlich entstehen Vorteile aus der Multinationalität des Unternehmens als solche. So können internationale Preisdifferenzen auf Produkt- und Faktormärkten gewinnbringend genutzt werden. Zudem ist eine bessere Risikodiversifikation möglich.[39]

„Internalisation Advantages“: Wenn die Grundvoraussetzung, dass ein Unternehmen Eigentumsvorteile hat, gegeben ist, dann ist anzunehmen, dass es für das Unternehmen von größerem Nutzen ist, diese Vorteile selbst zu nutzten, d. h., zu internalisieren, anstelle sie an andere Unternehmen zu verkaufen. Auf diese Weise können Verhandlungs- und Transaktionskosten gespart werden.[40] Zudem haben gerade immaterielle Vermögenswerte, wie technisches Wissen, innerhalb des Unternehmens den Charakter eines öffentlichen Gutes. Die Verbreitung dieses Wissens auf Tochtergesellschaften hat somit Grenzkosten von nahezu null. Dadurch entstehen weitere Wettbewerbsvorteile gegenüber den Unternehmen im Gastland und geben einen Anreiz zur Durchführung von FDI.[41]

„Locational Advantages“: Wenn die beiden ersten Vorteile gegeben sind, muss zusätzlich die Produktion im Ausland noch weitere Vorteile bieten. Anderenfalls könnte der Markt im Ausland auch über Exporte bedient werden. Die Bedienung des inländischen Marktes wäre, wenn das Ausland keine Standortvorteile bieten würde, aufgrund geringerer Transportkosten sowieso besser über inländische Produktion durchzuführen. Solche Standortvor- bzw. -nachteile beziehen sich unter anderem auf die Kosten und Qualität der Inputs für die Produktion, die Infrastruktur, das Steuersystem, die politische Stabilität und die Distanz zu anderen Absatzmärkten.[42]

2.2 Implikationen für die Fragestellung dieser Arbeit

Als Erkenntnis aus der Theorie von Hymer bleibt festzuhalten, dass FDI grundsätzlich nur durchgeführt werden können, wenn das investierende Unternehmen den Unternehmen auf dem Gastmarkt überlegen ist. Diese Erkenntnis ist insofern für diese Arbeit von Relevanz, als in Kapitel 3 mögliche Produktivitäts-Spillover-Effekte von FDI auf die Wirtschaft im Gastland als eine Möglichkeit betrachtet werden, wie FDI sich positiv auf die Entwicklung in diesem Land auswirken. Es ist einleuchtend, dass positive Spillover-Effekte nur eintreten können, wenn das investierende Unternehmen Fähigkeiten besitzt, die sonst nicht im Gastland verfügbar sind. In der Eklektischen Theorie von Dunning wird diese Notwendigkeit aufgegriffen und um die Internalisierungsvorteile erweitert, die einen zusätzlichen Anreiz zur Durchführung von FDI geben. Aus der Produktlebenszyklushypothese von Vernon gehen zwei Motive zur Durchführung von FDI hervor. In der Reifephase das Sichern von Marktanteilen und in der letzten Phase, in der der Produktionsprozess standardisiert ist, die Suche nach möglichst effizienten und kostengünstigen Produktionsbedingungen. Somit spielen die Gegebenheiten in potenziellen Gastländern ebenfalls eine Rolle für das Durchführen von Direktinvestitionen. Auch diesen Aspekt greift Dunning unter dem Punkt Locational Advantages auf, wobei auch zusätzliche Aspekte berücksichtigt werden (siehe oben).

Es bleibt also festzuhalten, dass ein Unternehmen zunächst grundsätzlich in der Lage sein muss FDI durchzuführen und die Produktion im Gastland gegenüber der Produktion im Heimatland einen Vorteil haben muss. Das Ziel der langfristigen Gewinnmaximierung und des Erhalts der Wettbewerbsfähigkeit steht bei der Motivation für die Durchführung von FDI somit im Mittelpunkt.[43]

Interessant im Rahmen der Zielsetzung dieser Arbeit ist weniger die grundsätzliche Fähigkeit von Unternehmen FDI durchführen zu können als vielmehr die Gegebenheiten im Gastland, die dazu führen, dass MNC gerade in dieses Land investieren – und daraus resultierend die Fragestellung nach der Kausalbeziehung zwischen FDI und Wirtschaftswachstum.

Es lassen sich in diesem Zusammenhang drei Arten von Direktinvestitionen unterscheiden, die auf spezielle Gegebenheiten im Gastland abstellen: ‚Market Seeking’ Projekte, ‚Efficiency Seeking’ Projekte und ‚Resource Seeking’ Projekte.[44]

Market Seeking FDI werden durchgeführt, um Zugang zum Markt des Gastlandes und von Nachbarländern zu erhalten. Von besonderem Interesse bei der Auswahl eines solchen Marktes sind die Marktgröße sowie das Marktpotenzial. Somit sind vor allem schnell wachsende Märkte von Interesse für das durchführen von FDI.

Bei Efficiency Seeking FDI steht im Gegensatz zur ersten Form nicht der Zugang zu neuen Märkten im Mittelpunkt, sondern das Ziel der Kostenersparnis. Hier spielt die Höhe der Lohnkosten in Relation zur Qualität der Arbeitskräfte im Gastland eine wichtige Rolle. Aber auch andere Faktoren wie die Inflationsrate, Wechselkurse, Transport- und Kommunikationskosten sind wichtige Determinanten.

Resource Seeking FDI zielen zum einen darauf ab, die Produktion möglichst nahe an Rohstoffe zu bringen, die nicht transportfähig sind oder deren Transportkosten zu hoch sind. Ziele für diese Art der Direktinvestitionen sind entsprechend Länder, die einen großen Vorrat an den Rohstoffen haben, welche für das jeweilige MNC relevant sind. Zum anderen kann resource seeking auch die Suche nach einem Standort mit guter physischer Infrastruktur, hohen technischen Standards, qualifizierten Arbeitskräften oder die Suche nach der „Ressource“ billige, ungelernte Arbeit sein.

Diese Motive für FDI sind natürlich nicht immer unabhängig voneinander, sondern können auch komplementär sein. Gleichermaßen können bestimmte Faktoren in einem Land alle drei Arten von FDI anziehen. So haben beispielsweise die physische Infrastruktur, die Stabilität des politischen Systems und die allgemeinen Anreize, die ein Land zur Anwerbung von FDI unternimmt, einen Einfluss auf alle drei Arten der Direktinvestitionen.[45]

Festzuhalten bleibt: Wichtige Determinanten für die Auswahl eines Gastlandes sind die Marktgröße, das Marktpotenzial bzw. das Marktwachstum, die Ressourcenausstattung des Landes, Kosten und Qualität[46] der Arbeitskräfte sowie die Infrastruktur. Viele Studien betonen auch die Bedeutung von staatlichen Investitionsanreizen als Determinante für den FDI-Zufluss.[47]

3 Einfluss von Direktinvestitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung im Gastland

3.1 Einfluss auf das Wirtschaftswachstum im Gastland – Theoretische Zusammenhänge und empirische Evidenz

3.1.1 Direktinvestitionen im Kontext wachstumstheoretischer Überlegungen

Die möglichen Wirkungskanäle von FDI auf das Wirtschaftswachstum und die im einleitenden Kapitel angesprochenen wachstumsrelevanten Größen Beschäftigung, Kapitalstock und technischer Fortschritt lassen sich anhand einer makroökonomischen Produktionsfunktion illustrieren. Das Wachstumsmodell von Robert M. Solow[48] mit technischem Fortschritt stellt dabei den Ausgangspunkt der Überlegung dar. Danach wird der Output zum Zeitpunkt t (Yt) anhand einer Produktionsfunktion der folgenden Form bestimmt:

F 3.1-1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inputfaktoren sind Arbeit (A) und Kapital (K), die jeweils ein positives, abnehmendes Grenzprodukt aufweisen. Der Einfluss von Produktivitätssteigerungen und technischem Fortschritt auf den Output wird durch den Schiftparameter (T) berücksichtigt. Die gleichgewichtige Outputwachstumsrate ist nach dieser Theorie abhängig von den Wachstumsraten von Arbeit und technischem Fortschritt, die beide als exogen angesehen werden. Das Kapitalstockwachstum ist endogen und entspricht dem Wachstum des Outputs.[49]

Neuere Theorien betonen die Bedeutung des technischen Fortschritts und modellieren diesen daher endogen, beispielsweise über positive externe Effekte von Humankapital, Produktivitätssteigerungen durch zunehmende Erfahrung der Arbeiter mit neuen Technologien oder durch Mehrsektormodelle, in denen es neben dem eigentlichen Produktionssektor noch einen Sektor für Forschung und Entwicklung gibt, durch den technischer Fortschritt „produziert“ wird.[50]

Die Verbindung dieser Theorien mit FDI ist denkbar einfach. Im Fall der obigen Produktionsfunktion wird der Output der Volkswirtschaft durch drei Faktoren bestimmt: Arbeit, Kapital und technischer Fortschritt. Durch FDI können alle diese Faktoren beeinflusst werden.[51]

In einigen empirischen Analysen, in denen von der Grundidee ein ähnlicher Ansatz wie in dieser Untersuchung verwendet wird, wird in der Produktionsfunktion anstelle des Faktors Arbeit der Faktor Humankapital genutzt.[52] Dies scheitert jedoch im Rahmen der vorliegenden Studie an der Nichtverfügbarkeit einer ausreichend langen Zeitreihe für einen geeigneten Humankapitalindikator. Bei den Studien, die den Faktor Humankapital einbeziehen, handelt es sich allerdings um Querschnitts- bzw. Panelanalysen, bei denen nur eine Zeitspanne bzw. mehrere Zeitspannen oder Zeitpunkte in der Analyse genutzt werden. Es werden dort daher nur die Humankapitalindikatoren zu verschiedenen Zeitpunkten benötigt und keine Zeitreihen, weshalb bei dieser Art von Analysen dieses Datenproblem nicht auftritt. Der Einfluss von FDI auf das Humankapital kann daher in der vorliegenden empirischen Analyse nicht explizit erfasst werden, sondern wird allgemein dem technischen Fortschritt zugerechnet, ebenso wie andere produktivitätssteigernde Einflüsse von FDI, die nicht erfasst werden können. Der Faktor T selbst wird als Residualgröße nach dem Vorbild von Solow[53] berechnet.

In den folgenden Abschnitten werden die Wirkungskanäle, über die FDI die einzelnen Komponenten der Produktionsfunktion beeinflussen können, erläutert.

3.1.2 Akkumulation von Sachkapital

Gemäß der neoklassischen Wachstumstheorie wird der Output und temporär das Outputwachstum der Volkswirtschaft durch die Akkumulation von Sachkapital erhöht.[54] Entsprechend wird sich der Output ceteris paribus (c. p.) durch den FDI-Zufluss erhöhen, solange dieser tatsächlich zur Errichtung neuer Produktionsstätten führt – es sich also um Greenfield Investitionen dreht.

[...]


[1] Abbildung 1 bis Abbildung 4 verschaffen einen Eindruck über das Ausmaß der irischen Entwicklung, indem die eben aufgeführten Fakten grafisch dargestellt werden.

[2] Vgl.
Abbildung 5

[3] Vgl. UNCTAD (2006), S. 11. In diesen Index geht der Anteil des FDI-Zuflusses an den Bruttoinvestitionen und am Bruttoinlandsprodukt, die Wertschöpfung ausländischer Unternehmen am Bruttoinlandsprodukt und der Anteil der Beschäftigten in ausländischen Unternehmen an der Gesamtbeschäftigung im Land ein. Der Index kann somit als Durchdringungsgrad der Wirtschaft des Gastlandes mit FDI interpretiert werden.

[4] Vgl. Barry, F. (1996).

[5] Vgl. Barry, F. (2002). Auf die Grundaussagen dieser beiden Theorien wird in Abschnitt 4.2 eingegangen.

[6] Vgl. Kennedy, K. A. (2001).

[7] Vgl. Honohan, P. und B. Walsh (2002).

[8] Vgl. Bergin, A. und I. Kearney (2004).

[9] Vgl. Walsh, P. P. und C. Whelan (1999).

[10] Vgl. Walch, B. (2001) und Walsh, B. (2003).

[11] Vgl. Fortin, P. (2001).

[12] Vgl. z. B. Barry, F. (2003): Vergleich der Entwicklung aller 4 Länder; Lains, P. (2006): Vergleich Irland und Portugal; Sequeira, T. N. (2002): Vergleich Irland, Spanien und Portugal.

[13] Für einen Überblick über viele dieser Studien und deren Ergebnisse s. Lipsey, R. E. (2002), S. 54 ff.

[14] Vgl. Krüger, R. und S. Ahlfeld (2005), S. 19.

[15] Vgl. Hinrichs, C. (2005), S. 100.

[16] Vgl. Xu, B. (2000), S. 478.

[17] Vgl. Chowdhury, A. und G. Mavrotas (2006), S. 18.

[18] Vgl. dazu z. B. Krüger, R. und S. Ahlfeld (2005), S. 19 oder Chowdhury, A. und G. Mavrotas (2006), S. 18.

[19] OECD (1996), S. 7 f.

[20] WTO (1996), Box 1.

[21] Nach der OECD-Benchmark Definition für FDI ist dieser signifikante Einfluss dann erreicht, wenn durch die Investition ein Anteil von 10% am Eigenkapital bzw. an den Stimmrechten des Unternehmens erworben wurde. Dieser Anteil impliziert laut OECD, dass ein signifikanter Einfluss auf das Management des Unternehmens ausgeübt werden kann (Vgl. OECD (1996), S. 8).

[22] Insgesamt haben FDI drei Komponenten (Vgl. UNCTAD (2006), S. 294): 1. Den ursprüngliche Kapitalfluss, durch den der Investor Anteile an einem Unternehmen im Ausland erwirbt, 2. Gewinne, die nicht an den Investor ausgeschüttet werden, sondern reinvestiert werden und 3. kurz- und langfristige Kredite zwischen der Mutter- und der Tochtergesellschaft.

[23] In der Literatur wird häufig auch der Begriff Multinationales Unternehmen (MNC) gebraucht. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe TNC und MNC synonym verwendet.

[24] Vgl. UNCTAD (2006), S. 293.

[25] Für ausführliche Informationen siehe IMF (2003).

[26] Die Daten aus der Feri Datenbank, die zur Erstellung der Abbildungen genutzt wurden, reichen bis 1971 zurück. Zwischen 1971 und 1999 sind insgesamt FDI in Höhe von 146,33 Mrd. Euro nach Deutschland geflossen. Alleine im 1. Quartal 2001 waren es 163,96 Mrd. Euro.

[27] Vgl. Hinrichs, C. (2005), S. 6 ff.

[28] Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Theorien, strukturiert nach den Kategorien Direktinvestitionen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene, einzelwirtschaftlicher Ebene und der Bedeutung von FDI als mobiler Standortfaktor geben Heiduk, G. und J. Kerlen-Prinz (1999). Stehen, J. (1992, S. 17-62) gibt einen Überblick, indem er die Theorien in länderspezifisch orientierte Ansätze, firmenspezifisch orientierte Ansätze sowie Ansätze einordnet, in denen die klassische bzw. neoklassische Außenhandelstheorie um Direktinvestitionen erweitert wird.

[29] Vgl. Hymer, S. H. (1960). Diese im Rahmen seiner Dissertation entwickelte Theorie wurde allerdings erst 1976 veröffentlicht. Inzwischen ist die Originalversion von 1960 jedoch im Internet unter http://hdl.handle.net/1721.1/27375 (Zugriff: 30.01.2007) abrufbar.

[30] Vgl. Hymer, S. H. (1960), S. 3 f.

[31] Vgl. ebenda, S. 39 ff.

[32] Umfassendere Diskussionen dieser Theorie finden z. B. in Heiduk, G. und J. Kerlen-Prinz (1999), S. 36 ff, Stehen, J. (1992), S. 56 f. oder Hinrichs, C. (2005), S. 34 ff.

[33] Vgl. Vernon, R. (1966). Ausführlichere Diskussionen zur Produktlebenszyklustheorie finden sich in der oben angegeben Literatur sowie bei Colman, D. und F. Nixon (1994), S. 353 f.

[34] Vgl. Vernon, R. (1966), S. 191 ff.

[35] Vgl. ebenda, S. 196 ff.

[36] Vgl. ebenda, S. 202 ff.

[37] Vgl. Dunning, J. H. (1979).

[38] Eine tabellarisch- stichwortartige Zusammenfassung dieser Vorteilsarten findet sich in Dunnig, J. H. (1979), S. 276. Eine gute Erläuterung der Eklektischen Theorie findet sich z. B. in Pfaffermayr, F. (1996), S. 5 ff oder Hemmer, H.-R. et al. (2006), S. 9 ff. Auch in den zu den anderen Theorien genannten Literaturhinweisen sind mehr oder weniger umfassende Ausführungen zur Eklektischen Theorie von Dunning zu finden.

[39] Vgl. Dunning, J. H. (1979), S. 275f.

[40] Vgl. ebenda, S. 275f.

[41] Vgl. Pfaffermayr, F. (1996), S. 6f.

[42] Vgl. Dunning, J. H. (1979), S. 275 f.

[43] Vgl. dazu auch UNCTAD (2006), S. 142.

[44] Vgl. Dutt, A. K. (1998), S. 51 f und UNCTAD (1998), S. 91.

[45] Vgl. Dutt, A. K. (1998), S. 52.

[46] Gerade die Bedeutung der Qualität der Arbeitskräfte bzw. des Vorhandenseins eines Mindestmaßes an Humankapital wird in vielen Analysen als wichtige Determinante für den FDI-Zufluss hervorgehoben. Damit wird beispielsweise auch erklärt, warum der FDI-Zufluss in gering entwickelte Länder verhältnismäßig klein ist (Vgl. z. B. Lucas, R. E., Jr. (1990), Zhang, K. H. und J. R. Markusen (1999) oder Noorbakhsh, F. und A. Paloni (2001)).

[47] Vgl. Blomström, M. und A. Kokko (2003), S. 4 f.

[48] Vgl. Solow, R. M. (1956). Die Erläuterung des Modells im Einzelnen ist nicht zielführend im Rahmen dieser Arbeit und unterbleibt aus diesem Grund. Es dient nur als Ansatzpunkt und „Ideengeber“ für mögliche Wirkungskanäle von Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum.

[49] Das erklärt sich dadurch, dass Sparen (S) in diesem Modell durch folgende Funktion dargestellt wird: St=s*Yt, mit s der marginalen Sparquote, die als konstant angenommen wird. Bei Annahme eines Gleichgewichts auf dem Gütermarkt muss gelten: Sparen = Investieren (I). Die Wachstumsrate des Kapitalstocks () berechnet sich wie folgt: . Wobei gilt: Kt – Kt-1 = It. Es folgt bei Vernachlässigung des Zeitindexes t: . Somit muss gelten, da gilt I=S=s*Y.

[50] Wesentliche Beiträge in diesem Bereich stammen von Arrow, K. J. (1962): Erfahrung bzw. learning by doing; Romer, P. M. (1986): zunehmendes Grenzprodukt des Wissens; Lucas, Jr. R. E. (1988): Kapitalakkumulation und technischer Fortschritt, Humankapitalakkumulation durch Ausbildung und spezielle Humankapitalakkumulation durch ‚learning by doing’. Wichtige darauf aufbauende Werke sind: Romer, P. M. (1990): neues Wissen bzw. Technologien durch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Da Wissen nur ein partiell ausschließbares Gut ist, wird es positive Spill-over-Effekte durch Forschung und Entwicklung geben; Aghion, P. und P. Howitt (1992): Innovationen und Prozess der kreativen Zerstörung; Barrow, R. J. (1990): Staatsausgaben bzw. Aktivitäten des Staates von denen Externalitäten ausgehen. Einen guten Überblick über empirische Studien in diesem Bereich geben Bosworth, B. P. u. S. M. Collins (2003). Ein Überblick über die unterschiedlichen Strömungsrichtungen der endogenen Wachstumstheorien ist zu finden in Frenkel, M. u. Hemmer, H.-R. (1999), Kapitel 7.

[51] Gerade im Zusammenhang mit Produktivitäts-Spill-over-Effekten werden FDI in der Literatur häufig in den Zusammenhang mit den endogenen Wachstumstheorien gebracht (vgl. dazu auch Kapitel 3.1.4).

[52] Vgl. z. B. Borensztein, E. et al. (1998) oder Krüger, R. (2003).

[53] Vgl. Solow, R. M. (1957). Auf die Vorgehensweise zur Berechnung wird in Kapitel 5.3 eingegangen.

[54] Für eine ausführliche Diskussion dieser Sachverhalte siehe z. B. Barro, R. J. und X. Sala-i-Martin (1998), Kapitel 1.2.

Details

Seiten
95
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638740012
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76755
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftspolitik und Internationale Makroökonomik
Note
1,3
Schlagworte
Einfluss Direktinvestitionen Entwicklung Irlands

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Titel: Der Einfluss ausländischer Direktinvestitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung Irlands